Kommune Inklusiv
21.09.2020 Themen Ältere Menschen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen

Kommune Inklusiv

Mal schnell zum Bäcker Brötchen holen, beim Hausarzt einen Termin ausmachen oder zum Dia-Vortrag ins Kulturzentrum – was für viele zum normalen Alltag gehört, kann für gehörlose und schwerhörige Menschen schnell zu einer Herausforderung werden. Kommune Inklusiv heißt deshalb ein von der Aktion Mensch initiiertes und gefördertes Projekt, mit dem Inklusion vor Ort Realität werden soll.

Zwei Menschen unterhalten sich in Gebärdensprache

Foto: Aktion Mensch

Insgesamt fünf Kommunen in ganz Deutschland wurden für das Projekt ausgewählt. Eine davon ist Erlangen. Inklusion ist in Erlangen schon länger ein wichtiges Thema. Bereits in den achtziger Jahren hat sich eine starke Bewegung von Menschen mit Behinderung vor Ort etabliert. Zu dieser Bewegung gehört auch das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter (ZsL), das seit 2018 Projektträger von Kommune Inklusiv in Erlangen ist. Zielgruppen des Projekts in Erlangen sind Menschen mit Hörbehinderungen und ältere, vor allem vereinsamte Menschen.

„Wir haben in Erlangen circa 80 über ihren Schwerbehindertenausweis erfasste gehörlose Menschen. Aber das Thema betrifft natürlich viel mehr Menschen!“, sagt Ina Fischer, Koordinatorin des Projekts beim ZsL. „Wir haben die schwerhörigen Menschen, Menschen, die eine Hörprothese tragen – und eine große Schnittmenge mit der Zielgruppe der älteren Menschen. Hier gibt es viele Menschen, die sich selbst wahrscheinlich nie als hörbehindert bezeichnen würden, die aber im Alltag faktisch auf Probleme treffen, weil sie schlecht hören.“

Herauszufinden, was die betroffenen Menschen in ihrem Alltag wirklich brauchen, war im Projekt deshalb der erste Schritt. „Und hier beginnt bereits Inklusion“, betont Ina Fischer. „Neben den Fachleuten haben wir uns Menschen mit Hörbehinderung in die Arbeitsgruppe geholt. Und in unserem Netzwerk sind der Gehörlosen-Verein und die Schwerhörigen-Selbsthilfe an dem Projekt beteiligt.“

Aus dieser Analyse sind verschiedenen Projekte entstanden:

  • App „Be my ears“: Die gemeinnützige Organisation Birne7 – Innovation für Inklusion entwickelt eine App, die gesprochenes Wort in Text und Gebärdensprache umwandelt. Die App befindet sich momentan noch in der Testphase und schafft derzeit circa 94 Prozent gesprochenes Wort in Text umzuwandeln.
  • Gehörlosenambulanz: An der Uni-Klinik erlangen soll eine Gehörlosenambulanz eingerichtet werden. Gehörlosenambulanzen gibt es zum Beispiel bereits in Österreich. Hier kann entweder das Personal in Gebärdensprache kommunizieren oder zu bestimmten Zeiten stehen Gebärdensprachdolmetscher*innen zur Verfügung.
  • Gebärdensprachdolmetscher*innen: Zu allen städtischen Veranstaltungen können Gebärdensprachdolmetscher*innen gebucht werden.
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit: Ein erster Schritt zu Inklusion ist das Wissen über eine Behinderung. Ein wichtiger Baustein des Projekts ist deshalb, Wissen über Hörbehinderungen zu vermitteln und in der Öffentlichkeit ein Verständnis für Menschen mit Hörbehinderung aufzubauen.

Mehr Informationen zu Kommune Inklusiv Erlangen gibt es auf den untenstehenden Webseiten.

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