Weltflüchtlingstag: Gesundheit ist ein Menschenrecht. Das gilt auch für Geflüchtete.
19.06.2020 Presse, Fachbereich Migration, Corona, Migration und Flucht

Weltflüchtlingstag: Gesundheit ist ein Menschenrecht. Das gilt auch für Geflüchtete.

Viele Menschen auf engstem Raum, gemeinsam genutzte Toiletten und Küchen: Gemeinschaftsunterkünfte für geflüchtete Menschen sind in Zeiten von Corona kein guter Ort. „Mir hat die Pandemie vor allem eines gezeigt: Die Mängel von Sammelunterkünften. Eine Gemeinschaftsunterkunft ist in so einer Pandemie ein gefährlicher Ort und sehr, sehr anfällig“, lautet das Resümee von Philipp Kraus, stellvertretender Gesamtkoordinator der Flüchtlings- und Integrationsberatung bei Hilfe von Mensch zu Mensch e.V., einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern. Etwa 20 Berater*innen des Vereins betreuen derzeit in vier bayerischen Landkreisen und der Landeshauptstadt München circa 4.500 geflüchtete Menschen in Sammelunterkünften.

Zu Beginn der Pandemie, sei häufig nicht klar gewesen, was passiert, wenn in einer Einrichtung ein Corona-Fall auftritt. „Für uns war das eine große Herausforderung, weil wir anfangs unseren Klient*innen nicht verbindlich erläutern konnten, was im Falle einer Corona-Infektion in ihrer Unterkunft passiert und wie sie sich verhalten müssen. Letztlich hat sich alles eingespielt. Aber eines ist klar: Für die Gesundheit ist ein Großunterkunft kein guter Ort. Das gilt nicht nur für Corona, sondern auch für andere ansteckende Krankheiten, zum Beispiel Tuberkulose“, so Philipp Kraus.

Dezentrale Unterbringung statt großer Gemeinschaftsunterkünfte

Der Paritätische in Bayern fordert seit langem eine dezentrale Unterbringung von geflüchteten Menschen statt großer Gemeinschaftsunterkünfte. Der Verband appelliert an die politischen Entscheidungsträger, die nötigen Konsequenzen aus den bisherigen Erfahrungen mit der Corona-Krise zu ziehen.

In den Gemeinschaftsunterkünften wird die Gesundheit aller der dort untergebrachten Menschen gefährdet, denn es ist nahezu unmöglich Abstandsregeln einzuhalten. „Gesundheit ist ein Menschenrecht. Das gilt auch für Geflüchtete. Sie müssen sich vor einer Corona-Infektion schützen können und brauchen medizinische Hilfe, wenn sie erkrankt sind. Das ist gerade in Gemeinschaftsunterkünften schwierig. Wir sind für einen Umzug in Wohnungen, zumindest für die Geflüchteten, die einer Risikogruppe angehören“, so Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern.

Der Paritätische in Bayern fordert, besonders schutzbedürftigen Personen- und Risikogruppen umgehend aus den Gemeinschaftsunterkünften herauszunehmen und in Wohnungen unterzubringen. Gesetzlich vorgeschriebene Infektionsschutzstandards müssen in allen Einrichtungen umgesetzt werden. Mittel- und langfristig sollte eine dezentrale Unterbringung in eigenen Wohnungen oder wohnungsähnlichen Formen die Regel sein. Denn Massenunterkünfte belasten die Menschen, die darin leben, und sie verhindern ein selbstbestimmtes Leben und Integration.

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