Klaus Nuißl

Kategorie „Lebenswerk“ Niederbayern/Oberpfalz

Seit 13 Jahren engagiert sich Klaus Nuißl für Menschen mit seelischen Erkrankungen im Verein „Irren ist menschlich“ in Regensburg, seit 2011 als Vorstand. In sein Ehrenamt bringt er Expertise als Diplom-Psychologe und als selbst Betroffener ein.

„Vertrauen muss man sich verdienen“, sagt Klaus Nuißl. Echtes Interesse am anderen und seiner Geschichte seien notwendig, damit Menschen sich öffnen können. Dann reiche manchmal auch nur Zuhören aus, damit Menschen ganz von selbst auf Lösungen für ihre Probleme kommen, berichtet Klaus Nuißl über seine Arbeit als Genesungsbegleiter.

Vor vielen Jahren hat Klaus Nuißl selbst von der Unterstützung Psychiatrie-Erfahrener profitiert. Heute begleitet er Betroffene bei ihrem Genesungsprozess und organisiert Lesungen und Seminare beim Verein "Irren ist menschlich". Als Ex-In-Trainer und Genesungsbegleiter befähigt er Psychiatrie-Erfahrene dazu, andere Betroffene mit ihren Erfahrungen zu unterstützen. Für sein Engagement wurde Klaus Nuißl bereits mit der Bundesverdienstmedaille ausgezeichnet.

 

„Wir wollen alle auf etwas hinleben. Wir wollen uns auf etwas freuen.“


Mit dem Verein „Irren ist menschlich“ in Regensburg kam Klaus Nuißl nach einer eigenen kritischen Phase durch Mitpatient*innen in Kontakt. Durch die Arbeit im Verein, den er liebevoll als „bunten Haufen“ bezeichnet, und dessen verschiedene Projekte werde ihm immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, sich als psychisch kranker Mensch nicht nur als Hilfeempfänger zu verstehen, sondern selbstbewusst für die eigenen Interessen einzutreten.

Das sei dringend notwendig, sagt Klaus Nuißl, denn die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen bedeute mehr als nur ein „schlechter Ruf“. Sie gehe vielmehr mit echten Nachteilen, Diskriminierungs- und Ohnmachtserfahrungen einher. So leben Psychiatrie-Erfahrene zum Beispiel öfter als andere Menschen in Armut, wodurch ihre bereits eingeschränkte Teilhabe nochmals weiter beschnitten werde. Klaus Nuißl wünscht sich deshalb mehr gesellschaftliche Debatten über die Diskriminierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und, dass betroffene Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit sichtbarer werden.

Irren ist menschlich e.V.

Vielfältig waren die Probleme, die in den 1990er Jahren bundesweit dazu geführt haben, dass sich Psychiatrie-Erfahrene zusammengeschlossen haben, um sich nicht mehr nur behandeln zu lassen, sondern um auch selbst zu handeln. Aus dieser Bewegung heraus entstand in Regensburg der „Irren ist menschlich“ e.V. Der Verein wurde 1997 gegründet und ist im Laufe der Jahre zu einer festen Größe in der psychiatrischen und psychosozialen Landschaft in Regensburg und der Region Oberpfalz geworden.