Mit Energie und Lebensfreude

Goldene Ehrennadel

„Wie duschen Sie?“ „Na, mit Wasser und Seife!“ Wenn man mit Margit Giegerich spricht, wird schnell klar: Die Frau spricht Klartext und hat Humor! Mit vier Jahren erkrankt sie an Masern. Und erblindet als Nebenfolge der Krankheit nach und nach. Energie und Lebensfreude hat sie sich aber nie nehmen lassen.

Nein, die Herausforderungen des Alltags sind Margit Giegerich defi nitiv nicht genug. Sie hat so viel Energie, die gut investiert werden will. Und so quillt die Aufzählung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten regelrecht über: Sie berät in ihrem Landkreis, hat Selbsthilfegruppen gegründet, bayern- und bundesweite Frauenkonferenzen organisiert, Referate zu Barrierefreiheit gehalten, Seminare für Frauen geplant und Schulklassen über ihren Alltag mit Sehbehinderung erzählt.

Selbstbestimmt leben

Frauen-Themen, Emanzipation und Selbstbestimmung sind ihr besonders wichtig. Auch in ihrem Engagement für den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB). Und so steht die kommende, von ihr geplante Frauenkonferenz für den BBSB auch folgerichtig unter dem Motto „Politik – nicht ohne uns“.

Es macht Margit Giegerich wütend, wenn Menschen mit Sehbehinderung nicht selbst über sich bestimmen können oder dürfen. Zum Beispiel, wenn sehbehinderte Menschen bei Wahlen von ihren Eltern oder anderen Menschen abhängig sind. Und zum Beispiel beim Ausfüllen des Stimmzettels um ihren eigenen Willen betrogen werden. Margit Giegerich kennt solche Geschichten. Dabei soll doch jeder Mensch selbstbestimmt leben können. So wie sie selbst.

Jeden Tag ein Stück die Welt erobern

Was Margit Giegerich in ihrem Engagement wichtig ist, hat auch ihr Privatleben geprägt: Durch die fortschreitende Erblindung war ihr eigenes Leben eine permanente Rückeroberung des Alltags und ihrer lebenspraktischen Fähigkeiten, ein ständiger Kampf um Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Deshalb steckt Margit Giegerich nicht nur Energie in ihr Engagement. Sie schöpft sie auch daraus.  „Empathie für andere ist meine Stärke. Es tut mir gut, wenn ich auch was geben kann“, sagt sie. Die Erfahrungen, die sie in ihrem Engagement sammelt, ihre Netzwerke und die neuen Freundschaften, die sie über ihr Engagement gefunden hat, lassen sie auch in ihrem eigenen Alltag immer selbstständiger werden.

Und so erobert sich Margit Giegerich weiter neue Welten: Zurzeit sei es die Digitalisierung, die sie in ihrem Ehrenamt sehr beschäftigt. Da gäbe es ständig neue Entwicklungen und neue PC-Programme, die sie lernen muss. Aber mit ihrer Assistenz bekommt sie das hin – das wäre doch gelacht!

Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e.V. ist die Selbsthilfeorganisation der circa 100.500 blinden, sehbehinderten und zusätzlich behinderten Menschen in Bayern. Der Verein ist auch für Menschen da, die langfristig von Blindheit oder einer Sehbehinderung bedroht sind. Der Verein berät und informiert blinde und sehbehinderte Menschen zu Hilfsmitteln und Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag, klärt über die Gefahren von Erkrankungen, die zu Blindheit oder Sehbehinderung führen können, auf und betreibt politische Arbeit in Verbänden, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit. Die Teilhabe und Selbstbestimmung blinder und sehbehinderter Menschen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sind wichtige Ziele des Vereins.