Mädchen und Frauen sind Bildungsgewinnerinnen - aber Verliererinnen, wenn es um Lohngerechtigkeit und die berufliche Karriere geht. Durchschnittlich 21 Prozent beträgt der aktuelle Entgeltunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Im Freistaat Bayern sind es sogar 25 Prozent.

Die Gründe dafür sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig: typische Frauenberufe werden geringer geschätzt und entlohnt, Frauen unterbrechen und reduzieren ihre Erwerbstätigkeit für die Familie häufiger und länger als Männer, in Führungspositionen und besser bezahlten Berufen und Branchen sind Frauen selten zu finden. Selbst bei vergleichbaren Qualifikationen und Tätigkeiten verdienen Frauen durchschnittlich 7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Seit 2013 engagiert sich der Paritätische in Bayern als Aktionspartner im Münchner Aktionsbündnis Equal Pay Day, dem größten in Deutschland.

Fragen und Antworten rund um den Equal Pay Day

Warum gibt es den Equal Pay Day?

Equal Pay Day heißt „Tag für gleiche Bezahlung“.

Ziel des Aktionstages ist es, auf die Ursachen von Entgeltunterschieden zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen und diese langfristig zu beseitigen. Der Equal Pay Day bezieht sich auf den unbereinigten Gender Pay Gap (siehe Wie groß ist derzeit die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen?).

Seit wann gibt es den Equal Pay Day?

Der Equal Pay Day kommt aus den USA: 1966 vom National Committee on Pay Equity dort ins Leben gerufen, finden seither jährlich Aktionen statt.

2008 wurde der Equal Pay Day erstmalig in Deutschland als „Initiative Rote Tasche“ durchgeführt. Initiiert wurde der Aktionstag vom Business and Professional Women Germany e.V. (BPW). Der BPW ist eines der größten Netzwerke für Unternehmerinnen und berufstätige Frauen weltweit (mehr unter www.bpw-germany.de).

Der Equal Pay Day findet derzeit in über 20 europäischen Ländern statt.

Wie errechnet sich das Datum des Aktionstags?

In Deutschland markiert der Aktionstag die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern symbolisch in Arbeitszeit: Wenn Frauen und Männer den gleichen Stundenlohn bekämen, dann würden Männer ab dem 1. Tag des Jahres bezahlt, während Frauen bis zum Equal Pay Day umsonst gearbeitet hätten.

Der Tag wird jedes Jahr anhand der aktuell vorliegenden Zahlen zum Entgeltunterschied von Frauen und Männern errechnet. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts verdienten Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer. 2017 fand der Equal Pay Day am 18. März statt.

Was bedeuten die roten Taschen beim Equal Pay Day?

Die roten Taschen stehen symbolisch für die „roten Zahlen“ in den Geldbeuteln von Frauen. Damit soll verdeutlicht werden, dass Frauen weniger Geld in der Tasche haben, als Männer.

Wie groß ist derzeit die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern?

Der Gender Pay Gap – also die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern – wird auf zwei verschiedene Weisen berechnet: als unbereinigter und bereinigter Gender Pay Gap.

Im Jahr 2015 lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland bei 21 Prozent (Statistisches Bundesamt, März 2016). Das heißt, der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen liegt 21 Prozent unter dem von Männern. Dieser Prozentsatz hat sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verringert (22 Prozent in den Jahren 2010 bis 2014). Damit liegt Deutschland auf einem der hinteren Plätze im europäischen Vergleich. In Bayern beträgt der Entgeltunterschied 25 Prozent (2012).

Mit dem Alter wächst der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern an: Nach einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wächst die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr von 9 Prozent auf 27 Prozent an. Mit verheerenden Auswirkungen auf die Rente: Hier liegt die Lücke zwischen Männern und Frauen bei 59,6 Prozent (Fraunhofer-Institut, 2011 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend).

Beim bereinigten Gender Pay Gap werden strukturelle und arbeitsmarktrelevante Merkmale, wie z.B. schlechtere Zugangschancen von Frauen zu bestimmten Berufen und Karrierestufen, herausgerechnet (siehe Warum verdienen Frauen weniger als Männer?). Der Unterschied zwischen Frauen- und Männergehältern wird unter Berücksichtigung vergleichbarer Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiographien ermittelt. Auch hier verdienen Frauen weniger, nämlich durchschnittlich 7 Prozent (2010).

Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Für den unbereinigten Gender Pay Gap zwischen Frauen und Männern gibt es verschiedene Gründe:

  • Der Frauenanteil ist in Branchen mit schlechteren Bruttostundenverdiensten überdurchschnittlich hoch. Tätigkeiten und Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden oder als „Frauenberufe“ gelten, werden weiterhin schlechter bewertet oder prekär bezahlt. In bestimmten besser bezahlten Berufen oder Branchen ist der Frauenanteil dagegen gering.
  • Frauen sind seltener in Führungspositionen oder auf höheren Stufen der Karriereleiter zu finden.
  • Frauen unterbrechen und/oder reduzieren ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger als Männer für die Familie, z.B. für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Frauen arbeiten häufiger Teilzeit oder sind geringfügig beschäftigt. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend arbeiten nur 39 Prozent der Frauen zwischen 30 und 50 Jahren Vollzeit.

Die Entgeltlücke selber ist Wirkung und Ursache zugleich: Durch die Ungleichheit in der Bezahlung ist die Erwerbsneigung von Frauen geringer, da sich aufgrund der Entgeltlücke eine Erwerbsarbeit nicht lohnt oder nur als „Zuverdienst“ zum Familieneinkommen fungieren kann. Damit festigt die Entgeltlücke tradierte Rollenbilder und die geschlechterspezifische Aufteilung von Verantwortung in Partnerschaften.

Lohngleichheit

Der Paritätische in Bayern hat als erster Wohlfahrtsverband Deutschlands die eigene Entgeltgerechtigkeit zwischen Frauen und Männern analysieren lassen.