Willkommen in Würzburg
01.01.2016 Regelmäßig spenden, Spenden, Region Unterfranken, Migration und Flucht, Bürgerschaftliches Engagement, Der Paritätische

Willkommen in Würzburg

Der Paritätische in Unterfranken

„Esther hat viel, viel geholfen“ - Rahma, die gerne liest und telefoniert und in Somalia oft im Meer geschwommen ist, hat konkrete Pläne. Sie möchte ihr Deutsch verbessern und dann Krankenschwester werden. Esther, die in Würzburg studiert, unterstützt sie dabei: gemeinsam üben sie deutsch zu sprechen. Und ohne die Hilfe von Esther hätte Rahma kaum eine eigene kleine Wohnung gefunden. Rahmas Umzug haben sie natürlich gemeinsam organisiert.

Das Patenprogramm in Würzburg wurde Ende 2011 vom Jugendmigrationsdienst des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist, dass junge Zuwanderer die Chance bekommen, am gesellschaftlichen Leben der Stadt teilzunehmen“, sagt Nathalie Touma. Die Pädagogin koordiniert das Patenprojekt zwischen Ehrenamtlichen und jungen Migrantinnen und Migranten. Aber auch Erwachsene und Familien nutzen das Angebot der engagierten Paten inzwischen sehr gern.

Aktuell treffen sich im Patenprojekt 70 Freiwillige und ihre „Schützlinge“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Rumänien und Nigeria, Somalia und Äthiopien. Ebenso vielfältig sind ihre Lebensgeschichten und die Gründe, warum sie nach Würzburg gekommen sind. Doch eines verbindet sie alle: sie wollen in Deutschland wirklich ankommen. Dafür schlagen ihnen die Paten viele Brücken: indem sie beim Deutschlernen helfen, Kontakte zu Jugendgruppen, Sportvereinen und Musikschulen herstellen oder auch zu Behörden- oder Arztterminen begleiten.

Menschlichkeit zeigen, etwas Sinnvolles tun

Viele der Freiwilligen sind selbst schon einmal im Ausland gewesen und wissen wie gut es tut, mit offenen Armen aufgenommen zu werden. Sie wollen die Willkommenskultur in Deutschland fördern. Oder, wie Chayma Wechtat, ihre persönlichen Erfahrungen weitergeben: die junge Tunesierin studiert in Würzburg und erinnert sich nur zu gut an ihre Anfangsschwierigkeiten mit Fahrkartenautomaten oder der Online-Ausleihe in der Uni-Bibliothek. „Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch Hilfe geben kann. Man muss seine Menschlichkeit zeigen und etwas Sinnvolles im Leben tun. Solange ich in der Lage bin, Hilfe zu leisten und anderen Menschen Freude zu bereiten, werde ich immer dabei sein“, unterstreicht Chayma.

Unterstützung für die Paten

Nathalie Touma und ihre Mitarbeiterin Dadiana Gavriliu schulen die Ehrenamtlichen und treffen sich mit ihnen zum Austausch. Die Nachfrage nach Patenschaften ist groß. Um die fachliche und organisatorische Begleitung weiterer Patenschaften längerfristig sicherstellen zu können, werden im Jahr 8.000 Euro benötigt.

Für Bücher zum Deutschlernen, Stifte und Blöcke, einen gemeinsamen Ausflug – in diesem Jahr ins Freilandmuseum nach Bad Windsheim - und eine Weihnachtsfeier kommen Sachkosten von 2.000 Euro dazu. Mit einer einmaligen Spende von 30 Euro kann ein Fachbuch für die Nachhilfe finanziert werden. Und 24 Euro pro Monat schaffen die Basis für eine Freundschaft wie die von Esther und Rahma.

Ausgezeichnet

Das Engagement der Paten wurde bereits ausgezeichnet: 2014 wurden die Freiwilligen regionaler Preisträger der Initiative „HelferHerzen – Der dm-Preis für Engagement“, ein mit 1.000 Euro dotierter Preis für Menschlichkeit.