Gute-KiTa-Bericht 2020
04.06.2020 Themen Arbeit und Beschäftigung Bildung Familie Kinder und Jugend

Gute-KiTa-Bericht 2020

Im letzten Jahr haben die Bundesländer mit der Umsetzung des Gute-KiTa-Gesetzes begonnen. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Kindertagesbetreuung in Deutschland besser zu machen? Und was wünschen sich die Träger von Kindertageseinrichtungen eigentlich? Das hat der Paritätische Gesamtverband in seinem gerade erschienenen Gute-KiTa-Bericht 2020 untersucht.

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Seit Jahren steht die Frage im Raum, wie die Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung durch den Bund gefördert und finanziert werden kann. 2018 hat die Bundesregierung darauf eine Antwort gegeben: mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege (KiQuTG), besser bekannt als das Gute-KiTa-Gesetz.

Selbstgestecktes Ziel des Gesetzes ist es, die Qualität frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindertagesbetreuung bundesweit weiterzuentwickeln und die Teilhabe von Kindern in der Kindertagesbetreuung zu verbessern. Kinder, die in Deutschland groß werden, sollen bundesweit gleichwertige Lebensverhältnisse vorfinden. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll verbessert werden. Dafür erhalten die Länder vom Bund 5,5 Mrd. Euro für den Zeitraum 2019 bis 2022.

Wofür werden die Bundesmittel eingesetzt?

Träger von Kindertageseinrichtungen benötigen gute finanzielle Rahmenbedingungen, ausreichend Fachkräfte und fachliche Unterstützung. Im Kitabereich herrscht schon seit längerem ein großer Fachkräftemangel: Der Markt für gute Erzieher*innen ist leer und die Wiederbesetzung einer vakanten Stelle dauert etwa ein halbes Jahr. Ein spezielles Problem in Bayern ist die mangelnde Zeit für Leitungsaufgaben.

Vielen Ländern scheint es jedoch ein großes, wenn nicht gar primäres Anliegen zu sein, die Elternbeiträge zu reduzieren: Dafür werden ein Drittel der gesamten Bundesmittel und in der Regel weitere Mittel aus den Landeshaushalten verwendet. Die Annahme liegt nahe, dass nicht die Teilhabe der Kinder Anlass für diese Ausgaben ist, sondern dass es sich um eine familienpolitisch motivierte Förderung handelt.

Bayern setzt die Bundesmittel überwiegend für die Beitragsentlastung der Eltern in Krippe und Kita ein. Ein kleiner Teil der Bundesmittel entfält auf einen Leitungs- und Verwaltungsbonus, von dem aber nicht alle bayerischen Kindertageseinrichtungen profitieren. Darüberhinaus wird die Festanstellung von Tagespflegekräften in den Kitas unterstützt.

Was hat das Gute-KiTa-Gesetz gebracht?

Durch das Gesetz wurde ein kleines Loch in der Finanzierung gestopft, aber es sichert keine flächendeckende Qualität: Die vom Paritätischen Gesamtverband durchgeführte Befragung unter Trägern von Kindertageseinrichtungen zeigt, dass die Bedarfe durch die aktuellen Maßnahmen bei weitem nicht gedeckt werden. Viele einzelne Maßnahmen werden sich als hilfreich erweisen, aber soll das Gute-KiTa-Gesetz an seinen eigenen Ansprüchen gemessen werden, fällt der Erfolg gering aus.

Die Qualität der Kindertagesbetreuung lässt sich nicht nachhaltig über die Optimierung einzelner Parameter wie den Leitungsbonus verbessern, sondern das Gesamtsystem der Kindertagesbetreuung muss sich den gewachsenen Anforderungen auf allen Ebenen anpassen. Und wer bundesweit gleichwertige Lebensverhältnisse und eine Annäherung der Qualitätsniveaus in den Ländern möchte, muss das auch entsprechend und über 2021 hinaus finanzieren.

Forderungen des Paritätischen Gesamtverbands

Das Gute-KiTa-Gesetz ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu angemessenen Rahmenbedingungen für die Kindertagesbetreuung. Allerdings bedarf es weiterer Maßnahmen. Wichtig ist, die Mittel des Bundes zu verstetigen und aufzustocken sowie die Wirkung der Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.

Die aktuelle Corona-Krise zeigt zwei Dinge sehr deutlich:

  • Eine sichere und qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung ist zentral für unsere Gesellschaft. Bundesweit sind pädagogische Fachkräfte derzeit gefordert, neue Konzepte für die Notbetreuung zu entwickeln, auf die Sorgen von Kindern und Eltern einzugehen und unter schwierigen Bedingungen trotzdem jedes Kind individuell zu fördern.
  • Es gibt strukturelle Probleme in der Kindertagesbetreuung. Bundesweit kämpfen Einrichtungen mit dem Fachkräftemangel, mangelnder digitaler Ausstattung, geringen Personalschlüsseln und einer fragilen Finanzierungen, die die Träger mancherorts um ihr Überleben bangen lässt.

Der Gute-KiTa-Bericht 2020 ist ein Plädoyer dafür, den Trägern von Kindertageseinrichtungen zuzuhören und die Bedarfe der Kinder wahrzunehmen.

Der Paritätische Gesamtverband fordert:

  • dass sich der Bund dauerhaft mit mindestens 5 Mrd. Euro jährlich an den Verbesserungen der Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung beteiligt.
  • dass sich der Bund an der Ausweitung der Ausbildungskapazitäten für pädagogische Berufe beteiligt und die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für die Ausbildung fördert.
  • die Qualitätsentwicklung der Kindertagesbetreuung auf allen staatlichen Ebenen transparent und partizipativ auszugestalten.
  • dass die gesetzlichen Vorgaben zur Verwendung der Mittel aus dem KiQuTG anzupassen sind, sofern die von den Ländern getroffenen Maßnahmen erkennbar nicht zu einer bundesweiten Angleichung qualitativer Standards führen.
  • für Kinder und ihre Eltern den Zugang zu und die Teilhabe an (inklusiven) Angeboten der Kindertagesbetreuung zu verbessern.
  • dass die Entwicklung der Rahmenbedingungen auf Landesebene in einer verbindlichen Zusammenarbeit mit den Trägern verhandelt werden muss
  • eine kostendeckende Finanzierung der Kindertagesbetreuung. Das umfasst insbesondere die Befreiung der Träger von den Eigenanteilen.

Den Gute-KiTa-Bericht 2020 können Sie untenstehend als PDF-Datei herunterladen.

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