Paritätischer und Politik diskutieren über Zusammenhalt in Zeiten knapper Kassen

17.02.2026

Wie steht es um den sozialen Zusammenhalt vor Ort, insbesondere in Zeiten knapper Haushaltskassen, wachsender Herausforderungen und einer bevorstehenden Kommunalwahl? Diese Frage stand im Mittelpunkt zweier sozialpolitischer Dialoge des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niederbayern/Oberpfalz in Landshut und Weiden in der Oberpfalz.

Unter dem gemeinsamen Titel „Sozial. Demokratisch. Kommunal.“ brachte der Bezirksverband Mitgliedsorganisationen und Kommunalpolitik an einen Tisch. Ziel war es, Menschen aus der Sozialen Arbeit direkt mit politischen Entscheidungsträger*innen ins Gespräch zu bringen.

Soziale Infrastruktur unter Druck

Die Herausforderungen in Weiden und Landshut sind ähnlich: steigende Bedarfe, angespannte Haushalte, hohe Anforderungen an Fachkräfte und Ehrenamtliche. Gleichzeitig wurde in beiden Veranstaltungen deutlich, wie viel Expertise und Innovationskraft in der sozialen Landschaft vor Ort steckt.

In Landshut stand insbesondere die Situation der Obdachlosenhilfe im Fokus. Insbesondere im Ehrenamt Tätige leisten dort Monat für Monat enorme Arbeit. Die Diskussion machte deutlich: Wenn diese tragenden Säulen wegbrechen, gerät die gesamte soziale Grundversorgung ins Wanken. Parteivertreter*innen signalisierten hier parteiübergreifend Handlungsbereitschaft.

Auch die Kinder- und Jugendhilfe war ein zentrales Thema. Die Träger betonten: Prävention ist nicht Kür, sondern Pflicht. Frühzeitige Unterstützung verhindere spätere menschliche sowie finanzielle Kosten. Gefordert wurden verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine stärkere Sozialraumorientierung, damit Kinder möglichst in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können.

Migration pragmatisch gestalten

In beiden Städten wurde Migration nicht als Problem, sondern als Gestaltungsaufgabe diskutiert. Vertreter*innen der Politik plädierten für pragmatische Lösungen, schnellere Verfahren und klar definierte kommunale Kriterien, um Menschen im Asylverfahren rascher in Arbeit zu bringen.

Die soziale Praxis machte deutlich: Investitionen in Beratung, psychosoziale Begleitung und Integration sind keine freiwilligen Leistungen, sondern wirtschaftlich sinnvoll, weil sie langfristige Folgekosten vermeiden.

Wohnen, Pflege, Teilhabe: Soziale Fragen entscheiden sich vor Ort

Ein weiteres verbindendes Thema war der angespannte Wohnungsmarkt. Diskutiert wurden sozialer Wohnungsbau, die Aktivierung von Leerständen, bessere Kontrolle von Wohnraum sowie innovative Ansätze wie Mehrgenerationenhäuser oder spezielle Wohnangebote für junge wohnungslose Menschen.

In Weiden kam zudem die Idee eines „Sozial-Lotsen“ auf – einer zentralen Stelle in der Stadtverwaltung, die Hilfesuchende gezielt durch das komplexe Netz sozialer Angebote führt und gleichzeitig die verschiedenen Akteur*innen besser vernetzt. Auch die Sicherung unabhängiger Pflegeberatung und die konsequente Umsetzung bestehender sozialpolitischer Gesamtkonzepte wurden eingefordert.

Fachkräfte stärken, Demokratie schützen

Deutlich wurde in beiden Städten: Eine starke soziale Infrastruktur braucht motivierte und gut bezahlte Fachkräfte. Faire Vergütung ist nicht nur eine Frage der Attraktivität des Berufs, sondern auch Ausdruck gesellschaftlicher Wertschätzung.

Gleichzeitig zog sich ein übergeordnetes Thema durch beide Abende: die Bedeutung demokratischer Werte. Soziale Teilhabe wurde als Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt verstanden. Empathie, Wertschätzung gegenüber armutsgefährdeten Menschen und der bewusste Einsatz gegen Narrative der Spaltung wurden mehrfach betont.

Neun Personen stehen in einem Konferenzraum hinter einem Rednerpult und einem Tisch mit Namensschildern.

Teilnehmende der Veranstaltung "Sozial. Demokratisch. Kommunal" in Weiden in der Oberpfalz.

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