Gute Kitas trotz niedriger Beiträge!
22.03.2019 Presse, Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung, Arbeit und Beschäftigung, Bildung, Kinder und Jugend

Gute Kitas trotz niedriger Beiträge!

Der Paritätische in Bayern kritisiert die Umsetzung der Beitragsreduzierung und fordert eine Offensive für mehr Qualität und gegen den Fachkräftemangel.

Ab 1. April sollen nach dem Willen der Koalition aus CSU und Freien Wählern die Beiträge in Bayerns Kindergärten sinken.  Wie bereits im letzten Kindergartenjahr sollen die Eltern aller Kindergartenkinder um 100 Euro pro Monat entlastet werden. So lautete die Ankündigung im Koalitionsvertrag. Zwei Wochen vorher gibt es endlich eine offizielle Mitteilung des Bayerischen Sozialministeriums, wie die Umsetzung geplant ist. Das Ministerium kündigt Kommunen und Trägern die Einführung der Beitragsreduzierung zum 1. April an. Die Mittel werden jedoch erst im Juni ausgezahlt, nachdem Mitte Mai der Landtag den Haushalt beschlossen hat.

„Die Umsetzung ist ein Schnellschuss auf Kosten der Kita-Träger,“ kritisiert Margit Berndl, Vorstand Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen in Bayern. Die Kita-Träger müssen häufig in Vorleistung gehen, aber in diesem Ausmaß ohne gesetzliche Grundlage ist es ein Novum, so Berndl weiter.

Einige Träger haben auf eigenes Risiko die Beitragsentlastung bereits für den April umgesetzt. „Uns ist der Verrechnungsaufwand im Nachhinein zu groß. Deshalb zahlen unsere Eltern bereits ab April weniger,“ berichtet Martina von Dewitz vom Kinderschutz München. Das können sich aber nur die größeren Kita-Träger leisten. „Kleine Einrichtungen können in finanzielle Schieflage geraten, wenn sie die Beitragsentlastung umsetzen,“ warnt Berndl. „Für die Kindergärten ist es die Wahl zwischen Pest und Cholera: entweder sie gehen in Vorleistung und tragen ein enormes finanzielles Risiko oder sie haben den Verwaltungsaufwand im Nachhinein und müssen an das Verständnis der Eltern appellieren.“

Offensive für mehr Qualität und gegen den Fachkräftemangel

Wichtiger als die Beitragsreduzierung sei eine Offensive für mehr Qualität und gegen den Fachkräftemangel, darin sind sich die Experten einig. „Wir brauchen eine Entlastung der Kitaleitung und einen besseren Betreuungsschlüssel, damit sich die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen verbessern“, fordert Raymond Walke, Geschäftsführer der PariKitas. Die Anforderungen an das Personal in den Einrichtungen seien in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Betreuung von Kindern und ihren Familien mit Fluchthintergrund, Impfaufklärung oder pädagogische Auseinandersetzung mit digitalen Medien sind nur ein paar Beispiele. „Besonders in den Städten sind unsere Kitas Ansprechpartner für die ganze Familie und leisten eine familienunterstützende Sozialarbeit,“ so Walke weiter. „Nirgendwo sonst gibt es eine so intensive Nähe zwischen Familien mit ganz unterschiedlichem sozialem und kulturellem Hintergrund. Die Einrichtungen müssen gestärkt werden, damit sie dieser gesellschaftlichen Integrationsaufgabe gerecht werden können“, fordert Walke.

„Der Fachkräftemangel ist die größte Herausforderung für die Einrichtungen,“ ergänzt Martina von Dewitz. Die Arbeitsbelastung für das vorhandene Personal sei enorm hoch. „Zum Beispiel müssen die Hürden gesenkt werden für Quereinsteiger aus anderen pädagogischen Berufen, fordert sie.

 

Susann Engert
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0176 / 10220724
E-Mail: susann.engert(at)paritaet-bayern.de

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