Ausbildung in der Pflege
Pflege: Ein Beruf mit Zukunft

Pflege: Ein Beruf mit Zukunft

Die Pflege hat zur Zeit "Konjunktur": Bundesweit hat die Zahl der Pflegebedürftigen einen neuen Höchststand erreicht. Neben der Neustrukturierung der Pflegegrade ist ein Grund der demografische Wandel. Denn immer mehr Menschen werden älter und pflegebedürftig.

Wer pflegt Bayern?

Circa 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen werden zu Hause gepflegt; circa 30 Prozent in stationären Einrichtungen. Nach Zahlen der Vereinigung der Pflegenden in Bayern arbeiten derzeit circa 100.000 Menschen professionell im Pflegebereich in Bayern. Das ist schon heute knapp und wird in naher Zukunft nicht mehr reichen: Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung werden 2030 in Bayern in der ambulanten Pflege 14.149 Vollzeitkräfte und in der stationären Altenpflege sogar 47.945 Fachkräfte fehlen.

Deshalb ist es wichtig, heute Pflegekräfte auszubilden. Beim Paritätischen in Bayern absolvieren derzeit 320 Schülerinnen und Schüler ein Ausbildung in der Altenpflege, davon 278 im stationären und 42 im ambulanten Bereich.

Warum wir pflegen

Mit sechs von ihnen haben wir über ihre Ausbildung und ihren künftigen Beruf gesprochen. So unterschiedlich bei allen die Wege in die Pflege waren, so einig sind sich alle über ihren Beruf: Ein Beruf, der fordernd und gleichzeitig erfüllend ist, dessen Image in der Öffentlichkeit nicht viel mit der Realität zu tun hat, für den man viel wissen und lernen muss und in dem man sich weiterentwickeln und selbstverwirklichen kann.

Vika Adolf: Die Pflege muss aus einer ganz anderen Perspektive gezeigt werden

Vika Adolf (38 Jahre)
Ausbildung zur Pflegefachkraft
Paritätische Altenhilfe St. Franziskus gGmbH, Pfaffenhofen

Wie sind Sie zur Pflege gekommen bzw. warum haben Sie sich für einen Beruf in der Pflege entschieden?

Ich komme aus Russland. Dort habe ich eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen und habe auch drei Jahre als Krankenschwester gearbeitet.

Also sind Sie schon vorher im medizinischen Bereich tätig gewesen. Was war Ihre Motivation, dann noch eine weitere Ausbildung in der Altenpflege zu machen?

Meine Ausbildung als Krankenschwester wird in Deutschland nicht anerkannt. Ich habe versucht, die Anerkennung an der Klinik zu machen. Aber da habe ich festgestellt: Das ist doch nichts für mich, weil die Arbeit als Krankenschwester in Deutschland ganz anders ist und ich einfach mehr Kontakt zu den Menschen brauche. Deshalb habe ich für mich entschieden, dass ich schon in der Pflege bleibe, aber in eine andere Richtung gehe.

Wie hat denn Ihre Familie auf diese Entscheidung reagiert?

Also mein Sohn, der damals zehn Jahre alt war, hat gesagt: „Muss man drei Jahre lernen, um einen Popo abzuwischen?“ (Lacht) Mittlerweile hat er aber mitgekriegt, dass das „Popo abwischen“ zwar auch zur Pflege dazugehört, aber lange nicht das Wichtigste und nicht Alles ist.

Gibt es in Ihrer Ausbildung Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie in Ihrer Entscheidung bestätigen? Die Ihnen zeigen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?

Ich arbeite seit drei Jahren im beschützenden Bereich. Da bin ich total zufrieden und auch in der Schule habe ich viel gelernt, wie man mit Menschen umgeht, die kognitiv eingeschränkt sind und sich nicht so gut äußern können. Es tut einfach gut zu sehen, dass die Menschen auf die Ansprache, auf Berührungen reagieren. Dass sie zufrieden sind, lachen oder strahlen. Oder wenn es einem gelingt, aggressive Bewohner zu beruhigen – das tut gut. Was man in der Pflege von den Leuten zurückbekommt, das ist für mich persönlich ganz viel wert.

In welchem Bereich sehen Sie sich in zehn Jahren? Wo und wie möchten Sie dann gerne arbeiten?

Ich sehe mich weiterhin in der Pflege. Ein paar Weiterbildungen würde ich mir schon vorstellen. Die Gerontopsychiatrische Richtung und die Palliativpflege interessieren mich auch.

Die Pflege ist ja immer wieder Thema in den Medien und in der Politik. Was wünschen Sie sich von der Politik und was erleben Sie für Probleme in der Pflege, die gelöst werden müssen?

Meine persönliche Meinung ist, dass die Pflege aus einer ganz anderen Perspektive gezeigt werden sollte. Dass die Leute auch wirklich mitkriegen, dass es nicht nur Intimpflege und Windeln wechseln ist. Da steht viel mehr dahinter. Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Aspekt.

Auch ein höherer Lohn würde helfen, dass mehr Leute interessiert sind, in der Pflege zu arbeiten. Das betrifft auch den Lohn, den Auszubildende bekommen. Dass die Leute auch während der Ausbildung gut versorgt sind. Meine erste Ausbildung zur Altenpflegehelferin musste ich ohne Entgelt machen. Ich konnte das machen, weil mein Mann berufstätig ist. Aber nicht jeder kann sich das leisten.

Gut wäre auch, wenn die Einrichtungen mehr für ihre Mitarbeiter machen könnten. Dass sich das Pflegepersonal nicht „aufarbeitet“. Zum Beispiel Erholungskuren oder Informationen zur Burn-out-Prophylaxe. Dass die Mitarbeiter sich auch erholen können und mehr Freude an der Arbeit haben.

Und im Fernsehen und den Medien sieht man häufig nur, was in der Pflege schief läuft. Aber was alles gut läuft, das sieht man leider nicht …

Nicole Baumann: Die Politiker sollten mal ein oder zwei Dienste in der Pflege machen

Nicole Baumann (47 Jahre)
Ausbildung zur Pflegefachkraft
Albert Schweitzer Seniorenstift, Nürnberg

Wie sind Sie zur Pflege gekommen bzw. warum haben Sie sich für einen Beruf in der Pflege entschieden?

Ich habe zuerst eine achtmonatige Schulung zum Betreuungsassistenten für Menschen mit Demenz gemacht. Und da musste ich auch ein Praktikum in der Pflege machen. Das hat mir dann so gut gefallen, dass ich gesagt habe, ich gehe gleich in die Ambulanz. Und dadurch bin ich in die Pflege gekommen. Mein Chef hat mir damals angeboten, die Ausbildung zur Pflegehelferin zu machen, die ich letztes Jahr abgeschlossen habe. Und jetzt mache ich noch die Pflegefachkraft. Also, ich bin in diesen Beruf mehr oder weniger reingewachsen.

Wie haben denn Ihre Familie und Ihre Freunde auf Ihre Entscheidung reagiert, eine Ausbildung zur Altenpflegerin zu machen?

Meine Familie und vor allem meine Kinder, die waren erstmal erstaunt, dass ich in dem Alter jetzt sage: Ok, ich gehe beruflich weiter und bilde mich weiter. Aber ansonsten waren die Reaktionen recht positiv. Auch im Freundeskreis.

Gibt es in Ihrer Ausbildung Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie in Ihrer Entscheidung und in Ihrer Berufswahl bestätigen?

Die Bestätigung, die ich auch immer kriege, ist eigentlich dieses Lächeln von den Leuten. Dass man merkt, dass sie sich darüber freuen, wenn man lächelnd ins Zimmer kommt, oder wenn man sie motiviert. Jeder hat ja so verschiedene Eigenarten an sich, wie man mit den Leuten umgeht. Also, für mich ist wirklich das Größte das Lächeln von den Leuten.

Wo sehen Sie sich selbst und wo sehen Sie Ihren Beruf in zehn Jahren?

Ich wünsche mir für meinen Beruf, dass sich da noch sehr viel ändert. In der Ausbildung, aber auch für die Fachkräfte. Da muss sich noch einiges ändern.

Da schließt sich die nächste Frage gut an: Was wünschen Sie sich denn von der Politik, damit sich in der Pflege etwas ändert?

Die Politik sollte einfach mal die Augen aufmachen und sehen, wie es in der Pflege überhaupt abläuft. Weil ich denke, dass das viele Politiker gar nicht wissen. Die sollten wirklich mal einen Dienst oder zwei Dienste mitmachen, um zu sehen, was wir für Arbeit leisten.

Anni Drotleff: Mir ist wichtig, dass man uns als Altenpfleger mehr schätzt

Anni Drotleff (45 Jahre)
Ausbildung zur Pflegefachkraft
Paritätischer Pflegedienst Unterfranken, Güntersleben

Wie sind Sie zur Pflege gekommen bzw. warum haben Sie sich für einen Beruf in der Pflege entschieden?

Ich habe Arzthelferin gelernt, habe aber nicht lange meinen Beruf ausgeübt, weil ich vier Kinder bekommen habe und dann war ich zehn Jahre daheim.

Also die Ausbildung ist für Sie der Wiedereinstieg in die Berufstätigkeit?

Ja. Mich hatte die Altenpflege auch schon damals als Arzthelferin interessiert. Die sind halt immer gekommen und haben die Rezepte geholt oder die Verordnungen. Und das hat mich interessiert, weil ich mir gedacht habe: Da hast Du keinen Chef mehr, sondern gehst zu den Menschen heim und bist direkt am Patienten.

Gibt es in Ihrer Ausbildung Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie in Ihrer Entscheidung bestätigen? Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Durch die Ausbildung hat sich mein eigener Horizont sehr erweitert. Ich kann jetzt besser auf die Leute eingehen. Und es ist schon das, was ich mir auch vorgestellt habe.

Wie hat denn Ihre Familie darauf reagiert, als Sie gesagt haben, dass Sie nochmal eine Ausbildung machen und in die Pflege gehen wollen?

Also, mein Mann war nicht so begeistert – das können Sie sich vielleicht vorstellen. Weil: Als Arzthelferin war ich von Montag bis Freitag fort und jetzt gehe ich eben auch Samstag, Sonntag oder am Feiertag arbeiten. Aber für mich ist es sehr praktisch, weil die Kinder müssen an den Tagen nicht zur Schule und das ist dann für mich nicht ganz so stressig, wie wenn man in der Woche arbeitet, wo dann die Kinder erstmal aus dem Haus müssen.

Das heißt, Sie können Familie und Beruf jetzt besser unter einen Hut bringen?

Ja, auf jeden Fall. Auch, weil meine Kollegen so kollegial sind und ich sagen kann, ob ich jetzt lieber Frühschicht oder Spätschicht oder am Wochenende oder nicht am Wochenende arbeiten möchte. Das ist jetzt doch flexibler. Und mir gefällt diese Flexibilität auch sehr gut.

Und wie haben Ihre Freunde reagiert?

Meine Freunde haben mich sehr in meiner Entscheidung unterstützt. Die haben gesagt: Doch, das machst Du jetzt. Weil ich am Anfang schon gezweifelt habe, ob ich die vier Jahre durchstehe – mit Kindern, Familie, Arbeit, Schule. Weil es ja auch ein großer Einschnitt ist, plötzlich wieder selbst die Schulbank zu drücken und lernen zu müssen.

Wo sehen Sie sich denn in zehn Jahren? In welchem Bereich möchten Sie gerne arbeiten?

Also, ich hoffe, dass ich weiterhin in der Sozialstation bleiben kann, in der ich gerade arbeite. Dass ich weiterhin so gute Kolleginnen habe – das ist nämlich das Wichtigste! Und ich will weiterhin im ambulanten Dienst arbeiten. Ich habe ja in der Ausbildung auch die Arbeit im Altenheim und in der Tagespflege kennengelernt – und festgestellt, dass ich in der ambulanten Pflege an der besten Stelle bin!

Die Pflege ist ja immer wieder Thema in den Medien und in der Politik. Was wünschen Sie sich von der Politik und was sollte die Politik tun, damit die Bedingungen in der Pflege besser werden?

Also, das erste wäre, dass die Pflegezeiten geändert werden. Dass wir nicht mehr diesen Minutentakt haben. Das wäre das Beste, was die Politik machen kann. Dass wir wieder mehr Zeit haben für die Patienten. Das ist ja vorgegeben: drei Minuten für Medikamentengabe, sechs Minuten für Strümpfe an- oder ausziehen. Und wir schaffen das nicht, in drei Minuten reinzukommen, den Patienten zu begrüßen, ihn zu fragen, wie es ihm geht, und dann wieder rauszugehen. In der Ausbildung lernen wir, dass wir individuell auf den Menschen eingehen sollen. Aber in drei Minuten schafft man keine Individualität.

Also, es ist wichtig, dass mehr Zeit für den Patienten da ist. Und dass mehr Pflegekräfte eingesetzt werden. Aber es gibt halt keine Pflegekräfte … Mir ist wichtig, dass man uns als Altenpfleger auch mehr schätzt.

Also mehr Wertschätzung, damit auch wieder mehr Menschen diesen Beruf ergreifen wollen?

Ja. Ich hätte auch gerne, dass in den Medien auch mal gezeigt wird, dass es nicht so schlimm ist, wie manche denken. Viele haben ja im Kopf, dass man als Altenpflegerin nur ältere Menschen wäscht. Und das ist es ja nicht, was diesen Beruf ausmacht.

Meistens wissen nur die Angehörigen, was man in der Altenpflege macht – und die wertschätzen das dann auch und wissen, welche Ausbildung dahinter steht und welche Arbeit wir leisten.

Rebecca Hannemann: In der Arbeit steigt meine Laune

Rebecca Hannemann (20 Jahre)
Ausbildung zur Pflegefachkraft
Paritätische Altenhilfe St. Franziskus gGmbH, Pfaffenhofen

Was hat Sie bewegt, eine Ausbildung im Bereich Pflege zu machen?

Eigentlich wollte ich nie in die Pflege gehen. Meine Mutter ist auch Pflegefachkraft. Deshalb wusste ich, was damit zusammenhängt. Und das hat mir nie irgendwie zugesagt. Und dann habe ich, weil ich in der Schule mal eine längere Zeit krank war und die Prüfungen dadurch nicht mitschreiben konnte, verschiedene Praktika gemacht. Und eines davon war eben in der Altenpflege. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dann einfach alles umgeschmissen habe und die Ausbildung in der Altenpflege begonnen habe.

Wie haben denn Ihre Familie und vor allem Ihre Mutter auf diese Entscheidung reagiert?

Ja, meine Mum, die war halt wirklich erstaunt. Weil sie damit wirklich nicht gerechnet hat. Aber sie sind alle voll stolz auf mich!

Und Ihre Freunde?

Die haben auch gesagt: Respekt! Dass ich das mache, weil sie sich das nicht vorstellen könnten. Also, da waren die Reaktionen auch positiv.

Gibt es in Ihrer Ausbildung Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie in Ihrer Entscheidung bestätigen? Die Ihnen zeigen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?

Ja, es gibt in beide Richtungen was. Das Positive ist halt, dass ich merke, wenn ich schlechte Laune habe und dann geht’s in die Arbeit und ich kümmere mich um die Leute – dann steigt meine Laune stetig und dann habe ich am Ende des Tages wieder gute Laune. Da merke ich schon, dass es richtig war. Weil es einfach Spaß macht und ich mich auch darüber freue, wenn ich mit den Leuten reden kann, wenn ich mich um sie kümmern kann. Das mag ich schon an dem Beruf. Und das ist etwas, was mich in meiner Entscheidung bestätigt.

Und das andere? Sie sagten, es gibt in beide Richtungen etwas?

Ja, ich hatte in letzter Zeit ein großes Tief. Da war mir dann alles zu viel und ich habe mir dann schon überlegt, ob es die falsche Entscheidung war. Aber in der Arbeit hat sich dann wieder bestätigt, dass es ein Fehler gewesen wäre, wenn ich jetzt aufgehört hätte. Weil die Arbeit einfach Spaß macht.

Jetzt sind Sie kurz davor, Ihre Ausbildung abzuschließen. Wo sehen Sie sich denn in zehn Jahren? In welchem Bereich möchten Sie gerne arbeiten?

Also, es gibt da recht viel. In der Schule waren wir zum Beispiel in der Dialyse und auch in der Pathologie. Ich würde gerne in Richtung Pathologie gehen. Das hat jetzt zwar nichts mit der Pflege zu tun, sondern eher mit Medizin. Aber das ist etwas, was mir im Kopf rum spukt und was ich gerne machen würde.

Das heißt, dass Sie auch darüber nachdenken, auf die Ausbildung nochmal was draufzusetzen, zum Beispiel ein Studium?

Ja, genau.

Was erleben Sie in Ihrer Ausbildung als die größten Probleme in der Pflege?

Also, wenn mehr Personal da wäre – das wäre schon nicht schlecht. Aber wenn niemand krank ist oder nicht gerade Grippewelle ist, dann sind eigentlich auch genug Leute da und es läuft.

Was ich persönlich relativ schwer finde in der Pflege ist, dass es körperlich manchmal eine anstrengende Arbeit ist. Wenn man zum Beispiel schwerere Patienten umlagern und drehen muss. Das kriegt man alleine nicht hin. Das schafft man nur zu zweit – also braucht man die doppelte Arbeitszeit. Und diese Zeit fehlt dann manchmal an anderer Stelle wieder.

Irina Mashinskaya: Ich habe jetzt keine Angst mehr vor dem Alter und dem Sterben

Irina Mashinskaya (34 Jahre)
Ausbildung zur Pflegefachkraft
Albert Schweitzer Seniorenstift, Nürnberg

Wie sind Sie zur Pflege gekommen bzw. warum haben Sie sich für einen Beruf in der Pflege entschieden?

Ich komme aus Russland und habe früher 13 Jahre im Tourismus als Reisebetreuerin gearbeitet. Weil ich jetzt Familie und ein Kind habe, kann ich nicht mehr viel reisen. Und da habe ich mir Gedanken um meine Zukunft gemacht und nach einem sicheren und sozialen Beruf gesucht, bei dem ich mit Menschen zu tun habe. Da habe ich mich für die Altenpflege entschieden. Ich selber habe immer Angst gehabt, vor dem Sterben, vor dem Alter. Mit meiner Ausbildung und meinen medizinischen Kenntnissen habe ich jetzt keine Angst mehr. Und mit meiner Ausbildung kann ich überall auf der Welt eine Arbeit finden.

Wie haben denn Ihre Familie und Ihre Freunde auf Ihre Entscheidung reagiert, eine Ausbildung zur Altenpflegerin zu machen?

Alle waren ganz schockiert! Denn ich hatte früher gar nichts mit dem Gesundheitsbereich oder der Pflege zu tun. Ich habe in Moskau Tourismus studiert und danach in Kroatien, Montenegro und Österreich gearbeitet. Alle haben gefragt: Warum? Und gesagt, dass Altenpflege eine schwere körperliche Arbeit sei und die Schichtdienste anstrengend sind. Ich habe gesagt: Das ist ein guter Beruf, für den man lange lernen und sich bilden muss. Und ich mache jetzt die Ausbildung und dann schaue ich. (lacht)

Mir gefällt der Beruf sehr. Und meine Familie hat jetzt auch eine andere Vorstellung von dem Beruf. Denn normalerweise denken viele, das sei nur Po waschen und Essen geben. Aber das ist viel, viel mehr!

Gibt es in Ihrer Ausbildung Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie in Ihrer Entscheidung und in Ihrer Berufswahl bestätigen?

Meine Motivation ist, dass ich im medizinischen Notfall und bei Krankheit meiner Familie, meinen Eltern, meinem Kind und anderen Menschen helfen kann. Mit dem Beruf kann ich überall Arbeit finden und ich kann mich auch weiterbilden und selber weiterentwickeln. Und es ist eine soziale Arbeit. Man sieht jeden Tag schwere Krankheiten und Palliativpatienten. Dadurch lernt man auch die eigene Gesundheit ganz anders schätzen: Man muss jeden Tag und das Leben genießen und nicht immer nur an die Probleme denken!

Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren in Ihrem Beruf?

In zehn Jahren sehe ich mich und meinen Mann mit einem eigenen ambulanten Dienst. Mit einem modernen Konzept und der neuesten Medizintechnik. Die Gedanken habe ich alle schon im Kopf. Ich will im Gesundheitsbereich bleiben, aber etwas Eigenes haben und meine eigenen Ideen verwirklichen.

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit sich die Bedingungen in der Pflege verbessern?

Ich wünsche mir eine bessere Bezahlung. Und mehr Hilfsmittel, damit die körperliche Belastung in der Arbeit weniger wird. Und für Mütter mit Kindern, dass die Arbeit besser mit dem Familienleben vereinbart werden kann, zum Beispiel durch Frühschichten. Und dass man die Pflegekräfte dabei unterstützt, den Stress zu bewältigen und selbst gesund zu bleiben, zum Beispiel durch Schulungen und Sport.

Jasminko Okic: Als Fachkraft habe ich viele Möglichkeiten, zu arbeiten und mich weiterzubilden

Jasminko Okic (über 40 Jahre)
Ausbildung zur Pflegefachkraft
Gemeinnützige PARITÄTISCHE Altenhilfe GmbH Unterschleißheim
Haus am Valentinspark

Wie sind Sie zur Pflege gekommen bzw. warum haben Sie sich für einen Beruf in der Pflege entschieden?

Das ist immer eine individuelle Sache. Ich habe mehrere Gründe. Als Altenpflegehelfer arbeite ich schon drei Jahre und dann habe ich irgendwann gemerkt, dass ich viel mehr kann, als andere Helfer. Und ich will mich einfach weiterbilden. Und dann will ich mehr Respekt von den Kollegen. Denn mit mehr Wissen, verdiene ich auch mehr Respekt. Und es gibt viel mehr Stellen und Möglichkeiten nach der Ausbildung zur Fachpflegekraft für mich, wo ich arbeiten und wo ich mich weiterbilden kann.

Sie arbeiten also schon länger im Pflegebereich. Wie sind Sie dazu gekommen?

Um ehrlich zu sein, bin ich da eher zufällig reingerutscht. Aber inzwischen ist das Haus am Valentinspark meine zweite Heimat. Dort gefällt es mir sehr gut.

Gibt es in Ihrer Ausbildung Erlebnisse und Erfahrungen, die Sie in Ihrer Entscheidung bestätigen? Die Ihnen zeigen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?

Seitdem ich für meine Ausbildung in der Schule bin, merke ich, wie viel ich noch nicht weiß. Früher habe ich immer gedacht, ich weiß alles. Aber jetzt habe ich die richtige Definition, den richtigen Namen für die Dinge und mehr Wissen über das, was wir in der Arbeit machen. Das bestätigt mich in meiner Entscheidung.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? In welchem Bereich möchten Sie gerne arbeiten?

Ehrlich gesagt, habe ich noch nie so weit gedacht. Jetzt mache ich erstmal die Schule fertig. In letzter Zeit habe ich auch schon ein paar Mal die Schichtführung übernommen und da habe ich schon gesehen, wie viel Stress das ist. Ich bin erstmal zufrieden, wenn ich meine Ausbildung zur Fachkraft geschafft habe. Und dann sehe ich weiter.

Die Pflege ist ja immer wieder Thema in den Medien und in der Politik. Was wünschen Sie sich von der Politik und was sollte die Politik tun, damit es besser wird in der Pflege?

Viele werden sagen: Geld. Aber ich finde, dass man als Fachkraft gut verdienen kann. Das Problem ist eher: Ständig fehlen Leute und der Dienst muss geteilt werden. Ich hätte heute eigentlich frei, aber ich wurde schon angerufen, ob ich arbeiten kommen kann. Weil es brennt. Das sind die Probleme. In den zwei Jahren, die ich im Haus am Valentinspark arbeite, habe ich noch nie erlebt, dass der Dienstplan so eingehalten werden konnte, wie er geschrieben war. Immer ist jemand krank etc. und jemand anderes muss einspringen.

Die Interviews führte Alix Veh.