Welttag der seelischen Gesundheit: Es kann jeden Menschen treffen

09.10.2020 Presse, Fachbereich Psychiatrie, Sucht- und Gefährdetenhilfe, Gesundheit, Inklusion, Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen

Welttag der seelischen Gesundheit: Es kann jeden Menschen treffen

Jeder dritte bis vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Dennoch ist das Wissen darüber gering. Psychische Krankheiten sind immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft und mit Stigmatisierung verbunden.

Sehr strapaziert, wenig belastbar und ein wenig dünnhäutig. Nein, damit sind nicht psychisch kranke Menschen gemeint. Sondern unsere Gesellschaft. Der fehle es nämlich an Toleranz, sagt Mirko Bialas, Geschäftsführer des Vereins Münchner Psychiatrie-Erfahrene. „Normabweichungen werden einfach nicht ausgehalten.“

Jeder dritte bis vierte Deutsche erkrankt im Laufe seines Lebens an einer psychischen Störung. Dennoch ist das Wissen darüber gering. Psychische Krankheiten sind immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft und mit Stigmatisierung verbunden.

Dieses Stigma ist oft unsichtbar – aber es ist da. Es ist da, wenn man keine gleichberechtigten Lebenschancen hat. Wenn man am Kuchen, den die Gesellschaft verteilt, nicht beteiligt wird. Wenn man sich nicht frei und selbstbestimmt verwirklichen kann. Viele psychisch kranke Menschen outen sich nicht, um ihre Lebenschancen nicht zu verlieren“, so beschreibt es Mirko Bialas.

Eine psychische Erkrankung kann jeden Menschen treffen

„Unsere Gesellschaft muss begreifen, dass es vom Zufall abhängt, ob man psychisch erkrankt oder nicht. Das ist etwas, das jeden treffen kann“, mahnt Bialas.

„Deshalb freuen wir uns über die ‚Offensive Psychische Gesundheit‘ der Bundesregierung,“ ergänzt Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. Diese hat mehr Offenheit im Umgang mit psychischen Erkrankungen zum Ziel. „Enttabuisierung ist wichtige Prävention, weil es die Scheu senkt, sich rechtzeitig Hilfe zu holen“, so Margit Berndl weiter.

Zunahme psychischer Belastung durch Corona

Psychische Erkrankungen sind derzeit häufiger Thema in der Öffentlichkeit. Denn die Corona-Krise führt bei vielen Menschen zu Ängsten und psychischen Belastungen. Besonders leiden Menschen mit psychischen Beeinträchtigung unter der Verunsicherung und zunehmender Einsamkeit. Die Folgen werden sich erst noch zeigen.

„Menschen, die psychisch belastet sind, brauchen einen einfachen Zugang zu Angeboten, die beraten und unterstützen“, fordert Margit Berndl. Viele Einrichtungen haben in der Zeit des Lockdowns alternative Angebote entwickelt, um weiter mit den Menschen in Kontakt bleiben und sie in der schwierigen Zeit unterstützen zu können.

Der Paritätische in Bayern fordert finanzielle Förderung digitaler Angebote

Vor allem die niedrigschwelligen Angebote müssen finanziell gesichert und ausgebaut werden, um auf die zunehmenden psychischen Belastungen reagieren zu können. – Zum Beispiel braucht es mehr und bessere digitale Angebote. „Diese Bereiche werden in der Digitalisierungsstrategie der Staatsregierung und bei den aufgelegten Förderprogrammen kaum berücksichtigt“, kritisiert Berndl. Schon die normale Finanzierung niedrigschwelliger Dienste ist nicht kostendeckend. „Für die Entwicklung und Einführung sinnvoller und guter digitaler Angebote braucht es eine zusätzliche öffentliche Förderung“, fordert Berndl.

Aktionen am Tag der seelischen Gesundheit

Corona-bedingt wird es in diesem Jahr keine Kundgebung geben. Das Münchner Aktionsbündnis für seelische Gesundheit „ZehnZehn“ hat sich etwas Neues überlegt: Am Samstag, den 10. Oktober werden Mitarbeiter*innen verschiedener Münchner Betriebe Buttons des Bündnisses tragen, um auf den Welttag der Seelischen Gesundheit aufmerksam zu machen. Die Standbetreiber am Viktualienmarkt legen zusätzlich Infokarten aus. Eine Gruppe des Bündnisses steht als Ansprechperson von 11 bis 14 Uhr zur Verfügung.

Weitere Infos finden Sie unter: www.10-okt.de/

Das gesamte Interview mit Mirko Bialas können Sie hier lesen: https://www.paritaet-bayern.de/startseite/themen/detailansicht/news/welttag-seelische-gesundheit-1/

 

Hintergrund

Der „Welttag der seelischen Gesundheit“ wurde 1992 durch die World Federation for Mental Health mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen. Weltweit finden seither jährlich am 10. Oktober Aktionen unterschiedlicher Art statt. Ziel der beteiligten Organisationen und Verbände ist, die Gesellschaft über das oft tabuisierte Phänomen psychischer Erkrankungen zu informieren und für den Umgang mit von psychischen Erkrankungen Betroffenen zu sensibilisieren.

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