Design Thinking, Kanban und Scrum
Digitalisierung gestalten

Agilität in Zeiten des digitalen Wandels

Agilität – ein Begriff, der momentan in aller Munde ist und gelegentlich auch überstrapaziert wird. Doch was bedeutet er überhaupt? Ein Workshop zu Agilität liefert viele neue Methoden und einige Aha-Erlebnisse.

Was bedeutet Agilität? Im Netz findet sich die schöne, knappe Erläuterung: "Agilität ist die höchste Form der Anpassungsfähigkeit einer Organisation an die Umwelt." Diese Anpassung ist schon viele Jahrzehnte Bestandteil von Organisationen – aber selten hatte sie eine so große Bedeutung wie in Zeiten des digitalen Wandels.

Wenn sich die Arbeitsumgebung immer rascher verändert und die neueste Entwicklung von heute am nächsten Tag bereits überholt ist, stellen sich den Organisationen völlig neue Herausforderungen. Betroffen sind die Arbeitskultur, die Zusammenarbeit und auch die Führung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Paritätische Mitgliedsorganisationen sind häufig durch flache Hierarchien gekennzeichnet. Die Aktivitäten der Vereine, insbesondere der Selbsthilfe, begannen oft im kleineren Kreis, durch das Engagement einiger sehr Aktiver und Unterstützer, bevor sie die heutige Größe erreichten. Und oft sind flache Hierarchien, ein Sich-Begegnen auf Augenhöhe und die Offenheit gegenüber neuen Arbeitsweisen Bestandteil der Organisationen geblieben.

Workshop zu Agilität liefert viele neue Methoden

Die Neugierde an neuen Lösungen war auch beim Workshop "Agile Methoden und Prinzipien" am 17. September im Landesverband zu erkennen, den der Paritätische im Rahmen des Projekts "Digitalisierung gestalten" organisierte: Bereits nach kurzer Zeit waren die verfügbaren 20 Plätze ausgebucht. Als Moderator und Coach führte Björn Schmitz, Inhaber der Innovations- und Organisationsberatung phil!omondo, durch den Tag.

Nach der Begrüßung durch Margit Berndl, Vorstand Verbands- und Sozialpolitik, führte Schmitz im theoretischen Input in verschiedene Modelle wie beispielsweise das CYNEFIN-Model ein, nach der agile Methoden insbesondere in einer komplexen Umwelt helfen können. Auf komplexe Sachverhalte sei nicht mit einfachen oder komplizierten Erklärungen zu antworten, sondern eben auch mit komplexen Lösungen.

Schmitz‘ These lautete, dass der Einsatz der richtigen Methoden die Kultur einer Organisation verändern kann. Den Weg andersherum zu beschreiten und erst einen Kulturwandel herbeiführen zu wollen, hält Schmitz aufgrund des fehlenden Rahmens für problematisch.

Dieser These folgend wurden während des Workshops verschiedene Methoden spielerisch erprobt. Bei der Design Thinking Methode sollten sich die Teilnehmer*innen beispielsweise gegenseitig "das perfekte Portemonnaie" kreieren – jedoch nicht auf Grundlage ihrer eigenen Vorstellungen, sondern nach den Bedürfnissen des Gegenübers. Erst durch die wiederholte Frage, warum der bisherige Geldbeutel verbessert werden kann und durch das Herunterbrechen der bestehenden Bedürfnisse entsteht ein Exemplar, das den Wünschen des Kunden entspricht.

Wendet man diese Methode auf Organisationen der Sozialen Arbeit an, wird deutlich, dass die Bedürfnisse der betroffenen Personen an erster Stelle stehen sollten, wenn es um die Errichtung neuer Angeboten geht. Oder, um es mit dem Grundsatz der UN-Behindertenrechtskonvention auszudrücken: "Nichts über uns ohne uns!"

Anhand des Puzzlespiels Ubongo erlebten die Teilnehmer*innen am Nachmittag, welche Auswirkung verschiedene Arbeitsweisen auf die Produktivität und Zufriedenheit der Beteiligten haben. Während im Falle der "Wasserfallmethode", bei der ein Schritt nach dem anderen von jeweils einer einzelnen Person ausgeführt wird, an diesem Tag zu keinerlei abgeschlossenem Ergebnis führte, steigerte sich die Arbeitsfreude und auch die Produktivität mit jedem Mal, mit dem die Strukturen offener wurden, Mitarbeiter gleichzeitig agierten (Kanban) oder bestenfalls gemeinsam und kooperativ miteinander arbeiteten (Scrum).

Agilität braucht Offenheit

An der ein oder anderen Stelle erforderte es sicher Überwindung, sich spielerisch oder malerisch neuen Methoden zu öffnen – die guten Ergebnisse und die Anschaulichkeit der Modelle führten jedoch zu einer Offenheit, die nötig ist, um Agilität zuzulassen.

Der Workshop schloss mit der Einführung in ausgewählte Meeting-Varianten, die Teamsitzungen auflockern und gleichzeitig zielgerichteter gestalten können. Bevor die Teilnehmer*innen wieder in die komplexe Welt entlassen wurden, notierten sie eine Methode, die sie in ihrer Organisation anwenden wollen – die genannten Methoden waren so vielfältig wie der Workshop an sich.

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