Tag der Nachbarschaft
28.05.2020 Presse, Fachbereich Bürgerschaftliches Engagement, Corona, Bürgerschaftliches Engagement

Tag der Nachbarschaft

Nachbarschaftshilfen brauchen eine solide Finanzierung – auch nach Corona!

Kaum ein Ort hatte während des Corona-Lockdowns eine größere Bedeutung als die Nachbarschaft. Wann sind schon mal alle gleichzeitig zu Hause? Neue Begegnungen sind entstanden, interessante Gespräche von Balkon zu Balkon mit Nachbar*innen, die sonst einen ganz anderen Tagesrhythmus haben.

Große Hilfsbereitschaft in den Gemeinden

„Ich habe eine große Hilfsbereitschaft und Solidarität in den Gemeinden wahrgenommen“, erzählt Andrea Schatz, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Nachbarschaftshilfen München Land und selbst Geschäftsführerin der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen. „Die Nachbarschaftshilfen haben in der Krise sehr eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig ihre Arbeit vor Ort ist. Mit großem Engagement wurden Notdienste, Krisentelefone und niedrigschwellige Beratungsangebote aus dem Boden gestampft, Ehrenamtliche nähen Mundschutz und vieles mehr. Die Nachbarschaftshilfen waren in der Krise schnell handlungsfähig, weil sie den Sozialraum kennen und professionell Hilfe managen,“ so Andrea Schatz weiter.

Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig Einrichtungen wie die Nachbarschaftshilfen, Mehrgenerationenhäuser und Familienzentren für das Funktionieren der Gemeinschaft und den Zusammenhalt vor Ort sind, ergänzt Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. Die genannten Einrichtungen hätten eines gemeinsam: „Sie gehören zu den sogenannten freiwilligen Leistungen der Kommunen. Wir sehen die Gefahr, dass hier als erstes gespart werden könnte infolge der hohen coronabedingten Ausgaben.“

Hinzu komme, dass viele Einrichtungen und Vereine einen nicht unerheblichen Teil ihrer Kosten durch Teilnahmebeiträge bei Kursen decken. Diese Art der Einnahmen seien durch keinen Schutzschirm gedeckt und bedrohen gerade kleine Einrichtungen in ihrer Existenz, so Berndl weiter.

Einrichtungen brauchen planbare Perspektive

Das Ehrenamt werde häufig von der Politik gepriesen und geehrt. Gleichzeitig werde von Behördenseite den Ehrenamtlichen mit einem Misstrauen begegnet in Form von sehr zeitaufwendigen Verwendungsnachweisen. Andrea Schatz wünscht sich bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Dazu gehören der Abbau bürokratischer Hürden und eine nachhaltige Finanzierung mit planbarer Perspektive.

Margit Berndl warnt abschließend: „Angesichts der Finanzlöcher, die die Corona-Maßnahmen in die Kassen reißen, drohen diese freiwilligen Leistungen zu allererst dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Das darf nicht passieren! Denn Nachbarschaftshilfen, Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser – all diese Einrichtungen sind essentiell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort.“

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