Kategorie „Lebenswerk“ Unterfranken
Beim Besuch ihres Orthopäden erhielt Annemarie Haering eine niederschmetternde Diagnose. Statt zu verzweifeln, gründete sie eine Selbsthilfegruppe in Schweinfurt. Über 35 Jahre half sie Betroffenen – mit offenem Ohr, Fachwissen und unermüdlichem Einsatz.
Nur durch Zufall wird bei Annemarie Haering im Jahr 1989 Osteoporose diagnostiziert. Nach dem Blick auf die Röntgenaufnahme gibt ihr der Arzt eine niederschmetternde Nachricht: Es sei zu spät, sie werde im Rollstuhl landen. Um andere Menschen vor einem ähnlichen Zufallsfund zu bewahren, wendet sich Haering noch am selben Tag an die Öffentlichkeit und berichtet beim Rundfunk, bei der Stadt Schweinfurt und bei der Volkshochschule von ihrer Diagnose.
Wenige Tage später meldet sich eine Frau aus Würzburg mit ähnlichem Schicksal und ermutigt Annemarie Haering, selbst eine Gruppe zu gründen. Innerhalb weniger Wochen finden sich 20 Interessierte zusammen. Die Volkshochschule stellt Räume zur Verfügung. Bald sind es 40, dann 60, schließlich über 100 Mitglieder.
Schnell arbeitet sich Haering in die Materie ein, vernetzt sich mit dem ein Jahr zuvor gegründeten Bundesverband Osteoporose, besucht Fachvorträge von Ärzten und Fortbildungen. Das zahlt sich aus: Die Krankenkassen sagen Zuschüsse zur Therapie zu, nachdem die Gruppe sich so positiv bewährt hat.
Von den 20 Gründungsmitgliedern ist Annemarie Haering heute die Einzige, die noch lebt. Mit 93 Jahren macht sie noch immer Wasser- und Trockengymnastik in ihrer Gruppe. Abends um halb neun klingelt manchmal das Telefon – Betroffene, die Rat suchen. Sie nimmt sich die Zeit, hört zu, teilt ihre Erfahrungen.
„Es macht einfach Freude, wenn die Menschen am Ende sagen: Wir sind so gut über die Hürden gekommen, weil Sie uns geholfen haben.“
Ihr Ehemann unterstützte sie über Jahrzehnte. Gemeinsam testeten sie Ausflugsziele und Kurorte für die Gruppe. Neben der Osteoporose-Selbsthilfe engagierte sich Haering bei der Kirche, in der Altenpflege und für Aussiedler. Dafür erhielt sie die Goldene Ehrenamtskarte Bayerns. Für sie war das alles selbstverständlich und ihr war es beinahe unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen. Bis sie erkannte, dass sie damit anderen als Vorbild dienen und ihre Freude am Engagement für andere Menschen teilen kann. Bis heute engagiert sie sich in der Osteoporose-Selbsthilfegruppe Schweinfurt und freut sich, eine engagierte Nachfolgerin als Leitung für die Gruppe gefunden zu haben.
Luise Kiesselbach Preis 2026: Annemarie Haering
Selbsthilfe Landesverband für Osteoporose Bayern
Der Selbsthilfe Landesverband für Osteoporose Bayern wurde 1992 gegründet und vereint aktuell 37 Selbsthilfegruppen. Der Verband informiert über das Krankheitsbild Osteoporose und vertritt die Interessen der Betroffenen gegenüber Politik und Gesundheitswesen. In den Gruppen erhalten Erkrankte Unterstützung, Austausch und Funktionstraining. Das Ziel ist es, durch Aufklärung und Prävention die Lebensqualität zu verbessern und Betroffenen Mut zu machen.
Zu den Internetseiten vom Selbsthilfeverband für Osteoporose e.V.