Wir können wir wollen
10.10.2017 Presse, Fachbereich Psychiatrie, Sucht- und Gefährdetenhilfe, Gesundheit, Menschen mit psychischen Erkrankungen

Wir können wir wollen

Kundgebung und Solidaritätsmarsch zum heutigen Welttag der seelischen Gesundheit

Unter dem Motto „WIR KÖNNEN WIR WOLLEN“ wollen wir bewusst machen, dass seelische Gesundheit kein Anliegen einer kleinen Randgruppe ist. Wir wollen informieren, Begegnungen ermöglichen, um voneinander zu lernen, und Veränderungen anstoßen. Wir – das ist ein breites Münchner Bündnis, das bereits das fünfte Jahr in Folge im Rahmen der Aktionswoche für seelische Gesundheit auf die Stigmatisierung psychisch Kranker aufmerksam macht.

„Mit dem Aktionstag wollen wir zeigen, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen vieles können und wollen, dass daraus aber nur ein Dazugehören wird, wenn die andere Seite, die Gesellschaft, das Ihrige dazu tut. Wir wollen die Menschen in der Gesellschaft ermuntern, dass sie auch wollen, was sie tun könnten: sich öffnen, Begegnung fördern, Chancen geben“, erläutert Theresa Holzapfel, Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Zentrums München, das Mitglied im Aktionsbündnis ist.

Seelische Gesundheit ist kein Anliegen einer kleinen Randgruppe.

Jeder Mensch durchlebt seelische Krisen. Bei etwa einem Drittel der Bevölkerung führt eine solche Krise zu einer seelischen Erkrankung. Die sozialen Folgen psychischer Erkrankungen wiegen oft schwerer als die Erkrankungen selbst: Abwendung, Ablehnung, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit und Armut.

„Es geht nicht nur um mehr und bessere therapeutische Unterstützung und mehr Assistenz für psychisch kranke Menschen, sondern um Veränderungen von Einstellungen und Haltungen mitten in der Gesellschaft“, so Holzapfel weiter. Menschen mit einer psychischen Erkrankung können und wollen sich sozial, kulturell und politisch einbringen; die Gesellschaft muss das ermöglichen.

„Psychische Erkrankungen müssen entstigmatisiert werden.“

Das fordert Margit Berndl, Vorstand Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen in Bayern. Die Stigmatisierung psychisch Kranker wird ein zentrales Thema in der Diskussion um ein Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz. Dabei geht es um ein neues Gesetz, das die Hilfe und den Schutz psychisch kranker Menschen in den Mittelpunkt stellen soll. In diesem Gesetz muss aber auch die Zwangs-Unterbringung von Menschen in Krisensituationen geregelt werden. „Es muss ein Gesetz werden, das vermeidet, psychisch kranke Menschen als gefährlich hinzustellen. Die Hilfe muss im Vordergrund stehen“, fordert Berndl. Und weiter: „Ich hoffe, dass es uns allen – den Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen, den Therapeuten und Helfern, den Verbänden – im Gesetzgebungsprozess gelingen wird, ein stigmatisierendes Gesetz zu verhindern. Das ist nicht einfach in einer politischen Atmosphäre, in der von vielen auf Sicherheit, Ordnung und Härte gesetzt wird. Aber wir sind zuversichtlich.“

Die Kundgebung findet statt heute am 10. Oktober 2017

15:30 Uhr | Kundgebung am Max-Joseph-Platz
16:30 Uhr | Solidaritätsmarsch mit Giesing Connection
Zur Kundgebung ruft die Münchner Aktion für seelische Gesundheit (ZehnZehn) unter der Schirmherrschaft des Schauspieler-Paars Edgar Selge und Franziska Walser auf.

 

 

Hintergrundinformation

Die Aktion findet in München zum fünften Mal in Folge statt und ist Bestandteil einer internationalen Bewegung mit dem Ziel, über psychische Erkrankungen aufzuklären und für eine stärkere Akzeptanz von psychisch kranken Menschen in der Gesellschaft zu werben. Der „Welttag der seelischen Gesundheit“ wurde 1992 durch die World Federation for Mental Health mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. Weltweit finden seither jährlich am 10. Oktober Aktionen unterschiedlicher Art statt. Ziel der beteiligten Organisationen und Verbände ist, die Gesellschaft über das oft tabuisierte Phänomen psychischer Erkrankungen zu informieren und für den Umgang mit von psychischen Erkrankungen Betroffenen zu sensibilisieren.

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