Voneinander lernen erlaubt!

„Es war beeindruckend für mich zu sehen, mit wie viel Herzblut sich Menschen im Ehrenamt engagieren und welche Technik sie dabei sinnvoll unterstützen kann“, sagte der Roboter am Ende des diesjährigen Forum Ehrenamts anerkennend. Der Roboter? Ja, Nao hieß das humanoide weiß-blaue Männchen, das die knapp 100 TeilnehmerInnen passend zum Thema „engagiert diskutiert – Digitalisierung gestalten“ durch das diesjährigen FORUM EHRENAMT begleitete. Die Versicherungskammer Stiftung hatte in Kooperation mit dem Paritätischen in Bayern zur inzwischen siebten Veranstaltung der Reihe Ehrenamtliche und MitarbeiterInnen ihrer Organisationen und Mitglieder nach München eingeladen.

In lockerer Atmosphäre – in Liegestühlen, Sitzsäcken oder an Stehtischen – wurden die Gäste während der Begrüßung zur Teilnahme an einer Blitzumfrage ganz digital per Smartphone aufgefordert. Knapp die Hälfte der TeilnehmerInnen setze laut eigener Aussage bereits Soziale Medien oder Software ein, um Ehrenamtliche zu betreuen oder zu gewinnen. Ein Drittel der Gäste gab aber auch zu, dass sie den ersten Schritt der digitalen Ansprache noch nicht gegangen sind, sich aber gern auf den Weg machen würden. Die Organisationen auf diesem Prozess zu unterstützen und miteinander zu vernetzen, sei ein zentrales Ziel der Veranstaltung, sagten Margit Berndl, Vorstand Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen, und Wolfgang Reif, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Stiftung, zu Beginn einhellig.

Entdeckungsreise Digitalisierung – alle an Bord?

Dass der Tag einen turbulenten Ritt durch verschiedene Bereiche der Digitalisierung versprach, wurde spätestens während des Inputs von Benedikt Geyer deutlich, den die Süddeutsche Zeitung kürzlich als „bärtigen Sozialpädagogen mit Hipster-Accessoires“ bezeichnete. Geyer nahm die Gäste mit auf eine kurzweilige Entdeckungsreise durch die digitalisierte Welt im Sozialsektor. Neben einem Einblick in die Auswirkungen der Digitalisierung auf Non-Profit-Organisationen und auf das Ehrenamt gab der „medienaffine Digital Native“, wie er sich selbst bezeichnet, den TeilnehmerInnen drei Handlungstipps mit an die Hand: Seid offen und neugierig, bleibt kritikfähig und hört nicht auf, zu lernen.

Mit diesen Tipps ausgestattet betraten die TeilnehmerInnen den Hauptteil des FORUM EHRENAMTs: den „Markt der Möglichkeiten“. Zwölf Organisationen und Unternehmen stellten ihre Ideen, Projekte und Visionen aus dem Bereich der Digitalisierung vor. Jeweils acht Minuten Zeit pro Stand musste ausreichen, um den interessierten ZuhörerInnen den Kern des Projekts näherzubringen. Die Bandbreite beim „Markt der Möglichkeiten“ war groß: Über selbst entwickelte oder genutzte Apps, wie an den Ständen des Mütter- und Familientreffs Erlangen, der Paritätischen Kita „Telezwerge“ oder der Bayerischen Sportjugend, über den Einsatz digitaler Kommunikations- und Organisationstools wie Slack, Trello und WhatsApp (zu finden bei wabe e.V oder der Freiwilligenagentur Tatendrang) bis hin zu ganzen Vernetzungsplattformen (sociallook des Vereins Horizont e.V. aus Thüringen) war viel geboten. Die Suchthilfe-Organisation Condrobs stellte ihre Online-Beratungsangebote vor, Birne7 zeigte, wie der Inklusionsbereich von digitalen Ideen profitiert und der Landesfeuerwehrverband Bayern präsentierte seine Social-Media-Kampagne. Helpteers möchte Menschen für digitale Kanäle aktivieren, Michael Erlekamp sie beim Thema Datenschutz unterstützen und „Stifter helfen“ hatte von Soft- über Hardware bis hin zu Webinare viel Kostenloses für gemeinnützige Organisationen im Angebot.

Fotos: Vreni Arbes

Inspiriert weiterdenken

So konnte Jede und Jeder Ideen und Inputs für die eigene Organisation mitnehmen: Insbesondere „Kontakte“, „Apps“ und die „Vielfalt“ der Angebote wurden bei der abschließenden Kurzevaluationen als persönlicher Mehrwert hervorgehoben. Diese Erfahrungen sollten Entschädigung genug sein für eine teilweise intensive und fokussierte, aber immer auch informative Reise durch den Dschungel Digitalisierung im Ehrenamt. Dass das neue Format des FORUM EHRENAMTs guten Anklang fand, ist insbesondere den engagierten Projektvorstellern und ‑vorstellerinnen zu verdanken, die zwei Stunden lang mit vollem Engagement ihre Ideen preisgaben. Ganz im Sinne der Prämisse von Benedikt Geyer: „Voneinander lernen erlaubt!“ Dieses Herzblut begeisterte selbst den Roboter Nao.

Dokumentation der Projektstände

Landesfeuerwehrverband und Jugendfeuerwehr Bayern: Begegnen – Bewegen – Bewirken #findedeinfeuer | PDF zum Download (1,7MB)

Freiwilligenagentur Tatendrang München: Whats to do? Freiwilliges Engagement für Kurzentschlossene über WhatsApp | PDF zum Download (1,0MB)

Condrobs e.V.: Streetwork im Netz | https://www.condrobs.de/einrichtungen/conaction

PARIKita „Telezwerge“: Pari KitaApp | PDF zum Download (792KB)

Horizont e.V.: sociallook – Helfen 4.0 | http://www.horizont-verein.de/sociallook.html

wabe e.V. Erlangen: wabe digital | PDF zum Download (442KB)

Bayerische Sportjugend: FIT 4 FSJ – App der Freiwilligendienste im Sport | PDF zum Download (830KB)

Michael Erlekam: Digitalisierung im Kleinen
Im Zuge der DSGVO kam es zu Fragen rund um die Themen IT-Sicherheit und Datenschutz. In ehrenamtlicher Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen, die sich mit diesem Thema überfordert sahen, nahm Erlekam, neben der Dokumentation auf digitalen Aufbereitung von Unterlagen und Prozessen, eine Datenaustauschplattform in Betrieb (basierend auf NextCloud), um den Austausch von Daten einfach und sicher zu gestalten.

Mütter- und Familientreff Erlangen e.V.: App to Date | PDF zum Download (395KB)

Haus des Stiftens gGmbH: Stifter-helfen | PDF zum Download (1,1MB)

Birne 7 e.V.: Apps aus dem Bereich digitale Inklusion | PDF zum Download (3,2MB)

helpteers.com: Crowdmoving | https://helpteers.net/info/