Landesverband Bayern

Beteiligung und Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen

Im Kinder- und Jugendhilfegesetz von 1991 wurde Partizipation gesetzlich verankert. In § 8 SGB VIII heißt es, dass Kinder und Jugendliche „entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen“ zu beteiligen sind.

Bei der Beteiligung von Kindern in Kindertagesstätten geht es beispielsweise um Themen wie Regeln und Tagesplan in der Einrichtung, die Gestaltung von Räumlichkeiten oder des Außenbereichs, Auswahl der Spielmaterialien, Mitbestimmung beim Essen und bei der Gestaltung von Ferienprogrammen und Ausflügen und um die Lösung von Konflikten.

Mitbestimmung in der Kinder- und Jugendhilfe

Die alte Klosterschule in einer Gemeinde im Landkreis München steht da wie im Bilderbuch. Sie wird inzwischen als Hort für 100 Kinder genutzt, die um die Mittagszeit aus verschiedenen Schulen eintrudeln. Nach dem Mittagessen haben sich zehn Kinder zwischen 6 und 13 Jahren um einen großen Tisch versammelt und beantworten lebhaft die Fragen von Alice Schalkhaußer und Elisabeth Kumi. Wie läuft es im Hort? Was würden die Kinder gerne ändern und an welchen Entscheidungen werden sie beteiligt?

Auf die Frage, was sie gerne verändern würden, antworten sie ganz spontan, dass die Kinder ihren Klostergarten rund um den Hort vermissen.

Johanna*: Ich würde ein bisschen Rasen hier gern haben. Weil früher hatten wir hier einen riesigen Klostergarten und jetzt wo der Kindergarten hier ist hat man irgendwie nicht mehr soviel Platz. Der Klostergarten war total schön.

Der Paritätische: Und der Klostergarten der war da wo jetzt der Kindergarten steht?

Felix: Für mich wäre es auch ganz schön, wenn wir ein paar Bäume bekommen könnten, dass man da drauf klettern kann.

Lisa: Der Klostergarten war halt richtig schön. Wir waren alle traurig als der weggekommen ist. Da war sogar ein Springbrunnen.

Johanna: ich wünsche mir vielleicht auch noch Platz wo wir spielen können, die ganzen Hortkinder sind jetzt auf diesen einen Fleck gequetscht. Die Fahrzeuge dürfen auch fast nicht fahren und man kann nicht richtig Fußball spielen. Vielleicht könnte man so einen Teerplatz hinmachen, damit die Fahrzeuge fahren können, und wo wir auch Fußball spielen könnten.

Deutlich wird, dass den Kindern, trotz der ländlichen Umgebung, Platz zum Toben fehlt. Der frühere Klostergarten musste auf Beschluss des Gemeinderates zugunsten des Neubaus eines Kindergartens weichen. Für die jüngeren Kinder sind andere Plätze im Ort nicht ohne Begleitung Erwachsener gefahrlos zu erreichen.

Der Paritätische: Was macht Ihr denn sonst am Nachmittag im Hort?

Jetzt kommt die Sprache auf die Hausaufgaben. Dass diese gemacht werden müssen wird gar nicht in Frage gestellt. Die einen würden die Hausaufgaben aber lieber gleich nach dem Mittagessen machen und dann zum Spielen rausgehen, die anderen wollen erst eine Pause, ein Mädchen möchte die Hausaufgaben teilweise zu Hause machen, eine andere Gruppe stöhnt über Aufgabenblätter zusätzlich zu den Hausaufgaben.
Die Kinder wünschen sich mehr Rücksicht auf ihre individuellen Bedürfnisse.

Der Paritätische: Wie könnt Ihr Euch eine Lösung vorstellen, wenn jeder etwas anderes möchte?

Paul: Vielleicht immer abwechselnd.

Johanna: Oder man darf sich aussuchen wann man die Hausaufgaben macht.

Regina: Das ist ja blöd für die Erzieher, die machen dann eine Stunde Hausaufgaben mit den einen und dann kommen die anderen Kinder und dann müssen sie wieder eine Stunde Hausaufgaben machen. Die Erzieher wollen ja auch mal eine Pause haben und so können sie keine Pause machen.

Felix: Manchmal haben wir es schon so gemacht, wir stimmen einfach ab. Wenn die Mehrheit früher raus will, dann gehen wir raus.

Der Paritätische: Besprecht ihr denn das mit Euren Erzieherinnen?

Johanna: Manchmal schon, aber manche trauen sich das auch nicht, weil bei uns ist eine richtig Strenge dabei. Die eine Erzieherin finden manche irgendwie ein bisschen streng.

Der Paritätische: Bei welchen Dingen würdet Ihr denn sonst noch gern mitbestimmen oder gefragt werden?

Lisa: Vielleicht auch was es zur Brotzeit gibt. Wir machen doch immer Brotzeit und manchmal da schmeckt‘s dem einen total, dem anderen schmeckt es gar nicht.

Paul: Bei uns gibt’s beim Mittagessen fast immer Salat, den finde ich auf Dauer langsam nervig.

Regina: Bei uns ist es so, es gibt immer Obst oder Gemüse und manchmal gibt’s Milchbrötchen. Wenn einem das eine nicht schmeckt, dann isst er vom anderen. Jeder mag irgendetwas anderes und jedem schmeckt irgendetwas nicht. Und es wäre ja blöd, wenn sich die Erzieherinnen alles merken müssten.

Der Paritätische: Wer macht denn die Brotzeit?

Felix: Die Horterzieherinnen.

Der Essensplan wird im Hort nicht zusammen mit den Kindern erstellt, aber in der Küche hängt ein roter Briefkasten, in den die Kinder Essensvorschläge einwerfen können.

Johanna: Aber wenn es ein Problem gibt, dann setzen wir uns im Stuhlkreis. Wenn einer kein Problem hat, dann sagt er halt nichts, aber wenn einer ein Problem hat, dann sagt er das auch.

*Die Namen der Kinder wurden geändert.