Vom „erweiterten Notbetrieb“ zum „eingeschränkten Regelbetrieb“: Enorme Herausforderung für die Kitas
24.06.2020 Presse, Fachbereich Kinder und Jugend / Bildung, Bildung, Corona, Kinder und Jugend

Vom „erweiterten Notbetrieb“ zum „eingeschränkten Regelbetrieb“: Enorme Herausforderung für die Kitas

Der 1. Juli 2020 ist ein Datum, das viele Familien in Bayern herbeisehnen. Dann dürfen endlich wieder alle Kinder die Kitas besuchen. Denn sie gehen vom „erweiterten Notbetrieb“ zum „eingeschränkten Regelbetrieb“ über. „Was die Kinder in den letzten Monaten am meisten vermisst haben, sind andere Kinder. Eltern waren enorm belastet, weil sie gleichzeitig ihrer Erwerbsarbeit nachkommen und ihre Kinder betreuen mussten. Für sie bedeutet der ‚eingeschränkte Regelbetrieb‘ ein großer Schritt in Richtung Normalität“, so Margit Berndl, Vorstand des Paritätischen in Bayern. Diese Normalität sei leider immer noch sehr fragil.

Die Kitas arbeiten bisher auf Basis eines Rahmenhygieneplans. Eine angekündigte Überarbeitung liegt noch nicht vor. „Würden die bisherigen Vorgaben eins zu eins weiter gelten, müssten wir die Öffnungszeiten in unseren Einrichtungen deutlich reduzieren, um den Personaleinsatz ansatzweise gewährleisten zu können“, berichtet Raymond Walke, Geschäftsführer der PariKitas anlässlich des Besuchs der Bayerischen Sozialministern Carolina Trautner und der Gesundheitsministerin Melanie Huml in der „Flohkiste“, einer Kita des Paritätischen.

Fachkräftemangel verschärft Situation in Kitas

Schon jetzt seien die Einrichtungen in der praktischen Umsetzung der Hygienevorgaben vor große Herausforderungen gestellt. Denn die pädagogischen und organisatorischen Rahmenbedingungen einer Kita sind dabei nur unzureichend berücksichtigt. Da Personalausfälle durch Urlaub oder Krankheit nicht durch gegenseitige Aushilfen kompensiert werden können, könne es immer wieder dazu kommen, dass Gruppen wegen Personalmangel geschlossen werden müssten, so Walke weiter.

„Die Personalsituation war in vielen Kindertageseinrichtungen in Bayern auch vor Corona schon sehr angespannt. Der Fachkräftemangel wird verschärft, weil Mitarbeiter*innen, die zur Risikogruppe gehören, derzeit nicht eingesetzt werden können“, ergänzt Margit Berndl.

Das Kita-Personal hat in den letzten Monaten großartige Arbeit geleistet. Die meisten Kitas standen mit den Familien in regelmäßigem Kontakt, um auch während des Lockdowns mit den Kindern in Beziehung zu bleiben. Dabei sind viele tolle kreative Ideen entstanden. Gleichzeitig wurde der Notbetrieb aufrechterhalten und die Einrichtungen an die Hygienevorschriften angepasst. „Für diese wunderbare Arbeit möchte ich allen Mitarbeiter*innen in den Kitas herzlich danken“, so Margit Berndl.

Bedürfnisse der Kinder bisher zu wenig im Blick

„Die Kinder sind glücklich darüber, dass sie endlich wieder in die Kita kommen dürfen. Wir erfahren aber auch, wie es Kinder schmerzt, die nicht mit ihren Freunden in einer Gruppe sein können“, erzählt Raymond Walke. Da die Kinder die Gruppen nicht wechseln und auch keinen Kontakt zu anderen Kindern außerhalb der Gruppe haben dürfen, sind die Spiel- und Bildungsmöglichkeiten stark reduziert.

„Wir wünschen uns, dass den Einrichtungsträgern zugetraut wird, die wichtigen Hygieneschutzvorgaben an die jeweilige Situation der Einrichtung anzupassen. Wir werden zusammen mit den Eltern beraten, wie das Hygienekonzept so umgesetzt werden kann, dass sowohl der Gesundheitsschutz, als auch die Bedürfnisse der Kinder und die Belastungsfähigkeit des Personals gleichermaßen berücksichtigt sind“, so Raymond Walke weiter. Der Paritätische begrüßt die von der Bayerischen Staatsregierung angekündigte Ausweitung der Tests auf Erzieher*innen. Da in Kitas Abstandregeln nicht eingehalten werden können, müsse alles dafür getan werden, um Infektionsgeschehen so früh wie möglich zu erkennen.

Margit Berndl abschließend: „Auch nach Corona müssen wir weiter an besseren Rahmenbedingungen für die Kitas arbeiten: für eine Aufwertung der pädagogischen Berufe, für mehr und gut qualifiziertes Personal, für eine verlässliche Betreuungsinfrastruktur für Familien, für gute frühkindliche Bildung. Dafür setzt sich der Paritätische Wohlfahrtsverband ein.“

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