www.paritaet-bayern.de: Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. https://www.paritaet-bayern.de/ Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. Aktuelle Meldungen de www.paritaet-bayern.de: Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. https://www.paritaet-bayern.de/fileadmin/verband/bund_2015/theme/img/icon_newsfeed.gif https://www.paritaet-bayern.de/ 16 16 Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Bayern e.V. Aktuelle Meldungen TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Thu, 04 May 2023 13:50:10 +0200 Typisch Mädchen? Typisch Junge? Typisch Ich! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=04&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26783&cHash=449f27c3b7cdb865ae34ab9e2fc75eaa

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Thu, 04 May 2023 13:50:10 +0200
Prävention verankern (Online-Forbildungsreihe) https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26781&cHash=0c391ca32d475ee7cff9f6c3d003e927

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Tue, 28 Mar 2023 13:29:22 +0200
Fortbildungsreihe Schutzkonzepte und Behinderung - ein praxisnaher Einstieg https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26780&cHash=82a417e03349c671d9578ace20b79351

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Thu, 16 Mar 2023 13:22:38 +0100
"Aber nur, wenn Fragen kommen...."? https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26778&cHash=33877519db5a7339d71bfd5814afa64d

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Thu, 16 Feb 2023 13:11:35 +0100
Sehe ich es richtig? https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26775&cHash=c0e204b62d75781fe96ad3abcecc5b28

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Wed, 15 Feb 2023 13:27:07 +0100
Hilf mir, zu helfen! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=09&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26774&cHash=e7e8533dcd512e4872dca517d645122e

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Thu, 09 Feb 2023 13:22:51 +0100
Vielfalt fördern! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26772&cHash=fc3114c14ba3aed0ab591bf2e7da38b0

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Tue, 24 Jan 2023 13:09:29 +0100
Werkstatt Schutzkonzept https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2023&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26773&cHash=88f2b4761d9ba3427e171f593eb2b1c6

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Region Oberbayern Mitgliedsorganisationen Termine Tue, 17 Jan 2023 13:19:41 +0100
ConSozial 2022 https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26582&cHash=d53e990e10e63ebe4a04307bc4f0aaaa

]]> Am 7. und 8. Dezember 2022 findet die diesjährige ConSozial in Nürnberg statt. Unter dem Motto "Ökologisch denken, sozial handeln, Zusammenhalt nachhaltig stärken" widmet sich die Fachmesse in diesem Jahr vor allem den Zusammenhängen von Sozialem und Ökologie.

Welchen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wandel braucht es, um den Klimawandel zu bekämpfen? Wie wirken sich ökologische Projekte auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus? Wie wollen wir zusammenleben in einer Welt, die sich gravierend verändert? Solche und weitere Fragen werden von Fach- und Führungskräften des Sozialwesens und der Sozialpolitik diskutiert, um Ideen auszutauschen und Impulse für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in der Sozialen Arbeit zu setzen.

Flankiert wird die zweitägige Messe wieder vom ConSozial-Kongress, dem begleitenden KITA-Kongress und einem breiten Rahmenprogramm.

Der Paritätische in Bayern ist wieder mit einem Stand vertreten. Sie finden uns in

Halle 3A 
Stand 215

Hier haben Sie Gelegenheit, sich mit unseren Fachreferent*innen, Bezirksgeschäftsführer*innen und Fachberater*innen auszutauschen. Zudem bieten wir Ihnen Informationsmaterialien zu vielen sozialpolitischen Themen.

Aktuell gelten für Aussteller und Besucher – Stand 24.10. 2022 – keine behördlichen Auflagen. Allgemeine Schutz- und Hygienemaßnahmen bleiben auf freiwilliger Basis jedoch empfohlen. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch über evtl. Änderungen.

Wir freuen uns auf den persönlichen Austausch mit Ihnen!

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Termine Region Mittelfranken Region Niederbayern Region Oberbayern Region Oberfranken Region Oberpfalz Region Schwaben Region Unterfranken Der Paritätische Wed, 07 Dec 2022 16:08:00 +0100
Tag der Menschen mit Behinderung: Wir brauchen einen Booster für mehr Inklusion! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26803&cHash=9a05deeb0ada4c2b59928fcd34bdd272

]]> Wohnen, wie man möchte, den eigenen Lebensunterhalt verdienen, die nächstgelegene Schule besuchen oder einfach mal spontan ins Kino gehen: Was für viele Menschen selbstverständlich ist, davon sind Menschen mit Behinderung immer noch allzu oft ausgeschlossen.

„Die Situation für Menschen mit Behinderung hat sich mit der Corona-Pandemie noch weiter verschärft. Nachdem Inklusion in den vergangenen Jahren kein Thema war, brauchen wir jetzt einen Booster für mehr Inklusion!“, fordert Margit Berndl, anlässlich des Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren im Jahr 2021 mit 270.000 schwerbehinderten Menschen zwei Prozent mehr arbeitslos als im Jahr zuvor. Menschen mit Schwerbehinderung sind im Berufsleben überdurchschnittlich benachteiligt und häufiger von Armut betroffen. Jeder fünfte Mensch mit Behinderung ist in Deutschland arm.

Den Arbeitsmarkt inklusiv gestalten

„Wir müssen unser Bild von Menschen mit Behinderung ändern: nicht die Defizite sehen, sondern ihre Potentiale fördern,“ fordert Berndl. Arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung sind oft gut qualifiziert: Anteilig finden sich bei schwerbehinderten Arbeitslosen etwas mehr Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung als bei nicht-schwerbehinderten Arbeitslosen. Darauf weist die Agentur für Arbeit hin.

„Es darf nicht sein, dass sich Unternehmen lieber freikaufen, anstatt Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Unser Arbeitsmarkt muss konsequent inklusiv ausgestaltet werden, denn es muss allen Menschen – egal ob mit oder ohne Behinderung – möglich sein, im allgemeinen Arbeitsmarkt erwerbstätig zu sein und ihren Beruf entsprechend ihren Wünschen und Neigungen wählen zu können,“ fordert Berndl.

Barrieren am Wohnungsmarkt abbauen

Auch auf dem Wohnungsmarkt ist die Lage für Menschen mit Behinderung sehr angespannt, wie der heute vom Paritätischen Gesamtverband veröffentlichte Teilhabebericht verdeutlicht. Rund 20 Prozent der Menschen mit Behinderung geben an, mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden zu müssen. Die größte Hürde besteht darin, überhaupt geeigneten barrierefreien Wohnraum zu finden. Menschen mit großem Unterstützungsbedarf bleibt meist nur die Option in einer Gemeinschaftseinrichtung zu leben. Der Paritätische Gesamtverband fordert, dass jede dritte Wohnung, die jetzt neu gebaut wird, barrierefrei sein muss. Ebenso braucht es ausreichend bezahlbarem Wohnraum - sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderung.

Inklusion ist ein Menschenrecht

„Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zu umfassender Teilhabe für Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen verpflichtet. Das dürfen wir auch in Krisenzeiten nicht vergessen“, mahnt Margit Berndl abschließend. „Denn: Inklusion ist ein Menschenrecht! Bis unsere Gesellschaft inklusiv ist, müssen noch viele Barrieren abgebaut werden – nicht nur auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, besonders auch in der Bildung, bei Mobilität oder bei kultureller Teilhabe.“

Den Teilhabebericht finden Sie hier: https://www.der-paritaetische.de/teilhabebericht

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Presse Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Soziale Teilhabe und Armut Fri, 02 Dec 2022 16:41:10 +0100
Barrierefreiheit: Paritätischer Bericht sieht massiven Nachholbedarf https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26802&cHash=5430ce7d5a3e8da75619fef85619f9d4

]]> Behindertengerechtes und bezahlbares Wohnen ist für immer weniger Menschen  in Deutschland möglich. Dies ist eine zentrale Erkenntnis des Teilhabeberichts des Paritätischen Gesamtverbandes, welcher anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung periodisch erscheint. Die Paritätische Forschungsstelle legte dabei dieses Jahr den Schwerpunkt auf die Wohnsituation von Menschen mit Behinderung.

“Menschen mit Behinderung gehören zu den großen Verlierern auf dem Wohnungsmarkt. Sie trifft die angespannte Lage bei Mietwohnungen besonders”, erklärt Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, mit Blick auf die Ergebnisse des diesjährigen Teilhabeberichts. Rund 20 Prozent der Menschen mit Behinderung geben an, mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden zu müssen. Von hohen Wohnkosten sind gerade auch Menschen mit psychischer Beeinträchtigung stark betroffen, sie geben etwa doppelt so häufig wie Menschen ohne Behinderung an, durch ihre Wohnkosten stark belastet zu sein.

Erschreckend ist auch die Situation beim behindertengerechten Wohnen. So leben drei von vier Menschen mit einer anerkannten Behinderung nicht in einer barrierefreien Wohnung. Und nur jede*r Fünfte hat das Glück, sich in einer Wohnsituation ohne Stufen und Treppen zu befinden. Prof. Dr. Rosenbrock dazu: “Barrierefreiheit ist auf dem deutschen Wohnungsmarkt leider die Ausnahme. Nur ein ganz geringer Anteil  aller Wohngebäude sind annäherungsweise barrierefrei. Gerade mit Blick auf die Überalterung der Gesellschaft gibt es hier massiven Nachholbedarf!”

Rosenbrock stellt außerdem konkrete Forderungen an die Bundesregierung: “Die kürzlich vereinbarten Eckpunkte des Bündnisses Barrierefreiheit sind nicht ausreichend. Hier finden sich lediglich Absichtserklärungen ohne konkrete Umsetzungspläne. Mindestens jede dritte Wohnung, die jetzt neu gebaut wird, muss barrierefrei sein. Davon sind wir bisher weit entfernt. Ebenso von ausreichend bezahlbarem Wohnraum - sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderung.”

Der Paritätische Teilhabebericht berechnet alljährlich aktuelle Zahlen zu Menschen mit Behinderung auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Ältere Menschen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Soziale Teilhabe und Armut Fri, 02 Dec 2022 16:05:39 +0100
CETA-Ratifizierung: Breites Bündnis warnt vor neuen Klageprivilegien für Konzerne und Bedrohung für die Klimaschutzpolitik https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26771&cHash=b1a9959c46e6fc1480f86b47370c5b1f

]]> Im Vorfeld der geplanten Abstimmung im Deutschen Bundestag über die Ratifizierung des umfassenden Handels- und Investitionsschutzabkommens zwischen der EU und Kanada (CETA) gibt es breiten zivilgesellschaftlichen Protest. Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände, Umwelt- und weitere gesellschaftliche Organisationen fordern die Abgeordneten auf, gegen die Ratifizierung von CETA zu stimmen. Mit dem Abkommen würden Sonderrechte für ausländische Investoren geschaffen und Profite von Konzernen über Menschen, Klima und Umwelt gestellt, so der Kern der Kritik. Von einer “modernen und nachhaltigen” Handelsagenda, oder gar einem “Neustart”, wie die Bundesregierung es nennt, könne keine Rede sein. “Die Bundesregierung sei gerade vielmehr im Begriff, die Weichen rückwärts zu stellen”, so Margot Rieger, Vertreterin der lokalen freihandelskritischen Bündnisse und Initiativen im Netzwerk Gerechter Welthandel.

“CETA ist ein völlig veraltetes Abkommen. Während es den Handel mit fossilen Energien schützt, sind für Nachhaltigkeitsziele wie die Pariser Klimaziele oder die ILO Kernarbeitsnormen keine sanktionsbewehrten Durchsetzungsmechanismen vorhanden. Zugleich ebnet die Ampel mit der geplanten Ratifizierung von CETA den Weg für exklusive Klagerechte ausländischer Investoren vor einer Paralleljustiz”, Uwe Hiksch, Naturfreunde.

“Eine Regierung, die globalen Konzernen Sonderklagerechte gegen staatliche Regulierungen einräumt, und schon mit einer Neuauflage von TTIP liebäugelt, macht keinen zeitgemäßen Neuanfang. Es gibt keine guten Gründe dafür, außer Dienstbarkeit gegenüber Konzerninteressen”, Hanni Gramann, Attac.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes: “Gerade in diesen krisengeschüttelten Zeiten brauchen wir mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz - keinen Machtzuwachs von Konzernen, für den die Ratifizierung von CETA sorgen würde.”

Zum Hintergrund der geplanten Ratifizierung:
Einzig eine Interpretationserklärung, mit der man die gefährlichsten Bestimmungen des Investitionsschutzes entschärfen will, soll nach Ansicht der Bundesregierung ausreichen, um alle Bedenken auszuräumen. Verschiedene juristische Gutachten zeigen jedoch, dass die Interpretationserklärung Konzernklagen gegen staatliche Klimaschutzmaßnahmen keineswegs verhindert und an den strukturellen Problemen des Investitionsschutzes bei CETA nichts ändert. Während die meisten Vertragsbestandteile von CETA in der EU und Kanada seit fünf Jahren vorläufig angewendet werden, gilt dies nicht für das Investitionschutzkapitel.

Dieses sieht einen Investor-Staats-Streitbeilegungsmechnismus (ISDS) vor, der ausländischen Investoren exklusive und einseitige Klagerechte gegen ihren Gaststaat einräumt, wenn sie ihre Profite durch neue Gesetze – etwa zum Klimaschutz oder zu sozialen Rechten – beeinträchtigt sehen. Verhandelt würden die ISDS-Verfahren vor einem sogenannten Investitionsgerichtshof (ICS), einem prozedural aufgebesserten Schiedsgericht, das mit Inkrafttreten von CETA einzurichten ist. Klageberechtigt wären alle globalen Konzerne, die Niederlassungen im Vertragsgebiet haben. Diese Sondergerichtsbarkeit würde nur dann geschaffen, wenn die Parlamente aller EU-Mitgliedstaaten CETA ratifzieren.

Erst vor Kurzem hatte der irische Supreme Court geurteilt, dass das CETA-Schiedsgericht (ICS) nicht mit der irischen Verfassung vereinbar sei, weil dadurch die legislative Souveränität des Staates verletzt werde.

Pressekontakt für das Bündnis:
Ludwig Essig | Koordination Netzwerk gerechter Welthandel
Tel: 017654675253
essig(at)forumue.de

Attac, Berliner Wassertisch, Berliner Bündnis TTIP, TiSA, CETA stoppen, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND e.V., Bündnis Stoppt TTIP & Co. Darmstadt.Dieburg, Der Paritätische Gesamtverband, Forum Umwelt und Entwicklung, foodwatch, GEW Hessen, Greenpeace e.V., Initiative stopp TTIP BGL/TS, Kölner Bündnis, Lokale freihandelskritische Bündnisse und Initiativen im Netzwerk Gerechter Welthandel, Naturfreunde, Netzwerk gerechter Welthandel, Netzwerk Gerechter Welthandel Baden-Württemberg, PowerShift e.V., Umweltinstitut München, ver.di Südhessen, WEED.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Zivilgesellschaft und Demokratie Tue, 29 Nov 2022 12:44:22 +0100
Einbürgerungsgesetz: Paritätischer begrüßt Reformpläne und warnt vor Stimmungsmache https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26770&cHash=d869edcdda595e910a1a1c82625fc680

]]> Migrantinnen und Migranten sollen zukünftig nach fünf statt acht Jahren deutsche Staatsbürger*innen werden können - bei besonderen Integrationsleistungen sogar nach drei. Außerdem soll  die Einbürgerung nicht mehr am Besitz einer anderen Staatsangehörigkeit scheitern. Der Paritätische Gesamtverband, bei dem zahlreiche Migrant*innen-Organisationen Mitglied sind, begrüßt die Reformpläne der Bundesregierung ausdrücklich.

"Eine leichtere Einbürgerung ist auch ein Zeichen von Respekt vor den Migrantinnen und Migranten, die ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sind", findet Harald Löhlein, Leiter der Abteilung Migration und Internationale Kooperation beim Paritätischen Wohlfahrtsverband. Daher begrüße der Verband die Reform des Einbürgerungsrechts, die sich mit langjährigen Forderungen des Verbandes deckt.

Gleichzeitig warnt Löhlein mit Blick auf die Union, dieses Thema für fremdenfeindliche Ressentiments zu missbrauchen: "Die Kritik der Opposition darf keinesfalls auf den Rücken der Menschen ausgetragen werden und überkommene Vorurteile wieder beleben. Wir erwarten von der CDU und CSU einen konstruktiven Umgang statt populistischer Stimmungsmache."

Darüber hinaus betont Harald Löhlein, dass es bei der Reform nicht bleiben darf und regte strukturelle Verbesserungen an. "Integration funktioniert nur in einer guten Organisationsstruktur. Auch die Einbürgerungsbehörden müssen gut ausgestattet sein, um Anfragen zügig bearbeiten zu können. Hier sehen wir Nachholbedarf", so Löhlein weiter.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Mon, 28 Nov 2022 10:07:00 +0100
Tag gegen Gewalt an Frauen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26749&cHash=a99406b666308116f54059f8d585ee69

]]> Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag gelingt es ihm. Das ist die Spitze des Eisbergs. Diskriminierungen, Sexismus und Gewalt verschiedener Art gehören noch immer zum Alltag von Frauen. Rund 38.200 Straftaten gegen Frauen gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik im vergangenen Jahr allein in Bayern.

„Die Gewalt gegen Frauen ist erschreckend hoch, auch bei uns in Deutschland. Wir müssen noch mehr tun, um Frauen und ihre Kinder besser vor Gewalt zu schützen,“ fordert Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern, anlässlich des morgigen Internationalen Tags zur Beseitigung der Gewalt an Frauen.

Pflicht statt freiwillig

Deutschland hat sich mit der „Istanbul-Konvention“ verpflichtet, alles dafür zu tun, um häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, sie zu schützen und ihnen Hilfe und Unterstützung anzubieten. Dank der Förderung des Bayerischen Sozialministeriums, der Kommunen und Landkreise konnte das Schutz- und Unterstützungssystem in Bayern in den vergangenen Jahren ausgebaut werden.

Ein Großteil des Unterstützungssystems wird über die sogenannten freiwilligen Leistungen der Länder und Kommunen sowie durch Eigenmittel der Träger finanziert. „Die Finanzierung darf nicht ‚freiwillig‘ sein und damit immer unter dem Haushaltsvorbehalt stehen. Sie muss Pflicht sein, denn diese Verpflichtung ist Deutschland mit der Istanbul-Konvention eingegangen. Der Schutz vor Gewalt muss gesetzlich verankert werden“, fordert Berndl.

Alle Kriterien der Istanbul-Konvention erfüllen

Trotz des Ausbaus decken die Angebote bei weitem noch nicht den Bedarf der von Gewalt betroffenen Frauen und erfüllen noch nicht die Kriterien der Istanbul-Konvention. Das hat kürzlich der Europarat kritisiert.

„Zum Beispiel brauchen wir mehr Beratungsstellen vor allem im ländlichen Raum, damit die Frauen vor Ort Beratung und Unterstützung bekommen. Wir brauchen mehr Plätze in Frauenhäusern. Insbesondere auch geflüchtete Frauen in Gemeinschaftsunterkünften müssen besser vor Gewalt geschützt werden und Schutzräume nur für geflüchtete Frauen ausgebaut werden,“ fordert Margit Berndl.

Der Europarat hat auch das „Fehlen systematischer Bemühungen zur Förderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit von Frauen“ kritisiert, z.B. durch die Bereitstellung von Sozialwohnungen. „Das ist auch in Bayern angesichts des angespannten Wohnungsmarktes ein großes Problem. Viele Frauen müssen länger in Frauenhäusern leben als notwendig, weil sie keine Wohnung finden, und belegen so Plätze, die andere Frauen dringend brauchen,“ so Berndl.

„Da es Gewalt gegen Frauen nach wie vor in erschreckend hohem Ausmaß gibt, bleibt leider gesellschafts- und frauenpolitisch noch viel zu tun.“

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Presse Fachbereich Frauen / Geschlechterpolitik / LGBTIQ Frauen und Mädchen Thu, 24 Nov 2022 12:18:57 +0100
Hartz IV bleibt Hartz IV: Scharfe Kritik des Paritätischen am Kompromissvorschlag von Ampel und Union zum Bürgergeld https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26730&cHash=519c9653220a6dd53612dd6cb794aace

]]> Als absolut enttäuschend kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband den heute bekannt gewordenen Kompromiss zwischen Ampel und Union zum sogenannten Bürgergeld. Insbesondere der CDU wirft der Verband eine beispiellose Desinformations- und Entsolidarisierungskampagne auf dem Rücken der Ärmsten vor.

„Hartz IV bleibt Hartz IV, sollte der jetzt bekannt gewordene Kompromiss zum sogenannten Bürgergeld im Vermittlungsausschuss und im Bundesrat beschlossen werden“, erklärt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider in Berlin. Hartz IV bekäme zwar neue Akzente Richtung Bildung und Weiterbildung, die der Verband, sehr begrüße, auch sei das einjährige Wohnungsmoratorium besser als gar keine Neuregelung, von einer Überwindung von Hartz IV hin zu einem Bürgergeld sei der Kompromiss jedoch denkbar weit entfernt. Schneider: „Solange in der Grundsicherung weiterhin sanktioniert wird und solange die Menschen weiter in Armut gehalten werden, kann nicht ernsthaft von einer echten Reform, sondern bestenfalls von einer Novelle gesprochen werden. Die vermeintlich größte Sozialreform seit 20 Jahren zerbröselt, noch bevor der Vermittlungsausschuss überhaupt zusammengetreten ist“, stellt Schneider fest.

Weiterhin bleibe das negative Menschenbild des trägen Hilfesuchenden und Vorstellungen einer überholten Rohrstockpädagogik prägend. Die Erhöhung der Regelsätze um 11 Prozent auf 502 Euro sei gerade einmal ein Inflationsausgleich, der die Menschen längst nicht aus der Armut führe. Der Verband verweist auf eigene Berechnungen, wonach ein bedarfsdeckender Regelsatz 725 Euro betragen müsste.

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 22 Nov 2022 14:54:05 +0100
Bürgergeld zu niedrig: Paritätischer fordert armutsfesten Regelsatz von 725 Euro https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=09&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26654&cHash=6a909a447072e2ae047d1e0f0df60094

]]> Laut einer aktuellen Expertise des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist die zum Januar 2023 geplante Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung auf 502 Euro, über die der Deutsche Bundestag am morgigen Donnerstag im Zusammenhang mit einer Reform von Hartz IV und der Einführung eines sogenannten “Bürgergeldes” berät, viel zu niedrig. Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müssten die Leistungen auf mindestens 725 Euro angehoben werden, um wirksam vor Armut zu schützen. Der Verband fordert eine entsprechende Erhöhung des Regelsatzes um 276 Euro plus die vollständige Übernahme der Stromkosten und mahnt die Politik zur Eile: Angesichts der Notlage der Betroffenen sei keine Zeit zu verlieren.

Der Paritätische kritisiert die regierungsamtliche Berechnungsmethode trotz der neuen Fortschreibungsmethodik als nicht geeignet, das verfassungsrechtlich gebotene soziokulturelle Existenzminimum abzusichern. “Ob Hartz IV oder Bürgergeld, an der eigentlichen Berechnungsmethode hat sich nichts geändert, die Leistungen bleiben trickreich kleingerechnet, reichen vorne und hinten nicht und gehen an der Lebensrealität der Menschen vorbei”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Angesichts der rasant steigenden Preise insbesondere für Energie und Lebensmittel stelle die geplante Erhöhung zum 1. Januar keine Verbesserung des Lebensstandards dar, sondern lediglich eine Anpassung an die gestiegenen Lebenshaltungskosten der letzten 12 Monate.

Die Paritätische Forschungsstelle rechnet in ihrer aktuellen Expertise die seit Jahren bereits umstrittenen und auch von anderen Sozialverbänden kritisierten statistischen Manipulationen im Regelsatz heraus und nimmt darüber hinaus eine Anpassung an die aktuelle Preisentwicklung entsprechend des von der Ampel-Koalition vorgeschlagenen neuen Fortschreibungsmechanismus vor. Im Ergebnis müsste der Regelsatz für einen alleinstehenden Erwachsenen ab dem 1.1.2023 mindestens 725 Euro statt 502 Euro betragen.

Diese Berechnungen für einen armutsfesten Regelsatz werden durch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa gestützt, nach der die Bevölkerung mehrheitlich nicht davon ausgeht, dass der mit dem Bürgergeld vorgesehene Regelsatz ausreicht, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Mit lediglich 6 Prozent geht nur eine ausgesprochen kleine Minderheit davon aus, dass der für Ernährung vorgesehene Betrag im Bürgergeld eine gesunde und ausgewogene Ernährung ermöglicht. In Hinblick auf die bisherige Unterstützung von Menschen mit geringen Einkommen, Rentner*innen und Studierenden sowie gemeinnützigen sozialen Einrichtungen in der Energie-Krise meint jeweils eine klare Mehrheit von etwa zwei Drittel der Befragten, dass diese bisher nicht ausreichend unterstützt werden.

Die repräsentative Umfrage wurde vom 28. Oktober bis 3. November 2022 vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes durchgeführt. Insgesamt wurden 1012 Personen über 18 Jahre im Rahmen der Mehrthemenumfrage des repräsentativen Online-Befragungspanels forsa.Omninet befragt.

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wed, 09 Nov 2022 09:16:05 +0100
Geh Deinen eigenen Weg! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26651&cHash=96c715e9d4aeb948488a936d767dbebb

]]> ]]> „Bei Kopfhoch habe ich das Gefühl, dass ich ernstgenommen werden“, schreibt Marie* (15 Jahre) im Chat. „Es ist gut, dass schnell jemand erreichbar ist und ich einfach übers Handy schreiben kann.“ Wann, wo und wie – das entscheiden bei der anonymen Online- und Telefonberatung für Kinder und Jugendliche kopfhoch.de die Klient*innen selbst. Auch Sissi* (18 Jahre) schätzt an dem Chatformat viele Dinge: dass man Probleme nicht laut aussprechen muss, dass man den anderen nicht sieht, dass man selber entscheiden kann, wann man antwortet. Und „dass man Themen erzählen kann, die man sonst niemandem erzählen möchte – also auch nicht der besten Freundin“, schreibt sie.

Das Gefühl, mit den eigenen Problemen und Sorgen allein zu sein, haben viele Kinder und Jugendliche, die sich bei kopfhoch.de melden. Und es ist nicht nur ein Gefühl, sondern leider auch Realität. „Natürlich fragen wir in unseren Beratungen auch immer nach, ob es im direkten sozialen Umfeld jemanden gibt, der in der schwierigen Lebenssituation unterstützen und helfen kann: Freundinnen, Kumpels, Geschwister, Eltern“, sagt Anna Wachter, Projektleitung bei kopfhoch.de. „Doch häufig ist da wirklich niemand. Manche sorgen sich um den ,Imageverlust‘, bei anderen werden die Probleme vom sozialen Umfeld nicht verstanden oder klein geredet. Zum Beispiel beim Thema Magersucht. Da hören junge Mädchen von Freundinnen dann schon mal: ,Ich weiß gar nicht, was Du hast? Ich wäre froh, wenn ich so dünn wäre, wie Du!‘“

Allein mit den eigenen Problemen und Sorgen

Warum haben andere Menschen, Erwachsene und unsere Gesellschaft oft kein Ohr für die Sorgen, Probleme und Wünsche von jungen Menschen? „Jeder hat mit seinen eigenen Problemen zu tun“, meint Marie. Auch ihre Freund*innen, sagt sie. Und diese Probleme nehmen zu: Die Copsy Studie zeigt zum Beispiel, dass in Folge der Corona-Pandemie und den Einschränkungen wie den Lockdowns die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen stark angestiegen ist. Vor allem junge Mädchen waren besonders betroffen von zunehmender Ängstlichkeit, Depressivität und psychosomatischen Beschwerden. So haben sich bei kopfhoch.de die Beratungsanfragen am Telefon von 2020 auf 2021 verdoppelt. Auch die Gesamtzahl der Anfragen für Online-Beratung über die Webseite und den Messenger nimmt zu. „Die Zahlen der akuten Krisen, wie Suizidalität, und der Belastungen durch die Pandemie sind deutlich gestiegen“, berichtet Anna Wachter.

Manche Probleme brauche Zeit

Gerade für die Begleitung in schweren Lebenskrisen wie zum Beispiel bei Suizidgedanken, selbstverletzendem Verhalten, Depressionen oder Drogenkonsum eignet sich, in der Erfahrung der Kopfhoch-Fachkräfte, der Einzelchat besonders gut. „Denn hier braucht es nicht nur eine kontinuierliche und verlässliche Beratung,“ sagt Anna Wachter. „Manche Probleme brauchen einfach mehr Zeit, um an die Oberfläche zu kommen. Mehr Zeit, bis junge Menschen bereit sind, darüber zu sprechen bzw. zu schreiben.“ Das beschreibt auch Sissi so: Ihr hilft manchmal, dass man auf eine Frage nicht sofort antworten muss und Zeit hat, über Dinge nachzudenken und eigene Lösungen zu entwickeln, schreibt sie. Gleichzeitig stellt sie klar, wie wichtig für sie das Gegenüber im Chat ist, dass es „mehr ist, als nur die Gedanken in ein Tagebuch zu schreiben, da man eine Antwort bekommt“. Und damit mit seinen Problemen nicht allein bleibt.

Warum es so schwer ist, über manche Probleme offen zu sprechen, hat auch mit dem Bild zu tun, das unsere Gesellschaft von jungen Menschen hat, meint Sissi: „Ich finde, es kommt auf die Einstellung der Person an. Aber ganz verallgemeinert finde ich, dass vor allem Menschen über 50 noch sehr in dem Mindset ‘Jung = Gesund‘ stecken.“ Bestimmte Sorgen und Probleme werden ihrer Meinung nach jungen Menschen von unserer Gesellschaft einfach nicht zugestanden - und damit auch nicht ernst genommen. Gerade psychische Erkrankungen werden bei jungen, aber auch bei älteren Menschen tabuisiert. „In der Millennial Generation merkt man langsam, dass mentale und somatische Krankheiten anerkannt und akzeptiert sowie enttabuisiert werden. Also denke ich, sind wir auf einem guten Weg. Aber die breite Masse versteht es noch nicht“, sagt sie.

Geh Deinen eigenen Weg!

Und wenn sie an ihre Zukunft denken: Wovon träumen Marie und Sissi? Was wünschen sie sich? „Ich hoffe, ich schaffe die Schule, und kann einen Beruf lernen, der mir Spaß macht“, schreibt Marie. Sissi nennt zwei Dinge: den Mut haben, sich einen Therapieplatz zu suchen. Und dass ihre Eltern, vor allem ihre Mama, ihre psychische Erkrankung endlich als Krankheit anerkennen. Ob alle Wünsche in Erfüllung gehen? Das bleibt offen. Aber das beide mit der Unterstützung von kopfhoch.de ihren eigenen Weg gehen und den Kopf hochhalten werden – das ist sicher!

*Namen von der Redaktion geändert


Online- und Telefonberatung kopfhoch.de des Kinderschutzbund Regensburg

Stress mit den Eltern, Ärger in der Schule, Probleme mit Freunden, Liebeskummer… Das kennt fast jede*r! Doch auch Themen wie selbstverletzendes Verhalten, sexualisierte Gewalt, Depressionen, Suizidgedanken, Mobbing und Drogenkonsum sind keine Seltenheit bei Jugendlichen und führen oft zu schweren Krisen. Da nicht jeder junge Mensch sich in der Familie, bei Freunden oder bei Fachkräften im Umfeld Hilfe holen kann oder will, gibt es das Angebot kopfhoch.de des Kinderschutzbund Regensburg.

Kopfhoch.de ist eine Online- und Telefonberatung für Kinder und Jugendliche bis 21 in der Oberpfalz. Zwei Projektleiterinnen werden unterstützt von einem Team aus rund 40 ehrenamtlichen Berater*innen, alles psychologische und pädagogische Fachkräfte.

Kopfhoch.de vertritt das Beratungsverständnis „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mit Ansätzen aus der systemischen Beratung, der klientenzentrierten und der motivierenden Gesprächsführung, unterstützt und begleitet die Online- und Telefonberatung Kinder und Jugendliche dabei, ihren eigenen Weg aus Problemsituationen heraus zu finden.

Mehr Informationen gibt es unter kopfhoch.de

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Themen Kinder und Jugend Tue, 08 Nov 2022 15:16:33 +0100
Energiekrise: Erwerbslosenverein Tacheles e.V. und Paritätischer starten Aufklärungs- und Unterstützungskampagne für Betroffene hoher Energiekosten https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26648&cHash=81a70cdb3f398b040588733b7855eb95

]]> Angesichts stark steigender Energiekosten starten Tacheles e.V. und der Paritätische Wohlfahrtsverband heute die bundesweite Kampagne “Energie-Hilfe”, mit der Menschen über ihre Rechte auf behördliche Übernahme von Energiekosten aufgeklärt werden sollen. Im Zentrum der Kampagne steht die Webseite www.energie-hilfe.org, die Betroffene hoher Energiekosten umfangreich über ihre sozialrechtlichen Ansprüche informiert und Musteranträge zur Verfügung stellt. Der Mangel an ausreichenden, gezielten Hilfen für die von Inflation und explodierenden Energiekosten am härtesten Betroffenen wird nach Einschätzung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und des Erwerbslosen- und Sozialhilfeverein Tacheles e.V. zu einer deutlichen Steigerung der Anzahl an Anspruchsberechtigten im Bereich der Grundsicherung führen.

Um Betroffenen die Antragstellung zu erleichtern und die fristgerechte Wahrung von Ansprüchen zu ermöglichen, werden auf dem Portal www.energie-hilfe.org leicht verständliche und einfach zugängliche Informationen bereitgestellt und die nötigen Antragsformulare zum Download angeboten.

Beratungsstellen und -einrichtungen können sich auf der Website umfangreich über Anspruchsberechtigungen und Möglichkeiten zur Rechtsdurchsetzung informieren.

„Trotz Doppelwumms wird es viele Menschen geben, die ihre Energierechnungen nicht mehr zahlen können”, warnt Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. „Die Website Energie-Hilfe.org leistet konkrete Hilfe, indem sie Betroffene über ihre Ansprüche aufklärt und die Antragstellung erleichtert.”

Harald Thomé, Vorstand von Tacheles e.V., ergänzt: „Mit dieser Kampagne richten wir uns insbesondere auch an die Menschen, die ihre hohen Energiekosten mit ihrem Einkommen nicht mehr bezahlen können und deshalb einen Anspruch auf zumindest teilweise Übernahme der Kosten haben. Anspruchsberechtigte, wie Erwerbstätige, Rentner*innen, Wohngeldbeziehende oder Auszubildende, müssen zur Wahrung ihrer Ansprüche jetzt schnell Anträge stellen. Für sie sind schnelle Aufklärung und Hilfe jetzt wichtig, nicht erst im nächsten Jahr!"

Flugblätter und Plakate, die auf die Aufklärungskampagne hinweisen, können auf der Website www.energie-hilfe.org heruntergeladen oder bestellt werden.

Unterstützt wird das Projekt von Tafel Deutschland e.V., dem Deutschen Mieterbund, Sanktionsfrei e.V. und der Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen.

Gwendolyn Stilling
Pressesprecherin und Abteilungsleiterin Öffentlichkeitsarbeit, Presse, Redaktion und Kampagnen
pr@paritaet.org

Tel. 030 24636-305

Christian Weßling
Referent Projekt: "Beratung gegen Rechts"
bgr@paritaet.org

Tel. 030 24636-347

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Mon, 07 Nov 2022 15:48:58 +0100
Ministerpräsidentenkonferenz: Paritätischer bewertet Beschlüsse als enttäuschend https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=03&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26646&cHash=f87c77e7ad1d1bd7b434331d1b04bffe

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert die soziale Schieflage der Bund-Länder-Beschlüsse zur Bewältigung der Energiekrise. Während von Entlastungsmaßnahmen wie Gas- und Strompreisbremse, 49-Euro-Ticket oder den geplanten Steuerentlastungen einkommensstarke Haushalte stärker und selbst dann profitieren, wenn sie nicht darauf angewiesen sind, fehle es weiter an bedarfsgerechten Hilfen für ärmere Menschen. Dass es darüber hinaus noch immer keine verbindliche Zusagen der Bundesländer zu Schutz und Härtefallhilfe für soziale Einrichtungen gebe, sei extrem enttäuschend.

“Es ist frustrierend und wirklich bitter: Ausgerechnet für arme Menschen, die unter den steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten offenkundig besonders leiden, fehlt es noch immer an bedarfsgerechter Unterstützung. Seit Monaten leben die Betroffenen von der Hand in den Mund - und weder beim Bürgergeld noch bei den Entlastungsmaßnahmen bewegt sich etwas”, kritisiert Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Was es dringend brauche, seien Direkthilfen für die Ärmsten. Der Paritätische fordert bis zu einer bedarfsgerechten Neuberechnung der Regelsätze in der Grundsicherung eine sofortige Anhebung der Leistungen um mindestens 200 Euro pro Person und Monat. Darüber hinaus müssten Stromkosten in der Grundsicherung, die bisher im Regelsatz pauschaliert sind, separat übernommen werden.

Für alle mit geringem Einkommen, die zukünftig neu Anspruch auf Wohngeld haben werden, fordert der Verband bedarfsorientierte Abschlagszahlungen solange bis die Anträge bearbeitet und die Wohngeldzahlungen umgesetzt werden können. “Es ist klar, dass die Umsetzung der geplanten Reform eine Herausforderung ist und die Verwaltungen auch angesichts von Personalknappheit ihre Zeit bis zur Umsetzung brauchen”, so Hesse. “Damit die Menschen aber umgehend die Hilfe bekommen, die sie benötigen, muss der Staat hier unbürokratisch in Vorleistung gehen.”

Was die Situation sozialer Einrichtungen angeht, ist der Paritätische weiter tief besorgt. Für weite Teile der sozialen Infrastruktur, jenseits von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, fehle es noch immer an verbindlichen Zusagen der finanziellen Absicherung. “Es braucht hier endlich auch ein klares Bekenntnis der Bundesländer, dass gemeinnützige soziale Einrichtungen und Dienste nicht im Stich gelassen werden”, fordert Hesse.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
Oranienburger Str. 13-14
10178 Berlin
Telefon: 030 24636-305
Telefax: 030 24636-110
Mail: pr(at)paritaet.org

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 03 Nov 2022 17:51:00 +0100
Gaspreis-Kommission: Soziale Infrastruktur schützen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=31&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26615&cHash=2f3e19b98842bb0064f4cdd4154f820d

]]> Die heute veröffentlichten Vorschläge der Gaspreis-Kommission bewertet der Paritätische Gesamtverband ambivalent. Absolut zu begrüßen sei, dass die Kommission die Bedeutung gemeinnütziger sozialer Einrichtungen hervorhebt und ihre besondere Schutzbedürftigkeit betont. In der Praxis, so der Paritätische, komme es nun jedoch vor allem auf eine gute Ausstattung der Fonds sowie ein Mitziehen der Bundesländer an, um soziale Einrichtungen hinreichend durch die Energiekrise zu helfen. Der Verband zeigt sich zudem enttäuscht davon,  dass nach wie vor zu wenig  gezielte Hilfen für ärmere Menschen vorgesehen sind und fordert hier dringend Nachbesserungen.

„Ohne konkrete Finanzspritzen droht uns der Kahlschlag bei der Sozialen Infrastruktur in Deutschland. Auf schwammig umschriebene Fonds können unsere Einrichtungen sich nicht verlassen“, befürchtet Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen. Der Abschlussbericht sieht Hilfefonds für einige soziale Einrichtungen vor. Die Ausgestaltung ist jedoch noch weitestgehend unklar. Hesse erkennt an, dass die Kommission die sozialen Einrichtungen unterstützen möchte. Gleichzeitig befürchtet er, dass die Hilfen nicht ausreichend sind und viele Einrichtungen durch das Netz fallen. „Gerade Landes- und kommunal finanzierte Einrichtungen werden aus den Hilfefonds keinen Cent sehen. Das umfasst Eingliederungshilfe, Jugendhilfe, Studentenwerke, Jugendherbergen oder auch gerade so wichtige Einrichtungen wie die Tafeln. Aber gerade die brauchen jetzt Planungssicherheit. Hier muss von der Bundesregierung nachgebessert werden“, so Werner Hesse weiter.

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Paritätische Gesamtverband eine Umfrage, nach welcher 90 Prozent aller Paritätischen Einrichtungen Angst vor der Schließung durch hohe Gaspreise haben. Dazu Werner Hesse: „Die drohende Insolvenz vieler sozialer Einrichtungen ist eine akute Gefahr und muss dringend abgefedert werden. Hier muss die Bundesregierung über die Forderung der Kommission weit hinaus gehen und konkrete finanzielle Hilfen bereitstellen. Und wem der Bund formal nicht helfen darf, müssen die Länder helfen.“

Weiterhin unzufrieden ist der Paritätische mit den Vorschlägen für die Hilfen ärmerer Haushalte. Was es dringend brauche, sind Direkthilfen für die Ärmsten. Der Paritätische fordert eine unverzügliche Anhebung der Regelsätze um 200 Euro.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Mon, 31 Oct 2022 14:03:00 +0100
#SolidarischerHerbst: Deutschlandweit demonstrieren 24.000 Menschen für soziale Sicherheit und gegen fossile Abhängigkeit https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26599&cHash=c10f4b01b086e3e7c4e8a8e382078671

]]> Rund 24.000 Menschen haben heute in sechs deutschen Großstädten unter dem Motto „Solidarisch durch die Krise – soziale Sicherheit schaffen und fossile Abhängigkeiten beenden“ demonstriert. In Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt am Main, Hannover und Stuttgart machten die Teilnehmer*innen deutlich, dass sie in dieser Krise solidarisch an der Seite der Ukraine stehen. Von der Bundesregierung forderten sie eine solidarische Politik, die gleichzeitig die Weichen stellt, um die Abhängigkeit von fossilen Energien zu beenden.

Die bunten Demonstrationen waren aus Sicht des aus neun Organisationen bestehenden breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses ein Erfolg. Dazu erklärt das Bündnis: „Wir senden gemeinsam mit 24.000 Menschen ein starkes Zeichen an die Bundesregierung für eine sozial gerechte und nachhaltige Politik. An ihre Adresse sagen wir: Die Probleme unserer Zeit müssen solidarisch gelöst werden. Statt Entlastungen nach dem Gießkannenprinzip, braucht es gezielte Maßnahmen für diejenigen, denen es am Nötigsten fehlt. Statt Investitionen aufzuschieben, müssen wir jetzt unabhängig von fossilen Energien werden. Die Ampel-Regierung muss unsere Gesellschaft gerecht und klimaresilient aufstellen. Die Bekämpfung der multiplen Krisen muss zusammen gedacht werden. Soziale Sicherheit, Demokratie und Natur- und Klimaschutz gehen Hand in Hand.“

„Die Demonstrationen zeigen, dass viele Menschen sich in der Krise nicht spalten lassen und sich eine sozial-ökologische Wende wünschen. Dazu gehören zielgerichtete Entlastungen für jene, die Unterstützung brauchen, eine Gesamtstrategie für eine nachhaltige, bezahlbare Grundversorgung sowie massive Investitionen in den naturverträglichen Ausbau erneuerbarer Energien. Für eine solidarische Politik muss Reichtum außerdem angemessen belastet und Vermögende zur Solidarität verpflichtet werden. Angesichts der Krisen dieser Zeit liegt die Lösung in einem starken Miteinander - für neue Zuversicht und eine sozial gerechte, ökologische und lebenswerte Zukunft“, so die Organisatoren.

Demonstrationsteilnehmer*innen nach Städten:
Berlin: 6.000
Düsseldorf: 5.000
Dresden: 2.000
Frankfurt am Main: 5.000
Hannover: 2.000
Stuttgart: 4.000

Weitere Informationen zum Bündnis und den konkreten Einzelforderungen finden Sie hier: www.solidarischer-herbst.de

Hashtags: #SolidarischerHerbst

Pressefotos (freie Verwendung bei Quellenangabe): www.solidarischer-herbst.de/fotos

Pressekontakte:
Attac: Roland Süß, Attac Koordinierungskreis, suess@attac.de, Mobil: 0175/2725893
BUND: Sigrid Wolff, Pressesprecherin, presse@bund.net, Mobil: 01590/6332372
Campact: Maria Henk, Pressesprecherin, presse@campact.de, Mobil: 0173/2518013
Der Paritätische Gesamtverband: Gwendolyn Stilling, Pressesprecherin, pr@paritaet.org, Tel.: 030/24636305
Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di): Jan Jurczyk, Leiter Pressestelle Bundesvorstand, pressestelle@verdi.de, Tel.: 030/69561010, Mobil: 0170/7607664
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Ulf Rödde, Pressesprecher, ulf.roedde@gew.de, Tel.: 069/78973114, Mobil: 0160/90557232
Greenpeace: Tina Loeffelbein, Pressesprecherin Klima und Energie, tina.loeffelbein@greenpeace.org, Mobil: 0151/16720915
Volkssolidarität: Ingo Dinger, Referent Marketing und Kommunikation Bundesverband, pressestelle@volkssolidaritaet.de, Mobil: 0178/1196557
Bürgerbewegung Finanzwende: Julian Merzbacher, Pressesprecher, presse@finanzwende.de, Mobil: 0160/92981855

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Presse Klimaschutz Zivilgesellschaft und Demokratie Sat, 22 Oct 2022 09:45:00 +0200
90 Prozent der sozialen Einrichtungen und Dienste sind aufgrund steigender Energiepreise gefährdet https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=21&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26572&cHash=50a624b4fcd9717fc08b9fdae9749e08

]]> Für gemeinnützige soziale Einrichtungen stellen die aktuellen Preissteigerungen ein existenzielles Risiko dar, so das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in seiner Mitgliedschaft, an der sich über 1.300 Einrichtungen aus dem gesamten Spektrum sozialer Arbeit beteiligten. 90 Prozent der Befragten sehen ihre Einrichtung gefährdet. 46 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen geben an, dass sie es ohne Hilfe maximal ein Jahr schaffen, ihre Angebote weiterzuführen. Der Paritätische schlägt vor diesem Hintergrund Alarm und fordert einen umfassenden Schutzschirm für soziale Einrichtungen und Dienste. Der Verband geht davon aus, dass ein zweistelliger Milliardenbetrag notwendig ist und mahnt Eile an. Bund, Länder und Kommunen müssten schnellstmöglich unbürokratisch verlässliche und finanziell auskömmliche Absicherung schaffen.

“Die Umfrage zeigt, dass es akuten Hilfebedarf gibt, da die massiven Preissteigerungen bei Strom und Wärme bereits kurzfristig greifen. Gemeinnützige Träger können Kostensteigerungen nicht einfach an ihre Klient*innen weitergeben, Rücklagen dürfen sie nur in begrenztem Umfang bilden und aufgrund der besonderen Schutzbedürftigkeit der von ihnen unterstützten Personen lässt sich auch nicht einfach die Heizung runter drehen”, mahnt Joachim Rock, Leiter der Abteilung Arbeit, Soziales und Europa des Paritätischen Gesamtverbands.

Die Ergebnisse der Umfragen belegen die Dringlichkeit: Bei 28 Prozent der befragten Einrichtungen stehen bereits in diesem Monat steigende Abschlagszahlungen für Strom an, für zwei Drittel aller Einrichtungen werden steigende Abschläge zeitnah bis Januar 2023 erwartet. Bei den Heizkosten, für die 71 Prozent der Befragten eine Verdopplung und 26 Prozent sogar eine Verdreifachung erwarten, ist es ähnlich. Über 77Prozent der befragten Einrichtungen rechnen neben den drastischen Preissteigerungen für Strom und Heizung zudem mit weiteren Kostensteigerungen, insbesondere die gestiegenen Lebensmittel- und Spritkosten belasten die sozialen Einrichtungen schon jetzt.

“Wenn gemeinnützige soziale Einrichtungen und Dienste nicht schnell, umfassend und unbürokratisch unterstützt werden, droht im Sozialen ‚Tabula Rasa‘”, warnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Schneider appelliert an die Politik, keine Zeit verstreichen zu lassen. Soziale Einrichtungen und Dienste bräuchten umgehend eine verbindliche Zusage, dass man sie nicht im Regen stehen lasse. Gemeinnützige Organisationen mit ihrer Arbeit für und mit Menschen, die selber auf Hilfe, Beratung und Schutz angewiesen sind, leisteten täglich einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und seien auch für die Krisenbewältigung existenziell.

“Es kommt jetzt auf echte Solidarität an, damit wir unsere Gesellschaft sozial und ökologisch krisenfest und zukunftsfähig gestalten”, so Schneider. Es brauche zielgerichtete Entlastungen für jene, die Unterstützung dringend brauchen, aber auch eine Gesamtstrategie für eine nachhaltige, bezahlbare Grundversorgung. Gemeinsam im breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis ruft der Paritätische unter dem Motto “Solidarisch durch die Krise – Soziale Sicherheit schaffen und fossile Abhängigkeiten beenden!” für Samstag, den 22. Oktober 2022 zu Demonstrationen in sechs Städten auf.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Der Paritätische Gesamtverband
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Presse Soziale Teilhabe und Armut Fri, 21 Oct 2022 10:56:23 +0200
Mehr Zeit für Kinder – Fachkräfte in den Kitas brauchen Entlastung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26559&cHash=e46125e9db802a16bb8d119f3f274182

]]> Für viele Eltern in Bayern ist es längst Alltag: Betreuungszeiten müssen reduziert werden, weil wieder eine Mitarbeiterin in der Kita gekündigt hat. Das Kind mag nicht mehr in die Kita, weil die Lieblingserzieherin gegangen ist. In der Früh kommt eine E-Mail, dass die Kinder bereits 13:00 Uhr abgeholt werden müssen, weil mehrere Mitarbeiter*innen krank sind. Oder Eltern finden gar keinen Kitaplatz und müssen die Betreuung irgendwie selbst organisieren – trotz Rechtsanspruch.

Dramatische Situation in Bayern: 14.500 Fachkräfte fehlen bis nächstes Jahr
Was Eltern täglich erleben, und worunter das Personal in den Kitas leidet, bestätigt einmal mehr das aktuelle Ländermonitoring der Bertelsmann Stiftung. Die Zahlen belegen, wie dramatisch die Situation ist: In Bayern fehlen allein bis zum nächsten Jahr 14.500 Fachkräfte in den Kitas und 62.000 Betreuungsplätze, um den Betreuungsbedarf der Eltern zu decken.

„Wir brauchen eine wirkungsvolle Offensive gegen den Fachkräftemangel in den pädagogischen Berufen,“ fordert Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern. Das sei eine Herkulesaufgabe, die Bund, Land, Kommunen und Kita-Träger nur gemeinsam lösen könnten. Dabei müssten viele kleine und große Schrauben gleichzeitig gedreht werden.

Zu viele Aufgaben nebenher

Die Anforderungen an das Personal in den Einrichtungen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen: die Betreuung von immer mehr Kindern mit Fluchthintergrund, Dokumentationspflichten und gestiegene psychische Belastungen der Kinder. Die Fachkräfte sind nach der Coronapandemie und in Folge des Fachkräftemangels überlastet.

„Wir brauchen kurzfristig mehr ‚helfende Hände‘ in den Kitas, um die Fachkräfte zu entlasten und im Beruf zu halten“, fordert Margit Berndl. „Die Fachkräfte brauchen Zeit für ihre pädagogische Arbeit mit den Kindern. Essenkochen, Putzen, Geschirrspülen, administrative und organisatorische Aufgaben: das sollten nicht Erzieher*innen nebenher miterledigen müssen,“ so Berndl weiter.

Bisherige Maßnahmen reichen nicht aus

Die bisherigen Maßnahmen des Leitungs- und Verwaltungsbonus der Landesregierung reichen hierfür noch nicht aus. Insbesondere kleine Einrichtungen brauchen unbürokratische Finanzierungslösungen. Der Einsatz von Unterstützungskräften müsse vollständig finanziert und dürfe nicht auf den Personalschlüssel angerechnet werden.

Weitere Stellschrauben sind die schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Einbindung anderer Berufe in den Kita-Alltag. Ausbildungsplatzkapazitäten müssen massiv ausgebaut werden. Leitungskräfte müssen weiter entlastet werden und mehr Zeit für die Praxisanleitung von Auszubildenden und für Führungsaufgaben haben. Um Quereinsteiger*innen für den Beruf zu gewinnen, muss die berufliche Weiterqualifizierung kostenlos sein.

Qualität erhalten und weiterentwickeln

„Gemeinsames Ziel muss sein, dass die Qualität in den Kitas erhalten und weiterentwickelt wird. Denn Kitas sind nicht nur Betreuungseinrichtungen, die Eltern ermöglichen erwerbstätig zu sein. Kitas sind auch Orte der Bildung, die wesentlich zur Chancengerechtigkeit von Kindern beitragen. Frühkindliche Bildung ist ein Schlüssel zum Schulerfolg und der späteren Berufsmöglichkeiten der Kinder, da bereits in der Kita dafür wichtige Fertigkeiten und Fähigkeiten vermittelt werden,“ so Berndl abschließend.    

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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Arbeit und Beschäftigung Bildung Kinder und Jugend Thu, 20 Oct 2022 11:40:07 +0200
Vorschläge der Gaspreis-Kommission https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=10&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26502&cHash=d99d9800b7218158fd3b2e415b1d9e0f

]]> "Wir brauchen dringend Nachbesserungen bei den Vorschlägen der Expertenkommission zu Gas und Wärme. Eine Gaspreisbremse muss sozial orientiert und sozial gerecht ausgestaltet werden und bei der Entlastung bei Energiekosten muss dringend nachgebessert werden.

Die einmalige Sonderzahlung kommt in erster Linie Haushalten zugute, die keine Entlastung benötigen. Einkommensschwachen Haushalten hilft die Übernahme einer Abschlagszahlung wenig. Darüber hinaus sind sie weiterhin stark belastet, etwa durch hohe Lebensmittelkosten. Die brauchen vor allem eine zielgenaue und wirkungsvolle Entlastung. Das können nur Direkthilfen, wie etwa durch die Energiekostenkomponente, sein und eine schnellstmögliche pauschale Erhöhung der Regelsätze um 200 Euro. Nur so werden ärmere Menschen vor Hunger und Kälte geschützt.

Der Paritätische Gesamtverband ruft zu Demonstrationen 22. Oktober in sechs Städten auf."

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Mon, 10 Oct 2022 17:31:00 +0200
Frauenhäuser absichern und Versorgung ausbauen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26499&cHash=7beda2420ef886666e8ab9d706a964bd

]]> Mit Sorge hat der Paritätische Gesamtverband aufgenommen, dass der Europarat Defizite bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention in Deutschland festgestellt hat. Das Internationale Abkommen trat 2018 in Kraft und soll Gewalt gegen Frauen bekämpfen. Der Wohlfahrtsverband, in dessen Mitgliedschaft 130 Frauenhäuser und 190 Frauenberatungsstellen organisiert sind, fordert Nachbesserungen.

“Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl der Frauen, die von häuslicher Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner betroffen sind, verdoppelt. Viele enden auch tödlich für betroffene Frauen. Das zeigt, wie wichtig schützende Strukturen wie Frauenhäuser leider sind”, erklärt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Viele Betroffene fänden aber nach einem Bericht des Europarates immer schwerer Schutz. Regional seien Strukturen und Hilfsangebote sehr unterschiedlich ausgeprägt, heißt es. Schneider dazu: “Es kann nicht sein, dass es von der Wohnregion abhängt, ob man sich vor einem prügelnden Partner schützen kann.”

Der Hauptgeschäftsführer fordert daher, den Bericht sehr ernst zu nehmen und eine gesetzlich verbindliche Finanzierung für Frauenhäuser zu garantieren und die Versorgung auszubauen.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
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10178 Berlin
Telefon: 030 24636-305
Telefax: 030 24636-110
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Presse Fachbereich Frauen / Geschlechterpolitik / LGBTIQ Frauen und Mädchen Fri, 07 Oct 2022 16:11:47 +0200
Staatsregierung muss Weg für Drogenkonsumräume in Bayern freimachen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=06&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26493&cHash=61dc37f6dd38b1993dd290c5a3442656

]]> „Wir brauchen in Bayern endlich die rechtliche Grundlage für Drogenkonsumräume!“, fordert
Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern, anlässlich der Veranstaltung „Konsumräume in Bayern – Warum nicht?“. Unter diesem Titel lädt morgen ein Bündnis bayerischer Suchthilfeträger zu einem drogenpolitischen Fachgespräch mit bayerischen Landespolitiker*innen ein. Dem Bündnis gehören neben dem Paritätischen in Bayern auch mehrere Mitgliedsorganisationen des Verbands an sowie Träger anderer Wohlfahrtsverbände.

Die Vorteile von Drogenkonsumräumen sind belegt
Drogenkonsumräume verhindern HIV- und Hepatitis-Infektionen, sie wirken gesundheitsfördernd und sie helfen, Leben zu retten. Sie können Wohn- oder Geschäftsviertel entlasten, weil Drogenkonsum weniger auf Spielplätzen oder in Haus- oder Garageneingängen stattfindet. Und sie bieten, den sehr schwer erreichbaren Menschen Unterstützung an bis hin zur Ausstiegshilfe.

„Drogenkonsumräume ermöglichen drogengebrauchenden Menschen ein Leben in Würde. Wir können noch mehr tun, um Menschen mit ihrer Suchterkrankung nicht allein zu lassen und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen“, fordert Berndl.

Drogenkonsumräume sind Einrichtungen, in denen mitgebrachte Drogen unter medizinischer Aufsicht menschenwürdig konsumiert werden können. Bereits vor 22 Jahren hat der Bundesgesetzgeber im §10a des Betäubungsmittelgesetzes die Möglichkeit für Drogenkonsumräume geschaffen. In einigen deutschen Städten wurden seitdem Drogenkonsumräume eingerichtet und positive Erfahrungen damit gemacht.

„Die Bayerische Staatsregierung muss endlich ihren Widerstand aufgeben und die Umsetzung des Bundesgesetzes zu Drogenkonsumräumen auch in Bayern ermöglichen!“ fordert Berndl abschließend.

Das drogenpolitische Fachgespräch „Konsumräume in Bayern – Warum nicht?“ findet am 7. Oktober von 10 bis 13 Uhr in der Katholischen Akademie Bayern, Mandlstraße 23 in 80802 München statt und wird per Livestream übertragen. Gern senden wir Ihnen den Link auf Anfrage.

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Presse Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Sucht Thu, 06 Oct 2022 12:21:52 +0200
"Solidarisch durch die Krise" - Demonstrationsbündnis stellt Aufruf vor. https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26477&cHash=17ed96f53a50c10cda83ff0efc3c3f00

]]> Mit Demonstrationen in Berlin, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hannover und Stuttgart will ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis am 22. Oktober 2022 tausende Menschen auf die Straße bringen. Die Veranstaltungen stehen unter dem Motto “Solidarisch durch die Krise - Soziale Sicherheit schaffen und fossile Abhängigkeiten beenden”.

In dem heute veröffentlichten Aufruf verweisen die Initiator*innen auf die Ängste und Sorgen vieler Menschen in Deutschland angesichts stark steigender Preise in Folge von Putins Angriffskrieg. Neben Solidarität mit der Ukraine fordern sie “eine solidarische Politik auch bei uns, die gleichzeitig die Weichen stellt, um die Abhängigkeit von fossilen Energien zu beenden”. Millionen Menschen benötigten verlässliche Entlastungen, Unterstützung und soziale Sicherheit, unterdessen dürften Investitionen zur Bewältigung der langfristigen Klima- und Umweltkrisen durch die Beendigung der Abhängigkeit von fossilen Energien nicht aufgeschoben werden. “Die Regierung darf Soziales und Ökologisches nicht gegeneinander ausspielen. Sie muss beides anpacken, damit wir alle sicher durch diese Krise kommen”, heißt es in dem Aufruf weiter.

Konkret fordert das Bündnis zielgerichtete Entlastungen für jene, die Unterstützung dringend brauchen, unter anderem in Form direkter Transferleistungen, einer bezahlbaren Nachfolge des Neun-Euro-Tickets und eines Schutzschirms für die Daseinsvorsorge. Daneben müsse eine Gesamtstrategie für eine nachhaltige, bezahlbare Grundversorgung entwickelt werden. Eine krisenfeste Zukunft benötige massive Investitionen in den Klimaschutz in den Bereichen Infrastruktur, ÖPNV und Landwirtschaft. 

Die Herausforderungen seien nur mit einer grundlegenden Wende in der Finanz- und Haushaltspolitik zu stemmen. Die Ampel-Koalition müsse großen Reichtum endlich angemessen belasten und die Vermögenden zur Solidarität verpflichten, um “die Gesellschaft vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren und gleichzeitig die klimapolitischen Weichen zu stellen”, heißt es in dem Aufruf. Konkret schlägt das Bündnis das Abschöpfen von Übergewinnen, eine Vermögensbesteuerung für die Reichsten, das Aussetzen der Schuldenbremse und den Abbau klimaschädlicher Subventionen vor.

Der Aufruftext und detaillierte Informationen zu den Demonstrationen, die fortlaufend ergänzt werden, sind unter www.solidarischer-herbst.de abrufbar.

Das Bündnis #SolidarischerHerbst wird getragen von Campact, ver.di, BUND, dem Paritätischen Gesamtverband, der Bürgerbewegung Finanzwende, Attac, Greenpeace, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Bundesverband Volkssolidarität.

Pressekontakte: 

Attac: Roland Süß, Attac Koordinierungskreis, suess@attac.de, Mobil: 0175/2725893

Bürgerbewegung Finanzwende: Lara Granow, stv. Pressesprecherin, presse@finanzwende.de, Mobil: 0160 / 9298 1855

BUND: Thorben Becker, Koordinator Bündnisse, thorben.becker@bund.net  Tel.: 030 / 27586421, Mobil: 0173 / 6071503

Campact: Maria Henk, Pressesprecherin, presse@campact.de, Mobil: 0173 / 2518013

Der Paritätische Gesamtverband: Gwendolyn Stilling, Pressesprecherin, pr@paritaet.org , 030/24636305

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di): Jan Jurczyk, Leiter Pressestelle Bundesvorstand, pressestelle@verdi.de, 030/69561010

Bundesverband Volkssolidarität: Ingo Dinger, ingo.dinger@volkssolidaritaet.de

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): Ulf Rödde, Pressesprecher, ulf.roedde@gew.de, 069/78973-114

Greenpeace: Tina Loeffelbein, tina.loeffelbein@greenpeace.org, Mobil: 0151/167 209 15

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Presse Klimaschutz Ukraine Soziale Teilhabe und Armut Zivilgesellschaft und Demokratie Fri, 30 Sep 2022 13:38:02 +0200
#SolidarischerHerbst: Bündnis plant Demonstrationen am 22. Oktober in mehreren Städten https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26449&cHash=af1c901ab3fecf2ea587c78b76b7d267

]]> Mit mehreren parallelen Demonstrationen unter dem Motto “Solidarisch durch die Krise - Soziale Sicherheit schaffen und fossile Abhängigkeiten beenden” will ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis den immer lauter werdenden Protest gegen die mangelhaften Reaktionen der Bundesregierung auf die durch Putins Angriffskrieg ausgelöste Energiekrise bundesweit auf die Straße bringen.

Das von campact, ver.di, BUND, dem Paritätischen Gesamtverband, der Bürgerbewegung Finanzwende und Attac initiierte Bündnis fordert neben zielgerichteten Entlastungen für dringend Unterstützungsbedürftige eine Gesamtstrategie für eine nachhaltige, bezahlbare Grundversorgung sowie massive Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien und Energieeinsparungen. Für die Finanzierung, so das Bündnis weiter, brauche es eine grundlegende Wende in der Finanz- und Haushaltspolitik, die neben der Abschöpfung von Übergewinnen und der Besteuerung von großen Vermögen auch das Aussetzen der Schuldenbremse und den Abbau klimaschädlicher Subventionen beinhaltet.

Das Bündnis ruft die Zivilgesellschaft und die Menschen in Deutschland auf, mit #SolidarischerHerbst auf die Straßen zu gehen.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands: “Deutschland befindet sich in der größten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Pandemie, Inflation, Energie- und Klimakrise lassen nur eine Antwort zu: Solidarität. Solidarität ist der einzige Schlüssel, um die Herausforderungen zu meistern. Dazu ist eine rigorose Finanzwende unerlässlich.”

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: „Lasst uns solidarisch aus der Energie- und Klimakrise kommen! Dafür muss die Bundesregierung jetzt massiv in den naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren investieren, Energie sparen, die Landwirtschaft für ökologische Leistungen honorieren sowie den öffentlichen Nahverkehr ausbauen - finanziert durch den Stopp klimaschädlicher Subventionen. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit gehen Hand in Hand. Alle Menschen brauchen eine nachhaltige und bezahlbare Grundversorgung mit Energie, Wohnen, Mobilität und Ernährung.”

Christoph Bautz, Geschäftsführender Vorstand Campact: “Wir überlassen in diesem Herbst nicht den Spaltern und Hetzern die Straße, sondern geben den vielen Menschen eine Stimme, die solidarisch die Krise stemmen wollen. Damit unsere Gesellschaft nicht weiter auseinander driftet, muss die Ampel die Kosten der Krise endlich fair verteilen. Wir wollen uns dafür stark machen, dass aus der Krise ein Aufbruch erwächst. Das heißt auch: Raus aus den fossilen Energien und rein in Erneuerbare  und Energieeffizienz.“

Gerhard Schick, Vorstand Bürgerbewegung Finanzwende: „Solidarität ist der Kitt unserer Gesellschaft. Wenn Multimillionäre Steuerprivilegien genießen oder Banken Milliarden geschenkt bekommen, ist der Zusammenhalt allerdings bedroht – gerade in diesen Zeiten. Gemeinsam gehen wir deshalb für mehr Solidarität und eine gerechtere Politik auf die Straße.“

Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di): „Die bisherigen Entlastungspakete reichen nicht aus. Jetzt muss dafür gesorgt werden, dass die entscheidenden Maßnahmen – ein wirksamer Strom- und ein Gaspreisdeckel – und weitere Direkthilfen für Menschen mit niedrigen bis mittleren Einkommen unmittelbar und sofort umgesetzt werden, damit viele Menschen in wenigen Wochen nicht in einer finanziellen Katastrophe landen. Dafür wollen wir uns im Bündnis stark machen.”

Nähere Details zu den Demonstrationen werden kommende Woche veröffentlicht.

Die Organisatoren unterstreichen, dass sie sich gegen jegliche Bestrebungen wenden, Betroffene von Krieg und Krisen gegeneinander auszuspielen. Nationalistische, rassistische oder verschwörungsideologische Äußerungen sowie Verharmlosung von Putins Angriffskrieg auf die Ukraine werden auf den Veranstaltungen des Bündnisses konsequent unterbunden.

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Zivilgesellschaft und Demokratie Sat, 24 Sep 2022 23:08:00 +0200
Aktuelle Studie belegt: Hartz IV-Sanktionen verfehlen Wirkung und machen krank https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=12&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26384&cHash=b9af0b8a967e3d0bb880c25820a166ab

]]> Hartz IV-Sanktionen verfehlen ihre Wirkung - das ist das Ergebnis der ersten wissenschaftlichen Langzeitstudie zu Sanktionen in der Grundsicherung. Anstatt Menschen nachhaltig in Arbeit zu bringen, haben Kürzungen der Grundsicherung bei Verstößen gegen Auflagen der Jobcenter einen einschüchternden Effekt und können sogar Krankheiten verursachen. Den Kontakt mit den Jobcentern empfinden die im Rahmen der Studie “Hartz Plus” Befragten größtenteils als hinderlich, statt als unterstützend. „Sanktionen verfehlen ihre behauptete Wirkung. Sie verursachen fast immer eine Kultur des Misstrauens. Die Menschen fühlen sich eingeschüchtert und stigmatisiert. Sanktionen bringen Menschen nicht in Arbeit und haben in einer modernen Grundsicherung nichts verloren", sagt die Gründerin von Sanktionsfrei e.V., Helena Steinhaus, anlässlich der Vorstellung der Studie in Berlin. Die Studie Hartz Plus wurde von Sanktionsfrei e.V. in Auftrag gegeben und vom Institut für empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung Berlin (INES) durchgeführt.

Gemeinsam mit dem Paritätischen Gesamtverband und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wurden die Ergebnisse heute von Sanktionsfrei e.V. vorgestellt. Alle drei fordern eine umfassende Reform der Grundsicherung, zu der auch zwingend eine substantielle, bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze gehört. Die bisher vorgestellten Pläne der Ampel-Koalition für ein Bürgergeld seien unzureichend, so die gemeinsame Kritik. Der vorliegende Gesetzesentwurf für das neue Bürgergeld gibt den Jobcentern weiterhin die Möglichkeit, Sanktionen bis zu 30 Prozent zu verhängen. Nach aktuellen Verlautbarungen soll der Regelsatz ab dem 1.1.2023 um lediglich 53 Euro auf dann 502 Euro angehoben werden.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, stellt klar: „Es muss endlich Schluss sein mit den Armutssätzen und Sanktionen gehören restlos abgeschafft. Nur dann kann von einer Überwindung von Hartz IV und einem echten Bürger*innengeld gesprochen werden.”

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) Marcel Fratzscher betont, besonders in Krisenzeiten sei es essenziell, dass soziale Leistungen ausreichend und gleichzeitig verlässlich sind. „Die Realität heute ist jedoch eine andere: Die Leistungen für die Grundsicherung sind angesichts hoher Preissteigerungen, beispielsweise bei Lebensmitteln von fast 20 Prozent, zu gering. Durch Sanktionen sind diese Leistungen für viele Menschen auch nicht verlässlich.“

Ab Januar 2023 soll Hartz IV durch das neue Bürgergeld ersetzt werden. Dafür müssen Bundestag und Bundesrat noch in diesem Herbst dem Gesetzentwurf zustimmen, der im August vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgelegt wurde. Die Neuregelung der Sanktionen war unter anderem deshalb nötig geworden, weil das Bundesverfassungsgericht 2019 die Sanktionen teilweise für verfassungswidrig erklärt hatte. Das Gericht hatte betont, Sanktionen seien ein schwerwiegender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und nur gerechtfertigt, wenn sie nachweislich eine positive Wirkung auf das Arbeitsverhalten der Betroffenen haben. Außerdem mahnte es an, dass die Regelungen zu Sanktionen einer wissenschaftlichen Grundlage bedürfen. Laut Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit lebten im Juli 2022 rund 5,6 Millionen Personen in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften, unter ihnen rund 1,75 Millionen Kinder.

Die dreijährige Langzeitstudie „Hartz Plus“ wurde im Auftrag des Vereins Sanktionsfrei e.V. vom Institut für empirische Sozial- und Wirtschaftsforschung Berlin (INES) durchgeführt. Eine Gruppe, die Interventionsgruppe, bekam quasi eine Versicherung gegen Sanktionen; der Verein Sanktionsfrei hat bei ihr alle finanziellen Kürzungen durch das Jobcenter bedingungslos ersetzt.

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Pressetermine Arbeit und Beschäftigung Soziale Teilhabe und Armut Mon, 12 Sep 2022 12:10:00 +0200
Brandbrief: Der Paritätische warnt vor Insolvenzwelle im Sozialen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26363&cHash=ea76e1b12b078d0910884ea456cba29d

]]> In einem Brandbrief wendet sich der Paritätische Gesamtverband an die Politik und fordert die Einrichtung eines Schutzfonds zur Aufrechterhaltung der sozialen Infrastruktur. Die Problemanzeigen aus der Praxis angesichts explodierender Energiekosten seien alarmierend, warnt der Dachverband von über 10.800 Organisationen. Einrichtungen und Dienste rechneten teilweise mit einer Verzehnfachung der Kosten für Gas und Strom und wüssten noch nicht, wie diese finanziert werden sollen. Der Versuch, auf dem Verhandlungsweg die Finanzierung sicherzustellen, sei zeit- und ressourcenintensiv und in der Fläche gesehen extrem schwierig. Eine Umlage der Kosten auf die Nutzer*innen sei vielfach weder möglich noch den Betroffenen zumutbar.

"Soziale Einrichtungen und Dienste sind in einem noch nicht gekannten Ausmaß in ihrer Existenzgrundlage bedroht. Energiesparen alleine kann hier keine Abhilfe schaffen bei den exorbitanten Energiekosten. Ohne zügige staatliche Unterstützung sind Insolvenzen in der Breite der sozialen Infrastruktur und eine Einebnung eben dieser nicht auszuschließen", warnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands in dem Schreiben, das an die Bundesminister Hubertus Heil, Lisa Paus und Karl Lauterbach sowie die Vorsitzenden von Arbeits- und Sozialministerkonferenz, Gesundheitsministerkonferenz und Jugend- und Familienministerkonferenz ging.

"Bund und Länder müssen unter Beteiligung der Wohlfahrtsverbände schnellstens an einen Tisch und einen Schutzfonds für soziale Einrichtungen und Dienste auf den Weg bringen. Es braucht in dieser Krise einen solchen Schutzfonds, um die soziale Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Anderenfalls droht das Wegbrechen einer elementaren Säule der Daseinsvorsorge mit verheerenden Konsequenzen für alle, die auf Hilfe, Beratung und Unterstützung angewiesen sind", fordert der Verband.

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 08 Sep 2022 14:34:43 +0200
Drittes Entlastungspaket: Der Paritätische zeigt sich enttäuscht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=04&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26332&cHash=7a3f3dea71d59950c51ebd44cc9ddb61

]]> Statement von Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands zum heute vorgestellten dritten Entlastungspaket:

“Die angekündigte Ausweitung des Kreises der Wohngeldberechtigten ist absolut begrüßenswert. Hier handelt es sich um eine sozialpolitisch überfällige und wirklich wichtige Maßnahme, die allerdings erst im kommenden Jahr greifen wird. Ansonsten muss man sagen: Mit diesem Entlastungspaket werden in erster Linie Fehler und Ungerechtigkeiten aus dem letzten Paket korrigiert, aber keinerlei zusätzliche zielgerichteten Hilfen auf den Weg gebracht, die auch den Ärmsten in der Grundsicherung in diesem Herbst substantiell Unterstützung und Entlastung bringen würden. Dass Rentner*innen und Studierende jetzt auch wie alle anderen eine einmalige finanzielle Unterstützung erhalten und beim Heizkostenzuschuss im Wohngeld noch einmal nachgelegt wird, ist nur gerecht, gut und wichtig, aber ganz sicher nicht genug.

Wir hätten nicht damit gerechnet und sind wirklich entsetzt, dass diese Bundesregierung in diesem Jahr überhaupt keine weiteren zielgerichteten Hilfen auch für Menschen in der Grundsicherung plant. Die angekündigte Anhebung der Grundsicherung auf knapp 500 Euro ab dem 1. Januar ist allenfalls ein schlechter Witz und wird, wenn überhaupt, gerade die Inflation ausgleichen. So kann das neue Bürgergeld ganz sicher nicht als soziale, innovative Errungenschaft verkauft werden. Der Paritätische bleibt bei seiner Forderung nach einer pauschalen Anhebung der Regelsätze um 200 Euro ab Oktober. Zusätzlich sind die Stromkosten als Bestandteil der Wohnkosten in voller tatsächlicher Höhe zu übernehmen.

Alles in allem sind die vorgelegten Pläne nicht geeignet, um den Menschen in diesem Herbst wirklich Zuversicht zu geben. Ein Hauptproblem bleibt der steuerpolitische Kurs der Bundesregierung: Wer an Steuererleichterungen um jeden Preis festhält, dabei Steuererhöhungen ausschließt und die Schuldenbremse nicht verhandeln will, beraubt sich des eigenen Handlungsspielraums. Eine wuchtige Krisenbewältigung, die diese Gesellschaft zusammenhält und alle mitnimmt, braucht eine beherzte Finanz- und Steuerpolitik und klare sozialpolitische Prioritäten. Beides bleibt die Ampel bisher schuldig.”

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Sun, 04 Sep 2022 21:56:03 +0200
Paritätischer warnt: Explodierende Energiepreise bedrohen soziale Infrastruktur https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=09&tx_ttnews%5Bday%5D=02&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26333&cHash=b131b76c7b95ee89827faa00b97b5efe

]]> Ohne eine rasche politische Lösung zur verlässlichen Finanzierung steigender Energiepreise für soziale Dienste und Einrichtungen drohen weite Teile der sozialen Infrastruktur eingeebnet zu werden, warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband. Gefährdet sei das gesamte Spektrum sozialer Angebote, von Beratungsstellen bis zu Pflegeeinrichtungen, die teilweise mit einer Verzehnfachung der Kosten für Gas und Strom rechnen und noch nicht wissen, wie diese finanziert werden sollen. Nachverhandlungen mit den Kostenträgern stoßen vielerorts auf immensen Widerstand und eine Umlage der Kosten auf die Nutzer*innen sei vielfach weder möglich noch den Betroffenen zumutbar. Der Paritätische fordert daher von Bund und Ländern entschlossene Maßnahmen, um soziale Einrichtungen in der Fläche zu erhalten und die Menschen, die auf diese angewiesen sind, zu schützen.

“Die derzeitigen Preissteigerungen, insbesondere im Bereich Energie, treffen soziale Dienste und Einrichtungen mit voller Wucht. Der Versuch der einzelnen Einrichtungen, auf dem Verhandlungsweg ihre Finanzierung sicherzustellen, ist zeit- und ressourcenintensiv und in der Fläche gesehen extrem schwierig”, warnt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Angesichts der verschiedenen Finanzierungsformen sozialer Einrichtungen zeichneten sich zudem unterschiedliche Probleme, jedoch überall eine dramatische Zuspitzung der Lage ab. Da, wo es sich um kommunal finanzierte Leistungen handelt, wie etwa in der Sucht- und Schuldnerberatung, sei das Risiko von Schließungen besonders hoch, wenn die Haushaltslage in den Kommunen ohnehin angespannt sei. In der Pflege drohten durch die steigenden Energiepreise ein eklatanter Anstieg der Eigenanteile für Pflegebedürftige und letztlich Unterversorgung, wenn sich Betroffene zu hohe Kosten nicht mehr leisten können.

Der Paritätische fordert einen Gipfel zum Schutz sozialer Infrastruktur. “Die aktuelle Lage verlangt genauso wie die Pandemie entschlossenes Handeln, um Einrichtungen und Dienste und deren Nutzer*innen in der Krise nicht alleine zu lassen. Was es braucht, sind rasche, zielgerichtete und flächendeckende Hilfsmaßnahmen. Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände  und  Wohlfahrtsverbände gehören an einen Tisch, um tragfähige Lösungen zu beraten und auf den Weg zu bringen”, so Schneider. “Es geht um nichts Geringeres als die Aufrechterhaltung der sozialen Infrastruktur in Deutschland.”

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Fri, 02 Sep 2022 22:07:00 +0200
Wohnkosten: Paritätischer warnt vor sozialen Verwerfungen und fordert umfassendes Entlastungsprogramm https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=26&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26335&cHash=594dde6ad266ed3e594f0fc26e0e7c2c

]]> Mit der Forderung nach einem Mietenstopp und weiteren umfassenden Maßnahmen reagiert der Paritätische Wohlfahrtsverband auf die jüngste Mitteilung des Statistisches Bundesamtes wonach die einkommensärmsten Mieter*innen aktuell 42,6 Prozent ihres Einkommens allein für die Wohnkosten aufbringen müssen. Der Paritätische Gesamtverband fordert die Bundesregierung auf, noch in diesem Jahr entsprechende Entlastungsmaßnahmen umzusetzen. 

„Das Gemisch aus explodierenden Lebenshaltungskosten und übermäßigem Einkommensverzehr durch Mietbelastung ist ein echtes Armutsrisiko”, erklärt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. Der Verband geht davon aus, dass sich die Situation mit den steigenden Energiepreisen und der angekündigten Gasumlage noch weiter verschärfen wird. Es brauche daher dringend umfassende Hilfen für Menschen mit niedrigen Einkommen durch Anhebung und Ausweitung des Wohngeldes, aber auch einen Schutzschirm der Mieter*innen, damit niemand auf Grund steigender Kosten seine Wohnung verliert oder im Winter frieren muss. Mit einem Strom-, Energie- und Mietmoratorium müsse die Bundesregierung dafür sorgen, dass Mieter*innen vor diesem Schicksal bewahrt würden, so der Verband.

Darüber hinaus müsse die überkommene Wohnungspolitik prinzipiell in Frage gestellt werden. „In Deutschland haben wir gerade noch einmal gut eine Million Sozialwohnungen und jedes Jahr fallen Zehntausende weiter weg. Von den versprochenen 100.000 neuen Sozialwohnungen pro Jahr ist die Bundesregierung meilenweit entfernt.“ Man bräuchte wieder mehr bezahlbaren Wohnraum für alle, wodurch auch die Mittelschicht entlastet würde, denn: „Eine einfache und halbwegs zentrale Drei-Zimmer-Wohnung ist in vielen Städten selbst für Durchschnittsverdienende oft zu teuer und schwer zu bekommen“, so Schneider weiter. Er begrüße, dass die Bundesregierung laut Koalitionsvertrag die Wohngemeinnützigkeit wieder einführen wolle und mahnte eine schnelle Umsetzung an.

Es brauche zudem dringend wirksame Mietpreisbegrenzungen durch einen Mietenstopp. Gemeinsam mit vielen Organisationen und Initiativen ruft der Paritätische Gesamtverband deshalb zu einem bundesweiten Aktionstag für bezahlbaren Wohnraum am 8. Oktober auf.

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Fri, 26 Aug 2022 22:51:00 +0200
Wir hilft, stärkt und verbindet! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=25&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26336&cHash=5474302c93af1be94dd28364a0832b78

]]> Unter dem Motto "Wir hilft" findet auf Initiative des Paritätischen Gesamtverbandes gemeinsam mit seinen Landesverbänden vom 3. bis 11. September 2022 zum zweiten Mal die bundesweite Aktionswoche Selbsthilfe statt. Mit mehr als 250 geplanten Veranstaltungen soll aufgezeigt werden, wie vielfältig, innovativ und unverzichtbar die Selbsthilfe im Alltag für Millionen Menschen in Deutschland ist. Ziel der Aktionswoche ist es zudem, Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen dabei zu unterstützen, neue Mitglieder zu gewinnen.

“Selbsthilfe ist für viele Menschen ein wesentlicher Bestandteil, um mit schwierigen Situationen in ihrem Leben umzugehen. Die Förderung der Interessen der Selbsthilfe aus allen Bereichen der sozialen Arbeit und die Verbesserung ihrer Rahmenbedingungen ist ein zentrales Anliegen unseres Verbandes. Auch deshalb hat der Paritätische die Aktionswoche Selbsthilfe ins Leben gerufen, als Woche des Austauschs von Selbsthilfeaktiven und Interessierten.”, erklärt Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes.

Die Aktionswoche wird unterstützt vom Bundesministerium für Gesundheit. Der Bundesminister für Gesundheit, Prof. Dr. Karl Lauterbach: „Der persönliche Kontakt mit anderen, die das eigene Schicksal teilen, die ihre Erfahrungen weitergeben oder sich in einer herausfordernden Situation gegenseitig Trost spenden, ist für die Betroffenen von unschätzbarem Wert. Deshalb fördern wir die Selbsthilfe über Kontaktstellen und Dachorganisationen. Und wir unterstützen sie bei der Digitalisierung – im Sinne einer noch stabileren Vernetzung.“

Im Rahmen der Aktionswoche lädt der Paritätische Gesamtverband gemeinsam mit seinen Landesverbänden alle Gruppen, Organisationen und Kontaktstellen der Selbsthilfe innerhalb und außerhalb des Paritätischen ein, sich an der Aktionswoche zu beteiligen. Ob Tag der offenen Tür, Workshop, Flashmob oder Selbsthilfe-Café, digital oder präsent, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Als Startsignal für die bundesweiten Aktivitäten lädt der Paritätische Gesamtverband am 1. September 2022 von 15:00 bis 17:00 Uhr zur digitalen Auftaktveranstaltung ein. Geplant ist ein buntes Programm mit einem Selbsthilfe-Quiz, Ausblicken auf die Aktionswoche und Livemusik.

Der Paritätische ist der Selbsthilfebewegung eng verbunden. Zu den mehr als 10.800 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Gesamtverbandes gehören viele bundesweite und regionale Selbsthilfeorganisationen. Die Paritätischen Landesverbände und ihre Mitgliedsorganisationen sind Träger von 130 der 300 Selbsthilfe- und Unterstützungsstellen in Deutschland.

Mehr Informationen zur Aktionswoche Selbsthilfe und den Veranstaltungen unter www.wir-hilft.de.

Kontakt zum Organisationsteam zur Aktionswoche Selbsthilfe 2022
wirhilft(at)paritaet.org
030-24636-405

Gwendolyn Stilling

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Presse Fachbereich Bürgerschaftliches Engagement Gesundheit Selbsthilfe Zivilgesellschaft und Demokratie Thu, 25 Aug 2022 23:35:00 +0200
Aktionswoche Selbsthilfe 2022 https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26278&cHash=6c9fe28adb11295569aff77ba183fa23

]]> ]]> Vom 3. bis 11. September 2022 findet auf Initiative des Paritätischen Gesamtverbandes gemeinsam mit seinen Landesverbänden zum zweiten Mal die Aktionswoche Selbsthilfe statt. Unter dem Motto „Wir hilft“ wird es bundesweit Veranstaltungen rund um das Thema Selbsthilfe geben. Auch der Paritätische in Bayern wirkt bei der Aktionswoche mit.

KISS Regensburg: Selbsthilfemarkt am 10. September

Selbsthilfekontaktstelle Würzburg: Aktionstag „Selbsthilfe in der Region Schweinfurt – mehr als ein Stuhlkreis“ am 3. September

Mittlerweile gibt es kaum noch ein gesundheitliches oder soziales Thema, zu dem es keine Selbsthilfegruppe gibt. Für viele Menschen ist diese Form der Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags unverzichtbar. Zu den mehr als 10.800 Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Gesamtverbandes gehören viele bundesweite und regionale Selbsthilfeorganisationen. Die Paritätischen Landesverbände und ihre Mitgliedsorganisationen sind Träger von 130 der 300 Selbsthilfe- und Unterstützungsstellen in Deutschland.

Weitere Informationen über die Aktionswoche Selbsthilfe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und die geplanten Veranstaltungen gibt es unter www.wir-hilft.de

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Themen Selbsthilfe Zivilgesellschaft und Demokratie Mon, 15 Aug 2022 22:04:08 +0200
Gas-Umlage: Paritätischer fordert umfassende Entlastungen für Ärmere https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26276&cHash=29fcb42ff41c310957a6c28aaaf383e4

]]> Mit Sorge hat der Paritätische Gesamtverband zur Kenntnis genommen, dass die Gas-Umlage auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde vom Zusammenschluss der Gas-Netzbetreiber festgelegt wurde. Dies wird erhebliche Zusatzkosten für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeuten. Der Wohlfahrtsverband weißt auf die Tatsache hin, dass Mehrbelastungen insbesondere von ärmeren Haushalten nicht geschultert werden können und warnt vor Gassperren und einer neuen Armutsspirale bis hin zu Wohnungsverlust, sollten nicht unverzüglich Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden.

„Wir nehmen die Bundesregierung beim Wort und erwarten umfassende Hilfen für alle, die sie benötigen“, erklärt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. „Es braucht hier kein Entlastungspäckchen für alle, sondern ein großes Paket für die Armen“, so Schneider weiter. Konkret fordere der Verband eine Anhebung des Regelsatzes auf 678 Euro und eine Ausweitung des Wohngeldes, damit es einen Ausgleich für alle gestiegenen Kosten gäbe. Diese Maßnahmen müssten umgehend, nicht erst ab Januar 2023 getroffen werden.

Schneider warnte vor Hinweisen, die an der Lebensrealität der Menschen vorbeigingen: „Aufforderungen zum Energiesparen sind nicht gänzlich falsch, klingen aber für ärmere Menschen wie Hohn. Wer jetzt schon ernsthaft überlegt, wie warm die Dusche sein darf, braucht keine wohlfeilen Tipps.“ Darüber hinaus sollten weitere Maßnahmen, die die Menschen entlasten und die Umwelt schonen, geprüft werden, etwa die Verlängerung des sehr beliebten 9-Euro-Tickets über den Sommer hinaus.

Um dies zu finanzieren, fordert der Verband das Geld bei denen zu holen, die gerade massiv von der Krise profitieren: „Wir brauchen und wollen eine Übergewinnsteuer! Einige Unternehmen machen immer noch satte Gewinne, ohne verstärkt zur Finanzierung sozialer Ausgleiche beizutragen. Eine Übergewinnsteuer ist eine gute Lösung für alle“, findet Schneider.

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Mon, 15 Aug 2022 15:55:17 +0200
Kritik an Plänen von Christian Lindner https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=09&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26277&cHash=7af83fcf77f259b936e3b394583821e1

]]> Die durch Medienberichte bekannt gewordenen Pläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner für neue Steuerentlastungen kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband als “völlig falschen Ansatz” mit einmal mehr beachtlicher sozialer Schieflage. Die von Lindner angekündigte Kindergelderhöhung dagegen sei ein an sich gutes Signal, in der Höhe jedoch absolut unzureichend. Der Paritätische fordert eine Anhebung des Kindergeldes um mindestens zehn Prozent und unterstreicht darüber hinaus die Dringlichkeit gezielter finanzieller Entlastungsmaßnahmen insbesondere für alle einkommensschwachen Haushalte.

Die angekündigte Anhebung des Kindergeldes um acht Euro gleiche noch nicht einmal die aktuelle Inflation aus, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands: “Wer Familien wirklich entlasten will, kann nicht mit Kleckerbeträgen hantieren.” Der Paritätische hält eine Anhebung des Kindergeldes um mindestens zehn Prozent, also um 22 Euro, für angezeigt. Ziel müsse die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Kindergrundsicherung bleiben, mahnt Schneider: “Das bestehende Familienfördersystem, das wohlhabende Eltern nachwievor bevorzugt und Kinderarmut zulässt, gehört baldmöglichst vom Kopf auf die Füße gestellt.”

Als sozial ungerecht kritisiert der Verband Lindners Pläne für Steuerentlastungen. “Von einem höheren Grundfreibetrag profitieren Reiche deutlich stärker als Niedrigeinkommensbezieher. Der Bundesfinanzminister setzt angesichts der verheerenden Folgen der Inflation für arme Haushalte hier die völlig falschen Prioritäten. Die Umsetzung der FDP-Steuerpläne würde die ohnehin eklatante Einkommensungleichheit in Deutschland sogar noch vergrößern. Es kann nicht sein, dass die FDP jetzt milliardenschwere Lieblingsprojekte umsetzt und gleichzeitig den Ärmsten, die dringend auf Hilfe angewiesen werden, mit Verweis auf die Schuldenbremse finanzielle Unterstützung verweigert”, kritisiert Ulrich Schneider.

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 09 Aug 2022 16:11:00 +0200
Studie des DIW zu Hartz IV bestätigt Forderung des Paritätischen nach höheren Regelsätzen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=03&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26247&cHash=9956ca544252598cd2caeca8dbc6ebba

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht sich in seiner Forderung nach einer deutlichen Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung durch eine neue wissenschaftliche Studie bestätigt: Das DIW Berlin und die Ruhr-Universität Bochum halten eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes für die dringlichste Maßnahme, die mit der Einführung eines Bürgergeldes verbunden sein muss. Als Sofortmaßnahme bis zur Neuberechnung der Regelsätze fordert der Paritätische die Anhebung um mindestens 200 Euro pro Kopf und Monat.

“Das von Hubertus Heil und der Bundesregierung angekündigte Bürgergeld wird sich daran messen lassen müssen, ob es hoch genug ist, um wirklich vor Armut zu schützen. Am Ende kommt es darauf an, wie viel die Menschen im Portemonnaie haben”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Jürgen Schupp, einer der Autoren der DIW-Studie, betonte, dass die Erhöhung des Hartz-IV-Satzes nach der vorliegenden Untersuchung die dringlichste Reform aus Sicht der Betroffenen darstellt und es zu hoffen bleibe, dass dieser Punkt geschlossen von der Ampel-Koalition als prioritär angesehen werde.

“Die Ergebnisse können niemanden überraschen, der aufmerksam durch das Leben geht: Gegen Armut hilft Geld. Dass es die Betroffenen selbst sind, die dies trotz aller Scham so offen aussprechen, wird den Druck auf die Politik erhöhen”, ist sich Ulrich Schneider sicher.

Der Paritätische mahnt dabei zur Eile: Die fundamentale Kritik an der Berechnungsmethode von allen Seiten sei bekannt, der aktuelle Regelsatz seit 2005 trickreich klein gerechnet und in der Höhe viel zu niedrig, was die Not der Menschen Tag für Tag verschärfe.

Nach Berechnungen des Paritätischen müsste eine armutsfeste Grundsicherung derzeit mindestens 678 Euro betragen und damit um 50 Prozent höher liegen als die geltenden Regelsätze. “Angesichts der sich durch die Inflation verschärfende Lage, braucht es umgehend finanzielle Hilfe. Es geht hier um das verfassungsrechtlich garantierte Existenzminimum”, so Schneider.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wed, 03 Aug 2022 12:06:44 +0200
Eckpunkte Bürgergeld: Paritätischer bewertet Vorschläge als inkonsequent https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26177&cHash=ec45ea0c890beddc8dd2b09809208ed3

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband bewertet die heute von Bundessozialminister Hubertus Heil vorgestellten Eckpunkte für ein Bürgergeld-Gesetz als inkonsequent und fordert von der Ampel-Koalition ein klares Bekenntnis zu einer armutspolitisch wirksamen Reform, die durch ausreichend finanzielle Mittel unterlegt sein müsse. Mit der Höhe der Regelsätze klammere das vorgelegte Papier ausgerechnet den zentralen Punkt aus, an dem sich letztlich die gesamte Reform messen lassen muss. Enttäuschend sei zudem, dass die Ampel offenbar weiterhin an Sanktionen festhalten wolle.  

Die Höhe der Leistungen bleibt das Papier noch schuldig, die Vorschläge zu künftigen Sanktionen bedeuteten faktisch einen Rückschritt im Vergleich zum aktuellen Status Quo (derzeit gilt ein Sanktionsmoratorium), kritisiert der Paritätische. “Die vielen kleinen Schritte, die in eine richtige Richtung weisen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass an Sanktionen weiter festgehalten werden soll und zur Höhe der Leistungen nachwievor keine verbindliche Aussage und offenbar auch keine Einigung in der Bundesregierung existiert”, so Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Solange die Höhe der Leistungen nicht feststehe, könne man das Bürgergeld kaum bewerten. “Worauf es ankommt, ist, was die Menschen am Ende im Portemonnaie haben. Es geht darum, endlich mit der unwürdigen Praxis und den Armutsregelsätzen von Hartz IV zu brechen und die Grundsicherung menschenwürdig und dauerhaft armutsfest auszugestalten”, so Werner Hesse. Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste der Regelsatz aktuell bei mindestens 678 Euro liegen, um das soziokulturelle Existenzminimum abzusichern. “Wer ein armutsfestes Bürgergeld will, kommt um eine Anhebung der momentanen Grundsicherung um mindestens 50 Prozent nicht herum”, so Hesse. Zusätzlich brauche es dringend einen Anpassungsmechanismus, der zeitnah vor realen Kaufkraftverlusten schützt.

Der Paritätische mahnt dabei zur Eile. Die fundamentale Kritik an der Berechnungsmethode von allen Seiten sei bekannt, der aktuelle Regelsatz seit 2005 trickreich klein gerechnet und in der Höhe viel zu niedrig, was die Not der Menschen Tag für Tag verschärfe. “Viele Expert*innen haben konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt und alle kommen zu Regelsätzen deutlich über 600 Euro. Hier geht es nicht um komplizierte Rechenprobleme, sondern allenfalls um mangelnden politischen Mut und vor allem den Willen, endlich diesen verkorksten Regelsatz neu und armutsfest aufzusetzen”, so Hesse.

Positiv wertet der Paritätische u.a. die in den Eckpunkten avisierte Intensivierung der Eingliederungsmaßnahmen oder die angekündigte Entfristung des sozialen Arbeitsmarktes. Dies seien Schritte in die richtige Richtung, die jedoch in der Praxis an Unterfinanzierung zu scheitern drohen, sollten die in der Haushaltsplanung angekündigten Kürzungen greifen.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wed, 20 Jul 2022 16:31:53 +0200
Drogentotengedenktag: Jeder Drogentote ist einer zu viel! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26174&cHash=c9f565a02f6dc6cd6d33984c02182316

]]> 1.826 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland aufgrund ihres Drogenkonsums gestorben. In Bayern starben 255 Menschen. „Jeder Drogentote ist einer zu viel! Wir müssen noch mehr tun, um Menschen mit ihrer Suchterkrankung nicht allein zu lassen und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie brauchen. Alle Maßnahmen, die helfen Leben zu retten, müssen auf- und ausgebaut werden“, fordert Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern, anlässlich des morgigen Gedenktages für die verstorbenen Drogengebraucher*innen.

Gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen Condrobs, Drogenhilfe Schwaben, Drugstop Regensburg und Mudra fordert der Paritätische in Bayern den Einstieg in Angebote zum Drugchecking, um vor Vergiftung durch verunreinigte oder gestreckte Stoffe zu schützen, sowie Drogenkonsumräume. „Wir begrüßen, dass sich die Bayerische Staatsregierung für ein bedarfsgerechtes Substitutionsangebot in ganz Bayern engagiert und die Schulung zum Eigeneinsatz von Naloxon fördert. Aber das reicht nicht aus“, so Berndl.

„Das sinnlose Sterben könnte verhindert werden“

„Die Naloxon Vergabe an Abhängige ist eine gute Sache, aber nur EIN weiterer Baustein für eine gute Drogenpolitik. In Nürnberg sterben trotzdem noch zu viele Menschen an einer Überdosis“, ergänzt eine Klientin von Mudra. „Das sinnlose Sterben könnte verhindert werden, wenn wir hier endlich einen Konsumraum bekämen. Gegner solcher Konsumräume behaupten, das würde Jugendliche neugierig machen. Das Argument ist haltlos, denn jeder, der schon mal einen Konsumraum von innen gesehen und mitbekommen hat, wie ein Abhängiger sich die Vene in den Hals sticht oder mehrmals ansetzen muss, ehe er eine Vene trifft, weiß, wie abschreckend solche Einrichtungen tatsächlich sind.“

Drogenkonsumräume retten Leben

Die Vorteile von Drogenkonsumräumen sind belegt: Sie helfen, Leben zu retten, verhindern HIV- und Hepatitis-Infektionen und wirken gesundheitsfördernd. Sie können Wohn- oder Geschäftsviertel entlasten, weil Drogenkonsum weniger auf Spielplätzen oder in Haus- oder Garageneingänge stattfindet. Und sie bieten, den sehr schwer erreichbaren Menschen Unterstützung an bis hin zur Ausstiegshilfe.

„Deshalb fordern wir, dass die Bayerische Staatsregierung endlich ihren Widerstand aufgibt und das Bundesgesetz zu Drogenkonsumräumen auch in Bayern umsetzt,“ so Berndl abschließend.

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Presse Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Sucht Wed, 20 Jul 2022 13:10:55 +0200
Erhöhung Hartz IV https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26173&cHash=2e0a1b498ed17103a09f92f3868e3748

]]> Als richtig und überfällig bewertet der Paritätische Wohlfahrtsverband die Pläne von Bundessozialminister Hubertus Heil, die Berechnung der Regelsätze in der Grundsicherung zu reformieren, die Leistungen deutlich anzuheben und Kaufkraftverluste künftig verlässlich auszugleichen. Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste eine armutsfeste Grundsicherung derzeit mindestens 678 Euro betragen und damit um 50 Prozent höher liegen als die geltenden Regelsätze. Angesichts der akuten Kaufkraftverluste durch die Inflation fordert der Verband sofortige finanzielle monatliche Zuschüsse für Grundsicherungsbeziehende, bis die Leistungen neu geregelt sind.

"Wir erwarten den Gesetzentwurf des Ministers für ein Bürgergeld mit Spannung und hoffen, dass nunmehr endlich mit der unwürdigen Praxis und den Armutsregelsätzen von Hartz IV gebrochen wird. Was es braucht, ist eine sanktionsfreie Grundsicherung in einer Höhe, die nicht nur existenzielle Grundbedürfnisse abdeckt, sondern auch Teilhabe ermöglicht”, so Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Die aktuellen Regelsätze reichten vorne und hinten nicht, um über den Monat zu kommen.

Dass sich Vertreter der FDP unter Berufung auf den Koalitionsvertrag bereits gegen eine Anhebung der Regelsätze zu Wort gemeldet haben, bezeichnet der Verband als sozialpolitisch ignorant. “Es geht um das verfassungsrechtlich garantierte soziokulturelle Existenzminimum. Hier kann sich niemand in politischer Verantwortung hinter einer unpräzisen Formulierung wegducken”, so Hesse. Mit der Einführung eines Bürgergeldes werde die Bundesregierung ohnehin nicht darum herumkommen, den Regelsatz neu aufzusetzen.

Es brauche jedoch bereits jetzt dringend ein weiteres Entlastungspaket, das zielgerichtet, wirksam und nachhaltig ist. “Die aktuelle Preisentwicklung verschärft die Not der Betroffenen Tag für Tag. Daher braucht es auch umgehende Maßnahmen in Form monatlicher Hilfen, um die Zeit bis zur Einführung des Bürgergeldes zu überbrücken.” Bis zur Neuberechnung der Regelsätze fordert der Paritätische als Sofortmaßnahme und festen Bestandteil eines weiteren Entlastungspaketes die Anhebung um mindestens 200 Euro – nicht als Einmalzahlung, sondern monatlich. Energiekosten seien separat in voller Höhe zu übernehmen.

“Wir hoffen sehr, dass sich der Bundessozialminister mit seiner Forderung nach gezielten Hilfen für die Ärmsten durchsetzt - und diese dann auch substantiell genug sind, um vor Armut zu schützen.” Auch den Plänen der FDP, die Eingliederungsleistungen für Langzeitarbeitslose zu kürzen, müsse sich der Bundessozialminister entschlossen entgegenstellen.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Fri, 15 Jul 2022 12:22:00 +0200
Gebäude-Sofortprogramm: Klimaschutz auf die lange Bank geschoben und soziale Schieflagen nicht berücksichtigt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=13&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26143&cHash=30b802a89a2327b52adea448760b0483

]]> Das Programm von Klimaminister Robert Habeck (Grüne) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) weist große Lücken auf. Es reicht bei weitem nicht aus, um gegen die Energieverschwendung in Gebäuden vorzugehen und Armut wirksam zu bekämpfen. Nur mit zügigen Nachbesserungen können die Klimaziele zukünftig eingehalten, die fossile Abhängigkeit reduziert und die weitere soziale Spaltung der Gesellschaft verhindert werden.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt: „Das Programm enthält wichtige Ansätze. Die vorgelegten Maßnahmen reichen aber nicht, um ausreichend Tempo in die dringend notwendige energetische Gebäudemodernisierung zu bringen. Es ist nicht akzeptabel, dass Klimaminister Habeck und Bauministerin Geywitz zentrale Instrumente auf die lange Bank schieben. Wir brauchen noch in diesem Jahr wirksame Maßnahmen gegen Energieverschwendung im Gebäudebestand. So wäre es einfach umsetzbar, bestehende Ausnahmen im Gebäudeenergiegesetz zu streichen, mit denen viele Vorschriften zur energetischen Modernisierung bisher quasi ins Leere laufen.  Vorgaben für die Optimierung von Heizungsanlagen zu diskutieren und zu prüfen reicht nicht. . Sie sind längst überfällig, die Ministerien müssen sie noch in diesem Jahr umsetzen. Fatal ist, dass mit Mindesteffizienzstandards für den Gebäudebestand auf die Beschlüsse in Brüssel gewartet werden soll. Gerade in den klimaschädlichsten Gebäuden, die durch die Vorgaben als erstes energetisch ertüchtigt würden, belastet die massive Energieverschwendung insbesondere arme Menschen jeden Monat stark“.

Mit Blick auf die soziale Flankierung notwendiger klimapolitischer Maßnahmen im Gebäudebereich erklärt Werner Hesse, Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands: „Wer es ernst meint mit einer sozial-ökologischen Wende, die alle mitnimmt, muss nicht nur klima- sondern auch sozialpolitisch konsequent sein - die vorliegenden Pläne der Bundesregierung sind weder das ein noch das andere. Es braucht nicht nur Mut für echten Klimaschutz, sondern auch die Entschlossenheit, diesen Wandel sozial gerecht zu gestalten. Es braucht gezielte, substantielle und bedarfsgerechte Unterstützung insbesondere für arme Menschen, um die sich stetig verschärfende Heizkostenkrise zu meistern.“ So seien u.a. eine deutliche Anhebung der Leistungen der sozialen Mindestsicherung auf ein bedarfsgerechtes Niveau durch eine Erhöhung des Regelsatzes in der Grundsicherung auf derzeit 678 Euro nötig sowie Reformen bspw. bei BAföG oder Wohngeld. Darüber hinaus müsse zur generellen Entlastung eine konsequente Mietpreisdämpfungspolitik umgesetzt und vorhandene Instrumente wie die Mietpreisbremse nachgeschärft werden. Sichergestellt sein müsse zudem, dass Kosten für energetische Modernisierungen höchstens warmmietenneutral an Mieter*innen weitergegeben werden. Dringend notwendige Maßnahmen an Fenstern, Dach, Wänden und im Heizungskeller dürften nicht dazu führen, dass am Ende die Warmmiete sogar noch weiter steigt.

Insgesamt zeigen sich der Paritätische Gesamtverband und der BUND enttäuscht, dass die Bundesregierung mit dem Gebäude-Sofortprogramm ihren rechtlichen Pflichten nicht entschlossen nachkommt. Auch sei bedauerlich, dass sie immer noch kein Klimaschutz-Sofortprogramm für alle Ressorts vorgelegt hat, um den Aufbruch in eine sozial-ökologische Zukunft in allen Bereichen zu schaffen. „und das, was bislang vorliegt, wird weder ökologischen noch sozialen Belangen gerecht“, so Bandt und Hesse übereinstimmend.

Hintergrund:
Der Gebäudesektor verfehlte im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal die laut Klimaschutzgesetz höchstens zulässigen CO2-Emissionen. Bis heute hatten die zuständigen Ministerien Zeit, ein Sofortprogramm vorzulegen, das gemäß Paragraph 8, Klimaschutzgesetz „die Einhaltung der Jahresemissionsmengen des Sektors für die folgenden Jahre sicherstellt.“ Der Expertenrat Klimaschutz muss nun bewerten, ob die vorgelegten Maßnahmen ausreichen, um diese Vorgabe zu erfüllen.

Hinweis:
Eine Bewertung des Programms finden Sie unter: www.bund.net/sofortprogramm-bewertung


BUND-Pressestelle:
Sigrid Wolff | Daniel Jahn | Clara Billen | Lara Dalbudak
Tel. 030-27586-497 |-531 |-464 |-425 | E-Mail: presse(at)bund.netwww.bund.net

Der Paritätische Gesamtverband
Gwendolyn Stilling, Pressesprecherin
Tel. 030-24636-305, E-Mail: pr(at)paritaet.org, www.paritaet.org

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Wed, 13 Jul 2022 14:49:49 +0200
Vorstandswechsel beim Paritätischen in Bayern https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=12&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26140&cHash=9867c93b14e97ab88d9695574dda857c

]]> Zum 1. September 2022 wird Michael Wächter neuer Vorstand Wirtschaft und Finanzen des Paritätischen in Bayern. Er übernimmt das Amt von Peter Schimpf, der nach 14 Jahren Vorstandstätigkeit Ende des Monats in den Ruhestand geht. Michael Wächter ist Teil einer Doppelspitze. Gemeinsam mit Margit Berndl, Vorständin für Verbands- und Sozialpolitik seit 2010, wird er den Verband führen. Bei der heutigen Mitgliederversammlung in Unterföhring wurde Peter Schimpf von den Mitgliedern mit sehr großem Dank und hoher Anerkennung verabschiedet und der neue Vorstand begrüßt.

„Wir haben mit Michael Wächter eine kompetente Persönlichkeit gewinnen können, mit ausgewiesener Expertise in der Führung einer großen sozialen Organisation in der Freien Wohlfahrtspflege“, erklärt Norbert Blesch, Verbandsratsvorsitzender des Paritätischen in Bayern.

Michael Wächter war seit 2002 bei SOS-Kinderdorf e.V. beschäftigt, wo er zuletzt das Ressort Finanzen geleitet hat. Zugleich war er Geschäftsführer der Botschaft für Kinder gGmbH. Vor dieser Zeit war der Diplom-Kaufmann u.a. als Controller bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Berlin sowie als Unternehmensberater tätig.

Peter Schimpf war seit 2008 Vorstand Wirtschaft und Finanzen des Paritätischen in Bayern. In dieser Funktion war er verantwortlich für die zentralen Bereiche Finanzen, Personal, IT und Immobilien sowie die für die Entwicklung der Tochtergesellschaften des Verbands. Seine Aufgaben hat Herr Schimpf mit großer Weitsicht und stets in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Geschäftsführungen und in Abstimmung mit dem Verbandsrat wahrgenommen.

„Im Namen des Verbandsrats danke ich Peter Schimpf von ganzem Herzen für seine erfolgreiche und engagierte Arbeit, mit der er in den zurückliegenden 14 Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung unseres Verbandes geleistet hat“, würdigt Norbert Blesch abschließend.

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Presse Aus dem Landesverband Tue, 12 Jul 2022 16:33:11 +0200
Zwischen Pandemie und Inflation: Paritätischer stellt Bericht zur Armut in Deutschland vor https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26095&cHash=8ae88e1fe70e2d48ce0b6a5573ae027c

]]> Laut Paritätischem Armutsbericht 2022 hat die Armut in Deutschland mit einer Armutsquote von 16,6 Prozent im zweiten Pandemie-Jahr (2021) einen traurigen neuen Höchststand erreicht. 13,8 Millionen Menschen müssen demnach hierzulande derzeit zu den Armen gerechnet werden, 600.000 mehr als vor der Pandemie. Der Paritätische Wohlfahrtsverband rechnet angesichts der aktuellen Inflation mit einer weiteren Verschärfung der Lage und appelliert an die Bundesregierung, umgehend ein weiteres Entlastungspaket auf den Weg zu bringen, das bei den fürsorgerischen Maßnahmen ansetzt: Grundsicherung, Wohngeld und BAföG seien bedarfsgerecht anzuheben und deutlich auszuweiten, um zielgerichtet und wirksam Hilfe für einkommensarme Haushalte zu gewährleisten.

“Die Befunde sind erschütternd, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie schlagen inzwischen voll durch. Noch nie wurde auf der Basis des amtlichen Mikrozensus ein höherer Wert gemessen und noch nie hat sich die Armut in jüngerer Zeit so rasant ausgebreitet wie während der Pandemie”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Während 2020 noch die verschiedenen Schutzschilde und Sofortmaßnahmen der Bundesregierung und der Länder dafür sorgten, dass die Armut trotz des wirtschaftlichen Einbruchs und des rapiden Anstiegs der Arbeitslosigkeit nur relativ moderat anstieg, seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie 2021 offenbar voll auf die Armutsentwicklung durchgeschlagen, so die Ergebnisse der Studie.

Auffallend sei ein ungewöhnlicher Zuwachs der Armut unter Erwerbstätigen, insbesondere Selbständiger (von 9 auf 13,1 Prozent), die während der Pandemie in großer Zahl finanzielle Einbußen zu erleiden hatten. Armutshöchststände verzeichnen auch Rentner*innen (17,9 Prozent) sowie Kinder und Jugendliche (20,8 Prozent).

Bezüglich der regionalen Armutsentwicklung zeigt sich Deutschland nach dem aktuellen Armutsbericht tief gespalten: Während sich Schleswig-Holstein, Brandenburg, Baden-Württemberg und vor allem Bayern positiv absetzen, weisen fünf Bundesländer überdurchschnittlich hohe Armutsquoten auf: Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und das Schlusslicht Bremen, weit abgeschlagen mit einer Armutsquote von 28 Prozent. Armutspolitische Problemregion Nr. 1 bleibt dabei das Ruhrgebiet, mit 5,8 Millionen Einwohner*innen der größte Ballungsraum Deutschlands. Mehr als jede*r Fünfte dort lebt in Armut. In einem Länderranking würde das Ruhrgebiet mit einer Armutsquote von 21,1 Prozent gerade noch vor Bremen auf dem vorletzten Platz liegen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert insbesondere das jüngste Entlastungspaket als ungerecht und unzureichend. Die seit Herbst 2021 steigenden Lebenshaltungskosten führten zu einer dramatischen Vertiefung der Armut und verlangten entschlossene Hilfsmaßnahmen. “Pandemie und Inflation treffen eben nicht alle gleich. Wir haben keinerlei Verständnis dafür, wenn die Bundesregierung wie mit der Gießkanne übers Land zieht, Unterstützung dort leistet, wo sie überhaupt nicht gebraucht wird und Hilfe dort nur völlig unzulänglich gestaltet, wo sie dringend erforderlich wäre”, so Schneider. Nur zwei Milliarden Euro des insgesamt 29 Milliarden-Euro-schweren Entlastungspaket seien als gezielte Hilfen ausschließlich einkommensarmen Menschen zugekommen, kritisiert der Verband. Dazu würden die Einmalzahlungen durch die Inflation “aufgefressen”, noch bevor sie überhaupt ausgezahlt sind.

Der Paritätische fordert umgehend ein neues Maßnahmenpaket, das bei den fürsorgerischen Leistungen ansetzen müsse, konkret den Regelsätzen in der Grundsicherung, bei Wohngeld und BAföG. “Wir brauchen dringend ein weiteres Entlastungspaket, eines das zielgerichtet ist, wirksam und nachhaltig”, fordert Ulrich Schneider. “Grundsicherung, Wohngeld und BAföG sind nach unserer Auffassung die wirksamsten Hebel um schnell zu einer Entlastung unterer Einkommen zu gelangen, die nachhaltig wirkt und nicht nach kurzer Zeit wieder verpufft. Es geht darum unsere letzten Netze sozialer Sicherung wieder höher zu hängen.”

Gwendolyn Stilling

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wed, 29 Jun 2022 12:16:50 +0200
Chancen nutzen, Resilienz schaffen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=27&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26086&cHash=3fbd48118f75ee5f50a7b94cf8c5578f

]]> Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag eine Ernährungsstrategie bis 2023 angekündigt. Das Bündnis #ErnährungswendeAnpacken aus 22 Verbänden hat jetzt ein Positionspapier für eine zukunftsweisende Ernährungsstrategie erarbeitet, die es im Vorfeld der Auftaktveranstaltung des Bundesernährungsministeriums zur Erarbeitung der Ernährungsstrategie am 29. Juni vorlegt. Darin werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um allen Menschen eine gesundheitsförderliche und nachhaltige Ernährung zu ermöglichen.

Die Initiative #ErnährungswendeAnpacken begrüßt, dass die Ampelkoalition bis 2023 eine Ernährungsstrategie für Deutschland erarbeiten will, um eine „gesunde Umgebung für Ernährung und Bewegung zu schaffen”. Jetzt muss die Bundesregierung zügig ambitionierte Ziele und einen klaren Zeitplan für die Umsetzung der wichtigsten Maßnahmen vorlegen.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes: “Eine gesunde und nachhaltige Ernährung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Zu einer erfolgreichen Ernährungsstrategie gehören daher auch die Erhöhung der Hartz IV Regelsätze und die Ermöglichung von gutem Essen in Gemeinschaftseinrichtungen - von der Kita bis zum Krankenhaus.”

Grundlage, Leitbild und Vision bei der Entwicklung der Ernährungsstrategie sollte eine sozial gerechte, gesundheitsfördernde, umweltverträgliche und dem Tierschutz zuträgliche Ernährungspolitik für Deutschland sein. Die Ernährungsstrategie und die darin definierten Maßnahmen sollten mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet sein. Ohne Investitionen wird eine Ernährungswende nicht zu erreichen sein. Um eine verbindliche Umsetzung der Maßnahmen sicherzustellen, sollten konkrete Erfolgsindikatoren entwickelt werden.

Transparenz und Beteiligung

Eine Ernährungswende kann nur gelingen, wenn sie breiten Rückhalt in der Bevölkerung hat. Vor diesem Hintergrund fordert das Bündnis eine transparente Planung und Beteiligung der relevanten Wissenschaftler*innen und Berufsgruppen sowie der zivilgesellschaftlichen Verbände bei der Erstellung der Ernährungsstrategie bis 2023 sowie bei deren Umsetzung.

Eine Strategie für alle

Ziele und Maßnahmen der Ernährungsstrategie müssen mit Blick auf soziale Gerechtigkeit gestaltet werden. Dies gilt insbesondere für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen. Eine Ernährungswende muss dazu führen, dass allen Menschen eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung ermöglicht wird. Gesundes, nachhaltiges Essen darf kein Privileg für einkommensstarke Haushalte sein, sondern ist ein Grundrecht für alle.

Folgende konkrete Maßnahmen hält das Bündnis für essenziell:

  • Finanzierung einer flächendeckenden, gesundheitsförderlichen und nachhaltigen Gemeinschaftsverpflegung und eine Weiterentwicklung der Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
  • Überprüfung der Lebensmittelbesteuerung mit dem Ziel einer sozial gerechten, gesundheitsfördernden, umweltverträglichen und dem Tierschutz zuträglichen Ausrichtung.
  • Förderung einer pflanzenbasierten Ernährung mit dem Ziel, den Konsum tierischer Produkte zu reduzieren.
  • Stärkung einer sozial gerechten, gesundheitsförderlichen und umweltfreundlichen Ernährungskompetenz in Schule und Beruf.
  • Verbesserung der Qualifizierung und Verankerung von Ernährungsbildung und Ernährungstherapie im Gesundheitswesen.
  • Verbindliche Regulierung von an Kinder gerichteter Lebensmittelwerbung.
  • Erhöhung der Leistungen in der sozialen Mindestsicherung im Kampf gegen Ernährungsarmut.  

Um die Ziele der Vereinten Nationen für eine Nachhaltige Entwicklung sowie die im Pariser Klimaabkommen verankerten Ziele zu erreichen, ist ein „Weiter so“ keine Option. Darüber besteht ein breiter Konsens. Nun hat der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine nicht nur zu einer leidvollen humanitären Krise geführt, sondern er bedroht auch die globale Ernährungssicherung und erschwert das Erreichen von Klima-, Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitszielen in der Weltgemeinschaft.

Gerade jetzt ist es deshalb wichtiger denn je, dass wir für eine nachhaltige und gesunde Ernährung ein langfristig resilientes Ernährungssystem schaffen. Aktuellen und künftigen Herausforderungen und Krisen werden wir nur standhalten, wenn wir Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit zusammendenken.

Das Positionspapier wird getragen von: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ), BerufsVerband Oecotrophologie e. V. (VDOE), Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern (BÄK), Bundesvertretung der Medizinstudierenden, Deutschland e. V. (bvmd), Bundeszahnärztekammer, Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Zahnärztekammern e.V. (BZÄK), Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e. V. (BÖLW), Der Paritätische Gesamtverband, Deutsche Adipositas Gesellschaft e. V. (DAG) Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) der DAG, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM), Deutsches Netzwerk Schulverpflegung (DNSV), Ecologic Institute, Netzwerk der Ernährungsräte, Institut für Welternährung, iSuN - Institut für Nachhaltige Ernährung, Fachhochschule Münster, Physicians Association for Nutrition (PAN), ProVeg, RAL Gütegemeinschaft Ernährungs-Kompetenz e.V., Slow Food Deutschland e. V., Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD), Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv), WWF Deutschland.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
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Telefon: 030 24636-305
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Presse Gesundheit Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Mon, 27 Jun 2022 13:44:05 +0200
Paritätischer kritisiert BAföG-Reform: Geplante Anhebung wird Armut von Studenten nicht verhindern https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=23&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26072&cHash=42badb7308588929f387765b2796e369

]]> Zum kommenden Wintersemester soll der BAföG-Satz um 5,75 Prozent angehoben werden. Darüber hinaus sollen Zuschläge etwa für Miete und Versicherungen sowie Freibeträge etwas erhöht werden. Der Paritätische verweist auf seine im Mai veröffentlichte Studie, nach welcher jede*r dritte Student*in arm ist und fordert weiterhin grundlegende Reformen.

"Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängig sein", kommentiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes die geplante Erhöhung der BAföG-Sätze. Angesichts der Inflationsentwicklung würde die sowieso schon bestehende Armutsspirale bei Studierenden sich noch schneller drehen. “Die Armutsquote bei Studierenden ist schon jetzt doppelt so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt. Das ist dramatisch. Junge Menschen an der Uni müssen sich auf ihr Studium konzentrieren können. Ständige Existenzängste machen keine guten Akademiker*innen”, so Schneider weiter.

Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle liegt fast jeder zweite Studierende mit BAföG-Bezug unter der allgemeinen Armutsschwelle. Demnach sind deutlich höhere als die jetzt geplanten Steigerungen nötig, um Studierendenarmut zu vermeiden. Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle bräuchte es deutlich über 600 Euro, um das Existenzminimum zu sichern.

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Presse Bildung Soziale Teilhabe und Armut Thu, 23 Jun 2022 13:20:02 +0200
Keine Rückforderungen an Hartz-IV-Familien wegen 9-Euro-Ticket! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26056&cHash=8d8ccb3373af313f93bd490694c35888

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband zeigt sich empört, dass einige Bundesländer offenbar Rückforderungen von Zuschüssen für Schülerfahrkarten von Familien in Hartz IV vorsehen, sofern sich durch das bundesweite 9-Euro-Ticket Einsparungen ergeben. Der Verband teilt dagegen die Rechtsauffassung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, nach der auf Rückzahlungen entsprechender Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket verzichtet werden solle. Der Paritätische fordert die Bundesländer auf, in ihrer Rechtsaufsicht über die Kommunen dafür zu sorgen, dass keine Nachforderungen erhoben werden.

“Wie kaltherzig, bürokratisch und völlig empathielos hier mit armen Familien umgegangen wird, ist einfach schäbig und eines Sozialstaats unwürdig”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. “Wer wie das baden-württembergische Wirtschaftsministerium im Falle einer Nicht-Rückzahlung von einer ‘ungerechtfertigten Bereicherung’ spricht, hat offenbar jeglichen Bezug zu Realitäten verloren und will offensichtlich Neiddebatten schüren.”

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Fri, 17 Jun 2022 10:47:07 +0200
Paritätischer Wohlfahrtsverband veröffentlicht Kita-Bericht 2022 https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=13&tx_ttnews%5Btt_news%5D=26036&cHash=ada6fab9fcb2eddbb689230ad64f6844

]]> Der aktuelle Kita-Bericht des Paritätischen Gesamtverbandes, der auf einer Befragung von über 1000 Kindertageseinrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet basiert, illustriert die höchst angespannte Situation in Deutschlands Kitas: Arbeitsbelastung und Rahmenbedingungen während der Pandemie sowie vielerorts unzureichende Personalschlüssel und teilweise mangelhafte Ausstattung erschweren es, den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden und führen zu einer hohen Unzufriedenheit bei den pädagogischen Fachkräften. Nach der Studie verhindert der anhaltend hohe Fachkräftemangel bundesweit in jeder zweiten Kindertageseinrichtung, dass Kapazitäten vollständig ausgeschöpft werden. Der Paritätische fordert angesichts der alarmierenden Befunde konzertierte Anstrengungen aller politischen Ebenen zur Qualitätsentwicklung und Fachkräftegewinnung.

Erstmals untersucht wurde mit der Studie auch der Zusammenhang mit der sozialräumlichen Lage der Kindertageseinrichtungen. Der Befund: Unabhängig von der Pandemie fehlt es insbesondere für Kitas in benachteiligten Sozialräumen an gezielter Unterstützung. "Die Fachkräfte vor Ort leisten Tag für Tag Enormes unter vielerorts wirklich schweren Bedingungen. Gerade dort, wo viele Kinder in Armut aufwachsen oder auf besondere Unterstützung angewiesen sind, klagen auch die Kitas über schlechtere Ausstattung. Hier braucht es dringend gezielte und bessere Unterstützung", fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Insgesamt gehen 60 Prozent der Teilnehmenden an der Befragung davon aus, dass sie mit dem gegenwärtigen Personalschlüssel den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden können. Kindertageseinrichtungen in benachteiligten Sozialräumen sind davon besonders betroffen. Defizite belegt der Bericht dabei unter anderem im Bereich der Sprachförderung: Je höher die sozialräumliche Benachteiligung, desto größer ist die Zahl der Kinder mit Unterstützungsbedarf bei der sprachlichen Bildung. Gleichzeitig könne dieser Bedarf mit dem gegenwärtigen Personalschlüssel überwiegend nicht gedeckt werden.

Strukturelle Defizite werden nicht nur bei den Personal-Schlüsseln, sondern u.a. auch im Bereich der Kita-Finanzierung ausgemacht. Neu- und Ersatzanschaffungen seien kaum selbstverständlich. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden gibt zudem an, dass die vorgesehenen Finanzmittel nicht ausreichen, um die Kinder mit einer ausgewogenen Ernährung zu versorgen. “Die Befunde des Kita-Berichts sind erschütternd. Es ist schon ein Armutszeugnis, wenn es uns in diesem reichen Land nicht gelingt, jedem Kind eine gesunde Mahlzeit, bestmögliche Förderung in der individuellen Entwicklung und eine möglichst unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen”, so Schneider.

Zur Studie:
Der Kita-Bericht des Paritätischen erscheint inzwischen zum zweiten Mal. Die Studie gibt detaillierte Einblicke zum Stand der Qualitätsentwicklung und der praktischen Umsetzung des so genannten Gute-Kita-Gesetzes. Die Umfrage wurde gemeinsam mit Wissenschaftler*innen der Universität Osnabrück ausgewertet. Defizite wurden in allen Handlungsfeldern der frühen Bildung, Erziehung und Betreuung festgestellt. Insgesamt haben 1.171 Personen aus unterschiedlichen Kindertageseinrichtungen vollständig teilgenommen. Damit erfasst die Umfrage ein Fünftel aller Paritätischen Kindertageseinrichtungen in Deutschland. Die Teilnehmenden an der Umfrage kommen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Den Link zur Studie finden Sie untenstehend.

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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Bildung Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Mon, 13 Jun 2022 09:37:54 +0200
Soziales Klimageld: BUND und Paritätischer fordern rasche Einführung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25962&cHash=3394e226dc627be06937b1a5f043cb35

]]> Anlässlich der Vorschläge von Bundesminister Heil zur Einführung eines gestaffelten Klimageldes ab dem nächsten Jahr kommentieren der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Paritätischer Gesamtverband: „Die Preise für Energie und Lebensmittel schießen derzeit durch die Decke und bringen ärmere Haushalte an den Rand der Verzweiflung. Umso wichtiger für die gelingende ökologische Wende ist ein wirksamer sozialer Ausgleich klimapolitischer Maßnahmen. Ein einkommensabhängiges Klimageld wirkt zielgenau, weil es diejenigen entlastet, die wirklich Entlastung brauchen, und ist deshalb sozialpolitisch und ökologisch das richtige Signal.”  

Dabei sei klar, dass ein solches Klimageld die Erhöhung der Leistungen in Hartz IV und Altersgrundsicherung nicht ersetzen könne, betonte Ulrich Schneider. „So richtig der von Hubertus Heil vorgeschlagene Ansatz für ein Klimageld ist, so wichtig bleibt davon unabhängig die armutsfeste Ausgestaltung des Bürgergeldes”, so Schneider weiter.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Wir müssen zügig die Voraussetzungen schaffen, damit schon ab dem nächsten Jahr eine Rückverteilung der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Bevölkerung erfolgen kann. Die Abschaffung der EEG-Umlage, die maßgeblich von der FDP vorangetrieben wurde und mit der sie nun die fehlende Finanzierung begründet, war haushaltspolitisch unvernünftig, umweltpolitisch kontraproduktiv und sozial unausgewogen. Damit solche Taschenspielertricks der FDP in der Zukunft nicht mehr stattfinden können, braucht es endlich ein Gesamtfinanzierungskonzept für den Klimaschutz. Der Abbau klimaschädlicher Subventionen könnte einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung leisten. Die Behauptung, dass keine Gelder zur Verfügung stehen, ist umso scheinheiliger, wenn zeitgleich die Aufrüstung der Bundeswehr mit 100 Milliarden beschlossen wird.“

Gemeinsam erklären die Verbände: „Natur- und Umweltschutz und eine echte sozial-ökologische Wende funktionieren nur dann, wenn alle Menschen mitgenommen werden und niemand zurückgelassen wird. Ein sozial gestaffeltes Klimageld kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.“

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
Leiterin
Presse, Redaktion, Kampagnen

Der Paritätische Gesamtverband
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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Mon, 30 May 2022 14:14:56 +0200
Paritätischer kritisiert Sanktionsmoratorium als unzureichend https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25920&cHash=16b9abcaf9aeb3ab492ce4a3b202e406

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband bewertet das durch Regierungsparteien vereinbarte Sanktionsmoratorium als ersten, aber unzureichenden Schritt hin zu einer sanktionsfreien Grundsicherung. Positiv bewertet der Verband, dass besonders schwere Sanktionen ebenso wie einmalige Terminversäumnisse mit dem Sanktionsmoratorium künftig zumindest ein Jahr lang nicht mehr geahndet werden sollen. Schon bei zweimaligen Terminversäumnissen sollen Sanktionen jedoch auch künftig möglich bleiben. Der Paritätische kritisiert diese Pläne für ein Sanktionsmoratorium zur Aussetzung von Strafmaßnahmen im SGB II als halbherzig und inkonsequent. Sozialrecht sei kein Strafrecht betont der Verband und unterstreicht seine Forderung nach einer vollständigen Abschaffung von Sanktionen in der Grundsicherung.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, hat dafür kein Verständnis: “Diese Art von Rohrstockpädagogik ist inhuman und weder zeitgemäß, noch zielführend. Sozialrecht ist kein Strafrecht. Die Sanktionen gehören vollständig abgeschafft - das gebietet nicht nur die Vernunft, sondern auch die Menschlichkeit.” Sanktionen wegen Meldeversäumnissen treffen besonders Menschen mit psychischen Erkrankungen, fehlenden Sprachkenntnissen und mangelnder Behördenkompetenz. Sie verdienten Unterstützung statt Sanktionen.

In Zeiten einer galoppierenden Inflation, die besonders die Ärmsten trifft, sei das Festhalten an Leistungskürzungen unter das Existenzminimum als Strafmaßnahme zudem ein geradezu zynisches Signal, so Ulrich Schneider. Nie hätten sich Sanktionen härter auf die Teilhabemöglichkeiten der Betroffenen ausgewirkt, wie heute: “Immer weniger Menschen wissen, ob sie sich noch die Butter auf dem Brot leisten oder die Heizung anschalten können. Die Regelsätze reichen vorne und hinten nicht, um über den Monat zu kommen. Was es braucht sind gezielte und substantielle Hilfen, statt Druck und Drohkulissen.” Nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste ein armutsfester Regelsatz 678 Euro betragen.

Der Paritätische appelliert an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, auch mit Blick auf die angekündigte Einführung eines Bürgergeldes, sich mit Nachdruck für eine sanktionsfreie bedarfsgerechte und menschenwürdige Grundsicherung einzusetzen. “Damit das Bürgergeld nicht ebenfalls zur Mogelpackung und lediglich zu einem umlackierten Hartz IV mit neuem Namen wird, braucht es wirklich beherzte Reformen.”

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 19 May 2022 11:32:37 +0200
Armut im Studium: 30 Prozent aller Studierenden leben in Armut https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25912&cHash=a5ab189aa3b4f058337acc8fe0962be2

]]> Nach einer aktuellen Expertise der Paritätischen Forschungsstelle sind 30 Prozent aller Studierenden in Deutschland von Armut betroffen. Von den alleinlebenden Studenten und Studentinnen sind es sogar vier von fünf, die in Armut leben.

Die Autor*innen der Studie empfehlen auf Basis der dramatischen Befunde weitreichende BAföG-Reformen, um den Berechtigtenkreis zu erweitern und Studierende wirksam vor Armut zu schützen. Die bisher vorliegenden Vorschläge der Bundesregierung zu einer Reform, die am Mittwoch im Bundestagsausschuss für Bildung beraten werden, seien nicht ausreichend. Gerade angesichts der aktuellen Preissteigerungen drohten weitere harte Belastungen, Verschuldung und Studienabbrüche für viele arme Studierende, warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband.

“Das Versprechen von Fortschritt, Chancengleichheit und gleichen Möglichkeiten für alle junge Menschen ist nicht viel wert, wenn es nicht gelingt, Studierende wirksam vor Armut zu schützen und ihnen den Rücken für eine Ausbildung, frei von existenzieller Not, zu stärken”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. “Die altbackenen Klischees des fröhlichen Studentenlebens bei wenig Geld, aber viel Freizeit, sind absolut überholt und haben mit der Lebenswirklichkeit und dem Studiendruck heutzutage nichts mehr zu tun.”

Studierende sind nach der Studie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (16,8 Prozent) nicht nur besonders häufig, sondern auch besonders schwer von Armut betroffen. So liegt das mittlere Einkommen armer Studierender bei 802 Euro. Der Abstand zur Armutsschwelle beträgt damit 463 Euro (“Armutslücke”). Überproportional von Armut betroffen seien dabei nicht nur Ein-Personen-Haushalte (80 Prozent), sondern auch Studierende im BAföG-Bezug (45 Prozent).

Der Paritätische begrüßt die Pläne der Bundesregierung für eine Ausweitung der Reichweite des BAföG und der Flexibilisierung der Altersgrenzen, gleichzeitig fordert der Verband deutliche Nachbesserungen. Nötig sei u.a. eine bedarfsgerechte Anhebung der Leistungshöhe sowie eine automatische und regelmäßige Fortschreibung der Bedarfssätze im BAföG. Die bisher geplante Anhebung der Bedarfssätze im BAföG um lediglich 5 Prozent auf künftig 449 Euro gleiche nicht einmal die realen Kaufkraftverluste durch die aktuelle Inflation aus, kritisiert der Verband.

Die Analyse stützt sich auf aktuellste Daten des Sozio-ökonomischen Panels aus dem Jahr 2020 sowie Erhebungen des Deutschen Studentenwerkes zur wirtschaftlichen und sozialen Lage Studierender in Deutschland.

Den Link zur Studie finden Sie untenstehend.

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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Bildung Soziale Teilhabe und Armut Tue, 17 May 2022 16:29:59 +0200
Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=05&tx_ttnews%5Bday%5D=04&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25853&cHash=523fa724c7292015e885c87d566db491

]]> Circa 85 Euro pro Stunde – so viel zahlen viele hörbehinderte Menschen in Bayern, um einfach am Leben teilhaben zu können. Um sich beim Kauf einer Waschmaschine beraten zu lassen, sich im Verein vor Ort zu engagieren oder Behördengänge zu erledigen. Denn in Bayern müssen Menschen mit Hörbehinderungen in vielen Lebensbereichen die Kosten für Schrift- und Gebärdensprachdolmetschung aus der eigenen Tasche zahlen. Hinzukommen Zuzahlungen für Hörgeräte, Batterien, Therapien und vieles mehr.

Einmalzahlung reicht nicht aus

„Eine Einmalzahlung in geringer Höhe, wie von der Bayrischen Landesregierung vorgesehen, wird den Bedarfen von Menschen mit Hörbehinderung nicht gerecht! Wir brauchen endlich ein monatliches Gehörlosengeld in Bayern, um Menschen mit einer Hörbehinderung die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen“, fordert Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern, anlässlich des Europäischen Protestages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Denn im Gegensatz zu den hochgradig sehbehinderten Menschen, für die es das Blindengeld gibt, werden die behinderungsbedingten Mehrkosten bei Menschen mit Hörbehinderung nicht ausgeglichen. In Bayern leben rund 15.000 Menschen mit einem Hörverlust von mindestens 80 Prozent.

Inklusion ist ein Menschenrecht

Der diesjährige Protesttag steht unter dem Motto „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel!“ Bei Barrierefreiheit denken viele an Treppen oder Bordsteinkanten, die für Rollstuhlfahrer*innen oft unüberwindliche Barrieren sind. Die Barrieren für Menschen mit Hörbehinderung sind nicht sichtbar. Sie werden durch Barrieren in der Kommunikation an der gleichberechtigten Teilhabe gehindert. „Der Zugang zu allen Lebensbereichen ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Menschen mit Hörbehinderung haben ein Recht auf Unterstützung, um mit anderen Menschen kommunizieren zu können. Deshalb heißt es auch hier: Tempo machen für Inklusion mit einem Bayerischen Gehörlosengeld!“ so Berndl abschließend.

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Presse Fachbereich Menschen mit Behinderung Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Wed, 04 May 2022 15:16:31 +0200
Engagement für Gesundheit am Arbeitsplatz fördern – nicht nur am Welttag für Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25818&cHash=6b8d38554cef7da14410ad6a3cb965a6

]]> Laut dem BKK Gesundheitsreport 2021 des Dachverbands der Betriebskrankenkassen ist der Krankenstand trotz Pandemie im Jahr 2020 insgesamt leicht gesunken. Im Schnitt waren die Arbeitnehmer*innen in Deutschland 18,2 Tage krankgeschrieben. Für die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und den Paritätischen in Bayern ist das kein Grund für Entwarnung, denn die Zahlen gelten nicht für alle Branchen. So liege die Zahl der Krankentage im Gesundheits- und Sozialwesen mit 21,2 Tagen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Es bedarf deshalb mehr Anstrengungen im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

Vor allem die Branche des Gesundheits- und Sozialwesen sei in der Pandemie stark unter Druck geraten und hohen Risiken ausgesetzt gewesen, heißt es bei der Berufsgenossenschaft. Hinzu kämen die sowieso schon hohe Arbeitsbelastung und die dauerhaften personellen Schwierigkeiten der Branche, so die Aussage des Paritätischen in Bayern. Zahlen der internationalen Arbeiterorganisation (ILO) scheinen den Eindruck zu bestätigen. Nach Angaben des ILO berichtet jeder fünfte Beschäftigte im Gesundheitswesen weltweit über Depressionen und Angstsymptome.

"Die letzten zwei Jahre haben deutlich gezeigt, wie wichtig ein starkes, belastbares Umfeld für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz ist“, sagt Klaus Schreiber, Präventionsberater Verbändekooperationen (Region Süd) von der BGW. Dabei gehe es vor allem um Prävention, institutionelle und regulatorische Rahmenbedingungen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen haben Schwierigkeiten, noch mehr Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz umzusetzen, weil Ressourcen fehlen, ergänzt der Paritätische in Bayern: „Hier brauchen wir deutliche Signale und bessere Rahmenbedingungen von Politik, Verwaltung und auch Kostenträgern, wie beispielsweise der Kranken- und Pflegekassen. Und das nicht nur am Welttag der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.“, fordert Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern.

Seit 2019 besteht eine enge Kooperation des Paritätischen in Bayern mit der BGW zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement. Im Rahmen der Kooperation können Mitgliedsorganisationen des Paritätischen in Bayern eine Vielzahl von Angeboten und Veranstaltungen für mehr Sicherheit und Gesundheit in den Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesen nutzen. Für beide Organisationen liegt in der Förderung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten ein wesentlicher Schlüssel für das Thema Fachkräftesicherung und Personalgewinnung. Auf eine einfache Formel gebracht bedeute das: „Wer sicher und gesund arbeiten kann, der ist lieber und bleibt länger im Beruf.“

Zum Hintergrund: Am 28. April findet der Aktionstag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz statt. Dieser wurde 1984 von der internationalen Arbeiterorganisation (engl. International Labour Organisation ILO) ins Leben gerufen. Die Internationale Arbeitsorganisation ist eine Sonderorganisation der UN und zuständig für die Formulierung und Durchsetzung internationaler Arbeits- und Sozialstandards.

Schätzungen besagen, dass weltweit jährlich über zwei Millionen Menschen aufgrund von gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen den Tod finden. Insbesondere in Schwellenländern kommt es sehr häufig zu Unfällen mit hochgiftigen Chemikalien. Die daraus resultierenden Verletzungen, die Gesundheitsbeschwerden und die daraus folgenden Kosten für die Behandlung von chronischen Erkrankungen sind oft schwerwiegend. Deshalb hat es sich die ILO zur Aufgabe gemacht, für mehr soziale Gerechtigkeit und die Schaffung und Einhaltung von Menschen- sowie Arbeitsrechten einzutreten.

Neben Aktionen auf nationaler Ebene wird der 28. April auch dazu genutzt, mit Kampagnen auf die untragbaren Zustände aufmerksam zu machen. Aber auch für die Arbeitsplatzsituation in den Industrieländern selbst ist das Thema von Bedeutung. Die Anpassungen von Sicherheitsrichtlinien, die Verbesserung von unternehmensinternen Kommunikationsstrukturen und die Schaffung eines angenehmen Arbeitsklimas sind die erklärten Ziele.

Deshalb haben wir auch in diesem Jahr im Rahmen der Verbändekooperation zwischen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und dem Paritätischen in Bayern wieder vielfältige Angebote für die Mitgliedsorganisationen zusammengestellt.

Weitere Informationen dazu: www.bgw-online.de

Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit: WHO und ILO: Fast 2 Millionen Menschen sterben jährlich an arbeitsbedingten Krankheiten

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Presse Mitgliederangelegenheiten Arbeit und Beschäftigung Gesundheit Thu, 28 Apr 2022 10:15:41 +0200
Hohe Energiepreise https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=27&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25814&cHash=b08e38a840fad1a1580bc7d0d3cf3181

]]> Angesichts der aktuellen massiven Preissteigerungsraten kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband die heute vom Bundeskabinett im Rahmen des sogenannten Entlastungspakets beschlossenen Hilfen für einkommensschwache Haushalte als völlig unzureichend. Statt einer Einmalleistung sei eine deutliche Anhebung der Regelsätze für Leistungen der Mindestsicherung wie Hartz IV um monatlich mindestens 200 Euro nötig.

“Die Monat für Monat dahinschmelzende Kaufkraft treibt die Ärmsten gerade buchstäblich an den Rand der Verzweiflung”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Paritätische weist darauf hin, dass nicht nur die Energiekosten, sondern auch die Preise für Lebensmittel in den vergangenen Monaten außergewöhnlich stark angestiegen sind, während die Hartz-IV-Regelsätze zu Jahresbeginn um gerade einmal 0,7% erhöht wurden. “Arme Menschen dürfen nicht länger mit unzureichenden  Einmalzahlungen vertröstet werden, sondern brauchen spürbare und dauerhafte Unterstützung in ihrer Not. Die Bundesregierung muss endlich einsehen, dass die Hartz-IV-Regelsätze schlicht viel zu niedrig sind”, so Schneider. Mindestens 200 Euro mehr im Monat brauche es laut Schneider, um die Grundsicherung annähernd bedarfsgerecht zu machen.

Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung treffen die aktuellen hohen Energiepreise ärmere Haushalte mit besonderer Wucht. Der Paritätische appelliert an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, die morgen über das Sofortzuschlags- und Einmalzahlungsgesetz beraten werden, für wirksame Nachbesserungen zu sorgen. Neben einer dauerhaften und spürbaren Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung brauche es auch eine Ausweitung von Wohngeld und BaföG, damit mehr Menschen wirksam erreicht und entlastet werden. Der zuletzt beschlossene einmalige Heizkostenzuschuss werde zudem in der Höhe absehbar kaum ausreichen, um die Preisentwicklungen in diesem Jahr aufzufangen. Auch hier braucht es eine nachhaltige und dauerhafte Lösung in Form einer echten Klimakomponente, fordert der Verband.

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Wed, 27 Apr 2022 14:48:49 +0200
Paritätischer fordert sofortige Abschaffung von Hartz-IV-Sanktionen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=12&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25769&cHash=d966e892789ab191ab3a326470b32a01

]]> Aktuelle Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit Detlef Scheele zur Notwendigkeit von Sanktionen in Hartz IV als "Handhabe gegen die kleine Gruppe, die sich sonst entzieht" treffen auf scharfe Kritik des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Sanktionen seien weder sachgerecht noch zielführend und eine Kürzung des Existenzminimums nicht zu rechtfertigen. Der Paritätische Gesamtverband erinnert an den Auftrag des Bundesverfassungsgerichts, die aktuelle Praxis grundlegend zu reformieren und fordert eine grundsätzliche Abschaffung von Hartz-IV-Sanktionen.

"Sanktionen unter das Existenzminimum sind weder sachgerecht noch zielführend und sie sind schon gar nicht mit unserer Verfassung vereinbar", kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. "Es wird höchste Zeit, dass wir diese antiquierte Rohrstockpädagogik aus dem vorletzten Jahrhundert überwinden und zu einem den Menschen zugewandten sanktionsfreien Hilfesystem gelangen. Wenn es die Bundesregierung ernst meint mit ihrem Bürgergeld, ist für eine solche Mentalität schwarzer Pädagogik kein Platz mehr in der Bundesagentur für Arbeit."

Der Verband zeigt sich empört angesichts der jüngsten Abkehr der Bundesregierung von einem wirklichen Sanktionsmoratorium. Ein Gesetzentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sah Ende Februar noch vor, die geltenden Sanktionsregelungen bis zum Jahresende 2022 befristet außer Kraft zu setzen. Das Kabinett verständigte sich im März dann aber auf einen wesentlich veränderten Gesetzentwurf, mit dem die große Mehrheit der Hartz-IV-Sanktionen beibehalten würde.

"Statt des versprochenen Sanktionsmoratoriums hat die Ampel eine echte Mogelpackung vorgelegt, ein ernüchterndes und schlechtes Signal für den Umgang mit den Ärmsten in unserer Gesellschaft", kommentiert Ulrich Schneider. Er wies darauf hin, dass die große Mehrheit der Sanktionen auf Meldeversäumnisse entfielen und diese weiter sanktioniert würden. "Es kann nicht sein, dass der Kühlschrank leer bleibt, weil jemand seine Sachbearbeiterin nicht erreicht oder einen Termin verschusselt hat. Diese menschenunwürdige Praxis muss beendet werden", so Ulrich Schneider weiter.

Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass 3,1 Prozent der Leistungsberechtigten im vergangenen Jahr mindestens einmal sanktioniert wurden. Damit sei die Zahl der verhängten Sanktionen 2021 gegenüber dem Vorjahr um etwa 23.000 gestiegen, so der Paritätische Wohlfahrtsverband.

Gwendolyn Stilling

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Presse Arbeit und Beschäftigung Soziale Teilhabe und Armut Tue, 12 Apr 2022 11:55:32 +0200
Bund-Länder-Gipfel zu Ukraine: Paritätischer begrüßt Beschlüsse und fordert Ausweitung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=08&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25754&cHash=75eea87d9c2c7b89e81bcea920e86574

]]> Der Paritätische Wohlfahrtsverband zeigt sich erleichtert, dass Bund und Länder auf dem gestrigen Ukraine-Gipfel Rechtssicherheit geschaffen haben, damit Flüchtlinge aus der Ukraine zügig und verlässlich Zugang zu Sozialleistungen erhalten. Es habe sich sich einmal mehr gezeigt, dass das Asylbewerberleistungsgesetz als Sondergesetz nicht geeignet ist, um Hilfe und Schutz unkompliziert und bedarfsgerecht zu organisieren. Der Paritätische regt an, die jetzige Lösung, die eine schnelle Integration der Schutzsuchenden in die Regelsysteme vorsieht, als Blaupause für die Hilfe auch für Geflüchtete aus anderen Ländern zu prüfen.

“Wer Schutz, Zuflucht und Hilfe sucht, muss diese auch bekommen - egal in welcher Lage ein Mensch ist. Passgenaue Hilfe in Not, das ist die Basis unseres Sozialstaats. In der aktuellen Lage wurde schmerzlich deutlich, wie wenig geeignet das Asylbewerberleistungsgesetz ist, die nötige Hilfe pragmatisch und bedarfsgerecht zu ermöglichen”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Insbesondere die Versorgung von Geflüchteten mit Pflegebedürftigkeit oder auch Eingliederungshilfe drohte zuletzt vielerorts an Bürokratie und Streitigkeiten um die Kostenübernahme zu scheitern. “Als Sondergesetz lässt das Asylbewerberleistungsgesetz einfach zu vieles offen und schafft vor allem bürokratische Hürden.”

Der Paritätische begrüßt, dass nun Rechtssicherheit geschaffen wurde, in dem sich Bund und Länder auf eine unkomplizierte Integration der Geflüchteten aus der Ukraine in die Sozialgesetzbücher Zwei und Zwölf verständigt und damit den Zugang zu Sozialleistungen frei gemacht haben. “Wir sind erleichtert, dass hier pragmatisch und zielgerichtet agiert wird und sich Bund und Länder nicht im Zuständigkeitsgerangel auf dem Rücken der Betroffenen verhakt haben”, so Schneider.

Der Paritätische mahnt dabei, auch alle anderen geflüchteten Menschen unabhängig vom Herkunfts- oder Erstaufnahmeland nicht aus den Augen zu verlieren. Der Verband spricht sich bereits seit langem für eine Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes aus. “Das hätte auch in der aktuellen Lage sofort vieles einfacher gemacht”, so Schneider.

Gwendolyn Stilling

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Ukraine Der Paritätische Fri, 08 Apr 2022 11:14:38 +0200
Our planet, our health https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7899

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Themen Gesundheit Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Thu, 07 Apr 2022 13:58:52 +0200
Enttäuschendes Signal an Beschäftigte in der Pflege: Paritätischer kritisiert Corona-Pflegebonus scharf https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25736&cHash=fbdec5f16ef8bebc69fca68315233d0b

]]> Der Paritätische zeigt sich vom heute im Bundestag zur Beratung vorgelegten Pflegebonusgesetz enttäuscht und mahnt die zügige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Personalausstattung in der Pflege sowie einen Plan zur nachhaltigen Pflegefinanzierung an. Das vorliegende Gesetz speise viele Beschäftigte mit knausrigen Beträgen ab oder ließe sie ganz leer ausgehen, so der Verband.

“Die beabsichtigte große politische Geste hat sich zum großen politischen Eigentor gewandelt. Statt Anerkennung zu erfahren sind viele Pflegekräfte nur noch enttäuscht”, stellt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, fest. “Es braucht endlich bessere Arbeitsbedingungen, eine ordentliche Bezahlung und dazu mehr Geld im System statt mickriger Einmalzahlungen, von denen eine große Zahl Beschäftigter im Gesundheits- und Pflegebereich auch noch ausgeschlossen bleibt,” fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands

Der Gesetzentwurf der Regierungskoalition sieht eine Milliarde Euro für Prämienzahlungen vor, von denen 500 Millionen Euro für Beschäftigte im Bereich der Langzeitpflege vorgesehen sind. Vollzeitkräfte sollen bis zu 550 Euro erhalten. “Für die große Mehrheit der Beschäftigten in der Altenpflege schrumpft der vorgesehene Pflegebonus noch einmal zusammen, weil sie in Teilzeit arbeiten,” kritisiert Ulrich Schneider.

Die Situation in den Pflegeeinrichtungen und aller, die dort im Einsatz sind, sei während der Pandemie zu Recht stärker in den öffentlichen Fokus gerückt, so der Paritätische. Wer es jedoch ernst meine mit der Anerkennung der Leistung der Beschäftigten und wer für bessere Bezahlung sorgen will, müsse eher 5 Milliarden Euro pro Jahr in die Hand nehmen, nicht einmal 500 Millionen, so der Verband.

Der Paritätische reagierte zudem mit Unverständnis darauf, dass die Bundesregierung offenbar nicht aus den Fehlern im ersten Pandemiejahr 2020 gelernt habe und viele Beschäftigte zum Beispiel in der Eingliederungshilfe wie schon beim ersten Coronabonus offenbar erneut durchs Raster fielen. Angesichts der enormen coronabedingten Belastungen verdienten alle Mitarbeitende in der sozialen Arbeit nach Ansicht des Paritätische Gesamtverbandes einen finanziellen Bonus. Der geplante Corona-Pflegebonus sende nun ein unwürdiges Signal an all jene, denen die Corona-Krise alles abverlangt hat, für die eine angemessene Anerkennung dennoch ausbleibe.

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Ältere Menschen Corona Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Thu, 07 Apr 2022 08:48:33 +0200
Impfpflicht: Bundesregierung vertut eine große Chance https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=04&tx_ttnews%5Bday%5D=06&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25733&cHash=c914ac65a28ddd8d7f9c76112f39dc20

]]> In der Debatte um eine allgemeine Impfpflicht zeigt sich der Paritätische Gesamtverband enttäuscht darüber, dass aller Voraussicht nach höchstens ein schwacher Kompromiss als Impfpflicht durch den Bundestag kommen wird. Nach aktuellem Stand wird der Bundestag am morgigen Donnerstag eine Impflicht für Menschen ab 60 zusätzlich zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht beschließen.

“Es ist bedauerlich, dass die Ampel sich nur zu einer Impfpflicht light durchringen kann, die keinen spürbaren Effekt auf das Infektionsgeschehen haben wird”, findet Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. “Angesichts immer noch sehr hoher Inzidenzen wäre es unbegreiflich, dass im zweiten Jahr der Pandemie immer noch Parteiinteressen eine so große Rolle spielen können”, so Schneider weiter.

Besonders ärgerlich ist es nach Ansicht des Verbandes, dass die Bundesregierung nicht einmal einen eigenen Entwurf für eine Impfpflicht ab 18 Jahren vorgelegt hat: “Nach der starken Ankündigung einer allgemeinen Impfpflicht durch Bundesminister Scholz und Gesundheitsminister Lauterbach ist ein ebenso starkes Regierungshandeln erwartbar und nötig gewesen.”

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat sich bereits im Dezember 2021 für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. Der Verband, der unter seinen über 10.000 Mitgliedern viele Einrichtungen aus dem Gesundheitsbereich vertritt, sieht darin die einzige Möglichkeit, einer neuerlichen Welle im Herbst entgegenzuwirken und vulnerable Gruppen effektiv zu schützen.

Philipp Meinert

Presse und Redaktion

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Presse Corona Wed, 06 Apr 2022 11:47:51 +0200
Unterbringung und Versorgung Geflüchteter https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25660&cHash=c8c6df36e8ef1e524d110e864937496b

]]> Vor allem Frauen und Kinder flüchten aus der Ukraine. Daneben werden auch viele Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung vor dem Krieg in Sicherheit gebracht. „Mitgliedsorganisationen des Paritätischen erreichen Anfragen, Menschen mit Pflegebedarf oder ganze Gruppen aus Einrichtungen für Menschen mit Behinderung unterzubringen“, berichtet Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern. Einige Einrichtungen haben bereits Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen.

Im Moment geht es darum, den vielen Geflüchteten ein Dach über dem Kopf zu bieten. Dabei ist klar, dass niemand mit Rollstuhl in einer nicht barrierefreien Turnhalle untergebracht werden kann. „Aber auch für alle anderen und besonders für die vielen Kinder darf die Turnhalle nur eine kurze Notlösung sein“, so Berndl.

Unbürokratische, pragmatische Lösungen

Einrichtungen in allen Bereichen der sozialen Arbeit bereiten sich darauf vor, ihr Angebot für Geflüchtete aus der Ukraine auszubauen. „Wir brauchen in der aktuellen Krisensituation vor allem pragmatische, unbürokratische Lösungen und eine gute Koordination, um die Unterbringung, Betreuung und Versorgung der Menschen sicherzustellen“, fordert Berndl. – Zum Beispiel, wenn eine Einrichtung für Kinder mit Behinderung Geflüchtete versorgt und dabei den vorgeschriebenen Personalschlüssel nicht einhalten kann, oder wenn Kitas geflüchtete Kinder aufnehmen, obwohl alle geförderten Plätze bereits belegt sind.

„Dafür muss die Übernahme der Kosten sichergestellt werden. Und die Einrichtungen brauchen Rechtssicherheit bspw. zu Haftungsfragen, wenn sie sich kurzfristig bereit erklären, Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf aufzunehmen“, fordert Berndl. Die Verantwortung für die Kostenübernahme dürfe nicht zwischen den politischen Ebenen hin und her geschoben werden. Notwendig ist eine schnelle Entscheidung.

Dringender Ausbau der Flüchtlings- und Integrationsberatung

Die Geflüchteten brauchen so schnell wie möglich einen geregelten Alltag und Perspektiven, wie es für sie weitergeht. Hier beraten Flüchtlings- und Integrationsberatungsstellen sowie Migrationsdienste. „Diese Beratungsdienste spielen eine Schlüsselrolle bei der Integration Geflüchteter. Sie waren aber bereits vor der Ankunft der Geflüchteten aus der Ukraine komplett ausgelastet. Deshalb begrüßen wir den angekündigten Ausbau der Flüchtlings- und Integrationsberatung durch den Freistaat Bayern“, so Berndl.

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Presse Fachbereich Frauen / Geschlechterpolitik / LGBTIQ Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Migration Frauen und Mädchen Kinder und Jugend Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Migration und Flucht Ukraine Thu, 24 Mar 2022 10:52:55 +0100
Auf der Flucht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25651&cHash=391d9a2720ba0ef7d8907fec8907498c

]]> Symbolbild (Foto: Adobe Stock christian wohlfahrt/EyeEm)]]> Frau Dr. Berthuet, bei Ihnen in der Paritätischen Unterkunft für Frauen* in München sind seit ein paar Wochen auch Frauen und Kinder aus der Ukraine untergebracht.

Momentan haben wir circa 30 Frauen, davon zehn Mütter mit zehn Kindern bei uns. Jetzt kommen noch von zwei Frauen die Mütter nach, weil sie nicht gemeinsam flüchten konnten. Unter den Frauen sind auch vier Studentinnen aus der Ukraine, zwei aus Marokko und zwei aus Nigeria. Wir haben aber auch immer noch viel Fluktuation: Die Frauen kommen, sind manchmal nur ein paar Tage bei uns und reisen dann weiter zu Familie oder Bekannten.

Wie kommen die Frauen zu Ihnen in die Unterkunft?

In München ist es so, dass alle Geflüchteten am Hauptbahnhof mit Bussen oder Zügen oder auch dem eigenen Auto ankommen. Meistens aus Berlin. Die Stadt hat im Hotel Regent am Hauptbahnhof das erste Ankommen organisiert. Das Amt für Wohnen und Migration, das die Bettplätze für Geflüchtete für München verwaltet, weist dann die Geflüchteten den Unterkünften zu.

Die Zuweisung zu Ihnen in die Unterkunft ist derzeit also nicht von einer besonderen Vulnerabilität oder Schutzbedürftigkeit der Frauen und Kinder abhängig?

Ja. Normalerweise ist es schon so, dass die Frauen, die zu uns kommen, einen besonderen Bedarf haben oder einen Schutzraum brauchen. Aber in der Schnelligkeit, mit der das jetzt alles passiert ist, war dafür keine Zeit. Dazu müsste man ja mit den Frauen zuerst Gespräche führen, um herauszufinden, welche Bedarfe sie haben.

Hatten Sie schon die Möglichkeit herauszufinden, welche Bedarfe die Frauen und Kinder, die jetzt bei Ihnen in der Unterkunft sind, haben? Welche Erfahrungen sie auf der Flucht gemacht haben?

Die Frauen und Kinder haben schreckliche Bilder gesehen. Von Toten und Verletzten. Wir sehen bei manchen Kindern, die bereits ein paar Tage bei uns sind, dass sie verhaltensauffällig sind. Zum Beispiel, weil sie viel schlafen. Und manche Frauen entwickeln eine Art Überaktivität, um sich und ihre Gedanken abzulenken. Wir werden aber erst nach und nach dazu kommen, mit den Frauen und Kindern im Gespräch herauszufinden, welche Unterstützung und Beratung, welche medizinische und psychologische Versorgung sie brauchen. Denn dafür braucht es Ruhe und Zeit.

Aber ein paar Dinge, die wir schnell angehen müssen, kristallisieren sich schon heraus. Das ist zum einen, mit den Kindern über das Erlebte zu sprechen und es pädagogisch, spielerisch zu verarbeiten. Und zum anderen, den Müttern Hilfen an die Hand zu geben, wie sie mit den eigenen Erlebnissen und ihren eventuell traumatisierten Kindern gut umgehen können. Da gibt es auf jeden Fall Bedarf und da braucht es auch Unterstützung für die Frauen und Kinder im Hilfesystem.

Für die Traumabewältigung gilt: Je schneller man da dran ist, umso besser! Ziel muss sein, den Frauen und Kindern ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Was natürlich schwierig ist, weil bei den meisten die Väter und Männer noch in der Ukraine sind und Angst deshalb ein ständiger Begleiter ist…

Was kann dabei helfen, ein Gefühl von Schutz und Sicherheit zu geben?

Die Mütter haben ein großes Interesse, dass die Kinder wieder eine Tagesstruktur haben. Das sind dann so Fragen wie Kita und Schule. Da müssen wir schnell und flexibel Möglichkeiten finden, dass die Kinder wieder einen geregelten Alltag und ein Stück Normalität haben.

Stellen Sie im Vergleich zu den Frauen, die Sie sonst in Ihrer Unterkunft haben, Unterschiede in den Bedarfen fest?

Grundsätzlich sind das Bedarfe, die wir kennen. Bei den Frauen, die wir sonst in der Unterkunft haben, erleben wir ja zum Teil massive posttraumatische Belastungsstörungen. Zum Beispiel, weil die Frauen massive Gewalterfahrungen sexueller oder auch psychischer Natur gemacht haben. Solche schweren, tiefgehenden Traumata sehen wir bei den aktuell Geflüchteten aus der Ukraine nicht. Ob jedoch – je länger der Krieg in der Ukraine dauert, je länger Menschen im Kriegsgebiet sind, bevor sie fliehen können – auch mehr stark traumatisierte Frauen und Kinder zu uns kommen werden, das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Herausfordernd ist momentan eher, dass es alle zwei Tage neue Regelungen gibt. Aber damit kann man gut umgehen: Das ist in der jetzigen Situation einfach so.

Was uns überrascht hat ist, dass die Frauen aus der Ukraine wahnsinnig motiviert sind, Deutsch zu lernen. Auch das Interesse an unseren Informationsveranstaltungen ist groß. Wir bieten schon länger einen Deutschkurs bei uns in der Einrichtung an: Der war sofort gut besucht. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Verständigung momentan sehr schwierig ist, weil die Frauen kaum Englisch sprechen, viele Frauen aber den Wunsch haben, selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihren Alltag zu gestalten und nicht abhängig zu sein. Der Bildungsgrad unter den Frauen ist auch sehr hoch. Die Frauen, die wir sonst in unserer Unterkunft haben, die sind teilweise so stark traumatisiert oder waren so lange auf der Flucht, dass sie Wochen brauchen, bevor sie überhaupt in der Lage sind, ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen zu können.

Mit Ihrem Konzept und Ihrem Angebot sind Sie also gut auf die Frauen und Kinder aus der Ukraine eingestellt. Was brauchen Sie sonst in der aktuellen Situation?

Personal! (lacht) Was es sonst braucht – und zwar relativ schnell – sind muttersprachliche Angebote an psychologischer Betreuung und Beratung. Für die Frauen und die Kinder, aber auch Mutter-Kind-Angebote. Im ersten Schritt wären auch niedrigschwellige aufsuchende Angebote wichtig, die zu den Frauen kommen. Bevor es eine Komm-Struktur gibt, zu der man gehen kann. Tagesstruktur für die Kinder ist - wie bereits gesagt - wichtig.

Für uns als Einrichtung ist wichtig, um das alles mit dem vorhandenen Personal überhaupt schaffen zu können, dass es effektive Organisationsstrukturen und kreative Lösungen gibt. Zum Beispiel Sammeltermine für die Registrierung oder Beantragung von Leistungen, die wenig Personalressourcen binden. Wir haben da zum Glück einen festen Kreis von ehrenamtlichen Helferinnen, der uns bei solchen Dingen auch unterstützt.

Stichwort Ehrenamt: Wie erleben und erfahren Sie als Unterkunft konkret die Solidarität und Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft?

Wir haben zum Beispiel einen Spendenaufruf für Sachspenden im Stadtteil gemacht, als klar war, dass Geflüchtete aus der Ukraine zu uns kommen. Da kam sehr viel zusammen: Jacken, Schuhe, Kleidung, Spielzeug, Gläser, Besteck und Töpfe für die Küchen… Es wäre natürlich schön, wenn wir jetzt auch unseren Kreis von ehrenamtlichen Helferinnen weiter ausbauen könnten.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um dieses tolle ehrenamtliche Engagement, wie wir es gerade erleben, für unsere Gesellschaft zu erhalten und zu verstetigen?

Ich finde wichtig, dass es für die Menschen, die jetzt gerade Geflüchtete bei sich zu Hause aufgenommen haben, auch eine Anlaufstelle gibt – für Informationen, bei Problemen etc. Zum einen, ist es nicht so einfach, dieses ganze bürokratische Dickicht zu durchschauen. Und zum anderen, kann man auch als Engagierter selbst leicht in die Überforderung kommen. Zum Beispiel, wenn traumatisierte Kinder, die man aufgenommen hat, verhaltensauffällig sind. Wichtig wäre auch, die private Unterbringung offiziell und – soweit möglich – durchgängig zu registrieren, um zum Beispiel Missbrauch vorzubeugen.

Dieses Engagement ist wichtig. Es wäre schade, wenn wir es verlieren würden, weil sich Engagierte allein gelassen fühlen, ein schlechtes Gewissen haben, weil sie nicht so helfen können, wie sie gerne wollen, oder nicht die notwendige Unterstützung erhalten. Die Engagierten übernehmen ja eine große Verantwortung für die Geflüchteten und unsere Gesellschaft.


Die Unterkunft für geflüchtete Frauen* in München Neuperlach wurde 2016 als Paritätisches Kooperationsprojekt von Condrobs, der Frauenhilfe München und profamilia gegründet und war die erste Einrichtung, die geflüchteten Frauen und ihren Kindern einen besonderen Schutzraum bot. Der Bedarf wurde 2015 besonders deutlich, als viele Menschen vor dem Krieg in Syrien flohen. Das Kooperationsprojekt hat das Ziel die Sicherheit für besonders schutzbedürftige Menschen in allen Flüchtlingsunterkünften zu gewährleisten.

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Themen Frauen und Mädchen Kinder und Jugend Migration und Flucht Ukraine Tue, 22 Mar 2022 15:53:32 +0100
Energie-Preise: Der Paritätische zur Debatte um ein “Mobilitätsgeld” https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=21&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25647&cHash=43156503aa40fd59525d7aeb56c6cfd6

]]> In der aktuellen koalitionsinternen Debatte um wirksame Entlastungen für Bürger*innen angesichts hoher Sprit- und Energiepreise mahnt der Paritätische Gesamtverband zielgenaue Hilfen für alle einkommensarmen Menschen an und warnt vor Ausnahmen bspw. durch Unterstützung ausschließlich für Autofahrer*innen oder Erwerbstätige. Die längst überfällige Erhöhung der Regelsätze in der Grundsicherung dürfe zudem nicht länger aufgeschoben werden.

Während der Wohlfahrtsverband sich rigoros gegen Vorschläge wie einen pauschalen “Tankrabatt” oder Mehrwertsteuersenkungen auf Benzin ausspricht, die sowohl sozial ungerecht als auch haushaltspolitisch unvernünftig seien, sieht er in dem Vorstoß von Bundessozialminister Hubertus Heil zur Zahlung eines “Mobilitätsgeldes” an Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen einen richtigen Ansatz.

“Ein Mobilitätsgeld als monatlicher unbürokratischer Zuschuss für nicht wohlhabende Menschen wäre eine echte Hilfe für die, die unter den aktuellen Preisen besonders leiden, und deutlich sachgerechter als Geldgeschenke mit der Gießkanne. Es kann aber nicht angehen, dass gleichzeitig die längst überfällige Erhöhung der Regelsätze auf die lange Bank geschoben wird. Beides, Hilfen sowohl für kleine und mittlere Einkommen als auch für die Ärmsten, muss parallel laufen”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, und fordert: “Wir brauchen dringend eine unterjährige Erhöhung der Regelsätze auf mindestens 600 Euro.”

Gwendolyn Stilling

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Mon, 21 Mar 2022 17:27:38 +0100
Sozial-ökologische Zukunftspolitik: Positionspapier von BUND und Paritätischem https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=21&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25645&cHash=3419b389af7baa2474ab29dbe3cc2c99

]]> Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine erschüttert viele vermeintliche Sicherheiten in Deutschland und Europa. Er fällt in eine ohnehin krisengeschüttelte Zeit. Gerade in Krisenzeiten ist eine Politik der sozialen Sicherheit und ökologischen Verantwortung unerlässlich für die jetzt nötige gesellschaftliche Handlungsfähigkeit. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Paritätische Wohlfahrtsverband fordern die Bundesregierung in einem gemeinsamen Positionspapier auf, eine sozial-ökologische Zukunftspolitik zu gestalten. Sie sprechen sich unter anderem für verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs und eine konsequente nachhaltige Landwirtschaft aus, fordern Maßnahmen gegen Armut, eine Ausweitung der Hilfen für Geflüchtete sowie höhere Ausgaben in der Entwicklungszusammenarbeit. Zur Refinanzierung der Vorschläge schlagen sie eine Abschaffung der Schuldenbremse vor.

Ob Klimakrise oder Armut, ob Wohnungsnot oder Artensterben, ob Ressourcenverschwendung oder Pflegekrise – wir stehen vor sozial-ökologischen Herausforderungen, deren politische und gesellschaftliche Bearbeitung keinen Aufschub erlaubt. Sie lassen sich auch nicht mit Hau-Ruck-Vorstößen bewältigen wie beim Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für Sicherheitspolitik, mit einem sozial unausgewogenen Tankrabatt oder sonstiger Gießkannenpolitik. Das Positionspapier der mitgliederstarken Organisationen mit breiter Verankerung in der Fläche formuliert vor diesem Hintergrund konkrete Anforderungen an eine auf Frieden, ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit ausgerichtete Zukunftspolitik.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer Paritätischer Gesamtverband: „Eine konsequente Klimaschutzpolitik und eine ambitionierte Sozialpolitik sind wichtiger und dringlicher denn je. Unter den gegenwärtigen globalen Krisen und den Folgen des Krieges leiden einmal mehr die Armen und Schutzbedürftigen am meisten. Es braucht substanzielle Hilfen für diejenigen, die darauf angewiesen sind wie eine Erhöhung von Hartz IV und eine Ausweitung von Wohngeld und BAföG sowie zusätzliche Energiezuschüsse oder ein Mobilitätsgeld für einkommensschwache Haushalte. Statt wichtige sozial-ökologische Reformvorhaben aufzuschieben, braucht es gerade jetzt entschlossene Weichenstellungen. An den Investitionen und Ausgaben für die national wie international dringend nötige sozial-ökologische Wende darf nicht gerüttelt werden. Deutschland kann und muss hier eine Vorreiterrolle einnehmen.“

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: „Die sozial-ökologische Wende entscheidet über unsere Zukunft. Sie ist von existentieller Bedeutung. Aktuell sind eine ökologische Agrarpolitik und die Energiewende auch strategische Notwendigkeiten, um kurzfristig die Abhängigkeit und Erpressbarkeit von Russland zu mindern. Ernährungs- und Energiesouveränität sind ein substantieller Teil einer Friedenspolitik. Die Ampelregierung muss sich dieser Aufgabe stellen. Dafür braucht sie den Mut, Ökologie und soziale Sicherheit zu vereinen. Es braucht dringend Sofortmaßnahmen, aber auch weitreichende strukturelle Anpassungen in allen Bereichen über den nächsten Winter hinaus. Ob Verbot von Kurzstreckenflüge, Tempolimit oder 365 Euro Ticket im ÖPNV. Ob Reform von Gebäude-Förderstandards, die nicht mit dem 1,5 Grad-Ziel vereinbar sind oder flächengebundene Tierhaltung um nur wenige Beispiele für notwendige Maßnahmen zu nennen. Wir müssen jetzt handeln und eine auf Frieden ausgerichtete sozial-ökologische Zukunft gestalten.“


Mehr Informationen:

www.bund.net/positionierung-zeitenwende

www.der-paritaetische.de/presse-und-kampagnen

Gwendolyn Stilling

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Mon, 21 Mar 2022 12:56:34 +0100
Respekt gegen Rassismus https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25640&cHash=69dda5ea93e26e773fa5c9fe9a060742

]]> ]]> Alle Menschen sind „frei und gleich geboren“. Doch die Realität in Deutschland sieht für viele Menschen leider anders aus. Sie werden beleidigt, rassistisch diskriminiert und ausgegrenzt. Und mit den wachsenden rechtsradikalen Tendenzen in unserer Gesellschaft wächst auch rassistisches Gedankengut.
Um dem entgegen zu treten, muss Rassismus erkannt und beim Namen genannt werden. So stehen auch die Internationalen Wochen gegen Rassismus 2022 unter dem Motto „Haltung zeigen“.

Der Paritätische in Bayern hat sich klar und öffentlich gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus positioniert. Und mit ihm seine Mitarbeiter*innen im Verband, in den Einrichtungen und Diensten und in seinen Mitgliedsorganisationen. Mit Toleranz, Offenheit und dem Abbau von Vorurteilen wird hier an vielen Stellen dem Rassismus entgegengetreten.

Das paritätische Projekt „Respekt Coaches“ in Unterfranken setzt an genau dieser Stelle an – gegen Rassismus, Extremismus, Menschenfeindlichkeit –, indem sie Schüler*innen den Wert unserer vielfältigen Gesellschaft vermittelt. In speziellen Gesprächsrunden, Theatergruppen und Workshops im Umfeld der Schule erweitern die Jugendlichen ihren Blickwinkel und lernen unterschiedliche Weltanschauungen und Lebensweisen besser verstehen.

Wir haben die „Respekt Coaches“, Verena Meisel, Johanna Drescher und Patrick Möhler nach ihren Erfahrungen mit Rassismus gefragt, und nach ihrer Motivation, dem – auch durch ihre Arbeit – entgegen zu treten.

Warum seid Ihr gegen Rassismus?

Für Leid oder Schaden, der aus rassistischen Motiven heraus entsteht, gibt es keine moralische Rechtfertigung. Diese Erkenntnis ist auch in Artikel 3 unseres Grundgesetzes verankert. Über Rassismus kann es keine geteilte Meinung geben – Rassismus ist in jeder Form verwerflich.  

Habt Ihr schon einmal Rassismus erlebt? Wie hat sich dieses Erlebnis angefühlt?

Berichte von rassistisch motivierten Handlungen lassen uns rat- und fassungslos zurück. Man kann sich nicht ausmalen, wie sich diese spezifische Form von Gewalt für die Betroffenen anfühlen muss. Als weiße Person ist man nicht direkt von rassistischer Diskriminierung betroffen. Unsere allgemeine Fähigkeit zu Empathie und die Auseinandersetzung mit rassistischen Erfahrungen von Betroffenen lässt uns für eine, von Rassismus befreite, Welt solidarisch werden.
Wichtig ist es, wirklich aufmerksam zu sein, zuzuhören und verletzende Erlebnisse von Betroffenen anzuerkennen, ohne zu relativieren. Das hilft, sensibler zu werden und den eigenen Blick zu schärfen.

Was tut Ihr selbst – neben Eurer Arbeit als Respekt Coaches – gegen Rassismus?

Gegen Rassismus zu sein, bedeutet sich aktiv mit Rassismus auseinanderzusetzen. Das beinhaltet zum einen, Betroffenen zuzuhören und sie ernst zu nehmen. Zum andern bedeutet es aber auch, den Blick nach innen zu richten und sensibel für die eigenen rassistischen Stereotypen, Gedanken und Bilder zu werden.
Diese gilt es Stück für Stück zu erkennen, kritisch zu reflektieren und dadurch schließlich abzubauen. Nur so können wir nachhaltig zu einem diskriminierungsfrei(er)en Miteinander kommen.

Weitere Informationen zum Projekt Respekt Coaches

Positionen des Paritätischen zum Thema Rassismus

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Themen Bildung Kinder und Jugend Zivilgesellschaft und Demokratie Demokratie stärken Sun, 20 Mar 2022 23:02:00 +0100
Offener Brief an die Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen, FDP, Linken und CDU https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=18&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25638&cHash=ab426311a79f52c443a1c6ddc0c0a207

]]> In einem offenen Brief fordert der Paritätische Gesamtverband umfassende Nachbesserungen beim Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger angesichts der aktuell erheblichen Preissteigerungen. Der von Dr. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, unterzeichnete Brief in voller Länge:

Das Entlastungspaket für die Bürgerinnen und Bürger angesichts der aktuell erheblichen Preissteigerungen enthält eine ganze Reihe sehr begrüßenswerter Maßnahmen. Gleichwohl sind die Unterstützungsleistungen für Menschen mit niedrigem Einkommen oder in Armut nach unserer Einschätzung nicht ambitioniert genug, um angesichts der exorbitanten Teuerungsraten bei den Lebenshaltungskosten, verhindern zu können, dass eine große Zahl von Menschen in Deutschland in echte finanzielle Not gerät. Wirtschaftsexpert*innen gehen nicht von einer Entspannung in diesem Jahr aus. Es muss daher vielmehr von einer Vertiefung der sozialen Spaltung in Deutschland und einer Zunahme sozialer und wirtschaftlicher Not ausgegangen werden, sollte der Deutsche Bundestag keine Nachbesserungen an dem Paket vornehmen.

Die Soforthilfe für Kinder im SGB II-Bezug und im Asylbewerberleistungsgesetz in Höhe von 20 € monatlich ist unbedingt zu begrüßen, doch reicht sie angesichts der völlig unzureichenden Regelsätze nicht aus, um Kinderarmut spürbar abzumildern. Aus Sicht unseres Verbandes muss der Bundestag mindestens für eine Verdoppelung dieses Betrages sorgen, soll die Hilfe spürbar werden. Zugleich ist sicherzustellen, dass die im Koalitionsvertrag vorgesehene Neudefinition des Existenzminimums von Kindern nunmehr schnellstmöglich stattfindet.

Ähnliches gilt für die Einmalzahlung an Bezieher*innen von Leistungen nach dem SGB II. Die vorgesehenen 100 € sollen pandemiebedingten Mehraufwand kompensieren. Dieser Betrag ist dazu deutlich zu niedrig angesetzt. Auch ist die rasante Erhöhung der allgemeinen Lebenshaltungskosten bei der Zumessung dieses Betrages offenbar nicht berücksichtigt worden. Bedarfsgerechter als eine Einmalzahlung ist angesichts des starken Anstiegs der Lebenshaltungskosten eine schnellstmögliche unterjährige pauschale Erhöhung der Regelsätze, spätestens zum 1. Juli 2022. Ebenfalls müsste bis dahin ein neuer Mechanismus zur Fortschreibung der Regelsätze installiert werden, der in der Lage ist, Preissteigerungen zeitnäher abzubilden als das derzeitige Verfahren. Schließlich sind in SGB II und Altersgrundsicherung die Kosten für Strom nicht mehr als Bestandteil des Regelsatzes zu gewähren, sondern als Bestandteil der Kosten der Unterkunft in voller Höhe zu übernehmen.

Die Verdoppelung des Heizkostenzuschusses durch das Kabinett von 135 € auf 270 € begrüßen wir außerordentlich. Dass jedoch lediglich 2,1 Millionen Menschen Anspruch auf diesen Zuschuss haben werden, zeigt, dass die Anspruchsvoraussetzungen sowohl für das Wohngeld als auch für das BAföG zu restriktiv sind und zu wenig Menschen erreichen, die auf eine solche Leistung angewiesen wären. Baldmöglichst sind daher entsprechende Korrekturen, die Anspruchsvoraussetzungen beider Leistungen betreffend, vorzunehmen.

Darüber hinaus ist es aus unserer Sicht mit einem einmaligen Zuschuss nicht getan. Um die Hilfe nachhaltig zu gestalten, ist vielmehr angezeigt, über den pauschalen Heizkosten-Entlastungsbetrag hinaus eine Energiekostenkomponente in das Wohngeld zu integrieren bzw. die Warmmiete und nicht mehr die Kaltmiete zur Grundlage der Wohngeldberechnung zu machen.

Wir möchten Sie eindringlich bitten, unseren Vorschlägen zu folgen und im parlamentarischen Verfahren für entsprechende Verbesserungen im Entlastungspaket zu sorgen.

Erlauben Sie mir darüber hinaus eine allgemeine Anmerkung: Wir halten die zielgenaue Konzentration auf diejenigen Haushalte, die angesichts der enormen Preissteigerungen besonders auf Hilfe angewiesen sind, für den klar zielführenderen Weg. Sehr kostspielige allgemeine Preisdämpfungsmaßnahmen, seien es die Abschaffung der EEG-Umlage, ein Tankrabatt oder eine Absenkung der Mehrwertsteuer, sind verteilungspolitisch verfehlt. Wir halten die derzeit diskutierten allgemeinen Preissubventionen, wie etwa eine Abschaffung der EEG-Umlage, ein Tankrabatt oder eine Absenkung der Mehrwertsteuer, für ökologisch fragwürdig, haushaltspolitisch unvernünftig und sozial ungerecht. Stattdessen würden wir es sehr begrüßen, wenn das im Koalitionsvertrag der Ampel vereinbarte Klimageld nunmehr zügig auf den Weg gebracht würde. Mit einer pauschalen Pro-Kopf-Rückgabe der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Verbraucher*innen wäre ein Verfahren gewählt, dass nicht nur ökologisch die richtigen Anreize setzt, sondern darüber hinaus bekanntermaßen auch einen sozialen Ausgleich enthält.

Zu all den von uns vorgeschlagenen Maßnahmen stehen wir für Gespräche jederzeit zur Verfügung.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Presse, Redaktion, Kampagnen

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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Kinder und Jugend Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Fri, 18 Mar 2022 13:09:47 +0100
Paritätischer fordert allgemeine Impfpflicht und starken Infektionsschutz https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25619&cHash=c64f11461e41eec833c06b15a47cd4d3

]]> In der aktuellen Debatte zur Eindämmung der Corona-Pandemie spricht sich der Paritätische Gesamtverband für eine allgemeine Impfpflicht und gegen die geplante Aufhebung der Schutzmaßnahmen aus. Der Wohlfahrtsverband betont angesichts der weiterhin steigenden Infektionszahlen besonders den Schutz der vulnerablen Gruppen und warnt vor den dramatischen Folgen, wenn jetzt Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie auszubleiben drohen.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, betont, dass sich der Paritätische bereits im Dezember für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen hat und kritisiert das politische Zögern: "Ein Inzidenzrekord jagt den nächsten und selbst innerhalb der Regierungsfraktionen kann man sich zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie noch immer nicht zur Impfpflicht einigen. Dieses Vorgehen ist fahrlässig und niemandem vermittelbar.” Eine allgemeine Impfpflicht sei das Gebot der Stunde und auch eine Frage der Solidarität. Der Paritätische warnt daher auch vor einer unveränderten Verabschiedung des Infektionsschutzgesetzes, das morgen (Freitag) im Bundestag beschlossen werden soll und weitreichende Lockerungen vorsieht.

Er verstehe natürlich, dass die Auflagen viele Menschen belasten, aber eine Corona-Infektion sei noch viel belastender. "Jetzt die Corona-Maßnahmen weitestgehend fallen zu lassen, ist nicht nur gesundheitlich unverantwortlich, es ist auch unsolidarisch denen gegenüber, die aufgrund von Vorerkrankungen deutlich stärker gefährdet sind”, so Schneider. Die meisten Menschen hielten die Maßnahmen sowieso für angemessen und vertretbar. Man dürfe sich nicht mit einer lauten Minderheit gemein machen, die einen Freedom Day fordere.

In einer gemeinsamen Stellungnahme aller Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege zum geplanten Infektionsschutzgesetz warnt der Verband zudem, dass der Schutz vulnerabler Personen in und außerhalb von Einrichtungen nicht gewährleistet werden könne, wenn zeitgleich bundesweit und gesamtgesellschaftlich der Maßnahmenkatalog in erheblichem Maße gelockert und damit ein weiterer Anstieg des ohnehin hohen Infektionsgeschehens riskiert wird. Die Verbände fordern in ihrer Stellungnahme u. a. die Angleichung des bundeseinheitlichen an den neu vorgesehenen Maßnahmenkatalog der Länder und damit die Ausweitung der bundesweiten Handhabe um die Möglichkeit des Erlasses umfassender Masken- und Testverpflichtungen, Hygienekonzepte und genereller Abstandsgebote im öffentlichen Raum.

Philipp Meinert

Presse und Redaktion

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Presse Corona Thu, 17 Mar 2022 12:47:08 +0100
SymPat schafft Perspektiven https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25596&cHash=0f3a5599b189aa08d9dee21325c9e294

]]> ]]> Ankommen in einem fremden Land – dafür braucht es Menschen, die einen empfangen heißen und unterstützen. Und es braucht Perspektiven, wie das Leben in diesem Land weitergehen kann. Patenprojekte wie SymPat des Paritätischen in Aschaffenburg bieten beides: Begegnung und Bildung.

Deutsch, Mathematik oder Englisch: bei SymPat unterstützen Ehrenamtliche zahlreiche Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund dabei, schulischen Nachteile auszugleichen. Die Teilnahme an SymPat ist freiwillig. Entsprechend motiviert arbeiten die Patenschüler*innen daran, um einen Schul- oder Berufsabschluss zu erhalten. Und mit Erfolg: Jedes Jahr schaffen mehrere Schüler*innen einen Übertritt in eine höhere Schulform.

Die enge Betreuung zwischen Pat*innen und Patenschüler*innen geht dabei weit über die schulische Hilfe hinaus und währt häufig über Jahre. So auch bei Qusai Al-Rmed und Angela Chudoba, die seit Ende 2019 Tandempartner sind: inzwischen steht der Patenschüler – mit der Hilfe der ehemaligen Grundschullehrerin – kurz vor seinem Fachabitur.

Wir haben die beiden zu ihren Erfahrungen mit dem Patenprojekt befragt.

Qusai, kannst Du uns kurz etwas zu Deinem bisherigen Lebensweg erzählen?
Mein Name ist Qusai Al-Rmed, geboren 2001 in Al Qamschli in Syrien. Ich habe noch zwei jüngere Geschwister und eine ältere Schwester.

Mit 14 Jahren haben mich meine Eltern wegen des Krieges nach Deutschland geschickt. Meine Flucht ging über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Österreich nach Deutschland und dauerte ca. zwei Monate. Im Oktober 2015 kam ich in Aschaffenburg an.

Im gleichen Monat besuchte ich die Übergangsklasse der Pestalozzi-Mittelschule. 2018 beendete ich die Schule mit einem Qualidurchschnitt von 1,8. Danach besuchte ich den M-Zweig in der Brentano-Mittelschule. Nach der Mittleren Reife ging ich auf die FOS, zuerst in die Vorbereitungsklasse. Im Sommer diesen Jahres werde ich mein Fachabitur ablegen.

Weshalb seid Ihr bei SymPat dabei?

Qusai: Meine Betreuerin aus dem Flüchtlingsheim schlug mir vor drei Jahren vor, am SymPat-Projekt teilzunehmen, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Mein erster Pate dort war ein Student, der aber dann ins Ausland gegangen ist.
Meine zweite Patin heißt Angela Choduba. Wir treffen uns einmal in der Woche persönlich oder per Video. Besonders in der Arbeit mit deutscher Literatur, war mir die Hilfe sehr wichtig. So konnte ich die Texte besser verstehen und interpretieren.

Angela: Da er auf der FOS recht anspruchsvolle Themen in Deutsch behandelt, haben wir uns vorwiegend mit literarischen Texten und Präsentationen beschäftigt. Aber auch seine Praktikumsberichte haben wir immer gemeinsam verbessert.

Was verbindet Euch als Tandempartner*in?

Angela: Unsere regelmäßigen Treffen beinhalteten manchmal Fragen zu politischen, sozialen und persönlichen Themen. Was ich an Qusai sehr schätze ist seine Zuverlässigkeit. Er war immer pünktlich an unseren Treffpunkten und wir konnten die Coronazeit auch online gut überstehen.
Ich habe den Eindruck, dass wir ein gutes Team sind.

Qusai: Wir unterhalten uns aber auch über Gott und die Welt und wir lachen viel. Außerdem haben wir begonnen, eine Novelle zu schreiben, davon will ich aber noch nichts verraten.


SymPat des Paritätischen in Unterfranken ist immer auf der Suche nach neuen Pat*innen, die Schüler*innen mit Migrationshintergrund Perspektiven aufzeigen und unterstützen wollen. Hier gibt es mehr Informationen zu SymPat für Interessent*innen.

Das Projekt freut sich auch über Spenden: Jetzt für SymPat spenden!

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Themen Bildung Kinder und Jugend Migration und Flucht Bürgerschaftliches Engagement Wed, 16 Mar 2022 09:55:00 +0100
Energie-Preise: Paritätischer fordert Entlastungspaket mit Hilfen für die Ärmsten https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25604&cHash=c706cced27a09e3014629e7f51369af4

]]> In der Debatte um ein zweites Entlastungspaket, das insbesondere die Folgen steigender Energiepreise abfedern soll, warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband vor “Hilfen mit der Gießkanne” und fordert substanzielle und zielgenaue Hilfen für einkommensarme Haushalte, die überproportional von Teuerungen betroffen sind. Weder der angekündigte Kindersofortzuschlag von 20 Euro noch der geplante einmalige Heizkostenzuschuss im Wohngeld, die diese Woche beschlossen werden sollen, reichen in Höhe und Form nach Ansicht des Verbandes aus, um armen Menschen wirksam zu helfen.

“So richtig es ist, dass die Bundesregierung weitere Entlastungen in Aussicht stellt, so falsch sind die aktuell diskutierten Prioritätensetzungen und so unzureichend die angekündigten Hilfen für die Ärmsten”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. “Hilfen mit der Gießkanne für alle Autofahrer, unabhängig von deren Einkommen, sind in der aktuellen Lage sozialpolitisch und ökologisch das völlig falsche Signal. Sachgerechter wären höhere Energiezuschüsse für einkommensarme Haushalte. Wer wenig hat und auf sein Auto für Familie oder Beruf angewiesen ist, sollte staatliche Hilfe bekommen. Wer genug verdient, braucht für den Wochenendausflug keinen Tankrabatt.”

Der Verband begrüßt den geplanten Heizkostenzuschuss für unter anderem Wohngeldbeziehende, der diese Woche im Bundestag beschlossen werden soll, mahnt jedoch eine nachhaltige Lösung in Form einer dauerhaften Energiekostenkomponente im Wohngeld an. Einmalig 135 Euro seien mit Blick auf die zu erwartenden Energiepreissteigerungen in Folge des Ukraine-Krieges zu gering bemessen. Daneben brauche es zwingend einen Inflationsausgleich auch für Beziehende von Hartz IV und Altersgrundsicherung. Der geplante Einmalzuschuss in der Grundsicherung sowie der angekündigte Kindersofortzuschlag von 20 Euro ab dem 1. Juli seien bei weitem nicht bedarfsgerecht. “Jedes fünfte Kind ist armutsgefährdet. Wer heute in einen Supermarkt geht, wird schnell merken, wie schnell er mit 20 Euro an seine Grenzen stößt. 20 Euro erreichen das notwendige Existenzminimum bei weitem noch nicht.”

Ulrich Schneider weist darauf hin, dass der Verband schon lange auf die Notwendigkeit der der klimapolitischen Wende hinweist, diese aber nur funktionieren kann, wenn sie sozial abgefedert wird und nicht auf Kosten der Ärmsten geht. “Die klimapolitischen Notwendigkeiten werden mit erheblichen Belastungen für die Volkswirtschaft und damit der Bevölkerung einhergehen, hier braucht es einen sozial gerechten Ausgleich. Es geht nur ökosozial”, so der Hauptgeschäftsführer. Der Paritätische hat gemeinsam mit dem BUND u.a. konkrete Vorschläge zur Umsetzung eines Ökobonus vorgelegt. “Wir erwarten von der Bundesregierung substantielle Hilfen für die, die sie brauchen.”


Philipp Meinert

Presse und Redaktion

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Tue, 15 Mar 2022 17:04:47 +0100
Weltfrauentag https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7877

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Themen Frauen und Mädchen Tue, 08 Mar 2022 17:24:59 +0100
Weltfrauentag: Wir brauchen einen Booster für die Gleichstellung! https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=03&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25496&cHash=156b3a45bbbe9dabda4fcfa6df65fdd2

]]> „Damit Frauen durch die Pandemie nicht dauerhaft abgehängt werden, brauchen wir einen Booster für mehr Gleichstellung“, fordert Margit Berndl, Vorständin des Paritätischen in Bayern anlässlich des morgigen Weltfrauentages. „Denn Corona hat gezeigt, dass wir mit der Gleichstellung in Deutschland noch längst nicht so weit sind, wie wir vielleicht dachten.“

Haushalt, Kinder, Pflege von Angehörigen und Berufstätigkeit: Der Spagat zwischen unbezahlter Sorgearbeit und bezahlter Erwerbsarbeit war auch schon vor Corona eine Herausforderung. Vor der Pandemie teilten sich ein Drittel der Paare die Kinderbetreuung gleichberechtigt auf. Der Anteil ist bis Juni 2021 noch weiter gesunken auf 21 Prozent. Im Januar mit Beginn der Omikron-Welle reduzierte jede fünfte Mutter ihre Arbeitszeit, um Kinder zu betreuen. Das ist der höchste Wert in der Pandemie seit dem ersten Lockdown.

Lohnlücke schließt sich nur langsam

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen liegt bei 18 Prozent. Das ist nur ein geringfügiger Unterschied gegenüber 2019, als sie bei 19 Prozent lag, und einer der höchsten Werte innerhalb Europas. Die Rentenlücke liegt bei fast 50 Prozent. Die Gründe dafür sind vielfältig: Nach wie vor arbeiten viele Frauen in Teilzeitjobs. Sie arbeiten zwar häufig in „systemrelevanten“, aber in der Regel schlechter bezahlten Berufen. 60 Prozent der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind Frauen. Frauen leisten den größeren Anteil an unbezahlter Sorgearbeit auf Kosten der eigenen Erwerbstätigkeit. Geringere Einkünfte im Berufsleben führen zu niedrigen Renten. Und noch immer sind Frauen in der Politik, in Vorständen, in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert.

Der Paritätische fordert: Aufwertung von Sorgeberufen

„Die Pandemie hat gezeigt, welche Bedeutung die private und berufliche Sorgearbeit für die Gesellschaft und für das Funktionieren der Wirtschaft hat. Diese Arbeit muss gesellschaftlich endlich die Wertschätzung erfahren, die sie verdient!“, fordert Margit Berndl. Wir brauchen eine angemessene Bezahlung in den frauendominierten Sozial- und Gesundheitsberufen. Außerdem regt der Paritätische in Bayern eine gesellschaftliche Diskussion über die Verteilung von Arbeitszeit an mit dem Ziel, bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte Sorgearbeit gerechter zu verteilen.

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Presse Fachbereich Frauen / Geschlechterpolitik / LGBTIQ Frauen und Mädchen Soziale Teilhabe und Armut Mon, 07 Mar 2022 16:09:34 +0100
Welttag des Hörens https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7874

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Themen Ältere Menschen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Thu, 03 Mar 2022 17:35:34 +0100
Nein zum Krieg https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25431&cHash=81c7104859aabfa34c0d8a508a369186

]]> Wir sind erschüttert angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine. Wir verurteilen diesen militärischen Akt aufs Schärfste. Unsere volle Solidarität gilt der leidtragenden Bevölkerung. Nichts kann diesen kriegerischen Akt rechtfertigen. Nichts kann einen Krieg rechtfertigen. Der Paritätische und seinen Mitgliedsorganisationen werden alles tun, um daran mitzuwirken, die Gewalt in der Ukraine zu beenden und eine humanitäre Katastrophe in der Ukraine abzuwenden.

Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands, und Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands

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Presse Aus dem Landesverband Ukraine Thu, 24 Feb 2022 16:02:23 +0100
Corona-Gipfel von Bund und Ländern: Paritätischer schlägt Alarm und warnt vor regionalem Versorgungsnotstand https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25375&cHash=1e41364ea523f77c9922096f07ce0e98

]]> Im Vorfeld der heute stattfindenden Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband, dass mit der Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht zum 15. März regional mit gravierenden Versorgungsproblemen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung zu rechnen sei. Durch Omikron habe sich die ohnehin vielerorts prekäre Personalsituation in Einrichtungen und Diensten im Gesundheits- und Pflegebereich dramatisch verschärft. Der Verband appelliert an Bund und Länder, die Priorität jetzt auf die Entlastung der betroffenen Einrichtungen zu setzen und die Einführung einer allgemeinen und der einrichtungsbezogenen Impfpflicht zu synchronisieren. 

“Das Personal in den Einrichtungen und Diensten arbeitet seit Jahren am Limit. Omikron hat die Lage dramatisch verschärft und die krankheitsbedingten Personalausfälle können schon jetzt nicht mehr überall und jederzeit kompensiert werden”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Aus der Praxis werde von Quarantäne- und krankheitsbedingten Personalausfällen von teilweise bereits bis zu 40 Prozent berichtet; das Wegbrechen von Angeboten drohe und an manchen Orten bereite man sich bereits darauf vor, einzelne Bereiche zu schließen bzw. auf Unterstützung, Pflege oder Betreuung angewiesene Menschen in stationäre Einrichtungen zu verlegen, da eine ambulante Betreuung nicht mehr sichergestellt werden kann. 

“Wenn sich die Lage weiter verschärft, hat das dramatische Auswirkungen; es geht hier ja nicht um Fließbandproduktion, sondern um Unterstützung, Betreuung und Pflege für Menschen, die auf diese Hilfe angewiesen sind. Wenn der ambulante Pflegedienst schlicht keine Fachkraft mehr hat, die er schicken kann, um morgens, mittags und abends eine Tablette zu verabreichen, bleibt dem Pflegebedürftigen oder seinen Angehörigen im Zweifel nur noch die Wahl, dreimal am Tag den Notarzt zu rufen”, so Schneider. Es drohe ein echter Pflegenotstand, letztlich einmal mehr die Verlagerung politisch gemachter Probleme in die familiäre Privatheit und eine extreme zusätzliche Belastung der Angehörigen.

Die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht, die ab Mitte März nicht nur in der Pflege, sondern beispielsweise auch für Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen greifen soll, komme damit zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt und drohe in einem Fiasko zu enden, warnt der Paritätische. Zusätzlich zu weiteren Personalausfällen aufgrund möglicher Betretungsverbote für nicht geimpftes Personal, sei es eine Zumutung für Einrichtungen und Dienste, dass nach wie vor unzählige praktische Fragen zur Umsetzung ungeklärt sind.

“Dieses Gesetz strotzt vor handwerklichen Mängeln und operativen Absurditäten”, kritisiert Schneider. “Viele Probleme, die dieses Gesetz aufwirft, wären mit einer allgemeinen Impfpflicht schlagartig gelöst. Wenn Bund und Länder heute einerseits über Lockerungsperspektiven beraten, aber andererseits nicht über eine Synchronisierung der allgemeinen und der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sprechen, ist das vielleicht politisch, aber auf keinen Fall in der Sache nachvollziehbar.”

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Ältere Menschen Corona Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Wed, 16 Feb 2022 09:02:24 +0100
Offener Brief an Bundesregierung: Substanzielle Soforthilfen für die Ärmsten https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25368&cHash=1029a89977a22f9d23ff2a0d07d54e50

]]> Angesichts dauerhaft hoher Preissteigerungsraten und pandemiebedingter Mehrausgaben appellieren Vertreter*innen von 17 bundesweiten Organisationen, darunter der Deutsche Gewerkschaftsbund, Wohlfahrts- und Sozialverbände wie der Paritätischen Gesamtverband und die Diakonie Deutschland und Kinderrechts- und Jugendorganisationen wie der Deutsche Kinderschutzbund und der Deutsche Bundesjugendring, in einem offenen Brief an die Ampel-Koalition, zügig gezielte und substanzielle Hilfen für die Ärmsten zu beschließen.

In dem Brief, den auch die Jusos und Grüne Jugend unterzeichnet haben, erinnern die Verfasser*innen die Bundesregierung an ihr Versprechen eines Sofortzuschlags für von Armut betroffene Kinder im Koalitionsvertrag und weisen auf die ohnehin unzureichenden Regelsätze für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Systemen der Grundsicherung wie Hartz IV hin

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Inflation und finanziellen Belastungen durch die Pandemie verschärfe sich „die Not von Menschen, die auf existenzsichernde Leistungen wie Hartz IV angewiesen sind”, heißt es in dem Brief. Daher sei es „allerhöchste Zeit, armutspolitisch gegenzusteuern”. „Mit großer Sorge” nehme man wahr, „dass der im Koalitionsvertrag angekündigte Sofortzuschlag für von Armut betroffene Kinder auf sich warten lässt und bisher keine Schritte unternommen wurden, um alle Beziehenden von Grundsicherungsleistungen zu unterstützen”. Es könne „nicht sein, dass ausgerechnet die Ärmsten wieder einmal auf der Strecke bleiben”.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, erläutert zur Initiative für den Brief: „Wer Kinderarmut den Kampf ansagt und Soforthilfe verspricht, muss auch genau das liefern: Leistungen, die umgehend und wirklich substanziell helfen. Wir werden diese Bundesregierung auch und besonders daran messen, dass sie endlich armutspolitisch in die Offensive geht. Dazu gehört es zwingend, Geld in die Hand zu nehmen, um die Ärmsten in dieser Gesellschaft wirksam zu entlasten.”    

Zum Hintergrund: Im Koalitionsvertrag der Ampel heißt es, dass bis zur tatsächlichen Einführung der Kindergrundsicherung von Armut betroffene Kinder, die Anspruch auf Leistungen gemäß SGB II, SGB XII oder Kinderzuschlag haben, mit einem Sofortzuschlag abgesichert werden sollen. Wirtschafts- und Energieminister Robert Habeck hatte zudem Anfang des Jahres Unterstützungszahlungen beim Wohngeld und Hartz IV angekündigt. Mit dem Kabinettsbeschluss eines Heizkostenzuschusses vom 2. Februar wurde diese Ankündigung für Beziehende von Wohngeld umgesetzt. Weitere armutspolitische Maßnahmen wurden durch die Bundesregierung bisher nicht beschlossen.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Presse Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Tue, 15 Feb 2022 09:54:35 +0100
Einrichtungsbezogene Impfpflicht https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=03&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25315&cHash=5d9e1a5b25f52d2bac6586b1bc81cb08

]]> Foto: Adobe Stock benjaminnolte]]> Ihr gesamtes Statement können Sie hier nachlesen:

Als ich vor einem Jahr den Vorsitz der Freien Wohlfahrtspflege Bayern übernahm, steckte Deutschland noch mitten in der zweiten Welle. Die täglich gemeldeten Zahlen der Corona-Toten lagen im hohen dreistelligen Bereich. Die Impfkampagne hatte gerade erst begonnen. Damit verbunden war die Hoffnung, dass das Corona-Sterben bald ein Ende hätte, und die Impfung der Anfang vom Ende der Pandemie sei.

Vor einem Jahr wurde darüber diskutiert, wer den knappen Impfstoff als erstes erhält. Über Strafen für Impfdrängler wurde gesprochen. Nach den Impfdränglern kamen irgendwann die Impfverweigerer. Bald war klar, dass bei der niedrigen Impfquote die Pandemie in Deutschland nicht so bald zu Ende sein würde.

Jetzt steckt Deutschland mitten in der fünften Welle mit täglich neuen Höchstwerten bei den Infektionszahlen. Wieder wird über Priorisierung gesprochen – diesmal bei den PCR-Tests. Und es wird über eine allgemeine Impfpflicht diskutiert. Zugegeben: das ist keine leichte Entscheidung, deren Für und Wider gut abgewogen sein muss. Die Bundestagsabgeordneten nehmen sich für diese Entscheidung die Zeit, die sie brauchen. Um die aktuelle Omikronwelle zu brechen, dafür bringt die Impfpflicht ohnehin nichts mehr.

Dass der Teufel im Detail steckt und in der konkreten Umsetzung viele Probleme entstehen, zeigt die einrichtungsbezogene Impfpflicht, die Mitte März in Kraft tritt.

Diese sorgt für große Verunsicherung und Unruhe bei den betroffenen Einrichtungen und Diensten, die ohnehin während der Pandemie extrem belastet sind. Die Mitarbeiter*innen in den Einrichtungen fühlen sich stigmatisiert.

Die Gefahr von Versorgungsengpässen in der Pflege und Eingliederungshilfe ist groß. Deshalb muss die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ausgesetzt werden.

Seit fast zwei Jahren arbeiten die Pflegekräfte am Limit, um die Pflege sicherzustellen. Sie pflegen mit vollem Körperkontakt, zum Teil in Schutzausrüstung und setzten sich dabei immer wieder dem Risiko aus, sich selbst zu infizieren. Sie können kein Homeoffice machen.

Durch die hohen Infektionszahlen wächst die Zahl der Mitarbeiter*innen, die nicht arbeiten können – weil sie selbst krank oder in Quarantäne sind, oder weil sie ihre Kinder betreuen müssen, die in Quarantäne sind.

Omikron und die bereichsbezogene Impfpflicht verschärfen die ohnehin vorhandene Personalnot in den betroffenen Einrichtungen und Diensten. Wir brauchen jede einzelne Mitarbeiterin. Die Gefahr wächst, dass beispielsweise die Versorgung von Menschen mit Behinderung, mit psychischer Erkrankung oder die Pflege älterer Menschen eingeschränkt werden muss. Das hat Folgen für die betroffenen Menschen und deren Angehörige.

Die Auswirkungen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht lassen sich schwer beziffern. Die Impfquoten unterscheiden sich von Einrichtung zu Einrichtung deutlich. Im Durchschnitt liegt die Impfquote bei den Pflegekräften bei circa 85 bis 95 Prozent. Von der Impfpflicht betroffen sind aber nicht nur Pflegekräfte, sondern auch Hauswirtschaft, Fahrdienste oder Haustechnik – also Bereiche, deren Beschäftigte problemlos in andere Branchen abwandern können. Die Beschäftigten müssen bis 15. März ein Impf- oder Genesenenzertifikat vorlegen. Der ein oder andere Beschäftigte wird sich noch impfen lassen, andere nicht.

Konkrete Zahlen gibt es von der Arbeitsagentur. Zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar meldeten sich 2.891 Pflegerinnen und Pfleger in Bayern arbeitssuchend. Im Monat zuvor waren es nur 862. – Ein Hinweis auf die Auswirkungen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht.

Was es konkret bedeutet, wenn die Versorgung nicht mehr sichergestellt werden kann, sieht oder liest man ab und an in Berichten, wenn Bundeswehrsoldaten in Pflegeheimen aushelfen. Viele Folgen sieht man hingegen nicht direkt:

  • Zum Beispiel, wenn ein ambulanter Pflegedienst keine weiteren Patienten mehr aufnehmen kann und Angehörige selbst die Pflege übernehmen müssen – zu Lasten der eigenen Berufstätigkeit oder der eigenen Gesundheit,
  • oder wenn Eltern ein schwerbehindertes Kind in die Schule begleiten müssen, weil der Pflegedienst die Dienste nicht mehr sicherstellen kann,
  • wenn in einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen Maßnahmen beim Umgang mit Ängsten wegfallen müssen, die es jetzt noch dringlicher bräuchte.

Wenn die einrichtungsbezogene Impfpflicht am 16.3. umgesetzt wird, steuern wir auf eine sehr schwierige, wenn nicht katastrophale Situation zu. Wir befürchten, dass die Versorgung in Einzelfällen gefährdet wird. Es sind zu viele Fragen ungeklärt. Z.B., sind die Gesundheitsämter überhaupt personell in der Lage, die vielen Einzelfallentscheidungen zeitnah zu treffen? Entsteht ein Flickenteppich in der Entscheidungslandschaft?

Wir brauchen dringend eine pragmatische Lösung. Die Umsetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht zum 16.3. muss ausgesetzt werden, um die vielen offenen Fragen verbindlich klären zu können. Die Einrichtungen brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit. Die Zeit müssen wir für Aufklärung und Werbung fürs Impfen nutzen. Und es braucht bald eine Entscheidung über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht.

Wir brauchen pragmatische Lösungen und politischen Rückhalt, wenn möglicherweise in Einrichtungen Stellenschlüssel unterschritten oder die Fachkraftquote nicht eingehalten werden kann. Die Alternative kann nicht sein, dass wir Einrichtungen oder Dienste oder Abteilungen schließen müssen. Wer soll diese Menschen dann versorgen? Die Familien?

Viele Pflegekräfte und Mitarbeiter*innen vermissen den politischen Rückhalt. Nach anfänglichem Applaus wurden die Mitarbeiter*innen vor einem Jahr, als so viele Menschen in den Pflegeeinrichtungen an Corona starben, an den Pranger gestellt. Ihnen wurde vorgeworfen, sie hätten nicht alles für den Schutz der Bewohner*innen getan. Die Pflegekräfte tun seit nunmehr fast zwei Jahren alles Menschenmögliche, um die Bewohner*innen in den Pflegeheimen vor Infektionen zu schützen. Durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht entsteht das Gefühl, wieder am Pranger zu stehen. Obwohl die Pflege den wichtigsten Beitrag zur Pandemie leistet, bekommt sie die höchsten Bürden aufgelastet. Dabei liegt es in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft besonders gefährdete Menschen zu schützen.

Nach zwei Jahren Pandemie ist es mehr als überfällig, dass die Aufwertung von Sorgeberufen ganz oben auf die politische Agenda kommt. Und zwar nicht nur der Pflegeberufe, sondern aller Sorgeberufe! Also auch Erzieher*innenberufe, Sozialpädagog*innen oder Lehrkräfte. Statt netter Worte und einmaliger Boni sind strukturell bessere Vergütungen und bessere Arbeitsbedingungen notwendig, um mehr Menschen für Sorgeberufe zu gewinnen und das vorhandene Personal zu halten. Das kostet Geld und muss refinanziert werden.

Denn die Pandemie hat deutlich gezeigt: Ohne Sorgearbeit kann unsere Wirtschaft, kann unsere Gesellschaft nicht existieren. Ohne die Menschen, die Kinder betreuen und unterrichten. Ohne diejenigen, die alte und kranke Menschen pflegen und versorgen.

Als ich vor einem Jahr den Vorsitz der Freien Wohlfahrtspflege übernahm, habe ich auf die sozialen Folgen der Pandemie hingewiesen – auf die Folgen für die Gesellschaft einerseits und auf die einzelnen Menschen andererseits. Besonders dramatisch sind die Folgen für Kinder und Jugendliche. Je länger die Pandemie dauert, umso größer werden sie.

Zum Glück sind diese mittlerweile auf der politischen Agenda und es wurden Sonderprogramme aufgelegt. Aber: Alle Kinder und Jugendlichen, alle Menschen mit Unterstützungsbedarf in unterschiedlichen Lebenssituationen brauchen dauerhaft qualitativ gute Angebote – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern oder der Finanzkraft der Kommunen.

Soziale Einrichtungen haben in der Pandemie eine enorme Flexibilität und Innovationskraft bewiesen. Auch dank politischer Unterstützung ist es gelungen, die sozialen Angebote aufrechtzuerhalten. Sie haben ihre Angebote in kürzester Zeit so umgestellt, dass sie weiterhin für die Menschen da sein konnten, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind. Sie haben auch in den schwierigsten Zeiten der Pandemie vor Ort Gemeinschaft organisiert, haben Pflege und Kinderbetreuung sichergestellt – und tun dies jeden Tag aufs Neue.

In vielen Bereichen ist der Bedarf durch Corona gestiegen, z.B. bei Frauenberatungsstellen, Erziehungsberatungsstellen oder der Bedarf an psychosozialen und therapeutischen Angeboten.

Mit Blick in eine wirtschaftlich schwierigere Zukunft und der anstehenden Sparhaushalte gilt es, eine nachhaltige Finanzierung der sozialen Einrichtungen und Dienste sicherzustellen. Die soziale Infrastruktur muss erhalten und da, wo der Bedarf gestiegen ist, ausgebaut werden. Denn die sozialen Einrichtungen, die vor Ort Gemeinschaft organisieren und leben, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen Halt geben, sind angesichts der gesellschaftlichen Fliehkräfte wichtiger denn je!

Zum Schluss möchte ich die Gelegenheit nutzen, den Mitarbeiter*innen in allen Bereichen der Sozialen Arbeit für ihre engagierte Arbeit in den vergangenen zwei Jahren zu danken! Ohne sie kann unsere Gesellschaft nicht existieren. Wir brauchen sie.

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Themen Ältere Menschen Gesundheit Corona Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Thu, 03 Feb 2022 15:42:34 +0100
Personal dringend gesucht – soziale Einrichtungen vor dem Kollaps https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=03&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25306&cHash=a2e645a31e97311ac785f45732d05663

]]> „Von der Altenpflege über die Eingliederungshilfe und die niedrigschwelligen Beratungsangebote bis zur Kinder- und Jugendhilfe – dass soziale Einrichtungen vor dem Kollaps stehen, weil sich der Fachkräftemangel immer mehr zuspitzt, ist keine Übertreibung, sondern eine Tatsachenbeschreibung“, haben Nicole Schley und Stefan Wolfshörndl, die Landesvorsitzenden der bayerischen AWO, heute in einer digitalen Pressekonferenz erklärt. Anlass war die turnusgemäße Übernahme des Vorsitzes innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege Bayern für das Jahr 2022 von Margit Berndl, Vorstand Verbands- und Sozialpolitik beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in Bayern und neue stellvertretende Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern.

„In der Altenpflege ist die Situation so dramatisch, dass in manchen Häusern Betten leer stehen. Nicht weil keine Nachfrage da wäre. Im Gegenteil. Wir finden aber nicht mehr genug Personal, das sich um die Pflegebedürftigen kümmern könnte. Das ist nicht das Ergebnis von Corona, sondern die Lage hat sich in den letzten zehn Jahren enorm zugespitzt. Früher haben wir um Bewohner*innen geworben, jetzt um Mitarbeiter*innen“, berichtet der neue Co-Vorsitzende der Freien Wohlfahrtspflege Bayern, Stefan Wolfshörndl.

Co-Vorsitzende Nicole Schley erklärt: „Corona verschärft die Situation in den Kitas nochmal dramatisch. Aus unseren Einrichtungen wird uns berichtet, dass die Mitarbeiter*innen am Rande ihrer Kräfte sind. Es besteht die Gefahr, dass über kurz oder lang Kita-Personal abwandert, wenn die Lage weiterhin so fordernd und angespannt bleibt. Dabei fehlen ohnehin bis 2030 mindestens 37.000 Fachkräfte in den bayerischen Kitas.“

Omikron und die nicht zu Ende gedachte einrichtungsbezogene Impfpflicht verschärfe die ohnehin vorhandene Personalnot, ergänzt Margit Berndl. „Das verunsichert und belastet diejenigen, die ohnehin die größte Last der Pandemie tragen. Um die Versorgung von Menschen mit Behinderung und die Pflege älterer Menschen sicherstellen zu können, brauchen wir pragmatische Lösungen und politischen Rückhalt!“, fordert Berndl.

Nach zwei Jahren Pandemie sei es mehr als überfällig, dass die Aufwertung von Sorgeberufen ganz oben auf die politische Agenda kommt. Und zwar nicht nur der Pflegeberufe, sondern aller Sorgeberufe - also auch Erzieher*innenberufe, Sozialpädagog*innen oder Lehrkräfte. „Denn die Pandemie hat deutlich gezeigt: Ohne Sorgearbeit kann unsere Wirtschaft, kann unsere Gesellschaft nicht existieren. Ohne die Menschen, die Kinder betreuen und unterrichten. Ohne diejenigen, die alte und kranke Menschen pflegen und versorgen,“ so Margit Berndl abschließend.

In der Freien Wohlfahrtspflege Bayern sind das Bayerische Rotes Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, der Landes-Caritasverband Bayern, die Diakonie Bayern, der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern und der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern organisiert. Gemeinsam erbringen die Verbände rund 75 Prozent aller sozialen Dienstleistungen in Bayern. Rund sechs Prozent aller Beschäftigten im Freistaat, davon allein rund 95.000 in Pflegeheimen und weitere rd. 86.000 in Kindertagesstätten, arbeiten in der Sozialwirtschaft. Als Verband unterstützt die Freie Wohlfahrtspflege Bayern ihre Mitglieder durch Koordination und Absprachen bei der Realisierung von Zielen, mit denen sie ihren Beitrag dazu leisten, Bayern sozial zu gestalten.

Kontakt:

Maria Heiland, Freie Wohlfahrtspflege Bayern
Maria.heiland@freie-wohlfahrtspflege-bayern.de
, 089-54497-132

Alexandra Kournioti, AWO Landesverband Bayern
Alexandra.kournioti@awo-bayern.de
, 089-546754-120

Susann Engert, Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern
Susann.engert@paritaet-bayern.de
, 089-30611-137

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Presse Fachbereich Ältere Menschen Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Fachbereich Menschen mit Behinderung Fachbereich Psychiatrie Sucht- und Gefährdetenhilfe Ältere Menschen Bildung Corona Kinder und Jugend Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Thu, 03 Feb 2022 10:23:10 +0100
Aufhebung § 219a https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7868

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Themen Frauen und Mädchen Wed, 02 Feb 2022 11:54:56 +0100
Paritätischer und BUND: Abschaffung der EEG-Umlage unverantwortlich https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=02&tx_ttnews%5Bday%5D=01&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25291&cHash=c50b771b1152dc5dd19693160267a7bf

]]> Als haushaltspolitisch unvernünftig, umweltpolitisch kontraproduktiv und sozial unausgewogen bezeichnen der Paritätische Gesamtverband und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die von der Bundesregierung geplante Abschaffung der EEG-Umlage. Um Menschen angesichts der hohen Energiepreise zu unterstützen, fordern beide Verbände stattdessen zielgerichtete Sofortmaßnahmen um Menschen mit niedrigen Einkommen zu unterstützen. Die angekündigte Einführung einer pro-Kopf-Rückzahlung für hohe Energiekosten (Klimageld bzw. Klimaprämie) müsse zudem beschleunigt werden.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes: “Die Bundesregierung denkt richtigerweise an eine Entlastung für die dramatisch gestiegenen Energiepreise. Doch eine Abschaffung der EEG-Umlage kommt nicht zielgerichtet bei denen an, die es am dringendsten benötigen. Stattdessen reißt sie ein großes Loch in den Bundeshaushalt. Angesichts der vielen wichtigen Vorhaben der Bundesregierung, die unter dem Vorbehalt der Finanzierung stehen, ist die Abschaffung haushaltspolitisch unverantwortlich. Dies gilt genauso für die Senkung von Steuern in anderen Bereichen, die Bundesfinanzminister Christian Lindner ins Spiel bringt.”

Um die Energiewende angesichts steigender Preise sozial zu gestalten, fordern beide Verbände von der Bundesregierung, dass sie die Planungen zur Einführung einer Klimaprämie beschleunigt.

Hierzu sagt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): “Der hohe Energiepreis ist einer Krise der fossilen Energie geschuldet. Mit der angekündigten Abschaffung der EEG-Umlage konterkariert die Bundesregierung ihre eigenen umweltpolitischen Pläne. Die Abschaffung ist ein Risiko für den Haushalt und zudem eine drohende Bremse für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Stattdessen brauchen wir in der aktuellen Situation hoher Energiepreise eine zielgerichtete Sozialpolitik und eine Rückerstattung der Bepreisung von CO2 als Klimaprämie. Die Einführung wurde im Koalitionsvertrag bereits beschlossen. Es wird höchste Zeit, dieses Vorhaben umzusetzen.”

Hohe Energiepreise können zu einer klimapolitisch sinnvollen Steuerung führen und so der Klimakrise entgegenwirken. Durch eine solche Erhöhung dürfe Umweltpolitik jedoch nicht zum Elitenprojekt werden. So müsse das Wohngeld auf mehr Berechtigte ausgeweitet werden. In der Grundsicherung sei angesichts der Preissteigerungen eine Soforthilfe von monatlich 100 Euro dringend nötig. Um die Grundsicherung dauerhaft armutsfest zu machen, müsste sie um mehr als 50 Prozent angehoben werden: Nach jüngsten Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle müsste der Regelsatz für alleinlebende Erwachsene bei 678 Euro liegen. Zusätzlich sollten die Stromkosten, wie bei den Heizkosten bereits üblich, in voller Höhe übernommen werden, so die Forderung. Außerdem fordern beide Verbände ein Verbot von Strom- und Gassperren. Die Energieversorger müssen stattdessen verpflichtet werden, denjenigen, die durch finanzielle Not in diese Situation geraten sind, eine Energiesparberatung, ähnlich dem Stromsparcheck, anzubieten.

Eine pro-Kopf-Rückverteilung der vollständigen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung sei ein ökologisch wirksames und sozialpolitisch dringend nötiges Instrument, so beide Verbände abschließend. Nur so lasse sich ökologische Wirksamkeit mit sozialem Ausgleich verbinden. Es geht nur ökosozial. Die Bundesregierung müsse zudem den naturverträglichen und dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben.

Kontakt
Philipp Meinert
Referent Presse und Redaktion

redaktion@paritaet.org
Tel. 030 24 636-339

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Tue, 01 Feb 2022 14:47:21 +0100
Hartz IV Regelsatz um mehr als 50 Prozent zu niedrig: Paritätischer fordert Anhebung der Grundsicherung https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Bday%5D=20&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25217&cHash=5f18101836fe9ac47d43d45e75ff25dc

]]> Ein armutsfester Regelsatz müsste nach Berechnungen der Paritätischen Forschungsstelle aktuell 678 Euro für einen alleinstehenden Erwachsenen betragen und damit um mehr als 50 Prozent höher liegen als die derzeit gewährten Leistungen in der Grundsicherung. Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert, dass der Regelsatz durch statistische Tricks willkürlich klein gerechnet wurde. Die jüngste Anpassung zum 1.1.2022 um lediglich drei Euro auf aktuell 449 Euro gleiche zudem nicht einmal die Preisentwicklung aus, führe damit sogar zu realen Kaufkraftverlusten und sei im Ergebnis verfassungswidrig. Der Paritätische appelliert an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, für eine bedarfsgerechte Anpassung der Regelsätze zu sorgen. Kurzfristig fordert der Verband eine Soforthilfe für Menschen in der Grundsicherung von monatlich 100 Euro pro Person, um wenigstens die pandemiebedingten Mehrkosten und die Inflation auszugleichen.

“Der geltende Regelsatz ist trickreich kleingerechnet, reicht vorne und hinten nicht und geht schon lange an der Lebensrealität der Menschen komplett vorbei. Die Anhebung um lediglich drei Euro zum Jahreswechsel ist ein schlechter Witz, faktisch hat sich die Lage für arme Familien durch die realen Kaufkraftverluste sogar verschlechtert”, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Der Paritätische kritisiert die regierungsamtliche Berechnungsmethode und den bestehenden Fortschreibungsmechanismus zur jährlichen Anpassung als willkürlich und nicht geeignet, das verfassungsrechtlich gebotene soziokulturelle Existenzminimum abzusichern. “Das ganze Bemessungssystem des Regelsatzes gehört umgehend auf den Prüfstand, die statistischen Tricksereien müssen beendet und die Leistungen neu und wirklich armutsfest berechnet werden. Preisentwicklungen wie derzeit müssen zeitnah Berücksichtigung finden“, fordert Schneider.

Die Paritätische Forschungsstelle rechnet in ihrer aktuellen Expertise die seit Jahren bereits umstrittenen und auch von anderen Sozialverbänden sowie den Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen kritisierten statistischen Manipulationen im Regelsatz heraus und nimmt darüber hinaus eine Anpassung an die aktuelle Preisentwicklung vor. Im Ergebnis müsste der Regelsatz für einen alleinstehenden Erwachsenen aktuell 678 Euro statt 449 Euro betragen.

“Die bedarfsgerechte und armutsvermeidende Ausgestaltung der Regelsätze ist die Grundlage einer jeden Reform von Hartz IV und auch der von der Koalition angekündigten Kindergrundsicherung. Wir werden diese Bundesregierung auch daran messen, dass sie die Ärmsten nicht eine weitere Legislaturperiode lang in ihrer Not alleine lässt, sondern armutspolitisch in die Offensive geht”, so Schneider. Damit die Menschen angesichts der andauernden Pandemie und der explodierenden Preise kurzfristig Hilfe erfahren, fordert der Verband eine Soforthilfe für Menschen in der Grundsicherung von monatlich 100 Euro.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Der Paritätische Gesamtverband
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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 20 Jan 2022 15:39:15 +0100
Sofortzuschlag für Kinder https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Bday%5D=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25204&cHash=0ab3a4b2ad6d8013484f868c8c380c44

]]> Der Paritätische Gesamtverband unterstützt den Vorstoß von Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Die Grünen), schnellstmöglich einen Zuschlag auf den Regelsatz für Kinder aus Familien zu gewähren, die aktuell Hartz IV, Sozialhilfe oder einen Kinderzuschlag bekommen, um die Zeit bis zur Einführung einer echten Kindergrundsicherung zu überbrücken. Als “armutspolitischen Affront” kritisiert der Wohlfahrtsverband dagegen die Haltung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), der die monatliche Soforthilfe für die betroffenen Familien auf 10 Euro deckeln will. Der Paritätische appelliert an die Ampel-Koalition, zügig eine Entscheidung zu treffen, die eine spürbare Entlastung für die Familien bringt.

“Die Ankündigung der Ampel im Koalitionsvertrag, eine Kindergrundsicherung auf den Weg zu bringen, ist ein echter Meilenstein. Doch bereits auf dem Weg zur Umsetzung wird sich zeigen, wie ernst es den unterschiedlichen Koalitionären mit der Abschaffung der Kinderarmut wirklich ist”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Die Regelsätze für Kinder und auch für Erwachsene gehörten grundsätzlich auf den Prüfstand, da sie schon bei der Einführung von Hartz IV künstlich kleingerechnet wurden und seitdem den Mindestbedarf von Kindern und Erwachsenen nicht abdeckten, fordert der Paritätische. Der Vorstoß der Bundesfamilienministerin, den im Koalitionsvertrag angekündigten Zuschlag für die Kinder bis zur endgültigen Neuberechnung nicht auf die lange Bank zu schieben, sei daher nur zu begrüßen. Die von der Familienministerin vorgeschlagenen 25 Euro pro Monat seien dabei nach Auffassung des Verbandes das absolute Minimum. Als armutspolitisch ignorant und Affront betrachtet Schneider vor diesem Hintergrund die von  Bundesarbeitsminister Heil vorgeschlagenen 10 Euro pro Kind. “Wer weiß, wie es armen Familien wirklich geht, weiß auch, dass es schnell eine spürbare Entlastung braucht. Es führt kein Weg dran vorbei: gegen Armut hilft Geld.

Der Paritätische appelliert an die Bundesregierung, zügig zu einer Einigung zu finden, die die finanzielle Not der Familien angemessen berücksichtigt. Der Verband reagiert auf eine Meldung des Business Insider: https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/regierungs-plan-kinder-aus-hartz-iv-familien-sollen-bis-zu-25-euro-als-sofortzuschlag-bekommen/

Gwendolyn Stilling

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Presse Fachbereich Frauen / Geschlechterpolitik / LGBTIQ Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung Familie Kinder und Jugend Soziale Teilhabe und Armut Wed, 19 Jan 2022 15:14:14 +0100
MuT-Profis https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25186&cHash=3b155dfad0b680e4185cbd05487c734b

]]> ]]> MuT, das steht für Medien und Technik. Mit „MuT-Profis – das gfi-Netzwerk“ geht eine Austausch- und Informationsplattform für Multiplikator*innen von Digitalisierungsangeboten für ältere Menschen an den Start. Das Projekt wurde von der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi), einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen in Bayern, ins Leben gerufen.

Bei den „MuT-Profis“ werden Multiplikator*innen, Senior*innenbeauftragte, Ehrenamtliche oder Hauptberufliche in ihrer digitalen Arbeit unterstützt, erhalten neue Ideen und Impulse. Sie können eigene Erfahrungen und Angebote weitergeben, die für die operative Arbeit mit Senioren*innen im Bereich der neuen Technologien nützlich sind.

Das MuT-Profis-Netzwerk ist Teil des MuT-Punkte-Programms des Bayerischen Sozialministeriums in den Mehrgenerationenhäusern. Es bietet wertvollen Erfahrungsaustausch zu Fragen: Wie können wir älteren Menschen die digitale Welt nahebringen? Wie können wir ihnen Ängste und Vorurteile bei der Benutzung digitaler Medien nehmen und deren Vorteile auch im Alltag vermitteln? Zentral im Projekt ist der Aufbau und die stetige Weiterentwicklung einer Datenbank (wiki). Inhalte rund um das Thema Digitalisierung im Alter sollen gebündelt werden, den Akteuren zur Verfügung gestellt und zusätzliche Austausch- und Schulungsmöglichkeiten angeboten werden.

Ziel dieser Vernetzung ist eine intensivere Partizipation älterer Menschen an der Gesellschaft. Die digitale Welt soll für sie erlebbar und der Zugang zu digitalen Tools erleichtert werden. „Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie können für ältere Menschen die digitalen Medien eines der wenigen Fenster in die Außenwelt sein. Für uns von der gfi ist die ganzheitliche Teilhabe der Senior*innen am gesellschaftlichen Alltag eine Herzensangelegenheit“, sagt gfi-Geschäftsführer Josef Weingärtner.

Weitere Informationen gibt es unter www.die-gfi.de/mut-profis

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Themen Ältere Menschen Digitalisierung Mon, 17 Jan 2022 09:23:40 +0100
Steigende Energiepreise https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2022&tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25141&cHash=d43bc60857ebfd4a469327887b289588

]]> Angesichts der weiter anziehenden Inflation begrüßt der Paritätische Gesamtverband die von der Bundesregierung angekündigte Entlastung für Beziehende von Wohngeld. Zugleich fordert er einen weiteren Inflationsausgleich auch für Beziehende von Hartz IV und Altersgrundsicherung. Der Verband reagiert damit auch auf heute vom Statistischen Bundesamt vorgelegte Daten zur Belastung einkommensschwacher Haushalte mit Energiekosten.

“Mit 100 Euro mehr sofort muss jetzt schnell und unbürokratisch auch denjenigen geholfen werden, die mit den Regelsätzen in Hartz IV oder der Altersgrundsicherung ohnehin kaum über den Monat kommen und jetzt akut mit Kaufkraftverlusten zu kämpfen haben,” so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Der Verband weist darauf hin, dass Beziehende von Grundsicherungsleistungen keinen Anspruch auf Wohngeld haben und damit erneut durch’s Raster fielen. Gleichwohl stiegen nicht nur die Heizkosten, sondern auch die Preise für Strom und Lebensmittel außergewöhnlich stark an.  

Die zum 1.1.2022 erfolgte Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes um 0,7 Prozent falle viel zu niedrig aus und komme angesichts der aktuellen Preisentwicklung sogar einer Kürzung der Kaufkraft gleich, mahnt der Verband. Insbesondere die steigenden Strompreise bereiteten Menschen, die auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sind, Sorgen. Das Verbraucherportal Check 24 berichtete jüngst von durchschnittlichen Stromkosten von 50 Euro im Monat in der Grundversorgung und damit von Strompreisen, die 30 Prozent über dem dafür vorgesehen Anteil im Hartz-IV-Regelsatz liegen.

“Es ist an der Zeit, darauf aufmerksam zu machen, dass zuletzt 230.000 Haushalte von Stromsperren betroffen waren, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlen konnten. Dies darf sich auf keinen Fall wiederholen,” mahnt Ulrich Schneider.

Unabhängig von den aktuellen Preissteigerungen kritisieren Sozial- und Wohlfahrtsverbände seit langem scharf, dass die Regelsätze für Leistungen in der Grundsicherung nicht bedarfsdeckend sind und fordern eine deutliche Erhöhung. Der Paritätische Gesamtverband kündigt an, in Kürze eigene aktuelle Berechnung für einen Regelsatz vorzulegen, der das Existenzminimum für Grundsicherungsbeziehende sicherstellt.

Die Inflationsrate lag zuletzt im Dezember bei 5,3 Prozent. Die heute vorgestellten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu Energiekosten in privaten Haushalten zeigen, dass steigende Energiepreise Geringverdiener*innen mit besonderer Wucht treffen: Je niedriger das Haushaltsnettoeinkommen desto höher der Anteil der Ausgaben für Wohnenergie an den privaten Konsumausgaben. Mit 9,5 % war dieser in der niedrigsten Einkommensklasse mehr als doppelt so hoch wie bei den Haushalten der höchsten Einkommensklasse.

Gwendolyn Stilling

Pressesprecherin
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Presse Soziale Teilhabe und Armut Tue, 11 Jan 2022 12:35:17 +0100
Paritätischer Wohlfahrtsverband legt Armutsbericht für das Jahr 2020 vor https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25056&cHash=f30c3c913ae0fe70b64c3ca37944cf4e

]]> Die Armut in Deutschland erreicht im Pandemiejahr 2020 einen neuen Höchststand. Die Armutsquote ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch nur geringfügig gestiegen – auch dank der sozial- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung. Das ist das Ergebnis des Armutsberichts für das Jahr 2020, den der Paritätische Gesamtverband heute vorgestellt hat. „Die Corona-Pandemie hat besonders die Menschen getroffen, die ohnehin schon benachteiligt waren“, so Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. Es waren Beschäftigte im Niedriglohnbereich, z.B. in der Gastronomie und Hotelgewerbe, sowie Selbstständige die die größten Einkommensverluste während der Pandemie hatten.

Bayern steht im bundesweiten Vergleich mit 11,6 Prozent Armutsgefährdung am besten da. „Das führt dazu, dass Armut in Bayern auf der politischen Agenda nicht vorkommt“, kritisiert Berndl. Dabei gibt es auch in Bayern großen Handlungsbedarf. Eine der am stärksten steigenden Formen der Armut ist die Altersarmut. „Hier ist Bayern trauriger Spitzenreiter“, so Berndl.

Fast ein Viertel der Frauen in Bayern sind von Altersarmut betroffen

In Bayern ist die Armutsgefährdung älterer Menschen deutschlandweit mit 21 Prozent am höchsten – gemessen am Landesmedian, der die unterschiedlichen Einkommens- und Preisniveaus in den Bundesländern berücksichtigt. Frauen sind besonders von Altersarmut betroffen. In Bayern fast ein Viertel. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: Frauen arbeiten besonders häufig im Niedriglohnbereich. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit. „Typische“ Frauenberufe – also vor allem Sorge- und Dienstleistungsberufe – sind deutlich schlechter bezahlt. Auch das führt zu niedrigerer Rente im Alter. Und in Bayern waren viele Frauen in der Landwirtschaft tätig und haben nicht in die Versorgungskassen eingezahlt.

Altersarmut wird weiter steigen, weil immer mehr Menschen mit brüchigen Erwerbsbiographien in Rente gehen. „Der Koalitionsvertrag erkennt diese alarmierende Entwicklung nicht an. Um Altersarmut zu verhindern, brauchen wir eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und eine Mindestrente“, fordert Berndl.

Außerdem muss die Pflegeversicherung reformiert werden. Die Rente reicht oft nicht, um die eigene Pflege zu finanzieren. Über ein Drittel der Bewohner*innen in Pflegeheimen ist bereits heute auf Sozialhilfe angewiesen. „Pflegebedürftigkeit darf nicht arm machen“, fasst Berndl zusammen.

Hintergrundinformationen zum Armutsbericht

Als armutsgefährdet gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Gesamtbevölkerung auskommen muss. Datengrundlage zur Ermittlung der Armutsgefährdungsquote ist der Mikrozensus, einer jährlich groß angelegten Befragung von Haushalten durch das Statistische Bundesamt.

Die Ergebnisse des Mikrozensus 2020 sind nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Aufgrund einer Umstellung des Mikrozensus‘ und durch coronabedingte Einschränkungen liegen für das Jahr 2020 keine regionalisierten Daten vor.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier:
Die Neuregelung des Mikrozensus ab 2020 - Statistisches Bundesamt (destatis.de)

Im Gegensatz zum absoluten Armutsbegriff, der Armut an existentiellen Notlagen wie Obdachlosigkeit oder Hunger festmacht, ist die Armutsgefährdungsquote ein relativer Armutsbegriff. Das Konzept relativer Einkommensarmut geht davon aus, dass Armut in unterschiedlich wohlhabenden Gesellschaften unterschiedlich aussieht und durch gesellschaftlichen Ausschluss und mangelnde Teilhabe gekennzeichnet ist – nicht erst durch Elend.

Für einen Vergleich der Bundesländer legt der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands das mittlere Einkommen ganz Deutschlands zugrunde (Bundesmedian). Demnach lag die Armutsgefährdung in Bayern im Jahr 2020 bei 11,6 Prozent. (2019: 11,9 Prozent)

Um einen differenzierteren Blick auf die Situation in Bayern zu erhalten, verwendet der Paritätische in Bayern den Landesmedian, der das unterschiedliche Einkommensniveau berücksichtigt. Demnach lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2020 bei 14,5 Prozent.

Von Armut am stärksten betroffen in Bayern 2020 (gemessen am Landesmedian)

Erwerbslose: 43,8 Prozent

Alleinerziehende: 35,2 Prozent

Menschen mit niedrigem Qualifikationsniveau: 29,8 Prozent

Menschen ohne dt. Staatsangehörigkeit: 27,3 Prozent

Familien mit drei und mehr Kindern: 26,8 Prozent

Einpersonenhaushalte: 26,4 Prozent

Frauen über 65: 23,8 Prozent

Menschen mit Migrationshintergrund: 22,9 Prozent

Rentner: 21,9 Prozent

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 16 Dec 2021 12:35:27 +0100
Armut in der Pandemie: Paritätischer stellt Bericht zur Armut in Deutschland vor https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=16&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25055&cHash=f26c1b8322d69b441769eeff7981dafb

]]> Laut aktuellem Paritätischen Armutsbericht hat die Armutsquote in Deutschland mit 16,1 Prozent (rechnerisch 13,4 Millionen Menschen) im Pandemie-Jahr 2020 einen neuen Höchststand erreicht. Auch wenn das Ausmaß der Armut nicht proportional zum Wirtschaftseinbruch und dem damit verbundenen Beschäftigungsabbau zunahm, gibt es eindeutige Corona-Verlierer: So sind es laut der Studie des Wohlfahrtsverbandes vor allem die Selbstständigen, unter denen die Einkommensarmut zugenommen hat. Der Verband wirft der Politik armutspolitische Versäumnisse vor und appelliert an die neue Bundesregierung, nicht nur die im Koalitionsvertrag angekündigten Maßnahmen wie Kindergrundsicherung oder Verbesserungen bei Wohngeld und BAFöG zügig und entschlossen anzugehen: Zwingend, so die Forderung, sei darüber hinaus insbesondere eine bedarfsgerechte Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung.

Der Bericht geht unter anderem auf die Lage in den Bundesländern ein, die von tiefen Gräben zeugt: Während die beiden süddeutschen Länder Bayern und Baden-Württemberg auf eine gemeinsame Armutsquote von ‚nur‘ 12,2 Prozent kommen, weisen die übrigen Bundesländer eine gemeinsame Armutsquote von 17,7 Prozent aus. Der Abstand zwischen Bayern (11,6 Prozent) und dem schlechtplatziertesten Bundesland Bremen (28,4 Prozent) betrage mittlerweile 16,8 Prozentpunkte. „Deutschland ist nicht nur sozial, sondern auch regional ein tief gespaltenes Land und die Gräben werden immer tiefer. Wenn in einem Bundesland jeder zehnte und in dem anderen mehr als jede*r vierte Einwohner*in zu den Armen gezählt werden muss, hat dies mit gleichwertigen Lebensbedingungen in ganz Deutschland nichts mehr zu tun”, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Neben soziodemografischen Aspekten und der Zusammensetzung der Gruppe armer Menschen liegt ein Schwerpunkt des Armutsberichts auf der Analyse der Pandemie-Auswirkungen.  „Die allgemeinen Folgen der Pandemie trafen Arme ungleich härter”, kritisiert Schneider. Insbesondere das Kurzarbeitergeld, aber auch das Arbeitslosengeld I hätten zwar durchaus als Instrumente der Armutsbekämpfung gewirkt, so ein Befund des Berichts. Doch seien vor allem Erwerbstätige, und darunter vor allem die Selbständigen, die Einkommensverlierer der Corona-Krise und das schlage sich auch in den Armutsquoten nieder: Zählte die Mikrozensuserhebung 2019 unter den Erwerbstätigen insgesamt 8 und unter den Selbständigen 9 Prozent Arme, kommt die 2020er Erhebung auf 8,7 Prozent bei den Erwerbstätigen und sogar 13 Prozent bei den Selbständigen.

Der Paritätische kritisiert in dem Bericht Versäumnisse der Großen Koalition, deren Krisenbewältigungspolitik zwar teilweise neue Armut verhinderte, aber zu wenig für die Menschen getan habe, die bereits vor der Pandemie in Armut lebten. „Eine ‚nur‘ um 0,2 Prozentpunkte höhere Armutsquote als in der Erhebung aus 2019 darf als Hinweis darauf verstanden werden, dass die rasch ergriffenen Unterstützungsmaßnahmen von Bund und Ländern noch höhere Armutswerte durchaus verhindern konnten. Für die Ärmsten und ihre besonderen Nöte hatte die große Koalition 2020 allerdings im wahrsten Sinne des Wortes einfach nichts und in 2021 bestenfalls den berühmten Tropfen auf den heißen Stein übrig”, so Schneider.

Von der neuen Ampel-Regierung fordert der Verband eine schnellstmögliche Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung. Schneider: „Der Regelsatz ist und bleibt die zentrale Stellgröße im Kampf gegen die Armut und für den Zusammenhalt dieser Gesellschaft. Wer dies ignoriert, wird keine erfolgreiche Armutspolitik machen können. Wir appellieren dringend an die Bundesregierung, hier nicht weitere vier Jahre tatenlos zu bleiben.”

Der Armutsbericht des Paritätischen arbeitet mit amtlichen Statistiken, u.a. einer Auswertung des Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes, der erstmals zuverlässige Armutsquoten für das Pandemie-Jahr 2020 liefert. Der Vergleich der Ergebnisse aus den Erhebungen 2020 und 2019 ist aus methodischen Gründen nur eingeschränkt möglich. Doch fügen sich die aktuellen Daten in das Bild der letzten Jahre: Rückblickend auf 2006 lässt sich ein stetiger Aufwärtstrend ausmachen, der auch 2020 nicht gebrochen zu sein scheint. 2006 lag die Quote noch bei 14,0 Prozent.

Hier finden Sie den vollständigen Armutsbericht und weitere Informationen.

Philipp Meinert

Presse und Redaktion

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Presse Soziale Teilhabe und Armut Thu, 16 Dec 2021 12:21:59 +0100
#WeilAlleZählen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7842

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Themen Soziale Teilhabe und Armut Wohnungslosigkeit Zivilgesellschaft und Demokratie Demokratie stärken Mon, 13 Dec 2021 12:11:37 +0100
Paritätischer Wohlfahrtsverband spricht sich für allgemeine Impfpflicht aus https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=10&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25010&cHash=8659c62562957e78f8fc6b76fb2e1e6e

]]> Der Verbandsrat des Paritätischen Gesamtverbandes hat sich in seiner heutigen Sitzung für eine allgemeine Impfpflicht zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgesprochen und die Bundesregierung aufgefordert, in die Vorbereitungen dafür einzusteigen sowie die damit verbundenen offenen Fragen verfassungsrechtlicher, medizinischer und operativer Natur zu klären. Nur mit einer verpflichtenden Impfung aller, die sich impfen lassen können, können die Pandemie eingedämmt, vulnerable Gruppen umfassend geschützt und das strapazierte Gesundheitssystem entlastet werden, so die Begründung.

“An der Impfpflicht führt jetzt kein Weg mehr vorbei. Wir sind überzeugt, dass damit die Pandemie derzeit am wirksamsten eingedämmt werden kann”, so Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Gesundheitswissenschaftler. Nur so könne schnellstmöglich auf die momentan notwendigen tiefen Eingriffe in das Leben der Bevölkerung verzichtet werden, der Kollaps des Gesundheitssystems abgewendet und schlichtweg Menschenleben gerettet werden. “In der Pandemie ist das Impfen das entscheidende Instrument. Impflücken vergrößern das Risiko für alle“, so Rosenbrock. Aus Sicht des Verbandes muss dabei eine Diskriminierung wegen einer medizinischen oder psychiatrischen Kontraindikation ausgeschlossen sein.

Eine Impfpflicht nur für bestimmte Einrichtungen, wie sie heute beschlossen werden soll, hält der Verband in der derzeitigen Lage allein nicht für zielführend, um mittel- und langfristig aus der Pandemie zu kommen. Ein umfassender Schutz erfordere eine hohe Impfquote innerhalb der gesamten Bevölkerung. “Das Virus kennt keine Einrichtungsgrenzen. Die Eindämmung der Pandemie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nun sind alle gefragt. Impfanstrengungen müssen weiter intensiviert werden, dazu gehören entsprechende Ressourcen, aber insbesondere auch viel mehr zielgruppenspezifische und aufsuchende Impfmöglichkeiten.”

Der Verbandsrat des Paritätischen Gesamtverbandes bestimmt die verbandspolitischen, finanzpolitischen und sozialpolitischen Positionen und Richtlinien. Er setzt sich aus Mitgliedern der Paritätischen Landesverbände und den überregionalen Mitgliedsorganisationen zusammen.

Gwendolyn Stilling

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Presse Gesundheit Corona Fri, 10 Dec 2021 13:28:27 +0100
Aktionsbündnis gegen Menschenrechtsverletzungen an den europäischen Außengrenzen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=10&tx_ttnews%5Btt_news%5D=25009&cHash=6037a5783612a61170a3697ff19d103c

]]> Am Freitag, den 10.12.2021, ab 16 Uhr, machen verschiedene Organisationen, darunter: Sea-Watch, Leave No One Behind, Amnesty International uvm. symbolisch durch eine Mauer-Installation vor dem Brandenburger Tor auf die tödliche Grenzpolitik an Europas Außengrenzen aufmerksam. Die 24 m breite und 4 m hohe Mauer dient als Projektionsfläche für Video- und Bildmaterial, welches auf die Menschenrechtsverletzungen an den europäischen Außengrenzen aufmerksam macht. Damit appellieren wir an die neue Bundesregierung, das Sterben im Mittelmeer zu beenden, sich für die Aufnahme aus den unmenschlichen Lagern an den Außengrenzen einzusetzen sowie sichere und legale Fluchtwege zu schaffen.

„Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass Europa Grenzschutz über den Schutz menschlichen Lebens stellt. Menschenrechte müssen für alle gelten, nicht nur für die mit europäischem Pass. Die Verantwortlichen für das organisierte Elend an Europas Grenzen sitzen auch in Berlin. Die neue Bundesregierung muss handeln oder sie macht sich mitschuldig.” sagt Oliver Kulikowski von Sea-Watch.

"Es ist unerträglich, wie die EU das Recht auf Asyl missachtet. Der inhumane und illegale Umgang mit Schutzsuchenden an den EU-Außengrenzen muss endlich beendet werden", so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

"Vor einer Woche setzte die EU-Kommission das Asyl-und Migrationsrecht für geflüchtete Personen an der polnisch-belarussischen Grenze aus: ein Ort, an dem Menschen seit Wochen festsitzen, erfrieren, sterben und erneut lediglich als Spielbälle politischer Mächte benutzt werden”, fügt Kristina Jovanovic von Leave No One Behind hinzu.

Wann: Freitag, den 10.12.2021, ab 16:00 Uhr
Wo: Pariser Platz, 10117 Berlin, vor dem Brandenburger Tor
Foto- und Filmaufnahmen sowie Interviews möglich am 10.12.2021, ab 16:00 Uhr

Pressekontakt Sea Watch: Oliver Kulikowski / +491575 8090674 / presse@sea-watch.org
Pressekontakt Leave No One Behind: Kristina Jovanovic / k.jovanovic@lnob.net
Pressekontakt Paritätischer Gesamtverband: Gwendolyn Stilling / pr@paritaet.org / 03024636-305

ACHTUNG: Fotos und Videos werden am 10.12.2021, ab 18:30 Uhr, zum Download bereitstehen:

Videos: www.dropbox.com/sh/fn5jdhbrqe0eed8/AAAU3SCOUZd9sDP9E6_Q0bjYa

Fotos: www.dropbox.com/sh/3g0xh6k6vs6epyx/AABfinK81Ly1emQEFX3verRpa

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Presse Fachbereich Migration Migration und Flucht Fri, 10 Dec 2021 09:42:41 +0100
Tag der Menschenrechte https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=7840

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Themen Zivilgesellschaft und Demokratie Demokratie stärken Wed, 08 Dec 2021 15:44:18 +0100
Soziale und ökologische Vorhaben gemeinsam anpacken https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=12&tx_ttnews%5Bday%5D=07&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24979&cHash=f5b3c28b38d1df7a2f472c8a0e74a44b

]]> Zum Start der Ampel fordern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Paritätische Gesamtverband die neue Bundesregierung auf, die sozialen und ökologischen Vorhaben gemeinsam mit Priorität und Entschlossenheit anzugehen. Die aktuellen gesundheitlichen, ökologischen und sozialen Krisen dürften nicht weiter gegeneinander ausgespielt werden, erklären die beiden Verbände. Ansonsten drohen die tiefgreifenden ökologischen Veränderungsschritte an sozialen Schieflagen zu scheitern. Daher müsse die Umsetzung der im Koalitionsvertrag angekündigten sozial-ökologischen Vorhaben umgehend beginnen. Darüber hinaus gelte es unbedingt, auch noch bestehende umwelt- und sozialpolitische Leerstellen des Koalitionsvertrags in den kommenden vier Jahren zu füllen. Eine echte sozial und ökologisch gerechte Transformation und die Umsetzung ambitionierter Vorhaben dürfe dabei nicht an fehlender Finanzierung scheitern. Die neue Regierung sei hier in der Verantwortung, durch einen steuerpolitischen Kurswechsel Gestaltungsspielräume zu schaffen.

„Im Koalitionsvertrag ist sozialpolitisch einiges vereinbart, was zum dringend nötigen sozialen Fortschritt beitragen kann, beispielsweise die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro, die Einführung einer Kindergrundsicherung oder vielversprechende Vorhaben in der Pflege. Dass es zu keiner nennenswerten finanziellen Entlastung für Millionen Menschen in Hartz IV und der Altersgrundsicherung kommen soll, ist jedoch eine armutspolitische Enttäuschung. Gerade angesichts steigender Lebenshaltungs- und Energiekosten darf hier das letzte Wort noch nicht gesprochen sein“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: „Der Koalitionsvertrag gibt wichtige Impulse für Klimapolitik und Naturschutz. Dies geht nur sozial gerecht. Angefangen vom Kohleausstieg 2030, über den Einstieg in den Umbau der Landwirtschaft bis hin zu einer guten Finanzierung des Naturschutzes. Der Vertrag ist aber nicht auf dem 1,5-Grad-Pfad: Zu fern das Ziel der Klimaneutralität, zu gefährlich der Ausbau von fossiler Gasinfrastruktur ohne Ausstiegsdatum, keine Ambitionen zur Energieeinsparung. Auch bei der Mobilitätswende erlauben die ökologischen Krisen keinen Stillstand. Die Regierung muss in den ersten 100 Tagen klimapolitische Inventur machen. Sie muss sich an die im Klimaschutzgesetz vorgesehene jährliche Überprüfung der Emissionsmengen für die einzelnen Sektoren halten. Die zuständigen Ministerien müssen zudem einen Plan vorlegen, durch welche Maßnahmen sie die Sektorziele in den nächsten Jahren einhalten, das heißt den CO2-Ausstoß zeitnah senken wollen.“

Als großes Versäumnis bezeichnen BUND und Paritätischer den Verzicht auf Steuererhöhungen. Dies drohe zum Kardinalfehler der neuen Bundesregierung zu werden, da der Koalitionsvertrag damit auf äußerst wackeligen finanziellen Füßen stehe. Wenn die Ampel-Regierung nicht die Fehler ihrer Vorgänger-Regierungen wiederholen wolle, müsse sie dringend für eine sichere Finanzierung ihrer Vorhaben sorgen. Die stärkere Besteuerung sehr großen Reichtums in diesem Land sei dafür unerlässlich, so die Verbände.

Kontakt

Dr. Jonas Pieper
Der Paritätische Gesamtverband
Referent für übergreifende Fachfragen
Tel.: 030 24636-304
E-Mail: stab(at)paritaet.org

Patrick Rohde
BUND-Referent für politische Planung
Tel.: 030-27586-413
Mobil: 0171-570 26 31
E-Mail: patrick.rohde(at)bund.net

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Presse Klimaschutz Soziale Teilhabe und Armut Tue, 07 Dec 2021 08:53:57 +0100
Auf dem Weg https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24951&cHash=86b3f07d373eb8590f1d01f00280e0e1

]]> Foto: Adobe Stock Shawn Hempel]]> Frau Heland-Gräf, in Bayern ist die AG 99 mit der Entwicklung des BIBay beauftragt. Wer sitzt in dieser Arbeitsgruppe und was macht die AG?

Da sitzen die Leistungsträger, die Leistungserbringer und Betroffene drin. Also diejenigen, die die Leistungen für Menschen mit Behinderungen zahlen, die, die sie erbringen und Menschen wie ich, die Leistungen empfangen. Bei den Menschen mit Behinderungen sind – vereint unter dem Dach der LAG Selbsthilfe Bayern - verschiedene Betroffenengruppen vertreten. Die Mitglieder der AG arbeiten in verschiedenen Unterarbeitsgruppen, weil eine AG auch nicht alle Themen rund um das BIBay diskutieren und bearbeiten kann.

Das BIBay befindet sich ja gerade in der Erprobungsphase. Was erwarten Sie sich von dem neuen Instrument?

Neu ist, dass sich die Bedarfsermittlung jetzt wesentlich auf die ICF stützt. Das hat Vor- und Nachteile. Die Bedarfsermittlung ist umfangreicher und viel genauer. Das ist für Menschen gut, die eine großen Bedarf haben oder in vielen Lebensbereichen Unterstützung brauchen. Für Menschen mit Behinderungen, die bisher auch schon nach ihren Wünschen und Zielen gefragt wurden, für die ist das sicher gut machbar.

Und die Nachteile?

Die Bedarfsermittlung selbst kann eine Hürde, eine Barriere für Betroffene sein. Zum einen wegen des Umfangs. Zum anderen wegen der Benennung des individuellen Bedarfs. In der Psychiatrie war es zum Beispiel so, dass für psychisch kranke Menschen oft einfach beschlossen wurde, was sie brauchen. In Zukunft werden sie gefragt. Jetzt sollen sie plötzlich selbst und von heute auf morgen wissen, was sie wollen und was sie brauchen. Das wird für viele eine riesen Herausforderung werden.

Dazu kommt, dass sich manche Bedarfe und Einschränkungen leichter und besser benennen lassen, als andere. Zum Beispiel kann ich eine körperliche Einschränkung wie eine Gehbehinderung gut benennen und weiß, ob ich zum Beispiel einen Rollator zum Laufen brauche. Bei Einschränkungen aufgrund einer psychischen Erkrankung wird das dann schon schwieriger. Wenn ich zum Beispiel jemandem erklären soll, warum ich aufgrund meiner Erkrankung manchmal nicht in der Lage bin, meine Wäsche zu waschen oder die Waschmaschine anzuschalten.

Außerdem macht man sich mit der Benennung mancher Bedarfe auch als Mensch nochmal ganz anders „nackig“. Deshalb haben wir uns als Betroffene auch dagegen ausgesprochen, dass alles, was in der Bedarfsermittlung erfasst wird, eins zu eins an den Leistungserbringer geht. Warum muss der mich in- und auswendig kennen und alles von mir wissen? Jeden Arztbericht und auch Dinge, die für die Erbringung der Leistung gar nicht relevant sind? Damit sind wir als Betroffene zum einen nicht mehr so gläsern: Auch Menschen mit Behinderungen haben eine Privat- und Intimsphäre. Und es regt die Leistungserbringer dazu an, Dinge zu erfragen, sich mit uns auszutauschen. Für voll genommen zu werden heißt nämlich auch, nicht automatisch alles von sich preisgeben zu müssen. Aber nur so funktioniert Augenhöhe.

Dass Sie aber in Zukunft gefragt werden, ist schon eine Chance?

Oh ja! Es stärkt die eigene Persönlichkeit, wenn ich anfange, über mich selbst nachzudenken und zu erleben, dass das niemand anderes mehr für mich macht. Was ja immer als übergriffig empfunden worden ist, wenn andere für einen denken und entscheiden. Aber das ist schwer und braucht Zeit. Es muss auch gelernt sein, herauszufinden, wie ich leben will, Bedürfnisse zu formulieren und realistische Ziele zu haben. Viele, viele Betroffene haben diese Dinge wahrscheinlich noch nie selbst für sich benannt. Ich glaube deshalb nicht, dass da am Anfang alle Bedarfe benannt und damit auch erfasst werden können. Aber diese Bedarfsermittlung ist ja auch nicht in Stein gemeißelt, sondern muss jederzeit angepasst werden können.

Wie und wo können Betroffenen das lernen, ihre Wünsche, Ziele und Bedarfe zu formulieren?

Die Leistungserbringer und -träger schulen ihre Leute für die Bedarfsermittlung. Was aber nicht da ist, ist eine Stelle, die Betroffenen erklärt, worum es bei der Bedarfsermittlung geht, was auf sie zukommt und die ihnen hilft, das zu verstehen. Da gibt es gerade niemanden, der das übernimmt oder sich zuständig fühlt, obwohl wir es ständig anmahnen, dass es das braucht. Es ist auch kein Geld dafür eingeplant.

Die Betroffenen sind ziemlich auf sich allein gestellt. Bei der Bedarfsermittlung treffen sie dann auf jemanden, der sich mit dem Instrument gut auskennt. Deshalb denke ich, müssen wir jetzt in der Selbsthilfe anfangen, Betroffene zu informieren und auch Tipps für die Bedarfsermittlung zu geben, zum Beispiel, wen man sich mitnehmen sollte in das Gespräch. Zum Beispiel Peers oder Genesungsbegleiter oder Angehörige, die aus der Perspektive des Betroffenen denken können. Aber wir müssen auch die Politik in die Pflicht nehmen, Informationen und Erklärungen in Leichter Sprache zu verfassen.

Das heißt auf der anderen Seite: Diejenigen, die den Bedarf ermitteln, die Fachdienste der Bezirke, haben eine besondere Verantwortung.

Ja, und sie müssen sich bewusst sein, welche Verantwortung sie haben. Und nicht nur dran denken, dass sie ihr Geld hergeben müssen. Natürlich sollen sie wirtschaftlich arbeiten. Das muss ja jeder machen: haushalten. Die Herausforderung ist, den Perspektivwechsel wirklich hinzubekommen. Von der bisherigen Frage: Was braucht der Leistungserbringer in der Institution? Zur neuen Frage: Was braucht der Mensch, der Betroffene?

Ich hoffe ja, dass alle mit Inbrunst dieses BTHG umsetzen wollen! Aber dazu müssen alle auch zuerst ihre Haltung zu dem System ändern: Das ist völlig neu und hat nichts mehr mit dem zu tun, wie es bisher war! Nur wenn ich meine Haltung ändere, kann ich flexibler werden. Und seine Haltung zu ändern, kostet nichts.

Auch Leistungserbringer müssen flexibler werden und untereinander kooperieren. Wer sagt denn, dass Betroffene Leistungen nur von einem Leistungserbringer bekommen können? Warum sollen sie nicht Leistungen von verschiedenen Erbringern in Anspruch nehmen können? Natürlich ist das abrechnungstechnisch komplizierter. Aber das wäre für uns als Leistungsempfänger echte Personenzentrierung. Wenn wir als Betroffene die Wahl hätten und Leistungen von verschieden Leistungserbringern „einkaufen“ könnten. Das wäre schon die Kür. Aber: Why not? Aber davon sind wir mindestens noch ein halbes Jahrhundert entfernt…

Denken Sie, dass man mit dem BTHG und den neuen Instrumenten auf dem Weg dorthin ist?

Ach ja … Wenn die Leistungsträger und -erbringer sich bei der Umsetzung des BTHG nicht so aneinander scheuern, dass für uns auch noch etwas rumkommt, dann kann das Ding schon sehr gut werden. Wenn alle ihre Karten ehrlich auf den Tisch legen und das Beste draus machen würden, dann hätten wir Betroffene wirklich viel davon.

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Themen Inklusion Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Tue, 30 Nov 2021 13:21:30 +0100
Altersarmut bekämpfen https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=17&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24896&cHash=453db178327379dd83541cf55851d1df

]]> Foto: Adobe Stock Alexander Rath]]> Ein starkes und großes Bündnis aus bayerischen Organisationen (die Evangelischen Frauen in Bayern (efb), der kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (KdA), der Paritätische Wohlfahrtsverband in Bayern, der Sozialverband VdK in Bayern, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Bayern (VAMV), die Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern (AfA), die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), der Deutsche Gewerkschaftsbund Bayern (DGB) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft in Bayern (ver.di)) hat sich im Juli 2017 gegründet, um den Kampf gegen die Altersarmut in Bayern, insbesondere von Frauen, zu intensivieren. Altersarmut gehört zu den drängendsten sozialen Problemen unserer Zeit.

Mehr als 564.000 Menschen in Deutschland haben Ende vergangenen Jahres Grundsicherung erhalten. Das ist ein Rekordwert und damit auch der höchste Stand seit der Einführung der Leistung im Jahr 2003. Auf Grundsicherung angewiesen sind vor allem Frauen. So erhielten laut Statistischem Bundesamt Ende 2020 knapp 315.000 Frauen (56 Prozent) und 249.000 Männer (44 Prozent) die Leistung. In Bayern erhalten 81 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer eine Rente unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von 1.155 Euro (2019).

„Neben der gesetzlichen Rente bleiben die betriebliche wie private Altersvorsorge wichtig für ein gutes Leben im Alter. Eine gute und verlässliche Rente nach vielen Jahren Arbeit ist für die Beschäftigten wichtig. Es geht darum, sich mit eigener Arbeit eine gute eigenständige Absicherung im Alter zu schaffen. Wir werden daher die gesetzliche Rente stärken und das Mindestrentenniveau von 48 Prozent sichern. Es wird keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben.“ (Ergebnis der Sondierungen zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

Bei diesem Absatz sehen wir gute Ansätze. Die gesetzliche Rente muss den Lebensstandard sichern. Wir begrüßen, dass es keine Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters geben soll. Für eine gute Rente ist eine Stabilisierung bei 48 Prozent nicht ausreichend. Perspektivisch sollten es mindestens 53 Prozent (Sicherungsniveau vor Steuern) sein.

„Wir werden das Selbstbestimmungsrecht von Frauen stärken und die eigenständige Existenzsicherung fördern. Wir wollen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt an gesellschaftlichen Entscheidungen sowie am Erwerbsleben teilhaben können und in gleicher Weise in der Lage sind, eigenständig ihren Lebensunterhalt zu sichern und für ausreichende Alterssicherung zu sorgen. Der Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt wollen wir entgegenwirken und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Wir wollen die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern wirksam verringern. Wir werden uns für mehr Vielfalt in der Arbeitswelt einsetzen und dafür Sorge tragen, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen.“ (Ergebnis der Sondierungen zwischen SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

Diesen Absatz aus dem Sondierungspapier begrüßen wir. Es fehlen dazu aber noch die geeigneten Maßnahmen bzw. die Erhöhung der Minijobgrenze widerspricht sogar den genannten Aussagen.

Viele Minijobber*innen haben während der Lockdowns ihr Arbeit verloren, ohne (hinreichenden) Anspruch auf Kurzarbeiter-, Arbeitslosengeld oder Hilfeleistungen. Diese sozialen Lücken müssen geschlossen werden, denn Minijobs verdrängen sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Sie sind leider kein Sprungbrett in normale Beschäftigungsverhältnisse. Es gibt 4,9 Millionen ausschließlich geringfügige Beschäftigte – davon sind ca. 60 Prozent weiblich. Eine Ausdehnung der Verdienstgrenzen wäre der falsche Ansatz. Vielmehr müssen sozialversicherte und tarifvertragliche Beschäftigung gefördert werden und die Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro.

Die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro begrüßen wir. Das kann aber nur ein erster Schritt sein.

Ein Blick auf den Gender Pay Gap zeigt, dass noch viele Anstrengungen unternommen werden müssen, dass Frauen nicht in der Altersarmut landen. Notwendig wären u.a. eine spürbare Aufwertung von sogenannten „Frauenberufen“, die Verbesserung des Rückkehrrechts von Teilzeit in Vollzeit und ein Entgelttransparenzgesetz, welches ausgestattet ist mit Prüfverfahren, Berichtspflicht und Verbandsklagerecht.

Wir bitten Sie, das drängende Problem der Altersarmut im Blick zu behalten und dafür zu sorgen, dass nicht immer mehr Menschen von Altersarmut betroffen sind.

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Themen Ältere Menschen Frauen und Mädchen Soziale Teilhabe und Armut Wed, 17 Nov 2021 17:53:07 +0100
Paritätischer in Bayern legt Vorstudie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Misshandlungen vor https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=11&tx_ttnews%5Bday%5D=15&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24889&cHash=7c8229309417ecf4d96e9c20ba05eaf2

]]> Die Berichte ehemaliger Heimkinder sowie Elternbeschwerden dokumentieren unter-schiedliche Formen von Gewalt im ehemaligen Kinderheim „Haus Maffei“ in Feldafing am Starnberger See. Diese umfassen demütigende Strafen, die nachhaltige Angstzustände auslösten, Prügel und andere Körperstrafen sowie sexualisierte Gewalt und Misshandlungen seitens des Heimpersonals und des Gemeindepfarrers im Ort. Auch in der zum Heim gehörenden Schule erlitten die Kinder Unrecht, sowohl durch gewalttätige Erziehungsmittel, als auch durch mangelnde Förderung und Ausbildung.

Wissenschaftliche Aufarbeitung soll auch institutionelle Verantwortung umfassen

Die Tatbestände erlittenen Unrechts erfordern nach Aussage von Prof. Eberle eine umfassende historische Aufarbeitung hinsichtlich der Verantwortung von Einrichtung, Träger sowie zuständigen Wohlfahrts- und Schulbehörden. Darauf würden die Betroffenen seit langem warten. Für diese Aufarbeitung formuliert die Vorstudie Anforderungen, Fragestellungen und Methoden.

Der Verdacht eines Missbrauchsnetzwerks, so die Empfehlung von Prof. Eberle, könne aufgrund der Quellenlage nur gemeinsam, in Form eines Forschungs- und Archivverbundes mit der Landeshauptstadt München, dem Landesjugendamt und den Schulbehörden aufgeklärt werden.

Bei den Recherchen habe sich, so Eberle, eine hohe Bereitschaft der Betroffenen und ihrer Angehörigen, des ehemaligen pädagogischen Personals, das sich bisher gemeldet hat, sowie der Bewohner*innen in Feldafing gezeigt, an der Aufarbeitung mitzuwirken. Für die Beteiligung der Betroffenen bedürfe es eines eigenen Raums, der ihren Bedürfnissen und ihrer besonderen Rolle in der Aufarbeitung entspricht. Eberle regte einen „Ort der Erinnerung und Anerkennung“ an, der in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt München realisiert werden sollte.

Ziel der Aufarbeitung ist, das Unrecht und Leid der Betroffenen gesellschaftlich anzuerkennen. Ob das Unrecht und die schwere Gewalt in der Nachfolgeeinrichtung im „Heilpädagogischen Zentrum Lohhof“ in Unterschleißheim fortgesetzt wurden, muss ebenfalls noch untersucht werden.

Nächste Schritte sind die Anerkennung des Leids der Betroffenen und die umfassende wissenschaftliche Hauptstudie

„Wir sind immer noch bestürzt und tief berührt, dass die Taten in einer Einrichtung unseres Hauses geschehen konnten“, so Margit Berndl, Vorständin beim Paritätischen in Bayern. „Mit der Vorstudie ist der erste wichtige Schritt einer umfassenden wissenschaftlichen Aufarbeitung des Unrechts im ‚Haus Maffei‘ getan.“

Die Vorsitzende des Beirats des Paritätischen in Bayern für die Aufarbeitung, Johanna Rumschöttel, ergänzt: „Die Ergebnisse der Vorrecherche sind eine wichtige und gute Grundlage für die Hauptstudie. Auf Basis der Vorstudie berät und entscheidet der Beirat über den Auftrag der wissenschaftlichen Hauptstudie.“

Nach der Entscheidung des Beirats wird der Paritätische in Bayern als nächsten Schritt die geplante Hauptstudie in Auftrag geben. Parallel entwickelt das Anerkennungsgremium transparente Kriterien für Anerkennungsleistungen. Margit Berndl abschließend: „Als Verband tragen wir die Verantwortung für eine umfassende Aufarbeitung und die Anerkennung des Leids der Betroffenen.“

Zum Hintergrund der Vorstudie:

Im Januar 2021 hat der Paritätische in Bayern Prof. Dr. Annette Eberle, Professorin für Pädagogik in der Sozialen Arbeit an der Katholische Stiftungshochschule München, mit einer unabhängigen Vorrecherche („Vorstudie“) zu Missbrauchsfällen im ehemaligen Kinderheim Haus Maffei in Feldafing beauftragt.

Im Rahmen einer Archivrecherche sollten Dokumente und Unterlagen recherchiert, gesichtet und bewertet werden. Die bisher bekannt gewordenen Fälle sollten auf weitere Verdachtsmomente hin geprüft und vor allem die Perspektive der Kinder und Jugendlichen betont werden. Zusätzlich sollten die inhaltlichen und methodischen Grundlagen für eine umfassende unabhängige Aufarbeitung („Hauptstudie“) geschaffen werden. Prof. Dr. Eberle recherchierte dafür im Archiv des Paritätischen in Bayern, aber auch in weiteren Archiven im Umfeld von Feldafing sowie in München. Außerdem führte sie mehrere Gespräche mit Vertretern des Paritätischen, ehemaligen Mitarbeiter*innen, Betroffenen und Einwohner*innen aus Feldafing.

Zur Autorin der Vorstudie:

Prof. Dr. Annette Eberle ist Professorin für Pädagogik in der Sozialen Arbeit an der Katholischen Stiftungshochschule München. Als Expertin für die Geschichte der Sozialen Arbeit, insbesondere für die Kinder- und Jugendhilfe, war sie an Aufarbeitungsprojekten über Menschenrechtsverletzungen in der Fürsorge im Nationalsozialismus wie auch in der frühen Bundesrepublik beteiligt. Die von ihr initiierte Tagungsreihe „Soziale Arbeit – (k)ein Ort für Menschenrechte“ hat sich als ein Forum für den Austausch zwischen Wissenschaft, Profession und Betroffenen zur Thematik etabliert. Dabei setzt sie sich immer wieder für eine Kultur der Erinnerung ein.

Aufarbeitungsprozess des Paritätischen in Bayern:

Ende Oktober 2020 hat der Paritätische in Bayern eine umfassende Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Misshandlungen im Kinderheim „Haus Maffei“ sowie der Nachfolgeeinrichtung „Heilpädagogisches Zentrum Lohhof“ in Unterschleißheim begonnen. Im Vorfeld hatte es Kontakte und Gespräche des Vorstands des Paritätischen in Bayern mit einer privaten Recherchegruppe gegeben. Der Vorstand stufte die vorgelegten Berichte ehemaliger Heimbewohner*innen als glaubhaft und sehr ernstzunehmend ein.

Im Dezember 2020 hat der Paritätische in Bayern vier unabhängige Expert*innen gewonnen, die ihn bis zur Konstituierung des Beirats bei der Aufarbeitung beraten haben.

Im selben Monat hat der Paritätische in Bayern Betroffenen finanzielle Unterstützung angeboten. Die ersten Entschädigungszahlungen erfolgten im Februar 2021 und April 2021.

Im Dezember 2020 hat der Paritätische in Bayern auf Empfehlung der Expert*innen Kontakt mit Prof. Dr. Annette Eberle bezüglich der Durchführung einer Vorrecherche aufgenommen. Sie wurde im Januar 2021 mit der Vorstudie beauftragt.

Im Januar 2021 hat der Paritätische in Bayern eine Ombudsstelle für Betroffene und Zeitzeug*innen von sexualisierter Gewalt und Misshandlung in der ehemaligen Einrichtung des Paritätischen eingerichtet.

Im Mai 2021 hat der Paritätische in Bayern einen Aufruf an ehemalige Heimkinder aus dem Kinderheim „Haus Maffei“ in Feldafing und dem „Heilpädagogischen Zentrum Lohhof“ in Unterschleißheim sowie Zeitzeug*innen in den 60er- und 70er-Jahren gestartet.

Im selben Monat hat der Paritätische in Bayern zunächst einen internen Ausschuss eingerichtet, der transparente Kriterien für Anerkennungszahlungen und ein Antragsverfahren entwickeln und die Anträge entgegennehmen und bearbeiten sollte. Der Ausschuss hat nach Beratung mit den Expert*innen entschieden, vom Verband unabhängige Expert*innen mit diesen Aufgaben zu betrauen. Dieses Anerkennungsgremium hat im Herbst 2021 seine Arbeit aufgenommen. Die Mitglieder sind:

  • Prof. Dr., Dipl.-Päd. Barbara Seidenstücker, Professorin im Studiengang Soziale Arbeit, Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg
  • Sybille Kuthe, Rechtsanwältin, Rechtsanwaltskanzlei Dr. Musella & Collegen Freiburg; stellv. diözesane Beauftragte zur Prüfung des Vorwurfs von sexuellem Missbrauch Minderjähriger in der Erzdiözese Freiburg sowie
  • Ulrike Leimig, Dipl. Soz.-Päd. (FH), Mediatorin (DGM), Fachstelle für Täter-Opfer-Ausgleich der Nothilfe Birgitta Wolf e.V. Murnau

Im Oktober 2021 hat sich der Beirat des Paritätischen in Bayern zur Aufarbeitung konstituiert und Johanna Rumschöttel als Vorsitzende gewählt. Mitglieder im Beirat sind:

  • Dr. Barbara Horten, Internationale Kriminologie (M.A.), Soziologie/Erziehungswissenschaft (B.Sc.), Institut für Kriminologie, Universität Heidelberg
  • Prof. Dr. Heinz Kindler, Dipl. Psychologe, Deutsches Jugendinstitut München, Leiter der Fachgruppe 3 "Familienhilfe und Kinderschutz"
  • Ulrike Leimig, Dipl. Soz.-Päd. (FH), Mediatorin (DGM), Fachstelle für Täter-Opfer-Ausgleich der Nothilfe Birgitta Wolf e.V. Murnau
  • Prof. Dr. jur. Susanne Nothhafft, Professorin für Recht in der Sozialen Arbeit, Katholische Stiftungshochschule München
  • Johanna Rumschöttel, ehemalige Landrätin
  • Sabine Böhm, frauenBeratung Nürnberg, Vertreterin des Verbandsrats des Paritätischen in Bayern sowie
  • Margit Berndl und Peter Schimpf, Vorstände des Paritätischen in Bayern

Über den Stand der Aufarbeitung informiert der Paritätische in Bayern auf seiner Webseite: www.aufarbeitung-paritaet-bayern.de

Auf Anfrage stellen wir Ihnen die Vorstudie zur Verfügung. Bitte schicken Sie dazu eine E-Mail an aufarbeitung@paritaet-bayern.de.

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Presse Aufarbeitung Aus dem Landesverband Mon, 15 Nov 2021 09:53:33 +0100
Weltmädchentag 2021 https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=10&tx_ttnews%5Bday%5D=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24719&cHash=e3c2e55db4eb0eee7c6c54d7b6402cc3

]]> ]]> Der Weltmädchentag am 11. Oktober wurde von den Vereinten Nationen eingeführt und im Jahr 2012 das erste Mal begangen. Auch in Deutschland wird seither anlässlich des Jahrestages auf die Belange von Mädchen aufmerksam gemacht. In den Paritätischen Strukturen befinden sich zahlreiche Einrichtungen für Mädchen und junge Frauen. Mädchenarbeit nimmt im Verband eine wichtige Rolle ein. Paritätische Einrichtungen aus diesem Bereich fühlen sich verpflichtet, die Mädchenpolitik der Länder und des Bundes kritisch zu begleiten und auf Handlungsbedarf aufmerksam zu machen. Vor diesem Hintergrund hat der Paritätische anlässlich des Weltmädchentags 2021 eine Erklärung verfasst.

Gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen setzt sich der Paritätische für ein selbstbestimmtes Leben von Mädchen ein. Hierunter sind auch trans* Mädchen und intergeschlechtliche Kinder gemeint, die in der weiblichen Geschlechtsrolle leben. Diese Definition beinhaltet zudem jegliche Akzeptanz von Lebensformen und sexueller Orientierung jenseits heteronormativer Entwürfe. Die Grundlage hierfür bildet eine feministische, engagierte Mädchenarbeit.

Mädchen- und Frauenrechte sind Menschenrechte

Anlässlich des Weltmädchentags am 11. Oktober 2021 möchte der Paritätische mit dieser Erklärung die Bedeutung von Mädchenarbeit für eine vielfältige, offene und demokratische Gesellschaft betonen. Auch im 21. Jahrhundert ist die strukturelle Benachteiligung von Mädchen und Frauen in Deutschland, aber auch weltweit, nach wie vor an der Tagesordnung. Gerade die Situation von Mädchen und Frauen in Afghanistan besorgt uns derzeit zutiefst. Mit Blick auf die aktuelle politische Weltlage und internationale Flüchtlingsbewegungen wird uns einmal mehr bewusst, dass die Stärkung der Mädchen- und Frauenrechte elementar für ein Leben in Würde für alle Menschen in allen Weltregionen ist.

Soziale Arbeit ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert

Denn nicht nur im Ausland, auch bei uns in Deutschland werden noch immer Stereotypen gelebt, ungerechte Machtstrukturen aufrechterhalten und Sexismus verharmlost. Hinzu kommt, dass Phänomene wie Gewalt in digitalen Medien oder rassistische und antifeministische Haltungen die Soziale Arbeit, aber auch die Gesellschaft insgesamt vor neue Herausforderungen stellen. Bewegungen wie beispielsweise #MeToo, #Parität und #ichwill haben Missstände deutlich aufgezeigt. Aus Paritätischer Überzeugung kann nur eine feministische, engagierte und vielfältige Mädchenarbeit zur Lösung dieser Benachteiligung beitragen.

Mädchenarbeit ist eine Haltung

Mädchenarbeit im Paritätischen stellt sich gegen strukturelle Ungleichheiten und leistet einen wichtigen Beitrag zum Feminismus, der eine Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse anstrebt. Es ist erklärtes Ziel des Paritätischen, dass Menschen jeglichen Geschlechts gerechte und gleiche Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben. Aus diesem Grundverständnis heraus macht sich der Paritätische für eine feministische Mädchenarbeit stark und spricht sich klar gegen Bedingungen aus, die Ungleichheiten begünstigen – ganz egal ob in der Politik, auf dem Arbeitsmarkt, in der Familie oder in der Gesellschaft.

Mädchenarbeit ist politische Arbeit

Das klare Bekenntnis zur Mädchenarbeit und der damit verbundene Stellenwert machen deutlich: Mädchenarbeit ist politische Arbeit. Sie stellt gesellschaftliche Normen in Frage und macht komplexe Ungleichheit von Lebensrealitäten aufgrund von Geschlecht und geschlechtlicher Identität sichtbar. Mädchenarbeit bedeutet für den Paritätischen das unbedingte Eintreten für Gleichberechtigung, das konsequente Infragestellen tradierter, gesellschaftlicher Rollenbilder und das Bekämpfen patriarchaler Machtstrukturen.

Vielfalt, Offenheit und Toleranz sind Leitwerte für Mädchenarbeit

Unsere Paritätischen Leitwerte sind Vielfalt, Offenheit und Toleranz. Der Verband setzt sich nachdrücklich für eine demokratische Gesellschaft ein, in der alle Mädchen gleichwertig und selbstbestimmt teilhaben können und vor Fremdbestimmung sowie Gewalt geschützt werden – unabhängig von Hautfarbe, sozialer oder ethnischer Herkunft, Alter, Religion oder Weltanschauung, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität, materieller Situation, Behinderung, Beeinträchtigung, Pflegebedürftigkeit oder Krankheit. Ideologien der Ungleichwertigkeit lehnt der Paritätische entschieden ab.

Selbstbestimmung von Mädchen und jungen Frauen ermöglichen

Um Mädchen ein möglichst hohes Maß an Selbstbestimmung zu ermöglichen, will der Paritätische Mädchen durch spezifische Angebote ermutigen, ihre individuellen Ressourcen und Talente zu entdecken, für ihre Rechte einzutreten, Krisen zu meistern und eigenständig ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Mädchen sollen selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihren Lebensweg wählen können. Dazu gehören die Eigenständigkeit, einen beruflichen Weg einzuschlagen, die finanzielle Unabhängigkeit, persönliche Freiheit und Schutz vor jeglicher Form von Gewalt. Diese Bereiche dürfen nicht getrennt voneinander gedacht werden.

Mädchenarbeit umfasst ein vielfältiges Angebot

Mädchenarbeit ist im Paritätischen breit aufgestellt. Sie ist weder auf ein Handlungsfeld noch auf geschlechtshomogene Räume begrenzt. Sie umfasst ein vielfältiges Beratungs- und Schutzangebot bezüglich diverser Gewaltformen und enthält u. a. Angebote im Bereich der Jugendsozialarbeit, der offenen Jugendarbeit und der politischen Bildungsarbeit sowie Beratungsstellen im Bereich Extremismus und zivilgesellschaftliches Engagement. Sie umfasst Anlaufstellen und Wohnmöglichkeiten für suchtmittelabhängige, wohnungslose wie von Gewalt und Zwangsheirat bedrohte Mädchen. Sie hat eigene Räume für Mädchen mit Beeinträchtigung geschaffen sowie in ihren Angeboten die Lebenslagen Behinderung, Migration, Armut und Bildungsbenachteiligung mit einbezogen.

Mädchenarbeit ist für uns ein Auftrag

Diese Erklärung soll dazu dienen, die Bedeutung der Mädchenarbeit als gleichstellungspolitisches Instrument herauszustellen, das nachhaltig finanziell gefördert, fest in den Paritätischen Strukturen verankert und ideell gesichert sein muss. Die Diskussion von Geschlechterthemen ist gesellschaftspolitisch wichtig, denn Mädchen haben andere Bedarfe als Jungen und umgekehrt. Der Paritätische möchte mit seiner Arbeit einen Beitrag dazu leisten, Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig zu etablieren.

Der Paritätische setzt sich dafür ein, dass:

  • die Politik die mädchenspezifischen Einrichtungen und Angebote auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ausweitet und finanziell verbindlich regelt
  • behinderte oder beeinträchtigte Mädchen in ihren Rechten zu stärken sind. Dabei muss sichergestellt werden, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Mädchenarbeit bundesweit inklusiv auszugestalten und damit allen Mädchen die Unterstützung und Hilfe zu geben, die sie jeweils benötigen.
  • das Recht auf Präventionsangebote zum Schutz vor häuslicher und sexualisierter Gewalt und Misshandlung und das Recht auf Schutz im öffentlichen Raum verwirklicht werden. Es müssen Angebote geschaffen werden, die organisatorisch, strukturell und personell auf die spezifischen Bedarfe von Mädchen und jungen Frauen ausgerichtet sind.
  • Mädchen bundesweit ungehinderten Zugang zu Informationen zu Sexualität, Beziehung und Familienplanung sowie einen kostenfreien Zugang zu sämtlichen Verhütungsmitteln haben. Das schließt auch das Recht auf Bildung im Zusammenhang mit Sexualität und Fortpflanzung ein.
  • der Bund die Unterstützungs- und Beratungsinfrastruktur mit Blick auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität fördert. Mädchenarbeit ist vielfältig. Tradierte Geschlechterrollen sind hierbei kritisch zu hinterfragen und die Sichtbarkeit von vielfältigen Lebensweisen zu stärken. Unsere Mädchenarbeit steht für Vielfalt und Offenheit.
  • sich die Soziale Arbeit bereits im frühkindlichen Bildungsbereich mit vorhandenen Rollenbildern in der pädagogischen Arbeit kritisch auseinandersetzt. Eindimensionale Geschlechterrollenzuweisungen müssen auch in frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung der Vergangenheit angehören.
  • das System der Hilfen zur Erziehung gezielt auf die Bedarfe von Mädchen eingeht, denn nach wie vor zeigen die Zahlen der Inanspruchnahme: Mädchen erhalten weniger und später als Jungen Hilfen, halten lange in problematischen Familien aus, werden vom Jugendhilfesystem tendenziell leichter übersehen und überfordert.
  • Schule ein Ort für Mädchen ist, an dem sie ihr Potenzial entfalten können. Bund, Länder und Kommunen müssen Hand in Hand daran arbeiten, dass Schulen den besonderen Bedarfen von Mädchen gerecht werden – von Gewaltschutzkonzepten im kommunalen Bereich über Lehrpläne auf Länderebene bis hin zu Landes- und Bundesförderprogrammen mit Blick auf MINT-Fächer und equal pay-Aspekte bei der Berufswahl.
  • es in der Jugendsozialarbeit parteiliche Mädchenarbeit gibt, angefangen von der Berufsorientierung über Beratungs- und Coaching-Angebote bis zu außerbetrieblichen und schulischen Berufsausbildungen von Mädchen mit besonderem Förderbedarf, um der Besonderheit der gesellschaftlichen Situation von Mädchen und jungen Frauen gerecht zu werden.
  • die Arbeit für gleichwertige Lebenschancen für Mädchen in schwierigen Lebenslagen (z. B. Wohnungslosigkeit, psychische Erkrankung) in den Kommunen besonders gefördert wird.
  • bedarfsgerechte geschlechtersensible und flucht- bzw. migrationsspezifische Konzepte und Angebote geschaffen werden, insbesondere was (Schutz-)Räume, Möglichkeiten für Empowermentprozesse und Teilhabe, Formate für Begegnung und Austausch, Unterstützung beim Übergang Schule - Beruf sowie die kontinuierliche kritische Auseinandersetzung mit eigenen Machtpositionen und Diskriminierung, insbesondere Rassismus und Sexismus, betrifft.
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Themen Frauen und Mädchen Mon, 11 Oct 2021 17:09:00 +0200
Nicht alles Gold, was bunt ist https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=08&tx_ttnews%5Bday%5D=30&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24497&cHash=0b432d324a01ca34416ebe60a1460c6a

]]> ©katdoubleve photocase.de]]> Die Queer-Bewegung hat viel erreicht in den letzten Jahren. Was ist noch offen? Was steht auf Ihrer Agenda, wenn Sie im September in den Bundestag gewählt werden?

Um alle rechtlichen Benachteiligungen zu beenden, muss das entwürdigende Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden. Für lesbische Mütter bedarf das Abstammungsrecht einer Reform. Wir brauchen einen nationalen Aktionsplan für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt sowie die institutionelle Förderung queerer Verbände und Organisationen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz muss einen besseren Schutz vor Diskriminierung und einfachere Klagemöglichkeit für davon Betroffene bieten.

Bei der Fußball-EM haben viele Menschen in Bayern mit Regenbogenfahnen ein Zeichen gegen die Politik von Viktor Orban und für Vielfalt gesetzt. Ist Bayern, was Queer-Politik angeht, so offen, wie es bei der EM den Anschein hatte?

Der Stadtrat in München wollte mit der Regenbogen-Beleuchtung der Allianz Arena ein Zeichen gegen die menschenrechtsverachtende Politik von Viktor Orban setzen. Durch das Nein der UEFA drehte sich die Debatte schnell um Akzeptanz im Sport. Dass sich dabei Ministerpräsident Söder mit Regenbogen-Maske zeigte, fand ich an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten, denn seine Regierung zeichnet sich nicht durch ihre Queer-Freundlichkeit aus. Die CSU hat Orban jahrelang hofiert und im Bundestag gegen jegliche Initiative zur rechtlichen Gleichstellung queerer Menschen gestimmt. Die von der Grünen Landtagsfraktion in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass jeder zweite queere Mensch in Bayern entsprechende Diskriminierungen erlebt. Doch Bayern hat als einziges Bundesland noch keinen Aktionsplan für Akzeptanz.

Sie erhalten im Netz viele Hasskommentare. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Strafrechtliches bringe ich konsequent zur Anzeige, denn wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Hass die Gesellschaft vergiftet. Allgemein muss Hasskriminalität im Netz wirksamer bekämpft werden.

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Themen Queer Mon, 30 Aug 2021 13:15:19 +0200
Licht am Horizont? https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=22&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24317&cHash=50ee0fd467611998913cb249abc61c68

]]> Foto: Adobe Stock leno2010]]> Herr Schreier, wie viele Auszubildende haben Sie momentan in der generalistischen Pflegeausbildung?

Bei uns haben zum 1. September 2020 sechs Auszubildende in der neuen Pflegeausbildung angefangen - verteilt auf zwei Pflegeheime mit einmal 27 und einmal 60 Betten. Das heißt, wir bilden mehr aus, als wir selbst als Eigenbedarf haben.

Sie leben als Einrichtung also auch das Motto der neuen Pflegeausbildung: Kooperation statt Konkurrenz. Entscheidend ist nicht, wer den*die Auszubildende*n letztlich bekommt. Sondern das ausgebildet wird. Wie läuft das bei Ihnen in der Praxis?

In der Region Coburg gibt es einen Kooperationsverbund, den der Landkreis Coburg initiiert hat. Dafür sind wir alle unendlich dankbar. Denn dieser Verbund verbindet eine Vielzahl an ambulanten und stationären Einrichtungen inklusive den Krankenhäusern in der Region sowie die drei Pflegefachschulen. Allein die Schulen untereinander zu koordinieren, ist eine Herausforderung. Zum Beispiel, wenn es um die Einteilung der Praktika bzw. der Auszubildenden in der ambulanten und stationären Pflege geht. Dass da die einzelnen Einrichtungen und Dienste nicht plötzlich zu wenige oder zu viele Auszubildende haben, muss gut koordiniert werden. Da gibt es eine verantwortliche Mitarbeiterin im Verbund.

Das klingt nach einem hohen Koordinierungsaufwand…

Die Kommunikation und Koordination ist natürlich eine Herausforderung. Und auch der Regulierungsaufwand ist hoch: Wir arbeiten an gemeinsame Standards, es müssen Leitlinien für die Praxisanleitungen in den einzelnen Einrichtungen entwickelt und Merk- und Informationsblätter erstellt werden – damit die Auszubildenden, wenn sie die Einrichtung wechseln, nicht ständig mit neuen Bedingungen und Voraussetzungen konfrontiert werden. Und auch die Einrichtungen Handlungssicherheit haben. Wer meinte, dass die neue Pflegeausbildung reibungslos anlaufen würde, der hat sich geirrt…

Die Investitionskosten sind also hoch. Würden Sie sagen, die Investition lohnt sich? Sehen Sie am Horizont, dass man die Ziele erreichen wird, die man mit der neuen Ausbildung verfolgt?

Wir hoffen darauf! Sonst würde man sich die Mühe nicht machen. Wir sehen aber auch, dass unsere Praxisanleitungen in die Überforderung laufen, weil die Erfahrungen fehlen und es noch so viele Baustellen gibt, an denen nachjustiert werden muss. Aber: Wir sind guter Dinge, weil wir im Gespräch mit den anderen Wohlfahrtsverbänden in der Region sind und „Anpassungsbedarfe“ auch anmelden. Ich bin aber schon überzeugt, dass wir noch gute zwei bis drei Jahre brauchen, bis eine gewisse „Trittfestigkeit“ entstanden ist.

Und wie zufrieden sind die Auszubildenden mit der neuen Ausbildung?

Einige Auszubildende sind froh über die generalistische Ausbildung, weil sie einen Mehrwert für sich erkennen. Das frustriert dann manchmal die Auszubildenden, die noch nach dem alten System lernen.

Man muss aber auch sehen, dass so ein regionaler Ausbildungsverbund natürlich auch „behäbiger“ als eine einzelne Einrichtung ist. Und wie die bundesweite Gesetzgebung vor Ort umgesetzt wird, ist ja auch jedem überlassen. Da gibt es auch schon mal Konflikte und Reibungspunkte. Wenn sich aber alles mal eingespielt hat, wird die neue Ausbildung nachhaltiger und besser sein, als die alte.

Es gibt Bereiche in der Pflege, die Sorge haben, mit der neuen Ausbildung bei den Auszubildenden hinten runter zu fallen. Zum Beispiel die Kinderkrankenpflege oder ambulante Dienste. Teilen Sie diese Sorge?

Nein. Es gibt bei uns jetzt schon Auszubildende, die vorhaben, in die Altenpflege oder zu einem ambulanten Dienst zu gehen. Die sich ganz bewusst dafür entscheiden. Zumal sich das auch mit den Tariflöhnen besser aneinander anpassen wird. Wer ins Krankenhaus will, ist auch früher schon ins Krankenhaus gegangen. Dieses Problem der Konkurrenz um Fachkräfte untereinander muss sich über die Quantität der Ausbildung regulieren.

Das war ja auch ein Ziel der Reformierung: Mehr Auszubildende für die Pflege gewinnen. Ist das gelungen?

Die paar Prozent mehr Auszubildende deutschlandweit lösen das Problem nicht. Was wir in zehn Jahren versäumt haben, werden wir in einem Jahr mit ein paar Prozent nicht ausgleichen. Wenn Sie mich das in fünf Jahren nochmal fragen und bis dahin auch größere Einrichtungen mehr ausbilden, dann haben wir in weiter Zukunft eine Chance. Aber nicht kurz- und mittelfristig.

Wo sehen Sie in der neuen Ausbildung Knackpunkte und Nadelöhre, an denen nachjustiert werden muss?

Bei den ambulanten Pflegediensten, bei denen insbesondere die kleinen Dienste nur begrenzt Auszubildende für Praxiseinsätze aufnehmen können. Da sind die Touren das Problem: Die müssen mit einer Fachkraft besetzt sein. Und das zweite Problem ist, dass diese Touren größtenteils von Teilzeit-Fachkräften bedient werden, aber der*die Auszubildende in Vollzeit beschäftigt ist. Wo bekommt der*die Auszubildende seine Einsatzzeit her, wenn die Tour nach sechs Stunden beendet ist?

Aber das größte „Nadelöhr“ wird die Kinderkrankenpflege sein. Ich denke, hier muss nochmal bei der Dauer des Einsatzes nachjustiert werden, damit mehr Praxiseinsätze möglich werden. Man muss jetzt Erfahrungen sammeln – und dann aber auch etwas ändern!

Jetzt kommt die neue Pflegeausbildung ja auch nicht gerade zu einem günstigen Zeitpunkt: Pflegekräfte haben 1,5 Jahre Corona-Krise auf dem Buckel…

Ja, das war und ist gerade für die Praxisanleitungen eine große Herausforderung, neben den zusätzlichen Belastungen in der Pflege auch noch die neue Ausbildung auf die Beine zu stellen. Gerade für diejenigen, die aufgrund der Anzahl der Auszubildenden im Betrieb nicht als Praxisanleitung freigestellt werden können, sondern in der Kombination Schichtdienst und Praxisanleitung arbeiten müssen. Der organisatorische Aufwand für den Aufbau der Ausbildung, die vielen Besprechungen mit den Schulen, mit den anderen Ausbildungsbetrieben, das Festlegen von Standards et cetera pp – das ist unterschätzt worden. Wir müssen aufpassen, dass wir unser Personal nicht überfordern – und verlieren.

Auch die Ausbildung zum Praxisanleiter ist lang und es ist unklar, wie die finanziert wird. Müssen das die Einrichtungen selbst stemmen? Über ihre normalen Pflegesätze? Und die Arbeitszeit, die durch die lange Ausbildungszeit wegfällt, die ersetzt Ihnen ja auch keiner.

Da muss man nochmal über ein paar Details sprechen und nachbessern. Denn: Wer keine Lust auf diesen Aufwand hat, der bildet einfach nicht aus. Gerade größere Einrichtungen, die sehr wirtschaftlich orientiert sind, zahlen lieber den Ausbildungszuschlag, tun sich aber die Arbeit, selber auszubilden, nicht an. Auch ambulante Pflegedienste scheuen den Aufwand, weil die Ausbildung mit der Tourenplanung kompliziert ist.

Das wird auf Dauer ein Problem werden. Nur auf das Engagement derjenigen Einrichtungen, die die Sinnhaftigkeit im Ausbilden sehen und erkennen, kann und darf man sich nicht verlassen. 

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Themen Ältere Menschen Arbeit und Beschäftigung Bildung Gesundheit Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen Pflege Thu, 22 Jul 2021 12:41:00 +0200
Motivation, die beeindruckt https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=07&tx_ttnews%5Bday%5D=19&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24308&cHash=2efd4d6a771110035879c6a1b1163501

]]> ]]> Was war Ihre größte Herausforderung im vergangenen Jahr?

Die größte Herausforderung war der Corona-Ausbruchs im Heim. Wir mussten sofort handeln und ein neues System entwickeln: neues Dienstplansystem, strengste Hygieneregelungen, Errichten einer Schleuse, tägliche Meldungen an Behörden, Verlegung von Bewohner*innen. Die Einführung von 12-Stunden-Schichten war eine immense Belastung.

Für mich war in dem Moment eine gute Mitarbeiterführung äußerst wichtig, d. h. keine Ängste zu zeigen, auf Augenhöhe mit den Mitarbeiter*innen zu bleiben, sie zu motivieren und Vertrauen zu geben, dass wir die Situation gemeinsam meistern. Mein Hauptziel war, dass so viele Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen wie möglich unbeschadet durch den Ausbruch kommen. Im Nachhinein betrachtet, hatte ich große Sorge, Fehler zu machen. Die Sorge um die Unversehrtheit von Bewohnern und Personal war eine extreme Belastung.

Was haben Sie gegen die soziale Isolation der Bewohner*innen gemacht?

Die individuelle Einzelbetreuung unserer Bewohner*innen fand uneingeschränkt statt. Im Zuge der Digitalisierung in der Pflege boten wir den Bewohnern und Angehörigen die Möglichkeit, über für diesen Zweck angeschaffte Laptops und Handys Videoanrufe durchzuführen. Manche Angehörige kamen vor die Fenster und Balkone, um ihre Lieben zu sehen. Es gab in unserer Einrichtung zu keinem Zeitpunkt eine totale soziale Isolation.

Trotz eines generell ausgesprochenen Besuchsverbotes wurde jeder Einzelfall individuell entschieden und Angehörige konnten so zum Beispiel Besuche wahrnehmen, um ihre Angehörigen in der letzten Phase zu begleiten oder Abschied zu nehmen.

Gab es auch schöne Momente in der Krise?

Es gab tatsächlich schöne Momente in dieser schlimmen Krise. Das schönste für mich war der Zusammenhalt und die Unterstützung der Mitarbeiter*innen. Die Zusammenarbeit, die Motivation und das Engagement der Mitarbeiter*innen haben mich nachhaltig beeindruckt. Wir haben auf humorvolle Art gelernt, uns auch im Vollschutzanzug mit Visier und Brille gegenseitig zu erkennen. Ja, es wurde auch gelacht. Anders als in manch anderen Betrieben wurde uns sofort Schutzausrüstung in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt.

Wie geht das Team damit um, dass Bewohner*innen im Haus an Corona gestorben sind?

Natürlich ist jeder einzelne Tote zu viel. Mit sieben verstorbenen Bewohnern von 42 erkrankten blieben wir zumindest weit unter jeder Prognose. Den erkrankten Mitarbeiter*innen geht es mittlerweile wieder gut.

Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit?

Ich wünsche mir qualifiziertes gutes Personal und dass das Ausbildungssystem nicht nach Quantität, sondern auf Qualität ausgerichtet ist. Die Zeit ist gekommen, auf politischer Ebene den Fachkräftemangel zu beheben und das aktuelle Gesundheitssystem zu ändern.

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Themen Ältere Menschen Gesundheit Corona Pflege Mon, 19 Jul 2021 15:47:02 +0200
10 Jahre BFD http://https://www.freiwilligendienste-bayern.de/10-jahre-bfd/

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Themen Zivilgesellschaft und Demokratie Tue, 13 Jul 2021 09:52:10 +0200
Ehrenamt und Digitalisierung https://www.paritaet-bayern.de/

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Themen Digitalisierung Zivilgesellschaft und Demokratie Bürgerschaftliches Engagement Thu, 01 Jul 2021 17:24:24 +0200
Kinder brauchen eine Lobby https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=28&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24189&cHash=124f9f74f1f14ad439ee3a813b8bc2fa

]]> ]]> Herr Kuhn, nach vielen Wochen ist jetzt der Präsenzunterricht an den Schulen wieder gestartet. Wie leicht oder schwer fällt es Kindern, an die Zeit vor dem Lockdown anzuknüpfen?

Ich denke, dass es älteren Kindern und Jugendlichen zumindest vom sozialen Aspekt her leichter fällt, wieder Anschluss zu finden. Dem gegenüber gibt es Klassenstufen, die kaum in Präsenz zusammen waren. Für diese Kinder ist es schwerer, sich wieder in das Gruppengefüge einzufinden. Für Kinder, bei denen soziale Kompetenzen gut ausgeprägt sind, ist das weniger ein Problem. Andere, die da Defizite haben, tun sich schwerer.

Dazu kommt der Druck, gegebenenfalls Lernstoff auf- und nachzuholen …

Ja, die inhaltlichen und formalen Herausforderungen kommen da noch oben drauf. Und da herrscht ja häufig auch noch Unklarheit, wer welche Leistungsnachweise bis zum Ende des Schuljahres erbringen muss oder kann. Was zusätzlich verunsichert.

Haben Sie den Eindruck, dass die Schulen ausreichend Ressourcen und Zeit haben, auf diese sehr verschiedenen und individuellen Probleme und Fragen der Schüler*innen einzugehen?

Das kann man nicht pauschal beantworten und wahrscheinlich hängt es auch einfach sehr stark vom jeweiligen Lehrer*in ab. Denn diese Aufgaben kommen ja zum normalen Schulalltag dazu. Und der war an manchen Schulen schon vor Corona herausfordernd oder vom Fachkräftemangel geprägt.

Ich habe schon den Eindruck, dass an vielen Schulen momentan im Vordergrund steht, dass alle erstmal wieder ankommen dürfen und geschaut wird, mit welchen Problemen, Lücken und Fragen die einzelnen Schüler*innen zurück an die Schulen kommen. Die Anforderungen an die Lehrer*innen sind definitiv nicht geringer geworden …

Wie hat sich die Pandemie psychisch auf Kinder und Jugendlichen ausgewirkt hat. Haben psychische Belastungen zugenommen?

Wir beobachten seit einigen Jahren, dass psychiatrische Krankheitsbilder unter Kindern und Jugendlichen zunehmen. Ob das auch daran liegt, dass schneller und öfter diagnostiziert wird, lässt sich schwer sagen. In der Pandemie sind die psychischen Belastungen für Kinder und Eltern gestiegen.

Was für Belastungen sind das?

Das sind zum Beispiel depressive Episoden oder Angststörungen. Für manche Kinder und Jugendliche – egal ob vorbelastet oder nicht - war da die Pandemie eine Art Beschleuniger bei der Entwicklung von psychischen Erkrankungen. Viele Kinder haben auch Angst vor Corona oder erleben und verinnerlichen die Angst der Eltern und Familien vor der Krankheit.

Halten Sie die Möglichkeiten der Schulen, auf diese Herausforderungen zu reagieren, sie aufzufangen für ausreichend?

Wir wussten ja, dass wir in diese Situation kommen. Und wenn man in die Zukunft schaut, wissen wir auch, dass wir wieder in die Situation kommen werden, wenn es im Herbst wieder Distanz- oder Wechselunterricht geben soll. Das Wichtigste, was ein*e Lehrer*in braucht, sind Zeit und eine gute Beziehung zu den Kindern. Dann kann man natürlich mit Beratungsstellen oder dem Jugendamt zusammenarbeiten. Aber auch das ist wieder ein zusätzlicher Aufwand.

Das Problem ist: Zuallererst sind Lehrer*innen ja in der Pflicht, den Lehrplan einzuhalten! Und da wird es dann zu einer Frage der Haltung, was ich als Lehrer*in in den Mittelpunkt stelle, wenn ich merke, ein oder mehrere Kinder kommen mit sozialen oder psychischen Problemen zurück in meine Klassen: das Wohlergehen des Kindes oder den Lernstoff?

Was wünschen Sie sich, damit wir im Herbst und einer möglichen 4. Welle nicht wieder in derselben Situation sind wie heute? Damit das Wohlergehen von Kindern nicht allein von den individuellen Ressourcen und Möglichkeiten einzelner Lehrer*innen abhängig ist. Es geht ja auch um Chancengerechtigkeit allen Kindern gegenüber …

Dazu muss der Fokus überhaupt erstmal auf den Bildungssektor gerichtet werden. Es braucht ein gesellschaftliches Bewusstsein und dann natürlich entsprechende Rahmenbedingungen und Mittel. Der Tenor momentan ist ja, dass man das mit dem Distanzunterricht doch eigentlich ganz gut hingekriegt hätte. Da fehlt aber komplett die Perspektive der Kinder! Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Und was wünschen Sie sich ganz konkret?

Es muss sichergestellt werden, dass die Kinder im Herbst in die Schule gehen können bzw. dass die Schulen zumindest immer mit einem Teil der Kinder regelmäßig im persönlichen Kontakt stehen. Mit Hygienekonzepten, Impfungen und Lüftungsanlagen. Aber auch der technischen Ausstattung für Online-Unterricht und Standards, wie so ein virtueller Unterricht bestenfalls aussehen sollte.

Klar, für Politik ist es auch nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen: So eine Pandemie ist keine komfortable Situation. Aber verschiedene Szenarien und zu den Szenarien verschiedene Pläne und Maßnahmen zu entwickeln -  das wäre wünschenswert.

Warum ist der persönliche Kontakt so wichtig?

Weil Lernen durch soziale Interaktionen und im sozialen Kontext geschieht. Virtuelle Interaktionen gehören da auch dazu. Aber virtuell bekomme ich den ganzen Menschen ja gar nicht mit, mit all den Sinnen, die ich dafür brauche.

Für ältere Kinder und Jugendliche ist die Peergroup ganz wichtig, um eine eigene Identität auszubilden und für die psychische Entwicklung und die Persönlichkeitsentwicklung. Die ist mit der Einschränkung von Kontakten auch eingeschränkt. Das ist also ein Lernschritt oder eine Entwicklungsaufgabe, die durch die Pandemie beeinträchtigt sein könnte. Bei kleineren Kinder funktioniert Lernen viel über Mimik und die Reaktionen anderer Menschen. Da sind die Masken einfach ein Problem.

Auch wenn wir die Auswirkungen noch nicht konkret kennen, wissen wir, dass die Kontaktbeschränkungen und fehlende persönliche Kontakte grundsätzlich nicht gut sind für Kinder. Deshalb sollten wir auch nicht auf die Analyse der Folgen warten, sondern jetzt Maßnahmen einleiten und präventiv arbeiten.

Vor welchen besonderen Herausforderungen standen denn Kinder und Jugendliche, für die das Leben schon vor Corona schwieriger als für andere war? Zum Beispiel in Ihren Wohngruppen?

Die Ausgrenzung, die schon vorher da war, hat sich durch Corona nochmal verschärft. Teilhabe ist noch schwerer geworden. Bei uns in der Einrichtung waren zeitweise Besuche gar nicht erlaubt. Da reicht es nicht, Menschen in prekären Lebenslagen mit Tablets oder Laptops zu versorgen. Man muss Sorge dafür tragen, dass sie mit anderen Menschen in Kontakt bleiben können.

Ist den Kindern und Jugendlichen in ihren Einrichtungen bewusst, was für einen tollen Teil sie dazu beigetragen haben, dass wir als Gesellschaft so gut durch die Pandemie gekommen sind? Wollen sie dafür jetzt auch mal gehört und mit ihren Bedürfnissen wahrgenommen werden?

Da sage ich eher pessimistisch: Nein. Denn Kinder und Jugendliche tendieren ja eher dazu, zu kooperieren, sich an die Umwelt anzupassen, die Gegebenheiten zu akzeptieren, ihre Bedürfnisse zurückstellen.

Aber was passiert mit mir, wenn ich meine Bedürfnisse dauerhaft um- oder zurückstelle? Empfinde ich das dann irgendwann als „normal“?  Wie wirkt sich so etwas auf mich persönlich und das soziale Miteinander aus? Wir sind deshalb als Gesellschaft und Erwachsene gefordert, für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendliche wieder Raum zu schaffen und sie zu fördern. Kinder und Jugendliche brauchen eine starke Lobby, die sich für sie hinstellt und dafür sorgt, dass sie gehört und beteiligt werden.

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Themen Bildung Corona Kinder und Jugend Mon, 28 Jun 2021 10:13:56 +0200
Wo ist die Perspektive? https://www.paritaet-bayern.de//index.php?id=4915&no_cache=1&tx_ttnews%5Byear%5D=2021&tx_ttnews%5Bmonth%5D=06&tx_ttnews%5Bday%5D=24&tx_ttnews%5Btt_news%5D=24182&cHash=c0bb20f775a1b8515c6ca755c9d7c25b

]]> Foto: Adobe Stock.com DGC]]> Sabine Bethge ist Erzieherin in einer heilpädagogischen Jugendwohngruppe Fürth unserer Mitgliedsorganisation vsj. In der Wohngruppe leben derzeit vier Jungen und drei Mädchen zwischen 14 bis 24 Jahren.

Sabine Bethge sagt, die Jugendlichen werden scheu, sie „können sich nicht mit anderen ausprobieren.” Die Jugendlichen halten sich an die Regeln, aber für sie ist nicht nachvollziehbar, warum sie mit vielen anderen Menschen in der U-Bahn sitzen, aber nicht zwei Freunde treffen dürfen. „Also muss man U-Bahn fahren, um seine Freunde zu treffen?"

Quarantäne – für die Jugendlichen schier unaushaltbar

Besonders schwierig gestaltet sich der derzeitige Alltag, wenn Jugendliche in häuslicher Quarantäne sind. Die elf Quadratmeter großen Einzelzimmer dürfen in diesem Fall für die Quarantänezeit nicht verlassen werden, ausgenommen ist der Gang ins Badezimmer. Toilettengänge müssen telefonisch angekündigt werden, um sicherzustellen, dass sich niemand auf dem Gang aufhält. Das Badezimmer wird danach komplett desinfiziert. Sabine Bethge leidet mit: „Für die Jugendlichen ist das schier unaushaltbar. Sie haben nicht mal Hofgang.”

Besondere Herausforderung: Homeschooling

Das Homeschooling stellt die stationären Einrichtungen vor besondere Herausforderungen. In der Regel ist am Vormittag kein oder nur wenig Personal in den Einrichtungen, denn die Jugendlichen sind normalerweise in der Schule. Findet Distanzunterricht statt, sind alle Jugendlichen in den Wohngruppen und müssen nicht nur betreut, sondern auch beim Lernen angeleitet und begleitet werden, zu Lasten der Verwaltungstätigkeiten, die sonst am Vormittag erledigt werden. Ein*e Betreuer*in betreut dann acht Schüler*innen aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen und Schularten, die mit verschiedenen Lernplattformen arbeiten.

In Bayern wurde für diese Fälle die sogenannte 10%-Regelung geschaffen oder alternativ die Bezahlung nach Fachleistungsstunden. Die so finanzierten zusätzlichen Personalressourcen sind jedoch lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein, da bei weitem nicht alle Kinder und Jugendlichen adäquat im Homeschooling betreut und unterstützt werden können. Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen sind dadurch benachteiligt und werden von der gleichberechtigten Teilhabe an Bildung ausgeschlossen.

Perspektivlosigkeit macht sich breit

Besonders schwierig wird auch die Situation der Jugendlichen am Übergang ins Berufsleben gesehen. Zukunftsängste und Perspektivlosigkeit machen sich breit. Jugendliche schreiben 50 Bewerbungen ohne überhaupt eine Antwort zu erhalten. Die Jugendlichen „wünschen sich nichts mehr, weil sie sich nichts mehr vorstellen können.” Es entsteht der Eindruck, dass die Politik die Jugendhilfe einfach nicht auf dem Radar hat. Dies muss sich besonders im Hinblick auf die Bedarfe und Bedürfnisse der jungen Menschen ändern. Das Resümee der Einrichtungsleitung: „Wir klauen ihnen die Jugend.”

Stationäre Jugendhilfe wird vergessen

Nicht nachvollziehbar ist für Sabine Bethge der Umgang mit den Impfpriorisierungen. „Warum sind Erzieherinnen in den Kindertagesstätten und Grundschullehrerinnen in der Prio-Stufe 2 und das Personal in der Jugendhilfe Stufe 3? Wir sind 24 Stunden mit den Kindern und Jugendlichen auf engsten Raum zusammen.” Angesichts der Testpflicht in Schulen ist nicht nachvollziehbar, warum die Bewohner*innen und Beschäftigten in den Einrichtungen der Jugendhilfe nicht regelmäßige Tests durchführen sollen bzw. diese nicht refinanziert sind. Die Jugendhilfe wurde in der Testverordnung nicht aufgenommen. Die Versorgung mit Schutzmaterialien verlief ebenso sehr schleppend.

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Themen Corona Kinder und Jugend Thu, 24 Jun 2021 16:17:55 +0200