Kategorie „Lebenswerk“ Oberbayern

Seit über 34 Jahren setzt sich Dr. Christa Lippmann mit außergewöhnlichem Engagement für ein selbstbestimmtes, gemeinschaftliches Leben älterer Frauen ein. Aus einer evangelischen Frauengruppe heraus entstand die Idee: im Alter miteinander wohnen – unabhängig, aber nicht allein.

Über ihr Engagement beim Verein „Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e.V." hat Dr. Christa Lippmann ein Lebenswerk geschaffen, das das Leben vieler Frauen im Alter grundlegend verändert. Der Verein eröffnet Frauen mit meist klassischen Erwerbsbiografien – viel Familienarbeit, wenig Rente – die Chance auf ein gutes Leben im Alter. In Neubauten werden acht bis zehn Wohnungen an Frauen vergeben, ergänzt durch einen Gemeinschaftsraum. Jede Frau hat ihre eigene Wohnung, doch im selben Haus entsteht eine tragfähige, verlässliche Nachbarschaft: gemeinsam Kaffee trinken, sich gegenseitig unterstützen, offene Treffen sowie gemeinsam Feste feiern.             

Entscheidend für die Wirkung dieses Projekts ist die intensive sozial-psychologische Begleitung der Frauengruppen. Hilfe im Alltag, der Weg zur Apotheke, eine Suppe kochen oder die Begleitung zum Arzt werden ebenso selbstverständlich organisiert wie gemeinsame Aktivitäten, in denen Frauen neue Interessen entdecken, sich weiterbilden und Selbstbewusstsein gewinnen.

Hinter all dem steht die unbezahlte Arbeit von Lippmann, die über Jahrzehnte für den Verein tätig war: Sie verhandelte mit Wohnungsunternehmen und Stadtrat, schrieb unzählige Anträge, ringt bis heute mit überbordender Bürokratie und ist zugleich erste Ansprechpartnerin für Bewohnerinnen, Interessentinnen und Kooperationspartner*innen. Ihr Lebenswerk ist feministisch geprägt – im besten, alltagsnahen Sinn. Sie setzt sich dafür ein, dass Frauen auch im Alter ihre Rolle reflektieren, sich emanzipieren, Neues lernen und ihre Persönlichkeit weiterentwickeln.

„Meine Vorstellung ist, dass sich Frauen im Alter auch noch emanzipieren und weiterentwickeln können.“

Ihr Engagement wurde bereits mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Bayerischen Verdienstorden gewürdigt. Mit dem Luise-Kiesselbach-Preis wird eine Frau geehrt, deren beharrliche, ehrenamtliche Arbeit ein ebenso innovatives wie übertragbares Modell geschaffen hat, das das Leben vieler Frauen im Alter grundlegend verändert – und zeigt, wie solidarisches, gerechtes und menschliches Zusammenleben im Alter gelingen kann.

Luise Kiesselbach Preis 2026: Dr. Christa Lippmann

Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter e.V.

Der Verein wurde 1991 in München gegründet und bietet ein innovatives Wohnkonzept speziell für ältere Frauen. Ziel ist es, Vereinsamung zu vermeiden und ein selbstbestimmtes Leben in Gemeinschaft zu ermöglichen. Durch intensive Begleitung vor und nach dem Einzug wird eine verlässliche Nachbarschaft aufgebaut, in der Frauen ihre Selbstständigkeit bewahren und gleichzeitig auf gegenseitige Unterstützung zählen können.

Zu den Internetseiten von Nachbarschaftlich leben im Alter e.V.