Landesverband Bayern

Integration

Lebkuchenherz mit Aufschrift Ehrenamt - ein Dankeschön wert!

Ohne sie wäre in den letzten Wochen nichts gegangen: die vielen Freiwilligen, die sich spontan für Flüchtlinge engagiert haben. Und ohne sie wird auch in Zukunft nichts gehen. Denn auch Integration braucht eine engagierte Bürgergesellschaft. undefinedmehr erfahren

Spenden und Mitmachen

Sie möchten sich für Flüchtlinge engagieren und Flüchtlinge bei der Integration unterstützen? Wir haben für Sie Projekte zusammengestellt, die Sie mit Ihrer Spende oder Ihrem Engagement unterstützen können. undefinedZu den Spenden- und Engagementprojekten für Flüchtlinge

Bürgerschaftliches Engagement für Flüchtlinge

Täglich wird in den Medien  über die prekäre Situation der neu ankommenden Flüchtlinge berichtet. Das aktiviert Bürgerinnen und Bürger. Städte und Gemeinden sind überfordert, genügend Platz anzubieten, es fehlen die notwendigen Mittel für eine angemessene Asylsozialberatung. Der Paritätische ist auf vielen Ebenen, fachlich und sozialpolitisch, gefordert: Hilfsangebote sind zu kommunizieren, Mitgliedsorganisationen sind zu unterstützen, es heißt Stellung zu beziehen und gemeinsame Forderungen anzubringen.

Unsere Mitgliedsorganisationen stellen Angebote für Flüchtlinge bereit und bieten gerade auch unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Jugendhilfebereich Unterkunft und sozialpädagogische und therapeutische Betreuung an.

Darüber hinaus werden noch viel mehr Hilfen für Flüchtlinge angeschoben, die jedoch aktuell zu selten im fachlichen Kontext erwähnt werden. Es geht um ehrenamtliche Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort, von Nachbarschaftshilfen, von Freizeitbegleitungen und den notwendigen zusätzlichen Hilfen zum Training der neuen Sprache.

Bürgerschaftlich organisierte Initiativen gründen sich aktuell fast täglich, auch sie bringen Bewegung in die Asylsozialpolitik. Parallel appelliert die  Politik an die Verantwortungsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger. Ein neues Miteinander wird wichtiger, neben der Verantwortungsübernahme aus der Bürgerschaft braucht es auch von Seiten der Politik entsprechende Rahmenbedingungen für das Engagement. Denn die Initiierung neuer Patenprojekte macht nur Sinn, wenn auch der Pate/die Patin weiß, auf welchen Zeitraum er/sie sich einlassen kann. Oder man gibt dem Kind gleich einen anderen Namen, wie „nachbarschaftliche Akuthilfe“.

Neben der Kostendebatte über Verantwortlichkeiten für Unterkünfte und den dringend erforderlichen Ausbau der Asylsozialberatung müssen mehr Ressourcen für die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger vor Ort bereit gestellt werden. Einjährige Projektfinanzierungen für ehrenamtliche Sprachtrainings greifen zu kurz. Denn es gilt, eine nachhaltige Willkommenskultur vor Ort zu schaffen, die ihre Basis vor allem in der Zivilgesellschaft hat .

Es braucht:
1. eine langfristige Koordination der Freiwilligen
2. eine Koordination der Initiativen untereinander vor Ort und bezirksübergreifend
3. neue Angebote mit Auslagenersatz für die Freiwilligen
4. Begleitung der Freiwilligen und koordinierte Kommunikation über die Engagementprojekte 
5. schnelle (aber dennoch abgestimmte) Reaktionen auf den Wunsch der Bevölkerung zu helfen
6. und es braucht Zeit und Bereitschaft der freien für  neue, außerhalb der bisherigen beruflichen Netzwerke gepflegte Kooperationen.

Sich gerne und gleichzeitig gut engagieren
Bürgerinitiativen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, gab es auch bei früheren Flüchtlingswellen. Dabei wurden nicht nur positive Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungswerte bringen jetzt viele potentiell engagierte Bürgerinnen und Bürger mit. Gleichzeitig böten sie wertvolles Erfahrungswissen im Bereich Flüchtlingshilfen. Sie hätten die Kraft, neue Initiativen zu gründen, neue Bürgerinnen und Bürger zur Mithilfe zu gewinnen und gemeinsam den Flüchtlingen das Gefühl zu geben, hier willkommen zu sein.  Die Erfahrenen wären demnach ein wichtiger gesellschaftlicher Türöffnerrolle. Aufgrund ihrer Vorerfahrung treten Aktive emanzipierter auf und stellen mittlerweile auch Forderungen zur besseren Implementierung von Bürgerschaftlichem Engagement. Sie wissen um die Gefahr, mit neu gegründeten Initiativen in überfordernde Situationen zu geraten. Es ist gut, wenn junge Initiativen dieses Bewusstsein mitbringen: „Wir würden uns gerne und gut engagieren. Deshalb brauchen wir auch die notwendige Unterstützung vor Ort.“ So fordern gerade erfahrene Engagierte. Diese Forderungen unterstützt der Paritätische in Bayern ausdrücklich.

Mitgliedsorganisationen des Paritätischen mit aktuellen Angeboten für Flüchtlinge und auch viele andere, erkennen den Helferwillen aus der Bevölkerung und sind aktiv, bzw. wollen aktiv werden:

  • in Patenprojekten vor Ort für Familien und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
  • Organisation von Sachspenden durch Kommunikation abgestimmter Bedarfslisten
  • Räumlichkeiten für Flüchtlingsinitiativen aus der Nachbarschaft
  • durch Kooperationen z.B. mit dem Münchner Flüchtlingsrat oder analog arbeitenden Initiativen in anderen Kommunen und/oder dem Bayerischen Flüchtlingsrat
  • durch Interessensvertretung der Engagierten in stadtpolitischen Gremien.


Allerdings reichen die guten Ideen aus der Zivilgesellschaft allein nicht aus. Unverzichtbar ist die Schaffung tragfähiger Strukturen. Notwendig sind Rahmenbedingungen, die das zivilgesellschaftliche Engagement nicht ins Leere laufen lassen: umfassende Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in den betroffenen Gemeinden und Stadtteilen, das Angebot einer geeigneten Infrastruktur – und eine Haltung, die eine Willkommenskultur offensiv voranträgt. Der Paritätische und die Freiwilligen müssen diese notwendigen Rahmenbedingungen von der öffentlichen Hand einfordern.

Dezember 2014