Kategorie „Lebenswerk“ Mittelfranken
Seit fast 50 Jahren kämpft Gabriele Penzkofer-Röhrl für Gleichberechtigung. 1977 gründete sie das Nürnberger Frauenhaus mit und wirkte dort bis 2016. Parallel engagierte sie sich in der Stadtpolitik. Ihr Antrieb: der Kampf gegen Ungerechtigkeit.
Auch wenn Gabriele Penzkofer-Röhrl mit ihrem Bruder gleichberechtigt aufgewachsen ist, prägten frühe Erfahrungen ihren Einsatz für die Rechte von Frauen. So ärgerte es sie maßlos, wenn die Frauen nach dem Kirchgang nach Hause eilten, um den Braten zu beaufsichtigen, während die Männer zum Stammtisch gingen. Auch als Verwandte fragten, warum sie aufs Gymnasium wolle – sie heirate doch eh, sorgte das bei ihr für Irritationen.
Mitte der 70er Jahre wurde aus persönlichem Ärger politisches Engagement. In der Neuen Frauenbewegung fand sie Gleichgesinnte, die nicht länger akzeptieren wollten, dass Männer von Gleichberechtigung sprachen, Frauen aber kaum zu Wort kommen ließen. Gemeinsam mit Kommilitoninnen gründete sie die „sozialistische Frauengruppe WiSo“ (wirtschafts - und sozialwissenschaftliche Fakultät der FAU Erlangen Nürnberg)und setzte an der Universität eine Seminarreihe zu weiblicher Sozialisation durch – mit Scheinerwerb, was für damalige Verhältnisse ein riesiger Erfolg war.
1977 kam der entscheidende Schritt: Mit ihrer Mutter schloss sie sich der Initiative für ein selbstverwaltetes Frauenhaus in Nürnberg an. Die Verhandlungen mit der Stadt liefen gut und 1979 konnte das Frauenhaus eröffnet werden. Zunächst war Penzkofer-Röhrl als freie Mitarbeiterin tätig, dann als Sozialpädagogin, schließlich sechs Jahre lang als Geschäftsführerin.
Parallel begann 1990 ihre parteipolitische Laufbahn: SPD-Mitglied, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, Stadträtin. Ein besonderer Erfolg war die Rettung des Tagestreffs „FrauenZimmer“ für Frauen in sozialen Notlagen. Als die Finanzierung wegzubrechen drohte, stellte sie einen Antrag – und der CSU-Politiker Hermann Imhoff zog seinen eigenen zurück, um ihren zu unterstützen. Die Finanzierung der Einrichtung wurde sichergestellt, und sie existiert bis heute.
„Frauen müssen nicht unbedingt mehr gefördert werden als Männer. Sie müssen nur ermutigt werden, ihren Weg zu gehen.“
Über die Jahre lernte Penzkofer-Röhrl neben Geduld auch die Kraft von Netzwerken zu nutzen. Früher habe sie immer alles gewollt und zwar sofort. Heute weiß sie: Auch kleine Schritte führen zum Ziel, vor allem, wenn man sie gemeinsam geht.
Luise Kiesselbach Preis 2026: Gabriele Penzkofer-Röhrl
Hilfe für Frauen in Not e.V.
Der Verein Hilfe für Frauen in Not e.V. ist Träger des Nürnberger Frauenhauses, der Nachgehenden Beratung und Second Stage Nürnberg, der Beratungsstelle bei häuslicher Gewalt und Stalking sowie der Koordinierungsstelle Nürnberger Weg. Er bietet Schutz, Zuflucht und Beratung bei häuslicher Gewalt, Stalking, Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung und unterstützt Frauen auf ihrem Weg in ein Leben ohne Gewalt. Das Angebot umfasst auch Online-Beratung, Prävention an Schulen sowie psychosoziale Prozessbegleitung bei Gericht.