Sozialer Fahrplan für Weiden: Paritätischer diskutiert mit OB-Kandidierenden über die Zukunft der Stadtpolitik

18.02.2026

Weiden i.d.OPf., 13.02.2026 – Die soziale Frage entscheidet sich vor Ort: In der Kita, in der Beratungsstelle und in der Obdachlosenhilfe. Unter dem Titel „Sozial. Demokratisch. Kommunal.“ lud der Paritätische Wohlfahrtsverband Niederbayern/Oberpfalz am 12. Februar zum sozialpolitischen Dialog in die „OASE“ in Weiden ein. Im Fokus standen die Forderungen der lokalen Mitgliedsorganisationen des Bezirksverbands an die OB-Kandidierenden und Fraktionsvertreter*innen. Die Politiker*innen lobten das Format als einzigartig und betonten, dass der Verband zusammen mit der Praxis damit zum richtigen Zeitpunkt vor der Kommunalwahl eine wichtige inhaltliche Lücke in Weiden füllt.

Theresa Sittl (Bezirksverbandsgeschäftsführerin) und Peter Weiß (Vorsitzender des Bezirksausschusses), die das Format moderierten, machten deutlich: „Soziale Teilhabe ist kein Luxusgut, sondern die Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Sittl forderte die Politik auf, ein Klima der Wertschätzung gegenüber armutsgefährdeten Menschen zu schaffen und demokratische Werte gemeinsam stark zu machen, statt Narrative der Spaltung zu bedienen.

Expertise aus der Praxis: Forderungen der Mitgliedsorganisationen

Die Vertreter der sozialen Einrichtungen brachten die drängendsten Probleme Weidens direkt auf das Podium. Benjamin Kahnes und Julia Zimmermann (Das magische Projekt e.V.) sowie Stephanie Roberts (Die Initiative e.V.) schilderten eindringlich die Situation in der Jugendarbeit und der Obdachlosenhilfe. Sie verdeutlichten, dass gerade junge Menschen ohne stabiles Elternhaus ein verlässliches Netz brauchen. Auch das Vorhalten von Wohnungen für wohnungslose junge Erwachsenen wäre ein wirksamer Hebel, um der Abwärtsspirale entgegenzuwirken. Christian Henkens (ARV Weiden) unterstrich die Notwendigkeit stabiler Rahmenbedingungen für eine unabhängige und verlässliche Beratung rund um das komplexe Thema Pflegebedürftigkeit in Form eines Stützpunktes. Auch forderte er die konsequente Umsetzung des sozialpolitischen Gesamtkonzepts.

Wohnraum und Armut: Innovative Ansätze im Fokus

Ein zentrales Thema war die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt. Während Laura Weber (Bündnis 90/Die Grünen) gezielte Anreize für Vermieter*innen zur Nutzung von Leerständen vorschlug, regte Florian Vogel (FDP) an, den sozialen Wohnungsbau durch neue Wege zu beschleunigen. Gemeinsam bekundeten alle Anwesenden, sich weiterhin für den sozialen Wohnungsbau auf dem Turnerbund-Gelände in Weiden einzusetzen.

Dr. Benjamin Zeitler (CSU) fokussierte sich auf bürokratische Hürden und versprach, die Bearbeitungszeiten für Wohngeld massiv zu verkürzen. Zudem wolle er Stiftungsrichtlinien so überarbeiten, dass Fördergelder unkomplizierter dort ankommen, wo sie gebraucht werden, um die starken bestehenden Strukturen in der Sozialen Arbeit in Weiden zu stärken.

Bessere Vernetzung: Die Idee des „Sozial-Lotsen“

Einig war sich die Runde über die Notwendigkeit einer besseren Koordination. Jürgen Meyer (Bürgerliste) brachte hierfür die Vision eines „Sozial-Lotsen“ bei der Stadtverwaltung ein. Dieser solle als zentraler Vernetzer fungieren, der die Expertise von Pflegestützpunkten, Suchtberatungen und Vereinsengagement bündelt und Hilfesuchende direkt mit den richtigen Anlaufstellen zusammenbringt.

Faire Löhne für Fachkräfte und Professionalisierung in der Jugendarbeit

Ergänzend dazu betonte Florian Vogel (FDP), dass eine starke soziale Stadt nur mit motivierten Fachkräften funktioniere. Er rückte die Bezahlung der Fachkräfte in den Fokus: Eine übertarifliche Vergütung sei nicht nur eine Frage des Geldes, sondern ein notwendiges Zeichen gesellschaftlicher Wertschätzung für die hohe Professionalität im sozialen Sektor.

Roland Richter (SPD) warnte davor, die Jugend pauschal zu problematisieren: „Höhere Fallzahlen in der Jugendhilfe sind auch ein Zeichen dafür, dass wir heute dank mehr Fachpersonal genauer hinschauen und früher helfen können.“ Er betonte zudem, wie wichtig das Engagement in Verbänden und Vereinen für eine demokratische und soziale Stadtgesellschaft sei.

Best Practice Beispiele nachhaltig fördern

Besonderes Lob gab es für bewährte lokale Strukturen. Laura Weber (Bündnis 90/Die Grünen) hob explizit die Arbeit des AK Asyl hervor: Seit Jahrzehnten sorge dieser dafür, dass Kinder mit Migrationshintergrund durch exzellente Betreuung überdurchschnittlich oft einen Schulabschluss erreichen – ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Weiden, das es unbedingt zu unterstützen gelte.

Ein Format mit Seltenheitswert

Am Ende der dreistündigen, intensiv geführten Debatte zeigten sich die Politiker*innen beeindruckt von der Initiative des Paritätischen Bezirksverbands. Ein solch dezidiert sozialpolitisches Format im Vorfeld der Wahl sei einzigartig und habe eine wichtige Plattform für Themen geschaffen, die sonst oft zu kurz kommen.

Peter Weiß fand zum Abschluss berührende Worte für die Zukunft: „Wir müssen uns die Fähigkeit zur Empathie erhalten. Wer diese verliert, öffnet dem rechten Rand die Tür.“ Er appellierte an die Politiker, die demokratischen Werte hochzuhalten und Weiden als einen Ort der Solidarität zu bewahren.

Weiterführende Informationen:

Ansprechpartnerin für die Presse:

Gabriele Dorby | 089 30611-245 | presse(at)paritaet-bayern.de

Bezirksverbandsgeschäftsführerin Niederbayern/Oberpfalz:

Theresa Sittl| 0941 | 5993880 | niederbayern.oberpfalz(at)paritaet-bayern.de

Über den Paritätischen Wohlfahrtsverband in Niederbayern/Oberpfalz:

Der Paritätische in Bayern ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dem Bezirksverband Niederbayern | Oberpfalz haben sich rund 60 Mitgliedsorganisationen angeschlossen, die in allen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind. Der Paritätische ist zudem selbst Träger sozialer Einrichtungen. Er ist parteipolitisch unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden.
Mehr Infos: https://niederbayern-oberpfalz.paritaet-bayern.de/

 

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