Landesverband Bayern

Paritätischer Wohlfahrtsverband legt Studie zur Förderung von Langzeitarbeitslosen vor

"Ich habe Angst, dass ich bald wieder auf der Straße stehe, weil das Jobcenter meine Stelle nicht verlängert", sorgt sich Hannah, eine alleinerziehende Mutter von einem behinderten Kind. Die 42-Jährige arbeitet bei Viva Clara. Das ist ein Projekt von Condrobs, das 30 Frauen eine neue Perspektive bietet, die es aufgrund ihres sozialen, familiären oder kulturellen Hintergrunds schwer in der Gesellschaft haben. Vorher war Hannah viele Jahre arbeitslos.

Grund für Hannahs Sorge: Die letzte Bundesregierung hat die Mittel für die Förderung von Langzeitarbeitslosen massiv zusammengestrichen. In München wurden die Gelder des Jobcenters seit 2009 um 15 Millionen Euro gekürzt. Bei Condrobs sind die Zuschüsse allein im vergangenen Jahr um 132.000 Euro gesunken.

Durch die sogenannte Instrumentenreform 2011 wurden außerdem längerfristige Fördermodelle weitgehend abgeschafft. Nun gibt es nur noch die sogenannten 1-Euro-Jobs, deren Beschäftigungsdauer lediglich sechs Monate beträgt. „Diese Zeit ist viel zu kurz, um die Teilnehmerinnen auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten“, kritisiert Eva Egartner, Geschäftsführerin von Condrobs e.V. „Unsere Frauen brauchen nach vielen Jahren Langzeitarbeitslosigkeit auch eine intensive soziale Betreuung. Die ist nach den Kürzungen überhaupt nicht mehr möglich!“

So wie Condrobs geht es vielen Projekten in Deutschland, wie eine Anfang April in Berlin vorgestellte Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands belegt. Standen 2010 deutschlandweit noch 6,6 Milliarden Euro für Eingliederungsleistungen zur Verfügung, sind es in diesem Jahr gerade noch 3,9 Milliarden Euro. Jeder zweite geförderte Maßnahmenplatz wurde gestrichen; viele Beschäftigungsträger mussten Insolvenz anmelden. Der Paritätische Gesamtverband fordert eine Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik, die sich nicht an den Arbeitgebern sondern an den individuellen Bedürfnissen der Langzeitarbeitslosen ausrichtet.

Karin Majewski, Geschäftsführerin des Paritätischen in München, fordert auch von der Landeshauptstadt, Dauerarbeitsplätze zu finanzieren für Menschen, die nicht in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrierbar sind. "Arbeit hat in unserer Leistungsgesellschaft einen so hohen Stellenwert, dass Niemand auf Dauer davon ausgeschlossen bleiben darf. München soll weiter mit gutem Beispiel vorangehen!", fordert sie. Denn trotz gutem Arbeitsmarkt sind in München rund 55.000 Menschen dauerhaft auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Immerhin konnte in München ein massives Trägersterben verhindert werden, denn die Stadt stellt mit dem Qualifizierungs- und Beschäftigungsprogramm 30 Millionen Euro für die Förderung Langzeitarbeitsloser zur Verfügung – das ist mehr als die Bundesmittel im Jobcenter.

Zeitgleich zur Vorstellung der Studie kündigte die Bundesregierung ein neues Programm zur Förderung von Langzeitarbeitslosen an. „Dies sei ein kleiner Schritt“, kritisierte Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. „Das Programm kann die Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre nicht annähernd korrigieren.“

"Ich möchte gern dauerhaft bei Viva Clara arbeiten!" – das ist Hannahs größter Wunsch. Nur wenn sich in der Arbeitsmarktpolitik endlich was bewegt, kann Hannahs Wunsch in Erfüllung gehen.

Juli 2014