Landshut, 11.02.2026 – Die soziale Infrastruktur in Landshut steht unter Druck, doch wie lässt sie sich zukunftssicher gestalten? Unter dem Motto „Sozial. Demokratisch. Kommunal.“ lud der Paritätische Bezirksverband Niederbayern/Oberpfalz am vergangenen Mittwoch ins Haus Isar seiner Mitgliedsorganisation Sozialteam - Soziotherapeutisches Zentrum Landshut ein. Vor dem Hintergrund der Kommunalwahl präsentierten Mitgliedsorganisationen des Paritätischen ihre Forderungen an die Stadtpolitik. Das Fazit des Abends: In zentralen Fragen wie Entbürokratisierung, pragmatischer Migrationspolitik und barrierefreiem Wohnen gibt es parteiübergreifend Konsens – nun müssen Taten folgen.
Theresa Sittl (Bezirksverbandsgeschäftsführerin) und Peter Weiß (Vorsitzender des Bezirksausschusses) moderierten den Abend und machten deutlich, dass das sozialpolitische Format des Paritätischen eine einzigartige Plattform bietet, um die Expertise der sozialen Praxis direkt in die Stadtpolitik zu tragen. Die anwesenden Politiker*innen lobten die Initiative ausdrücklich als wichtigen Impulsgeber zum richtigen Zeitpunkt.
Ehrenamt und Profis am Limit: Forderungen zur Obdachlosenhilfe
Ein emotionaler Schwerpunkt war die Lage der Berberhilfe Landshut e.V., die an dem Abend von Michael Kaindl (1. Vorsitzender des Vereins) vertreten wurde. Mit 1.400 Ehrenamtsstunden pro Monat leistet der Verein eine Grundversorgung, die eigentlich staatliche Aufgabe wäre. Theresa Sittl warnte: „Wenn dieses Ehrenamt unter der Last verdoppelter Klientenzahlen unter Druck gerät, bricht ein Teil der Landshuter Grundversorgung weg.“ Detlef Rüsch (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte zu, dass die Stärkung solcher Strukturen dringend ausgebaut werden müssen.
Prävention spart Krisenintervention: Kinder- und Jugendarbeit in Landshut
Ein besonderes Augenmerk lag auf der engen Verzahnung der sozialen Angebote. Iris Kelz (Menschenkinder e.V.) verdeutlichte eindringlich den Wert der frühen Prävention: Ihr Ansatz setzt an, bevor Probleme chronisch werden. Es wurde deutlich, dass jede Investition in die Arbeit von Menschenkinder e.V. Belastungen abfedert, die später – etwa, wenn Organisationen wie die Startklar Soziale Arbeit gGmbH in der intensiven Jugendhilfe aktiv werden müssen – ungleich höhere menschliche und finanzielle Kosten verursachen würden. „Prävention ist kein Aufschub, sondern die effektivste Form des Kinderschutzes“, so der Tenor der Diskussion.
In logischer Konsequenz forderten Heinz Schätzel und Meline Mazinjan (Startklar – Soziale Arbeit Niederbayern) eine echte „Verantwortungsgemeinschaft“ zwischen Stadt und Trägern. Ihr Ziel: Eine konsequente Sozialraumorientierung, damit „Landshuter Kinder auch in Landshut bleiben können“. Schätzel kritisierte den aktuellen Missstand, dass Kinder mangels lokaler Kapazitäten oft in hunderte Kilometer entfernte Einrichtungen vermittelt werden müssen. Um die Fachkräfte vor Ort zu stärken, wurde in der Runde zudem angeregt, Verträge künftig auf Pauschalbasis mit klaren Qualitätszielen, statt auf mühsamer Stundenbasis abzuschließen. Dies würde die Verwaltung entlasten und mehr Zeit für die eigentliche Arbeit mit den jungen Menschen schaffen.
Migration als Chance: Pragmatismus statt Bürokratie
Einig waren sich die Parteien beim Thema Migration. Anja König (SPD) forderte klare städtische Kriterien, um Menschen im Asylverfahren schneller in Arbeit zu bringen. Hier müsse die Stadt in Vorleistung gehen. Kirstin Sauter (FDP) unterstützte dies mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für mehr Pragmatismus in den Behörden. Sie schilderte ihre eigenen Erfahrungen mit der komplizierten Bürokratie in der Ausländerbehörde und vereinfachte Verfahren, um Fachkräftepotenziale unter Geflüchteten endlich zu nutzen.
Die präventive Arbeit von Refugio, die von Sarah Gerstl vorgestellt wurde, diskutierte die Runde als wirtschaftliche Investition in den Standort Landshut. Die Forderung: Die Finanzierung des Gesamtkonzepts müsse von einer durch eine verlässliche „Regelleistung“ der Stadt Landshut künftig besser unterstützt werden, um Folgekosten durch Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden.
Wohnraum und Alter: Barrierefreiheit als gemeinsames Ziel
Beim Thema Wohnen verwies Hans-Peter Summer (CSU) auf die Erfolge am Rennweg, betonte aber auch die Bedeutung der Seniorenarbeit, etwa in Pfarrheimen. Sonja Axthaler (Freie Wähler) und die gesamte Runde waren sich einig: Eine gelingende Zukunft im Alter ist untrennbar mit einer barrierefreien Stadtgestaltung verbunden. Christian Halbig, Geschäftsführer vom Landshuter Netzwerk e.V. erinnerte an das Seniorenpolitische Gesamtkonzept der Stadt Landshut und die Wichtigkeit der konsequenten Umsetzung und Fortschreibung für eine alters- und pflegefreundliche Kommune.
Kritik am Wohnungsmarkt kam von Anja König (SPD), die ein Wohnraumaufsichtsgesetz forderte, um menschenunwürdige Zustände bei als Sozialwohnungen vermieteten Objekten zu verhindern. Detlef Rüsch (Bündnis 90/ Die Grünen) unterstrich, dass die Bereitstellung von Wohnraum durch Wohnungsbaugesellschaften auch eine Form von Kinderschutz sei, und regte die Förderung von Mehrgenerationenhäusern an.
Nachhaltiger Austausch: Ein soziales Dialogforum für Landshut
Einig waren sich die Teilnehmenden am Ende des Abends vor allem in einem Punkt: Die Debatte über soziale Gerechtigkeit darf mit dem Wahltag nicht enden. Auf Vorschlag des Paritätischen stieß die Idee eines verstetigten sozialen Dialogforums auf breite Zustimmung bei allen Parteivertretern. Ziel dieses Formats soll es sein, auch nach der Kommunalwahl die politische Ebene regelmäßig mit der sozialen Praxis und – ganz entscheidend – mit der Perspektive der Betroffenen zusammenzubringen. „Wir brauchen diesen direkten Draht, um die komplexen Probleme der Stadt gemeinsam und ohne bürokratische Scheuklappen zu lösen“, resümierte Theresa Sittl den parteiübergreifenden Konsens.
Fazit: Ein Format, das Lücken schließt
Die Veranstaltung zeigte, dass trotz knapper Kassen der Wille zur Gestaltung da ist. Peter Weiß mahnte zum Abschluss, dass die Empathie das wichtigste Gut der Politik bleibe, um den sozialen Frieden zu sichern. Das Lob der Politiker*innen für das Format unterstrich dessen Einzigartigkeit: Der Paritätische hat es geschafft, die drängendsten sozialen Themen Landshuts pünktlich zum Wahlkampfauftakt unüberhörbar auf die Agenda zu setzen.
Weiterführende Informationen:
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Bezirksverbandsgeschäftsführerin Niederbayern/Oberpfalz:
Theresa Sittl| 0941 | 5993880 | niederbayern.oberpfalz(at)paritaet-bayern.de
Über den Paritätischen Wohlfahrtsverband in Niederbayern/Oberpfalz:
Der Paritätische in Bayern ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dem Bezirksverband Niederbayern | Oberpfalz haben sich rund 60 Mitgliedsorganisationen angeschlossen, die in allen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind. Der Paritätische ist zudem selbst Träger sozialer Einrichtungen. Er ist parteipolitisch unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden.
Mehr Infos: https://niederbayern-oberpfalz.paritaet-bayern.de/