Ich wünsche mir mehr Akzeptanz
25.01.2021 Themen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Zivilgesellschaft und Demokratie

Ich wünsche mir mehr Akzeptanz

Ehrgeizig sei sie. Und sie habe einen starken Willen, sagt Sybille Aceroglu-Vogel über sich. Umso mehr ärgert sie sich darüber, wie andere Menschen mit ihr umgehen, weil sie psychisch krank ist. Sybille Aceroglu-Vogel lebt in Erlangen und arbeitet in der Werkstatt für behinderte Menschen des wabe Vereins zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen e. V.

Was macht Sie besonders? Was unterscheidet sie von anderen Menschen?
Ich bin sehr ehrgeizig und habe einen starken Willen.

Es gibt Menschen in unserer Gesellschaft, die denken: Wenn jemand anders ist als ich, dann ist er auch weniger wert als ich. Zum Beispiel, wenn jemand psychisch krank ist oder eine Behinderung hat. Hat jemand schon mal so etwas zu Ihnen gesagt oder sich Ihnen gegenüber so verhalten?
Wenn ich erzähle, dass ich in der wabe arbeite, dann fragen mich manche entgeistert: „Da arbeitest du? Kommst du da zurecht?“ Ich gehe offen damit um, dass ich psychisch erkrankt bin. Manche behandeln mich dann als ob ich ein „Dummerla“ wäre. „Du musst aber gehörig einen an der Klatsche haben, dass du da arbeitest.“

Wie fühlen Sie sich, wenn jemand so etwas zu Ihnen sagt?
Wenn ich so etwas höre, dann bin ich etwas verletzt. Ich fühle mich minderwertig, vielleicht auch weil ich eine Borderline-Störung habe. Was soll das? Ich arbeite und sitze nicht faul rum. Im Großen und Ganzen habe ich ein dickes Fell, aber trotzdem fühle ich mich bei solchen Äußerungen nicht gut. Ich kann mich gut wehren, aber es bleibt komisch. Und obwohl ich offen mit meiner Erkrankung umgehe, bekomme ich so eine blöde Resonanz.

Was denken Sie: Warum denken und sagen manche Menschen solche Dinge zu Ihnen oder verhalten sich Ihnen gegenüber so?
Ich denke, dass die Menschen es nicht anders wissen. Sie sind voller Vorurteile gegen Lesben oder Menschen mit psychischen Krankheiten. Aber das ist deren Problem und nicht meines. Es ist nicht wert, sich darüber zu ärgern oder traurig zu sein. Aber trotzdem trifft es einen manchmal.

Wie sollten sich diese Menschen Ihnen gegenüber verhalten?
Sie sollten Verständnis haben. Manche kennen mich ja, die wissen ja, dass ich nicht mit einem Messer auf sie losgehe. Sie sollten vor ihrer eigenen Haustür kehren und die Leute in Ruhe lassen. Es ist doch egal, ob jemand schwul, schwarz, weiß, lesbisch oder trans ist. Alle sollten ein bisschen menschlicher sein, dann wäre die Welt besser. Ich wünsche mir mehr Akzeptanz.


Gerade in den sozialen Medien ist demokratie- und menschenfeindlicher Hass stark verbreitet. Im Rahmen des Projekts „Demokratie stärken“ setzt der Paritätische in Bayern diesem Trend etwas entgegen, indem er Menschen zu Wort kommen lässt, die Hass und Diskriminierung erleben, und indem er sich klar und vernehmbar positioniert für eine offene, vielfältige und tolerante Gesellschaft, in der alle Menschen die gleichen Rechte haben, unabhängig von zum Beispiel deren Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung.

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