Keine einzige Reklamation

Silberne Ehrennadel

Hedda Pelger kann sich noch gut an den Anruf im Januar 2001 erinnern: Das Klamöttchen, die Second-Hand Boutique in Schweinfurt, brauchte dringend eine Vertretung. Hedda Pelger hat damals sofort zugesagt. Und ist heute immer noch dabei. Warum? „Sehr viele Kunden kennen mich noch von früher. Das macht sehr großen Spaß!“

„Wenn ich in Rente bin, dann gebe ich dem Paritätischen etwas zurück.“ Hedda Pelger erinnert sich gerne an den Schwur, den sie sich selbst gegenüber vor vielen Jahren geleistet hat. Denn zum Paritätischen in Unterfranken gibt es eine quasi familiäre Bindung: Ihre Mutter hatte den Dienst „Essen auf Rädern“ beim Paritätischen in Unterfranken mitgegründet. Und Hedda Pelger selbst hatte als Büroleiterin einer internationalen Schule bereits oft und gut mit dem Paritätischen und seiner Migrationsberatung zusammengearbeitet. Als der Paritätische dann ihre Hilfe brauchte, hat sie ohne Zögern Verantwortung übernommen.

Qualität und Service zählen

Ihr 18jähriges Engagement für das Klamöttchen umfasst seither unzählige Stunden: Drei Tage die Woche, jeweils fünf bis sechs Stunden war Hedda Pelger für die Second-Hand Boutique da. Immer. Jahr für Jahr.  „Und es gab noch nie eine Reklamation“, sagt sie stolz. Wenn die Menschen wenig Geld haben und das Letzte zusammenkratzen, sei es nämlich umso wichtiger, dass die Klamotten top und in Ordnung sind. Hedda Pelger möchte, dass ihre Kund*innen zufrieden sind. Deshalb reagiert sie auf die Wünsche ihrer Kund*innen auch wie eine Selbstständige: Wenn das Einkaufszentrum gegenüber bereits um 8 Uhr öffnet, passt sie die Ladenöffnungszeiten vom Klamöttchen an. Wenn der Kleiderbestand schwindet, wird telefonisch im Bekannten- und Freundeskreis um Kleiderspenden gebeten. Hedda Pelger ist eine Netzwerkerin, die sich auch nicht scheut, ihren Kegelverein für das Klamöttchen zu aktivieren.

Ein Ort für Begegnungen und Hilfe

„Es geht aber nicht nur ums Kleidung kaufen. Es geht immer auch ums Gespräch. Ich helfe wo ich kann.“ Hedda Pelger ist es wichtig, für jeden Menschen ein offenes Ohr zu haben und Mut zuzusprechen. Sie mag es, ihrer Kundschaft Tipps zu geben. Den Erfolg ihres Engagements macht sie deshalb auch nicht allein an den Verkaufszahlen fest, sondern an dem eigentlich Unbezahlbaren an ihrem Ehrenamt: den spontanen Begegnungen, dem freundschaftlichen Austausch und der nachbarschaftlichen Hilfe. So wird das Klamöttchen zu einem Ort, an dem die Welt noch ein Stück in Ordnung ist. An dem die Menschen noch miteinander sprechen und sich helfen.

Ihre Auszeichnung mit dem Luise Kiesselbach Preis widmet Hedda Pelger ihrer Mutter. Denn von ihrer Mutter hat sie bereits als Kind etwas sehr Wichtiges gelernt: Dankbar zu sein für die Unterstützung, die man durch andere Menschen erfährt.

Kleiderladen Klamöttchen

Unter dem Motto  „So gut wie Neues für so gut wie nichts“ bietet der Kleiderladen „Klamöttchen“ guterhaltene, gebrauchte und neuwertige Kleidung gegen eine kleine Spende an. Dabei gibt jeder und jede, soviel er kann. Gedacht ist das Angebot vor allem für bedürftige Menschen wie zum Beispiel Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehende oder kinderreiche Familien. Das „Klamöttchen“ wird im Stil einer Boutique geführt, wo jeder selbst zwanglos etwas auswählen kann und mit großer Aufmerksamkeit bedient wird.