Welt-Alzheimertag
18.09.2020 Themen Ältere Menschen Familie Gesundheit Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege

Welt-Alzheimertag

Es fängt ganz unauffällig an: Zum zigsten Mal hat man den Schlüssel verlegt, den Namen der neuen Nachbarin kann man sich partout nicht merken und in Gesprächen fehlen immer wieder die Worte. Und plötzlich ist sie da: die Diagnose Demenz. Für viele betroffene Menschen und ihre Familien ist die Diagnose ein Schock, an den sich schnell die bange Frage anschließt: Und wie geht es jetzt weiter? Gerade für Menschen mit einer leichten und mittelgradigen Demenz kann die Tagespflege eine gute Lösung sein. Mit Helge Gruner, Leiter der Tagespflege im Haus St. Josef unserer Mitgliedsorganisation Münchenstift, haben wir darüber anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September gesprochen.

Welt-Alzheimertag: Tagespflege im Münchenstift

Foto: Münchenstift

Für Menschen mit Demenz ist das gewohnte Wohnumfeld sehr wichtig: Hier fühlen sie sich wohl und sicher und finden sich noch zurecht. Die Angehörigen stehen allerdings häufig vor einem Dilemma: Die rund um die Uhr benötigte Betreuung und Pflege zu Hause können sie nicht leisten, insbesondere, wenn sie berufstätig sind. „Hier machen wir Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen mit der Tagespflege ein passendes Angebot“, sagt Helge Gruner, Leiter der Tagespflege im Haus St. Josef im Münchenstift. „Bei uns verbringen die demenziell erkrankten Menschen ein oder mehrere Tage pro Woche tagsüber ihre Zeit in Gemeinschaft. Am Abend kehren sie dann in ihre Familien zurück.“

Familien und Angehörige entlasten

„Auch mal einen Tag zum Durchatmen haben – das ist für viele Angehörige sehr wichtig“, weiß Helge Gruner. „Denn viele der Probleme zu Hause sind hausgemacht: Weil die pflegenden Angehörigen schlicht einfach nicht mehr können.“ Ganz am Anfang steht deshalb auch immer ein Gespräch mit den Angehörigen: Welche Schwierigkeiten gibt es zu Hause? Wie hat sich der demenziell erkrankte Mensch verändert? Was kann man zu Hause verändern und verbessern? Wie kann die Tagespflege mit ihren Konzepten die Pflege zu Hause unterstützen und Problemen entgegenwirken? „Wir beraten umfänglich – auch zu Hause – und sind für unsere Gäste in der Tagespflege und ihre Familien immer ansprechbar. Auch bei akuten, alltäglichen Problemen.“

Merken, dass man nicht allein ist

Vielen Betroffenen und Angehörigen hilft es häufig schon sehr, einfach zu merken, dass sie nicht allein mit der Krankheit sind. „Gerade am Anfang der Krankheit und bei Menschen mit einer leichten Demenz findet eine starke Auseinandersetzung mit der Erkrankung statt“, sagt Helge Gruner. „Dass auch andere von dieser Krankheit betroffen sind – das erleben sie hier bei uns in der Tagespflege.“

Tagespflege: Sich zu Hause fühlen

Die Gestaltung der Räume in der Tagespflege „wie zu Hause“ erzeugt nicht nur ein „Dahoam-Gefühl“, sondern hilft demenziell erkrankten Menschen auch bei der Orientierung. Ein anregendes Programm, in dem sich jeder nach seinen Fähigkeiten und Bedarfen verwirklichen und beschäftigen kann, ist ein weiterer zentraler Baustein im Konzept der Tagespflege. Hier gilt: Alles kann, nichts muss! „Uns ist wichtig, die Selbstbestimmung und das Wohlbefinden unserer Gäste durch sinnvolle Beschäftigungen zu stärken“, sagt Helge Gruner.

Jahreszeitliche Feste und Feiern helfen bei der Orientierung, Konzerte, Theater- oder Filmvorführungen sorgen für Unterhaltung oder ein Besuch im hauseigenen Friseursalon für Entspannung. „Ganz besonders wichtig für demenziell erkrankte Menschen sind Bilder“, sagt Helge Gruner. Deshalb finden in der Tagespflege auch immer wieder Fotoausstellungen statt, die demenziell erkrankten Menschen dabei helfen, im Kopf auf Reisen zu gehen oder alte Erinnerungen zu wecken.

Ausflüge: Ausbrechen aus dem Alltag

Ein besonderes Highlight sind die Ausflüge innerhalb des Münchner Stadtgebiets. „Die planen wir immer so, dass sie einen Bezug zum Leben, zur Biographie des demenziell erkrankten Menschen haben“, so Gruner. Aber auch für die Angehörigen sind die Ausflüge ein wichtiges Erlebnis. „Um mal rauszukommen und den ansonsten so stark durchgeplanten Tagesablauf zu durchbrechen. Und um zu sehen und zu erleben, was alles noch geht und was man gemeinsam mit dem demenziell erkrankten Menschen noch alles unternehmen kann.“

Immer wieder nimmt die Tagespflege auch an wissenschaftlichen Studien zum Thema Demenz teil oder probiert aktuelle digitale Entwicklungen aus. „Das ist zum einen interessant für unsere Gäste“, sagt Helge Gruner. „Zum anderen hoffen wir, dass die so gewonnenen Erkenntnisse zukünftigen Generationen von Betroffenen helfen werden.“

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