München, 6. März 2026 – Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März appelliert der Paritätische in Bayern an die Staatsregierung, das vorhandene Schutz- und Hilfesystem für Frauen mit Gewalterfahrung zu sichern. „Selbst wenn wir das bestehende System nur erhalten wollen – wir reden hier nicht von einem Ausbau – wäre mehr als eine Verdoppelung der bisherigen Mittel notwendig. Andernfalls ist das bisher Erreichte nicht mehr haltbar, Angebote werden weniger. Ein Rückschritt im Gewaltschutz droht – mit der Folge, dass Frauen und ihre Kinder größerer Gefahr ausgesetzt sind“, warnt Margit Berndl, Vorständin Verbands- und Sozialpolitik des Paritätischen in Bayern.
Mit dem Gewalthilfegesetz, das 2025 verabschiedet wurde, geht die finanzielle Verantwortung für Beratung, Schutz und Unterbringung gewaltbetroffener Frauen und ihrer Kinder vollständig auf die Länder über. Damit entfällt die bisherige Beteiligung der bayerischen Kommunen. Daraus folgt, dass das Land Bayern die notwendigen Mittel für ein bedarfsdeckendes Schutz- und Hilfesystem künftig selbst in ausreichender Höhe bereitstellen muss. Nach Hochrechnungen der bayerischen Wohlfahrtsverbände müssten die Mittel im Haushalt für 2027 mit mindestens 65 Millionen Euro eingeplant werden. Der aktuelle Entwurf des bayerischen Doppelhaushalts, der im April abgestimmt wird, sieht aber nur etwa 30 Millionen Euro vor.
Der Bedarf an Schutz, Beratung und Prävention ist weitaus größer als bislang angenommen. Die Zahlen von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt, auch im Hellfeld der angezeigten Taten, steigen jährlich, wie die Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik und des Bundeslagebilds zu häuslicher Gewalt zeigen.
Bereits diese Zahlen sind erschreckend, aber nur die Spitze des Eisbergs, wie die im Februar veröffentlichte Dunkelfeldstudie des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Titel „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA) vor Augen führt: Ihr zufolge wird ein Großteil von Gewalterfahrungen in Deutschland nicht angezeigt. Die Anzeigequoten sind unabhängig von der Form der verübten Gewalt durchgehend niedrig; sie liegt bei den meisten Gewaltformen unter zehn Prozent. Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften liegen die Anzeigequoten psychischer und körperlicher Gewalt sogar unter fünf Prozent.
„Diese Zahlen und unsere Arbeit machen deutlich: Wir müssen gewährleisten, dass das bestehende Schutz- und Hilfesystem für Frauen mit Gewalterfahrung mindestens erhalten bleibt, wohl wissend, dass dies angesichts steigender Zahlen von Betroffenen nicht reichen wird. Ein massiver Ausbau von Schutzhäusern und Beratungsstellen ist notwendig. Nötig ist auch die gezielte Förderung der Arbeit mit Täterinnen und Tätern und ein deutlicher Ausbau von Präventionsmaßnahmen, damit es gar nicht zur Gewalt gegen Frauen kommt“, fasst Berndl zusammen.
Zum Weltfrauentag fordert der Paritätische in Bayern deswegen: Das Land muss den einklagbaren Anspruch auf Unterstützung verlässlich umsetzen und damit seiner Verantwortung gegenüber Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, gerecht werden.
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Über den Paritätischen Wohlfahrtsverband in Bayern:
Der Paritätische in Bayern ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dem Landesverband haben sich rund 800 Mitgliedsorganisationen angeschlossen, die in allen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind. Der Paritätische ist zudem selbst Träger sozialer Einrichtungen – so betreibt er beispielsweise eigene Frauenhäuser und Beratungsstellen. Er ist parteipolitisch unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden.