Veranstaltung
11.09.2019
Nürnberg

Literaturhaus Nürnberg: Neue Homepage - responsiv und barrierearm, mit Vorleseoption für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen

Geeignet für PC, Tablet und Smartphone

Auf www.literaturhaus-nuernberg.de gibt es nun einen integrierten Vorlesedienst sowie die Möglichkeit, Schriftgrößen und Kontrast etc. je nach individuellen Ansprüchen einzustellen.

Der Leseherbst startet!

18. September 2019, 20:00 Uhr

Dr. Regina Dieterle „Thoedor Fontane. Biografie“

Das Ideen-Feuerwerk zum 200. Geburtstag Theodor Fontanes (1819 – 1898) funkelt landauf, landab und bietet im besten Fall Gelegenheit, den Schriftsteller und sein Werk mit Weltliteratur-Status neu zu entdecken. Auch kaum bekannte Seiten zu beleuchten, gehört zu den Verdiensten der Schweizer Germanistin Regina Dieterle (Jahrgang 1958), die aus hervorragender Expertise schöpft. An der Universität Zürich hat sie in ihrer Doktorarbeit das Vater-Tochter-Thema bei Fontane untersucht. Neben der Forschung seit 1998 versteht sie sich auf lebendige Vermittlung. Viele Jahre im Vorstand der Fontane Gesellschaft, war sie von 2010 bis 2014 Vorsitzende. Für ihr aktuelles Meisterwerk „Theodor Fontane. Biografie“ (Hanser) hat sie sich auf intensive Spurensuche begeben – auf Reisen mit Fontanes digitalisierten Notizbüchern als Kompass sowie in Archiven und Bibliotheken.

Um zur lohnenden Fontane-Lektüre einzuladen, zeigt sie, „wie modern er ist, wie europäisch und welthaltig“. So präsentiert sie ihn nicht nur als Wanderer in der Mark Brandenburg, sondern z.B. auch als Korrespondent in den prägenden Londoner Jahren mit nachhaltiger journalistischer Färbung seines Stils. Sie feiert Fontane als frühen Lyriker (der zugleich in den väterlichen Fußstapfen eine Apotheker-Lehre machte) und als maßgeblichen Mitbegründer des deutschen Gesellschaftsromans. Und sie stellt ihn als Familienmensch vor, dessen Ehe im Gegensatz zu „Effi Briest“ unter einem guten Stern stand. Ein umfassendes, nuancenreiches Porträt, das nichts retuschiert.


10. Oktober 2019, 20:00 Uhr
Peter Wawerzinek „Liebestölpel“

„Die Buchstaben beißen. Die Worte wehren sich. Schöne Sätze tragen nun mal Dornen.“ Mit diesem Credo eröffnete Peter Wawerzinek 2015 das Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Fünf Jahre vorher hatte er diese wichtige Auszeichnung selbst erhalten, und den Publikumspreis noch dazu – für „Rabenliebe“. Der Roman war die Rettung, sowohl des lange verstummten Schriftstellers Wawerzinek als auch des Menschen, der schreibend sein Trauma bezwang: 1954 in Rostock geboren, wurde er als Dreijähriger allein von seiner Mutter zurückgelassen, als sie sich in den Westen absetzte. Ein Verlust, der sein Leben und Werk nachhaltig prägte.

Spät schrieb sich der aus dem Nest Gefallene frei: erst mit „Rabenliebe“, dann mit „Schluckspecht“. Nun vollendet er seine autobiografische Trilogie mit „Liebestölpel“ (Galiani Berlin), über den lebenslangen Versuch, mit dem widerspenstigen Phänomen Liebe klarzukommen. „Ach, Junge, besser du lässt die Finger davon“, rät der Großvater dem Ich-Erzähler mit Verweis auf die Trottellummen, grandiose Segler, aber mit fataler Neigung zu Bruchlandungen und kompliziertem Beziehungsverhalten. Den Enkel aber bringt nichts und niemand ab von Lucretia, der Kindheitsfreundin, die zur Femme fatale wird: „Fühle mich geborgen an ihrer Seite, hoffnungslos verloren allein. So richtig zu zweit eins mit ihr …“ Ein grandioser Roman über die Suche nach Herkunft und Heimat, Familiensehnsucht und -flucht, Lebenslügen und die Liebe mit allen Risiken und Verheißungen.

13. November 2019, 20:00 Uhr
Raoul Schrott „Eine Geschichte des Windes …“

1964 in Landeck / Tirol geboren, studierte er Germanistik, Anglistik und Amerikanistik und schrieb seine Doktorarbeit über „Dadaismus in Tirol 1921 bis 1922“. Schrott gilt als „Poeta doctus“. Sein Werk als Lyriker, Übersetzer (z.B. „Gilgamesch“ und Homers „Ilias“), Essayist und Romancier umfasst ein riesiges Spektrum. Und das gilt auch für die Reisen des leidenschaftlichen Abenteurers. Charakteristisch, dass er seinen literarischen Durchbruch mit einem fiktiven Logbuch in Romanform hatte: „Finis Terrae. Ein Nachlass“ (1995).

So nehmen wir das 500-jährige Jubiläum der ersten Weltumsegelung zum willkommenen Anlass für ein Abenteuer mit Raoul Schrott – bei der Lesung aus seinem neuen Roman „Eine Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier, der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal“ (Hanser). Am 20. September 1519 brach der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan mit fünf Dreimastern von Andalusien aus zu den sagenhaften Gewürzinseln auf. Eine Reise ins Ungewisse! Stürme, Meutereien, Schiffbrüche, Kannibalen und der Qualen mehr – nur um an Nelken zu kommen und vielleicht das Goldland Ophir zu entdecken. An Bord: Hannes aus Aachen, den die damaligen Chroniken „Juan Aleman“ nennen. Am Ende kehrte bloß ein einziges Schiff zurück, von 265 Seeleuten überlebten nur 18 – unter ihnen Hannes. Wer war er? Was widerfuhr ihm? Raoul Schrott ist dieser Nebenfigur der Weltgeschichte hinterhergereist. Seinem Simplicissimus auf hoher See schenkt er ein ganzes Leben.

Details

Literaturhaus Nürnberg e.V.

Veranstaltungsort:
Literaturhaus Nürnberg
Luitpoldstr. 6
90402
Nürnberg

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