Inge Weiß

Kategorie „Lebenswerk“ Oberbayern

„Ich bin eine Gruppenfrau“, sagt Inge Weiß scherzhaft. Schon als 16-jährige war sie Gruppenleiterin in der kirchlichen Jugendarbeit. Die Seniorenhelfer*innengruppe der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen Unterhaching leitet die heute 85-jährige seit fast 20 Jahren.

Eine Tätigkeit auch im hohen Alter sei sinnvoll. Das finde nicht nur sie, sondern auch der Arzt ihres Vertrauens, berichtet Inge Weiß. Als 1999 die Rente losging, war für die ehemalige pädagogische Mitarbeiterin im Münchner Bildungswerk klar, dass sie sich nicht zur Ruhe setzt, sondern sich weiterhin in die Gesellschaft einbringt. Seit 2004 betreut Inge Weiß mit „ihren Seniorenhelfer*innen“ in Taufkirchen stundenweise von Demenz betroffene Menschen, um pflegende Angehörige etwas zu entlasten. Die Betroffenen werden zu Hause besucht und kommen an zwei Nachmittagen in der Woche in die Nachbarschaftshilfe.

An ihrem Ehrenamt schätzt Inge Weiß besonders, dass sie eigene Ideen einbringen und die Inhalte und Aktivitäten der Tagesbetreuung mitgestalten kann. Dieser Gestaltungsspielraum und die jährlichen Fortbildungen haben sie über die ganzen Jahre motiviert, dran und dabei zu bleiben. Sie habe so viel in ihrem Ehrenamt dazugelernt - und lerne immer noch! Viel Freude mache ihr auch, Gelerntes an andere weiterzugeben. In ihrem Ehrenamt habe sie einfach so weitergemacht, wie sie es von ihrem Berufsleben gewohnt war.

 

Es fühle sich richtig gut an, in Taufkirchen zu Hause zu sein, sagt Inge Weiß. Denn auf ihre Kontakte und ein gutes Miteinander kann sie sich Dank ihres Engagements auch selbst jederzeit verlassen.

 

Sie kenne viele Leute in Taufkirchen, sagt Inge Weiß. Potentielle Freiwillige für die Nachbarschaftshilfe spricht und wirbt sie deshalb auch persönlich an. Mit Sorge beobachtet Inge Weiß, dass die Suche nach neuen Seniorenhelfer*innen jedoch immer schwieriger wird. Als sie vor vielen Jahren mit ihrem Engagement begonnen hat, waren die freiwilligen Helfer*innen oft ältere Damen und Hausfrauen. Heute suchen vor allem jüngere Menschen eher einen Zuverdienst als ein Engagement. Deshalb müsse man über neue Formen der Unterstützung in der Tagesbetreuung nachdenken, meint sie. Denn auch die Erwartungen der pflegenden Angehörigen seien gestiegen: Deren Bedarfe könnten von den Ehrenamtlichen nicht immer abgedeckt werden. Was manchmal auch zu Frust auf beiden Seiten führt. Aber auch damit kann Inge Weiß umgehen. Denn sie weiß um die Verdienste, die sie und ihr Team seit Jahren mit ihrem Angebot erbringen.

Nachbarschaftshilfe Taufkirchen Unterhaching e.V.

Seit den 1970er Jahren setzt sich die Nachbarschaftshilfe Taufkirchen Unterhaching e. V. erfolgreich für die Menschen vor Ort ein. Sie versteht sich als überparteiliche Einrichtung „von Bürgern für Bürger“ und wendet sich an alle Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Weltanschauung oder Nationalität. Die Nachbarschaftshilfe stellt mit ihren professionellen Dienstleistungen und niedrigschwelligen Angeboten für alle Altersgruppen soziale Infrastruktur in Taufkirchen und Unterhaching sicher. Heute realisieren etwa 420 ehrenamtliche und angestellte Mitarbeitende eine Vielzahl innovativer Konzepte und Leuchtturmprojekte.