Bayern setzt falsche Priorität in der Kindertagesbetreuung
10.10.2019 Presse, Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung, Bildung, Kinder und Jugend

Bayern setzt falsche Priorität in der Kindertagesbetreuung

Zusätzlich zur Beitragsreduzierung braucht es mehr Investitionen in die Qualität, fordert der Paritätische in Bayern anlässlich der heutigen 1. Lesung des Krippengeldgesetzes im Bayerischen Landtag. „Die vielen Millionen Euro, die Bayern in die Beitragsentlastung steckt, braucht es auch für die Förderung der Qualität“, fordert Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Bayern.

Wir freuen uns, dass der Bayerischen Sozialministerin die frühkindliche Bildung am Herzen liegt, so Berndl. Aber dies müsse sich auch in einem gleichen Verhältnis im Haushalt widerspiegeln. So werden die Mittel für die Verbesserung der Qualität zwar erhöht, aber dieses Geld mache nur ein Drittel des Finanzvolumens für das Krippengeld aus. Weil die Summe deutlich zu niedrig ist, werden nicht alle Einrichtungen vom Leitungsbonus profitieren. Auch die 2.000 zusätzlichen Tagespflegepersonen für circa 9.500 Einrichtungen seien keine Qualitätsverbesserung. Aus Sicht des Paritätischen hätte ein deutlich höherer Anteil der Bundesmittel aus dem Gute-Kita-Gesetz in die Qualität investiert werden müssen.

Mehr Zeit für die Arbeit mit den Kindern!

„Das per Gießkanne an alle Eltern ausgeschüttete Geld fehlt in den Einrichtungen!“, kritisiert Berndl. So sind die Anforderungen an die Einrichtungen in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

Kindertagesstätten sind Orte der frühkindlichen Bildung. Sie erfüllen eine wichtige Integrationsaufgabe für unsere Gesellschaft, zum Beispiel beim Erwerb der deutschen Sprache oder bei der Arbeit mit den Eltern. Die Einrichtungen leisten familienunterstützende Sozialarbeit. Verwaltungsaufgaben und Dokumentationspflichten haben deutlich zugenommen. „All das braucht gut ausgebildetes Personal und Zeit! – Zeit, die sonst in der pädagogischen Arbeit mit den Kindern fehlt“, so Margit Berndl weiter.

Deshalb fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband einen besseren Personalschlüssel, eine weitere Entlastung der Leitungskräfte, eine dauerhafte Finanzierung der Pädagogischen Qualitätsbegleitung, die Refinanzierung der Praxisanleitung von Auszubildenden sowie die Finanzierung multiprofessioneller Teams, z.B. mit Heilpädagog*innen, Logopäd*innen oder Sonderpädagog*innen.

Größte Herausforderung: Personalmangel

Als die größte Herausforderung für die Kindertageseinrichtungen sieht der Paritätische in Bayern den Personalmangel. In den nächsten fünf Jahren werden in Bayern zusätzliche 19.400 Erzieher*innen und circa 10.000 Kinderpfleger*innen benötigt.

„Um den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen, müssen angehende Erzieher*innen ein Ausbildungsgehalt erhalten, so wie es in fast allen anderen Berufen ganz normal ist“, fordert Margit Berndl. Das muss für die Träger der Einrichtungen refinanziert werden. Denn diese müssten heute schon einen großen Teil Eigenmittel für den Betrieb einer Kita zuschießen, weil die öffentliche Förderung nicht ausreicht. Außerdem fordert der Paritätische in Bayern einen deutlichen Ausbau der verkürzten „Optiprax“-Erzieher*innen-Ausbildung.

„Wir brauchen eine Personaloffensive, die ihren Namen verdient, und eine höhere gesellschaftliche Anerkennung der pädagogischen Berufe“, so Margit Berndl abschließend.

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