Paritätischer in Bayern und Gehörlosenverbände fordern Gehörlosengeld
20.02.2020 Presse, Fachbereich Menschen mit Behinderung, Inklusion, Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen

Paritätischer in Bayern und Gehörlosenverbände fordern Gehörlosengeld

Ins Theater gehen, sich bei der Bank beraten lassen oder sich bei einer politischen Veranstaltung informieren – was für Hörende ganz selbstverständlich ist, ist für Menschen mit Hörbehinderung mit hohen Kosten und großem Aufwand verbunden. Deshalb fordern der Paritätische in Bayern gemeinsam mit Gehörlosenverbänden die Einführung eines Gehörlosengeldes. Heute findet dazu im Sozialpolitischen Ausschuss des Bayerischen Landtags eine Anhörung statt.

„Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zu umfassender Teilhabe für Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen verpflichtet. Auch zwölf Jahre nach Inkrafttreten treffen sie tagtäglich auf Barrieren, die benachteiligen und diskriminieren“, so Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern.

Menschen mit Hörbehinderung sind im politischen System nicht repräsentiert

„Besonders groß ist die Benachteiligung von Menschen mit Hörbehinderung bei der politischen Teilhabe. Sie sind im gesamten politischen System der Bundesrepublik nicht repräsentiert. Oder kennen Sie eine Bundestagsabgeordnete oder einen Bürgermeister, der Gebärdensprache spricht?“, bedauert Can Sipahi vom Gehörlosenverband München und Umland e.V., der als Sachverständiger zum Fachgespräch eingeladen ist. Werden die Kosten für Gebärdensprachdolmetscher*innen in den gesellschaftlichen Bereichen, wie Schulbildung, Arbeitsleben, Gesundheit oder Recht zumindest teilweise übernommen, ist ein großer Bereich der politischen Teilhabe „Privatangelegenheit“ der Menschen mit Hörbehinderung. „Das Recht auf freie Meinungsäußerung, auf politische Beteiligung, das müssen wir uns leisten können. Demokratie für alle Menschen – mit oder ohne Behinderung – ist für mich eine Herzensangelegenheit. Denn jeder Mensch ist gleich viel wert!“, so Sipahi weiter.

Der Paritätische fordert: Assistenzleistungen auch für ehrenamtliches Engagement

Ein weiterer Bereich, in dem Menschen mit Hörbehinderung stark benachteiligt sind, ist der gesamte Freizeitbereich: Kultur, Sport, Fortbildungen, ehrenamtliches Engagement. „Seit Jahren setzen wir uns für inklusive Freiwilligendienste ein. Menschen mit Behinderung sind davon ausgeschlossen. Die Kosten für Assistenzleistungen, wie zum Beispiel für Gebärdensprachdolmetscher*innen, müssen endlich übernommen werden“, fordert Margit Berndl vom Paritätischen in Bayern.

In Bayern leben rund 15.000 Menschen mit einem Hörverlust von mindestens 80 Prozent. Durch ihre Behinderung sind gehörlose Menschen von einer uneingeschränkten Kommunikation ausgeschlossen. Gibt es für hochgradig sehbehinderte Menschen das Blindengeld, werden die Mehrausgaben, die sich durch die Behinderung ergeben, bei Menschen mit Hörbehinderung nicht ausgeglichen.

„Das Gehörlosengeld würde das ändern, damit Menschen mit Hörbehinderung einen ganz selbstverständlichen Zugang zur Gesellschaft haben können!“, so Berndl abschließend.

 

Der Paritätische in Bayern

Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Unter seinem Dach befinden sich circa 800 Mitgliedsorganisationen, die das gesamte Spektrum der sozialen Arbeit abdecken – von Kindertagesstätten, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Familienberatungsstellen, Frauenhäusern und -notrufen über ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, Suchthilfe, Mehrgenerationenhäuser, Migrationsberatung und Selbsthilfeinitiativen bis hin zu Vereinen, die Menschen mit Behinderung oder psychisch Kranke unterstützen und betreuen.

Der Paritätische ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden.

Beim Paritätischen organisiert sind zahlreiche Gehörlosenverbände, z.B. auch der Gehörlosenverband München und Umland e.V.

Gehörlosenverband München und Umland e.V.

In München und Umland leben ca. 2500 gehörlose Menschen. Dazu kommen Menschen mit anderen Hörbehinderungen, wie Schwerhörige, Spätertaubte und Cochleaimplantat-Träger.

Der Gehörlosenverband München und Umland e.V. (kurz GMU) tritt für die Interessen aller Gehörlosen und Gehörlosenorganisationen in München und den umliegenden Landkreisen ein.

Der GMU bietet verschiedene Dienstleistungen wie die Dolmetschervermittlung, die Sozialberatung, Gebärdensprachschule und den Telekommunikationsservice an, um eine Inklusion für gehörlose Menschen in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Im eigenen Gehörlosenzentrum wird die Gehörlosenkultur gepflegt und weiterentwickelt. Gehörlose, hörbehinderte Menschen, deren Angehörige, aber auch interessierte Hörende sind herzlich willkommen, sich hier zu treffen und auszutauschen.

Weitere Informationen: www.gmu.de

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