www.paritaet-bayern.de: Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. https://www.paritaet-bayern.de/ Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. Aktuelle Meldungen de www.paritaet-bayern.de: Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. https://www.paritaet-bayern.de/fileadmin/verband/bund_2015/theme/img/icon_newsfeed.gif https://www.paritaet-bayern.de/ 16 16 Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. Aktuelle Meldungen TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 30 Nov 2021 17:55:00 +0100 Motivational Interviewing Grundkurs https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23482&cHash=845a2171e643ee8ff9e0a9b2b11316c3

]]> ]]> ZIELGRUPPE

Pädagogische Fachkräfte

INHALTE

Motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing,

kurz MI) ist ein klient*innenzentrierter Ansatz der

Gesprächsführung mit dem Ziel, die Eigenmotivation

zur Änderung problematischen Verhaltens zu steigern.

Ausgangspunkt des MI bildet die Annahme, dass Menschen

ambivalent sind. Das heißt: Es gibt gute Gründe für, aber

auch gegen die Änderung eines Verhaltens. Wenn man dies

zulässt und bestimmte Gesprächsprinzipien (z. B. beim

Auftauchen von Widerstand) beherzigt, wird der Patient

„automatisch“ zum Fürsprecher der eigenen Veränderung.

Die Seminarteilnehmer*innen erhalten einen Überblick über

den Ansatz des MI und eignen sich praktisches

Handwerkszeug in MI-Basismethoden an:

■ Bewusstmachen der eigenen Grundhaltung

■ den eigenen Handlungsspielraum im Hinblick auf

motivierende Gesprächsführung erkennen und

ausfüllen können

■ die Werkzeuge kennen, beherrschen und zum geeigneten

Zeitpunkt anwenden können

■ die erlernten MI-Kompetenzen zur Burnout-Prävention

einsetzen können

REFERENTIN

Gela Böhrkircher,

Dipl.-Sozialpädagogin,

GK Quest Akademie GmbH

TEILNEHMER*INNENZAHL

Online: 14 Plätze

Präsenz: 16 Plätze

KOSTEN

520,- € Teilnahmegebühr

16,- € pro Tag Verpflegungskosten

(nur bei Präsenzveranstaltung)

VERANTALTUNGSTAGE

22.11.2021

23.11.2021

30.11.2021

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Termine Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Mon, 22 Nov 2021 14:13:16 +0100
"Gemütlicher Abend am Lagerfeuer mit Punsch" in Nürnberg bei Integral e.V. https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=18&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24705&cHash=09d95cc485321bb3f6d434c3419b74ba

]]> ]]> Alles Wichtige finden Sie im Anhang.

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Termine Fachbereich Menschen mit Behinderung Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Thu, 18 Nov 2021 09:35:00 +0100
Methoden-Seminar https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=12&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24470&cHash=ce970f5ae8b96411553e902f1d242e8a

]]> ]]> Seminar zur praktischen Arbeit mit Methoden der tiefenpsychologischen und analytischen Therapie. Diagnose und Behandlung struktureller psychischer Störungen. Umgang mit Übertragung und Widerstand, Deutung des unbewussten Lebensstils, der subjektiven Wahrnehmung und der privaten Logik, Arbeit mit Träumen, Spieltherapie etc. und zur Besprechung von Berichten an den Gutachter der Krankenkassen.

]]>
Termine Region Unterfranken Mitgliedsorganisationen Fri, 12 Nov 2021 11:43:11 +0100
Vertiefungsseminar Traumatisierungen, Traumafolgestörungen und Sucht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=10&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23319&cHash=2fef743b8b2a81923fe0c8d927debb78

]]> ]]> ZIELGRUPPE

Mitarbeiter*innen im Suchtbereich, die sich

für ihre tägliche Arbeit mit traumatisierten

Suchtmittelabhängigen fortgeschrittenes Knowhow aneignen möchten.

INHALTE

Die Fortbildung ist ein Kompaktseminar für Fortgeschrittene

mit praktischer Fallarbeit.

■ Aspekte der Entwicklungspsychologie, Traumatisierungen

und die Entstehung von Traumafolgestörungen, Umgang

und Behandlung von Menschen mit Traumafolgestörungen,

Zusammenhang zwischen Traumatisierungen,

Traumafolgestörungen und Sucht

■ Praxis psychosozialer Arbeit: Die Rolle des*der Berater*in,

Therapeut*in, Betreuer*in und sein*ihr Umgang mit

traumatisierten Suchtmittelabhängigen: Bearbeitung von

Fallbeispielen aus der Praxis der Teilnehmer*innen

REFERENT

Jürgen Glatting,

Dipl.-Psychologe, Psychologischer

Psychotherapeut, Einrichtungsleitung

ÜWG, Condrobs e. V., Lehrbeauftragter

an der Katholischen Stiftungshochschule

München im Masterstudiengang Suchttherapie,

Weiterbildung am Münchner

Institut für Traumatherapie

TEILNEHMER*INNENZAHL

15 Plätze

KOSTEN

180,- € Teilnahmegebühr

16,- € Verpflegungskosten

(nur bei Präsenzveranstaltung)

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Termine Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Wed, 10 Nov 2021 11:34:17 +0100
Online-Fachtag: "Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Kontext von Beratung" https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24686&cHash=8ba500e04be54512df3299e3dc3dc7f4

]]> Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales fördert seit dem 1. August 2021 ein bayernweites Fortbildungsangebot zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. Die Fortbildungen richten sich u.a. an Mitarbeiter*innen aus Erziehungs-, Lebens-, Schwangeren- und Eheberatungen. Um das Angebot bekannt zu machen, erste Informationen z.B. zum Thema Regenbogenfamilien sowie zur Situation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und Inter* Jugendlichen zu geben und gemeinsam ins Gespräch zu kommen, findet im November ein Fachtag statt, zu dem Sie und ihre Mitarbeiter*innen herzlich eingeladen sind:

Am Montag, den 8.11.2021 von 9:00 bis 15:45 Uhr „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Kontext von Beratung“

Der Fachtag wird online via Zoom durchgeführt, es fallen – wie auch bei den Fortbildungen –  keine Teilnahmegebühren an. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt.

Untenstehend finden Sie die Einladung als PDF-Datei mit allen Informationen zum Programm sowie den Anmeldemodalitäten.

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Termine Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Mitgliedsorganisationen Mon, 08 Nov 2021 12:22:00 +0100
Tanz mit dem Wiederstand: Motivierende Gesprächsführung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23317&cHash=8e45d035198a9c1c4c16b65868eec242

]]> ]]> ZIELGRUPPE

Fortbildung für alle Akteur*innen im Bereich der Suchttherapie

für Neueinsteiger*innen und zur Vertiefung

INHALTE

Für alle Neueinsteiger*innen im Bereich der Suchtthematik

stellt es eine große Herausforderung dar, mit Betroffenen

und Angehörigen gelungene Gespräche zu führen.

Motivierende Gesprächsführung ist die Brücke für

konstruktive Kommunikation.

■ Einblick in die Methode der Motivierenden Gesprächsführung

und einzelne Module des NLP

(Neuro Linguistisches Programm)

■ Erarbeiten gezielter Kommunikationsstrategien und

-kompetenzen anhand praktischer Fallbeispiele aus Ihrem

Arbeitsalltag und Situationssequenzen: Gelegenheit, Ihre

individuellen Anliegen aus dem jeweiligen Arbeitsfeld

einzubringen und Gesprächssituationen zu erproben.

REFERENTIN

Dr. Carolin Zeller,

Psychologin, Abteilungsleitung Landkreis

Garmisch-Partenkirchen, Condrobs e. V.

TEILNEHMER*INNENZAHL

12 Plätze

KOSTEN

180,- € Teilnahmegebühr

16,- € Verpflegungskosten

(nur bei Präsenzveranstaltung)

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Termine Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Mon, 08 Nov 2021 11:26:56 +0100
Fachtag "Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Kontext von Beratung" https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24682&cHash=1a817b6e360d705852eb9c696406fb0d

]]> ]]> Die eintägige Online-Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte aus der Beratungsarbeit, die sich für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in ihrem Arbeitskontext interessieren.

Ein kurzes Einführungsvideo sowie das Programm des Fachtags finden Sie im Anhang.

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Termine Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Mon, 08 Nov 2021 09:05:00 +0100
Zwei neue Selbsthilfegruppen für arabischsprechende Menschen in Nürnberg https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24653&cHash=4734a64aea0ae034a16031b5b215482f

]]> ]]> Am  Dienstag, den 08.11.2021 um 10 Uhr wird eine Trauergruppe für arabischsprechende Witwen neu gegründet!

Immer samstags um 11:30 Uhr findet sich eine Selbsthilfegruppe für arabischsprechende Menschen mit Depression zusammen!

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte den angehängten Flyern (in arabischer Sprache).

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Termine Fachbereich Bürgerschaftliches Engagement Fachbereich Migration Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Mon, 08 Nov 2021 08:59:00 +0100
Vorteile kennen und nutzen? Alle Dienstleistungen und Rahmenverträge des Paritätischen kennenlernen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24544&cHash=81cb3e3cad820c30c559bdff02357563

]]> Möchten Sie alle Angebote und Dienstleistungen des Paritätischen in Bayern kennenlernen beim exklusiven Service-Tag "Vorteile kennen und nutzen"?

Dann melden Sie sich für den Freitag, 29. Oktober 2021, von 10 – 13 Uhr an!!

Angebote und Dienstleistungen des Paritätischen Gesamtverbandes und der PariSERVE GmbH, der Paritätischen Akademie Süd, dem UNION Versicherungsdienst und der Kooperation mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). 

Der Paritätische ist mit seinen über 10.000 Mitgliedern bundesweit ein starkes wirtschaftliches Bündnis. Sonderkonditionen und Rabatte werden auf dieser Basis verhandelt und für alle Mitglieder anwendbar – unabhängig von deren Größe.
An diesem Servicetag für Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern zeigen wir Ihnen diese Möglichkeiten auf und laden Sie zum ausführlichen Austausch und Klärung Ihrer Fragen.

Bitte melden Sie sich bis zum 22.10.2021 verbindlich an unter Vorteile kennen und nutzen - Dienstleistungsangebote des Paritätischen für die Mitgliedsorganisationen (eveeno.com) 

Den Link für die ZOOM-Online-Sitzung senden wir Ihnen dann zu. Vorteile kennen und nutzen - Dienstleistungsangebote des Paritätischen für die Mitgliedsorganisationen (eveeno.com)  

Rahmenverträge, Sonderkonditionen, Einkaufsgemeinschaft für Lebensmittel, Reinigung und Hygiene und vieles mehr, Personalabrechnung, Angebote der Fort- und Weiterbildung, Präventionsmaßnahmen für Arbeits- und Gesundheitsschutz, Versicherungsleistungen für soziale Organisationen und mehr!   

  • Rahmenverträge des Gesamtverbandes: Sonderkonditionen für Autos, Dienstreisen, Objekteinrichtungen & Ausstattung, IT & Bürobedarf, Service
  • Paritätische Akademie Süd: Ein vielfältiges Fort- und Weiterbildungsangebot mit verschiedenen Fortbildungsformaten und vielen weiteren Serviceleistungen und Durchführung von Inhouse-Schulungen und Digitalisierungs-Veranstaltungen
  • PariSERVE-Angebote: 1. Personalabrechnungen und 2. Rahmenverträge mit Sonderkonditionen für Lebensmittel, Reinigung und Hygiene und mehr 
  • Vorstellung der Kooperation zwischen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und dem Paritätischen in Bayern zur Durchführung von Präventionsmaßnahmen im Bereich Gesundheits- und Arbeitsschutz
  • UNION Versicherungsdienst: Versicherungsschutz für Einrichtungen und Betriebe der Wohlfahrtspflege und deren Mitarbeiter*innen  und Ehrenamtliche

Weitere Informationen über Gertrud M. Wimmer g.wimmer@paritaet-bayern.de 

Referentin Mitgliederverwaltung | Service

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Fri, 29 Oct 2021 11:18:00 +0200
Inforeihe Kinder, Jugend und Familie 2021: Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche – Neuregelungen des SGB VIII https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24718&cHash=336c5d2e9ec636a0eb083abbd8b50998

]]> Die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu stärken, ist ein zentrales Ziel der Reform des SGB VIII. Dazu gehören auch die Ausweitung ihrer Informations-, Beratungs- und Beschwerderechte. In der Veranstaltung sollen der Beratungsanspruch des §8 Abs.3, das Angebot der Ombudsstellen gemäß §9a und die Gewährleistung von internen und externen Beschwerdemöglichkeiten durch Einrichtungen nach §45 Abs.2 Nr.4 beleuchtet werden.

Was gilt für Kinder und Jugendliche, welchen Auftrag haben öffentliche und freie Jugendhilfe, um Zugang und Umsetzung dieser Rechte zu ermöglichen, und wie können die genannten Beratungs- und Beschwerdemöglichkeiten zusammen gedacht werden oder sich gegenseitig ergänzen? Neben der rechtlichen Einordnung und Formulierung von ersten Anforderungen an die Umsetzung sollen vor allem Anstöße für ein kreatives Weiterdenken in der Praxis aus kinderrechtlicher Perspektive gegeben werden. Denn die Verwirklichung dieser Rechte für Kinder und Jugendliche wird maßgeblich davon abhängen, wie engagiert sie von Akteuren der Kinder- und Jugendhilfe umgesetzt werden.

Referentinnen:

Lydia Tomaschowski, Fachreferentin, Bundesnetzwerk Ombudschaft in der Jugendhilfe e.V., Bundeskoordinierungsstelle

Juliane Meinhold, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe, Paritätischer Gesamtverband

Die Veranstaltung wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Für die Teilnahme an der Fachveranstaltung werden keine Beiträge erhoben.  

Anmeldeschluss ist Dienstag, der 26.10.2021.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu den Anmeldemodalitäten finden Sie auf der untenstehenden Webseite.

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Termine Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Familie Kinder und Jugend Der Paritätische Thu, 28 Oct 2021 15:13:00 +0200
Sucht im Alter - (K)ein Tabu https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23459&cHash=108b0ba624c45a6eed015689837e61c8

]]> ]]> ZIELGRUPPE

Alle Fachkräfte, die sich für dieses Thema interessieren

INHALTE

Das Älterwerden ist mit großen Herausforderungen

verbunden: der Wegfall gewohnter Strukturen, körperliche

Einschränkungen, Krankheits- und Todesfälle im

Bekanntenkreis oder des Partners. Potenzielle Suchtmittel

können zu schnell verfügbaren, vermeintlichen Abhilfen

werden, die mit erheblichen Risiken und Folgeschäden

einhergehen. Schädlicher Konsum oder eine Abhängigkeit

werden bei älteren Menschen oft nicht oder erst spät

erkannt, da die Folgeschäden meist fälschlicherweise dem

Alter angelastet werden.

Die Schulung gibt Mitarbeiter*innen der offenen und

ambulanten Seniorenarbeit Methoden an die Hand,

■ die eigene Haltung zu reflektieren

■ gesundheitlich riskanten Konsum oder süchtiges

Verhalten bei Senior*innen feinfühlig anzusprechen

■ Ressourcen zu stärken und Hilfe anzubieten

■ und dabei die eigenen Grenzen und Handlungsmöglichkeiten

gut im Blick zu behalten.

REFERENTINNEN

Dr. Carolin Zeller,

Psychologin, Abteilungsleitung Landkreis

Garmisch-Partenkirchen, Condrobs e. V.

Philine Altebäumer

MPH, Sozialpädagogin B.A.,

Suchtberatungsstelle Starnberg,

Condrobs e. V.

TEILNEHMER*INNENZAHL

12 Plätze

KOSTEN

180,- € Teilnahmegebühr

16,- € Verpflegungskosten

(nur bei Präsenzveranstaltung)

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Termine Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Tue, 26 Oct 2021 13:49:15 +0200
Mit Storytelling überzeugend kommunizieren https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24253&cHash=4fb262a4c3110fa70f7a60ebb83c4df4

]]> ]]> Seminar mit Sandra Masemann

Alles, was unter die Haut geht, wird zwangsläufig besser abgespeichert.
(Gerald Hüther)

Zahlen, Daten, Fakten – durch nüchterne und reine Informationen zu überzeugen und Lernprozesse anzuregen ist schwierig, da diese unser Emotionssystem nicht berühren und wenig Anknüpfungspunkte an vorhandene Erinnerungen existieren.

Wie gelingt es uns, andere Menschen für neue Ideen zu begeistern und ihnen Lust auf Neues zu machen? Gerade in einer Zeit, in der jeder Einzelne, aber auch Unternehmen und Organisationen durch vielfältige Phänomene herausgefordert werden - unsere Welt wird komplexer, ungewisser und mehrdeutiger. Veränderungen gehören zum Alltag, die Reizüberflutung nimmt zu. Aufmerksamkeit zu bekommen und Zuhörer*innen zu fesseln scheint also immer schwieriger, oder?

Die Antwort ist einfach: „Storytelling ist die erfolgreichste Kommunikationsform, die die Menschheit je entwickelt hat. … Storytelling ist sehr gehirnadäquat – unser Gehirn liebt Geschichten… Man dringt mit ihnen sehr viel stärker zu den Menschen, zu ihren Emotionen und zu ihrer Identifikationskraft durch als mit reiner Faktenkommunikation.“ (Prof. Dr. Michael Müller)

Somit ist Storytelling heute die Schlüsselqualifikation, wenn Sie Ihre Ideen emotional und überzeugend kommunizieren möchten. Mit spannenden Geschichten erlangen Sie Aufmerksamkeit, fesseln Ihre Zuhörerschaft und bleiben in Erinnerung. In einer guten Story verweben Sie nicht nur Informationen, sondern Sie wecken Emotionen und Energie bei den Zuhörenden und vermitteln eine Sinnhaftigkeit, die dauerhaft verankert bleibt.

Ziele:

Sie erweitern Ihre eigenen Storytelling-Kompetenzen und lernen von den großen Storyteller*innen aus dem Bereich Film und Business.

Sie kennen wichtige Storytelling-Techniken und wenden diese sicher für Ihre spezifischen Anliegen an.

Inhalt:

- Nutzen und Einsatzmöglichkeiten von Storytelling

- Leichte Einstiege ins Erzählen – Bilder und Metaphern gekonnt nutzen

- Struktur und Handwerkszeug für den Aufbau guter Stories

- Eine eigene Story entwickeln & präsentieren

Methoden:

- Merk-würdige Trainer-Inputs

- Einzel-, Paar- und Gruppenarbeiten

- Praktische Arbeit an eigenen Anliegen

Zielgruppe:

- Geschäftsführer*innen

- Einrichtungsleitungen

- Verantwortliche für PR / Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

- Vertrieb

- Fundraiser

- Changemanager

- uvm.

Ihr Nutzen:

Über merk-würdige Geschichten und narrative Methoden nutzen Sie Storytelling

- für eine gelungene Unternehmenskommunikation

- für eine gelungene Kundenkommunikation

- im Wissensmanagement

- zur Motivation

- um Visionen zu transportieren

- in Veränderungsprozessen

- bei Führungsaufgaben

- im Personalbereich

- bei der Selbstdarstellung

- in Lernprozessen

Dauer & Kosten:

2 Tage, Tag 1: 09:00 – 17:00 Uhr, Tag 2: 09:00 – 16:00 Uhr

840,00 € pro Person inkl. Seminarverpflegung und Seminarunterlagen (720,00 € bei Anmeldung bis zu 1 Monat vor Seminarbeginn)

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Termine Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Tue, 26 Oct 2021 13:01:32 +0200
Regionalkonferenz Bayern zum Umsetzungsstand des BTHG https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24279&cHash=b9c7312f9a00a5ed20ff2f4fd640a5d8

]]> Mit Inkrafttreten der dritten Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) zum 1. Januar 2020 wurde der Systemwechsel in der Eingliederungshilfe vollzogen. Alle an der Umsetzung des Gesetzes beteiligten Akteure blicken auf vier Jahre intensiver Vorbereitung und tiefgreifende Veränderungen zurück. Nun gilt es, die neue Rechtslage anzuwenden, Unsicherheiten auszuräumen und neue Formen der Zusammenarbeit zu etablieren.

Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales und das Projekt Umsetzungsbegleitung BTHG laden Beteiligte aus allen Bereichen des sozialrechtlichen Dreiecks ein, in diesem herausfordernden Umsetzungsprozess einen Moment inne zu halten. Im Rahmen dieser Regionalkonferenz ziehen Vertreterinnen und Vertreter der Träger der Eingliederungs- und Sozialhilfe, der Leistungserbringer, der Organisationen der Menschen mit Behinderungen und der Akteure des Betreuungswesens Bilanz zur Umsetzung des BTHG in Bayern. Im Fokus stehen Umsetzungserfahrungen sowie aktuelle Herausforderungen.

Zielgruppen

Fach- und Führungskräfte der Leistungsträger, Leistungserbringer und Organisationen der Menschen mit Behinderungen sowie die Akteurinnen und Akteure des Betreuungswesens.

Technische Informationen und Ablauf

Die Regionalkonferenz findet als digitale Veranstaltung auf der barrierefreien Plattform Vidivent statt. Entsprechende Informationen zu den technischen Voraussetzungen stehen Ihnen in Kürze hier zum Download zur Verfügung.

Veranstaltungsteile im Plenum wechseln sich mit interaktiven Formaten ab. Der Austausch der Teilnehmenden wird in Fachforen über digitale Arbeitsgruppen ermöglicht.

Die Vorträge, auf denen die digitalen Fachforen basieren, werden den Teilnehmenden eine Woche vor der Regionalkonferenz zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt. In den Live-Fachforen stehen die Referentinnen und Referenten für Rückfragen zur Verfügung. Im Vordergrund steht jedoch der Austausch der Teilnehmenden.

Die Veranstaltung wird durch Gebärden- und Schriftdolmetscher begleitet. Die aufgezeichneten Vorträge für die Fachforen werden mit Untertiteln zur Verfügung gestellt. Bitte geben Sie Ihren Unterstützungsbedarf bei der Anmeldung an.

Anmeldung

Wir informieren Sie via E-Mail, ab wann die Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist. Wenn Sie in unseren Verteiler aufgenommen werden möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter info@umsetzungsbegleitung-bthg.de.

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Termine Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Der Paritätische Weitere Anbieter Wed, 20 Oct 2021 15:58:00 +0200
Gesundheitsstrategien in Digitalen Zeiten https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23321&cHash=b891cb691fd1091175d66ea4940c38c3

]]> ]]> ZIELGRUPPE

Mitarbeiter*innen aus allen sozialen Arbeitskontexten

INHALTE

Neu- und Umstrukturierungen am Arbeitsplatz, Schritt

halten mit der Digitalisierung, aber auch emotionale

Herausforderungen, die die Corona-Zeit mit sich bringt,

beschäftigen jede*n – für sich persönlich und im Team.

Gesund bleiben oder wieder werden – was bedeutet

es heute?

Das Seminar greift Kernaspekte von Gesundheitsstärkung

und -förderung auf und beleuchtet diese unter den

aktuellen Rahmenbedingungen im Arbeitskontext – mit

dem Ziel handlungsfähig zu bleiben und bestmögliche

Entlastungsmomente zu finden.

■ Bedeutung von transparenter Kommunikation

als Gesundheitsfaktor

■ Hybrid und agil arbeiten – Stressfaktoren und

Chancen zugleich

■ Selbstsorge unter neuen Vorzeichen – was bleibt

bewährt und wirksam und wo brauchen wir neue

Zugänge?

■ Mitgestaltung und Selbstorganisation in Zeiten

vermehrter Vorgaben

■ Resilienz und Entlastung im Team – war wichtig

und bleibt wichtig. Was konkret können wir tun?

Konkrete Beispiele skizzieren die strukturelle Verankerung

von betrieblichem Gesundheitsmanagement bei Condrobs.

REFERENT*INNEN

Anne Lubinski, Dipl.-Pädagogin, Fachreferentin für Prävention und Gesundheitsmanagement, Condrobs e. V.

Andreas Schwabeneder, Dipl.-Pädagoge Univ., Sozialtherapeut Sucht (VDR), Abteilungsleitung Sozialtherapie und Männerspezifische Hilfen, Condrobs e. V.

TEILNEHMER*INNENZAHL

15 Plätze

KOSTEN

180,- € Teilnahmegebühr

16,- € Verpflegungskosten

(nur bei Präsenzveranstaltung)

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Termine Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Wed, 20 Oct 2021 11:44:43 +0200
Ausflug ins Museum Industriekultur Nürnberg für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24649&cHash=aca991dfa5fdf2cefa0b1e1970665d9e

]]> ]]> Alle wichtigen Infiormationen sind im Anhang zu finden.

Bitte auch das Mekrblatt zu den Corona-Bedingungen während des Ausflugs beachten!

]]>
Termine Fachbereich Menschen mit Behinderung Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Sat, 16 Oct 2021 11:10:00 +0200
Ampel-Koalition: Der Paritätische reagiert mit großer Sorge auf Sondierungspapier von SPD, Grünen und FDP https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24738&cHash=0b2186ab87bd3ffaf69b6935ce46ee5b

]]> Große Sorge bereitet dem Paritätischen Wohlfahrtsverband das heute veröffentlichte Sondierungspapier, auf das sich die Verhandlungsteams von SPD, Grünen und FDP als gemeinsame Basis für mögliche Koalitionsverhandlungen verständigt haben. Als einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland, unter dessen Dach über 10.800 Organisationen und Initiativen sozialer Arbeit organisiert sind, vermisst der Paritätische unter den ausformulierten Zielen der potenziellen Ampel-Partner insbesondere, die Armut in diesem Land zu beseitigen und die tief gespaltene Gesellschaft wieder zusammenzuführen. Sollten SPD, Grüne und FDP potenzielle Steuererhöhungen tatsächlich zum Tabu erklären, mache sie sich schlicht handlungsunfähig, warnt der Verband.

Die Leerstellen in dem Zwischenergebnis der Verhandlungen seien Anlass zu großer Beunruhigung: “Punkte, die wir ganz sicher auf der Tagesordnung einer neuen Bundesregierung sahen, finden sich in dem Papier überhaupt nicht wieder”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Als Beispiele nennt er eine umfassende Pflegereform, die Pflegebedürftige auch finanziell entlastet, Schritte in Richtung Bürgerversicherung in Rente und Pflege und eine endlich wirksame Mietpreisdämpfungspolitik. “Wir begrüßen zwar außerordentlich, dass es den gemeinsamen Willen gibt, die Bekämpfung des Klimawandels entschlossen anzugehen, doch umso mehr sorgt uns, dass es offenbar keine gemeinsame Vorstellung  zu der  sozialen Flankierung gibt”, so Schneider. Armutspolitisch bliebe das Sondierungspapier Antworten schuldig.

Es seien auch sehr positive Punkte in dem Papier, so etwa die Ankündigungen für die Einführung einer Kindergrundsicherung, einer Wohngemeinnützigkeit und mehr Sozialwohnungen, dem Willen zu mehr Engagement für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder zur Stärkung der Daseinsvorsorge und auch der sozialen Infrastruktur im ländlichen Raum, räumt der Verband ein, gibt jedoch zu bedenken, dass angesichts der steuerpolitischen Vereinbarungen vieles unter Finanzierungsvorbehalt stehe. “Bis jetzt bleibt die Gretchenfrage unbeantwortet: Woher soll das Geld kommen? Wer die Steuerfrage zum Tabu erklärt, macht sich politisch schlicht handlungsunfähig. Der Verzicht auf eine stärkere Heranziehung sehr hoher Vermögen und Einkommen zur solidarischen Finanzierung unseres Gemeinwesens droht der Geburtsfehler auch dieser Koalition zu werden”, warnt Schneider.

Kontakt
Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen
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Tel. 030 24636-305

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Presse Pflege Soziale Teilhabe und Armut Fri, 15 Oct 2021 18:49:04 +0200
Wenn die Eltern älter werden https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=14&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24615&cHash=145131bb8f0d9f6d65d0689ca6e56a74

]]> Informationen zur Veranstaltungsreihe finden Sie im beigefügten Flyer.

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Termine Region Oberbayern Ältere Menschen Der Paritätische Weitere Anbieter Thu, 14 Oct 2021 14:34:00 +0200
Pflegetag: Paritätischer fordert umfassende Pflegereform https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=13&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24721&cHash=2b55f71276aedd9f7e435f88c30075f0

]]> Eine umfassende Pflegereform mahnt der Paritätische Wohlfahrtsverband anlässlich des heute beginnenden Deutschen Pflegetages an. Es brauche mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und unbedingt auch eine Entlastung und bessere - auch finanzielle - Absicherung pflegender Angehöriger. Der Verband appelliert an SPD, Grüne und FDP, die derzeit über eine mögliche Ampel-Koalition sondieren, das Thema Pflege entschlossen anzugehen. Der Handlungsdruck sei zu groß, als dass eine künftige Bundesregierung hier untätig bleiben könne.

“Wir brauchen eine echte Pflegereform, die den Namen verdient und unbedingt mehr Geld im System”, fordert Lisa Schmidt, Leiterin der Abteilung Gesundheit, Teilhabe, Pflege im Paritätischen Gesamtverband. Um die bestehenden Herausforderungen anzugehen, müsse die Pflegefinanzierung vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Mehrere Milliarden Euro zusätzlich seien jedes Jahr nötig. “Diese Kosten dürfen auf keinen Fall zusätzlich zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen. Pflege darf nicht arm machen, wie es derzeit leider immer häufiger der Fall ist”, mahnt Schmidt.

Der Paritätische schlägt eine einheitliche solidarische Bürgerversicherung als Pflegevollversicherung vor: “Perspektivisch braucht es eine Vollversicherung, die das Risiko der Pflegebedürftigkeit wirksam absichert”, fordert Schmidt. Auf dem Weg dahin müssten zuvorderst die Eigenanteile für pflegebedingte Kosten deutlich gedeckelt werden. Der Verband fordert übergangsweise als Sofortmaßnahme eine Begrenzung des Eigenanteils für pflegebedingte Kosten in Höhe von 15 Prozent, die Pflegekassen sollen stattdessen stärker in die Pflicht genommen werden. Zur finanziellen Absicherung pflegender Angehöriger fordert der Paritätische eine Familienpflegezeit mit Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld.

Mehr Informationen zu den pflegepolitischen Forderungen des Paritätischen: https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/hintergrundpapier-pflegepolitische-forderungen-des-paritaetischen-zur-bundestagswahl-2021/

 
Gwendolyn Stilling

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Ältere Menschen Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Wed, 13 Oct 2021 11:46:12 +0200
Sondierungen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=12&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24706&cHash=12f520c47e815a3492d40e9752ffe197

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband appelliert an die Sondierungsteams von SPD, den Grünen und der FDP sich in den Verhandlungen darauf zu konzentrieren, wie eine Ampel-Koalition den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und eine echte sozial-ökologische Transformation auf den Weg bringen kann. Verteilungsfragen dürften dabei nicht ausgeklammert werden, mahnt der Verband. Ob eine künftige Bundesregierung wirklich einen Beitrag zu gesellschaftlichem Fortschritt und sozialer Gerechtigkeit leisten könne, stehe und falle mit der Frage der Finanzierung.

"Deutschland ist ein sozial und regional tief gespaltenes Land. Die künftige Bundesregierung kann es sich nicht leisten, diese wachsende Kluft und brennende soziale Probleme wie Pflegenotstand, Wohnungsnot und wachsende Armut zu ignorieren", so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Was es brauche, sei eine "echte Offensive für den gesellschaftlichen Zusammenhalt". Eine konsequente Klimaschutzpolitik müsse mit einer genauso ambitionierten Sozialpolitik einhergehen, die alle mitnimmt, fordert der Paritätische. Verteilungsfragen dürften dabei nicht ausgeklammert werden.

"Die Frage nach der Finanzierung ist der Glaubwürdigkeitstest für eine jede neue Regierung. Wer es ernst meint mit der sozial-ökologischen Transformation, mit Modernisierung, Fortschritt, Wohlstand und gesellschaftlichem Zusammenhalt, muss sagen, wie notwendige Reformen und Investitionen finanziert werden sollen", so Schneider. Dabei gehe es nicht allein um Transferleistungen, sondern vor allem auch um die Sicherung notwendiger sozialer Infrastruktur vor Ort - vom Jugendzentrum über die Schuldner- und Suchtberatung bis hin zum Frauenhaus. "Es geht um die Unterstützung vieler notleidender Regionen und um gleichwertige Lebensbedingungen in Deutschland."

Zwingend notwendig sind aus Sicht des Verbandes insbesondere entschlossene Maßnahmen, um Armut in diesem reichen Land abzuschaffen. "Die Armut in Deutschland ist inzwischen auf neuem traurigem Rekordhoch. Hinter uns liegen viele armutspolitisch verlorene Jahre. Es darf nicht noch einmal passieren, dass in einem Koalitionsvertrag ausgerechnet die Ärmsten in dieser Gesellschaft leer ausgehen", fordert Schneider.

In den Wahlprogrammen von SPD und Grünen fänden sich viele gute Ideen, lobt der Verband: von einer Kindergrundsicherung über die Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung auf ein bedarfsgerechtes Niveau bis zu Konzepten für eine solidarische Bürgerversicherung in Pflege und Gesundheit sowie die Stärkung der gesetzlichen Rente. "Es wäre verheerend, wenn die klugen sozialpolitischen Ansätze entweder einem blinden Fortschrittsglauben oder aber einer neuerlichen Tabuisierung von Steuererhöhungen zum Opfer fielen", warnt Schneider.

Mehr Infos zu den Forderungen des Paritätischen unter: www.der-paritaetische.de/weilallezählen


Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 12 Oct 2021 11:13:19 +0200
Weltmädchentag 2021 https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24719&cHash=e3c2e55db4eb0eee7c6c54d7b6402cc3

]]> ]]> Der Weltmädchentag am 11. Oktober wurde von den Vereinten Nationen eingeführt und im Jahr 2012 das erste Mal begangen. Auch in Deutschland wird seither anlässlich des Jahrestages auf die Belange von Mädchen aufmerksam gemacht. In den Paritätischen Strukturen befinden sich zahlreiche Einrichtungen für Mädchen und junge Frauen. Mädchenarbeit nimmt im Verband eine wichtige Rolle ein. Paritätische Einrichtungen aus diesem Bereich fühlen sich verpflichtet, die Mädchenpolitik der Länder und des Bundes kritisch zu begleiten und auf Handlungsbedarf aufmerksam zu machen. Vor diesem Hintergrund hat der Paritätische anlässlich des Weltmädchentags 2021 eine Erklärung verfasst.

Gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen setzt sich der Paritätische für ein selbstbestimmtes Leben von Mädchen ein. Hierunter sind auch trans* Mädchen und intergeschlechtliche Kinder gemeint, die in der weiblichen Geschlechtsrolle leben. Diese Definition beinhaltet zudem jegliche Akzeptanz von Lebensformen und sexueller Orientierung jenseits heteronormativer Entwürfe. Die Grundlage hierfür bildet eine feministische, engagierte Mädchenarbeit.

Mädchen- und Frauenrechte sind Menschenrechte

Anlässlich des Weltmädchentags am 11. Oktober 2021 möchte der Paritätische mit dieser Erklärung die Bedeutung von Mädchenarbeit für eine vielfältige, offene und demokratische Gesellschaft betonen. Auch im 21. Jahrhundert ist die strukturelle Benachteiligung von Mädchen und Frauen in Deutschland, aber auch weltweit, nach wie vor an der Tagesordnung. Gerade die Situation von Mädchen und Frauen in Afghanistan besorgt uns derzeit zutiefst. Mit Blick auf die aktuelle politische Weltlage und internationale Flüchtlingsbewegungen wird uns einmal mehr bewusst, dass die Stärkung der Mädchen- und Frauenrechte elementar für ein Leben in Würde für alle Menschen in allen Weltregionen ist.

Soziale Arbeit ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert

Denn nicht nur im Ausland, auch bei uns in Deutschland werden noch immer Stereotypen gelebt, ungerechte Machtstrukturen aufrechterhalten und Sexismus verharmlost. Hinzu kommt, dass Phänomene wie Gewalt in digitalen Medien oder rassistische und antifeministische Haltungen die Soziale Arbeit, aber auch die Gesellschaft insgesamt vor neue Herausforderungen stellen. Bewegungen wie beispielsweise #MeToo, #Parität und #ichwill haben Missstände deutlich aufgezeigt. Aus Paritätischer Überzeugung kann nur eine feministische, engagierte und vielfältige Mädchenarbeit zur Lösung dieser Benachteiligung beitragen.

Mädchenarbeit ist eine Haltung

Mädchenarbeit im Paritätischen stellt sich gegen strukturelle Ungleichheiten und leistet einen wichtigen Beitrag zum Feminismus, der eine Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse anstrebt. Es ist erklärtes Ziel des Paritätischen, dass Menschen jeglichen Geschlechts gerechte und gleiche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Aus diesem Grundverständnis heraus macht sich der Paritätische für eine feministische Mädchenarbeit stark und spricht sich klar gegen Bedingungen aus, die Ungleichheiten begünstigen – ganz egal ob in der Politik, auf dem Arbeitsmarkt, in der Familie oder in der Gesellschaft.

Mädchenarbeit ist politische Arbeit

Das klare Bekenntnis zur Mädchenarbeit und der damit verbundene Stellenwert machen deutlich: Mädchenarbeit ist politische Arbeit. Sie stellt gesellschaftliche Normen in Frage und macht komplexe Ungleichheit von Lebensrealitäten aufgrund von Geschlecht und geschlechtlicher Identität sichtbar. Mädchenarbeit bedeutet für den Paritätischen das unbedingte Eintreten für Gleichberechtigung, das konsequente Infragestellen tradierter, gesellschaftlicher Rollenbilder und das Bekämpfen patriarchaler Machtstrukturen.

Vielfalt, Offenheit und Toleranz sind Leitwerte für Mädchenarbeit

Unsere Paritätischen Leitwerte sind Vielfalt, Offenheit und Toleranz. Der Verband setzt sich nachdrücklich für eine demokratische Gesellschaft ein, in der alle Mädchen gleichwertig und selbstbestimmt teilhaben können und vor Fremdbestimmung sowie Gewalt geschützt werden – unabhängig von Hautfarbe, sozialer oder ethnischer Herkunft, Alter, Religion oder Weltanschauung, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität, materieller Situation, Behinderung, Beeinträchtigung, Pflegebedürftigkeit oder Krankheit. Ideologien der Ungleichwertigkeit lehnt der Paritätische entschieden ab.

Selbstbestimmung von Mädchen und jungen Frauen ermöglichen

Um Mädchen ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung zu ermöglichen, will der Paritätische Mädchen durch spezifische Angebote ermutigen, ihre individuellen Ressourcen und Talente zu entdecken, für ihre Rechte einzutreten, Krisen zu meistern und eigenständig ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Mädchen sollen selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihren Lebensweg wählen können. Dazu gehören die Eigenständigkeit, einen beruflichen Weg einzuschlagen, die finanzielle Unabhängigkeit, persönliche Freiheit und Schutz vor jeglicher Form von Gewalt. Diese Bereiche dürfen nicht getrennt voneinander gedacht werden.

Mädchenarbeit umfasst ein vielfältiges Angebot

Mädchenarbeit ist im Paritätischen breit aufgestellt. Sie ist weder auf ein Handlungsfeld noch auf geschlechtshomogene Räume begrenzt. Sie umfasst ein vielfältiges Beratungs- und Schutzangebot bezüglich diverser Gewaltformen und enthält u. a. Angebote im Bereich der Jugendsozialarbeit, der offenen Jugendarbeit und der politischen Bildungsarbeit sowie Beratungsstellen im Bereich Extremismus und zivilgesellschaftliches Engagement. Sie umfasst Anlaufstellen und Wohnmöglichkeiten für suchtmittelabhängige, wohnungslose wie von Gewalt und Zwangsheirat bedrohte Mädchen. Sie hat eigene Räume für Mädchen mit Beeinträchtigung geschaffen sowie in ihren Angeboten die Lebenslagen Behinderung, Migration, Armut und Bildungsbenachteiligung mit einbezogen.

Mädchenarbeit ist für uns ein Auftrag

Diese Erklärung soll dazu dienen, die Bedeutung der Mädchenarbeit als gleichstellungspolitisches Instrument herauszustellen, das nachhaltig finanziell gefördert, fest in den Paritätischen Strukturen verankert und ideell gesichert sein muss. Die Diskussion von Geschlechterthemen ist gesellschaftspolitisch wichtig, denn Mädchen haben andere Bedarfe als Jungen und umgekehrt. Der Paritätische möchte mit seiner Arbeit einen Beitrag dazu leisten, Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig zu etablieren.

Der Paritätische setzt sich dafür ein, dass:

  • die Politik die mädchenspezifischen Einrichtungen und Angebote auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ausweitet und finanziell verbindlich regelt
  • behinderte oder beeinträchtigte Mädchen in ihren Rechten zu stärken sind. Dabei muss sichergestellt werden, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Mädchenarbeit bundesweit inklusiv auszugestalten und damit allen Mädchen die Unterstützung und Hilfe zu geben, die sie jeweils benötigen.
  • das Recht auf Präventionsangebote zum Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt und Misshandlung und das Recht auf Schutz im öffentlichen Raum verwirklicht werden. Es müssen Angebote geschaffen werden, die organisatorisch, strukturell und personell auf die spezifischen Bedarfe von Mädchen und jungen Frauen ausgerichtet sind.
  • Mädchen bundesweit ungehinderten Zugang zu Informationen zu Sexualität, Beziehung und Familienplanung sowie einen kostenfreien Zugang zu sämtlichen Verhütungsmitteln haben. Das schließt auch das Recht auf Bildung im Zusammenhang mit Sexualität und Fortpflanzung ein.
  • der Bund die Unterstützungs- und Beratungsinfrastruktur mit Blick auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität fördert. Mädchenarbeit ist vielfältig. Tradierte Geschlechterrollen sind hierbei kritisch zu hinterfragen und die Sichtbarkeit von vielfältigen Lebensweisen zu stärken. Unsere Mädchenarbeit steht für Vielfalt und Offenheit.
  • sich die Soziale Arbeit bereits im frühkindlichen Bildungsbereich mit vorhandenen Rollenbildern in der pädagogischen Arbeit kritisch auseinandersetzt. Eindimensionale Geschlechterrollenzuweisungen müssen auch in frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung der Vergangenheit angehören.
  • das System der Hilfen zur Erziehung gezielt auf die Bedarfe von Mädchen eingeht, denn nach wie vor zeigen die Zahlen der Inanspruchnahme: Mädchen erhalten weniger und später als Jungen Hilfen, halten lange in problematischen Familien aus, werden vom Jugendhilfesystem tendenziell leichter übersehen und überfordert.
  • Schule ein Ort für Mädchen ist, an dem sie ihr Potenzial entfalten können. Bund, Länder und Kommunen müssen Hand in Hand daran arbeiten, dass Schulen den besonderen Bedarfen von Mädchen gerecht werden – von Gewaltschutzkonzepten im kommunalen Bereich über Lehrpläne auf Länderebene bis hin zu Landes- und Bundesförderprogrammen mit Blick auf MINT-Fächer und equal pay-Aspekte bei der Berufswahl.
  • es in der Jugendsozialarbeit parteiliche Mädchenarbeit gibt, angefangen von der Berufsorientierung über Beratungs- und Coaching-Angebote bis zu außerbetrieblichen und schulischen Berufsausbildungen von Mädchen mit besonderem Förderbedarf, um der Besonderheit der gesellschaftlichen Situation von Mädchen und jungen Frauen gerecht zu werden.
  • die Arbeit für gleichwertige Lebenschancen für Mädchen in schwierigen Lebenslagen (z. B. Wohnungslosigkeit, psychische Erkrankung) in den Kommunen besonders gefördert wird.
  • bedarfsgerechte geschlechtersensible und flucht- bzw. migrationsspezifische Konzepte und Angebote geschaffen werden, insbesondere was (Schutz-)Räume, Möglichkeiten für Empowermentprozesse und Teilhabe, Formate für Begegnung und Austausch, Unterstützung beim Übergang Schule - Beruf sowie die kontinuierliche kritische Auseinandersetzung mit eigenen Machtpositionen und Diskriminierung, insbesondere Rassismus und Sexismus, betrifft.
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Themen Frauen und Mädchen Mon, 11 Oct 2021 17:09:00 +0200
Die 9. FrauenFilmTage finden noch bis Dezember in Nürnberg statt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24632&cHash=5d067e1c01541294622e5a545e9384c6

]]> ]]> Zu den Filmen finden Sie Beschreibungen und wichtige Informationen im Anhang!

Mo 11.10.2021 um 18:30 Uhr:  „RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit“
Von Betsy West, Julie Cohen, mit Ruth Bader Ginsburg, Gloria Steinem; Dokumentarfilm über Leben und Werk der US-amerikanischen Richterin Ruth Bader Ginsburg.
Anschließende Diskussion mit Prof. Dr. Gaby Franger, Frauen in der Einen Welt

Mo 08.11.2021 um 18:30 Uhr: „Ovarian Psycos“
Von Joanna Sokolowski, Kate Trumbull-LaValle, USA 2016, ein Dokumentarfilm über eine Frauenguppe, die nachts auf Fahrrädern in Los Angeles umherfährt um andere farbige Frauen für ihre Gruppierung gewinnen und sie so von der Straße wegholen und vor Gewalt bewahren.

Mo 06.12.2021 um 18:30 Uhr gibt es einen weiteren interessanten Film, die Planung ist jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen.

Aktuell ist das Programm mit den Film-Beschreibungen auch auf der Webseite/FrauenFilmTage aufzurufen:  www.frauen-in-nuernberg.de

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Termine Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Mon, 11 Oct 2021 08:50:00 +0200
Neues Rechtsgutachten: Hartz IV Regelsatz verfassungswidrig https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24700&cHash=c6b9a6aa0b3cd66eb12f1aec421701b2

]]> Nach einem aktuellen Gutachten der Rechtswissenschaftlerin Professorin Anne Lenze ist die zum 1.1.2022 geplante sehr geringe Erhöhung der Regelsätze verfassungswidrig. Angesichts der Entwicklung der Lebenshaltungskosten verpflichte das Grundgesetz den Gesetzgeber, die absehbare Kaufkraftminderung für Grundsicherungsbeziehende abzuwenden. Mit einem Appell fordert ein breites Bündnis die noch amtierende Bundesregierung auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um mindestens einen Inflationsausgleich für die Betroffenen sicherzustellen.

In dem Rechtsgutachten wird u.a. auf die zurückliegenden einschlägigen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts Bezug genommen, das 2014 feststellte, dass die Regelbedarfe bereits an der untersten Grenze dessen liegen, was verfassungsrechtlich gefordert ist. Die niedrige Anpassung der Regelbedarfe zum 1.1.2022 in Verbindung mit der anziehenden Inflation läute nun eine “neue Stufe der Unterschreitung des menschenwürdigen Existenzminimums” ein, so das Ergebnis der juristischen Prüfung, die der Paritätischen Wohlfahrtsverband in Auftrag gegeben hat. Sollte der Gesetzgeber nicht aktiv werden, um die absehbaren Kaufkraftverluste abzuwenden, verstoße er damit gegen die Verfassung, so das Fazit der Rechtswissenschaftlerin.

Der Paritätische hatte bereits im April davor gewarnt, dass durch den aktuellen Fortschreibungsmechanismus der Regelsätze für Grundsicherungsbezieher*innen reale Kaufkraftverluste drohen könnten. Für Fachleute sei es seit Monaten absehbar gewesen, dass nach den geltenden Regeln 2022 eine Null-Runde drohe, während sich die Preise für die Lebenshaltung bereits aktuell spürbar verteuerten, betont Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. „Der Vorgang ist nicht nur für die betroffenen Menschen hart und folgenschwer – er unterläuft darüber hinaus grundsätzlich den sozialstaatlichen Grundauftrag, das menschenwürdige Existenzminimum sicherzustellen.”

Mit der Forderung „Versteckte Kürzungen bei den Ärmsten stoppen – rote Linie bei Hartz IV und Co.!” wendet sich nun ein breites Bündnis an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Es braucht eine rote Linie bei existenzsichernden Leistungen wie Hartz IV. Preissteigerungen müssen immer und zeitnah mindestens ausgeglichen werden. Es gilt umgehend zu handeln, um die versteckten Kürzungen bei den Ärmsten in unserer Gesellschaft zu stoppen”, heißt es in dem Appell, der von 15 bundesweiten Verbänden und Organisationen aus der Zivilgesellschaft getragen wird.

Ulrich Schneider unterstreicht, dass der Verweis auf die noch ausstehende Regierungsbildung kein Grund sein könne, untätig zu bleiben: „Uns ist bewusst, dass es nicht den Gepflogenheiten entspricht, wenn eine amtierende Regierung zwischen Wahlen und Neukonstituierung in dieser Form tätig wird. Doch dürfte der Verfassungsauftrag in diesem Falle schwerer wiegen als die Gepflogenheit.”

Unterstützer des Appells: Der Paritätische Gesamtverband e.V. | Sozialverband VdK Deutschland e.V. | Attac Deutschland | Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V./ Friends of the Earth Germany | Diakonie Deutschland – Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. | Tafel Deutschland e.V. | Deutsches Kinderhilfswerk e.V. | BAG Streetwork/ Mobile Jugendarbeit e.V. | Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. (DBfK) | Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. | Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Deutschlands  e.V. | Sanktionsfrei e.V. | Volkssolidarität Bundesverband e.V. | Advent-Wohlfahrtswerk e.V. | SOZIALWERK des dfb (Dachverband) e.V.

Kontakt

Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen
pr@paritaet.org

Tel. 030 24636-305

Wiebke Schröder
Referentin Übergreifende Fachfragen und Zivilgesellschaft
zivilgesellschaft@paritaet.org

Tel. 030 24636-346

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Fri, 08 Oct 2021 14:31:53 +0200
Mit Kunst gegen Gewalt an Frauen – Aufruhr des Schweigens https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24658&cHash=d81adf1ecd882846da5113bc1ff82b26

]]> Diskriminierung und Gewalt in unterschiedlichen Formen gehört auch in Deutschland zur alltäglichen Erfahrung von Frauen. Jede dritte bis vierte Frau ist davon betroffen. Trotzdem findet diese Lebensrealität noch immer nicht die notwendige gesellschaftliche Beachtung. Hier setzt die Schweizer Künstlerin Franziska Greber mit ihrem internationalen Kunstprojekt WOMEN IN THE DARK an. Sie macht das Schicksal der Frauen unübersehbar. Mit rotem Stift schreiben betroffene Frauen ihre Lebensgeschichten auf weiße Blusen und die Künstlerin erschafft daraus raumgreifende Installationen.

Als Kooperationspartner hat der Paritätische in Bayern und die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen, BIG e.V., über 100 Organisationen aus zwölf Bundesländern zur Teilnahme motiviert. Über diesen Weg konnten 690 betroffene Frauen ermutigt werden, ihre Sicht und ihre eigenen Botschaften auf weiße Blusen zu schreiben. Entstanden sind 690 eindrucksvolle Zeugnisse von Gewalt und Diskriminierung betroffener Frauen.

„Uns ist wichtig, dass die alltägliche Diskriminierung und Gewalt an Frauen sichtbar wird. Die Künstlerin Franziska Greber geht dabei gemeinsam mit betroffenen Frauen und unseren Mitgliedsorganisationen neue Wege. Deshalb haben wir uns sofort entschieden das Kunstprojekt zu unterstützen,“ so Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern.

Dass dieser Weg auch aus der Sicht betroffener Frauen bedeutsam ist, zeigt exemplarisch die Erfahrung des Frauenhauses in Kempten:

„Für das Beschreiben der Blusen haben wir kleine Gruppen aus ehemaligen und aktuell bei uns lebenden Frauen gebildet, um den Frauen einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Für sie war es nicht nur bedeutsam mit ihren Geschichten in den Austausch zu kommen, sondern auch durch die Teilnahme an dem Kunstprojekt allen zu zeigen, wie viele Frauen von Gewalt betroffen sind und dadurch auch endlich in der Öffentlichkeit gehört zu werden. Bei der Gestaltung der Blusen wurde ihnen wieder bewusst, wie viel Mut es sie gekostet hat und wie sehr es sich gelohnt hat, sich aus der Gewaltsituation herauszutrauen.“

Zu sehen und zu hören sind die Installationen des Kunstprojektes

WOMEN IN THE DARK - aufruhr des schweigens im
DENKRAUM DEUTSCHLAND feminin – die soziale
und politische Kraft des Weiblichen in Kunst und Gesellschaft

2. bis 10. Oktober 2021 | Pinakothek der Moderne | München
Eröffnung | 2. Oktober 2021 um 15.00 Uhr

Öffnungszeiten | täglich außer Montag 12 – 18 Uhr | Donnerstag bis 20 Uhr
Eintritt frei ausschließlich mit Freikarte über München Ticket.

Aufruhr des Schweigens – Aufruhr des Schweigens (aufruhr-des-schweigens.org

Denkraum Deutschland 2021 - Pinakothek der Moderne (pinakothek-der-moderne.de

Ansprechpartnerin: Antje Krüger | 0174 3173781

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Presse Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Frauen und Mädchen Thu, 30 Sep 2021 16:01:12 +0200
Bundestagswahl: Keine Koalition kann sich erlauben, wichtige soziale Probleme ungelöst zu lassen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=27&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24644&cHash=d15e64d366287172b841a6f791ad752f

]]> Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands, erklärt anlässlich der Ergebnisse der Bundestagswahl:

"Angesichts des Wahlergebnisses zeichnet sich ab, dass keine leichten Koalitionsverhandlungen vor den Akteur*innen liegen. So oder so werden Kompromisse gefunden werden müssen, die vermutlich alle Beteiligten durch stärkere eigene Mehrheiten lieber vermieden hätten. Aber das ist Demokratie und das gehört zum politischen Geschäft.

Wir als Paritätischer Wohlfahrtsverband erwarten jetzt von allen demokratischen Parteien schnellstmöglich in Gespräche und Verhandlungen zu kommen und gemeinsam um das bestmögliche Ergebnis für unser Land zu ringen. Parteipolitische Kalküle haben hinter den großen Zukunftsfragen zurückzustehen: Alle, die Regierungsverantwortung übernehmen wollen, sind jetzt gefragt, gemeinsame Antworten zu geben, wie sie den sozialen Zusammenhalt stärken, brennende soziale Fragen wie Pflegenotstand, Wohnungsnot und wachsende Armut lösen und wie sie eine sozialökologische Transformation gestalten wollen, so dass niemand zurückbleibt. Wir brauchen beides: Eine konsequente Klimaschutzpolitik und eine ambitionierte Sozialpolitik, die alle mitnimmt. Zum Glaubwürdigkeitstest gehört dabei auf jeden Fall auch eine Antwort auf die Frage, wie notwendige Reformen und Investitionen finanziert werden sollen.

Wir werden weiter Druck machen, damit sich keine Koalition gleich welcher Parteienkonstellation erlauben kann, wichtige soziale Probleme ungelöst zu lassen. Und wir werden die künftige Bundesregierung daran messen, was sie bereit ist, wirklich zu tun für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die gleichwürdige Teilhabe aller und gegen Armut. Es gibt viele Baustellen, die von der neuen Regierung konsequent bearbeitet werden müssen. Was wir uns alle nicht leisten können, ist eine politische Hängepartie und von Taktik und Individualinteressen dominierte Verhandlungen, die sich ewig hinziehen.”

Hier finden Sie die Forderungen des Paritätischen zur Bundestagswahl.

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Zivilgesellschaft und Demokratie Mon, 27 Sep 2021 15:30:50 +0200
Gründung einer Selbsthilfegruppe "Lachyoga" https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24631&cHash=69e1f693fb0fbd258eb0c0de3c254acf

]]> ]]> In der Anlage finden Sie wichtige Informationen zur neuen Gruppe und die Kontaktdaten für die Anmeldung.

]]>
Termine Fachbereich Bürgerschaftliches Engagement Region Mittelfranken Mitgliedsorganisationen Fri, 24 Sep 2021 08:38:40 +0200
Paritätisches Jahresgutachten: Bundesregierung erreicht selbst gesteckte sozialpolitische Ziele nicht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=21&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24613&cHash=bfc7090e6eecb6263cc8cf671e35a5b9

]]> Die scheidende Bundesregierung verfehlt viele sozialpolitische Ziele, die sie sich selbst gesetzt hat, so das Fazit des aktuellen Paritätischen Jahresgutachtens zur sozialen Lage in Deutschland, das der Wohlfahrtsverband inzwischen zum siebten Mal vorlegt. Das Jahresgutachten untersucht anhand von Daten der offiziellen Statistiken und der Gesetzgebung des jeweiligen Vorjahres, wie es um den sozialen Zusammenhalt in Deutschland steht, identifiziert Problemlagen und formuliert Handlungsbedarfe.

„Die sozialpolitische Bilanz der scheidenden Bundesregierung fällt bescheiden aus. Viele selbstgesteckte Ziele waren wenig ambitioniert oder wurden verfehlt. Die Stärkung des sozialen Zusammenhalts wird programmatisch zwar gerne beschworen, in der politischen Praxis dann jedoch allzu oft vernachlässigt”, bilanziert Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands die Befunde des vorliegenden Jahresgutachtens.

So habe sich die Bundesregierung beispielsweise das Ziel gesetzt, die Zahl der Ärmeren zukünftig unter den EU-Schnitt zu halten. Dieses Ziel wurde nur teilweise erreicht. Tatsächlich lag die Armutsquote 2019 unverändert hoch bei 15,9 Prozent. Außerdem gilt, wie das Gutachten exklusiv ausweist, jede*r fünfte Rentner*in inzwischen als arm und gerade das Armutsrisiko Älterer steige kontinuierlich. Auch Wohnkosten belasten viele Menschen und machten inzwischen oft die Hälfte des Einkommens in ärmeren Haushalten aus.

Bei einigen Vorhaben der Bundesregierung lohnt ein Blick in die Details. So hat die Bundesregierung sich im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie u.a. auch zum Ziel gesetzt, dass 78 Prozent der 20- bis 64-Jährigen und 60 Prozent der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig sind. Dies wurde zwar erreicht, aber viele der Jobs liegen seit Jahren konstant im Niedriglohnbereich. 6 Millionen Menschen waren 2019 im Niedriglohnbereich angestellt. Nach wie vor ist zudem Reichtum in Deutschland extrem ungleich verteilt: Rund 10 Prozent der Bevölkerung besitzen 64 Prozent des Vermögens. Auch mit dem Ziel, Geschlechtergerechtigkeit herzustellen ist die Bundesregierung gescheitert. 2020 lag der Bruttostundenlohn von Frauen um 18 Prozent niedriger als der von Männern, das Alterssicherungseinkommen von Frauen ist im Schnitt sogar doppelt so niedrig.

Mit dem Gutachten legt der Paritätische auch umfassende Vorschläge für Maßnahmen vor, die aus Verbandssicht geeignet wären, Armut abzuschaffen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Prof. Dr. Rolf Rosenbrock: „Die Befunde sind eine Hypothek für die Sozialpolitik der nächsten Bundesregierung. Wir werden die künftige Bundesregierung, unabhängig davon welche Parteikonstellation diese stellt, daran messen, was sie bereit ist, wirklich zu tun für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, für die gleichwürdige Teilhabe aller und gegen Armut. Es gibt viele Baustellen, die von der nächsten Regierung konsequent bearbeitet werden müssen.”

Mehr Informationen unter: https://www.der-paritaetische.de/presse-und-kampagnen/


Philipp Meinert

Presse und Redaktion

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 21 Sep 2021 10:31:13 +0200
Weltkindertag am 20. September: Ein starkes Signal für mehr Kinderfreundlichkeit https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24606&cHash=ea3870659ab89a3427e2ee28d55988b4

]]> Die Folgen sind dramatisch: „In Deutschland gab es noch nie so viele unglückliche Kinder.“ Das ist das Fazit einer aktuellen Studie zum Kindeswohl vom Institut für Generationenforschung, über die die Süddeutsche Zeitung in der vergangenen Woche berichtet hat. In der Studie wurden die Auswirkungen der Pandemie auf die seit 2010 geborenen Kinder untersucht. Demnach habe jedes dritte Kind Schwierigkeiten bei der sozialen Interaktion, mehr als die Hälfte der vier- bis fünfjährigen sei unfähig zu spielen.

Als Reaktion hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ beschlossen. Ein Teil der Maßnahmen wird in den Bundesländern umgesetzt. Bayern hat damit beispielsweise 70 zusätzliche Stellen in der Jugendsozialarbeit an Schulen geschaffen. „Wir sind froh, dass die dramatischen Folgen auf der politischen Agenda sind. Aber: Alle Kinder und Jugendlichen brauchen dauerhaft qualitativ gute Angebote – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und der Finanzkraft der Kommunen. Die Kommunen müssen finanziell unterstützt werden, damit sie die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe finanzieren können,“ fordert Berndl.

Darüber hinaus braucht es neben dem politischen Bekenntnis zu offenen Schulen und Kitas – das hoffentlich auch nach der Bundestagswahl gilt – ein Bekenntnis, zu offenen Jugendfreizeittreffs, Schwimmhallen und Sportvereinen. „Kinder und Jugendliche müssen in ihren Anliegen von der Politik gehört und ernst genommen werden und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden. Wir fordern ein starkes Signal für mehr Kinderfreundlichkeit in Deutschland und endlich im Sinne der Kinderrechtskonvention die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen“, so Berndl abschließend.

In der Freien Wohlfahrtspflege Bayern sind das Bayerische Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, der Landes-Caritasverband Bayern, die Diakonie Bayern, der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern organisiert. Gemeinsam erbringen die Verbände rund 75 Prozent aller sozialen Dienstleistungen in Bayern. Rund sechs Prozent aller Beschäftigten im Freistaat, davon allein rund 86.000 in Kindertagesstätten, arbeiten in der Sozialwirtschaft. Als Verband unterstützt die Freie Wohlfahrtspflege Bayern ihre Mitglieder durch Koordination und Absprachen bei der Realisierung von Zielen, mit denen sie ihren Beitrag dazu leisten, Bayern sozial zu gestalten.

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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Bildung Corona Kinder und Jugend Fri, 17 Sep 2021 12:42:11 +0200
Bündnis Altersarmut: Equal Pay https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=14&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24588&cHash=0f8419747663704ebdf36337726f070d

]]> ]]> In Bayern ist der Gender Pay Gap besonders groß: 22 Prozent. Das sind vier Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt. Wir engagieren uns deshalb im Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen“: Denn Frauen verdienen mehr!

Frauen verdienen im Jahr 2020 in Bayern 22 Prozent weniger als Männer. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt (18 Prozent) war der Gender Pay Gap in Bayern um vier Prozentpunkte größer.

Wir fordern:

  • Eine spürbare Aufwertung von „Frauenberufen“.
  • Die Verbesserung des Rückkehrrechts von Teilzeit in Vollzeit.
  • Ein Entgelttransparenzgesetz ausgestattet mit Prüfverfahren, Berichtspflicht und Verbandsklagerecht.

Ob wir von unserer Rente im Alter in Würde leben können, entscheidet auch der nächste Bundestag! Deshalb wählen gehen!

Im Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen“ engagieren sich ver.di, Evangelische Frauen in Bayern, Bayerischer Landesfrauenrat, afa aktionsgemeinschaft für arbeitnehmerfragen, Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), KDA - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband Bayern e.V., Der Paritätische in Bayern, Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, DGB Bayern.

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Themen Ältere Menschen Frauen und Mädchen Soziale Teilhabe und Armut Tue, 14 Sep 2021 16:55:14 +0200
Bundestagswahl 2021: Es kommt auf jede Stimme an! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=14&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24587&cHash=414a04e741c359bd7f8adf4a7c8d4d44

]]> Im Endspurt vor der Bundestagswahl und den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 26. September rufen die rund 750 mitzeichnenden Organisationen der Erklärung „WIR für Menschlichkeit und Vielfalt“ alle wahlberechtigten Bürger*innen dazu auf, ihr Grundrecht unbedingt wahrzunehmen. „Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet“, heißt es in dem gemeinsamen Text. Die Verbände, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie haben sich der Aktion angeschlossen, um im Superwahljahr 2021 ein weit sichtbares Zeichen gegen Hetze und Diskriminierung zu setzen. Sie betonen: „Wer wählen geht, stärkt die Demokratie. Es kommt auf jede Stimme an!“

Mit Sorge beobachten die mitzeichnenden Organisationen, wie versucht wird, Hass und Gewalt gegen alle zu schüren, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen. „Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt. Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen“, heißt es in der Erklärung weiter. Die AfD habe vielfach gezeigt, dass sie in ihren Reihen Menschen- und Lebensfeindlichkeit dulde, sie fördere Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Heute sei daher plötzlich „wieder an der Tagesordnung, was in Deutschland lange als überwunden galt“, so die Unterzeichnenden.

Sie reichen von Vereinen der Selbsthilfe über Förder- und Inklusionsorganisationen bis zu Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Der gesamte Erklärungstext der Aktion und die Liste der Mitzeichnenden ist online unter www.wir-fmv.org abrufbar.

Hintergrund: Bereits im April 2018 und im November 2019 haben sich zahlreiche Verbände öffentlich gegen Versuche aus den Reihen der AfD positioniert, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen herabzuwürdigen und für rassistische Stimmungsmache zu instrumentalisieren.

Der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbands, Prof. Dr. Rolf Rosenbrock: „Wir müssen uns jetzt, gerade in Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet ist, noch stärker als bisher für Inklusion und Teilhabe aller Menschen einsetzen. Das bedeutet insbesondere, dass wir uns unmissverständlich gegen rechte Hetze stellen und jeglichem Versuch entgegentreten, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen auszugrenzen.“

Kontakt für Presseanfragen: kontakt@wir-fmv.org

Weitere Stimmen der Unterstützer*innen der Erklärung für Menschlichkeit und Vielfalt sind in Zitatform unter www.wir-fmv.org/Stimmen abrufbar.

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Presse Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Zivilgesellschaft und Demokratie Tue, 14 Sep 2021 15:42:50 +0200
Wohnen: Paritätischer geht gegen hohe Mieten und Verdrängung auf die Straße https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24548&cHash=e951d2bbf016c28f874ff1015c6d0d72

]]> Wenn am kommenden Samstag ein breites Bündnis in Berlin gegen steigende Mieten, Verdrängung und einen Kurswechsel in der Mietenpolitik demonstriert, ist der Paritätische Wohlfahrtsverband dabei. Für den Paritätischen und seine Mitgliedsorganisationen ist die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt eine der zentralen sozialen Fragen der Gegenwart. Das Bündnis fordert von der künftigen Bundesregierung einen radikalen Wechsel in der Mieten- und Wohnungspolitik. “Für Mieterinnen und Mieter war diese Legislaturperiode eine große Enttäuschung. Die Koalition hat es trotz vollmundiger Versprechen nicht geschafft, die Mietenexplosion aufzuhalten”, erklärt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Selbst gesteckte Neubauziele seien nicht erreicht worden, fast 100.000 Sozialwohnungen gäbe es weniger als zu Beginn der Legislatur und bis auf eine Verlängerung der weitestgehend wirkungslosen Mietpreisbremse falle die gesetzliche Bilanz mager aus.

Hohe Mieten würden inzwischen vielerorts zu einem echten Armutsrisiko und der Wohnungsverlust zur existenziellen Bedrohung, warnt der Paritätische. “Es ist völlig unzumutbar, wenn zum Beispiel Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung oder pflegebedürftige Personen zur Aufgabe ihrer Wohnung gezwungen werden und damit ihr gesamtes soziales Umfeld verlieren”, kritisiert Schneider. Jeder Mensch habe nicht nur das Recht auf eine Wohnung, sondern müsse auch ein Recht darauf haben, dort wohnen zu bleiben, wo er lebt. “Gerade für Geringverdienende, Alleinerziehende und ältere Menschen mit kleiner Rente wird die Luft immer dünner. Aber auch für Einrichtungen der Wohlfahrt gibt es immer weniger Platz in unseren Städten. Immer öfter muss die kleine Kita dem schicken Café weichen”, so Schneider.

Der Paritätische fordert von der künftigen Bundesregierung einen radikalen Kurswechsel in der Mieten- und Wohnungspolitik. “Es braucht eine wirksame Mietpreisbegrenzung, den Schutz vor Verdrängung auch für soziale Einrichtungen und einen starken gemeinnützigen Wohnungsmarkt statt kalter Profitorientierung”, so Ulrich Schneider.

Gemeinsam mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis aus Mieter*inneninitiativen und -vereinen, stadtpolitischen Gruppen, Gewerkschaften sowie Sozial- und Wohlfahrtsverbänden ruft der Paritätische am 11. September 2021 zu einer Demonstration in Berlin auf. Das Motto: Wohnen für alle! Gemeinsam gegen hohe Mieten und Verdrängung. Ulrich Schneider wird als Redner auf der Abschlusskundgebung gegen 15.20 Uhr  auf der Straße 17. Juni in der Nähe des Großen Sterns erwartet.

Themenseite Wohnen des Paritätischen: https://www.der-paritaetische.de/themen/bereichsuebergreifende-themen/wohnen/

Internetseite zur Demo: http://mietendemo.org/



Philipp Meinert

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 07 Sep 2021 11:49:37 +0200
Bündnis gegen Altersarmut: Lohn https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24514&cHash=b944b9ca8fc7fa7c56efdcc398477d55

]]> ]]> Arbeiten macht arm! Das gilt vor allem für Frauen. Denn häufig sind es Frauen, die geringfügig beschäftigt oder im Niedriglohnsektor arbeiten. Wir engagieren uns deshalb im Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen“ und fordern: Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro!

Das Risiko für einen Niedriglohn arbeiten zu müssen, lag für Männer bei knapp 10 Prozent und für Frauen bei knapp 25 Prozent (2019). Es gibt 4,9 Millionen ausschließlich geringfügig Beschäftigte – davon sind ca. 60 Prozent weiblich (2019).

Wir fordern:

  • Sozialversicherte und tarifvertraglich geregelte Beschäftigung fördern!
  • Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro!
  • Erhöhung des Mindestlohns auf mindestens 12 Euro!

Ob wir von unserer Rente im Alter in Würde leben können, entscheidet auch der nächste Bundestag! Deshalb wählen gehen!

Im Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen“ engagieren sich ver.di, Evangelische Frauen in Bayern, Bayerischer Landesfrauenrat, afa aktionsgemeinschaft für arbeitnehmerfragen, Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), KDA - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband Bayern e.V., Der Paritätische in Bayern, Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, DGB Bayern.

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Themen Ältere Menschen Frauen und Mädchen Soziale Teilhabe und Armut Mon, 30 Aug 2021 18:13:57 +0200
Newsletter abonnieren https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4906

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Themen Mon, 30 Aug 2021 17:56:00 +0200
Bündnis gegen Altersarmut: Rente https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24513&cHash=045356d9e5c1e34629d7929e79d1ba30

]]> ]]> Von der Rente nicht mehr leben können? Das betrifft auch in Bayern viele Menschen – und vor allem Frauen! Wir engagieren uns deshalb im Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen“ und fordern: Die gesetzliche Rente muss den Lebensstandard sichern!

In Bayern erhalten 81 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 1.155 Euro (2019).

Wir fordern:

  • Die gesetzliche Rente muss den Lebensstandard sichern!
  • Keine Absenkung des Rentenniveaus!
  • Keine Erhöhung des Renteneintrittsalters!

Wie es mit unserer Rente weitergeht, entscheidet auch der nächste Bundestag. Deshalb wählen gehen!

Im Bündnis „Gegen Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen“ engagieren sich ver.di, Evangelische Frauen in Bayern, Bayerischer Landesfrauenrat, afa aktionsgemeinschaft für arbeitnehmerfragen, Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), KDA - Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Verband alleinerziehender Mütter und Väter Landesverband Bayern e.V., Der Paritätische in Bayern, Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, DGB Bayern.

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Themen Ältere Menschen Frauen und Mädchen Soziale Teilhabe und Armut Mon, 30 Aug 2021 17:49:10 +0200
Nicht alles Gold, was bunt ist https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24497&cHash=0b432d324a01ca34416ebe60a1460c6a

]]> ©katdoubleve photocase.de]]> Die Queer-Bewegung hat viel erreicht in den letzten Jahren. Was ist noch offen? Was steht auf Ihrer Agenda, wenn Sie im September in den Bundestag gewählt werden?

Um alle rechtlichen Benachteiligungen zu beenden, muss das entwürdigende Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden. Für lesbische Mütter bedarf das Abstammungsrecht einer Reform. Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sowie die institutionelle Förderung queerer Verbände und Organisationen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz muss einen besseren Schutz vor Diskriminierung und einfachere Klagemöglichkeit für davon Betroffene bieten.

Bei der Fußball-EM haben viele Menschen in Bayern mit Regenbogenfahnen ein Zeichen gegen die Politik von Viktor Orban und für Vielfalt gesetzt. Ist Bayern, was Queer-Politik angeht, so offen, wie es bei der EM den Anschein hatte?

Der Stadtrat in München wollte mit der Regenbogen-Beleuchtung der Allianz Arena ein Zeichen gegen die menschenrechtsverachtende Politik von Viktor Orban setzen. Durch das Nein der UEFA drehte sich die Debatte schnell um Akzeptanz im Sport. Dass sich dabei Ministerpräsident Söder mit Regenbogen-Maske zeigte, fand ich an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten, denn seine Regierung zeichnet sich nicht durch ihre Queer-Freundlichkeit aus. Die CSU hat Orban jahrelang hofiert und im Bundestag gegen jegliche Initiative zur rechtlichen Gleichstellung queerer Menschen gestimmt. Die von der Grünen Landtagsfraktion in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass jeder zweite queere Mensch in Bayern entsprechende Diskriminierungen erlebt. Doch Bayern hat als einziges Bundesland noch keinen Aktionsplan für Akzeptanz.

Sie erhalten im Netz viele Hasskommentare. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Strafrechtliches bringe ich konsequent zur Anzeige, denn wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Hass die Gesellschaft vergiftet. Allgemein muss Hasskriminalität im Netz wirksamer bekämpft werden.

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Themen Queer Mon, 30 Aug 2021 13:15:19 +0200
Hartz IV https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24489&cHash=df5aff66ce6d3b343e3d9da23d9c6bba

]]> Die für 2022 angekündigte Hartz IV-Regelsatz-Erhöhung um zwei Euro für Kinder unter 14 und drei Euro für Jugendliche und Erwachsene kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband als “blanken Hohn”, viel zu niedrig und bitter für alle Betroffenen. Faktisch gleiche die “lächerlich geringe” Anpassung von weniger als einem Prozent nicht einmal die Inflation aus und komme somit sogar einer Kürzung gleich, kritisiert der Verband. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, umgehend dafür zu sorgen, dass die Fortschreibungsformel für die Regelsätze in der Grundsicherung so angepasst wird, dass Preissteigerungen immer mindestens ausgeglichen werden. Davon unabhängig kritisiert der Paritätische die Regelsätze als grundsätzlich nicht bedarfsdeckend und fordert eine zügige Erhöhung auf mindestens 600 Euro.

“Es ist nicht zu fassen, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt. Es war bereits seit Monaten absehbar, dass sich die Grundsicherungsleistungen zu Beginn nächsten Jahres noch weiter vom tatsächlichen Bedarf der Menschen entfernen, wenn bei dem im Gesetz verankerten Fortschreibungsmechanismus nicht nachjustiert wird“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Paritätische hatte bereits im Frühjahr davor gewarnt, dass angesichts der Entwicklung der Löhne in der Pandemie nicht nur die Renten im kommenden Jahr eine Nullrunde erfahren werden, sondern voraussichtlich auch Beziehenden von Hartz IV und Altersgrundsicherung ein realer Kaufkraftverlust droht. “Es ist ein Trauerspiel, wie wenig die Bundesregierung im wahrsten Sinne des Wortes für arme Menschen übrig hat”, so Schneider.

Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle hätte ein sachgerecht ermittelter Regelsatz für einen alleinlebenden Erwachsenen bereits jetzt mindestens 644 Euro statt den geltenden 446 Euro betragen müssen. In einer breiten Allianz mit Gewerkschaften, anderen Wohlfahrtsverbänden und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert der Verband eine Anhebung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro und hatte den im Mai ausgezahlten einmaligen Corona-Zuschuss als allenfalls einen „Tropfen auf den heißen Stein” kritisiert.

Zum Hintergrund: Die Höhe der aktuellen Regelsätze wurde im sogenannten Regelbedarfsermittlungsgesetz zum 1.1.2021 festgelegt. Der Paritätische kritisiert, dass der Gesetzgeber hier einmal mehr die verfassungsrechtlich eingeräumten gesetzgeberischen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Ermittlung der Regelbedarfe ausschließlich zur Kürzung genutzt hat. Die Regelsätze sind im Ergebnis zu niedrig und nicht bedarfsdeckend. Die allgemeine Inflationsrate lag im Juli diesen Jahres bei 3,8 Prozent. Die jährliche Fortschreibung der Regelsätze zum 1. Januar erfolgt jedoch nach dem Sozialgesetzbuch XII auf Basis eines Mischindexes, der zu 70 Prozent die regelsatz-spezifische Preisentwicklung und zu 30 Prozent die Entwicklung der Nettolöhne und -gehälter berücksichtigt. Nach aktuellen Medienberichten soll der Regelsatz für Jugendliche und Erwachsene zum 1.1.2022 um drei Euro und für Kinder unter 14 um um zwei 2 Euro angehoben werden.

Kontakt
Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 26 Aug 2021 16:19:00 +0200
Afghanistan: Paritätischer fordert mehr Einsatz bei der Rettung Gefährdeter https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=25&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24490&cHash=806d3b0e5684ca4f3dd500765d2f303b

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband zeigt sich tief besorgt über die UN-Berichte zu schweren Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan und appelliert im Vorfeld der Regierungserklärung der Bundeskanzlerin zur Lage in Afghanistan eindringlich an die Bundesregierung, für eine schnellstmögliche und unbürokratische Rettung gefährdeter Personen zu sorgen.

“Wenn Menschen massenhaft hingerichtet werden und ein Bild verzweifelter Fluchtversuche das nächste jagt, muss ein für alle Mal klar sein, dass die Rettung möglichst vieler Menschen jetzt oberste Priorität haben muss - und zwar unbürokratisch und so schnell wie möglich”, fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Vor dem Hintergrund eines sich schließenden Zeitfensters für die Evakuierung von Menschen aus Kabul müsse der Kreis derer, die für eine Evakuierung in Frage kommen, großzügig ausgelegt werden.

Der Verband fordert außerdem die Schaffung sicherer Fluchtwege. Die Luftbrücke in Kabul müsse so lang wie möglich aufrecht erhalten werden, gleichzeitig müssten dringend Vorbereitung getroffen werden, damit Menschen auch nach einem möglichen Ende der Luftbrücke gerettet werden könnten. Die Unterstützung der Nachbarstaaten bei der Versorgung afghanischer Flüchtlinge im Wege humanitärer Hilfe sei unerlässlich, reiche aber bei weitem nicht aus. Die Bundesregierung müsse jetzt den Weg bereiten, um besonders schutzbedürftige Menschen auch aus Nachbarstaaten aufzunehmen. Hierbei müssten alle Möglichkeiten, wie etwa Aufnahmeprogramme, eine großzügige Vergabe humanitärer Visa und die Erleichterungen beim Familiennachzug ausgeschöpft werden.

Dies sei nicht nur in wichtiges Zeichen internationaler Solidarität, Deutschland habe hierfür auch die erforderlichen Kapazitäten, so der Verband.

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Wed, 25 Aug 2021 16:29:00 +0200
Kinderarmut: Breite Allianz fordert Kindergrundsicherung von nächster Bundesregierung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=23&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24491&cHash=89bfc72c194b4ff15900521f3cf27357

]]> In einer gemeinsamen Erklärung fordert eine breite Allianz von 22 zivilgesellschaftlichen Organisationen, Verbänden und Gewerkschaften die Parteien auf, der Bekämpfung von Kinderarmut in der nächsten Wahlperiode höchste Priorität einzuräumen und eine Kindergrundsicherung einzuführen. „Die Kindergrundsicherung gehört in den nächsten Koalitionsvertrag und muss als prioritäres Vorhaben in der kommenden Legislaturperiode umgesetzt werden“, heißt es in der Erklärung.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, betont: "Es fehlt parteiübergreifend nicht an Stimmen in der Politik, die sich für eine offensive Armutspolitik einsetzen. Das Problem in der Vergangenheit war jedoch stets, dass in den Koalitionsverhandlungen letztlich andere politische Prioritäten gesetzt wurden. Mit der gemeinsamen Erklärung wollen wir als breite zivilgesellschaftliche Allianz den Druck auf die Politik erhöhen für eine echte Kindergrundsicherung, die den Namen auch verdient. Wir werden jede künftige Regierung, unabhängig davon welche Parteikonstellation diese stellt, daran messen, was sie bereit ist, wirklich zu tun gegen Kinderarmut in diesem Land."

Die Idee einer Kindergrundsicherung findet auch in der Bevölkerung große Zustimmung. 76 Prozent der Wahlberechtigten sind dafür, eine Kindergrundsicherung einzuführen. Selbst unter den Anhänger*innen der CDU/CSU und FDP, die aktuell noch keine Kindergrundsicherung im Wahlprogramm haben, spricht sich jeweils eine deutliche Mehrheit von ebenfalls 76 Prozent beziehungsweise 67 Prozent für eine Kindergrundsicherung aus. Das hat eine aktuelle, repräsentative FORSA-Befragung von 1.018 Wahlberechtigten ergeben. Danach halten es 94 Prozent der Befragten für wichtig, Kinderarmut zu bekämpfen.

Angesichts der anhaltend hohen Kinderarmut und ihren gravierenden Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche fordern die unterzeichnenden Organisationen eine große und umfassende Reform. „Die vielen familienbezogenen Leistungen erreichen ihr Ziel, Armut von Kindern zu vermeiden, nicht“, heißt es in der Erklärung. Auch die Anpassungen einzelner Leistungen hätten in der letzten Legislaturperiode keinen grundlegenden Durchbruch bei der Überwindung der Kinderarmut gebracht.

Deshalb brauche es eine Kindergrundsicherung, die diesen Namen auch verdiene und bestimmten Anforderungen genüge, so die zentrale Forderung der Erklärung. So müsse die Kindergrundsicherung eine eigenständige Leistung für jedes Kind sein. Sie soll einfach, unbürokratisch und sozial gerecht sein: daher bündelt sie die vielen, unterschiedlichen Leistungen für Kinder in einer einzigen Leistung und zahlt sie direkt und automatisch aus, damit sie auch wirklich bei allen Kindern ankommt. Mit steigendem Einkommen der Eltern sinkt die Höhe der Kindergrundsicherung langsam auf einen Sockelbetrag ab. Zudem fordern die Organisationen in ihrer Erklärung, das Existenzminimum für Kinder und Jugendliche „neu und realistisch“ zu berechnen. Die Höhe der Kindergrundsicherung soll deutlich über den Hartz-IV-Leistungen für Kinder und Jugendliche liegen und die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen wirklich abdecken.

Die unterzeichnenden Organisationen sind überzeugt, nur mit einer Kindergrundsicherung kann das Ziel erreicht werden, Kinderarmut endlich wirklich zu überwinden.

Eine Auflistung aller 22 unterzeichnenden Organisationen finden Sie unter der Erklärung „Gemeinsam gegen Kinderarmut: EINE für ALLE – Kindergrundsicherung jetzt!“.

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Presse Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Familie Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Mon, 23 Aug 2021 08:37:00 +0200
Afghanistan: Paritätischer fordert Rettung aller gefährdeten Menschen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24465&cHash=8b9c633cfa2618e105c0bc87f14fcab7

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband zeigt sich von der dramatischen Lage in Afghanistan schockiert und fordert mit Nachdruck die schnellstmögliche Evakuierung aller Menschen aus Kabul, die in akuter Gefahr sind. Auch Deutschland müsse hier seinen Beitrag leisten.

"Für Bürokratie und deutsche Ordnungsliebe ist schlicht keine Zeit. Jetzt gilt es wirklich allen bedrohten Menschen ohne Ansehen des Status so schnell wie möglich, unbürokratisch und engagiert zu helfen", fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Deniz Greschner, Sprecherin des Forums der Migrant*innen im Paritätischen, mahnt: "Aus 2015 zu lernen, heißt ausreichende, sichere Fluchtwege für die Geflüchteten zu eröffnen und die Grenzen in Europa für sie offen zu halten.”

Neben der schnellstmöglichen Evakuierung Gefährdeter müssten die Nachbarstaaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen in der Region im Wege der Nothilfe unterstützt und durch die Aufnahme Geflüchteter aus den Erstaufnahmeländern entlastet werden, so der Paritätische Wohlfahrtsverband. Es müssten sichere und legale Zugangswege geschaffen werden, so der Appell an Deutschland und die EU. Der Verband mahnt, dass es auch bei steigenden Flüchtlingszahlen keine Grenzschließungen geben dürfe, um katastrophale humanitären Folgen zu vermeiden.

Die Forderungen des Paritätischen Gesamtverbandes in voller Länge finden Sie hier: https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/sichere-fluchtwege-aus-afghanistan-schaffen/

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Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen
Tel. 030 24636-305
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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Tue, 17 Aug 2021 18:58:42 +0200
Paritätischer ruft zur Beteiligung an Demonstrationen vor Bundestagswahl auf https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24460&cHash=c4a17a7ad538820217eebfd4bd0c0cbf

]]> Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, erklärt die Gründe der Teilnahme: „Hier handelt es sich um zentrale Themen auch für die Wohlfahrt. Wir sind traditionell engagiert gegen Rechts, für Vielfalt und gegen jegliche Form von Spaltungen. Und wir sehen mit Sorge, dass viele Menschen ihre Wohnungen nicht mehr bezahlen können und unsere sozialen Einrichtungen ihre Räumlichkeiten verlieren. Daher bringen wir uns ein!“

Weiterhin betont Schneider, dass es ein grundsätzliches Umdenken in der Politik brauche, um die großen Probleme dieses Landes zu bewältigen: „Es klingt banal, aber vieles lässt sich mit Geld lösen. Und das Geld ist da, aber nicht dort, wo es am dringendsten gebraucht wird.“ Der Paritätische spricht sich daher für die Umverteilung von Reichtum aus. Für den sozialen Zusammenhalt und die sozial-ökologische Transformation brauche es die Anhebung des Spitzensteuersatzes in der Einkommensteuer und der Erbschaftssteuer sowie die Wiedererhebung der Vermögenssteuer und eine umfassende Finanztransaktionssteuer.

Im Endeffekt, so Ulrich Schneider, bedeute eine gerechte auch eine soziale Gesellschaft. „Und deshalb setzt unser Verband in jüngerer Zeit verstärkt auf Kampagnen- und Bündnisarbeit und Mobilisierung. Protest für gute und progressive Themen ist immer wichtig, aber ganz besonders vor dieser entscheidenden Bundestagswahl.“

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Wiebke Schröder
Referentin Übergreifende Fachfragen und Zivilgesellschaft
zivilgesellschaft@paritaet.org

Tel. 030 24636-346

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Zivilgesellschaft und Demokratie Tue, 17 Aug 2021 12:45:17 +0200
Paritätischer kritisiert eklatante soziale Ungleichheit zwischen Rentnern und Pensionären https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=13&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24441&cHash=16c639b6193389cf9da1acefcd5edd97

]]> Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Auftrag des Paritätischen ist inzwischen jede*r fünfte Rentner*in (20,7 Prozent) von Altersarmut  betroffen, während von den Pensions-Beziehenden jede*r hundertste (1,1 Prozent) in Armut lebt. Um der sozialen Ungerechtigkeit im Rentensystem zwischen den verschiedenen Berufsgruppen entgegenzuwirken, fordert der Verband eine umfassende Rentenreform und eine Offensive für gute Arbeitsbedingungen zur gesundheitlichen Prävention und zum Schutz vor Rentenarmut. Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters lehnt der Verband strikt ab. 

"Diejenigen, die eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters fordern, meinen in Wirklichkeit Rentenkürzungen, da viele in anstrengenden Berufen, wie insbesondere auch in der Pflege, schon jetzt das Renteneintrittsalter nicht erreichen und Abschläge in Kauf nehmen müssen”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Im Ergebnis erhielten ausgerechnet die, die besonders hart arbeiten, weniger Rente und sterben auch noch früher, wie heute der SPIEGEL unter Bezugnahme auf eine aktuelle Studie des DIW im Auftrag des Sozialverbands VdK Deutschland berichtet. 

Der Paritätische spricht sich gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und stattdessen für den Aufbau einer Bürgerversicherung aus, in die alle, auch Selbständige, Freiberufler und Beamte einzahlen. “Die Trennung zwischen Angestellten und Beamten, die sich in einer solch massiven sozialen Kluft niederschlägt, ist weder zeitgemäß, noch weiter tragbar. Was es braucht, ist endlich eine solidarische Finanzierung unserer sozialen Sicherungssysteme”, so Schneider. 

Darüber hinaus brauche es eine verlässliche und bedarfsdeckende Mindestrente sowie höhere Leistungen und einen leichteren Zugang in der Erwerbsminderungsrente. Schließlich gehe es auch um Prävention. “Das Problem sehr ungleicher Lebenserwartung und des Altersversorgungsniveaus beginnt nicht erst im Rentenalter”, so Schneider, “sondern bereits vorher bei sehr ungleichen Arbeits- und Lebensbedingungen - von der Entlohnung und den Arbeitszeiten, über die Wohnsituation bis hin zu Unzulänglichkeiten im Arbeits- und Gesundheitsschutz.”

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Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen
pr@paritaet.org

Tel. 030 24636-305

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Ältere Menschen Arbeit und Beschäftigung Soziale Teilhabe und Armut Fri, 13 Aug 2021 16:14:12 +0200
Freie Wohlfahrtspflege Bayern: Kostenfreie Corona-Tests unbedingt beibehalten! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=10&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24429&cHash=17d8fb00aa9db1803a5bd071fd2ff5d3

]]> „Diese Strategie ist unerlässlich, solange die Bevölkerung noch nicht entsprechend vollständig geimpft ist bzw. noch keine Herdenimmunität gewährleistet ist“, so Berndl. „Ich appelliere an die Ministerpräsidenten, auch künftig von kostenpflichtigen Tests in den Bundesländern abzusehen, um das vorrangige Ziel der schnellen Diagnose einer Corona-Infektion nicht zu erschweren.

Erfahrungsgemäß lassen sich Menschen weniger testen, wenn diese denn kostenpflichtig wären. „Eine Gleichbehandlung von geimpften, genesenen und getesteten Personen muss im Fokus der Politik sein, und es darf keinesfalls zu einer Stigmatisierung und Benachteiligung von Menschen kommen, die nicht geimpft sind“, so Berndl. „Wir denken hier insbesondere auch an Personen, die sich einen Test finanziell nicht leisten können oder auch an die Menschen, denen eine Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich ist. Der Aufbau einer überbordenden Bürokratie bezüglich der Kostenübernahme ist ebenso nicht zielführend und befördert eine Zweiklassengesellschaft“, so die Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern.

Kontakt für Rückfragen
Wilfried Mück
Geschäftsführer Freie Wohlfahrtspflege Bayern
Tel: 089 54497-190
Mail: info@freie-wohlfahrtspflege-bayern.de

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Presse Corona Tue, 10 Aug 2021 12:21:00 +0200
Paritätischer stärkt den Klimaschutz in der Sozialen Arbeit https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=06&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24415&cHash=ba16cf469db4c59761686d4b5fd9b302

]]> Der Anfang ist gemacht: Vor wenigen Tagen startete der Paritätischen Gesamtverband sein Projekt „Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken“, mit dem Ziel: ökologisch nachhaltiges Verhalten bei sich und seinen Mitgliedern zu fördern.

„Den Klimawandel zu stoppen und die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, bedarf der Mitwirkung aller. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen.“, sagt Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Paritätische, mit seinen bundesweit mehr als 10.500 Mitgliedsorganisationen, spiele hierbei eine besondere Rolle.

„Es sind vor allem Menschen in Armut, Kinder, Alte und Kranke, Menschen mit Behinderungen, die die Hauptlast des Klimawandels tragen. Sie sind es auch, die bei Paritätischen Mitgliedsorganisationen Unterstützung unterschiedlichster Art erfahren“, so Schneider. Der Paritätische sehe es daher als seine Verantwortung, Mitgliedsorganisationen für Fragen des Klimaschutzes in ihrem Arbeits- und Organisationsalltag zu sensibilisieren und zu aktivieren.

Das von der Nationalen Klimaschutzinitiative und dem Bundesumweltministerium geförderte Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren. In diesem Zeitraum sollen bundesweit 40 Paritätische Mitgliedsorganisationen aus unterschiedlichen Bereichen der Sozialen Arbeit dabei unterstützt werden, ihren CO2-Fußabdruck nachweislich zu reduzieren.

„Die sozialen Organisationen vor Ort können auch bei der Weiterentwicklung des Klimaschutzes herausragendes leisten. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort wollen wir durch zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, erworbene Kenntnisse teilen und allen interessierten Organisationen zur Verfügung stellen“, erklärt Projektleiter Dr. Joachim Rock zum Ablauf: „Zukünftig sollen alle Mitgliedsorganisationen des Paritätischen von den Erkenntnissen des Projekts profitieren können“, so Rock. Die Ergebnisse des Projekts, Leitfäden und Handlungsempfehlungen sollen auf der Projekt-Webseite und im eigenen Newsletter veröffentlicht werden. „So können auch andere Organisationen das Thema in ihre Arbeit aufnehmen.“

Der Paritätische sieht sich in der Verantwortung, einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, fordert aber auch die Politik dazu auf, die Rahmenbedingungen für den notwendigen Wandel zu setzen. „Wir brauchen eine umfassende sozial-ökologische Wende, die konsequenten Klimaschutz mit sozialem Ausgleich verbindet“, sagt Ulrich Schneider. „Es geht staatlicherseits um notwendige Steuerung, aber auch darum, allen Menschen zu ermöglichen, ihrer individuellen Verantwortung nachzukommen.“

Alle Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.klimaschutz-sozial.de

Kontakt
Janina Yeung
Referentin Projekt "Klimaschutz in der Sozialen Arbeit stärken"
klimaschutz@paritaet.org

Tel. 030 24636-416

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Fri, 06 Aug 2021 09:55:00 +0200
Wohnen muss sozial verträglicher und gleichzeitig ökologischer werden https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=05&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24406&cHash=f319bdd91af14d07238021dba44d802a

]]> „Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit sind zwei zentrale Herausforderungen der heutigen Zeit. Die ökologische Wende kann nur funktionieren, wenn sie auch sozial ist. Klimaschutz müssen sich alle leisten können – auch vor dem Hintergrund energetischer Modernisierung und CO²-Bepreisung“, so Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern. Gemeinsam mit dem BUND Naturschutz Bayern hat der Paritätische Wohlfahrtsverband heute ein Programm für gutes Wohnen vorgestellt, das soziale und ökologische Aspekte zusammenbringt.

„Wohnraum muss für alle bezahlbar sein und gleichzeitig die Anforderungen an den Klimaschutz erfüllen. Es geht aber nicht nur um den Wohnraum als solches, sondern auch um ein gesundes Wohnumfeld mit grünen Freiräumen, die Orte der Begegnung sind und gleichzeitig Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten. Zudem mindert Stadtnatur auch die Folgen der Klimaerhitzung“, erklärt der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner.

Neustart in der Bodenpolitik

Die Verbände fordern neben dem Ausbau des sozialen Wohnungsbaus eine Neuausrichtung in der Bodenpolitik. „Wir fordern eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik, die ökologisch und sozial gerecht ist. Boden ist ein Gemeingut und keine beliebige Ware!“, so Mergner. „Die Belange von Natur und Umwelt müssen bei Bebauungsplänen gestärkt werden. Bei Bauprojekten muss ein Schwerpunkt auf dem sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau liegen und sichergestellt werden, dass der dabei entstehende Flächen-, Ressourcen- und Energieverbrauch möglichst gering ist.“ Das Ziel der Bundesregierung, den Flächenverbrauch bis 2030 auf 30 Hektar pro Tag und bis 2050 auf Null Hektar pro Tag zu reduzieren, ist hierfür noch nicht ehrgeizig genug.

Mieter*innen entlasten

„Die Kosten für energetische Modernisierungen müssen fair verteilt werden“, fordert Berndl. Die Vorteile von energetischen Modernisierungen müssen den Mietern*innen zu Gute kommen und die Modernisierungsumlage dementsprechend angepasst werden – Stichwort: Warmmietenneutralität. Hierzu sind die Kostenumlage im Mietrecht anzupassen und Förderprogramme am Ziel des klimaneutralen Gebäudebestands auszurichten. „Außerdem dürfen Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherungsleistungen nicht durch energetische Gebäudesanierungen benachteiligt werden“, so Berndl weiter. Hier müssen die Angemessenheitsgrenzen angepasst werden.

Des Weiteren fordern die beiden Verbände, die Umlage des CO²-Preises auf Mieter*innen zu stoppen, dadurch bekommen Vermieter*innen einen Anreiz, ihre Heizungsanlagen auf klimafreundliche Energieträger umzustellen. „Mieterinnen und Mieter dürfen durch die CO²-Bepreisung nicht zusätzlich belastet werden!“, so Berndl.

Richard Mergner abschließend: „Wir fordern eine echte sozial-ökologische Wende. Ein neuer Politikstil ist nötig: Das Notwendige muss klar benannt und die Bürgerinnen und Bürger müssen dabei mitgenommen werden. Zielkonflikte müssen offen diskutiert werden. Wir haben die Vision einer ökologischen und gerechten Republik, einem aktiven Staat mit aktiv mitgestaltenden Bürgerinnen und Bürgern.“

Zukunftsagenda für die Vielen

Der BUND und der Paritätische Gesamtverband haben im Vorfeld der Bundestagswahl gemeinsam Forderungen formuliert für einen ökologischen und sozial gerechten Umbau unserer Gesellschaft: "Zukunftsagenda für die Vielen" als PDF-Datei herunterladen

Für Rückfragen
Felix Hälbich, Pressesprecher, Referent für Medien und Kommunikation
BUND Naturschutz in Bayern e.V.
Tel. 089/5146 976 11; 0171 337 54 59
E-Mail: felix.haelbich@bund-naturschutz.de

Susann Engert, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern
Tel. 089/30611-137
E-Mail: susann.engert@paritaet-bayern.de

Bund Naturschutz

Der BN ist mit über 257.000 Mitgliedern der größte Natur- und Umweltschutzverband Bayerns. Er setzt sich für unsere Heimat und eine gesunde Zukunft unserer Kinder ein – bayernweit und direkt vor Ort. Und das seit über 100 Jahren. Der BN ist darüber hinaus starker Partner im deutschen und weltweiten Naturschutz. Als Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist der BN Teil des weltweiten Umweltschutz-Netzwerkes Friends of the Earth International. Als starker und finanziell unabhängiger Verband ist der BN in der Lage, seine Umwelt- und Naturschutzpositionen in Gesellschaft und Politik umzusetzen.

Paritätischer in Bayern

Der Paritätische in Bayern ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dem Paritätischen in Bayern haben sich rund 800 Mitgliedsorganisationen angeschlossen, die in allen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind. Der Verband ist selbst Träger von sozialen Einrichtungen, z.B. von Pflegeeinrichtungen und Kindertagesstätten. Der Paritätische ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden.

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Thu, 05 Aug 2021 09:32:06 +0200
Paritätischer warnt vor Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit in der Corona-Pandemie https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24392&cHash=591e315499b290eae712ccd614ebee30

]]> Während die Arbeitslosenquote seit Beginn des Jahres 2021 wieder rückläufig ist, droht sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Covid-19-Pandemie auf über eine Million zu verfestigen. Davor warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband in Berlin und legt zugleich ein Maßnahmepaket vor, um die Langzeitarbeitslosigkeit in der Pandemie wirksam zu bekämpfen.   

Um 47 Prozent ist nach Angaben des Verbandes die Zahl der Langzeitarbeitslosen während der Pandemie gestiegen und verharrt seit der Jahreswende auf über einer Million. „Trotz der überraschend positiven Arbeitsmarktentwicklung der letzten Monate dürfen wir die über 1 Million Langzeitarbeitslosen jetzt nicht aus dem Blick verlieren und zu den arbeitsmarktpolitischen Opfern der Pandemie werden lassen“, mahnt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Für die Betroffenen und ihre Familien seien die Folgen von langjähriger Arbeitslosigkeit - Armut, soziale Ausgrenzung und gesundheitliche Belastungen - verheerend. „Wir müssen schnell handeln, um zu verhindern, dass sich die erschreckend hohe Zahl der Langzeitarbeitslosen dauerhaft verfestigt“, so Schneider.

Der Gesamtverband legt einen 9-Punkte-Plan zum möglichst raschen Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit vor. Vordringlich sei, das die Arbeitsagenturen und Jobcenter wieder flächendeckend ansprechbar werden und unter Einhaltung aller notwendigen Hygienemaßnahmen von sich aus wieder auf mit Förderangeboten auf die Langzeitarbeitslosen zugehen. „Trotz der widrigen Umstände müssen die Arbeitsverwaltung jetzt in die Offensive gehen“, fordert der Verband. Über Monate verloren gegangene persönliche Kontakte sind wieder aufzunehmen, persönliche Gespräche zu suchen. Die Förderung müsse wieder massiv ausgebaut werden – und zwar unter völligem Verzicht auf Sanktionen, wie der Verband betont.

Nur etwa 3 Prozent der Langzeitarbeitslosen hätten zuletzt ihre Arbeitslosigkeit durch ein Angebot öffentlich geförderter Beschäftigung beenden können und nur etwa 1,5 Prozent erhielten die Möglichkeit, an einer beruflichen Weiterbildung teilzunehmen. Notwendige Gesetzgebung zur Anpassung der Fort- und Weiterbildung von langzeitarbeitslosen Menschen an die sich wandelnden Bedingungen des Arbeitsmarkts sei in der  laufenden  Legislaturperiode nicht umgesetzt worden, dies müsse dringend nachgeholt werden. Auch andere Förderinstrumente seien nicht mehr auf dem aktuellen Stand. So müsse sich der Umstand, dass langzeitarbeitslose Menschen immer häufiger unter psychosozialen Belastungen und  gesundheitlichen Problemen litten, stärker in den Unterstützungsangeboten niederschlagen.  

Die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit war eines der zentralen Ziele der Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik der ausgehenden Legislaturperiode, doch die Pandemie habe die zuletzt erzielten Erfolge beim Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit zunichte gemacht. Mit aktuell 1,05 Mio. langzeitarbeitslosen Menschen sei ein so hoher Stand der Langzeitarbeitslosigkeit erreicht, wie er vor der Pandemie zuletzt im Frühjahr 2015 zu verzeichnen war.

Das 9-Punkte-Programm des Paritätischen kann untenstehend als PDF heruntergeladen werden.

Kontakt

Philipp Meinert
Referent Presse und Redaktion

redaktion@paritaet.org

Tel. 030 24 636-339

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Presse Arbeit und Beschäftigung Soziale Teilhabe und Armut Mon, 02 Aug 2021 13:12:44 +0200
70 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention: Integration von Anfang an! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=27&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24345&cHash=9fb534490bebd048844487d5bef4ef83

]]> Menschenrechte gelten auch für Geflüchtete

„Die in der Flüchtlingskonvention formulierten Rechte, müssen auch Geflüchteten in Deutschland gewährleistet werden“, fordert Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern und Vorständin des Paritätischen in Bayern. Das sei eigentlich eine Selbstverständlichkeit, da Deutschland Vertragsstaat ist. Deutschland könne schwerlich andere Staaten wegen Menschenrechtsverletzungen anprangern, wenn Menschenrechte je nach Herkunft auch hier unterschiedlich interpretiert werden.

„Der Zugang zu Sprachkursen, zu Bildung und Arbeit ist außerdem der zentrale Schlüssel für gelingende Integration. Diese ist eine wichtige Voraussetzung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. Damit Integration erfolgreich sein kann, müssen Geflüchtete von Anfang an die Chance dazu bekommen, sich zu integrieren,“ so Berndl weiter.

Verharren in Wartestellung verstärkt psychische Belastung

Bei den meisten Geflüchteten sei der Wille, möglichst schnell eine Arbeit zu finden, die Sprache zu lernen und im Aufnahmeland anzukommen, gerade am Anfang sehr groß. Oft werde dieser anfängliche Elan durch strukturelle und gesetzliche Barrieren abgebremst. Je länger Geflüchtete darauf warten müssten, mit dem Leben in Deutschland starten zu können, umso schwieriger gestalte sich später die Integration. Oft sind Geflüchtete gezwungen monate- oder jahrelang in Wartestellung zu verharren. Auch psychische Folgen der Flucht verstärken sich durch fehlende Struktur und Sicherheit im Aufnahmeland und durch fehlende Behandlungsmöglichkeiten.

Geflüchtete brauchen frühzeitig Zugang zu psychosozialen Angeboten

Laut Schätzungen leiden etwa 30 Prozent der Geflüchteten unter Traumafolgestörungen. „Sie brauchen frühzeitig Zugang zu psychosozialer Beratung und Therapie. Um eine bedarfsgerechte Versorgung von Anfang an zu ermöglichen, müssen Geflüchtete frühzeitig auch zu staatlich finanzierten psychosozialen und therapeutischen Angeboten uneingeschränkt Zugang erhalten“, fordert Berndl abschließend.

Hintergrundinformationen:

Die Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) ist ein völkerrechtliches Abkommen, das 1951 verabschiedet wurde, 1954 in Kraft trat und offiziell "Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge" heißt. Es bildet bis heute die Grundlage des internationalen Flüchtlingsrechts. Die GFK definiert, wer ein Flüchtling ist und welche rechtlichen Schutzgarantien, Hilfen und sozialen Rechte die Unterzeichnerstaaten Flüchtlingen gewähren müssen. Dazu zählen zum Beispiel das Recht auf Religions- und Bewegungsfreiheit, das Recht, zu arbeiten, oder das Recht auf Bildung.

Gleichzeitig beschreibt das Abkommen die Pflichten, die ein Flüchtling dem Gastland gegenüber erfüllen muss. Flüchtlinge müssen die Gesetze und Bestimmungen des Asyllandes respektieren. Mit dem Protokoll von 1967 wurde der Wirkungsbereich der Konvention sowohl zeitlich als auch geografisch erweitert. 149 Staaten sind bisher beigetreten.

In der Freien Wohlfahrtspflege Bayern sind das Bayerisches Rotes Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, der Landes-Caritasverband Bayern, die Diakonie Bayern, der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern organisiert. Als Verband unterstützt die Freie Wohlfahrtspflege Bayern ihre Mitglieder durch Koordination und Absprachen bei der Realisierung von Zielen, mit denen sie ihren Beitrag dazu leisten, Bayern sozial zu gestalten. Gemeinsam erbringen die Verbände rund 75 Prozent aller sozialen Dienstleistungen in Bayern. Sie unterstützen Geflüchtete und andere Zugewanderte bei der Integration mit hauptamtlicher Flüchtlings- und Integrationsberatung, Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, Jugendmigrationsdiensten, Projekten und Maßnahmen sowie Koordination von ehrenamtlichen Helfer*innen.  Diese Angebote werden mit staatlichen Fördergeldern und Eigenmitteln finanziert.

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Tue, 27 Jul 2021 12:29:55 +0200
Licht am Horizont? https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24317&cHash=50ee0fd467611998913cb249abc61c68

]]> Foto: Adobe Stock leno2010]]> Herr Schreier, wie viele Auszubildende haben Sie momentan in der generalistischen Pflegeausbildung?

Bei uns haben zum 1. September 2020 sechs Auszubildende in der neuen Pflegeausbildung angefangen - verteilt auf zwei Pflegeheime mit einmal 27 und einmal 60 Betten. Das heißt, wir bilden mehr aus, als wir selbst als Eigenbedarf haben.

Sie leben als Einrichtung also auch das Motto der neuen Pflegeausbildung: Kooperation statt Konkurrenz. Entscheidend ist nicht, wer den*die Auszubildende*n letztlich bekommt. Sondern das ausgebildet wird. Wie läuft das bei Ihnen in der Praxis?

In der Region Coburg gibt es einen Kooperationsverbund, den der Landkreis Coburg initiiert hat. Dafür sind wir alle unendlich dankbar. Denn dieser Verbund verbindet eine Vielzahl an ambulanten und stationären Einrichtungen inklusive den Krankenhäusern in der Region sowie die drei Pflegefachschulen. Allein die Schulen untereinander zu koordinieren, ist eine Herausforderung. Zum Beispiel, wenn es um die Einteilung der Praktika bzw. der Auszubildenden in der ambulanten und stationären Pflege geht. Dass da die einzelnen Einrichtungen und Dienste nicht plötzlich zu wenige oder zu viele Auszubildende haben, muss gut koordiniert werden. Da gibt es eine verantwortliche Mitarbeiterin im Verbund.

Das klingt nach einem hohen Koordinierungsaufwand…

Die Kommunikation und Koordination ist natürlich eine Herausforderung. Und auch der Regulierungsaufwand ist hoch: Wir arbeiten an gemeinsame Standards, es müssen Leitlinien für die Praxisanleitungen in den einzelnen Einrichtungen entwickelt und Merk- und Informationsblätter erstellt werden – damit die Auszubildenden, wenn sie die Einrichtung wechseln, nicht ständig mit neuen Bedingungen und Voraussetzungen konfrontiert werden. Und auch die Einrichtungen Handlungssicherheit haben. Wer meinte, dass die neue Pflegeausbildung reibungslos anlaufen würde, der hat sich geirrt…

Die Investitionskosten sind also hoch. Würden Sie sagen, die Investition lohnt sich? Sehen Sie am Horizont, dass man die Ziele erreichen wird, die man mit der neuen Ausbildung verfolgt?

Wir hoffen darauf! Sonst würde man sich die Mühe nicht machen. Wir sehen aber auch, dass unsere Praxisanleitungen in die Überforderung laufen, weil die Erfahrungen fehlen und es noch so viele Baustellen gibt, an denen nachjustiert werden muss. Aber: Wir sind guter Dinge, weil wir im Gespräch mit den anderen Wohlfahrtsverbänden in der Region sind und „Anpassungsbedarfe“ auch anmelden. Ich bin aber schon überzeugt, dass wir noch gute zwei bis drei Jahre brauchen, bis eine gewisse „Trittfestigkeit“ entstanden ist.

Und wie zufrieden sind die Auszubildenden mit der neuen Ausbildung?

Einige Auszubildende sind froh über die generalistische Ausbildung, weil sie einen Mehrwert für sich erkennen. Das frustriert dann manchmal die Auszubildenden, die noch nach dem alten System lernen.

Man muss aber auch sehen, dass so ein regionaler Ausbildungsverbund natürlich auch „behäbiger“ als eine einzelne Einrichtung ist. Und wie die bundesweite Gesetzgebung vor Ort umgesetzt wird, ist ja auch jedem überlassen. Da gibt es auch schon mal Konflikte und Reibungspunkte. Wenn sich aber alles mal eingespielt hat, wird die neue Ausbildung nachhaltiger und besser sein, als die alte.

Es gibt Bereiche in der Pflege, die Sorge haben, mit der neuen Ausbildung bei den Auszubildenden hinten runter zu fallen. Zum Beispiel die Kinderkrankenpflege oder ambulante Dienste. Teilen Sie diese Sorge?

Nein. Es gibt bei uns jetzt schon Auszubildende, die vorhaben, in die Altenpflege oder zu einem ambulanten Dienst zu gehen. Die sich ganz bewusst dafür entscheiden. Zumal sich das auch mit den Tariflöhnen besser aneinander anpassen wird. Wer ins Krankenhaus will, ist auch früher schon ins Krankenhaus gegangen. Dieses Problem der Konkurrenz um Fachkräfte untereinander muss sich über die Quantität der Ausbildung regulieren.

Das war ja auch ein Ziel der Reformierung: Mehr Auszubildende für die Pflege gewinnen. Ist das gelungen?

Die paar Prozent mehr Auszubildende deutschlandweit lösen das Problem nicht. Was wir in zehn Jahren versäumt haben, werden wir in einem Jahr mit ein paar Prozent nicht ausgleichen. Wenn Sie mich das in fünf Jahren nochmal fragen und bis dahin auch größere Einrichtungen mehr ausbilden, dann haben wir in weiter Zukunft eine Chance. Aber nicht kurz- und mittelfristig.

Wo sehen Sie in der neuen Ausbildung Knackpunkte und Nadelöhre, an denen nachjustiert werden muss?

Bei den ambulanten Pflegediensten, bei denen insbesondere die kleinen Dienste nur begrenzt Auszubildende für Praxiseinsätze aufnehmen können. Da sind die Touren das Problem: Die müssen mit einer Fachkraft besetzt sein. Und das zweite Problem ist, dass diese Touren größtenteils von Teilzeit-Fachkräften bedient werden, aber der*die Auszubildende in Vollzeit beschäftigt ist. Wo bekommt der*die Auszubildende seine Einsatzzeit her, wenn die Tour nach sechs Stunden beendet ist?

Aber das größte „Nadelöhr“ wird die Kinderkrankenpflege sein. Ich denke, hier muss nochmal bei der Dauer des Einsatzes nachjustiert werden, damit mehr Praxiseinsätze möglich werden. Man muss jetzt Erfahrungen sammeln – und dann aber auch etwas ändern!

Jetzt kommt die neue Pflegeausbildung ja auch nicht gerade zu einem günstigen Zeitpunkt: Pflegekräfte haben 1,5 Jahre Corona-Krise auf dem Buckel…

Ja, das war und ist gerade für die Praxisanleitungen eine große Herausforderung, neben den zusätzlichen Belastungen in der Pflege auch noch die neue Ausbildung auf die Beine zu stellen. Gerade für diejenigen, die aufgrund der Anzahl der Auszubildenden im Betrieb nicht als Praxisanleitung freigestellt werden können, sondern in der Kombination Schichtdienst und Praxisanleitung arbeiten müssen. Der organisatorische Aufwand für den Aufbau der Ausbildung, die vielen Besprechungen mit den Schulen, mit den anderen Ausbildungsbetrieben, das Festlegen von Standards et cetera pp – das ist unterschätzt worden. Wir müssen aufpassen, dass wir unser Personal nicht überfordern – und verlieren.

Auch die Ausbildung zum Praxisanleiter ist lang und es ist unklar, wie die finanziert wird. Müssen das die Einrichtungen selbst stemmen? Über ihre normalen Pflegesätze? Und die Arbeitszeit, die durch die lange Ausbildungszeit wegfällt, die ersetzt Ihnen ja auch keiner.

Da muss man nochmal über ein paar Details sprechen und nachbessern. Denn: Wer keine Lust auf diesen Aufwand hat, der bildet einfach nicht aus. Gerade größere Einrichtungen, die sehr wirtschaftlich orientiert sind, zahlen lieber den Ausbildungszuschlag, tun sich aber die Arbeit, selber auszubilden, nicht an. Auch ambulante Pflegedienste scheuen den Aufwand, weil die Ausbildung mit der Tourenplanung kompliziert ist.

Das wird auf Dauer ein Problem werden. Nur auf das Engagement derjenigen Einrichtungen, die die Sinnhaftigkeit im Ausbilden sehen und erkennen, kann und darf man sich nicht verlassen. 

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Themen Ältere Menschen Arbeit und Beschäftigung Bildung Gesundheit Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Thu, 22 Jul 2021 12:41:00 +0200
Soziales Netz Bayern: Strukturelle Armut in Bayern muss ein Ende haben! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24313&cHash=9f7b7b49eae3bb859aee069b60a7a3ba

]]> Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, ein ausufernder Niedriglohnsektor, ein kaputtgespartes Pflege- und Gesundheitssystem und immer weiter steigende Mietpreise – auch knapp eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland sind diese und viele weitere soziale Ungerechtigkeiten hochaktuell. Rund zwei Monate vor der Bundestagswahl nimmt das Soziale Netz Bayern – ein Bündnis aus 16 Verbänden, Organisationen und Institutionen – diese Situation zum Anlass, sich in einer gemeinsamen Erklärung klar zu positionieren. Zentrale Kernforderungen des Bündnisses sind, die soziale Ungleichheit in Bayern zu bekämpfen und der strukturellen Armut im Freistaat ein Ende zu bereiten.

Laut Verena Di Pasquale, kommissarische Vorsitzende des DGB Bayern, ist aktuell fast jede siebte Person in Bayern von Armut bedroht. „Einer der Gründe für die steigende Armut liegt in der Verwilderung des Arbeitsmarktes. Arm trotz Arbeit ist für viele Menschen im reichen Freistaat bittere Realität. Dabei muss es doch darum gehen, dass Beschäftigte mit ihrem Entgelt sich und ihre Familien ernähren können und auch die gesellschaftliche Teilhabe gesichert ist.“ Daher sei es Di Pasquale zufolge notwendig, aus dieser Krise zu lernen und den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Sicherheit und Perspektiven zu geben. „Dazu gehört, alle möglichen Hebel in Bewegung zu setzen, um die Tarifbindung in Bayern wieder deutlich zu erhöhen“, so Di Pasquale.

„Um Armut wirkungsvoll zu bekämpfen, braucht es neben der direkten finanziellen Unterstützung ein gut ausgebautes Netz an sozialen Diensten und Einrichtungen, das Menschen unterstützt, berät und entlastet“, ergänzt Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege und Vorständin des Paritätischen in Bayern. Armutsfeste soziale Sicherungssysteme und die soziale Infrastruktur seien zwei Seiten eines funktionierenden Sozialstaates. „Mit Blick auf die sozialen Folgen der Pandemie muss die soziale Infrastruktur erhalten und ausgebaut werden – trotz anstehender Sparhaushalte“, fordert Berndl.

Auch Ulrike Mascher, Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK Bayern, plädiert für einen starken Sozialstaat: „Die Pandemie-Monate haben deutlich gemacht, wie das öffentliche Pflege- und Gesundheitssystem in den vergangenen 30 Jahren an entscheidenden Stellen ‚kaputtgespart‘ wurde. Pflegerinnen und Pfleger brauchen bessere Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung. Der Eigenanteil für Pflegebedürftige in der stationären Pflege ist viel zu hoch. Und die zahlreichen pflegenden Angehörigen kommen zuhause körperlich, psychisch und finanziell an ihre Grenzen. Darüber hinaus können sich viele Menschen die Mieten nicht mehr leisten, es fehlt an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum. Unser dringender Appell an die Politik lautet: Überlassen Sie das Gesundheits- und Pflegesystem und den Wohnraum nicht dem freien Markt, sondern stärken Sie den Sozialstaat!“

Die gemeinsame Erklärung des Sozialen Netz Bayern sowie alle Materialien zur Online-Pressekonferenz finden Sie hier.

Hintergrund

Das Soziale Netz Bayern wurde 2004 gegründet und ist in seiner Art einzigartig. Von der Selbsthilfe über Familien- und Jugendorganisationen bis hin zu den großen Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Sozialverbänden wie VdK und Gewerkschaftsbund sind alle miteinander an einer Sache interessiert: sich für gute soziale Rahmenbedingungen der Menschen in Bayern einzusetzen. 16 Verbände, Organisationen und Initiativen sehen sich zum gemeinsamen Engagement verpflichtet, um der Ökonomisierung aller Lebensbereiche und dem Verlust an sozialer Gerechtigkeit entgegenzuwirken.

Weitere Informationen zum Sozialen Netz Bayern finden Sie hier.

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Presse Arbeit und Beschäftigung Bildung Familie Gesundheit Pflege Soziale Teilhabe und Armut Tue, 20 Jul 2021 14:46:59 +0200
Motivation, die beeindruckt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24308&cHash=2efd4d6a771110035879c6a1b1163501

]]> ]]> Was war Ihre größte Herausforderung im vergangenen Jahr?

Die größte Herausforderung war der Corona-Ausbruchs im Heim. Wir mussten sofort handeln und ein neues System entwickeln: neues Dienstplansystem, strengste Hygieneregelungen, Errichten einer Schleuse, tägliche Meldungen an Behörden, Verlegung von Bewohner*innen. Die Einführung von 12-Stunden-Schichten war eine immense Belastung.

Für mich war in dem Moment eine gute Mitarbeiterführung äußerst wichtig, d. h. keine Ängste zu zeigen, auf Augenhöhe mit den Mitarbeiter*innen zu bleiben, sie zu motivieren und Vertrauen zu geben, dass wir die Situation gemeinsam meistern. Mein Hauptziel war, dass so viele Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen wie möglich unbeschadet durch den Ausbruch kommen. Im Nachhinein betrachtet, hatte ich große Sorge, Fehler zu machen. Die Sorge um die Unversehrtheit von Bewohnern und Personal war eine extreme Belastung.

Was haben Sie gegen die soziale Isolation der Bewohner*innen gemacht?

Die individuelle Einzelbetreuung unserer Bewohner*innen fand uneingeschränkt statt. Im Zuge der Digitalisierung in der Pflege boten wir den Bewohnern und Angehörigen die Möglichkeit, über für diesen Zweck angeschaffte Laptops und Handys Videoanrufe durchzuführen. Manche Angehörige kamen vor die Fenster und Balkone, um ihre Lieben zu sehen. Es gab in unserer Einrichtung zu keinem Zeitpunkt eine totale soziale Isolation.

Trotz eines generell ausgesprochenen Besuchsverbotes wurde jeder Einzelfall individuell entschieden und Angehörige konnten so zum Beispiel Besuche wahrnehmen, um ihre Angehörigen in der letzten Phase zu begleiten oder Abschied zu nehmen.

Gab es auch schöne Momente in der Krise?

Es gab tatsächlich schöne Momente in dieser schlimmen Krise. Das schönste für mich war der Zusammenhalt und die Unterstützung der Mitarbeiter*innen. Die Zusammenarbeit, die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter*innen haben mich nachhaltig beeindruckt. Wir haben auf humorvolle Art gelernt, uns auch im Vollschutzanzug mit Visier und Brille gegenseitig zu erkennen. Ja, es wurde auch gelacht. Anders als in manch anderen Betrieben wurde uns sofort Schutzausrüstung in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt.

Wie geht das Team damit um, dass Bewohner*innen im Haus an Corona gestorben sind?

Natürlich ist jeder einzelne Tote zu viel. Mit sieben verstorbenen Bewohnern von 42 erkrankten blieben wir zumindest weit unter jeder Prognose. Den erkrankten Mitarbeiter*innen geht es mittlerweile wieder gut.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Ich wünsche mir qualifiziertes gutes Personal und dass das Ausbildungssystem nicht nach Quantität, sondern auf Qualität ausgerichtet ist. Die Zeit ist gekommen, auf politischer Ebene den Fachkräftemangel zu beheben und das aktuelle Gesundheitssystem zu ändern.

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Themen Ältere Menschen Gesundheit Corona Pflege Mon, 19 Jul 2021 15:47:02 +0200
Studie des Paritätischen belegt gewachsene Kinderarmut https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24280&cHash=0882185e09a6a973d6870a8c8f234104

]]> Die bestehenden sozialen Sicherungssysteme reichen nicht aus, um Kinderarmut effektiv zu verhindern, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband. Obwohl die Hartz-IV-Quoten sinken, wachse die Kinderarmut überdurchschnittlich, wie eine aktuelle Studie des Verbandes zeigt. Trotz verschiedener sozialpolitischer Reformen bspw. beim Kinderzuschlag seien Minderjährige mit einer Armutsquote von 20,5 Prozent im Vergleich zu anderen Altersgruppen überproportional von Armut betroffen. Der Paritätische fordert wirksame Maßnahmen zur Beseitigung von Kinderarmut, darunter u.a. die Einführung einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung.

In der aktuellen Studie der Paritätischen Forschungsstelle wird die Entwicklung der Kinderarmut in Deutschland über einen Zehn-Jahres-Zeitraum untersucht. Während weniger Kinder und Jugendliche Hartz IV-Leistungen bekommen, ist die Einkommensarmut gestiegen, so ein zentraler Befund: Rund 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche (20,5 Prozent) lebten inzwischen in Armut. Besonders hart und häufig treffe es unverändert Alleinerziehende und kinderreiche Familien. Insgesamt seien die Leistungen der Grundsicherung deutlich zu niedrig bemessen und ergänzende familienpolitische Maßnahmen nicht ausreichend, um Familien und Kinder effektiv vor Armut zu schützen, so die Kritik. „Jüngere Reformen bei Leistungen wie Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss holen zwar verstärkt Familien mit Kindern aus dem SGB-II-Bezug, aber sind mitnichten armutsfest”, erläutert der Autor der Studie Dr. Andreas Aust von der Paritätischen Forschungsstelle.

Die Studie, die auch Länder-Trends untersucht, belegt dabei eine konträre Entwicklung zwischen Ost- und Westdeutschland, bei starker regionaler Differenzierung. Während sich die Lage der Kinder und Jugendlichen in den neuen Bundesländern (ausgehend von sehr hohem Niveau) positiv entwickelt, wachsen die Probleme in verschiedenen westdeutschen Ländern wie Bremen, Hessen, Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen teilweise dramatisch. Gewarnt wird in der Studie zudem vor einer aktuellen Verschärfung der Lage, die sich (noch) nicht in den amtlichen Daten abbildet: Die Folgen der Corona-Pandemie belasteten gerade einkommensarme Familien zusätzlich, wie die Autoren skizzieren.

„Es ist beschämend und erschütternd, wie sich Kinderarmut in diesem reichen Land verschärft und verhärtet. Das Ausmaß und die Entwicklung der Armut von Kinder und Jugendlichen sind nicht nur besorgniserregend, sondern skandalös und ein Ausdruck armuts- und gesellschaftspolitischen Versagens”, so Dr. Joachim Rock, Leiter der Forschungsstelle sowie der Abteilung Arbeit, Soziales und Europa im Paritätischen Gesamtverband.

Der Verband fordert die Einführung einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung und einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit. Um Armut von Kindern und ihren Eltern wirksam zu beseitigen, müsse darüber hinaus sowohl am Arbeitsmarkt als auch bei der Grundsicherung angesetzt werden. Schließlich müssten auch Verteilungsfragen neu diskutiert werden: „Alle Maßnahmen, die geeignet sind, die Kluft zwischen arm und reich zu schließen, kommen auch Familien und damit Kindern zugute”, heißt es in der Studie.

Hier geht es zur Studie „Kein Kind zurücklassen. Warum es wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut braucht“.


Kontakt

Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen

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Presse Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Familie Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Thu, 15 Jul 2021 09:45:20 +0200
Mitgliederversammlung 2021: Verbandsrat neu gewählt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=14&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24278&cHash=8d8258815f0ab5eedd1e8b07509fc6b9

]]> Die Mitgliederversammlung des Paritätischen in Bayern, die erstmals virtuell tagte, hat einen neuen Verbandsrat gewählt. Der Verbandsrat wählt bei der konstituierenden Sitzung Ende Juli den Vorsitz und den stellvertretenden Vorsitz.

Wir gratulieren allen Mitgliedern herzlich zur Wahl und wünschen viel Erfolg bei der Arbeit. Den bisherigen Mitgliedern danken wir herzlich für die gute Zusammenarbeit!

Die neuen Mitglieder des Verbandsrates sind:

Irmgard Badura, ehemalige Bayerische Behindertenbeauftragte

Thomas Bannasch, LAG Selbsthilfe

Michael Bauer, Humanistische Vereinigung K.d.ö.R.

Norbert Blesch, Münchner Aidshilfe e.V.

Sabine Böhm, frauenBeratung Nürnberg

Eva Egartner, Supervisorin, ehem. Geschäftsführerin Condrobs e.V.

Sven Göpel, Ambulante BetreuungsDienst gGmbH

Barbara Mergenthaler, Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund

Christian Reisenberg, pro familia Ortsverband München e.V.

Heinz Rembor, Arbeiter-Samariter-Bund Kreisverband Coburg Land e.V.

Petra Ruf, Psychosoziale Hilfsgemeinschaft HOI! e.V.

Maria Schwarzfischer, SOS-Kinderdorf e.V.

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Presse Aus dem Landesverband Wed, 14 Jul 2021 14:02:32 +0200
10 Jahre BFD http://https://www.freiwilligendienste-bayern.de/10-jahre-bfd/

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Themen Zivilgesellschaft und Demokratie Tue, 13 Jul 2021 09:52:10 +0200
Virtual-Pride-Parade 2021 https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24227&cHash=8704b32b28a8d3e6ed1bdacff1f8c613

]]> ]]> Der CSD zählt zu den sichtbarsten Aktionen für eine vielfältige Gesellschaft: Jährlich sind viele Millionen Menschen in Deutschland und weltweit auf der Straße und demonstrieren für eine offene Gesellschaft und für LSBTIQ*- und Menschenrechte.

Die Corona-Pandemie hat die Durchführung des CSD bereits 2020 stark beeinträchtigt und tut es auch dieses Jahr. Flagge für Vielfalt, Respekt, Solidarität, Weltoffenheit und Gleichstellung zu zeigen, ist dennoch wichtig!

Mit ihrer Virtual-Pride-Parade haben der Arbeiter-Samariter-Bund NRW, der Paritätische Gesamtverband und der Lesben- und Schwulenverband gemeinsam den Gedanken der CSD-Demonstrationen deshalb ins Netz geholt und zu ihrer Onlineparade befreundete Organisationen und Initiativen eingeladen.

Auch der Paritätische in Bayern ist bei der Parade dabei mit der Wagennummer 25.

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Themen Queer Fri, 02 Jul 2021 21:31:39 +0200
Ehrenamt und Digitalisierung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7624

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Themen Digitalisierung Zivilgesellschaft und Demokratie Bürgerschaftliches Engagement Thu, 01 Jul 2021 17:24:24 +0200
Migrationsberatungen spielen eine zentrale Rolle für die Integration https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24194&cHash=11295345db262b4765a0e6b63afaa186

]]> Beratungsnetz muss ausgebaut werden

Wie für Alexandra sind für viele Menschen mit Migrationshintergrund Migrationsfachdienste seit fast 60 Jahren eine der wichtigsten Brücken zur Integration. „Das Beratungsnetz der Migrationsberatungsstellen in Bayern muss dringend ausgebaut werden, um den Bedarf an qualifizierter, unabhängiger und ortsnaher Beratung zu decken“, fordert Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern anlässlich des Aktionstages. Diese teilt die Forderung der Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege, das Bundesprogramm um mindestens zehn Millionen Euro aufzustocken. „Die Migrationsberatungsstellen brauchen Planungssicherheit. Sie spielen eine zentrale Rolle für das Gelingen von Integration“, so Berndl weiter.

Lange Wartezeiten, überarbeitete Fachkräfte

Vielerorts in Bayern – vor allem in den Ballungsgebieten, aber auch in den ländlichen Regionen – sind die Fachkräfte der MBE überlastet, und Ratsuchende müssen häufig lange Wartezeiten für eine Beratung in Kauf nehmen. Aus diesem Grund beteiligen sich Migrationsberatungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege Bayern am bundesweiten Aktionstag rund um den 30. Juni.

Seit 2005 gibt es die Migrationsberatungsstellen für erwachsene Zuwanderer der Freien Wohlfahrtspflege und des Bundes der Vertriebenen. Die Migrationsberatungsstellen sind der zentrale Beratungsdienst für bleibeberechtigte Migrantinnen und Migranten, der Integrationsmaßnahmen individuell und professionell koordiniert und begleitet.

Wie wichtig die Migrationsberatungsstellen für die Integration sind, zeigt das Beispiel von Alexandra. Sie arbeitet jetzt selbst als Beraterin bei der Migrationsberatungsstelle der Diakonie.

Aktionen in Bayern

Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, die Träger der meisten MBE sind, beteiligen sich mit diversen Angeboten rund um den Aktionstag, sowohl einzeln als auch im Verbund. Ein Beispiel für eine gemeinsame Aktion ist „Von der Migration zur Integration“, eine Kampagne der Wohlfahrtsverbände München in Kooperation mit dem Bund der Vertriebenen, der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sowie dem Internationalen Bund. Dazu gibt es einen virtuellen Rundgang: https://aktionstag2021.migmuenchen.de/index.html

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Tue, 29 Jun 2021 12:01:47 +0200
Paritätischer kritisiert Ausgrenzung armer Kinder https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24192&cHash=505122b4500987f676820325998c6bae

]]> Als beschämenden Ausdruck tiefer sozialer Ungleichheit bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute vorgestellten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, nach denen reiche Familien dreimal mehr für Lebensunterhalt und Teilhabe ihrer Kinder ausgeben als arme. Der Verband weist darauf hin, dass Kinder aus einkommensarmen Familien seit Jahren immer weiter abgehängt werden und von gleichwürdiger sozialer und kultureller Teilhabe ausgeschlossen sind. Neben einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung fordert der Verband flächendeckende Lernmittelfreiheit, die auch notwendige IT-Ausstattung beinhaltet, sowie einen Rechtsanspruch auf Angebote der Jugendarbeit.

"Es kann nicht angehen, dass Kinderarmut als gegeben hingenommen wird. Das, was für die Mehrheit Gleichaltriger selbstverständlich ist, bleibt armen Kindern aufgrund der Einkommenssituation ihrer Eltern versagt. Was es braucht, ist endlich eine beherzte Armutsbeseitigungspolitik”, fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Arme Familien seien gezwungen, notgedrungen an allem zu sparen, was über das physisch Überlebensnotwendige hinausgeht. “Das Gefühl nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt zu sein und abseits stehen zu müssen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland“, so Schneider.

Corona habe die bestehende Kluft u.a. angesichts fehlender technischer Ausstattung zur digitalen Teilhabe noch einmal schmerzhaft deutlich gemacht und verschärft. “Es fehlt armen Familien schon im normalen Alltag vorne und hinten an Geld, um den Kindern eine unbeschwerte Kindheit und ein Mindestmaß an Teilhabe zu ermöglichen, in der Pandemie hat sich die Not verschärft”, so Schneider.

Laut Statistischem Bundesamt sind die durchschnittlichen Konsumausgaben für ein Kind von 660 Euro (2013) auf 763 Euro (2018) pro Monat gestiegen. Die Ausgaben für Kinder bestehen unter anderem aus der materiellen Grundversorgung wie Ernährung, Bekleidung und Wohnen. Hierauf entfiel rund die Hälfte der Ausgaben für Kinder. Auf Freizeit, Unterhaltung und Kultur entfielen rund 15 % der Ausgaben. Während die ärmsten zehn Prozent der Familien im Schnitt 424 Euro für ein Kind ausgeben, geben die reichsten zehn Prozent der Familien im Schnitt 1200 Euro pro Kind aus.

 
Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
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Presse Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Tue, 29 Jun 2021 11:50:12 +0200
Kinder brauchen eine Lobby https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24189&cHash=124f9f74f1f14ad439ee3a813b8bc2fa

]]> ]]> Herr Kuhn, nach vielen Wochen ist jetzt der Präsenzunterricht an den Schulen wieder gestartet. Wie leicht oder schwer fällt es Kindern, an die Zeit vor dem Lockdown anzuknüpfen?

Ich denke, dass es älteren Kindern und Jugendlichen zumindest vom sozialen Aspekt her leichter fällt, wieder Anschluss zu finden. Dem gegenüber gibt es Klassenstufen, die kaum in Präsenz zusammen waren. Für diese Kinder ist es schwerer, sich wieder in das Gruppengefüge einzufinden. Für Kinder, bei denen soziale Kompetenzen gut ausgeprägt sind, ist das weniger ein Problem. Andere, die da Defizite haben, tun sich schwerer.

Dazu kommt der Druck, gegebenenfalls Lernstoff auf- und nachzuholen …

Ja, die inhaltlichen und formalen Herausforderungen kommen da noch oben drauf. Und da herrscht ja häufig auch noch Unklarheit, wer welche Leistungsnachweise bis zum Ende des Schuljahres erbringen muss oder kann. Was zusätzlich verunsichert.

Haben Sie den Eindruck, dass die Schulen ausreichend Ressourcen und Zeit haben, auf diese sehr verschiedenen und individuellen Probleme und Fragen der Schüler*innen einzugehen?

Das kann man nicht pauschal beantworten und wahrscheinlich hängt es auch einfach sehr stark vom jeweiligen Lehrer*in ab. Denn diese Aufgaben kommen ja zum normalen Schulalltag dazu. Und der war an manchen Schulen schon vor Corona herausfordernd oder vom Fachkräftemangel geprägt.

Ich habe schon den Eindruck, dass an vielen Schulen momentan im Vordergrund steht, dass alle erstmal wieder ankommen dürfen und geschaut wird, mit welchen Problemen, Lücken und Fragen die einzelnen Schüler*innen zurück an die Schulen kommen. Die Anforderungen an die Lehrer*innen sind definitiv nicht geringer geworden …

Wie hat sich die Pandemie psychisch auf Kinder und Jugendlichen ausgewirkt hat. Haben psychische Belastungen zugenommen?

Wir beobachten seit einigen Jahren, dass psychiatrische Krankheitsbilder unter Kindern und Jugendlichen zunehmen. Ob das auch daran liegt, dass schneller und öfter diagnostiziert wird, lässt sich schwer sagen. In der Pandemie sind die psychischen Belastungen für Kinder und Eltern gestiegen.

Was für Belastungen sind das?

Das sind zum Beispiel depressive Episoden oder Angststörungen. Für manche Kinder und Jugendliche – egal ob vorbelastet oder nicht - war da die Pandemie eine Art Beschleuniger bei der Entwicklung von psychischen Erkrankungen. Viele Kinder haben auch Angst vor Corona oder erleben und verinnerlichen die Angst der Eltern und Familien vor der Krankheit.

Halten Sie die Möglichkeiten der Schulen, auf diese Herausforderungen zu reagieren, sie aufzufangen für ausreichend?

Wir wussten ja, dass wir in diese Situation kommen. Und wenn man in die Zukunft schaut, wissen wir auch, dass wir wieder in die Situation kommen werden, wenn es im Herbst wieder Distanz- oder Wechselunterricht geben soll. Das Wichtigste, was ein*e Lehrer*in braucht, sind Zeit und eine gute Beziehung zu den Kindern. Dann kann man natürlich mit Beratungsstellen oder dem Jugendamt zusammenarbeiten. Aber auch das ist wieder ein zusätzlicher Aufwand.

Das Problem ist: Zuallererst sind Lehrer*innen ja in der Pflicht, den Lehrplan einzuhalten! Und da wird es dann zu einer Frage der Haltung, was ich als Lehrer*in in den Mittelpunkt stelle, wenn ich merke, ein oder mehrere Kinder kommen mit sozialen oder psychischen Problemen zurück in meine Klassen: das Wohlergehen des Kindes oder den Lernstoff?

Was wünschen Sie sich, damit wir im Herbst und einer möglichen 4. Welle nicht wieder in derselben Situation sind wie heute? Damit das Wohlergehen von Kindern nicht allein von den individuellen Ressourcen und Möglichkeiten einzelner Lehrer*innen abhängig ist. Es geht ja auch um Chancengerechtigkeit allen Kindern gegenüber …

Dazu muss der Fokus überhaupt erstmal auf den Bildungssektor gerichtet werden. Es braucht ein gesellschaftliches Bewusstsein und dann natürlich entsprechende Rahmenbedingungen und Mittel. Der Tenor momentan ist ja, dass man das mit dem Distanzunterricht doch eigentlich ganz gut hingekriegt hätte. Da fehlt aber komplett die Perspektive der Kinder! Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Und was wünschen Sie sich ganz konkret?

Es muss sichergestellt werden, dass die Kinder im Herbst in die Schule gehen können bzw. dass die Schulen zumindest immer mit einem Teil der Kinder regelmäßig im persönlichen Kontakt stehen. Mit Hygienekonzepten, Impfungen und Lüftungsanlagen. Aber auch der technischen Ausstattung für Online-Unterricht und Standards, wie so ein virtueller Unterricht bestenfalls aussehen sollte.

Klar, für Politik ist es auch nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen: So eine Pandemie ist keine komfortable Situation. Aber verschiedene Szenarien und zu den Szenarien verschiedene Pläne und Maßnahmen zu entwickeln -  das wäre wünschenswert.

Warum ist der persönliche Kontakt so wichtig?

Weil Lernen durch soziale Interaktionen und im sozialen Kontext geschieht. Virtuelle Interaktionen gehören da auch dazu. Aber virtuell bekomme ich den ganzen Menschen ja gar nicht mit, mit all den Sinnen, die ich dafür brauche.

Für ältere Kinder und Jugendliche ist die Peergroup ganz wichtig, um eine eigene Identität auszubilden und für die psychische Entwicklung und die Persönlichkeitsentwicklung. Die ist mit der Einschränkung von Kontakten auch eingeschränkt. Das ist also ein Lernschritt oder eine Entwicklungsaufgabe, die durch die Pandemie beeinträchtigt sein könnte. Bei kleineren Kinder funktioniert Lernen viel über Mimik und die Reaktionen anderer Menschen. Da sind die Masken einfach ein Problem.

Auch wenn wir die Auswirkungen noch nicht konkret kennen, wissen wir, dass die Kontaktbeschränkungen und fehlende persönliche Kontakte grundsätzlich nicht gut sind für Kinder. Deshalb sollten wir auch nicht auf die Analyse der Folgen warten, sondern jetzt Maßnahmen einleiten und präventiv arbeiten.

Vor welchen besonderen Herausforderungen standen denn Kinder und Jugendliche, für die das Leben schon vor Corona schwieriger als für andere war? Zum Beispiel in Ihren Wohngruppen?

Die Ausgrenzung, die schon vorher da war, hat sich durch Corona nochmal verschärft. Teilhabe ist noch schwerer geworden. Bei uns in der Einrichtung waren zeitweise Besuche gar nicht erlaubt. Da reicht es nicht, Menschen in prekären Lebenslagen mit Tablets oder Laptops zu versorgen. Man muss Sorge dafür tragen, dass sie mit anderen Menschen in Kontakt bleiben können.

Ist den Kindern und Jugendlichen in ihren Einrichtungen bewusst, was für einen tollen Teil sie dazu beigetragen haben, dass wir als Gesellschaft so gut durch die Pandemie gekommen sind? Wollen sie dafür jetzt auch mal gehört und mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden?

Da sage ich eher pessimistisch: Nein. Denn Kinder und Jugendliche tendieren ja eher dazu, zu kooperieren, sich an die Umwelt anzupassen, die Gegebenheiten zu akzeptieren, ihre Bedürfnisse zurückstellen.

Aber was passiert mit mir, wenn ich meine Bedürfnisse dauerhaft um- oder zurückstelle? Empfinde ich das dann irgendwann als „normal“?  Wie wirkt sich so etwas auf mich persönlich und das soziale Miteinander aus? Wir sind deshalb als Gesellschaft und Erwachsene gefordert, für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendliche wieder Raum zu schaffen und sie zu fördern. Kinder und Jugendliche brauchen eine starke Lobby, die sich für sie hinstellt und dafür sorgt, dass sie gehört und beteiligt werden.

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Themen Bildung Corona Kinder und Jugend Mon, 28 Jun 2021 10:13:56 +0200
Wo ist die Perspektive? https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24182&cHash=c0bb20f775a1b8515c6ca755c9d7c25b

]]> Foto: Adobe Stock.com DGC]]> Sabine Bethge ist Erzieherin in einer heilpädagogischen Jugendwohngruppe Fürth unserer Mitgliedsorganisation vsj. In der Wohngruppe leben derzeit vier Jungen und drei Mädchen zwischen 14 bis 24 Jahren.

Sabine Bethge sagt, die Jugendlichen werden scheu, sie „können sich nicht mit anderen ausprobieren.” Die Jugendlichen halten sich an die Regeln, aber für sie ist nicht nachvollziehbar, warum sie mit vielen anderen Menschen in der U-Bahn sitzen, aber nicht zwei Freunde treffen dürfen. „Also muss man U-Bahn fahren, um seine Freunde zu treffen?"

Quarantäne – für die Jugendlichen schier unaushaltbar

Besonders schwierig gestaltet sich der derzeitige Alltag, wenn Jugendliche in häuslicher Quarantäne sind. Die elf Quadratmeter großen Einzelzimmer dürfen in diesem Fall für die Quarantänezeit nicht verlassen werden, ausgenommen ist der Gang ins Badezimmer. Toilettengänge müssen telefonisch angekündigt werden, um sicherzustellen, dass sich niemand auf dem Gang aufhält. Das Badezimmer wird danach komplett desinfiziert. Sabine Bethge leidet mit: „Für die Jugendlichen ist das schier unaushaltbar. Sie haben nicht mal Hofgang.”

Besondere Herausforderung: Homeschooling

Das Homeschooling stellt die stationären Einrichtungen vor besondere Herausforderungen. In der Regel ist am Vormittag kein oder nur wenig Personal in den Einrichtungen, denn die Jugendlichen sind normalerweise in der Schule. Findet Distanzunterricht statt, sind alle Jugendlichen in den Wohngruppen und müssen nicht nur betreut, sondern auch beim Lernen angeleitet und begleitet werden, zu Lasten der Verwaltungstätigkeiten, die sonst am Vormittag erledigt werden. Ein*e Betreuer*in betreut dann acht Schüler*innen aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen und Schularten, die mit verschiedenen Lernplattformen arbeiten.

In Bayern wurde für diese Fälle die sogenannte 10%-Regelung geschaffen oder alternativ die Bezahlung nach Fachleistungsstunden. Die so finanzierten zusätzlichen Personalressourcen sind jedoch lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, da bei weitem nicht alle Kinder und Jugendlichen adäquat im Homeschooling betreut und unterstützt werden können. Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen sind dadurch benachteiligt und werden von der gleichberechtigten Teilhabe an Bildung ausgeschlossen.

Perspektivlosigkeit macht sich breit

Besonders schwierig wird auch die Situation der Jugendlichen am Übergang ins Berufsleben gesehen. Zukunftsängste und Perspektivlosigkeit machen sich breit. Jugendliche schreiben 50 Bewerbungen ohne überhaupt eine Antwort zu erhalten. Die Jugendlichen „wünschen sich nichts mehr, weil sie sich nichts mehr vorstellen können.” Es entsteht der Eindruck, dass die Politik die Jugendhilfe einfach nicht auf dem Radar hat. Dies muss sich besonders im Hinblick auf die Bedarfe und Bedürfnisse der jungen Menschen ändern. Das Resümee der Einrichtungsleitung: „Wir klauen ihnen die Jugend.”

Stationäre Jugendhilfe wird vergessen

Nicht nachvollziehbar ist für Sabine Bethge der Umgang mit den Impfpriorisierungen. „Warum sind Erzieherinnen in den Kindertagesstätten und Grundschullehrerinnen in der Prio-Stufe 2 und das Personal in der Jugendhilfe Stufe 3? Wir sind 24 Stunden mit den Kindern und Jugendlichen auf engsten Raum zusammen.” Angesichts der Testpflicht in Schulen ist nicht nachvollziehbar, warum die Bewohner*innen und Beschäftigten in den Einrichtungen der Jugendhilfe nicht regelmäßige Tests durchführen sollen bzw. diese nicht refinanziert sind. Die Jugendhilfe wurde in der Testverordnung nicht aufgenommen. Die Versorgung mit Schutzmaterialien verlief ebenso sehr schleppend.

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Themen Corona Kinder und Jugend Thu, 24 Jun 2021 16:17:55 +0200
In der Wartehalle https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=23&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24175&cHash=d45a029114896f3a541bb07cff4e4542

]]> Foto: Adobe Stock.com tryama]]> „Wir bleiben zu Hause.” Das war die Devise im März 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie um vulnerable Personengruppen wie zum Beispiel ältere Menschen zu schützen. Die junge Generation verschwand dabei jedoch fast völlig aus dem Blickfeld. Im Laufe der Pandemie wurden die Rufe zwar lauter, Kindergärten und Schulen wieder zu öffnen, damit Eltern ihrer Berufstätigkeit nachgehen können. An die Bedarfe und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wurde dabei aber nur nachrangig gedacht.

Besonders Jugendliche bleiben mit ihren Bedürfnissen in der Coronakrise weitgehend ungesehen: Sie werden eher in ihrer Rolle als Schüler*innen, Student*innen oder Auszubildende wahrgenommen, nicht aber mit ihren persönlichen Bedürfnissen und Anliegen. Verschiedene Studien haben Kinder und Jugendliche während der Corona-Krise in den Fokus genommen. Die Ergebnisse sind alarmierend: Laut der COPSY-Studie zeigt fast jedes dritte Kind zwischen sieben und 17 Jahren psychische Auffälligkeiten.

Dabei sind Jugendliche nicht gleich Jugendliche. Ihre Betroffenheit durch die Pandemie variiert je nach Elternhaus. Es gibt Familien, die sich corona-bedingt in einer noch größeren finanziellen Unsicherheit befinden als ohnehin schon und solche, die davon weniger betroffen sind. Besondere Risikofaktoren sind Alleinerziehende, Familien, die beengt wohnen, ein geringes Bildungsniveau oder niedrigen sozioökonomischem Status haben. Besonders betroffen sind auch Jugendliche mit vielen Geschwistern und ohne digitale Teilhabemöglichkeit. Einige genießen jedoch die Zeit in der Familie und fühlen sich durch das Homeschooling eher vom schulischen Druck befreit und nicht benachteiligt.

Manche Jugendliche tauchen in keinem System mehr auf

Auffällig ist, dass besonders Förderschüler*innen, junge Wohnungslose, Schulabgänger*innen ohne Abschluss, die in keinem System mehr auftauchen und keine Ausbildung gefunden haben, völlig aus dem Blickfeld geraten. Hilfeketten sind teilweise abgerissen, niedrigschwellige Angebote geschlossen, Ansprechpartner*innen nicht mehr da – und das in einer Entwicklungsphase des Lebens, in der die Jugendlichen besonders vulnerabel sind. Für sie braucht es zum Beispiel gute Angebote der Jugendberufshilfe, um den Jugendlichen wieder Perspektive und Hilfe am Übergang in ein selbstständiges Leben zu geben.

Was Jugendliche bewegt

Nach über einem Jahr Pandemie, mitten in der dritten Welle, haben wir zwei junge Volljährige gefragt, wie es ihnen heute geht. Marla und Katharina haben uns erzählt, wie sie die pandemiebedingten Einschränkungen wahrnehmen. Beide leben in einer stationären Wohngruppe des Vereins für sozialpädagogische Jugendbetreuung e.V. (vsj). Marla macht derzeit Mittlere Reife. Katharina hat aufgrund der Corona-Pandemie ihren Ausbildungsplatz verloren. „Ich bin durch den Online-Unterricht immer schlechter geworden und habe dann meine Ausbildungsstelle verloren”, sagt sie.

Freund*innen nicht treffen zu können, nur wenige „legale” Freizeitmöglichkeiten zu haben, Ängste und Zukunftssorgen: Darunter leiden viele Jugendliche. Es sei wie in einer Wartehalle, bei der man aber nicht weiß, wann man dort wieder abgeholt wird. Marla und Katharina sind in der stationären Wohngruppe noch zusätzlich eingeschränkt. Sie dürfen keinen Besuch empfangen, die Betreuer*innen tragen ständig eine Mund- und Nasenbedeckung, müssen auf Abstand bleiben, und es finden keine gemeinsamen Unternehmungen mehr statt. „Da die Betreuer*innen Masken tragen müssen, hat man nicht das Gefühl, zu Hause zu sein. Das Maskentragen wirkt sich auch auf die Beziehung zwischen Jugendlichen und Betreuer aus. Wir werden von ihnen nicht mehr in den Arm genommen.”, sagen beide Mädchen. Den Sinn und Zweck der nächtlichen Ausgangssperre versteht niemand so recht, und diese wird auch stark kritisiert. „Aufgrund der Ausgangssperre habe ich mit den wenigen Freunden, die ich noch sehen darf, noch weniger Kontakt.”, sagt Katharina.

Auf die Frage nach ihren Wünschen müssen sie nicht lange nachdenken. „Ich wünsche mir, dass mich mein Freund nach einem negativen Test besuchen darf. Wir sind seit zwei Jahren zusammen, und es ist verdammt hart so eine Beziehung zu führen.”, sagt Marla. Katharina wünscht sich, dass es für Jugendliche außerhalb der Familie eine feste Person gibt, mit der sie sich immer treffen dürfen, egal wie spät es ist oder wie hoch die aktuellen Inzidenzzahlen sind.

Die Rechte der Kinder und Jugendlichen dürfen in der Pandemie nicht in Vergessenheit geraten. Auch wenn Minderjährige noch keine Wählerstimme haben, ist die Politik aufgefordert, die Bedürfnisse und Bedarfe dieser Zielgruppe nicht außer Acht zu lassen.

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Themen Bildung Corona Kinder und Jugend Wed, 23 Jun 2021 18:18:44 +0200
Klimaschutzgesetz: Paritätischer und BUND kritisieren Eckpunkte als halbherzig https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24169&cHash=5641bc7c9c374d3e7053b459a5d2d206

]]> Die von der Großen Koalition vereinbarten Eckpunkte für eine Reform der Klima- und Energiepolitik stoßen auf deutliche Kritik von Paritätischem Wohlfahrtsverband und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). So seien die Vorschläge klimapolitisch unambitioniert, zudem fehle jeglicher sozialer Ausgleich. Echter gesellschaftlicher Umbau sei nur möglich, wenn man ökologischen Umbau, Naturschutz, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammen denke. Ohne soziale Komponenten zur Flankierung eines Klimaschutzgesetzes, von der Grundsicherung bis zum Wohnen, drohe eine neuerliche Vertiefung der sozialen Spaltung in unserem Land, warnen die Verbände.

“Es ist schon bezeichnend, dass jedwede sozialpolitische Flankierung fehlt. Natur- und Umweltschutz und eine echte sozial-ökologische Wende funktionieren nur dann, wenn alle Menschen mitgenommen werden und niemand zurückgelassen wird. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Vernunft. Ein Klimaschutzgesetz, das soziale Fragen ignoriert, ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Es wird keine Mehrheit in der Bevölkerung finden”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. “Es wäre fatal, wenn am Ende Umweltschutz- gegen Sozialpolitik ausgespielt werden. Es geht nur zusammen – sozial und ökologisch und daher dulden wir auch keine halbherzigen Kompromisse weder sozial noch ökologisch”, so Schneider.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt: “Auch mit der Eckpunkte-Einigung fehlt es an Maßnahmen, die die neuen Klimaschutzziele erreichbar machen. Diese Bundesregierung überlässt diese Aufgabe der nächsten. Damit verliert der Klimaschutz wichtige Monate. Gleichzeitig zerredet Unions-Kanzlerkandidat Laschet wichtige Klimaschutz-Maßnahmen wie einen höheren CO2-Preis. Union und SPD schaffen aktuell keine Einigung zur Aufteilung eines höheren CO2-Preises zwischen Mietern und Vermietern, verständigen sich aber auf eine finanzielle Entlastung von betroffenen Unternehmen. Das ist klimaschädlich und unsozial.”

Der Paritätische hat zusammen kürzlich mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die “Zukunftsagenda für die Vielen” vorgelegt, ein politisches Programm für den konsequenten Aufbruch in eine ökologisch und sozial gerechte Republik. In dem detaillierten Forderungskatalog fordern die Verbände ein entschlossenes Umsteuern der Politik, um unter anderem das 1,5 Grad-Klimaziel zu erreichen, sowie flankierende Maßnahmen für soziale Sicherheit und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Unter anderem sprechen sie sich etwa für eine Anhebung des CO2-Preises auf zunächst 50 Euro pro Tonne aus bei voller Rückgabe an die Bevölkerung über einen Pro-Kopf-Ökobonus.

Die Zukunftsagenda sowie weitere Infos zum Thema unter: https://www.der-paritaetische.de/themen/bereichsuebergreifende-themen/klimaschutz/

Gwendolyn Stilling

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Tue, 22 Jun 2021 18:14:02 +0200
Organisationen fordern die Fortsetzung der Aufnahme Geflüchteter aus Griechenland https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24081&cHash=3e02659f544af101e4e3c2ae1e6a154c

]]> Mit der Erklärung "Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland fortsetzen – Hotspot-Experiment beenden!" haben sich anlässlich der heutigen Sitzung des EU-Rats der Justiz- und Innenminister*innen der Paritätische Gesamtverband und 13 weitere Organisationen an die Bundesregierung gewandt und appellieren eindringlich, die Aufnahmen Geflüchteter aus Griechenland fortzusetzen und das Hotspot-Experiment endgültig zu beenden.

„Die Lebensumstände der Geflüchteten in den Hotspots auf den griechischen Inseln sind weiterhin katastrophal. Die Aufnahme von schutzbedürftigen Menschen aus den griechischen Flüchtlingslagern muss weitergehen", fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Mit großer Sorge sehen die unterzeichnenden Organisationen insbesondere den Bau quasi-geschlossener Zentren an den EU-Außengrenzen, die von der EU-Kommission und Griechenland als “Pilot-Projekte” vereinbart wurden. Diese nehmen die im „Neuen Migrations- und Asylpaket“ von der EU-Kommission vorgeschlagenen Pläne, die eine Ausweitung und eine verpflichtende Durchführung von Grenzverfahren vorsehen, vorweg. Kerstin Becker, Referentin für Flüchtlingshilfe beim Paritätischen, kommentiert: „Die Erfahrungen in Griechenland haben uns gelehrt: faire Asylverfahren und menschenwürdige Unterbringung sind an den europäischen Außengrenzen nicht möglich – Asylverfahren an den Grenzen muss endlich eine klare Absage erteilt werden.“

Die gemeinsame Erklärung wurde unterzeichnet von: PRO ASYL, Caritas, Diakonie Deutschland, Amnesty International, Save the children, Ärzte ohne Grenzen, Der Paritätische Gesamtverband, Equal Rights beyond borders, Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland, terre des hommes, Ärzte der Welt, World Vision, AWO, und Deutscher Anwaltsverein/ Arbeitsgemeinschaft Migrationsrecht.

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Tue, 08 Jun 2021 09:33:00 +0200
Für alle, nicht die Wenigen: Warum wir unsere Zukunft nicht den Märkten überlassen dürfen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24056&cHash=9f0ef74b90c69846fd9a7b73d095efa2

]]> „Für alle, nicht die Wenigen“, das Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband, Melanie Weber-Moritz vom Deutschen Mieterbund und Olaf Bandt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland heute in Berlin in der Landesvertretung Baden-Württemberg vorgestellt haben.

„Auf einem Markt, den Profitmaximierung und Konkurrenzdenken beherrschen, geraten sowohl der Mensch als Individuum wie auch die kollektiven Güter, die er zum Leben braucht, aus dem Blick“, mahnte Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Zu diesen Gütern gehörten soziale Sicherheit, bezahlbarer Wohnraum, ein gutes Gesundheitssystem, eine selbstbestimmte Arbeit, eine möglichst intakte Umwelt und nicht zuletzt die Möglichkeit, seine Existenz in einem kulturell vielfältigen Gemeinwesen selbst zu gestalten. „Die neoliberale, an Profitmaximierung und Konkurrenz orientierte Wirtschaftsweise folgt politischen Entscheidungen und ist weder natur- noch gottgegeben und schon gar nicht alternativlos.“

Das gilt besonders auch für den Bereich Wohnen: „Die Mieten in Deutschland stiegen auch im Krisenjahr 2020 ungebremst, trotz Corona-Pandemie, Wirtschaftsabschwung und Kurzarbeit“, so Melanie Weber-Moritz, Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbundes. „Angesichts steigender Mieten und sinkender Sozialwohnungsbestände brauchen wir dringend einen großen gemeinnützigen Sektor mit dauerhaft preisgebundenen Wohnungen, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Damit Menschen mit niedrigen Einkommen keine Angst mehr haben müssen, ihr Dach über dem Kopf zu verlieren.

Olaf Bandt ist Vorsitzender des BUND und rückt die sowohl ökologischen als auch sozialen Verwerfungen in den Fokus, die der Klimawandel mit sich bringt. Er fordert: „Für eine ökologische und gerechte Republik braucht es einen aktiven Staat und aktive Bürger*innen. Wir treten für eine Neuordnung von Verantwortung und Gestaltungswillen im Verhältnis zwischen Markt, Staat und Gesellschaft ein.“

Das Buch „Für alle, nicht die Wenigen“ erscheint kommenden Montag im Westend Verlag und zeigt eindrücklich, warum wir unsere Zukunft nicht den Märkten überlassen dürfen. Ulrich Schneider hat namhafte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Gesundheit, Kultur, Energie, Verkehr und Landwirtschaft versammelt, die die Grenzen eines profitorientierten Wirtschaftens aufdecken und Alternativen aufzeigen: Dierk Hirschel, Olaf Bandt, Elisabeth Fresen, Melanie Weber-Moritz, René Mono, Olaf Zimmermann, Mara Dehmer, Joachim Rock, Rolf Rosenbrock und Cornelia Harrer.

Pressekontakt: Rüdiger Grünhagen, Westend Verlag GmbH, presse@westendverlag.de  –  Telefon: 069 / 2475018-10  –  Fax: 069 / 2475018-20

Zitate der Autorinnen und Autoren

„Auf einem Markt, den Profitmaximierung und Konkurrenzdenken beherrschen, geraten sowohl der Mensch als Individuum wie auch die kollektiven Güter, die er zum Leben braucht, aus dem Blick. Zu diesen Gütern gehören soziale Sicherheit, bezahlbarer Wohnraum, ein gutes Gesundheitssystem, eine selbstbestimmte Arbeit, eine möglichst intakte Umwelt und nicht zuletzt die Möglichkeit, seine Existenz in einem kulturell vielfältigen Gemeinwesen selbst zu gestalten. Die neoliberale, an Profitmaximierung und Konkurrenz orientierte Wirtschaftsweise folgt politischen Entscheidungen und ist weder natur- noch gottgegeben und schon gar nicht alternativlos.“
Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.

„Die Mieten in Deutschland stiegen auch im Krisenjahr 2020 ungebremst, trotz Corona-Pandemie, Wirtschaftsabschwung und Kurzarbeit. Angesichts steigender Mieten und sinkender Sozialwohnungsbestände, brauchen wir dringend einen ausreichend großen gemeinnützigen Sektor mit dauerhaft preisgebundenen Wohnungen, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und zu erhalten. Eine neue Wohnungsgemeinnützigkeit bildet den notwendigen Rahmen für kommunale Unternehmen, Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Unternehmen und ist der Gegenentwurf zum rein profitorientierten frei finanzierten Wohnungsmarkt. Damit Menschen mit niedrigen Einkommen keine Angst mehr haben müssen ihr Dach über dem Kopf zu verlieren.“
Melanie Weber-Moritz, Bundesdirektorin des Deutschen Mieterbundes

„Für eine ökologische und gerechte Republik braucht es einen aktiven Staat und aktive Bürger*innen. Wir treten für eine Neuordnung von Verantwortung und Gestaltungswillen im Verhältnis zwischen Markt, Staat und Gesellschaft ein.“
Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

„Nach der Pandemie gilt: Geht nicht, gibt's nicht! Sozial-ökologischer Fortschritt ist eine Frage des politischen Willens und nicht des Kassenstandes.“
Dierk Hirschel, Chefökonom der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

„Die Genossenschaft, eine Organisationsform, die wir ganz besonders häufig auf dem Land antreffen – schließlich kommt sie ja auch von dort – scheint uns immer noch eine ganz besonders geeignete Rechtsform zu sein, um neoliberaler Profitorientierung etwas entgegenzusetzen. Sie stärkt Selbstwirksamkeit, Teilhabe und Eigensinn.“
Mara Dehmer (Paritätischer Gesamtverband) und Cornelia Harrer (Landesverband NRW) 

„Alle gesellschaftlichen Bereiche, auch die Kultur, sind in den letzten Jahrzehnten unter immer stärkeren ökonomischen Druck geraten. Die Einladung von Ulrich Schneider an Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Gesundheit, Energie, Verkehrs, Landwirtschaft und Kultur, in seinem Buch zu schreiben, birgt die große Chance, dass wir uns in der Zukunft gemeinsam gegen diese zügellose Marktorientierung wenden. Das Buch kann deshalb mehr sein als nur die Beschreibung der Situation, es kann zur Aktion werden.“
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat

„410,8 Milliarden Euro, das sind 4.944 Euro je Einwohner*in , wurden im Jahr 2019 in Deutschland für Gesundheit ausgegeben. Das Geld reicht sicherlich, um eine gut erreichbare, vollständige und hochwertige Versorgung für wirklich alle Menschen in Deutschland zu finanzieren. Tatsächlich aber führen eine nicht auf Qualität und Menschlichkeit gerichtete Konkurrenz auf allen Ebenen, kurzatmiges Kostendenken und eine weit verbreitete Raffgier dazu, dass dieses alte und große Versprechen immer noch nicht eingelöst wird.“
Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wed, 02 Jun 2021 10:38:06 +0200
Pflege: Paritätischer kritisiert Pläne der Großen Koalition als “Mogelpackung” https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=01&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24053&cHash=a3e71c94e20fb5d5577ef3124381ed3a

]]> Äußerst scharfe Kritik übt der Paritätische Wohlfahrtsverband an dem vorliegenden Gesetzentwurf für eine Pflegereform. Die Vorschläge der Großen Koalition seien ein “fauler Kompromiss” und der Gesetzentwurf eine “Mogelpackung”. Es fehle nachwievor eine wirksame Regelung zur Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten, die alle Betroffenen wirklich entlaste. Auch der Kompromiss zur Entlohnung von Pflegekräften falle weit hinter die Ankündigungen zurück, kritisiert der Verband.

Der aktuelle Gesetzesentwurf sehe weder eine Begrenzung, noch eine Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten vor. Stattdessen werde lediglich ein Zuschuss angekündigt, der zudem nur an langjährige Heimbewohner*innen gehen soll. “Dieser Kompromiss ist fachlich, politisch und ethisch unzumutbar”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. “Es ist für uns nicht tragbar, dass Heimbewohner*innen mit kürzerer Lebenserwartung völlig außen vor bleiben sollen.”

Auch was die tariflichen Regelungen angeht, bewertet der Paritätische den Gesetzentwurf als halbherzig. Im Unterschied zum ursprünglich von Arbeitsminister Hubertus Heil angestrebten Modell eines einheitlichen Mindesttarifs für die Pflege würde mit den aktuellen Vorschlägen ein Flickenteppich im System der Entlohnung entstehen.

“Die Zeit ist überreif: Wir brauchen eine echte Reform und keine halbherzigen Trippelschritte”, so Schneider. Der Paritätische bekräftigt seine Forderung nach einer Vollkaskoversicherung als Bürgerversicherung, die das Risiko der Pflegebedürftigkeit wirksam absichert. Übergangsweise fordert der Verband eine Begrenzung des Eigenanteils in Höhe von 15 Prozent, die Pflegekassen sollen stattdessen stärker in die Pflicht genommen werden.

Gwendolyn Stilling

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Ältere Menschen Gesundheit Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Tue, 01 Jun 2021 14:48:06 +0200
Tag der Nachbarschaft https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=25&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24025&cHash=3e9d7bb13ea3a502d149ae1bf2a3084f

]]> ]]> Wie hat sich die Arbeit der Nachbarschaftshilfen im letzten Jahr durch die Pandemie verändert?

Die Pandemie hat die Bedeutung sozialer und pflegerischer Dienste und die Systemrelevanz ihrer Beschäftigten mit einem Paukenschlag ins Bewusstsein aller gerückt. In der Kinderbetreuung, Pflege und Versorgung älterer und behinderter Menschen haben viele Nachbarschaftshilfen notwendige soziale Infrastruktur weiterhin sichergestellt. Schwieriger dagegen war und ist die Situation im bürgerschaftlichen Engagement. Die 15 Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Nachbarschaftshilfen im Landkreis München verzeichnen im Jahr 2020 einen Rückgang der ehrenamtlich geleisteten Stunden um etwa ein Drittel. Aus Furcht vor einer Infektion standen viele Ehrenamtliche nicht mehr zur Verfügung, viele Angebote konnten während der Lockdowns ja auch gar nicht durchgeführt werden. Das betraf vor allem die offenen Treffs, Veranstaltungen aber auch die niedrigschwelligen Angebote für alle Altersgruppen. Insgesamt ist die Arbeit durch die spezifischen Anforderungen deutlich mehr geworden und ich beobachte bei vielen eine Flexibilisierung des persönlichen Arbeitsstils. Wir arbeiten heute an mehreren Orten, zu diversen Zeiten, mit ganz unterschiedlichen Arbeitsmitteln.

Wo liegt heute der Schwerpunkt in der Arbeit der Nachbarschaftshilfe?

Es gilt die große Zäsur „Corona“ zu überwinden und zurück zu einer gewissen Normalität zu finden. Langsam starten wieder die Angebote, die nicht oder nur eingeschränkt möglich waren. Nach den Pfingstferien werden alle Kinder hoffentlich zurück in die Regelbetreuung können und auch unsere ehrenamtlichen Aktivitäten nehmen wieder an Fahrt auf. Gleichzeit planen wir in Taufkirchen Events und Sonderaktionen für die nächsten Monate. Soweit möglich, soll es ein wunderbarer Sommer mit Zuversicht, Anregungen und schönen Gemeinschaftserlebnissen in der Nachbarschaftshilfe werden.

Was ist derzeit Ihre größte Herausforderung?

Pflegefachkräfte zu finden, ist schon lange eine der größten Herausforderungen und ist mutmaßlich noch schwieriger geworden. Viele Mitarbeitende im Pflege- und Gesundheitsbereich sind ausgebrannt und von der Politik frustriert. Auch wenn wir in unserem Pflegedienst ein tolles Team haben und sehr gute Konditionen anbieten, können auch wir nur schwer gegen diesen Trend ankommen. Hier fordere ich die politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen auf, aktiv zu werden, sei es bezahlbare Wohnungen zu ermöglichen oder die Pflegeausbildung so zu gestalten, dass die Zugänge für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe leichter werden. Die neue, generalistische Pflegeausbildung hält dieses Versprechen im ambulanten Sektor leider nicht.

Sind Ehrenamtliche „weggebrochen“? Wie lassen sich diese wieder erreichen? Wird sich das Ehrenamt durch die Pandemie weiter verändern?

Ja natürlich, manche Ehrenamtlichen haben die Unterbrechung genutzt, um sich ganz zu verabschieden, Gruppen haben sich aufgelöst, Menschen haben sich umorientiert. Aber die beliebten Angebote, die gut liefen und einen gewichtigen Bedarf aufgreifen, werden wiederkommen. Da stehen ganz viele schon in den Startlöchern.

Gleichzeitig ist im letzten Jahr viel Neues entstanden und wir konnten gerade auch jüngere Engagierte für die verschiedenen, projektbezogenen Corona-Hilfsangebote wie Einkäufe, Impffahrten oder Telefonpatenschaften gewinnen. Viele davon sind noch aktiv und wir hoffen, einige auch längerfristig an die Nachbarschaftshilfe zu binden.

Im März startete unsere Lernaktion „Lücken schließen“. Mittlerweile unterstützen unsere Ehrenamtlichen knapp 20 Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen, die Resonanz ist ausgesprochen positiv, das Thema brennt einfach.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft viele unterschiedliche Menschen für das Engagement in der Nachbarschaftshilfe begeistern können und wieder viele bei uns mitmachen werden. Wir alle sehnen uns nach analogen Begegnungen und die Nachbarschaftshilfen sind wunderbare Anlaufstellen, um andere Menschen zu treffen und gemeinsam etwas Sinnvolles zu bewegen.

Stichwort Digitalisierung. Was geht besser digital? Was sollte analog bleiben?

Digitalisierung ist für mich immer dort sinnvoll, wo es um die Organisation von Arbeit geht. Wir alle haben es schätzen gelernt, uns unkompliziert digital vernetzen zu können und über schnelle Kanäle zu kommunizieren. Ich sehe auch keinen Gegensatz zum Analogen. Begegnungen und Beziehungen sind etwas ganz Anderes, hier wird der direkte, persönliche Kontakt auch in Zukunft eine große Rolle spielen.

Was war der schönste Moment im letzten Jahr?

Besonders berührt hat mich unsere Weihnachtsaktion für bedürftige und von Einsamkeit bedrohte ältere Menschen. Das war ja in der Zeit, als die Inzidenzen besonders hoch waren und Weihnachten diesmal für viele ganz anders war. Wir hatten 20 Geschenke mit wirklich hübschen Überraschungen für Leib und Seele liebevoll gepackt. Das hat nochmal die wirklich wichtigen Themen vor Augen geführt. Am Ende ist es ganz einfach: Anderen helfen zu können, macht selbst glücklich.

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Themen Zivilgesellschaft und Demokratie Tue, 25 May 2021 21:24:21 +0200
Zukunftsagenda für die Vielen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24001&cHash=906c01d4f525070743aa071228fb2ad0

]]> Mit einer Neun-Schritte-Zukunftsagenda legen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Paritätische Gesamtverband zum Auftakt des Bundestagswahlkampfes ein politisches Programm für den konsequenten Aufbruch in eine ökologisch und sozial gerechte Republik vor. Ein echter gesellschaftlicher Umbau ist nur möglich, wenn man ökologischen Umbau, Naturschutz, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammen denkt. Beide Verbände fordern ein entschlossenes Umsteuern der Politik, um unter anderem das 1,5 Grad-Klimaziel zu erreichen, sowie flankierende Maßnahmen für soziale Sicherheit und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. In ihrer detaillierten „Zukunftsagenda für die Vielen“ sprechen sich die Verbände etwa für eine Anhebung des CO2-Preises auf zunächst 50 Euro pro Tonne aus bei voller Rückgabe an die Bevölkerung über einen Pro-Kopf-Ökobonus.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Paritätischer Gesamtverband: „Natur- und Umweltschutz und eine echte sozial-ökologische Wende funktionieren nur dann, wenn alle Menschen mitgenommen werden und niemand zurückgelassen wird. Hier kommen enorme Anstrengungen und eine gigantische Umverteilung auf uns zu, die es aber konsequent und solidarisch zu stemmen gilt. Es wäre fatal, wenn Umweltschutz- gegen Sozialpolitik ausgespielt werden. Es geht nur zusammen – sozial und ökologisch und daher dulden wir auch keine halbherzigen Kompromisse weder sozial noch ökologisch. Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Vernunft. “

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Die Corona-Krise hat soziale Schwachstellen unserer Gesellschaft offengelegt. Spätestens seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist auch der fehlende politische Wille der Bundesregierung für einen ökologischen Umbau unserer Gesellschaft belegt. Dies zu erleben war für unsere Mitglieder eine einschneidende Erfahrung. Sollte sich dieser Trend weiter fortsetzen, sehen wir die reale Gefahr, dass sich viele Menschen aus den demokratischen Prozessen verabschieden. Daher machen wir deutlich: Wie es ist, darf es nicht bleiben! Wir werben bei den demokratischen Parteien und ihren Kandidat*innen mit unserer ‚Zukunftsagenda für die Vielen‘ für eine mutige Vision. Gemeinsam wollen wir bei der anstehenden Bundestagswahl den Aufbruch in eine ökologische und sozial gerechte Republik einleiten.“

Mit ihrer Vision einer ökologischen und sozial gerechten Republik umschreiben beide Verbände den Bruch mit dem Politikstil der aktuellen Bundesregierung aber auch vieler Landesregierungen. Sie appellieren an die demokratischen Parteien und Kandidat*innen für den Deutschen Bundestag Klimakrise, das Massenaussterben von Arten und die massiven sozialen Schieflagen endlich ernst zu nehmen und Lösungen zu präsentieren, die dem Ausmaß dieser Krisen gerecht werden. Gemeinsam wollen die Organisationen in den kommenden Monaten bis zur Bundestagswahl dazu beitragen, dass keine künftige Bundesregierung, gleich welcher Konstellation, die Frage nach der Gestaltung einer ökologisch und sozial gerechten Gesellschaft ignorieren kann.

Ulrich Schneider: „Wir wünschen uns eine Politik, die den ökologischen und sozialen Krisen gerecht wird, vor denen wir als Gesellschaft stehen. Ideologisch geprägte Parteischarmützel, Greenwashing eigener unzulänglicher Wahlforderungen und das Abwägen von ökologischem Umbau gegen soziale Gerechtigkeit sind aus der Zeit gefallen. Ein gutes Leben für alle ist möglich. Was es braucht, ist Solidarität, Fantasie, politischer Wille und Mut. Und dafür werden wir als Verband politisch Druck machen.“

Olaf Bandt: „Wir wünschen uns einen Politikstil, der das Notwendige klar benennt. Der Bürger*innen auf diesem Weg mitnimmt, indem ein Austausch über Zielkonflikte erfolgt. Der im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen niemanden zurücklässt. Unsere Vision einer ökologischen und gerechten Republik ist ein Plädoyer für einen aktiven Staat und aktive Bürger*innen gleichermaßen. Dafür braucht es eine Neuordnung von Verantwortung und Gestaltungswillen im Verhältnis zwischen Markt, Staat und Gesellschaft.“

Mit der „Zukunftsagenda für die Vielen“ fordern die Verbände alle demokratischen Kandidat*innen im Bundestagswahlkampf und die neue Bundesregierung auf, sich für eine ökologische und gerechte Gesellschaft für alle einzusetzen und dafür folgende Schritte einzuleiten:

  1. Eine naturverträgliche Energierevolution.
  2. Eine nachhaltige Mobilität für alle.
  3. Eine soziale und ökologische Agrar- und Ernährungswende.
  4. Soziale Sicherheit für die Transformation.
  5. Einen starken Naturschutz.
  6. Weniger Ressourcenverbrauch und eine gerechtere Gesellschaft.
  7. Wohnen und Boden in Gemeinschaftshand.
  8. Eine gute Pflege und Gesundheitsversorgung für alle.
  9. Internationale Solidarität und die Einhaltung von Menschenrechten.

Mehr Informationen

In der Zukunftsagenda für die Vielen finden sich zu neun Politikfeldern konkrete inhaltliche Forderungen, die einen Aufbruch in eine ökologische und sozial gerechte Republik näher beschreiben. Sie finden das Dokument online in unserem Pressebereich unter https://www.der-paritaetische.de/fachinfo/paritaetischer-und-bund-zur-bundestagswahl-2021-zukunftsagenda-fuer-die-vielen/.

Gwendolyn Stilling

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Zivilgesellschaft und Demokratie Wed, 19 May 2021 11:55:24 +0200
Wir können nur gewinnen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23991&cHash=3718cfa2885b33bf2d19e5126fb6f004

]]> Das Schild "Visible for those who can't be" ist von ehmkay.]]> Wenn es um die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt geht: Wo steht da unsere Gesellschaft heute?

Auf der einen Seite erleben wir momentan eine Zunahme an Akzeptanz für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Und auf der anderen Seite zeigt sich eine Verhärtung der Diskussion, eine Art Gegenbewegung - als Reaktion auf diese zunehmende Akzeptanz.

Fakt ist, dass viele Menschen immer noch schlechte Erfahrung aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität machen. Wie zeigen sich Diskriminierung und Ablehnung für die Betroffenen konkret?

Auf verschiedene Art und Weise. Es beginnt beim Ignorieren, dass es diese Art von Leben gibt – was eine sehr indirekte Form von Diskriminierung ist. Lesbische, schwule oder trans* Personen kommen dann im öffentlichen Leben oder den Medien, zum Beispiel in Filmen, nicht vor. Oder nur stereotyp und nicht in ihrer realen Vielfalt. Es geht weiter über das „nicht berücksichtigt werden“, zum Beispiel nach einem Coming Out wenn es um die Karriere geht, und unangemessene Kommentare und Fragen. Und endet bei offenem Hass und Gewalt.

Wie wirken diese Erfahrungen auf die betroffenen Menschen? Was erschüttert mich in meinem Menschsein mehr: Der offene Hass, die direkte Ablehnung? Oder unsichtbar sein, totgeschwiegen werden?

Das lässt sich schwer beantworten. Aber was wir wissen ist, dass sogenannte Mikroaggressionen sehr belastend sind. Das sind alltägliche, kleine Diskriminierungserfahrungen. Dazu gehören das Ignorieren der sexuellen und geschlechtlichen Identität, aber auch das Ansprechen im falschen Geschlecht oder, dass es keine Toiletten für nicht-binäre Menschen gibt. Wenn sich diese Erfahrungen summieren, weil sie nicht nur ab und zu, sondern täglich passieren, dann können sie traumatisierend wirken.

Momentan erleben wir, wie sich Verschwörungstheorien und rechtes Gedankengut in der Mitte unserer Gesellschaft breitmachen und ungeniert artikulieren. Können Sie Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Akzeptanz queerer Lebensweisen und -entwürfe feststellen?

Auf jeden Fall lässt sich ein stärkeres Ignorieren der Lebensrealitäten von queeren Menschen feststellen: Es gibt schon erste Studien, die zeigen, dass LGBTIQ-Personen von der Pandemie besonders betroffen sind. Es wird aber nicht verstärkt gegen diese Personengruppe gehetzt.

Was man aber sehr wohl beobachten kann ist, dass es weltweit Bewegungen gibt, die versuchen, bereits errungene Rechte wieder zu beschneiden. Wenn wir zum Beispiel nach Polen gucken oder nach Ungarn, aber auch nach Großbritannien oder in die USA. Da werden insbesondere im Zusammenhang mit trans* Personen Erzählungen, Mythen und Zuschreibungen verwendet, die wir aus dem Antisemitismus kennen und die Angst machen sollen. Wenn zum Beispiel von einer Lobby gesprochen wird oder einer kleinen Gruppe, die viel Macht hat.

Wir beobachten das in rechten und konservativen Kreisen. In Großbritannien und den USA aber auch in so genannten radikal-feministischen Bewegungen, die gegen die Selbstbestimmung von trans* Personen ins Feld ziehen und einen Konflikt heraufbeschwören, der eigentlich absurd ist. Die Rechte von Frauen werden nicht beschränkt, wenn trans* Menschen mehr Rechte bekommen.

Warum funktioniert diese „Angstmache“? Warum reagieren Menschen mit Ablehnung und Feindseligkeit, wenn sie mit Vielfalt jenseits von Heterosexualität und zweigeschlechtlicher Norm konfrontiert sind?

Es gibt sehr viele Gründe dafür. In Deutschland zum Beispiel haben wir immer noch ein sehr völkisches Bild von der Familie. Alles, was nicht in diese Bild passt, wird als Bedrohung empfunden. Das ist auch sehr eng verknüpft mit Rassismus und Nationalismus. Aus diesem Bild entstehen Erzählungen, die sich immer wieder selbst reproduzieren: So lange wir keine anderen Bilder haben, so lange wir keine lesbischen, schwulen oder trans* Personen kennen, vervielfältigen sich diese traditionellen Bilder immer weiter.

Welche Vorbilder gibt es in unserer Gesellschaft, den Medien zum Beispiel für ein lesbisches Mädchen? Gibt es positive Vorbilder? Ist lesbisch sein normal? Oder wird es nur problematisiert? Wenn die positiven Vorbilder fehlen, dann ist es auch nicht leicht, sich selbst positiv zu beziehen. Aber das ändert sich gerade: Es gibt viel mehr Menschen, die sichtbar werden. Das ist toll.

Wenn eine Gesellschaft mein „Menschsein“ vor allem problematisiert, dann gehört aber auch eine gute Portion Mut und Selbstbewusstsein dazu, um sichtbar zu werden, um sich hinzustellen und zu sagen: „Ich bin stolz darauf, wie ich bin! Und das ist gut so.“ Nicht jede*r kann oder möchte das…

Es gibt viele Menschen, die eine Transition durchmachen und danach einfach als Frau leben und mit ihrer Geschichte nicht mehr sichtbar sein wollen. Dann gibt es andere, für die es ganz wichtig ist, dass ihre Geschichte sichtbar ist. Und dann gibt es nicht-binäre Menschen, die immer sichtbar sind – weil es gar nicht anders geht.

Unsere Gesellschaft schaut auf LGBTIQ Menschen häufig mit einem defizitären Blick. Dabei ist es ein Gewinn, unsere Gesellschaft aus verschiedenen Perspektiven erlebt zu haben, zum Beispiel durch eine Transition. Wenn wir diese verschiedenen Perspektiven und Wahrnehmungen miteinander teilen, dann können wir alle gewinnen. Zum Beispiel, indem wir gesellschaftlichen Strukturen aufdecken, die sonst schwer zu erkennen sind, weil sie sich nicht aufdrängen.

Für mich persönlich ist trans* sein ein Geschenk. Ein Geschenk, das ich auch nicht mehr hergeben wollte. Natürlich ist es auch schwer - rechtlich und medizinisch - und man muss ständig kämpfen. Aber Anderssein ist nicht nur Schwäche und Schmerz. Sondern auch eine Erfahrung, die stark machen kann. Klar gibt es viel Diskriminierung, es gibt aber auch sehr viel Unterstützung und Zuspruch.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Von der Politik wünsche ich mir, dass sie endlich ein Selbstbestimmungsgesetz für trans* Menschen beschließt. Das Transsexuellengesetz ist Unrecht, es zwingt trans* Menschen in entwürdigende, langwierige, unsichere und teure Begutachtungsverfahren: Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Urteilen immer wieder festgehalten, dass Teile des Gesetzes verfassungswidrig sind.

Und wir brauchen eine Anerkennung im Familienrecht. Es ist zum Beispiel unerträglich, dass lesbische Paare, die Kinder kriegen, das eigene Kind adoptieren müssen. Wir haben viele rechtliche Regelungen, die sich nur an Frauen und Männer richten und die Existenz nicht-binärer Menschen ignorieren. Da gibt es absurde Gesetzeslagen, zum Beispiel, wenn es um Personalratswahlen geht.

Die Frage ist: Muss das alles immer in jedem einzelnen Punkt – wie es leider häufig ist, wenn es um Menschenrechte und Diskriminierung geht – von Betroffenen vor Gericht erstritten und erkämpft werden? Ich würde mir wünschen, dass dieses Erkämpfen nicht mehr nötig ist. Dass der Gesetzgeber selbst die Initiative ergreift und die Dinge sorgfältig angeht. Denn kämpfen können auch nur manche: Viele Menschen haben nicht die Kraft oder die Ressourcen dazu.

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Themen Queer Mon, 17 May 2021 18:25:15 +0200
Offener Brief an Ministerpräsident Markus Söder https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23990&cHash=674322c27e08e92a5a61b2b5bbc2e113

]]> Während der Corona-Pandemie sind viele Therapieangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung ausgefallen und dadurch große Defizite bei Trägern der Behindertenhilfe in ganz Bayern entstanden. Seit März 2020 setzen sich die Vorstände und Geschäftsführer großer Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen intensiv für eine Entschädigung ein – damals mit einem ersten Brief an die damalige bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Weil alle Bemühungen seitdem ins Leere liefen und immer noch Defizite entstehen, senden sie jetzt einen dringenden Hilferuf: Zusammen mit der früheren Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrer Rolle als Vorsitzende des Landesverbandes der Lebenshilfe an der Spitze übergeben die Führungskräfte betroffener Träger am Montag, 17.05.2021, einen offenen Brief mit 3.400 Unterschriften an den Leiter der Staatskanzlei Dr. Florian Herrmann. Adressat des Briefes ist der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Die Forderung: ein bayerischer Rettungsschirm für therapeutische Angebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung.

Wie entsteht die Finanzierungslücke?
Für Leistungen der Physio-, Ergo- und Logopädie, die über einen Rahmenvertrag mit den Krankenkassen (RV IHF) abgerechnet werden, erhalten die Einrichtungen trotz intensiver Bemühungen des Sozial- und des Gesundheitsministeriums leider keine ausreichende Finanzierung durch die Krankenkassen analog zu den Entschädigungen, die niedergelassene Heilmittelpraxen bereits im ersten Lockdown 2020 sehr unbürokratisch erhielten.

Warum ist dies ein bayerisches Problem?
Nach dem bayerischen Rahmenvertrag werden Leistungen von Therapeutinnen und Therapeuten ermöglicht, die direkt an den Förderzentren beschäftigt sind. Dadurch arbeiten Lehrkräfte, Heilpädagogen und auch Therapeuten täglich Hand in Hand, bestens koordiniert zum Wohl der Schülerinnen und Schüler, vor allem mit schweren und mehrfachen Behinderungen. Dies ist ein wertvolles bayerisches Alleinstellungsmerkmal zum Wohl von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen.

Diese wertvolle Leistung hat in der Pandemie einen großen Nachteil: Während Therapien von niedergelassenen Praxen während der Pandemie wie im Vorjahr großenteils refinanziert wurden, auch wenn es zu Therapieausfällen kam, finanzieren die Krankenkassen den Trägern von Förderzentren nur die tatsächlich erbrachten Therapien. Die Lücken entstehen vor allem dadurch, dass die Förderschulen und heilpädagogischen Tagesstätten etc. geschlossen wurden und viele Kinder die Notbetreuung nicht wahrnehmen konnten.

Nach zahlreichen Prüfungsvorgängen steht nun fest, dass hier weder die Krankenkassen noch die bundesweiten Rettungsschirme eine Hilfe für die Finanzierungslücken anbieten, weil der Rahmenvertrag IHF ein rein bayerischer Rahmenvertrag zwischen der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen und den Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Bayern ist, den es in der jetzigen Form seit dem 1. September 2010 gibt. Dieser Rahmenvertrag trägt der hohen Dichte an Therapiebedürftigkeit in Folge der hohen Komplexität von Behinderungen in den Schulen und Einrichtungen Rechnung und ist ein wesentliches Instrument für die Gruppe der durch Behinderung schwer betroffenen Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien.

Aktuelle Schätzung: Bayernweites Defizit von 8 Millionen Euro
Nachdem sich die Pandemiesituation 2021 leider nicht entspannt hat, nimmt das im August 2020 vom bayerischen Sozialministerium geschätzte Defizit für die Einrichtungen von circa vier Millionen Euro erheblich zu. Die Situation für die Förderzentren wird deshalb immer belastender. Für ganz Bayern gehen die Verantwortlichen inzwischen von einer Belastung der Förderzentren für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die nach dem Rahmenvertrag arbeiten, im doppelten Umfang aus.

Deshalb bitten die Einrichtungsverantwortlichen erneut dringend darum, diese pandemiebedingte Finanzierungslücke, welche den Förderzentren enorme finanzielle Probleme bereitet, mit einem bayerischen Rettungsschirm zu schließen.

Gewählt haben sie dafür die Form eines offenen Briefes, der sich direkt an den Ministerpräsidenten wendet und von 3.400 Unterschriften unterstützt wird – nachdem alle bisherigen Initiativen und Gespräche erfolglos blieben.
Eine Lösung mit einer 60%igen Erstattung der entgangenen Erlöse, würde nach Überzeugung der Verantwortlichen zu einer großen wirtschaftlichen Erleichterung für die Einrichtungen führen.

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Presse Fachbereich Menschen mit Behinderung Corona Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Mon, 17 May 2021 15:23:39 +0200
Paritätischer fordert von Großer Koalition überzeugende Pflegereform noch in dieser Legislaturperiode https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23952&cHash=7f956341cf9fc99c699ca0f7322ee4d2

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband appelliert an die Große Koalition, die verbleibenden Wochen dieser Legislatur zu nutzen, um ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen und endlich eine überzeugende Pflegereform auf den Weg zu bringen. In den vergangenen Woche habe sich der offene Konflikt zwischen Bundesgesundheits- und Arbeitsminister  bedauerlicherweise sehr zugespitzt, der nunmehr vorliegende Gesetzentwurf sei weder zielführend, noch problemlösend und greife deutlich zu kurz, kritisiert der Verband. Insbesondere fehle eine wirksame Regelung zur Deckelung der Eigenanteile bei den Pflegekosten.

“Es kann nicht sein, dass koalitionsinterne Konflikte auf dem Rücken der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen ausgetragen werden. Wir brauchen endlich eine überzeugende Pflegereform, die den Namen verdient und den aktuellen Problemen auch gerecht wird”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Perspektivisch brauche es eine Vollkaskoversicherung als Bürgerversicherung, die das Risiko der Pflegebedürftigkeit wirksam absichert, fordert der Paritätische. Auf dem Weg dahin müsse die Pflegefinanzierung ambulant und stationär solidarisch neu aufgestellt und vor allem die Eigenanteile für pflegebedingte Kosten deutlich gedeckelt werden. Der Paritätische fordert übergangsweise eine Begrenzung des Eigenanteils in Höhe von 15 %, die Pflegekassen sollen stattdessen stärker in die Pflicht genommen werden. “Die von Jens Spahn vorgeschlagene Zuschussregelung fällt weit hinter die Ankündigungen der Regierung und vor allem die Erwartungen der Betroffenen zurück”, kritisiert Schneider. „Es ist höchste Zeit, dass aus dem zu geringen Festzuschuss der Pflegekasse eine verlässliche Versicherung wird. Es kann nicht sein, dass Pflegebedürftigkeit wieder zum außerordentlichen Armutsrisiko dieser Gesellschaft wird“, so Schneider.

Mit den vorliegenden pflegerelevanten Regelungsvorschlägen im Entwurf für ein so genanntes Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) bliebe ein erheblicher Teil der Pflegebedürftigen (fast die Hälfte) in vollstationären Einrichtungen von Entlastungen völlig ausgeschlossen, warnt der Verband. Für den ambulanten Bereich werde gar nichts getan. Gleichzeitig seien durch notwendige Verbesserungen bei den Themen Tarifbindung, Mehrpersonalisierung und Arbeitsbedingungen dagegen weitere Kostensteigerungen absehbar, die nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen dürfen. “Wenn die Große Koalition jetzt die Chance versäumt, eine echte Pflegereform auf den Weg zu bringen, droht ein weiteres Jahrzehnt Stückwerk. Die Betroffenen und ihre Angehörigen haben für solches Stückwerk keine Zeit”, so Schneider.

Die Stellungnahme des Paritätischen zu pflegerelevanten Änderungsanträgen zum Entwurf eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) finden Sie hier: https://www.der-paritaetische.de/fachinfo/stellungnahmen-und-positionen/pflegereform-stellungnahme-des-paritaetischen-zu-pflegerelevanten-aenderungsantraegen-zum-entwurf-eine/


Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
Oranienburger Str. 13-14
10178 Berlin
Telefon: 030 24636-305
Telefax: 030 24636-110
Mail: pr@paritaet.org

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Ältere Menschen Gesundheit Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Tue, 11 May 2021 12:59:01 +0200
Tag der Pflegenden: Der Symbolik müssen Taten folgen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23956&cHash=48dfbbf3de32b69523067720c6ab616a

]]> „Nach über einem Jahr Pandemie ist es mehr als überfällig, dass den anerkennenden Worten und der Symbolik Taten folgen. Wir brauchen endlich eine Pflegereform, die ihren Namen verdient!“ fordert Margit Berndl. Für gute Qualität in der Pflege braucht es bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie und höhere Gehälter für die Pflegekräfte, sind sich die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege Bayern einig.

Die Finanzierungslogik der Pflegeversicherung muss auf den Prüfstand

Dafür brauche es eine gesicherte Finanzierung. „Viele Einrichtungen wollen gern mehr zahlen. Sie bekommen es aber nicht von den Pflegekassen refinanziert“, so Berndl. In unserem Pflegesystem gehe jede Kostensteigerung oftmals zu Lasten der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. „Das darf nicht sein! Die Finanzierungslogik der sozialen Pflegeversicherung muss komplett auf den Prüfstand gestellt werden!“, fordert Berndl. „Und es muss viel mehr Geld ins System!“

Pflegepolitik ist eine zentrale Herausforderung unserer Gesellschaft, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Denn die Generation der Babyboomer, die bald in Rente geht, macht ein Viertel der Bevölkerung aus.

Bezahlte Auszeit für pflegende Angehörige

Margit Berndl ist ein weiterer Aspekt am Tag der Pflegenden wichtig: In Bayern werden 70 Prozent der pflegebedürftigen Menschen zu Hause gepflegt. Für die pflegenden Angehörigen war das vergangene Jahr eine riesige Belastung: die Sorge vor Ansteckung, fehlende Entlastungsangebote, weil die Tagespflegen und Kurzzeitpflegen geschlossen waren, der Aufnahmestopp in den stationären Einrichtungen. „Wir brauchen eine bezahlte Auszeit für pflegende Angehörige – nach dem Vorbild von Elternzeit und Elterngeld!“ fordert Berndl.

Margit Berndl mahnt abschließend: „Die wichtige Arbeit der Pflegenden und die große Bedeutung aller Sorgeberufe für das Funktionieren unserer Gesellschaft darf auch nach Corona nicht vergessen werden – wenn die finanziellen Scherben wieder aufgekehrt werden müssen.“

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Ältere Menschen Gesundheit Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Tue, 11 May 2021 10:17:00 +0200
Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Misshandlungen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23949&cHash=d2bd07db8096493fae302225b364e2be

]]> Der Paritätische in Bayern sucht ehemalige Heimkinder und Zeitzeug*innen, die zur Aufklärung von schwerer sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im ehemaligen Kinderheim „Haus Maffei“ in Feldafing in den 60er- und 70er-Jahren beitragen können. Der Verband arbeitet die Vorfälle umfassend auf.

„Das Leid der Kinder berührt uns sehr. Wir möchten vollständig aufklären, was Kinder damals im Kinderheim in Feldafing erleiden mussten, wer die Täter und Täterinnen waren, warum der Paritätische als Träger ihr Leid nicht beendet hat. Wir übernehmen heute als Verband die Verantwortung für das Unrecht, das den Kindern in unserem damaligen Heim angetan wurde,“ so Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern.

Weitere Erzählungen sollen Archivfunde einordnen

„Für die fundierte, vom Verband unabhängige Aufarbeitung sind Schilderungen von weiteren Betroffenen oder Zeug*innen der gewaltsamen Übergriffe dringend erforderlich,“ so Prof. Dr. Annette Eberle. Der Verband hatte die Professorin der Katholischen Stiftungshochschule München im Januar mit einer Vorstudie beauftragt. Neben einer Archivrecherche hat sie bereits mehrere Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiterinnen, Betroffenen und Einwohner*innen aus Feldafing geführt.

Nach der Auflösung des Kinderheims in Feldafing im Jahr 1972 wurden viele der Kinder in einer neuen Einrichtung des Paritätischen, im Heilpädagogischen Zentrum Lohhof in Unterschleißheim, betreut. Der Paritätische in Bayern hat Prof. Dr. Eberle deshalb beauftragt auch zu untersuchen, ob das Unrecht und die schwere Gewalt im HPZ Lohhof fortgesetzt wurden. Auch hier sucht der Verband nach ehemaligen Heimkindern und Zeitzeug*innen.

Der Paritätische in Bayern bittet Betroffene, Familienangehörige, Freund*innen oder Mitarbeiter*innen der Einrichtungen oder des Trägers, die möglicherweise zur Aufklärung beitragen können, sich zu melden. Sie können sich direkt an Prof. Dr. Annette Eberle wenden. Alle Angaben werden streng vertraulich behandelt. Sie ist telefonisch erreichbar unter (08857) 88-533 oder per E-Mail annette.eberle@ksh-m.de.

Über den Stand der Aufarbeitung informieren wir laufend auf unserer Webseite www.aufarbeitung-paritaet-bayern.de

Ansprechpartnerin für die Presse:  Susann Engert | 089 30611-137 | presse@paritaet-bayern.de

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Presse Aufarbeitung Aus dem Landesverband Tue, 11 May 2021 09:54:33 +0200
Barrieren nerven https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23924&cHash=d30485740e8a5172134102ba835d22a3

]]> Foto: Christian Adobe Stock.com]]> Welche Barrieren begegnen Ihnen im Alltag?

Treppen, fehlende oder kaputte Aufzüge, zu hohe Regale beim Einkaufen, Bahnübergänge und Gleise – das sind Barrieren, die mich nerven. In Weiden gibt es wenige barrierefreie Plätze. Ich hoffe, dass das irgendwann mal besser wird.

Was wünschen Sie sich?

Dass man Barrieren abbaut. Das ist wichtig. Und dann gibt es viele Menschen, die ein Problem damit haben, mit Menschen mit Behinderungen umzugehen.

Was erleben Sie da? Was stört Sie konkret?

Mich stört zum Beispiel, wenn andere mit mir nur über Krankheiten sprechen. Oder mich ausfragen, was ich für eine Krankheit habe. Ich komme damit schon klar, ich habe mich daran gewöhnt. Aber das sind schon sehr persönliche Dinge. Wenn es mir zu viel wird, dann sage ich: „Cut!“ Grundsätzlich wünsche ich mir schon mehr Respekt. Und dass ich nicht so ausgefragt werde.

Was kann jede*r Einzelne von uns tun, um Barrieren zu beseitigen?

Mit den betroffenen Menschen sprechen und sie nicht ignorieren. Etwas über die Probleme, die Menschen mit Behinderungen haben, erfahren wollen. Das passiert viel zu wenig.

Suchen Sie denn das Gespräch mit anderen über die Barrieren in Ihrem Alltag?

Auf jeden Fall! Denn andersherum funktioniert es kaum.

Sie arbeiten in einer Behindertenwerkstatt in der Montage.

Ja, und mir gefällt es dort sehr gut. Aber ich finde, wenn es um Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen geht, da sollten die Politiker auch was machen. Dass es mehr Arbeitsplätze außerhalb von Werkstätten gibt.

Würden Sie denn gerne außerhalb einer Werkstatt arbeiten?

Noch nicht jetzt, aber irgendwann bestimmt. Mir macht die Montagearbeit Spaß, aber ich bin so mehr der „Bürotyp“. Im Büro zu arbeiten – das könnte ich mir gut vorstellen. Das will ich gerne mal ausprobieren.

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Themen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Fri, 07 May 2021 12:08:00 +0200
Teilhabe braucht Flexibilität https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=06&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23920&cHash=56c85240f99b8fec83033f95f1f0947e

]]> Foto: shocky Adobe Stock.com]]> Welche Barrieren begegnen Ihnen im Alltag?

Mir begegnen viele Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen. Das Wort „geisteskrank“ wird ja auch häufig im Zusammenhang mit negativen Themen wie Kriminalität in den Medien verwendet. Das befördert Barrieren im Alltag.

Durch zeitweise auftretende depressive Schübe kann ich auch nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten. Obwohl ich den Rest der Zeit produktiv sein könnte und nur die Möglichkeit bräuchte, flexibel arbeiten zu können.

Wie haben sich die Barrieren in der Corona-Pandemie verändert? Sind es mehr Barrieren geworden oder weniger?

Es sind mehr Barrieren geworden. Meine psychische Erkrankung und die mit ihr einhergehende übersteigerte Angst davor, sich mit Corona zu infizieren oder jemand anderen mit Corona anzustecken, erschweren es mir, mich im öffentlichen Raum zu bewegen. Auch die depressive Symptomatik bzw. paranoide Vorstellungen haben sich durch die Corona-Pandemie verstärkt.

Allerdings gibt es seit der Pandemie auch mehr Verständnis für die Situation von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Insbesondere auch wegen der Zunahme von „Long-Covid“-Fällen und weil unsere Gesellschaft in der Pandemie mehr in Kontakt kommt mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Das größere Bewusstsein für das Thema Erkrankungen führt zu weniger Barrieren in Gesprächen.

Was wünschen Sie sich von unserer Gesellschaft und der Politik? Was kann jede*r Einzelne tun, um Barrieren zu beseitigen?

Ich wünsche mir mehr Berichterstattung darüber, vor welchen Herausforderungen Menschen mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen stehen. Aber auch darüber, wie wir diese Herausforderungen bewältigen bzw. bewältigen können. Ich wünsche mir ein Umschwenken auf „New Work“-Modelle durch die Arbeitgeber und entsprechende Gesetze oder Anreize für Arbeitgeber.

Ein Beispiel wäre mehr „Remote Work“ mit einer flexiblen Einteilung der Arbeitszeiten. So wäre eine Anpassung an die jeweiligen psychischen oder physischen Beeinträchtigungen möglich und diese temporär produktiven Kräfte würden der Gesellschaft nicht verloren gehen. Und die dahinterstehenden Menschen mit Beeinträchtigung bekämen eine Chance, teil zu haben.

* Name von der Redaktion geändert

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Themen Arbeit und Beschäftigung Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Thu, 06 May 2021 14:53:55 +0200
Das ist unsere Normalität https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=05&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23917&cHash=d9dd0d1242f207a4ea3eeb35f5e22640

]]> ]]> Herr Zeidler, welche Barrieren begegnen Ihnen im Alltag?

Kommunikation, Kommunikation und nochmal Kommunikation! Es ist jeden Tag das gleiche Drama.

Das fängt schon beim Bäcker an: Zwei Semmeln, diese und diese … klappt nicht oder nur mit Ach und Krach. Beim Autokauf: Welche Modelle gibt es, was gibt es für Angebote, wie ist die Fahrweise … Keine Chance, höchstens mit Dolmetscher. Vor der Haustür mit dem Nachbar: „Guten Morgen“, grinsen und das war’s. Eine ausführliche Kommunikation ist nicht möglich. Selbst bei Familienfeiern: Wie geht es dir? Gut. Schön … So, genug Smalltalk!

Es ist immer dasselbe ohne Dolmetscher: Wie ein begossener Pudel stehen wir da! Das hört sich vielleicht wie ein Vorwurf an, ist es aber nicht. Wir haben damit abgeschlossen: Das ist halt unsere Normalität.

Wie hat sich die Situation in der Corona-Pandemie verändert? Sind es mehr Barrieren geworden oder weniger?

Wir haben die genannten Probleme mal 10! Vor der Pandemie konnte man noch mit Mühe wenigstens vom Mund ablesen. Mit Mundschutz geht die Kommunikation gar nicht mehr: Funkstille!

Besonders schwer ist es gerade für die gehörlosen Senioren. Die haben keine Kommunikationsmöglichkeiten mehr und leben wir weggesperrt. Normalerweise treffen wir uns fast jede Woche – im Seniorentreff, auf Versammlungen oder privat. In der Pandemie fällt das alles weg. Um diese Leute mache ich mir am meistens Sorgen. Bei mir geht es ja noch dank Skype, Facetime, Soziale Medien etc. Aber Senioren, die nicht mal Internetverbindung haben …

Was wünschen Sie sich von unserer Gesellschaft und der Politik? Was kann jede*r Einzelne tun, um Barrieren zu beseitigen?

Das Gehörlosengeld wäre eine Alternative: Damit könnten wir Dolmetscher einsetzen.

Und wir brauchen mehr Öffentlichkeitsarbeit durch die Politik, die Träger, aber auch durch die Gehörlosenvereine. Denn nach außen werden wir nicht als behindert wahrgenommen: Wir können alles, nur nicht hören. Es ist wichtig, dass andere Menschen erleben und erfahren können, mit welchen Problemen wir im Alltag kämpfen.

Was auch helfen würde wäre, an allen Schulen das Nebenfach Deutsche Gebärdensprache einzuführen, damit hörende Schüler schon mal mit Gebärdensprache in Berührung gekommen sind.

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Themen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Wed, 05 May 2021 18:30:55 +0200
Barrierefreiheit stärken https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7763

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Themen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Tue, 04 May 2021 16:28:09 +0200
Brandbeschleuniger Corona https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23878&cHash=55f43adc7a8e5feac15c3c66a324acaf

]]> Foto: Zadvornov Adobe Stock.com]]> Natürlich sind Schulden kein neues Thema. „Aber für viele, die sich schon vor Corona in einer finanziellen Schieflage befanden, ist die Lage einfach noch schiefer geworden“, sagt Rainer Ptok. „Viele stehen nicht mehr am Abgrund. Sie schauen rein.“ Rainer Ptok berät beim H-TEAM e.V. in München Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen verschuldet haben: vom Selbstständigen bis zum Minijobber, von der Alleinerziehenden bis zum Haftentlassenen.

Schuldenlast, Job verloren, Corona-Frust: Ausweglosigkeit hoch drei

Für viele dieser Menschen wirkt Corona wie ein Brandbeschleuniger. Rainer Ptok erzählt von einer Familie, in der mehrere Familienmitglieder in der Pandemie ihren Job verloren haben. Oder einem Klienten, der schwer an Corona erkrankt war, seine Wohnung verloren hat und unter der Brücke gelandet ist.

Der Druck, unter dem Menschen stehen, die schon vor Corona nicht viel hatten, sei enorm. „Wo man sich vor Corona noch mit Ratenzahlungen und aufgeschobenen Mahnungen rumwinden konnte, wissen viele jetzt gar nicht mehr ein noch aus. Weil zum Beispiel durch Corona der Job weg ist und man in die Grundsicherung, in Hartz IV rutscht“, sagt Rainer Ptok. Eine neue Arbeit zu finden, vor allem in den von Corona besonders gebeutelten Branchen wie der Gastronomie, ist momentan schier unmöglich. „Für viele Menschen potenzieren sich gerade verschiedene Probleme gleichzeitig: Schlechte Vermögenssituation, soziale Isolation und Perspektivlosigkeit.“

Hilfe holen: Lieber früher, als später

Viele würden zu lange versuchen, diese Probleme alleine zu lösen. Indem alles zu Geld gemacht wird, was man zu Geld machen kann. Indem Angehörige und Freunde um Geld angepumpt und mit reingezogen werden. Indem Ratenzahlungen vereinbart werden, die die Menschen aber häufig oft nur noch tiefer in die Schulden reinreiten.

„Wir würden uns wünschen, dass die Menschen früher zu uns kommen“, sagt Rainer Ptok. Eine Perspektive aus der Schuldenfalle aufzuzeigen: Das macht die Schuldner- und Insolvenzberatung des H-TEAM e.V. Zuerst wird die aktuelle Einkommens- und Schuldensituation analysiert und anschließend eine individuelle Strategie für und mit den in Not geratenen Menschen und den Gläubigern entwickelt. In vielen Fällen ist die Privatinsolvenz der letzte Ausweg.

Prävention: Den richtigen Umgang mit Geld lernen

In einer Gesellschaft, in der sich Status über Konsum definiert, geht niemand gerne mit seinen finanziellen Sorgen hausieren: Schulden zu haben ist mit großer Scham behaftet. Angebote im Internet scheinen da mit Online-Krediten per Mausklick, Darlehensverträgen und Zahlung auf Raten nicht nur Lösungen, sondern auch Anonymität zu versprechen. „Das sind Geschäftsmodelle, um den Leuten noch mehr das Geld aus der Tasche zu ziehen“, warnt Rainer Ptok. „Und das Schlimme daran ist: Genau denen, die es gar nicht haben!“

Prävention – sprich: den richtigen Umgang mit Geld zu lernen – ist für den H-TEAM e.V. deshalb ein wichtiger Baustein im Beratungskonzept. „Wir haben deshalb ein Schuldenpräventionsprojekt an Förderschulen in und um München aufgebaut und innerhalb der vergangenen 10 Jahre erfolgreich weiterentwickelt“, erzählt Rainer Ptok. „Um schon den Kids klar zu machen, wie schnell man auch bereits in jungen Jahren in den Schuldenstrudel kommen kann.“

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Themen Corona Soziale Teilhabe und Armut Wed, 28 Apr 2021 18:32:16 +0200
Renten-Nullrunde: Paritätischer warnt vor negativen Folgen auch bei Hartz IV https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=27&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23874&cHash=3cca6e79518ec94db833a781b1970bcb

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt davor, dass angesichts der Entwicklung der Löhne in der Pandemie nicht nur die Renten eine Nullrunde erfahren werden, sondern voraussichtlich auch Beziehenden von Hartz IV und Altersgrundsicherung im kommenden Jahr ein realer Kaufkraftverlust droht. Der Verband fordert Bundessozialminister Hubertus Heil auf, umgehend dafür zu sorgen, dass die Fortschreibungsformel für die Regelsätze in der Grundsicherung so angepasst wird, dass Preissteigerungen immer mindestens ausgeglichen werden. Davon unabhängig kritisiert der Paritätische die Regelsätze als grundsätzlich nicht bedarfsdeckend und fordert eine zügige Erhöhung auf mindestens 600 Euro und einen sofortigen coronabedingten Zuschlag von 100 Euro pro Kopf und Monat für die Dauer der Pandemie.

"Es darf nicht passieren, dass die Bundesregierung die Armen wieder einmal im Regen stehen lässt. Wenn jetzt schon absehbar ist, dass sich die Grundsicherungsleistungen zu Beginn nächsten Jahres noch weiter vom tatsächlichen Bedarf der Menschen entfernen, muss sofort gehandelt werden. Alles andere wäre ein armutspolitisches Armutszeugnis“, mahnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste ein wirklich armutsfester Regelsatz für einen alleinlebenden Erwachsenen bereits jetzt 644 Euro statt den geltenden 432 Euro betragen. Angesichts der andauernden Pandemie brauche es zudem dringend finanzielle Soforthilfen, um coronabedingte Mehrbedarfe abzudecken. Den als Corona-Hilfe von der Großen Koalition beschlossene Einmalzuschlag in Höhe von 150 Euro für arme Menschen, der diese Woche (zum 1. Mai) ausgezahlt werden soll, hatte der Paritätische zusammen mit einer breiten Allianz von Gewerkschaften, Wohlfahrtverbänden und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen bereits wiederholt als allenfalls einen „Tropfen auf den heißen Stein” kritisiert.

Zum Hintergrund: Die jährliche Fortschreibung der Regelsätze zum 1. Januar erfolgt nach dem Sozialgesetzbuch XII auf Basis eines Mischindexes, der zu 70 Prozent die regelsatzspezifische Preisentwicklung und zu 30 Prozent die Entwicklung der Nettolöhne und -gehälter berücksichtigt.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 27 Apr 2021 08:43:00 +0200
Der Paritätische Gesamtverband: Prof. Dr. Rolf Rosenbrock einstimmig als Vorsitzender für vier weitere Jahre im Amt bestätigt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=23&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23861&cHash=f4a0bd58488a898d6ab6257acf55f4eb

]]> Die Mitgliederversammlung des Paritätischen Gesamtverbands, die heute erstmals virtuell tagte, hat den renommierten Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Rolf Rosenbrock einstimmig für weitere vier Jahre im Amt des Verbandsvorsitzenden bestätigt. In seiner Rede betonte Rosenbrock die Rolle des Verbandes zur Aufrechterhaltung und der Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Corona-Krise: „Erneut zeigt sich, welch zentrale Rolle die Freie Wohlfahrtspflege, ihre sozialen Dienste vor Ort und das Ehrenamt bei der Bewältigung von gesellschaftlichen Notlagen haben.“ Dazu gehöre auch, sich mit aller Kraft gegen die bedrohlichen Entwicklungen durch den menschengemachten Klimawandel und das Erstarken von Ideologien der Ungleichwertigkeit zu stemmen. Der Paritätische wende sich "mit aller Entschlossenheit gegen diejenigen, die die Angst der Menschen vor Abstieg und Armut ausnutzen, um sie gegeneinander auszuspielen, um Hass und Zwietracht zu säen", so Rosenbrock weiter.

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock (75), der den Vorsitz des Paritätischen ehrenamtlich seit 2012 ausübt, ist seit mehr als 40 Jahren in der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Gesundheitsforschung tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen. Von 1988 bis 2012 leitete er die Forschungsgruppe „Public Health“ im Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) Berlin. Dem Paritätischen und seinen Mitgliedsorganisationen ist Prof. Rosenbrock seit Jahrzehnten eng verbunden, u.a. durch sein Engagement für die Deutsche AIDS-Hilfe sowie als Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Gesundheit Berlin-Brandenburg, die jährlich den Kongress „Armut und Gesundheit“ organisiert. In vielfältigen Funktionen war er als politischer Berater aktiv, u.a. als Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sowie als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und Mitglied in der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer.

Ebenfalls neu gewählt wurde heute der Verbandsrat des Paritätischen Gesamtverbands. Dem neuen Vorstand des Paritätischen gehören neben Prof. Dr. Rolf Rosenbrock die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Elke Schmidt-Sawatzki (Der Paritätische Nordrhein-Westfalen) und Achim Meyer auf der Heyde (Deutsches Studentenwerk), Suzanna Karawanskij (Volkssolidarität Bundesverband), Ulla Klapproth (Der Paritätische Niedersachsen), Norbert Blesch (Der Paritätische Bayern) sowie Dr. Ulrich Schneider (beratend) an.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist mit über zehntausend selbständigen Mitgliedsorganisationen einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.

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Presse Aus dem Landesverband Fri, 23 Apr 2021 22:08:12 +0200
Der Suchtdruck steigt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=21&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23842&cHash=32f93260a13d5a7557fcbd6024b764e9

]]> ]]> Wie geht es trockenen Alkoholiker*innen gerade in der Corona-Pandemie?

Gerade für Menschen, die noch nicht so lange weg sind vom Alkohol, ist es momentan besonders schwer. Zum Beispiel, wenn sie gerade von der Entgiftung kommen. Diese Menschen müssen eigentlich ihr Leben völlig umstrukturieren, Leerräume ausfüllen und neue Beziehungen aufbauen. Das Problem ist, dass das jetzt so schwer möglich ist: Man kann sich schlecht ablenken, man kann nicht zum Sport gehen, man kann keine neuen Menschen kennenlernen. Sondern man ist wie eingesperrt. Und die alten Freunde sind häufig auch die alten „Saufkumpanen“…

Man merkt ja, wie belastend die momentane Situation für alle ist. Auch für diejenigen von uns, die kein Suchtproblem haben. Für jemanden, der seine Probleme bisher mit einem Suchtmittel, mit Alkohol gelöst oder gedämpft hat, ist das eine riesen Herausforderung. Der Griff zur Flasche geht da schnell.

Menschen, die noch nicht lange weg sind vom Alkohol, haben also momentan ein höheres Risiko, rückfällig zu werden?

Passieren kann es jedem. Aber jemand, der erst seit kurzen trocken ist, hat natürlich ein höheres Risiko. Auch, weil momentan keine Gesprächskreise oder Selbsthilfegruppen in Präsenz stattfinden.

Wie bleiben Sie in Ihrer Gruppe derzeit untereinander in Kontakt?

Wir treffen uns einmal pro Woche per Video. Als Ersatz für unsere sonst in Präsenz stattfindenden Treffen in der Gruppe „Friesener Warte“. Aber ich kenne auch viele Gruppen, die gar nichts machen oder nur ab und zu mal eine Telefonkonferenz. Das hängt auch vom Altersdurchschnitt in den Gruppen ab. In der Videokonferenz sieht man sich wenigstens. Wir machen aber auch Einzelgespräche aus, wenn jemand gerade in der Krise steckt, und gehen zum Beispiel spazieren.

Sind die Videokonferenzen ein vollwertiger Ersatz für die persönlichen Treffen?

Nein. Es ist eine ganz andere Art der Unterhaltung. Jeder kann nur einzeln reden, vieles geht unter, wenn sich jemand nicht aktiv zu Wort meldet oder immer nur die anderen reden lässt. Wenn man sich persönlich trifft, dann kann man halt doch besser fragen: „Was ist denn los mit Dir? Du bist heute so still. Du schaust heute so: Hast Du ein Problem?“ Die digitale Begegnung kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Zumindest nicht langfristig.

Ihr Gesprächskreis ist ein offenes Angebot. Das heißt, jeder und jede die will, kann einfach vorbeikommen, mitmachen, nach Hilfe fragen. Wie erreichen Sie diese Menschen jetzt?

Vor Corona standen Menschen immer mal wieder bei uns spontan in der Tür oder haben uns angerufen. Das hat sich jetzt geändert: Momentan kommen vor allem Menschen zu uns, die einen Entzug in der Klinik hinter sich haben oder ihren Führerschein entzogen bekommen haben und die direkt an uns verwiesen werden. Dass die Leute nicht mehr spontan zu uns kommen oder uns auch schnell wieder verlassen, hat meiner Meinung nach schon etwas damit zu tun, dass unser Gesprächskreis momentan nicht in Präsenz stattfinden kann. Es fehlt einfach die persönliche Anbindung und Motivation. Manche sagen mir auch, dass sie lieber abwarten, bis die Gruppe wieder aufmacht.

Was bedeutet das für die Zukunft der Gruppen?

Ich weiß von Gruppen, in denen vor allem ältere Menschen sind, dass sie wahrscheinlich gar nicht mehr aufmachen werden. Viele der älteren Betroffenen benötigen die Gruppen bezüglich der Abstinenz nicht mehr. Und selbst, wenn die Gruppen wieder stattfinden können, bleibt es schwierig, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Gruppen zu kommen.

Das heißt, wir erleben gerade eine Art „Gruppensterben“ in der Selbsthilfe?

Ja. Aber wo etwas stirbt, entsteht ja auch was Neues. Wo eine Tür sich schließt, geht eine andere auf. Wir verlegen unsere Aktivitäten deshalb auch stärker ins Digitale und suchen neue Wege, Betroffene zu erreichen. Zum Beispiel mit den SoberGuides, einer Internetplattform, auf der geschulte Ehrenamtliche aus der Suchtselbsthilfe beraten und begleiten. Dort erreichen wir dann auch jüngere Zielgruppen.

In der Selbsthilfe für alkoholkranke Menschen ist der Altersdurchschnitt relativ hoch. Wo sind die jüngeren Betroffenen?

In jungen Jahren ist die Alkoholsucht meistens noch nicht so ausgeprägt. Bzw., bis man merkt, dass man Hilfe braucht, bis der Leidensdruck so groß ist, dass man es selbst oder Angehörige nicht mehr aushalten, der Führerschein weg ist, bis es Probleme mit dem Arbeitgeber gibt – bis dahin können viele Jahre oder Jahrzehnte vergehen. Deshalb ist auch in den Selbsthilfegruppen der Altersdurchschnitt hoch. In diese „alten“ Gruppen junge Menschen zu kriegen, ist ein Problem. Denn die Menschen müssen sich ja in der Gruppe wohlfühlen. Und nicht das Gefühl haben, dass sie zu ihrem Opa gehen! (lacht)

Dazu kommt, dass es bei den Jüngeren den „reinen Alkoholiker“ kaum noch gibt. Meistens sind da auch andere Drogen und Probleme mit im Spiel.

Sie sehen die Situation also auch als Chance für die Selbsthilfe, sich neu zu orientieren und vermehrt auch jüngere Zielgruppen früher zu erreichen?

Ja, als Chance vor allem, dass Menschen nicht über viele Jahre immer wieder in die Entgiftung müssen. Und als Möglichkeit, niedrigschwellige Angebote zu entwickeln und auszubauen. Zum Beispiel in Form von Chats. Oder Hotlines, wie unser Nottelefon, das 24 Stunden am Tag für Betroffene und Angehörige da ist.

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Themen Gesundheit Selbsthilfe Sucht Wed, 21 Apr 2021 21:59:14 +0200
Prävention wirkt! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=21&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23841&cHash=ec29e6b118d6933529092d5efa1e76bd

]]> ]]> Herr Binder, Sie beraten und helfen rund um das Thema Sucht. Was ist für Ihre Klient*innen in der Corona-Pandemie besonders belastend?

Ich finde es immer ganz wichtig zu unterscheiden. Es gibt Menschen, die blenden das Thema Corona völlig aus. Die nervt Corona vielleicht, aber sie sind nicht belastet. Nicht jeder, der psychische Probleme hat oder suchtkrank ist, ist jetzt automatisch in einer noch schlechteren Lebenslage oder seelischen Verfassung. Was wir aber schon sehen ist, dass Corona für Menschen, die generell seelisch belastet, psychisch krank oder in ihrer Teilhabe eingeschränkt sind, ein brutaler Booster ist. Soziale Isolation, fehlende Unterstützung, Distanzierung durch Homeoffice und Masken – das führt dazu, dass es vielen unserer Klient*innen echt schlecht geht. Weil die Dinge, die im Leben guttun, reduziert sind oder gar nicht mehr stattfinden.

Kommen zu Ihnen mehr Menschen als vor Corona in die Beratung?

Was wir merken, ist ein wahnsinniger Druck auf die Beratung. Das liegt zum Teil daran, dass wir unter erschwerten Bedingungen arbeiten - zum Beispiel in kleineren Gruppen - und gar nicht so viele Klient*innen aufnehmen können. Aber auch daran, dass wir mehr Nachfrage haben.

Nehmen durch Corona Suchtprobleme zu?

Man muss wissen, dass das Suchthilfesystem nur circa 10 Prozent der betroffenen Menschen erreicht. Deshalb ist es schwierig, aus der Situation in der Beratung auf die Situation in der Gesellschaft zu schließen. Aber dass Corona Auswirkungen hat – und zwar nicht günstige – das ist klar. Und gerade Menschen mit chronifizierten Suchterkrankungen oder in prekären Lebenslagen geht es natürlich nicht besser.

Wie gut können Sie Betroffene momentan mit Ihren Angeboten erreichen?

Das ist spannend: Denn es ist schlechter und gleichzeitig besser geworden.

Schlecht ist, dass viele Menschen momentan einfach Angst vor Kontakten mit anderen Menschen haben. Was natürlich eine Hürde ist, um in eine Beratungsstelle zu kommen. Wir haben Menschen, die wollen nicht an Gruppen teilnehmen. Wir haben Menschen, die eh schon gehemmt und beschämt sind, über ihre Sucht zu sprechen. Die Angst vor Corona kommt dann noch dazu.

Andererseits ist es faszinierend, wie „normal“ die Situation ist. Wir haben während der Pandemie immer in Präsenz weiterberaten und ambulante Therapie angeboten. Inzwischen haben wir die erste Generation an Klient*innen, die wir noch nie ohne Maske gesehen haben. (lacht)

Wie ist es mit der Online- und Video-Beratung?

Da wundern wir uns manchmal selbst drüber, dass wir da nicht schon eher draufgekommen sind! Zum Beispiel standardmäßig Face-to-Face Online-Calls anzubieten. Unsere Klient*innen nehmen das Online-Angebot gerne in Anspruch. Auch in Gruppensettings haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Und das in allen Altersgruppen.

Online ist nicht besser oder schlechter. Es ist anders! Und es ist mehr, als ein Ersatz. Deshalb wird die Online-Beratung auch nach Corona bleiben. Zum Beispiel bei der niedrigschwelligen Beratung von Kindern und Jugendlichen.

Apropos Kinder und Jugendliche: Sie gehören zu den Risikogruppen, wenn es um die Entwicklung von Suchterkrankungen geht. Und in der Pandemie werden sie häufig vergessen. Wo sehen Sie die größten Risiken für Kinder und Jugendliche momentan?

Das kann man nicht pauschal beantworten. Ich glaube, ein Teil der jungen Menschen konsumiert weniger Suchtmittel. Einfach, weil momentan die sozialen Möglichkeiten dafür fehlen. Ich denke, das ist keine kleine Gruppe.

Und dann gibt es die Risikokonsument*innen: Junge Menschen, die phasenweise exzessiv Alkohol oder Drogen konsumieren. Bei denen fehlt durch Corona die soziale Kontrolle. Für diese Jugendlichen ist Corona ein Booster, der zu risikoreicherem Verhalten und zu härteren Konsummustern führt. Mancher versucht so, den Corona-Frust zu bewältigen und zu kompensieren. Und denkt sich vielleicht: Wozu soll ich morgen früh für das Online-Schooling aufstehen?

Stichwort Online: Sehen Sie ein erhöhtes Risiko für Online- und Mediensucht?

Wir haben auf jeden Fall mehr Anfragen von Eltern zum Thema exzessive Mediennutzung. Aber das muss man mit Vorsicht bewerten: Die Situation zu Hause ist eventuell auch einfach angespannter als sonst. Dazu kommt, dass Eltern und Fachwelt exzessive Mediennutzung ganz unterschiedlich definieren….

Das interessiert mich jetzt auch persönlich als Mutter: Wo beginnt denn aus fachlicher Sicht die exzessive Mediennutzung?

Da gehört der zeitliche Umfang der Mediennutzung rein. Aber nicht nur. Sondern auch die Reduzierung von sozialen Kontakten, ein verändertes Freizeitverhalten, Vernachlässigung von Schule und Ausbildung. Diese Veränderungen können schon eintreten, bevor jemand 12 bis 14 Stunden täglich vor dem Rechner sitzt.

Das heißt, Eltern machen sich manchmal auch einfach zu viele Sorgen?

Ich persönlich bin der Meinung, dass unsere Gesellschaft grundsätzlich zu medienaffin ist. Zu viele junge Menschen haben zu lange Bildschirmzeiten. Und zu viele ihrer sozialen Aktivitäten finden im Digitalen statt. Menschliche Interaktion muss aber zwingend etwas mit der analogen Realität zu tun haben. Wenn dann andere Risikofaktoren dazu kommen – keine Teilhabe – oder Freizeitmöglichkeiten – dann kann es für junge Menschen gefährlich werden.

Es gibt junge Menschen, die schließen auf Instagram digitale Freundschaften und kündigen sie dort auch wieder auf – ohne sich jemals im analogen Leben begegnet zu sein. Kann man den anderen so überhaupt kennenlernen? Kann man das Konzept von Freundschaft so überhaupt verstehen?

Das Problem an der digitalen Realität ist, dass das eine nicht so inklusive ist. Das ist eine Teilrealität. Wenn ich „analog“ nach draußen gehe, werde ich ganzheitlich wahrgenommen. Auf meinem Insta-Profil präsentiere ich nur einen Teil von mir. Und dazu noch einen idealisierten. Das ist grundsätzlich kein Problem. Doch die Dosis macht das Gift: Wie viel von dieser Teilrealität macht zum Schluss meine Gesamtwahrnehmung aus? Auch da ist Corona wieder ein Booster. Weil die Realität draußen noch nerviger ist, als sonst schon. Weil draußen noch weniger stattfindet. Da ist es auf Insta einfach schöner.

Aber wir dürfen nicht vergessen: Bei der Mediensucht haben wir neben den Jugendlichen eine weitere große Risikogruppe. Und das ist die Generation 30 bzw. 40 plus, insbesondere Menschen in prekären Lebenssituationen und mit geringen Teilhabemöglichkeiten. Auch diese Menschen verbringen viel Zeit vor Bildschirmen - mit passivem Fernsehkonsum, Surfen, Zocken.

Erreichen Sie diese Menschen mit Ihrem Angebot? Kommen diese Menschen in Ihre Beratung?

Null! Dafür gibt es kein gesellschaftliches Problembewusstsein. Anders, als zum Beispiel eine Abhängigkeit von Alkohol oder illegalen Drogen, ist die Abhängigkeit von Medien gesellschaftlich akzeptiert.

Ein zentraler Baustein der Suchthilfe ist Prävention. Können Sie Ihre Präventionsarbeit momentan noch machen?

Bei uns ging es von 100 auf null und jetzt sind wir bei fünf… Das ist eine Katastrophe: Denn wir machen ja Prävention, weil wir wissen, dass sie etwas bewirkt. Und gerade jetzt können wir sie nicht machen! Die Entwicklung und Förderung eines gesundheitsbewussten und achtsamen Lebensstils ist wichtig: Wer diesen Lebensstil nämlich einmal verinnerlicht hat, der wird sich später in allen Lebensbereichen weniger selbstschädigend verhalten.

„Live“ geht wegen der Kontaktbeschränkungen momentan gar nichts. Deshalb haben wir Hybrid- und Online-Lösungen entwickelt. Für die hat aber niemand einen „Nerv“: Für die Gesundheitsförderung von Kinder und Jugendlichen gibt es momentan kein Bewusstsein. Weil zum Beispiel an den Schulen häufig auch gar nicht klar ist, wie in der kommenden Woche die Schule überhaupt stattfindet. Oder anderes mehr Priorität hat. Aber: Wenn wir diese Arbeit nicht machen können, wird das massive Effekte haben. Mir fehlt da komplett die gesellschaftspolitische Debatte.

Dazu kommt, dass es auch für uns als Dienst eine schwierige Situation ist. Denn diese Präventionsarbeit ist zum größten Teil projektgefördert. Da sind soziale Angebote – gerade in diesem niedrigschwelligen Bereich – einfach in Gefahr.

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Themen Gesundheit Sucht Menschen mit psychischen Erkrankungen Wed, 21 Apr 2021 18:22:57 +0200
Verbote behindern Prävention https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7682

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Themen Gesundheit Sucht Tue, 20 Apr 2021 16:12:25 +0200
Drogenberatung: Gamification https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23834&cHash=822206886891c8d543923ec7370af1b5

]]> ]]> Der Mensch ist ein Spielender – so formulierte es der niederländische Kulturhistoriker Johann Huizinga in seinem Buch Homo Ludens. Und er hat Recht! Spielen ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen DNA. Kinder lernen spielend die Welt kennen, Jugendliche zocken stundenlang Fortnite und auch für Erwachsene hat es sich noch lange nicht „ausgespielt“. Candy Crush in der U-Bahn, Teambuilding-Games auf Arbeit und eine Runde Risiko mit guten Freunden am Wochenende.

Spiele faszinieren, inspirieren und motivieren. Sie sind schon immer Teil unserer Kulturgeschichte und haben im Zuge der Digitalisierung weiter an Bedeutung gewonnen. Ebenso alt ist wahrscheinlich auch der Versuch, die motivierenden Eigenschaften des Spiels im Alltag zu nutzen. Vor einigen Jahren hat dieses Prinzip mit dem Neologismus Gamification eine neue Bezeichnung gefunden.

Gamifi...was?

Gamification meint den Einsatz von Spielelementen in spielfremden Umgebungen. Ziel ist es, den Spieltrieb der Nutzer*innen zu aktivieren, um sie für bestimmte Aktivitäten oder Verhaltensweisen zu motivieren. Es geht dabei nicht um die Entwicklung kompletter Spiele. Vielmehr sollen alltägliche Prozesse mit einzelnen Spielelementen wie z.B. Challenges, Wettbewerben, Punktesystemen, Leistungsbalken, Storylines oder Avataren angereichert werden.

Dabei funktioniert Gamification zunächst technologieunabhängig. Es wird in analoger Form realisiert, wie etwa in der New Yorker Schule Quest to Learn. Ebenso eröffnen die vielfältigen Produkte der Digitalisierung (z.B. Smartphones, Augmented-Reality, Internet-Of-Things) enorme Gestaltungsspielräume, um Spielelemente in alltägliche Kontexte zu implementieren. Gamification erfreut sich bereits in verschiedenen Bereichen (z.B. Gesundheit, Bildung, Wirtschaft) großer Beliebtheit. Auch in der Sozialen Arbeit ist es kein unbekanntes Prinzip, so werden Spielelemente etwa in der offenen Jugendarbeit schon auf vielfältige und kreative Weise eingesetzt. Im Rahmen der Drogenberatung fand die Strategie bisher kaum Beachtung. Dabei ist gerade hier die Motivation von Klient*innen eine wesentliche Bestimmungsgröße nachhaltiger Veränderungen und damit ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von Unterstützungsangeboten. Spielelemente haben auch in diesem Setting das Potential, die Klient*innenmotivation zu fördern.

Das Forschungsprojekt EMPAMOS – künstliche Intelligenz meets Brettspiele

In der Umsetzung ist Gamification in vielen Fällen ziemlich langweilig. Man denke nur an die Bonuspunkteprogramme vieler Supermärkte, bei denen sich das spielerische Erlebnis in Grenzen hält. Diese Beobachtung markierte den Ausgangspunkt für das interdisziplinäre Forschungsprojekt EMPAMOS, einer Kooperation zwischen den Fakultäten Informatik, Sozialwissenschaften und BWL der Technischen Hochschule Nürnberg und dem Deutschen Spielearchiv.

Im analytischen Interesse stand dabei die Frage, welche motivationalen Elemente in Spielen vorkommen und wie diese im Sinne eines funktionierenden Spielerlebnisses miteinander kombiniert werden. Hierfür wurden zunächst tausende Spielanleitungen digitalisiert und anschließend mittels maschineller Lernverfahren analysiert. Ergebnis ist eine empirisch fundierte Spielelemente-Taxonomie, die im Rahmen eines Workshop-Konzepts zur „Gamifizierung“ nicht-spielerischer Kontexte eingesetzt werden kann. Bei mudra wurde im Dezember 2019 der erste Gamification-Workshop im enterprise Büro durchgeführt.

Gerichtliche Beratungsauflagen oder „ich mach das halt, weil der Richter es will“

Im enterprise werden jährlich circa 500 junge Menschen beraten und begleitet. Der Zugang erfolgt bei einem Drittel der Klient*innen extrinsisch motiviert über richterliche Weisungen. Die Beratungsauflagen haben meistens einen Umfang von drei bis sechs Einzelgesprächen mit einer Dauer von jeweils 60 Minuten. Aus dem hohen Grad an Fremdbestimmung resultieren verschiedene motivationale Probleme. Zwar finden die meisten jungen Menschen den Austausch über drogenbezogene Themen spannend, jedoch formulieren sie selten einen konkreten Beratungsauftrag. Entsprechend haben die Berater*innen oft die unliebsame Aufgabe, die Beratungsgespräche für die Klient*innen inhaltlich auszugestalten. Dabei werden verschiedene Motivationsstrategien praktiziert.

Hierzu gehören etwa eine zieloffene Haltung gegenüber Konsumveränderungen, der Einsatz von Techniken aus dem Motivational Interviewing oder die Anwendung beratungsbegleitender Methoden (z.B. Risikocheck, Puzzle zur Konsumfunktionalität). Ein zentrales Ziel ist dabei, die Klient*innen zur Umsetzung von Risikokompetenzstrategien in ihrem Alltag anzuregen. Dies umfasst beispielsweise das Führen eines Konsumtagebuchs, die Reaktivierung alter Hobbies oder das Ausprobieren neuer Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Leider gelingt dieser Transfer in der Praxis oft nur unzureichend.

RIKO – Risikokompetenz spielerisch fördern

Im Rahmen des Gamification-Workshops entwickelten die Berater*innen verschiedene Ideen, wie diese motivationalen Probleme mit Spielelementen gelöst werden könnten. Als zentrales Instrument diente dabei der EMPAMOS-Spielelemente-Baukasten. Dieser erlaubt es, das Wissen aus dem Forschungsprojekt in konkrete Praxisfelder zu transferieren. Als Ergebnis entstand das hybride Gamification-Konzept RIKO („Risikokompetenz spielerisch fördern“), welches sowohl analoge als auch digitale Spielelemente integriert.

Hierfür wurden die Beratungsauflagen zunächst mittels spielerischer Elemente neu strukturiert. Für die Klient*innen geht es nicht mehr darum, eine spezifische Anzahl an Beratungsgesprächen zu absolvieren. Die Gewinnbedingung von RIKO besteht nun im Erreichen von 120 Erfahrungspunkten (experience points = XPs). Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Selbstverständlich finden weiterhin klassische Face-to-Face-Gespräche statt, jedoch werden diese durch sogenannte Boosts zwischen den Einheiten ergänzt. Das RIKO-Spielbrett visualisiert diese Struktur. Klient*innen können hier ihre Auflage planen und den momentanen Spielstand auf einem Fortschrittsbalken ablesen.

Klassische Face-to-Face-Gespräche werden in RIKO mit 20 XPs honoriert. Über die Inhalte entscheiden die Klient*innen selbstständig. Hier stehen unterschiedliche Vorschläge zur Auswahl, die bei Bedarf durch individuelle Themen ergänzt werden können. In einem Wissensquiz etwa werden Substanzinformationen spielerisch ausgetauscht. Der Risikocheck umfasst eine Beratungseinheit zum Testen der eigenen Konsumrisiken. Das Puzzle Drogen und Du gibt Einblicke in die individuellen Konsumfunktionalitäten und in der Beratungsstunde Skillz erkunden Klient*innen unter Einsatz von Lego Serious Play ihre Stärken und Zukunftsziele.

Zwischen den Beratungssessions können in unterschiedlichen Boosts weitere Erfahrungspunkte gesammelt werden. Im Zentrum steht dabei die medienpädagogische SmartphoneApp Actionbound, ein digitales Tool zur Gestaltung multimedialer Lernreisen. Die enterprise-Berater*innen haben hierfür eine Reihe von Boosts erstellt. So können sich die Klient*innen anhand von Videos und Wissenstests vertieft mit den Themen Cannabis, Konsumveränderung oder Führerscheinverlust auseinandersetzen (jeweils 20 XPs). Im Sinne von Medienkompetenz werden sie in einer Online-Schnitzeljagd (20 XPs) auf verschiedene Drogeninformationsseiten gelotst und müssen dort knifflige Rätsel lösen.

Die App enthält außerdem verschiedene GeoCaches. Klient*innen können anhand von GPSKoordinaten unterschiedliche Joggingstrecken in Nürnberg ablaufen und müssen dabei diverse Aufgaben erfüllen (z.B. „Fotografiere das Graffiti am Fuchsloch!“). Weitere Boosts umfassen das Führen eines Konsumtagebuchs (10 XPs pro Woche), die 8000 Schritte-pro-Tag-Challenge (20 XPs pro Woche) oder die Teilnahme am Kraftmontag, der wöchentlichen Klettergruppe des Mountain Activity Clubs (40 XPs). Selbstverständlich können auch hier individuelle Boosts formuliert werden. In welcher Höhe diese mit XPs belohnt werden, wird zwischen Klient*in und Berater*in individuell ausgehandelt.

Mögen die Spiele beginnen

RIKO wird seit September 2020 in der Beratungsstelle enterprise umgesetzt und von den Klient*innen bisher gut angenommen. Durch den spielerischen Zugang scheint es ihnen leichter zu fallen, sich mit ihrem Drogenkonsum auseinanderzusetzen und Veränderungen einzuleiten. Wir sind gespannt, ob diese ersten Praxiserfahrungen auch durch die systematisch erhobenen Daten aus der wissenschaftlichen Begleitung des Programms bestätigt werden. Bis das soweit ist, heißt es erstmal weiterhin: Mögen die Spiele beginnen!

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Themen Sucht Digitalisierung Mon, 19 Apr 2021 08:30:00 +0200
Mietendeckel-Urteil https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23818&cHash=9d610c41d5812432880ff583966d9552

]]> Anlässlich der heutigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Berliner Mietendeckel fordern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Paritätische Wohlfahrtsverband von der Bundesregierung mehr Engagement für eine wirksame Mietpreisbegrenzung und eine sozial gerechte und ökologisch verträgliche Wohnungs- und Baupolitik. Hohe Mieten belasten viele Menschen gerade während der aktuellen Krise ganz besonders – aber auch nach Corona bleibe Wohnen eine der zentralen sozialen und ökologischen Fragen unserer Zeit. Nötig seien wirksame Instrumente der Mietpreisbegrenzung wie ein Mietendeckel sowie öffentliche Investitionen in gutes und gesundes Wohnen für alle in einem sozialen und grünen Gemeinwesen, das Naherholungsmöglichkeiten und den Erhalt der Biodiversität genauso wie soziale und kulturelle Angebote sichert.

„Heute ist ein schwarzer Tag für Mieter*innen in Berlin, die von zu hohen Mietzahlungen und Verdrängung bedroht sind und leider ein guter Tag für  Mietenzocker. Es ist nun der Bund gefordert, die Länder zu ermächtigen oder selbst tätig zu werden, einen Mietendeckel auf den Weg zu bringen. Der Mietendeckel wird damit unweigerlich zu einem zentralen Wahlkampfthema. Für unser Gemeinwesen braucht es Möglichkeiten eines Mietendeckels und des Milieuschutz für Privatmieter, aber auch für soziale Einrichtungen”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

„Die heutige Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist ein herber Rückschlag für Mieterinnen und Mieter und die Umwelt. Das ewige Credo ‚Bauen, Bauen ,Bauen‘ löst die Wohnungsfrage nicht, sondern bedroht sogar die für die Menschen wertvolle Stadtnatur und damit die biologische Vielfalt. Es braucht stattdessen eine bundesweit geregelte Eindämmung der Mietpreise. Der BUND fordert zudem einen gemeinwohlorientierten Neustart in der Bodenpolitik, um Spekulationen zu verhindern und Stadtnatur zu schützen”, so der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt.

Beide Verbände betonen, dass auch eine Neuausrichtung in der Bodenpolitik kein Tabu bleiben dürfe. Boden sei Gemeingut und keine beliebige Ware, für das Gemeinwohl müsse der Markt begrenzt werden. Die Belange von Natur und Umwelt müssen bei Bebauungsplänen gestärkt werden und bei Bauprojekten ein Schwerpunkt auf dem sozialen und gemeinnützigen Wohnungsbau liegen. Dabei dürften soziale nicht gegen ökologische Interessen ausgespielt werden. Eine Förderung der Stadtnatur sei ebenso wichtig, um Folgen der Klimaerhitzung zu mildern, und Biodiversität und die Gesundheit zu fördern.

BUND und Paritätischer kündigen an, zur Bundestagswahl eine gemeinsame Agenda mit detaillierten Forderungen für eine sozial-ökologische Transformation vorzustellen.

Kontakt:
Gwendolyn Stilling, Der Paritätische Gesamtverband, Tel. 030/24636-305, pr@paritaet.org
Afra Heil, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Tel. 030/275 86-311, afra.heil@bund.net

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 15 Apr 2021 11:48:21 +0200
Impfen vor der Haustür https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=12&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23784&cHash=f84202eebb8b4860b3a815ad3b474eeb

]]> ]]> Wie kann man älteren Bürger*innen ein Impfangebot vor der eigenen Haustür machen? Wie kann man denjenigen helfen, die nicht mobil genug sind, um in das Impfzentrum in der Messestadt Riem zu fahren? Und diejenigen erreichen, die bisher noch gar kein Impfangebot bekommen haben?

„Wir sind Anlaufstelle für die älteren Menschen in unserem Stadtteil“, sagt Manuela Arnsperger. „Also: Warum diese Struktur nicht auch für die Impfungen nutzen?“ Seit über 40 Jahren gibt es das Alten- und Service-Zentrum (ASZ) Allach-Untermenzing des Paritätischen in Bayern. Es ist eines von insgesamt 32 Zentren in München. Die Münchner ASZs sind ein bundesweit einmaliges Konzept und Einrichtungen der Landeshauptstadt.

„Nachdem klar war, dass bei uns geimpft werden kann, haben wir zuerst die Besucher*innen unseres ASZ abtelefoniert“, erzählt Manuela Arnsperger. „Und dann Werbung über die Presse, Aushänge bei den Kirchengemeinden und Apotheken sowie die Pflegedienste und Hausärzt*innen gemacht.“ Ende März war es dann soweit: 54 über 80-Jährige wurden vom Impfteam der Aicher Ambulanz im ASZ Allach-Untermenzing geimpft. Der Gymnastikraum und der Wintergarten wurden zu Warte- bzw. Ruheräumen umfunktioniert, damit Abstände eingehalten werden konnten und keine Staus entstehen. In der Bibliothek wurde geimpft.

„Die Planung und Koordination des Impftages war viel Arbeit“, sagt Manuela Arnsperger. „Aber es gab viele positive Rückmeldungen von den geimpften älteren Menschen und ihren Angehörigen!“ Deshalb findet diese Woche auch bereits der zweite Impftag statt.

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Themen Ältere Menschen Gesundheit Mon, 12 Apr 2021 10:04:57 +0200
Kinderarmut ist kein Aprilscherz: Bildungs- und Teilhabepaket ist und bleibt "Murks" https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=01&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23748&cHash=11b30718124b1913c3b9ee6bbc9c29da

]]> Das sogenannte “Bildungs- und Teilhabepaket”, das vor zehn Jahren auf Druck des Bundesverfassungsgerichts von der Bundesregierung eingeführt wurde, um armen Kindern mehr Teilhabe zu ermöglichen, ist nach Ansicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes komplett gescheitert. Die Leistungen für benachteiligte Kinder und Jugendliche seien nicht geeignet, Kinderarmut zu bekämpfen, Teilhabe zu ermöglichen und Bildungsgerechtigkeit sicherzustellen, kritisiert der Verband. Trotz mehrfacher Nachbesserungen, zuletzt über das so genannte „Starke Familien Gesetz“, gehe das Paket nachwievor an der Lebenspraxis armer Kinder und ihrer Familien weitgehend vorbei.

“Das Bildungs- und Teilhabepaket war von Anfang an komplett an der Lebensrealität Heranwachsender und den Strukturen vor Ort vorbei konzipiert und zum Scheitern verurteilt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Bundesregierung nach zehn Jahren ernüchternder Praxiserfahrung und entgegen dem Rat vieler Expert*innen immer noch an diesem sozialpolitischen Murks festhält”, so Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Mit dem Bildungs- und Teilhabepaket wird seit 2011 benachteiligten Kindern und Jugendlichen ein monatlicher Zuschuss in Höhe von 10 Euro (seit dem 1. August 2019: 15 Euro) für Mitgliedsbeiträge in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur und Geselligkeit, für Musikunterricht und die Teilhabe an Freizeiten in Aussicht gestellt. Obwohl die Leistungen praktisch nur einem Teil der Jugendlichen zu Gute kommen, wurden Regelsatz-Bestandteile im Gegenzug für alle Kinder und Jugendlichen pauschal gestrichen. Auch knapp zehn Jahre nach Einführung profitieren laut einer Studie des Paritätischen nur bis zu 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter 15 Jahren im Hartz-IV-Bezug von den sogenannten „soziokulturellen Teilhabeleistungen“, 85 Prozent der Leistungsberechtigten wurden in der Praxis dagegen nicht erreicht.

Durch Corona sei der akute Handlungsbedarf noch einmal bitter zu Tage getreten, betont der Verband. “Homeschooling und andere coronabedingte Beschränkungen des öffentlichen Lebens haben deutlich gemacht, wie schwierig die Lage einkommensarmer Eltern ist. Es fehlt schon im normalen Alltag vorne und hinten an Geld, um den Kindern eine unbeschwerte Kindheit und ein Mindestmaß an Teilhabe zu ermöglichen, in der Pandemie hat sich die Not potenziert”, so Hesse. So richtig und wichtig es gewesen sei, dass Arbeitsminister Hubertus Heil inzwischen den Weg frei gemacht habe für die Kostenerstattung von Laptops für einkommensarme Schüler*innen, so wenig können solche Einzelmaßnahmen darüber hinwegtäuschen, dass es grundlegender Reformen bedarf, um Kinderarmut wirksam abzuschaffen.

“Was es braucht, ist politischen Mut, sich von dem verkorksten Bildungs- und Teilhabepaket endlich zu verabschieden, und den politischen Willen, Kinderarmut wirklich zu stoppen“, fordert Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Paritätische bekräftigt seine Forderung nach der Einführung eines Rechtsanspruchs auf Angebote der Jugendarbeit im Kinder- und Jugendhilfegesetz und die Einführung einer bedarfsgerechten, einkommensabhängigen Kindergrundsicherung.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
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Presse Fachbereich Frauen / Familie / Geschlechterpolitik Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Bildung Familie Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Thu, 01 Apr 2021 09:52:50 +0200
Queer am Arbeitsplatz https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7674

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Themen Queer Demokratie stärken Tue, 30 Mar 2021 15:18:12 +0200
Rollenklischees nerven https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23731&cHash=c3f4f0c8369317e3be33b319206915e7

]]> ]]> Wann hast Du mitbekommen, dass du im „falschen Körper“ lebst?

Meine früheste Erinnerung reicht bis in die Kindergartenzeit zurück. Schon damals dachte ich, wie schön es wäre, ein Mädchen zu sein. In der Pubertät habe ich zum ersten Mal erfahren, dass eine Geschlechtsumwandlung möglich ist. Damals fehlte mir aber die Aufklärung über den Transprozess und so wusste ich auch nicht, dass man die OP über die Krankenkasse abwickeln kann. Ich war dann in der Gothic Szene unterwegs. Da fielen meine langen Haare nicht auf, und ich konnte als Kompromiss Herrenröcke tragen.

Während der Ausbildung habe ich mich beraten lassen – im Sonntagsclub in Berlin. Ich lebte damals in der Nähe von Berlin. Dort habe ich eine Liste mit Therapeuten bekommen. Als Frau leben, wollte ich erst nach der Ausbildung aus Sorge vor den Reaktionen meiner Mitschüler in der Berufsschule. Jugendliche können echt fies sein. Das wollte ich mir nicht antun.

Wo hast Du während des Geschlechtsumwandlungsprozesses Unterstützung bekommen?

Mein Therapeut hatte mir empfohlen, eine Gruppentherapie zu machen. Ich war immer schon ein Einzelgänger und wollte erst gar nicht in die Gruppe. Das hat mir dann aber doch sehr gutgetan. Und meine Mutter hat mich immer unterstützt.

Ich bin auch jetzt noch in einer Selbsthilfegruppe aktiv. Weil es mir hilft, und weil ich meine Erfahrungen gern an andere weitergeben möchte.

Eine Geschlechtsumwandlung geht nicht von heut auf morgen. Wie lange dauert so ein Prozess? Und ab wann hast Du als Frau gelebt?

Das ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich und sehr individuell. Ich habe mir Zeit dabei gelassen, insgesamt vier oder fünf Jahre. Ich bin lange noch zu den Gruppentreffen in Männersachen gegangen. An einem Abend war das Thema in der Gruppe: Warum ich denn immer noch keine Frauenkleider trage. Das war an Halloween. Ich hatte mich einfach nicht getraut, als Mann in der Damenabteilung shoppen zu gehen.

Eine Teilnehmerin hat mich an dem Abend unter ihre Fittiche genommen, mir Sachen von ihr geliehen, und dann sind wir im Schutz des Halloweenabends shoppen gegangen. Seitdem bin ich auch äußerlich als Frau zu erkennen.

Die Operation erfolgt in jedem Fall erst nach mindestens einem Jahr Alltagstest. Die lässt sich dann ja nicht mehr rückgängig machen.

Wie hat Dein Umfeld auf Dein Comingout reagiert? Wie hast Du es Deiner Familie erzählt?

Das war bei einem Ausflug. Während der Autofahrt lief im Radio ein Beitrag über Conchita Wurst. Darauf reagierten meine Eltern sehr positiv. Beim Spaziergang nahm mich meine Mutter beiseite. Sie erzählte davon, dass sich der Sohn eines Bekannten das Leben genommen hat. Und sie sich um mich Sorgen macht, weil ich sehr zurückgezogen war. Egal was ist, sie würde mich immer unterstützen. Das hat es mir ganz einfach gemacht: ‚suizidgefährdet bin ich nicht, aber ich bin dabei, eine Frau zu werden.‘ Sie hat super offen reagiert und hat für mich mein Outing in der Familie und in meinem Heimatdorf übernommen.

Als ich zum ersten Mal als Frau nach Hause kam, wussten die Nachbarn und meine Oma schon Bescheid. Sie waren sehr aufgeschlossen und haben interessiert nachgefragt. Nur an meinen neuen Namen mussten sich erst gewöhnen.

Musstest Du auch Anfeindungen erleben?

Ich habe zum Glück kaum negative Erfahrungen gemacht. Anfangs mal abfällige Bemerkungen im Supermarkt, oder Jugendliche in der S-Bahn, die sich über mich lustig gemacht haben.

Ich weiß, was passieren kann, und bin deshalb insgesamt eher vorsichtig. In der Gruppe haben einige von ihren schlimmen Erfahrungen erzählt. Zwei Teilnehmerinnen wurden komplett von ihrer Familie verstoßen.

Und im Job oder bei Bewerbungsgesprächen? Hast Du da Diskriminierung erfahren?

Zum Glück habe ich keinerlei ablehnende Haltung erfahren. Die IT-Branche, in der ich arbeite, ist sehr tolerant. Ich habe einen coolen Chef. Ich bin mir nicht sicher, ob er weiß, dass ich eine Transfrau bin. Das spielt bei der Arbeit einfach keine Rolle. Wenn mich jemand interessiert danach fragt, beantworte ich gern Fragen. Aber ich erzähle nicht von mir aus, dass ich eine Transfrau bin.

Für transidente Personen hat sich in den letzten Jahren einiges verbessert. Wie bewertest Du das? Was muss sich aus Deiner Sicht ändern, damit unsere Gesellschaft offener wird?

Ich finde es gut, dass es jetzt die Möglichkeit des dritten Geschlechts gibt, dass die Festlegung auf männlich oder weiblich nicht mehr zwingend ist. Auf politischer Ebene sollte das Verfahren zur Personenstandsänderung dringend vereinfacht werden. Der Aufwand ist extrem hoch und die benötigten Gutachten sind teuer. Bei mir hat es über ein Jahr gedauert. Warum muss ich für eine Namensänderung vor Gericht erscheinen?

Was auch nervt, sind die Rollenklischees und Schubladen, die schon den Kleinsten mitgegeben werden. Jungs spielen mit Autos und tragen blaue Sachen, die rosa Mädchen spielen mit Puppen. Das ist leider die dominierende Wahrnehmung. Das macht es für Kinder, die sich anders fühlen schwer. Diese Rollenklischees lassen sich nur aufbrechen, wenn man bei den Kleinen anfängt.

Wo sich auch dringend etwas verbessern muss, ist bei der Aufklärung. Im Schulunterricht müssen Homo- und Transthemen selbstverständlich behandelt werden. Für transidente oder homosexuelle Jugendliche ist die Situation besonders schwer, weil sie sich damit alleingelassen fühlen. Solche Themen werden tabuisiert. Da ist Bayern besonders rückständig, was den Lehrplan angeht.

Wenn Du auf die letzten Jahre zurückblickst, würdest Du etwas anders machen?

Rückblickend hätte ich die Geschlechtsumwandlung gern schon vor der Pubertät gemacht, vorm Stimmbruch, vorm Einsetzen des Bartwuchses. Aber ansonsten würde ich alles wieder so machen. Bei den Gruppensitzungen habe ich gelernt, dass man entweder gestärkt oder geschwächt aus dem Prozess hervorgeht. Ich bin deutlich selbstbewusster geworden und das dicke Fell aus meiner Gothiczeit hat mir da gut geholfen.

*Name geändert

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Themen Queer Demokratie stärken Tue, 30 Mar 2021 12:47:00 +0200
Paritätische Grundsätze https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24364&cHash=ecd143a888158cf00fec0ae685bf4648

]]> ]]> Präambel

Um den Klimawandel zu stoppen, bedarf es der Anstrengung der gesamten Gesellschaft. Jede*r Einzelne trägt Verantwortung für Klimaschutz. Die Politik muss dabei die Rahmenbedingungen setzen, die Organisationen, Unternehmen und Individuen den notwendigen Wandel ermöglichen. Es geht staatlicherseits um notwendige Steuerung, aber auch darum, allen Verbraucher*innen zu ermöglichen, ihrer individuellen Verantwortung nachzukommen und klimabewusst zu konsumieren.

Auch der Paritätische sieht es als seine Aufgabe, nachhaltiges Verhalten bei sich und seinen Mitgliedern zu fördern. Er ist aber auch in der Pflicht, auf Gerechtigkeit zu drängen, wenn es um Belastungen geht, die mit einer offensiven Klimaschutzpolitik verbunden sind, und darauf zu achten, dass niemand dabei an den gesellschaftlichen Rand gedrängt wird.

Klimaschutz berührt eine ganze Reihe von Kernthemen des Paritätischen, von der Entwicklungszusammenarbeit und Humanitären Hilfe über das Wohnen bis hin zu Mobilität und Infrastruktur. Der Verband sieht sich daher aufgerufen, Stellung zu beziehen und im Zweifelsfall auch Partei zu ergreifen; seien es die Geschädigten klimapolitischer Unterlassungen weltweit oder die vielen Unterprivilegierten, die hierzulande darauf angewiesen sind, dass die notwendige ökologische Wende eine sozial-ökologische sein wird.

Einleitung

Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Würde. Dafür macht sich der Paritätische in Deutschland und auch in der internationalen Zusammenarbeit stark. Dabei rückt der Klimawandel als ein entscheidender Einflussfaktor auf die Lebensbedingungen der Menschen weltweit immer stärker in den Fokus. Denn die Folgen des Klimawandels sind mit existentiellen Verwerfungen verbunden. Die Ärmsten tragen die Hauptlast. Es ist davon auszugehen, dass bereits stattfindende Verteilungskonflikte um Böden, Wasser und Nahrung zunehmen werden. Um der Klimakrise entgegenzutreten, fordert der Paritätische einen gerechten und konsequenten Klimaschutz.

Klimagerechtigkeit schaffen

Die internationale Staatengemeinschaft hat sich mit der Verabschiedung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030 vorgenommen, bis 2030 Armut zu halbieren und extreme Armut gänzlich zu beseitigen, soziale Ungleichheit abzubauen, den Hunger zu beenden und Ernährungssicherheit zu schaffen. Diese Ziele können nur dann erreicht werden, wenn erhebliche Anstrengungen auch im Bereich des Klimaschutzes unternommen werden.

Die heutigen Industrieländer sind auf Grund ihres historischen Beitrags zum Klimawandel in besonderem Maße gefordert, die im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarten Klimaschutzziele konsequent umzusetzen. Das ist eine Frage von Gerechtigkeit. Ferner müssen sie aufgrund ihrer hohen Emissionen sowie technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten weltweit eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen. Der globale Norden steht in der Verantwortung, die Länder des globalen Südens bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowohl technisch als auch finanziell zu unterstützen. Der Paritätische fordert, dass Deutschland seinen Beitrag in der bilateralen Klimafinanzierung sowie an multilateralen Mechanismen, insbesondere dem Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen, verstetigt.

Gleichzeitig muss sich die Bundesregierung für mehr Unterstützung im Bereich der Klimarisikofinanzierung sowie der weltweiten Katastrophenvorsorge und -schutzmaßnahmen, z.B. im Rahmen der Humanitären Hilfe, einsetzen. Nur so können Menschen und Gemeinschaften in Risikogebieten für Naturkatastrophen besser auf die extremen Wetterereignisse vorbereitet, ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt und ihr Schutz vor klimabedingten Verlusten und Schäden verbessert werden.

Im Sinne der Agenda 2030 muss Klimaschutz in den nationalen Politiken und auf EU-Ebene zudem stärker als Querschnittsthema verankert und gemeinsam mit wirt-schaftlichen und sozialen Fragen gedacht werden. So muss sich auch die Handelspolitik der Europäischen Union und Deutschlands den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens unterordnen. Handelsabkommen dürfen dringend notwendige Klimaschutzmaßnahmen nicht konterkarieren. Der Paritätische fordert eine Abkehr von aggressiven Exportstrategien bei Agrarprodukten und der Förderung industrieller Landwirtschaft auf Kosten von kleinbäuerlicher Landnutzung. Vielmehr muss der Ausbau regionaler Wertschöpfungsketten in den Vordergrund rücken, um die vom Klimawandel besonders betroffenen Kleinbäuer*innen zu stärken.

Klimaschutz konsequent vorantreiben, sozialer Spaltung entgegentreten

Die bisherigen Bemühungen Deutschlands beim Klimaschutz sind bei weitem nicht ausreichend – weder auf internationaler noch auf nationaler Ebene. Es braucht eine ambitionierte und verbindliche Klimaschutzpolitik, die geeignet ist, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das kann nur durch weitreichende Maßnahmen in unterschiedlichen Politikfeldern gelingen.

Die Notwendigkeit einer ökologischen Wende trifft in Deutschland auf eine Gesellschaft mit großen und wachsenden Ungleichheiten und damit auch auf Menschen, die in sehr unterschiedlichem Maße in der Lage sind, mit Klimaschutz verbundene Kosten zu stemmen. Vergangene klimapolitische Maßnahmen haben gezeigt, wie groß die Gefahr ist, dass Klimapolitik soziale Ungerechtigkeit weiter verschärft und damit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet. So hat das Instrument der energetischen Gebäudesanierung ohne wirkungsvollen Mieterschutz zu einer Förderung der Verdrängung von Mieter*innen geführt. Das Beispiel Wohnen verdeutlicht, wie klimapolitische Maßnahmen soziale Spaltung zu befördern drohen, wenn sie existentielle Güter ohne adäquaten Ausgleich verteuern und damit Menschen von ihnen ausschließen. Damit Klimaschutz von allen mitgetragen werden kann, muss die ökologische Wende soziale Fragen von Anfang an mitdenken. Nur bei Abwesenheit sozialer Existenzängste und einem starken sozialen Zusammenhalt kann es gelingen, eine breite gesellschaftliche Zustimmung zu einer ambitionierten Klimapolitik zu gewinnen. Klimapolitik braucht einen funktionierenden Sozialstaat und sie muss sozial gerecht sein. Es bräuchte daher nicht nur eine ökologische, sondern eine sozial-ökologische Wende.

Chancen einer sozial-ökologischen Wende nutzen

Eine gelingende sozial-ökologische Wende erfordert einen grundlegenden politi-schen Kurswechsel. Dieser Kurswechsel eröffnet zugleich die Chance für entscheidende soziale Verbesserungen. Ziel einer sozial-ökologischen Wende muss es sein, allen Menschen ein klimafreundliches Leben zu ermöglichen und soziale Ungleichheit abzubauen. Insbesondere erfordert dieser Wandel Maßnahmen in den Bereichen Wohnen, Verkehr, Infrastruktur sowie der Sozial-, Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Gebäude haben einen wesentlichen Anteil am Gesamtenergiebedarf und an den Treibhausgasemissionen in Deutschland und bieten große Potentiale für mehr Energieeffizienz. Geeignete Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden gehören daher zu einer wichtigen Säule des Klimaschutzes. Dabei muss sichergestellt werden, dass klimapolitische Maßnahmen nicht als Instrument der Profitmaximierung zu Lasten von Mieter*innen genutzt werden können. Darüber hinaus muss es das Ziel einer am Leitbild der sozial-ökologischen Wende orientier-ten Wohnungspolitik sein, alle Menschen mit klimafreundlichem und menschenwürdigem Wohnraum zu versorgen.

Auch der durch motorisierten Individualverkehr geprägte Verkehr von heute bietet enormes CO2-Einsparungspotenzial. PKW-, LKW-, Flugverkehr und Schifffahrt gehen mit einem hohen Energieverbrauch einher. Der Paritätische fordert eine grundlegende Wende in der Verkehrspolitik, die zugleich die Möglichkeit gesellschaftlicher Partizipation verbessert. Sowohl aus klimapolitischer als auch aus sozialer Perspektive muss das Ziel ein möglichst kostenloser, inklusiver und ökologischer öffentlicher Nahverkehr sein. Dieser muss Hand in Hand gehen mit einer Verlagerung des Regional- und Fernverkehrs von der Straße auf die Schiene. Der Schienenverkehr muss das gesamte Land in der Fläche erschließen, die Nutzung der Bahn zu bezahlbaren Preisen ermöglicht werden. So kann die Abhängigkeit vom Individualverkehr verringert werden und damit sowohl die Umwelt- und Klimabelastungen drastisch reduzieren, als auch mehr Menschen der Zugang zu Mobilität eröffnet werden. Um die Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Konzepte voranzutreiben, muss außerdem massiv in die Klimaschutzforschung investiert werden.

Gleichzeitig können lange klimaschädliche Verkehrs- und Transportwege durch die Förderung von Dezentralität und Nähe vermieden werden. Dies schließt insbesondere den Ausbau der regionalen Daseinsvorsorge ein: Angebote wie Kindergärten, Schulen, Seniorentreffs oder Beratungsstellen müssen soziale Anlaufpunkte für alle Bürger*innen bieten. Mietverhältnisse von sozialen Trägern, kleinen Geschäften und anderen für die Wohnqualität und Versorgung relevanten Angeboten müssen geschützt werden. Die so ermöglichten kurzen Wege reduzieren klimaschädliche Emissionen und verbessern zugleich die Lebensqualität vor Ort.

Für soziale Sicherheit und Gerechtigkeit sorgen

Eine effektive Klimaschutzpolitik wird notgedrungen mit spürbaren Einschränkungen und Belastungen verbunden sein und erfordert zugleich eine breite gesellschaftliche Zustimmung. Diese wird nicht zu gewinnen sein, wenn ein großer Teil der Bevölkerung ohnehin soziale Abstiegsängste hat, den eigenen Status als prekär erlebt und sich um die Zukunft sorgt. Voraussetzung für eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik ist daher ein zuverlässiger Sozialstaat, der den Menschen soziale Sicherheit garantiert, sodass sich jede*r ein klimafreundliches Leben leisten kann. Je mehr Gleichheit eine Gesellschaft in der Verteilung von Ressourcen und Möglichkeiten aufweist, umso leichter wird ihr eine anspruchsvolle Klimapolitik fallen. Daher ist die ökologische Transformation nur als eine sozial-ökologische denkbar. Eine gute Alterssicherungspolitik ist ebenso angezeigt wie die Schaffung einer sanktionsfreien Grundsicherung, die Bekämpfung von Kinderarmut oder aber eine Mindestlohn- und Beschäftigungspolitik, die im Zweifel auch selbst gute Arbeit schafft.

Die sozial-ökologische Transformation zwingt aufgrund ihrer notwendigen Vehemenz auch dazu, Systemfragen der sozialen Daseinsvorsorge zu stellen: So wird sich diese Gesellschaft kaum noch leisten können, existenzielle Grundbedürfnisse wie Wohnen, Pflege oder Gesundheit vor allem der Verwertungslogik gewinnorientierter Unternehmen unterzuordnen. Politische Maßnahmen müssen sich dagegen wieder stärker an den Bedarfen der Menschen, einem möglichst effizienten Ressourceneinsatz und den Notwendigkeiten eines konsequenten Klimaschutzes orientieren. Die Gemeinnützigkeit erfährt als Struktur- und Wirtschaftsprinzip eine neue gesellschaftspolitische Relevanz.

Die mit der sozial-ökologische Wende auf unsere Gesellschaft zukommenden Investitionsbedarfe sind erheblich. Sie werden die Steuer- und Subventionspolitik sowie die öffentlichen Haushalte vor große Herausforderungen stellen. Für den Erfolg und die Zustimmung aus der Bevölkerung wird es entscheidend darauf ankommen, dass die zu ergreifenden haushalts- und steuerpolitischen Maßnahmen von den Bürger*innen als sozial, solidarisch und gerecht erlebt werden. Die stärkere Heranziehung sehr hoher Einkommen, großer Vermögen und Erbschaften dürfte in diesem Zusammenhang genauso auf der Agenda stehen wie die Bekämpfung systematischen Steuerbetruges und Steuervermeidung insbesondere international tätiger Konzerne.

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Themen Klimaschutz Mon, 29 Mar 2021 09:22:00 +0200
Corona-Zuschuss zu gering und verfassungswidrig https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23729&cHash=96cd0311a487f1d5724bd50c50e8d753

]]> Das heute ergangene Urteil des Sozialgerichts Karlsruhe, das den geplanten einmaligen Corona-Zuschuss für Grundsicherungsbeziehende für zu gering und verfassungswidrig hält, kommentiert der Paritätische Gesamtverband wie folgt:

Der Paritätische Gesamtverband bewertet es als beschämend, dass das Sozialgericht Karlsruhe nun bereits zum wiederholten Mal das armutspolitische Versagen dieser Bundesregierung in der Corona-Krise feststellen muss. Mit dem Hinweis, dass ein Zuschlag von 100 Euro pro Monat nötig wäre, um die Mehrbedarfe angesichts der Pandemie zu kompensieren, folgt das Gericht der Forderung von rund 50 Gewerkschaften und Sozialverbänden.

"Das Krisenmanagement der Bundesregierung ist ein armutspolitisches Trauerspiel. Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich dafür zu sorgen, dass Deutschland wieder seinen sozialstaatlichen Verpflichtungen nachkommt", so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. "Es braucht eine zügige Erhöhung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro und für die Dauer der Pandemie finanzielle Soforthilfe in Höhe von 100 Euro pro Kopf und Monat für alle, die auf existenzsichernde Leistungen angewiesen sind."

Mehr Informationen zum Appell “Corona trifft Arme extra hart - Soforthilfen jetzt!” unter www.der-paritaetische.de/coronahilfe

Hintergründe und Reportagen zur Lage armer Menschen während der Corona-Pandemie finden Sie auch in einer aktuellen Schwerpunktausgabe unseres Verbandsmagazins: https://www.der-paritaetische.de/publikation/verbandsmagazin-der-paritaetische/der-paritaetische-221/

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Presse Corona Allgemeine Informationen Soziale Teilhabe und Armut Fri, 26 Mar 2021 09:56:00 +0100
EU-Reformvorschläge zur Migrations- und Asylpolitik werden Kinderrechten nicht gerecht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23737&cHash=1c923a2a7c5c89a2722953ad2796401f

]]> Eine Rechtsanalyse im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks, des Deutschen Komitees für UNICEF, des Paritätischen Gesamtverbands sowie von Plan International Deutschland, Save the Children Deutschland, terre des hommes Deutschland und World Vision Deutschland hat gezeigt, dass die Rechte von Kindern in den Vorschlägen der Europäischen Kommission für ein Migrations- und Asylpaket nicht umfassend verankert werden. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern die Organisationen daher, dass das Kindeswohl in allen Verfahren vorrangig behandelt wird, wie es die UN Kinderrechtskonvention vorgibt.

"Wir begrüßen zwar, dass die Europäische Kommission teils in ihrem Entwurf des Migrations- und Asylpakets auf die Belange und Rechte von Kindern eingeht. Es fehlt allerdings eine systematische und damit auch praktisch durchsetzbare Sicherstellung der Rechte von Kindern", heißt es in dem heute veröffentlichten Positionspapier. "Die Vielzahl von Richtlinien und Verordnungen greifen keineswegs nahtlos ineinander. Dadurch entstehen Regelungslücken und eine Unübersichtlichkeit, die einen effektiven Schutz von Kindern und die flächendeckende Umsetzung ihrer Rechte verhindern."

In dem Positionspapier äußern die beteiligten Organisationen die Sorge, dass das Reformpaket in der aktuellen Form die Situation geflüchteter und migrierter Kinder insgesamt verschlechtert. So gebe es zwar einige positive Ansätze, wie zum Beispiel die Einführung eines Monitoring-Mechanismus und die Anerkennung von Geschwistern als Teil der Kernfamilie, doch insbesondere die entstehenden Regelungslücken hätten negative Auswirkungen auf die Situation von Kindern. So besteht zum Beispiel die Gefahr, dass unbegleiteten Kinder keine vormundschaftliche Vertretung mit geeigneten fachlichen Qualifikationen zur Seite steht.

Die Organisationen fordern, dass der besondere Schutzbedarf von Kindern geprüft werden muss und eine kindgerechte Unterbringung von Anfang an sicherzustellen ist. Kinder dürfen nicht in Haft genommen oder unter haftähnlichen Bedingungen untergebracht werden. Aus Sicht der Organisationen ist es unerlässlich, der Definition der UN-Kinderrechtskonvention Rechnung zu tragen, nach der allen Kindern ein besonderer Schutzbedarf und besondere Rechte zwingend gewährt werden müssen.

Hintergrund

Am 23. September 2020 stellte die EU-Kommission ein "Migrations- und Asylpaket" vor, das aus einer Reihe von Gesetzesentwürfen zur europäischen Migrations- und Asylpolitik besteht. Kernziele der Kommission sind die Etablierung eines effizienten und schnellen Verfahrens an den EU-Außengrenzen, die Verhinderung von Sekundärmigration durch Sanktionen sowie die verbesserte Durchsetzung der Ausreisepflicht.

Das Positionspapier mit den Forderungen der Organisationen finden Sie hier:
https://www.der-paritaetische.de/fachinfo/positionspapier-kinderrechte-im-eu-migrations-und-asylpaket-konsequent-verankern/

Die rechtliche Analyse zur Rechtsstellung von Kindern im neuen Migrations- und Asylpaket der EU findet sich hier: https://www.der-paritaetische.de/fachinfo/rechtliche-analyse-ueber-die-situation-von-kindern-im-europaeischen-migrations-und-asylpaket-veroeffen/https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Schwerpunkte/Fluechtlingshilfe/doc/MAP_Rechtliche_Analyse_final.pdf

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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Fachbereich Migration Kinder und Jugend Migration und Flucht Fri, 26 Mar 2021 08:41:00 +0100
Kampagne Mietenstopp anlässlich des Housing Action Days https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23736&cHash=fd5c1bc35e19fa022364c405d09911b3

]]> Er ist der Protesttag gegen die extremen Auswüchse auf dem Wohnungsmarkt: Der “Housing Action Day”. Dieses Jahr machen Aktivist*innen am Wochenende des 27. und 28. März in vielen Ländern in ganz Europa auf die äußerst angespannte Lage auf den Mietmärkten aufmerksam. Auch in Deutschland führt ein aus den Fugen geratener Markt dazu, dass Menschen ihr Zuhause verlieren. Die Mietpreisspirale dreht sich weiter nach oben, die Corona-Pandemie verschärft die Lage zusätzlich. Es braucht dringend strengere Regeln, um Mieterinnen und Mieter zu schützen.
 
Die neue, bundesweite, breit aufgestellte Kampagne “Mietenstopp! Denn dein Zuhause steht auf dem Spiel” fordert deswegen ein sofortiges, beherztes Eingreifen der Entscheider*innen in der Politik. Erster
Schritt sollte ein bundesweiter Mietenstopp für sechs Jahre sein. Denn nur so können Bestandsmieter*innen jetzt geschützt werden. Während der sechs Jahre Atempause müssen dringend nötige Reformen angegangen werden: So braucht es etwa deutlich mehr Neubau von bezahlbaren Mietwohnungen und ein soziales Bodenrecht – denn immer weiter steigende Bodenpreise führen zu steigenden Mieten. Bund, Länder und Kommunen müssen sich außerdem wieder verstärkt ihrer Verantwortung als Anbieter günstiger, öffentlicher Wohnungen bewusst werden. Alle Forderungen der Kampagne finden sich unter www.mietenstopp.de
 
Mieterinnen und Mieter müssen endlich besser geschützt werden, damit unser soziales Gefüge nicht in Gefahr gerät. Um daran zu erinnern, wird die Kampagne Mietenstopp ab sofort jeden Monat den Preis
die “Goldene Mietenklatsche” verleihen. Den Preis erhält, wer nachdrücklich und mit besonderer Hingabe die Situation der Mieter und Mieterinnen verschlechtert. Die Ehre der Auszeichnung wird als erstem
Preisträger der Landesregierung von Schleswig-Holstein zuteil, die sich jüngst erst öffentlich dafür gerühmt hat, den Mietenanstieg 2020 deutlich abgeschwächt zu haben. Die auch als Jamaika-Koalition
(Schwarz-Gelb-Grün) bezeichnete Regierung von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte Ende 2019 als erstes Bundesland die Mietpreisbremse vorzeitig abgeschafft sowie die Absenkung der Kappungsgrenzen für Mieterhöhungen im Bestand auslaufen lassen.
 
Laut aktuellen Zahlen, die die landeseigene Investitionsbank Schleswig-Holstein im Rahmen des Mietenmonitorings Mitte März veröffentlicht hat, sind die Neuvertragsmieten “nur” um 2,9 Prozent im Vergleich
zum Vorjahr gestiegen. Der Flächenstaat Schleswig-Holstein liegt aber damit voll im Bundesdurchschnitt von 3 Prozent, wobei einzelne Städte und Kreise mit außergewöhnlich hohen Mietsteigerungen von
5,5 Prozent in Lübeck oder 7,1 Prozent in Ostholstein aufhorchen lassen. Dank der Landesregierung können jetzt auch wieder die Bestandsmieten um bis zu 20 Prozent statt 15 Prozent innerhalb von drei Jahren erhöht werden, womit sich die steigenden Neuvertragsmieten noch schneller in den örtlichen Vergleichsmieten deutlich machen werden. Dagegen sind die Löhne und Einkommen vieler Mieterinnen und Mieter aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise gesunken. Für das Bündnis Mietenstopp ist diese Entwicklung im Gegensatz zur Landesregierung kein Grund zum Feiern, zumal die Jamaika-Koalition ein Mietenmoratorium zum Schutz vor Kündigung und Zwangsräumung vehement ablehnt. Gute Mietenpolitik geht anders!
 
Vertreter*innen der Kampagne Mietenstopp fordern anlässlich des Housing Action Days:
 
Lukas Siebenkotten, Deutscher Mieterbund:
Das Recht auf Wohnen ist ein Menschenrecht. Deshalb darf Wohnraum auch keine herkömmliche Ware sein. Der Gebrauch des Eigentums verpflichtet – und zwar dem Wohle der Allgemeinheit. Die Spekulation mit Wohnraum vieler für maximale Gewinne weniger sowie die Preistreiberei auf dem Mietwohnungsmarkt müssen sofort beendet werden. Der von uns geforderte sechsjährige Mietenstopp ist die benötigte Atempause für Mieterinnen und Mieter und gibt Luft zur Schaffung des dringend benötigten bezahlbaren Wohnraums. Lippenbekenntnisse der Politik gibt es genug, jetzt muss endlich gehandelt und ausreichend bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden!«
 
Lorena Jonas, 23 Häuser sagen NEIN, Berlin:
Die Pandemie zeigt deutlicher denn je, welche Rolle das eigene Zuhause in unserer Gesellschaft spielt. Es ist nicht nur das behütende Dach über dem Kopf für Familie, Gesundheit und Rückzug, sondern für viele sogar Schule, Kita und Arbeitsstätte. Dieser Tage wird offenkundig, dass der Wohnraum essentiell für unser aller Leben ist und er deswegen ganz grundlegend geschützt werden muss. Es ist nicht mehr
begründbar, dass dieses Zuhause der Vielen als Anlageoption der Wenigen genutzt wird oder sogar als Spekulationsobjekt auf der Börse liegt. Denn diese Verwertungslogik wird immer auf Kosten der Mieter*innen verfolgt. Ein bundesweiter Mietenstopp schiebt dem einen Riegel vor. Er sorgt für konsequente Sicherheit dort, wo sie unabdingbar gebraucht wird: Im Zentrum unser aller Leben.«
 
Dr. Ulrich Schneider, Der Paritätische Gesamtverband:
Die Miete ist vielerorts ein Armutsrisiko. Die hohen Mieten in den Städten sind besorgniserregend und treffen Menschen, die es auf dem Wohnungsmarkt ohnehin schwer haben: Pflegebedürftige, Alleinerziehende und kinderreiche Familien, Migrant*innen, Menschen mit Behinderung und Rentner*innen in Altersarmut. Arme Haushalte müssen inzwischen fast die Hälfe ihres Einkommens für die Miete aufbringen. Während der Corona-Pandemie sind ärmere Menschen noch stärker belastet.«
 
Tilman Schaich, #ausspekuliert, München:
Die Entwicklungen zeigen, dass trotz größter Bemühungen der Bundesregierung gar nicht so schnell gebaut werden kann, wie Wohnraum benötigt wird. Selbst wenn ab jetzt noch mehr gebaut werden würde:
Es würde viele Jahre dauern, bis diese Wohnungen zur Verfügung stehen. Auf genau diese Jahre kommt es jetzt aber an. Die möglichen Gewinne in der Immobilienbranche machen Spekulation und die damit zusammenhängende Verdrängung so unglaublich attraktiv - und der gesetzliche Rahmen bietet den Boden dafür. Wir brauchen jetzt einen Mietenstopp, damit die notwendigen Reformen umgesetzt werden können und währenddessen wir Mieter*innen geschützt sind.«
 
Kalle Gerigk, Recht auf Stadt Köln:
In Deutschland werden täglich Menschen zwangsgeräumt. Viele werden obdachlos und landen auf der Straße. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der ein Menschenleben weniger zählt als
wirtschaftliche Interessen. Ich fordere eine Wohnungspolitik, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht an den Profitinteressen der Investor*innen.«
 
 
Die Kampagne Mietenstopp ist eine zivilgesellschaftliche, überparteiliche Kampagne, die sich für einen bundesweiten Mietenstopp einsetzt und die immer größer wird. Informationen dazu, wer die Kampagne alles unterstützt, gibt’s auf www.mietenstopp.de.
 
Pressekontakt:
Kampagne Mietenstopp
0162/2576627
presse@mietenstopp.de

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wohnungslosigkeit Fri, 26 Mar 2021 08:38:00 +0100
Paritätischer warnt vor Rassismus in Jobcentern https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23664&cHash=d6c1d569ca4b5af29f7cef7ef4dfd21d

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband bewertet die Ergebnisse einer heute von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) veröffentlichten Umfrage, nach der EU-Ausländer*innen bei der Beantragung von Sozialleistungen oder von Kindergeld einer diskriminierenden und zum Teil rechtswidrigen Behördenpraxis ausgesetzt sind, als skandalös und warnt vor strukturellem Rassismus in Jobcentern.

Nach der heute veröffentlichten Studie liegen fast der Hälfte der rund 400 bundesweit befragten Beratungsstellen Berichte vor, wonach EU-Bürger*innen aus Osteuropa bereits in der Eingangszone von Jobcentern abgewiesen worden seien und somit keinen Antrag auf „Hartz IV“ stellen konnten.

Die Abweisung passiere häufig pauschal ganz ohne Begründung oder mit dem Hinweis, ihre Deutschkenntnisse wären nicht ausreichend oder eine dolmetschende Person wäre nicht dabei - was eindeutig rechtswidrig sei, erläutert Natalia Bugaj-Wolfram, Referentin für Migrationssozialarbeit beim Paritätischen Gesamtverband. Gelingt die Antragstellung, werden von EU-Bürger*innen oft unverhältnismäßig hohe Anforderungen an das Vorlegen von Dokumenten gestellt. Teilweise werden aufstockende Leistungen trotz belegtem Erwerbstätigenstatus verweigert. Hintergrund sei eine BA-interne Arbeitshilfe zur "Bekämpfung von bandenmäßigem Leistungsmissbrauch im spezifischen Zusammenhang mit der EU-Freizügigkeit". Sie bewirke, dass an Ausländer*innen, die Hartz IV beantragen, erhöhte Anforderungen gestellt und letztlich Hürden zur Antragstellung aufgebaut würden.

“Ich weiß nicht, ob das, was wir aus den Jobcentern hören, bereits struktureller Rassismus ist. Wenn nicht, ist es auf jeden Fall recht nahe daran”, warnt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Die Auswertung der Umfrage zu "Praxiserfahrungen der Mitarbeitenden in der Beratung: Schwierigkeiten von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern in der Durchsetzung von Leistungsansprüchen” finden Sie hier: https://www.bagfw.de/

Lesen Sie zum Thema auch diesen Beitrag vom 11.03.2021 im RBB: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2021/03/diskriminierung-arbeitsagentur-eu-buerger-leistungsmissbrauch.html

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Zivilgesellschaft und Demokratie Demokratie stärken Tue, 16 Mar 2021 17:33:00 +0100
Paritätischer kritisiert Konjunkturpaket als armutspolitischen Fehlschlag https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23632&cHash=12e3deee1d486ea35b84a200d16ad014

]]> Als massiven armuts- und konjunkturpolitischen Fehlschlag wertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung anlässlich der heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Wirkung der Coronahilfen aus dem vergangenen Jahr. Der Verband fordert gezielte Hilfen für arme Haushalte für die Dauer der Krise und eine deutliche Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV und der Altersgrundsicherung.

“Die Konjunkturpolitik der Bundesregierung zeigt eine bemerkenswerte soziale Schlagseite,” so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigten nach Ansicht des Verbandes eindeutig, dass von den Konjunkturmaßnahmen vor allem wohlhabende Haushalte profitiert haben. “Es ist absolut unverständlich, dass die Not armer Menschen so dermaßen missachtet und eine weitere Vertiefung der sozialen Spaltung in Kauf genommen wird”, so Ulrich Schneider weiter.

Die heute vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass rund die Hälfte der Haushalte den Kinderbonus im letzten Jahr zur Erhöhung der Familiensparquote nutzte und ihn folglich gar nicht brauchte, kritisiert der Verband. Auch die Mehrwertsteuersenkung habe vor allem besserverdienenden Haushalten genutzt, während einkommensschwache Haushalte so gut wie gar nicht profitierten.

“Die bereits im letzten Sommer von uns geäußerten Befürchtungen haben sich mit den Daten des Statistischen Bundesamtes leider bestätigt,” so Ulrich Schneider. Unter armutspolitischer Perspektive stellen die konjunkturpolitischen Beschlüsse von 2020 einen fulminanten Fehlschlag dar. “Wir fordern die Bundesregierung zu einer sofortigen Korrektur auf”, so Ulrich Schneider weiter.

Der Verband fordert die zügige Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV und Altersgrundsicherung um 100 Euro pro Kopf und Monat während der Corona-Krise und eine dauerhafte Erhöhung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro.

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte heute Daten, wonach durch die Mehrwertsteuersenkung im letzten Jahr lediglich zwischen 20 und 25 Prozent der Haushalte Anschaffungen vorzogen oder sich ungeplante Anschaffungen leisteten und dabei insbesondere einkommenstärkere Haushalte profitierten. Über die Hälfte der befragten Haushalte gaben zudem an, den Kinderbonus teilweise oder gänzlich zum Sparen genutzt zu haben.

Philipp Meinert

Presse und Redaktion

Der Paritätische Gesamtverband
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Presse Corona Soziale Teilhabe und Armut Thu, 11 Mar 2021 13:20:47 +0100
Der Paritätische kommentiert Entwurf Armuts- und Reichtumsbericht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=05&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23625&cHash=3cf1c025a5ed6d1dbbb24745fb66753a

]]> Der Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung sei ein "Beleg des jahrelangen armutspolitischen Versagens", kommentiert der Paritätische Wohlfahrtsverband den Entwurf des Berichts aus dem Bundesarbeitsministerium. Der Verband hat den mehrere hundert Seiten umfassenden Text einer ausführlichen Analyse unterzogen: Die Entwicklung der Ungleichheit in Deutschland sei zutiefst besorgniserregend, so die Bilanz der Expert*innen.

Der Bericht komme einem Armutszeugnis gleich, so der Paritätische. “Der Bericht belegt, wie sowohl Armut, als auch Reichtum wachsen und sich verfestigen. Die sogenannte “Mitte” schrumpft, soziale Mobilität nimmt ab und soziale Ungleichheit steigt. Und der Bericht weist nach, wie dramatisch sich die Situation gerade der Arbeitslosen verschärft hat“, so Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Bericht dokumentiere u.a. die dramatischen Effekte der Agenda-Reformen. Mit den sogenannten Hartz-Reformen sei die Absicherung des sozialen Risikos Erwerbslosigkeit zu einem erheblichen Teil der Fürsorge übertragen worden, die Armutsquote Erwerbsloser habe sich seitdem vervielfacht. “Erwerbslose stoßen auf ein soziales Sicherungssystem, das bereits vor Corona nicht vor Armut schützte und dessen Schwächen nun noch deutlicher zutage treten”, so Hesse.

Dass die Corona-Pandemie die Ungleichheit noch verschärft, belegt der Bericht selbst anhand aktueller Daten. “Diese Befunde können kaum überraschen, sind doch bspw. die Menschen, die zuvor schon in der Grundsicherung waren, bislang von zusätzlichen, auf ihre Bedarfe zugeschnittenen Hilfen ausgeschlossen gewesen”, so Dr. Joachim Rock, Leiter der Abteilung Arbeit, Soziales und Europa im Paritätischen Gesamtverband, die den Berichtsentwurf ausgewertet hat. “Die geplante Einmalzahlung für Grundsicherungsbeziehende von 150 Euro geht weit an den Mehrbelastungen armer Menschen in der Pandemie vorbei und kann schon gar kein Beitrag dazu sein, die sich verfestigende Ungleichheit in irgendeiner Weise positiv zu beeinflussen.”

Der Paritätische fordert eine politische Offensive zur Beseitigung von Armut. Deutschland habe es in der Hand, seine Einkommensarmut abzuschaffen und parallel für eine gute soziale Infrastruktur zu sorgen. Es klinge banal und werde bei vielen nicht gern gehört, “aber gegen Einkommensarmut, Existenzängste und mangelnde Teilhabe hilft Geld“, so Hesse. Konkret seien eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in Hartz IV und der Altersgrundsicherung (nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle auf mindestens 644 Euro), die Einführung einer Kindergrundsicherung sowie Reformen von Arbeitslosen- und Rentenversicherung nötig. Der Verband untermauert zudem die Forderung nach einer monatlichen Zusatzzahlung für die Dauer der Pandemie von 100 Euro für alle Menschen, die existenzsichernde Leistungen beziehen.

Eine erste Kurzanalyse des Paritätischen sowie den Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts zum Download finden Sie hier: https://www.der-paritaetische.de/fachinfo/entwurf-des-6-armuts-und-reichtumsberichts-der-bundesregierung/

Die Forderung nach einer zügigen Erhöhung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro sowie angemessener Soforthilfen für arme Menschen während der Corona-Krise wird unterstützt von rund 50 Verbänden und Gewerkschaften. Mehr Infos zum Online-Appell “Corona trifft Arme extra hart - Soforthilfen jetzt!” unter www.der-paritaetische.de/coronahilfe

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Presse Corona Soziale Teilhabe und Armut Fri, 05 Mar 2021 10:18:00 +0100
Ein Anker für Familien https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=03&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23581&cHash=1abf447ccecdf668cc35836e7555500b

]]> Camilla Engelsmann, pro familia München e.V.]]> Viel wurde bereits geschrieben über die enorme Belastung der Familien durch die Corona-Pandemie. Wie spiegelt sich das bei Ihnen in der Beratung wider?

Alle Familien waren mit dem ersten Lockdown plötzlich komplett auf sich geworfen und damit beschäftigt, sich in dieser Ausnahmesituation zurecht zu finden. Einige Familien berichteten auch von positiven Effekten, wie einer Entschleunigung im Alltag. Paare konnten sich als Krisenteam erleben. Aber die meisten Menschen gerieten dann sehr schnell in einen inneren und äußeren Krisenmodus.
Sehr viele Anmeldungen hatten wir im Herbst letztes Jahr und seit Anfang diesen Jahres. Zunehmende psychische Belastungen treten immer deutlicher hervor. Existenzielle Ängste, finanzielle Sorgen, Angst um die eigene Gesundheit und die Sorge um Angehörige sind häufige Beratungsthemen.

Haben Sie eine Zunahme an Problemen und Konflikten beobachtet?

Ja. Der Lockdown hat bereits vorhandene Probleme verstärkt, die sonst den Alltag weniger dominierten. Die Paare und Familien waren plötzlich quasi rund um die Uhr zusammen. Dauernd miteinander zu sein, wirkt wie ein Brandbeschleuniger.

Extrem belastet waren – und sind es noch – Familien mit Kindern. Arbeit im Homeoffice und die gleichzeitige Betreuung der Kinder überforderte die Eltern zunehmend. In vielen Fällen spiegelte sich der Verlauf der Corona Krise wider. Wir beobachten eine zunehmende emotionale Überreiztheit und depressive Verstimmungen. In den Beratungen zeigten sich auch eindeutigere Entscheidungen in Bezug auf Trennungen.

Wie erreichen Sie die Familien im Lockdown?

Wir sind die ganze Zeit über für die Familien da. Im ersten Lockdown haben wir vorübergehend die Präsenzberatung reduziert und die Zeit genutzt, um ein Onlineangebot in Form von Videoberatung und die telefonische Beratung auszubauen. Jetzt im zweiten Lockdown konnten wir auch weiterhin Präsenzberatung anbieten – mit Maske, Abstand und Lüften. Manche brauchen den direkten persönlichen Kontakt. Andere nutzen lieber die Möglichkeit der Video- oder Telefonberatung. Für viele Familien sind wir der Anker in dieser schwierigen Zeit.

Erreichen Sie auch die Familien, die Unterstützung am dringendsten nötig haben?

Das hoffen wir sehr. Belastet sind alle Familien, aber die Pandemie verstärkt auch Ungleichheit. Wir sehen den dringenden Bedarf bei sehr Vielen, das zeigt sich auch in den vielen Beratungsanfragen. Wir versuchen auch über unsere Homepage und Öffentlichkeitsarbeit uns sichtbar zu machen für alle Familien. Wir kooperieren mit Einrichtungen in der Stadt, zum Beispiel mit dem Jugendamt, anderen Beratungsstellen oder unserem pro familia Kooperationsprojekt, einer Flüchtlingsunterkunft für Frauen. Bei Bedarf kümmern wir uns auch um Dolmetscher*innen, die in der Beratung übersetzen.

Was raten Sie Familien in dieser Zeit?

Nicht die Zuversicht zu verlieren. Viele Familien haben Resilienz und konnten in der schweren Zeit eigene Selbstheilungskräfte entwickeln. Was allen Familien hilft ist, raus in die Natur zu kommen, sich viel zu bewegen, kreativ zu werden oder gemeinsam zu spielen.

Es gibt aber auch viele Familien, deren Belastung durch die Corona Beschränkungen im Alltag so hoch ist, dass sie das nicht allein schaffen und Unterstützung brauchen. Wir bieten einen geschützten Rahmen, hören zu, begleiten und bieten Hilfe bei der Krisenbewältigung. Manchmal auch in Form von „Alltagscoaching“, zum Beispiel beim Schaffen von klaren Tagesstrukturen und Zeiten für sich alleine schaffen.

Was brauchen Familien aus Ihrer Sicht? Was wünschen Sie sich von der Politik?

Viele Eltern äußern in der Beratung ihren Frust, dass – trotz aller Lippenbekenntnisse – Familien zu wenig gesehen werden, dass nichts getan wurde um Kitas und Schulen so auszurüsten, dass trotz der Pandemie Betreuung und Unterricht sicher möglich sind.

Ich wünsche mir, dass sich die Politik nicht nur von Virologen beraten lässt, sondern bei allen Entscheidungen auch die sozialen Folgen und die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien berücksichtigt. Viele der psychischen Folgen werden erst im Laufe der Zeit sichtbar werden. Um diese langfristigen Schäden zu reparieren, braucht es genauso einen gesellschaftlichen Kraftakt wie bei dem gemeinsamen Kampf gegen das Virus.

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Themen Familie Gesundheit Wed, 03 Mar 2021 07:00:00 +0100
Für Menschlichkeit und Vielfalt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23570&cHash=d056e7fbce7ef4258e64cd6efa6f7df2

]]> ]]> Als Initiativen, Einrichtungen und Verbände, die sich für Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung einsetzen, wenden wir uns gegen jegliche Form von Ausgrenzung und Diskriminierung. Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt.

Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen. Die AfD hat vielfach gezeigt, dass sie in ihren Reihen Menschen- und Lebensfeindlichkeit duldet. Sie fördert Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus.

Diese Entwicklung macht uns große Sorgen. Denn heute ist wieder an der Tagesordnung, was in Deutschland lange als überwunden galt: Hass und Gewalt gegen Menschen aufgrund von Behinderung, psychischer und physischer Krankheit, Religion oder Weltanschauung, sozialer oder ethnischer Herkunft, Alter, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität sowie nicht zuletzt gegen Personen, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft engagieren.

Das ist nicht hinnehmbar und muss aufhören! Wir sagen NEIN zu jeglicher Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen. Die Würde des Menschen ist unantastbar!

Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass:

  • sich Hass und Gewalt nicht weiter ausbreiten können,
  • niemand das Recht auf Leben von Menschen mit Behinderungen in Frage stellen darf
  • und Menschen nicht ausgegrenzt, benachteiligt und diskriminiert werden.

Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet. Wir setzen uns ein für eine menschliche und lebenswerte Zukunft für uns alle!

#wfmv2021

Untenstehend können Sie die Erklärung in Leichter Sprache als PDF-Datei herunterladen.

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Themen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Zivilgesellschaft und Demokratie Demokratie stärken Tue, 02 Mar 2021 08:51:00 +0100
Wir für Menschlichkeit und Vielfalt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23569&cHash=0c0e2bf36ab0bd171a18ac1a1502705c

]]> Mit der gemeinsamen Erklärung zeigen zum Auftakt des Wahljahres 435 Verbände, Initiativen und Einrichtungen aus dem Bereich der Behindertenhilfe und der Sozialen Psychiatrie gemeinsam klare Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus und warnen vor Hetze und Stimmungsmache rechter Akteur*innen wie der AfD und ähnlicher Bewegungen. Mit Sorge beobachten die Verbände, wie versucht wird, eine Stimmung zu erzeugen, die Hass und Gewalt nicht nur gegen Menschen mit Behinderung, psychischer oder physischer Krankheit schürt, sondern gegen alle, die sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft engagieren.

„Wir treten ein für Menschlichkeit und Vielfalt. Und wir sind nicht alleine: Wir stehen für Millionen Menschen in Deutschland, die das Auftreten und die Ziele von Parteien wie der Alternative für Deutschland und anderer rechter Bewegungen entschieden ablehnen“, heißt es in der Erklärung. Die AfD habe vielfach gezeigt, dass sie in ihren Reihen Menschen- und Lebensfeindlichkeit dulde, sie fördere Nationalismus, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Heute sei daher plötzlich „wieder an der Tagesordnung, was in Deutschland lange als überwunden galt“, warnen die Unterzeichnenden.

Die Mitzeichnenden, die von Organisationen der Selbsthilfe über Förder- und Inklusionsorganisationen bis zu Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege reichen, zeigen sich entschlossen, Hass und Hetze entgegenzutreten: „Wir lassen nicht zu, dass in Deutschland eine Stimmung erzeugt wird, die unsere Gesellschaft spaltet“, heißt es in der Erklärung.

Durch Aufklärung, Beratung und öffentlichkeitswirksame Aktionen soll durch verschiedenste Aktivitäten der Unterzeichnenden „für eine menschliche und lebenswerte Zukunft für uns alle“ geworben werden. Ziel der Mitzeichnenden ist es, im Superwahljahr ein Zeichen für Demokratie zu setzen. Sie betonen, es komme auf jede Stimme an und fordern auf, zur Wahl zu gehen.

Unterzeichnet wurde die Erklärung unter anderem vom Sozialverband VdK Deutschland, dem Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland, den Fachverbänden für Menschen mit Behinderung, dem Paritätischen Gesamtverband und der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie. Bislang wird die Erklärung bundesweit von weit mehr als 400 Verbänden, Initiativen und Einrichtungen mitgetragen.

Der gesamte Erklärungstext und die Liste der Mitzeichnungen ist online unter www.wir-fmv.org abrufbar.

Hintergrund

Bereits im April 2018 und im November 2019 haben sich zahlreiche Verbände öffentlich gegen Versuche aus den Reihen der AfD positioniert, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen herabzuwürdigen und für rassistische Stimmungsmache zu instrumentalisieren.

Kontakt für Presseanfragen: kontakt@wir-fmv.org

Stimmen der Unterstützer*innen der Erklärung für Menschlichkeit und Vielfalt sind in Zitatform unter www.wir-fmv.org/Stimmen abrufbar.

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Presse Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Zivilgesellschaft und Demokratie Demokratie stärken Tue, 02 Mar 2021 08:43:00 +0100
Wichtiger Meilenstein: Krisendienste gehen in ganz Bayern an den Start https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=01&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23565&cHash=805686c31aa1f34e1ea128e5fc14a0d0

]]> Jeder dritte Mensch in Deutschland leidet einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. In eine psychische Krise kann jeder Mensch geraten. Unterstützung finden sie bei den Krisendiensten. Ab kommenden Montag sind diese unter der einheitlichen kostenlosen Telefonnummer 0800 655 3000 in ganz Bayern erreichbar. „Das ist ein wichtiger Meilenstein beim Aufbau einer flächendeckenden Krisenversorgung in Bayern. Dieses Angebot ist einmalig in ganz Deutschland“, freut sich Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern.

Den Startschuss dafür bildete das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz im Jahr 2018. Das verpflichtet die Bezirke zum Aufbau der Krisendienste. In jedem Bezirk gibt es eine Leitstelle und daran angegliederte mobile Fachkräfte. Diese unterstützen die Menschen in psychischen Krisen vor Ort, sobald sie von der Leitstelle angefordert werden. Die Krisendienste vermitteln je nach Bedarf weitere Unterstützungsangebote. Ziel ist eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Von diesem Ziel sind die Bezirke noch unterschiedlich weit entfernt. Bisher gibt es eine 24-Stundenerreichbarkeit an sieben Tagen in der Woche nur in Oberbayern.

„Die mobilen Dienste müssen in allen Bayerischen Bezirken zügig aufgebaut und die Erreichbarkeit der Leitstellen ausgebaut werden“, so Berndl. Angesichts der Zunahme psychischer Belastungen durch Corona sei das umso dringlicher. Der Erfolg der Krisenversorgung hängt ab von der gelungenen Kombination aus Leitstellen und mobilen Diensten, sowie der Kooperation mit den vorhandenen Versorgungsstrukturen. „Dabei bilden die Dienste der Wohlfahrtsverbände und ihre Mitarbeitenden das Rückgrat“, betont Margit Berndl abschließend.

Hintergrundinformationen

Seit 40 Jahren bieten die Sozialpsychiatrischen Dienste und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege Hilfen an für Menschen in psychischen Belastungssituationen, ebenso für ihre Angehörigen und deren soziales Umfeld.

Die Freie Wohlfahrtspflege Bayern, der Landesverband der Psychiatrie-Erfahrenen und der Landesverband der Angehörigen psychisch Kranker sowie der Bayerische Bezirketag schlossen sich 2014 zu einem Bündnis zusammen und forderten eine gesetzliche Grundlage zur Prävention und Ausgestaltung einer flächendeckenden psychiatrischen Versorgung in Bayern. Ein wesentliches Ziel dabei war es, die in Bayern hohe Zahl von Zwangsunterbringungen und Krankenhausaufenthalten zu senken. In beispielhafter Kooperation haben o.g. Partner zusammengearbeitet und die Politik überzeugt: 2018 wurde das Bayerische PsychKHG verabschiedet, dessen Kern der Aufbau der flächendeckenden Krisendienste ist.

Bestrebungen zu so einem Krisen-Angebot reichen zurück bis in die Neunzigerjahre. Die von Vereinen und Trägern der Freien Wohlfahrtspflege in München und Nürnberg (mit)gegründeten Vorläufer der heutigen Krisendienste haben die konzeptionellen Grundlagen geschaffen.

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung:  

Susann Engert | Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern
Tel: 089 30611-137 | Mail: susann.engert(at)paritaet-bayern.de

Maria Heiland | Freie Wohlfahrtspflege Bayern
Tel: 089 54497-132 | Mail: info(at)freie-wohlfahrtspflege-bayern.de

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Presse Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Gesundheit Menschen mit psychischen Erkrankungen Mon, 01 Mar 2021 14:24:36 +0100
Corona-Einmalzuschuss für Arme reicht nicht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23552&cHash=e93f4f292b5b423527798f72faf8619d

]]> Eine Mehrheit der Bevölkerung (54 %) hält die von der Bundesregierung geplante Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro für Grundsicherungsbeziehende, die heute im Bundestag beschlossen werden soll, für nicht ausreichend. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes. 68 % der Befragten sind der Meinung, dass Menschen mit geringen Einkommen in der Corona-Krise bisher insgesamt von der Bundesregierung nicht ausreichend unterstützt werden, im Gegensatz zu beispielsweise Großkonzernen, die finanzielle Umsatzverluste erlitten haben. Mit einer kreativen Protestaktion vor dem Reichstag wird ein Bündnis von fast 50 Organisationen, darunter Campact, Paritätischer und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, heute gegen die unzureichende Nothilfe für die Ärmsten in der Corona-Pandemie demonstrieren. Die Organisationen fordern eine zügige Erhöhung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro sowie für die Dauer der Krise eine monatliche Zusatzzahlung von 100 Euro.

Die große Mehrheit der Befragten (62 %) geht nicht davon aus, dass die in Hartz IV und Grundsicherung im Alter, bei Erwerbsminderung und im Asylbewerberleistungsgesetz vorgesehenen Regelsätze ausreichen, um den alltäglichen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Im Durchschnitt liegt das als nötig erachtete Budget mit 573 Euro pro Monat um fast 30 Prozent über dem, was alleinlebenden Grundsicherungsbeziehenden derzeit tatsächlich regierungsamtlich zugestanden wird (446 Euro). Der durch die Befragten im Durchschnitt für Ernährung veranschlagte Bedarf liegt mit 289 Euro im Monat fast doppelt so hoch wie der Betrag, den die Bundesregierung in ihrem Regelsatz rechnerisch für Ernährung als ausreichend erachtet. Die notwendigen Ausgaben für Körperpflegeprodukte werden von den Befragten gleich fast dreimal so hoch wie von den Statistiker*innen der Bundesregierung veranschlagt.

 „Das Krisenmanagement der Bundesregierung ist ein armutspolitisches Trauerspiel. Die Einmalhilfe ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

„Kein Geld für schnelles Internet im Homeschooling, kein Geld für die Reparatur der Waschmaschine, kein Geld für frisches Obst und Gemüse – die Ärmsten leiden doppelt unter Lockdown und knapper Kasse. Mit den Regelsätzen und ohne Unterstützung in der Krise zementiert die Regierung Armut bis in die nächsten Generationen. 150 Euro mehr: das ist lächerlich!”, so Christoph Bautz, geschäftsführender Vorstand Campact.

Der Online-Appell “Corona trifft Arme extra hart - Soforthilfen jetzt!” wird unterstützt von Campact, Paritätischem Gesamtverband, Diakonie Deutschland, Sozialverband VdK, Deutscher Kinderschutzbund, Attac, foodwatch und dem Deutschen Mieterbund sowie 40 weiteren bundesweiten Organisationen. Der Appell wurde inzwischen von über 134.000 Menschen unterschrieben.

Unter dem Motto “Keine halben Sachen” werden die Organisationen heute um 11.30 Uhr halbierte Gegenstände von der halben Matratze, über halbe Staubsauger und halbe Kinderwagen bis zur halben Kommode auf der Reichstagswiese aufstellen, um gegen die unzureichende Nothilfe für die Ärmsten in der Corona-Pandemie zu demonstrieren. Der Termin eignet sich auch für die Rundfunk- und Bildberichterstattung.

Die repräsentative Umfrage wurde vom 12. bis 18. Februar 2021 vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands durchgeführt. Insgesamt wurden 1.003 Personen über 18 Jahre befragt.

Sie finden die Umfrage hier: https://www.der-paritaetische.de/fachinfo/coronahilfen-reichen-nicht-einschaetzungen-der-bevoelkerung-zu-kosten-des-taeglichen-lebensunterhalts/

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
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Telefax: 030 24636-110
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Presse Corona Soziale Teilhabe und Armut Fri, 26 Feb 2021 09:43:21 +0100
Mitarbeitende in der Pflege nicht zu Sündenböcken machen! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=25&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23546&cHash=6e7a33eadf15cc1d29a9b5b30121a09b

]]> Die Freie Wohlfahrtspflege Bayern weist die Kritik von Ministerpräsident Söder anlässlich einer Veranstaltung der Christlich Sozialen Arbeitnehmerschaft (CSA) entschieden zurück. „Den Pflegeheimen die Schuld für die hohe Anzahl der Toten in den Heimen zuzuweisen, ist ein Schlag ins Gesicht all der Pflegekräfte, die seit Monaten am Limit arbeiten und unter hohem eigenen Risiko einen großen Teil der coronainfizierten Patient*innen in Deutschland gepflegt haben“, hält Margit Berndl, Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, der Kritik des Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder entgegen.

Die Pflegekräfte arbeiten seit Beginn der Pandemie am Rande der Erschöpfung, um die Pflege sicherzustellen. Sie pflegen mit vollem Körperkontakt und setzen sich dabei jeden Tag dem Risiko aus, sich selbst zu infizieren. Sie können kein Homeoffice machen. „Dieser Einsatz verdient allerhöchste Anerkennung!“, so Berndl weiter.

Die Pflegeeinrichtungen gingen sehr verantwortungsvoll mit dem Spagat von Infektionsschutz einerseits und einem Minimum an Teilhabe und Gemeinschaft andererseits um und täten alles Menschenmögliche, um Infektionen zu verhindern, ergänzt Berndl. Bei extrem hohen Infektionszahlen in der gesamten Gesellschaft sei auch das Risiko, dass Viren in Pflegeheime eingeschleppt werden, deutlich höher – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.

Berndl abschließend: „Wir fordern, dass sich die Politik hinter die Pflege stellt und die Mitarbeiter*innen in den Heimen nicht zum Sündenbock gemacht werden.“

Für Rückfragen stehen Ihnen zur Verfügung:  

Susann Engert | Paritätischer Wohlfahrtsverband Bayern Tel: 089 30611-137 | Mail: susann.engert(at)paritaet-bayern.de

Maria Heiland | Freie Wohlfahrtspflege Bayern Tel: 089 54497-132 | Mail: info(at)freie-wohlfahrtspflege-bayern.de

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Ältere Menschen Corona Pflege Thu, 25 Feb 2021 09:21:31 +0100
#SpendenStattVernichten - Lagerware für den guten Zweck https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23539&cHash=8c1aebe27bc8bc9eeecf6689ad60486e

]]> Nach Wochen und Monaten des Shutdowns, der den stationären Einzelhandel wirtschaftlich besonders stark getroffen hat, stehen viele Unternehmen wirtschaftlich am Rande ihrer Existenz. Wenn umfassende, schnelle und zielgenaue Hilfen nicht unverzüglich ankommen, droht unseren Innenstädten und Ortskernen ein massives Ladensterben und ein auf lange Zeit wirkender Verlust an Vielfalt und Lebensqualität.

Gleichzeitig haben die erheblichen Einschränkungen im Handel dazu geführt, dass viele Einzelhändler*innen – besonders im Bereich Textil und Mode – auf unverkaufter Ware sitzen, die sich auch bei einer Wiederöffnung nicht oder nur schwer verkaufen lässt. Langfristige Lieferverträge haben zu Überbeständen - nicht nur bei Saisonware - geführt. Mehrere hundert Millionen unverkaufter Kleidungsstücke liegen deutschlandweit in den Lagern.

Die finanzielle Berücksichtigung der Wertverluste unverkaufter Saisonware bei der Überbrückungshilfe III muss rasch und praxistauglich möglich sein. Aber wie mit der nicht-verkäuflichen Ware an sich weiter umgegangen werden kann, darüber herrscht weiterhin Unklarheit. Immer noch ist aufgrund steuerlicher Regelungen das Spenden für Händler*innen teurer als die Vernichtung.

Kein Einzelhändler und keine Einzelhändlerin hat aber ein Interesse daran, nicht-verkäufliche Ware zu vernichten. Gleichzeitig haben die Verwerfungen der Krise bei vielen Menschen im Land zu Einkommenseinbrüchen geführt, durch Kurzarbeit, durch den Wegfall von Aufträgen, des Nebenjobs oder des gesamten Arbeitsplatzes, und auch die Not bereits vor der Krise von Armut betroffener Menschen wurde verschärft. Sie haben mehr Hilfe und Unterstützung verdient.

Daher appellieren wir heute gemeinsam an die Bundesregierung: Machen Sie den Weg frei, damit auch die Einzelhändler*innen helfen können. Schaffen Sie eine umsetzbare und rechtssichere Möglichkeit, dass nicht-verkäufliche Ware an karitative Einrichtungen oder gemeinnützige Organisationen gespendet werden kann. Helfen Sie so den Ladenbesitzer*innen, Menschen zu helfen, die Hilfe nötig haben. Und lassen Sie uns auch für die Zukunft einen entscheidenden steuerrechtlichen Fehlanreiz beseitigen, der zu unnötiger Ressourcenvernichtung führt. Zusammen könnten Handel und Wohlfahrtseinrichtungen rasch und Hand in Hand helfen.

Seit Jahren wird kritisch darauf hingewiesen, dass geltende steuerliche Regelungen bei nicht verkäuflichen oder online retournierten Waren die Vernichtung günstiger stellen als das Spenden. Diese offenkundige Fehlsteuerung könnte das Bundesfinanzministerium ohne größeren Aufwand korrigieren. Doch das Finanzministerium schafft keine rechtssichere Lösung, obwohl gute Vorschläge seit Monaten vorliegen.

Mit einer eindeutigen Regelung könnten Kleidung und andere unverkäufliche Waren und Textilien unmittelbar und ohne größeren Aufwand einem wohltätigen Zweck zugeführt werden. Wann wäre ein besserer Zeitpunkt als jetzt?

Wir appellieren an die Bundesregierung: Zögern Sie nicht mehr, helfen sie den Einzelhändler*innen in unseren Innenstädten und Menschen in Not gleichermaßen. Machen Sie in der aktuellen Krise den Weg frei für mehr Solidarität, unternehmerische Verantwortung und mehr Umweltschutz.

Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, Fraktionsvorsitzende

Stefan Genth, Handelsverband Deutschland (HDE), Hauptgeschäftsführer

Dr. Ulrich Schneider, Der Paritätische Gesamtverband, Hauptgeschäftsführer

Hintergrund

Die grüne Bundestagsfraktion hat für die Initiative „#SpendenStattVernichten - Lagerware für den guten Zweck“ Verantwortliche aus Wirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und Vermittler von Sachspenden zusammengebracht, um über rechtssichere Lösungen zur Spende der massenhaften Lagerware zu beraten. Die Corona-Einschränkungen im Handel haben dazu geführt, dass viele Einzelhändler*innen – besonders im Bereich Textil und Mode – auf unverkaufter Ware sitzen bleiben. Mit dem Appell „#Spenden- StattVernichten - Lagerware für den guten Zweck“ rufen die grüne Bundestagsfraktion, der Handelsverband Deutschland und der Paritätische Wohlfahrtsverband mit weiteren Akteur*innen die Bundesregierung zum Handeln auf. Wenn die Bundesregierung den Weg dafür frei macht, können Wohlfahrts- und Handelsverbände aktiv werden und die Umsetzung, also die Übergabe von Lagerware an gemeinnützige Organisationen, vorantreiben.

Pressestatements

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag:

„Mit diesem Appell ziehen wir mit dem deutschen Einzelhandel und Wohlfahrtsverbänden an einem Strang. Gemeinsam fordern wir die Bundesregierung auf, eine rechts-sichere und funktionierende Möglichkeit für Sachspenden an gemeinnützige Organisationen zu schaffen. Beide Seiten stehen jetzt bereit, sodass mit nichtverkäuflicher Lagerware Menschen in Not Unterstützung erhalten. Inmitten der vielen schlechten Nachrichten wäre das ein Signal der Hoffnung. Die milliardenschweren Wirtschaftshilfen bekommen dann einen sozialen Nutzen, der weit über die Sicherung wirtschaftlicher Existenzen hinausgeht. Jetzt geht es ums Möglichmachen.“

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Deutschland (HDE):

„Kein Händler zerstört seine Ware und damit einen wichtigen Teil seines Kapitals gerne. Viele würden die Bekleidung lieber für Bedürftige spenden. Doch das können sich die Händler, die in der Corona-Krise ohnehin schon oft der Insolvenz nahe sind, häufig nicht leisten. Denn bei Spenden wird grundsätzlich Umsatzsteuer auf einen fiktiven Einkaufspreis bzw. Wiederbeschaffungswert fällig. Das muss sich dringend ändern.“

Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Der Paritätische Gesamtverband:

„Wir wissen, dass die unserem Sozialstaat, der kein Almosenstaat ist, angemessene Lösung nur in einer armutsverhindernden Ausgestaltung der Grundsicherung liegen kann. Wir wissen aber auch: Gerade weil der Staat sie im Stich lässt, brauchen die Armen jede Hilfe, die sie bekommen können, auch Kleiderspenden. Wer schon vor Corona zu wenig hatte, den trifft die Krise jetzt erst recht besonders hart. Die Bundesregierung hat bisher nicht geglänzt, wenn es um die soziale Ausgestaltung der Krisenpolitik ging. Der einmalige Hartz IV-Corona-Zuschuss ist allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb unser dringender Appell an die Bundesregierung: Machen Sie den Weg für diese Spenden frei.“

Dr. Uwe Martin Fichtmüller, Hauptgeschäftsführer Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e. V.

„Für den Arbeiter-Samariter-Bund zählt die gelebte soziale Verantwortung zu den höchsten Gütern unseres Zusammenlebens. Dazu zählt, Menschen, die in Not sind, schnell und pragmatisch zu helfen. Deshalb ist es dem ASB ein besonderes Anliegen, sich der Initiative und dem Appell „#SpendenStattVernichten – Lagerware für den guten Zweck“ anzuschließen und sie mit unseren Möglichkeiten zu unterstützen. In existenzielle Bedrängnis geratene Einzelhändler*innen und in Not geratene Menschen gleichermaßen zu unterstützen, ist eine Form von Verantwortungsübernahme für das Gemeinwohl, die zugleich weitere positive ressourcenschonende Nebeneffekte zeitigen würde. Hierzu braucht es jetzt kluge Entscheidungen, um die hierfür erforderlichen steuerrechtlichen Möglichkeiten zu schaffen.“

Dr. Juliane Kronen, Gründerin & Geschäftsführerin innatura gGmbH

„Wir können uns nicht weiter von einer Ausnahme zur anderen hangeln. Wir brauchen endlich eine dauerhafte Perspektive, damit Unternehmen fabrikneue überschüssige Produkte rechtssicher an gemeinnützige Organisationen spenden können, ohne dafür mehr zu bezahlen als für die Vernichtung. Wir können uns diese Fehlsteuerung aus ökologischen und sozialen Gründen wirklich nicht länger leisten.“

Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer bevh - der E-Commerce Verband

„Eine tolle Initiative der Grünen und ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem noch weitere folgen müssen! Langfristig gesehen müssen Sachspenden an gemeinnützige Organisationen von der Umsatzsteuer entlang der gesamten Wertschöpfungskette befreit werden. Nur so machen wir hier wirklich einen Unterschied im Sinne der Nachhaltigkeit.“

Thomas Ahlmann, Geschäftsführer Dachverband FairWertung e.V.

„Die Weitergabe von funktionsfähigen, aber unverkäuflichen Textilien oder Gebrauchswaren an gemeinnützige Organisationen muss die Regel in Deutschland werden. Die steuerlichen Fehlanreize, die in den letzten Jahren vielfach verantwortliches Unternehmenshandeln verhindert und zu unnötiger Ressourcenvernichtung geführt haben, sollten nun endlich zugunsten einer gemeinnützigen Verwendung korrigiert werden.“

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Presse Corona Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Wed, 24 Feb 2021 12:17:01 +0100
Das "System Pflege" wankt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=23&tx_ttnews%5Btt_news%5D=23534&cHash=014147afd9f507614518b5a1d12e365d

]]> Brigitte Bührlen, Vorsitzende WIR! Stiftung pflegender Angehöriger]]> Frau Bührlen, Sie haben ihre an Demenz erkrankte Mutter 20 Jahre lang gepflegt und begleitet: Sieben Jahre zu Hause und 13 Jahre in Heimen. Wenn Sie an diese Zeit zurückdenken: Woran erinnern Sie sich gerne?

Ich erinnere mich gerne an viele schöne und vergnügte Stunden in der Großfamilie. Meine Mutter war zu Hause und auch im Heim eine ausgesprochen positive, freundliche, hilfsbereite und angenehme Frau.

Und was war in dieser Zeit für Sie persönlich schwierig?

Gerade diese Freundlichkeit war, so komisch das klingt, ein Problem für mich. Alle ihr begegnenden Menschen waren ausgesprochen angetan von ihrem Auftreten und haben nicht verstanden, warum ich Probleme mit meiner Mutter hatte. Ich musste einen komplexen Alltag bewältigen zwischen Praxis und Selbständigkeit, Haushalt, drei Jugendlichen Mutter und meinem Mann Partnerin zu sein.

Meine Mutter wurde als „normal“ und ich als merkwürdig und uneinsichtig für die Situation meiner Mutter angesehen. Ich war hilflos und fühlte mich nicht verstanden.

Außerdem habe ich es ganz schlecht geschafft zu akzeptieren, dass meine Mutter nie mehr so werden wird, wie sie war. Sie sollte doch so bleiben wie sie war, ich hatte noch so viel mit ihr vor. Ich fand es irgendwie unfair, mich einfach so alleine zu lassen. Ich habe lange gebraucht zu begreifen, dass meine Mutter ein Recht hat, krank zu sein, und dass ich nicht das Recht habe, sie unglücklich zur machen durch meine Probleme mit ihrer Krankheit.

Welche Unterstützung hätten Sie sich damals für sich selbst gewünscht?

Ich habe mir selbst Hilfe gesucht. Ich habe eine Selbsthilfegruppe der Alzheimer Gesellschaft besucht, deren Leitung damals eine Angehörige hatte. Dieser Austausch, das Lernen an den Erfahrungen Anderer hat mir am meisten geholfen.

Die Situation für viele pflegende Angehörige ist grundsätzlich schon anstrengend und herausfordernd. Wie hat sich das durch die Corona-Pandemie verändert?

Es ist pflegenden Angehörigen bewusster geworden, dass sie im Pflege- und Gesundheitssystem keinen Platz und kaum eine Stimme haben. Sie wurden und werden meist nur auf Nachfrage erwähnt. Sie mussten selbst Ansprüche anmelden und dafür kämpfen, um gelegentlich am Rande offiziell erwähnt und wahrgenommen zu werden.

Für professionelle Pflegekräfte gab und gibt es in der Corona-Pandemie zumindest immer wieder Anerkennung in Form von „Beifall“ und Prämien. Warum sind und bleiben pflegende Angehörige in unserer Gesellschaft dagegen so unsichtbar? Immerhin sind sie der größte „Pflegedienst“ in Deutschland.

Die Angehörigenpflege basiert auf der Basis Bismarck`scher Regelungen: „Die Pflege“ basiert immer noch unreformiert auf der familien- und generationensolidarischen unentgeltlichen Sorge - vor allem durch Frauen - umeinander. Diese moralische Verpflichtung des Staates, also der Bürgergemeinschaft, ist heute noch die Basis „der Pflege“ in Deutschland. „Pflegende Angehörige“ ist kein rechtlich definierter Begriff, es gibt für diese Gruppe keinen Rechtsstatus. Einen rechtlichen Status haben nur anerkannte „Pflegepersonen“.

Diese Rahmenbedingungen haben zur Folge, dass nur die professionelle Pflege eine Lobby hat und im politischen Kontext unter „Pflege“ nur die professionelle, die beruflich ausgeübte Pflege gegen Entgelt einen rechtlich verankerten Status hat. „Angehörigenpflege“ hat keine rechtlichen Rahmenbedingungen und - noch - keine aus den Reihen pflegender Angehöriger gebildete Lobby. Deshalb existiert sie nicht im offiziellen politischen Sprachgebrauch.

Was wünschen Sie sich von den Wohlfahrtsverbänden, wenn es um die Interessen von pflegenden Angehörigen geht?

Wohlfahrtsverbände sollten sich mit Angehörigen unterschiedlicher Altersgruppen „zusammensetzen“ und Brücken bauen zwischen privater und professioneller Kompetenz. Selbstgewählte Berufstätigkeiten dienen im Kern dem Gelderwerb. Wenn professionell Tätige nach ihrem Berufsalltag nach Hause gehen, sind sie nicht selten privat noch „Pflegende Angehörige“.

Das eine ist also die Bürgerebene, das andere die Berufsebene. Ich wünsche mir, dass wir uns als Bürgerinnen und Bürger mit unseren unterschiedlichen Pflegeschwerpunkten zusammensetzen und gemeinsam mit Politik, Wissenschaft und Pflegewirtschaft darüber nachdenken, wie wir unser Pflegesystem so reformieren und zukunftsfähig machen können, dass Pflegebedürftige und die sie Pflegenden wieder im Mittelpunkt stehen. Es geht mir um eine Reform, bei der die Gelder so verwendet werden, dass sie den bedürftigen Menschen zu Gute kommen. Dabei geht es nicht um eine Schwächung der Wirtschaft. Es geht um Neuorganisation und zukunftstaugliche Schwerpunktsetzungen, von denen alle profitieren können.

Hohe Pflegebedürftigkeit kann von einem Tag auf den anderen entstehen, zum Beispiel durch eine Krankheit oder einen Unfall. Häufig benötigen Betroffene und ihre Angehörigen zunächst aber gar nicht den Pflegedienst, sondern vor allem Unterstützung bei der häuslichen Betreuung und der hauswirtschaftlichen Versorgung, um zu Hause wohnen bleiben zu können. Sind die vorhandenen Angebote ausreichend und passend?

Leider werden die bestehenden Angebote häufig als weder passend noch ausreichend empfunden. Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen wohl in der Entwicklung unseres Pflegesystems und auch unserer gesellschaftlichen Entwicklung begründet.

Wir brauchen kommunale, sozialräumliche Anlaufstellen, die unbürokratisch, individuell und niedrigschwellig gemeinsam mit dem Ratsuchenden eine Situationsanalyse entwickeln. Wenn jemand nur eine Frage hat, dann muss auch nur diese eine Frage beantwortet werden. Im Mittelpunkt muss der Bedarf des Ratsuchenden und des eventuell damit verbundenen Unterstützungsbedürftigen stehen.

Weiter ist eine Begleitfunktion wichtig. Das kann man Case Manager oder Pflege Co Pilot nennen. Unter dem Strich muss es eine wohnortnahe, verlässliche individuelle Beratung und Begleitung sowohl zu medizinisch-pflegerischen wie auch zu hauswirtschaftlichen Fragen sein.

Und, ganz wichtig: Ratsuchende müssen zur Übernahme von Aufgaben auch „nein“ sagen können.

Welches Potential sehen Sie in der Digitalisierung, pflegende Angehörige zu Hause besser zu unterstützen?

In der Digitalisierung sehe ich ein großes Potential zur häuslichen Unterstützung. Das kann durch Unterstützungstechnik für Pflege über Raum-Monitoring über Tracking-Funktionen und Vernetzungs-Apps gehen. Aber auch digitale Dokumentation und Informationsweitergabe sowie Kommunikation mit Ärzten und anderen Gesundheitsberufen zählt dazu. 

Allerdings müssen dazu stabile Netzabdeckung mit schnellem Internet sowie erschwingliche und praxiskompatible Endgeräte zur Verfügung stehen.

Viele pflegende Angehörige stehen vor schwerwiegenden Entscheidungen: Entweder übernehmen sie – meistens Frauen - die Pflege selbst und riskieren damit, sozial und finanziell in eine prekäre Lage zu kommen. Oder sie organisieren sich auf einem nicht kontrollierten „Pflegemarkt“ häufig prekär beschäftigte migrantische Betreuungskräfte als 24-Stunden-Pflege. Wie müssen verlässliche und zukunftsorientierte Unterstützungsstrukturen aussehen, die pflegende Angehörige nicht in diese Zwickmühle bringen?

Der „Pflegemarkt“ muss verlässliche Angebote machen, die in einen zukunftsfähigen gesetzlichen Rahmen gefügt sind bzw. werden.

Fakt ist, dass immer mehr Menschen keine Angehörigen haben, auf die sie zurückgreifen können. Dass gut ausgebildete Frauen berufstätig sind, sein möchten und es auch sein müssen. Immer mehr Angehörige leben nicht in der Nähe eines Pflegebedürftigen und können oder wollen Pflege nicht übernehmen.

Damit kommen die Grundlagen unseres Pflegesystems ins Wanken. Es müssen neue finanzierbare sozialräumlich orientierte „24 Stunden Angebote“ gemacht werden. Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflegen für alle Altersgruppen müssen zur Verfügung stehen. Wohnformen müssen entstehen, bei denen Angehörige und / oder Nachbarn zeitweise die Versorgung übernehmen und individuell definierte professionelle Leistungen von professionellen Pflegekräften erbracht werden können.

Wichtig erscheint es mir auch, zu einer Vertrauenskultur in die Eigenverantwortung von professionell und informell pflegenden und begleitenden Menschen und zu kommen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit Misstrauenskultur und überbordenden Kontrollmechanismen die Zukunft nicht bewältigen können.

Es gibt Erkrankungen, die für pflegende Angehörige besonders herausfordernd sind und bei denen auch ambulante Angebote schnell an ihre Grenzen stoßen. Zum Beispiel Demenz. Wie kann es in Zukunft gelingen, auch dementiell erkrankte Menschen länger zu Hause zu betreuen? 

Demenziell erkrankte Menschen zu Hause zu betreuen ist nicht einfach, da Demenzkranke individuell sehr verschieden sind.

Alleinstehende demenziell erkrankte Menschen können oft relativ lange ihren gewohnten Tätigkeiten noch selbst nachgehen. Wichtig wäre es, dass es Menschen gibt, die alleine lebende Demenzkranke im Blick haben und mit ihnen in regelmäßigem Kontakt stehen.

Für Angehörige, die mit Demenzkranken zusammenleben, ist es wichtig, dass sie eine Anlaufstelle haben, bei der sie ihre Probleme ansprechen können und unterstützende Hilfsangebote individuell zugeschnitten erhalten. Das können Tagespflege-, Nachtpflege- oder Kurzzeitpflegeplätze sein. Das kann aber auch ein Platz in einer Demenz WG oder einer anderen alternativen Wohnform sein.

Unter dem Strich ist es mir wichtig, dass möglichst oft ein Lächeln im Gesicht eines Demenzerkrankten auftaucht, dass es uns gelingt, Demenzkranke in unserer Mitte zu behalten und sie wertschätzend durch diesen Lebensabschnitt zu begleiten. Demenzkranke haben Leben gemeistert, ihren Mann oder ihre Frau gestanden. Sie gehören zu uns. Sie gehören in unsere Mitte.

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