So „macht“ man Inklusion

05.10.2020 Presse, Fachbereich Menschen mit Behinderung, Fachbereich Migration, Arbeit und Beschäftigung, Inklusion, Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen, Migration und Flucht

So „macht“ man Inklusion

ComIn von Handicap International wird mit „Preis für Inklusion 2020“ der Luise-Kiesselbach-Stiftung ausgezeichnet

Samuel Jerry Ubi sitzt im Rollstuhl. Seit 2008 lebt der gebürtige Nigerianer in Deutschland. Nach einer Schussverletzung musste der ausgebildete Schiffsingenieur in Nigeria viele Operationen über sich ergehen lassen. Er konnte nicht laufen, nicht arbeiten, hatte keinen Rollstuhl. Er haderte mit seinem Schicksal. Bis ihn sein Arzt nach Deutschland schickte. In München wurde er von ComIn betreut, einer Einrichtung von Handicap International. Hier lernte er Deutsch und den ersten Umgang mit dem Internet. Heute arbeitet er als IT-Experte und gibt ehrenamtlich Kurse bei ComIn.

Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung werden mehrfach diskriminiert

Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung sind mehrfacher Diskriminierung ausgesetzt. „Besonders schwer haben es Asylbewerber*innen mit Behinderung“, erzählt Ricarda Wank, Leiterin von ComIn, „denn die reguläre Kostenübernahme von behinderungsspezifischen Unterstützungsleistungen ist erst mit einer Aufenthaltserlaubnis möglich.“ ComIn hilft mit Rollstühlen, Blindenstöcken, Mobilitätstrainings, Computer- und Deutschkursen, mit Brailleschrift oder Excelkursen.

„Diese Arbeit ist allemal den Inklusionspreis 2020 der Luise-Kiesselbach-Stiftung wert!“, betont Michael Fitz in seiner online-Laudatio. Der Schauspieler und Musiker ist seit 2013 Schirmherr des Preises für Inklusion. „Behinderte und chronisch kranke Menschen müssen die Möglichkeit haben, ganz normal am Arbeitsmarkt teilzuhaben und sich verwirklichen zu können“, so Michael Fitz weiter.

Menschen mit Behinderung haben das gleiche Recht auf Arbeit

Mit Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention erkennen die Vertragsstaaten das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit an: „Dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird. (…)“

„Doch die Realität in Deutschland ist eine andere“, weiß Margit Berndl, Vorstand der Luise-Kiesselbach-Stiftung. Die Stiftung wurde 2010 vom Paritätischen in Bayern gegründet. „Nach wie vor ist die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung relativ gering. Auch elf Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention sind wir von einer inklusiven Gesellschaft noch weit entfernt, gerade was die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt angeht. Mit dem Preis für Inklusion 2020 zeichnet die Luise-Kiesselbach-Stiftung deshalb ein Projekt aus, das die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben fördert.“

Ricarda Wank bedankt sich für die Verleihung des Preises: „Es ist eine große Anerkennung für die geleistete Arbeit seit über 17 Jahren für Migrant*innen bei ComIn! Inklusion beginnt in den Köpfen, dort ist sie aber oft noch nicht wirklich angekommen. Oft gibt es nach wie vor zu viele Tabus und Schweigen. Inklusion bedeutet aber auch Partizipation: ‚Nichts über uns ohne uns‘, ein Motto der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung.“

Der Preis für Inklusion wird seit 2013 zum vierten Mal vergeben. ComIn erhält 2.000 Euro Preisgeld.

Die Laudatio von Michael Fitz können Sie auf unserer Facebook-Seite anschauen: https://www.facebook.com/paritaetbayern

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