Umgang mit Daten und Hetze im Netz
Digitalisierung gestalten

Umgang mit Daten und Hetze im Netz

Wer sich im Netz bewegt, kommt um zwei Themen nicht herum: Datenschutz und Hate Speech. Was muss ich persönlich und als Organisation beachten?

Wie kann ich meine Daten schützen? Wie können Daten meiner Organisation nutzen? Und wie gehe ich damit um, wenn ich online angefeindet werde? Der Paritätische in Bayern ist diesen Fragen in der zweiten Veranstaltung des Projekts "Digitalisierung gestalten" nachgegangen.

Die potenziellen Spender sind bereits online

Sarah Wetzel vom Online-Fundraising-Unternehmen altruja berichtete in ihrem Vortrag, wie der Digitale Fußabdruck entsteht – und warum er für eine Organisation hilfreich sein kann.

Sogenannte Cookies sammeln Informationen über Nutzer*innen von Websites, um Informationen gezielter übermitteln zu können. Das Surfen im Internet sei ohne Cookies heute kaum mehr möglich, so Wetzel. Auch die großen Internetkonzerne wie Facebook und Google schöpfen Informationen über Nutzer*innen aus, die sie ihnen durch Klicks und Likes hinterlassen. Um zu prüfen, welche Daten Google gespeichert hat, empfiehlt Wetzel die Anwendung Google Take Out.

Wetzel nahm den 30 Teilnehmer*innen aus Paritätischen Mitgliedsorganisationen die Sorge vor der neu in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung, in dem sie darauf hinwies, dass die Nutzer*in im Mittelpunkt stehe und es darum ginge, die personalisierte Zuordnung von Daten einzudämmen. Die User*innen erhielten darüber hinaus neue Auskunftsrechte.

Mit Blick auf das Thema Fundraising sollten Organisationen interessierte Personen stärker in den Blick nehmen und die Ansprache nicht erst bei den Erstspender*innen beginnen. Bei den Interessierten zeige sich der Nutzen von Daten deutlich, hier läge das größte ungenutzte Potenzial. „Ihre zukünftigen Spender*innen sind bereits online, also Nutzen Sie die Chancen“, appellierte Wetzel zum Abschluss an die Teilnehmer*innen.

Community-Management ist ein Muss

Im zweiten Vortrag machte Stefan Primbs deutlich, dass man Fake News und Hate Speech im Netz nicht ungeschützt ausgeliefert ist. Primbs ist Social Media Beauftragter des Bayerischen Rundfunks und hat 2017 die Verifikations-Einheit des BR aufgebaut. Er zeigte, mit welchen Tricks sich der Wahrheitsgehalt von Bildern und Nachrichten im Netz in wenigen Sekunden überprüfen lässt.

Die effektivste Reaktion auf eine Falschmeldung sei nicht immer, sie zu widerlegen, sondern stattdessen wahre Geschichten zu verbreiten. Denn mit jeder Widerlegung bekommt die falsche Nachricht mehr Aufmerksamkeit.

Das Problem hinter Fake News liege jedoch tiefer: Rechtspopulisten machen sich die wachsende Spaltung der Gesellschaft und den Vertrauensverlust in die politische Elite zunutze und schüren ein Klima der Angst und des Hasses, dem mit Fakten nur bedingt zu begegnen ist. In dieser "narrativen Erzählung der Kälte" werden die immer gleichen Vorurteile geschürt, um Stimmung zu machen, so Primbs.

Den Troll nicht füttern

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen zeigte Primbs, wie (soziale) Organisationen selbst mit Anfeindungen und Fake News im Netz umgehen sollten. Ein Tipp für den Umgang mit sogenannten Trollen, die im Netz ständig provozieren, ist, sie nicht zu füttern, sondern nach Quellen für Behauptungen zu fragen und damit die Beweislast umzukehren.

Im Fall von Verstößen gegen Werte und Richtlinien ist das Löschen von Kommentaren oder das Sperren von Personen durchaus ein probates Mittel. Hierfür seien Regeln und Netiquette nützlich. Ein Löschen sei dann, so Primbs, auch keine Zensur, sondern lediglich die Moderation des Gesprächs.

Zum Abschluss machte Primbs deutlich, dass eine geübte Community-Manager*in in jeder Organisation nötig sei, in der Soziale Medien aktiv eingesetzt werden. Dieser Verantwortliche brauche ein Team zum Austausch, Ablaufregeln und bestenfalls vorformulierte Argumentationshilfen.

Beide Vorträge lieferten zahlreiche Praxistipps, die das Bewusstsein für das Verhalten im Netz und den Umgang mit Sozialen Medien schärften. Außerdem machten sie Mut, dass weder die Datenschutzgrundverordnung noch Hate Speech ein Grund zur Verzweiflung seien. Im Gegenteil: Ein proaktives Handeln mit den richtigen Hilfestellungen an der Hand sorgen späteren Ärgernissen vor.

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