Auf Augenhöhe statt auf Abstand: Das Clubhaus Schwalbennest

06.10.2026

Das Clubhaus Schwalbennest verfolgt einen besonderen Ansatz in der Unterstützung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Nach dem Clubhaus-Modell arbeiten Mitglieder und Mitarbeitende gleichberechtigt zusammen und gestalten den Alltag gemeinsam. Statt einer klassischen Betreuung steht dabei die aktive Teilhabe im Mittelpunkt: Die Mitglieder bringen ihre Fähigkeiten ein, übernehmen Verantwortung und entscheiden selbst, wie sie sich im Clubhaus engagieren möchten.   Wie dieser Ansatz im Alltag funktioniert, welche Rolle die Gemeinschaft und das gemeinsame Arbeiten spielen und vor welchen Herausforderungen Menschen mit psychischen Erkrankungen beim Wiedereinstieg ins Berufsleben stehen, darüber haben wir mit Vera Hahn, der Leiterin des Clubhauses Schwalbennest, gesprochen.

Paritätischer in Bayern: Was ist das Besondere am Konzept des Clubhauses und worin unterscheidet es sich von anderen Angeboten für Menschen mit psychischen Erkrankungen?

Vera Hahn (Clubhaus Schwalbennest): Das Besondere am Clubhaus-Konzept ist die Arbeit auf Augenhöhe mit den Mitgliedern. Die Mitglieder haben die Möglichkeit in allen Bereichen des Clubhauses mitzuarbeiten. Sie entscheiden nicht über den Speiseplan oder die Freizeitgestaltung mit – sondern auch über die Einstellung von neuen Mitarbeitenden. Deshalb gibt es Probetage für neue Mitarbeitende – ob BFD, ehrenamtliche oder feste Mitarbeitende – wo sich die Mitglieder eine Meinung zu der jeweiligen Person bilden können.

„Alle Clubhaustreffen sind sowohl für Mitglieder als auch Mitarbeitende offen. Es gibt keine offiziellen Treffen, bei denen konzeptionelle Entscheidungen oder Mitgliederangelegenheiten diskutiert werden.“ (Auszug aus den Clubhaus Richtlinien).

Ein sehr wichtiger Aspekt des Clubhauses ist auch die Gemeinschaft. Viele sagen, es ist einer Familie ähnlich. Wir duzen uns und erzählen auch mal persönliche Dinge – im Gegensatz zu einer sonst propagierten „professionellen Distanz“.

Welche Rolle spielt das gemeinsame Arbeiten und Gestalten im Alltag des Clubhauses?

Das gemeinsame Arbeiten im Clubhaus ist das Medium, um mit den Mitgliedern eine Beziehung aufzubauen. Die Mitglieder wählen aus, in welchem Bereich sie mitarbeiten wollen und bringen ihre Fähigkeiten ein. Jede/r bringt seine Fähigkeiten in dem Maße ein, wie er oder sie das möchte und jede/r profitiert von der Gemeinschaft. Beispielsweise gibt es jeden Tag ein sehr preiswertes Mittagessen, es gibt Aushänge über geplante Aktivitäten, Protokolle von Besprechungen, gegenseitige Unterstützung in vielen Bereichen, Kursangebote, Freizeitaktivitäten, das Clubhaus ist sauber und man fühlt sich wohl. Sowohl Mitglieder als auch Mitarbeitende bekommen sehr viel positives Feed back für ihre Arbeit..

Was sind die größten Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit und welche Entwicklungen würden Sie sich für das Clubhaus wünschen?

Die größte Herausforderung ist für uns, passende Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt - zum Einstieg meist auf Minijob-Basis – für unsere Mitglieder zu finden. Wir wünschen uns mehr Offenheit von Firmen in der Zusammenarbeit mit uns und unseren Mitgliedern. Es wäre schön, wenn wir unseren Mitgliedern ein breites Angebot verschiedener Jobs mit unterschiedlichen Anforderungen im Rahmen eines Übergangsarbeitsplatzes (für 6-9 Monate) anbieten könnten. Durch das rollierende System könnten viele Mitglieder wieder erste Schritte in das Arbeitsleben unternehmen.

Gibt es eine Begegnung oder eine Entwicklung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist und die zeigt, was das Clubhaus für seine Mitglieder bewirken kann?

Es gibt einige Mitglieder, die es im Laufe der Jahre geschafft haben, (zuerst durch einen Übergangsarbeitsplatz) wieder im Berufsleben Fuß zu fassen. Es gibt einige Mitglieder, die im Laufe der Zeit eine unglaublich tolle Entwicklung gemacht haben und plötzlich Dinge gemacht haben, die sie sich davor nie vorstellen konnten.

 

Mehr Infos zum Clubhhaus Schwalbennest finden Sie unter dem folgenden Link.

 

 

Eine Frau mit braunen Haaren (Vera Hahn) lächelt freundlich in die Kamera.

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Fachbereich Psychiatrie, Sucht- und Gefährdetenhilfe, Menschen mit psychischen Erkrankungen