SymPat schafft Perspektiven
16.03.2022 Themen Bildung Kinder und Jugend Migration und Flucht Bürgerschaftliches Engagement

SymPat schafft Perspektiven

Ankommen in einem fremden Land – dafür braucht es Menschen, die einen empfangen heißen und unterstützen. Und es braucht Perspektiven, wie das Leben in diesem Land weitergehen kann. Patenprojekte wie SymPat des Paritätischen in Aschaffenburg bieten beides: Begegnung und Bildung.

Deutsch, Mathematik oder Englisch: bei SymPat unterstützen Ehrenamtliche zahlreiche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund dabei, schulischen Nachteile auszugleichen. Die Teilnahme an SymPat ist freiwillig. Entsprechend motiviert arbeiten die Patenschüler*innen daran, um einen Schul- oder Berufsabschluss zu erhalten. Und mit Erfolg: Jedes Jahr schaffen mehrere Schüler*innen einen Übertritt in eine höhere Schulform.

Die enge Betreuung zwischen Pat*innen und Patenschüler*innen geht dabei weit über die schulische Hilfe hinaus und währt häufig über Jahre. So auch bei Qusai Al-Rmed und Angela Chudoba, die seit Ende 2019 Tandempartner sind: inzwischen steht der Patenschüler – mit der Hilfe der ehemaligen Grundschullehrerin – kurz vor seinem Fachabitur.

Wir haben die beiden zu ihren Erfahrungen mit dem Patenprojekt befragt.

Qusai, kannst Du uns kurz etwas zu Deinem bisherigen Lebensweg erzählen?
Mein Name ist Qusai Al-Rmed, geboren 2001 in Al Qamschli in Syrien. Ich habe noch zwei jüngere Geschwister und eine ältere Schwester.

Mit 14 Jahren haben mich meine Eltern wegen des Krieges nach Deutschland geschickt. Meine Flucht ging über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Österreich nach Deutschland und dauerte ca. zwei Monate. Im Oktober 2015 kam ich in Aschaffenburg an.

Im gleichen Monat besuchte ich die Übergangsklasse der Pestalozzi-Mittelschule. 2018 beendete ich die Schule mit einem Qualidurchschnitt von 1,8. Danach besuchte ich den M-Zweig in der Brentano-Mittelschule. Nach der Mittleren Reife ging ich auf die FOS, zuerst in die Vorbereitungsklasse. Im Sommer diesen Jahres werde ich mein Fachabitur ablegen.

Weshalb seid Ihr bei SymPat dabei?

Qusai: Meine Betreuerin aus dem Flüchtlingsheim schlug mir vor drei Jahren vor, am SymPat-Projekt teilzunehmen, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Mein erster Pate dort war ein Student, der aber dann ins Ausland gegangen ist.
Meine zweite Patin heißt Angela Choduba. Wir treffen uns einmal in der Woche persönlich oder per Video. Besonders in der Arbeit mit deutscher Literatur, war mir die Hilfe sehr wichtig. So konnte ich die Texte besser verstehen und interpretieren.

Angela: Da er auf der FOS recht anspruchsvolle Themen in Deutsch behandelt, haben wir uns vorwiegend mit literarischen Texten und Präsentationen beschäftigt. Aber auch seine Praktikumsberichte haben wir immer gemeinsam verbessert.

Was verbindet Euch als Tandempartner*in?

Angela: Unsere regelmäßigen Treffen beinhalteten manchmal Fragen zu politischen, sozialen und persönlichen Themen. Was ich an Qusai sehr schätze ist seine Zuverlässigkeit. Er war immer pünktlich an unseren Treffpunkten und wir konnten die Coronazeit auch online gut überstehen.
Ich habe den Eindruck, dass wir ein gutes Team sind.

Qusai: Wir unterhalten uns aber auch über Gott und die Welt und wir lachen viel. Außerdem haben wir begonnen, eine Novelle zu schreiben, davon will ich aber noch nichts verraten.


SymPat des Paritätischen in Unterfranken ist immer auf der Suche nach neuen Pat*innen, die Schüler*innen mit Migrationshintergrund Perspektiven aufzeigen und unterstützen wollen. Hier gibt es mehr Informationen zu SymPat für Interessent*innen.

Das Projekt freut sich auch über Spenden: Jetzt für SymPat spenden!

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