Tag der Pflegenden

12.05.2020 Presse, Fachbereich Ältere Menschen, Ältere Menschen, Gesundheit, Pflege

Tag der Pflegenden

„Ich hoffe sehr, dass von dem Geklatsche und dem Dank etwas hängen bleibt!“: Der Paritätische in Bayern fordert dauerhaft bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen

War es Weitsicht, als die WHO das Jahr 2020 zum Jahr der Pflegenden ausrief? Oder ist es eine Ironie des Schicksals? Fest steht: Noch nie wurde unserer Gesellschaft bewusst, wie wichtig die Pflegeberufe sind. Ohne die Pflegenden und ohne die Sorgearbeit insgesamt kann unsere Wirtschaft, kann unsere Gesellschaft nicht existieren. Noch nie haben Pflegende so viel Anerkennung und Dank erfahren, wie in diesem Jahr.

„Ich hoffe sehr, dass von dem Geklatsche und dem Dank in den letzten Wochen etwas hängen bleibt!“ Das antwortet Gerda Kresse, Pflegerin beim ambulanten Pflegedienst des Paritätischen in Unterfranken, auf die Frage, was sie sich wünscht. Außerdem mehr Zeit, gute Qualität mit gut ausgebildetem Personal und „dass der Pflegeberuf in der Gesellschaft mehr anerkannt wird. Viele Menschen wissen gar nicht genau, worum es in der Altenpflege geht. Das merken sie erst, wenn sie selbst betroffen sind.“

Die Finanzierungslogik der Pflegeversicherung muss auf den Prüfstand

„Für gute Qualität in der Pflege braucht es bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie und höhere Gehälter für die Pflegekräfte“, fordert Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern, anlässlich des Tags der Pflegenden. Dafür brauche es eine gesicherte Refinanzierung. „Viele Einrichtungen wollen gern mehr zahlen. Sie bekommen es aber nicht von den Pflegekassen refinanziert“, so Berndl. In unserem Pflegesystem gehe jede Kostensteigerung oftmals zu Lasten der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. „Das darf nicht sein! Die Finanzierungslogik der sozialen Pflegeversicherung muss komplett auf den Prüfstand gestellt werden!“, fordert Berndl. „Und es muss viel mehr Geld ins System!“

„Eigentlich müsste die „Vollzeit“ in der Pflege kürzer sein.“

Die Rahmenbedingungen führen dazu, dass sich mehr als die Hälfte der Pflegenden für einen Teilzeitjob entscheidet, auch wenn sie dann weniger verdienen. Als Hauptgrund wird in einer Studie des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe die hohe Belastung genannt. Auch Gerda Kresse sagt: „Mir hat mein Beruf immer Spaß gemacht. Aber ich habe immer Teilzeit gearbeitet, sonst hätte ich nicht so lange durchgehalten. Vollzeit zu arbeiten in dem Beruf, ist echt hart. Aber dann reicht später die Rente nicht.“ Ihr Vorschlag: „Eigentlich müsste die „Vollzeit“ in der Pflege kürzer sein.“

Bezahlte Auszeit für pflegende Angehörige

Margit Berndl ist ein weiterer Aspekt am Tag der Pflegenden wichtig: „In Bayern werden 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause gepflegt. Für die pflegenden Angehörigen ist die Belastung im Moment besonders groß: die Sorge vor Ansteckung, fehlende Entlastungsangebote, weil die Tagespflegen und Kurzzeitpflegen geschlossen sind, der Aufnahmestopp in den stationären Einrichtungen,“ so Berndl: „Eine Reform des Pflegegeldes ist mehr als überfällig. Wir brauchen eine bezahlte Auszeit für pflegende Angehörige – nach dem Vorbild von Elternzeit und Elterngeld!“ fordert Berndl.

Margit Berndl mahnt abschließend: „Die wichtige Arbeit der Pflegenden und die große Bedeutung aller Sorgeberufe für das Funktionieren unserer Gesellschaft darf auch nach Corona nicht vergessen werden – wenn die finanziellen Scherben wieder aufgekehrt werden müssen.“

Hier können Sie das ganze Interview mit Gerda Kresse lesen.

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