München, 22.04.2026 — Mit einer inhaltlich wie persönlich eindrucksvollen Veranstaltung hat der Paritätische in Bayern seine langjährige Vorständin für Verbands- und Sozialpolitik, Margit Berndl, nach 16 Jahren im Amt in den Ruhestand verabschiedet. Im Rahmen der Reihe „Der Paritätische im Diskurs“ kamen im Haus der Sudetendeutschen Stiftung in München zahlreiche Vertreter*innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Wohlfahrtspflege und Verwaltung zusammen. Berndl zeigte sich davon „sehr berührt“: Die große Resonanz sei auch Ausdruck der gemeinsamen Verantwortung für die sozialen Fragen der Zeit.
Die Veranstaltung verband einen klaren inhaltlichen Schwerpunkt mit fachlichem Austausch und persönlicher Würdigung. Im Zentrum stand die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten zunehmender politischer Polarisierung – ein Thema, das Berndl bewusst für ihren Abschied gewählt hatte: „Ich bin überzeugt, dass eine gemeinsame Standortbestimmung zur Rolle der Zivilgesellschaft entscheidend ist, um einen Beitrag zur Stabilisierung und zum Erhalt unserer offenen Demokratie zu leisten.“
Die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf würdigte Berndl als „prägende Kraft mit klarer Haltung und starker Stimme für die soziale Infrastruktur in Bayern“. Sie sei „faire Mahnerin und verlässliche Partnerin“ gewesen, die stets Brücken gebaut habe und der „die Sache wichtiger war als die Person“.
Den fachlichen Impuls setzte Prof. Dr. Swen Hutter, Direktor des Zentrums für Zivilgesellschaftsforschung an der Freien Universität Berlin und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung WZB. Er warnte eindringlich vor den Folgen wachsender Polarisierung: „Die Zivilgesellschaft steht heute unter doppeltem Druck: von außen durch antidemokratische Einflussnahme, von innen durch Spaltung und Rückzug.“ Wer diese Räume des Miteinanders schwäche, „schwächt die Demokratie selbst“.
Im anschließenden Podiumsgespräch mit Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, und Dr. Andrea Taubenböck, Vorständin des Wertebündnis Bayern, wurde die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteur*innen weiter vertieft. Taubenböck betonte: „In Zeiten politischer Polarisierung kann und muss die Zivilgesellschaft Brücken bauen, Dialog fördern und klar für demokratische Werte einstehen.“ Rock unterstrich die besondere Rolle des Paritätischen: „Wir sind nicht nur Dienstleister und Interessenvertreter, sondern auch Aktivposten für gelebte Demokratie.“ Margit Berndl habe dieses Selbstverständnis „mit klarer Haltung, herausragender Expertise und großer Empathie verkörpert“.
Auch Berndl selbst machte in ihren Beiträgen die Herausforderungen deutlich, vor denen die soziale Infrastruktur steht. Diese werde „zunehmend unter Druck“ geraten und allzu häufig lediglich als Kostenfaktor betrachtet. Dem hielt sie entschieden entgegen: „Soziale Infrastruktur ist kein Luxus. Sie ist Grundlage für Teilhabe, für Chancengleichheit und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Mit Verweis auf das Sozialstaatsprinzip betonte sie: „Das Grundgesetz gilt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“
Zugleich blickte Berndl auf die Entwicklung des Paritätischen in Bayern zurück. Sie beschrieb einen Verband „mit hoher fachlicher Expertise, mit klarer Haltung und einer deutlichen, kritischen Stimme“, getragen von rund 800 Mitgliedsorganisationen. Diese seien „das Fundament, das den Verband trägt“. Besonders hob sie die gelebten Werte hervor: Vielfalt, Inklusion, Gleichberechtigung und eine Organisationskultur, die von Vertrauen und Zusammenarbeit geprägt sei.
Mit Blick in die Zukunft formulierte Berndl einen klaren Anspruch: „Es fehlt eine gemeinsame Vision für ein zukünftiges soziales Bayern.“ Es brauche ein Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, denn „die Sicherung einer verlässlichen sozialen Daseinsvorsorge ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Letztlich gehe es „um nicht weniger als den sozialen Frieden und die Stabilität unserer Demokratie“.
Nach insgesamt 33 Jahren beim Paritätischen verlässt Margit Berndl den Verband „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Sie blicke dankbar zurück auf eine prägende Zeit und zahlreiche Wegbegleiter*innen. Zugleich betonte sie: „Ich bin stolz, dass ich den Paritätischen mitgestalten durfte – als ein Mosaikstein auf dem Weg zu einem sozialen Bayern.“
Der Paritätische in Bayern dankt Margit Berndl für ihren herausragenden und unermüdlichen Einsatz. Ihr Engagement für Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit und eine starke Zivilgesellschaft wird den Verband auch über ihren Abschied hinaus prägen.
Weiterführende Informationen
Ansprechpartnerin für die Presse:
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Über den Paritätischen Wohlfahrtsverband in Bayern:
Der Paritätische in Bayern ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dem Landesverband haben sich rund 800 Mitgliedsorganisationen angeschlossen, die in allen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind. Der Paritätische ist zudem selbst Träger sozialer Einrichtungen. Er ist parteipolitisch unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden.