Paritätischer Armutsbericht 2026: Soziale Spaltung verschärft sich – heterogene Lage in Bayern

02.06.2026

Einkommensarme Menschen haben in den vergangenen Jahren an Kaufkraft verloren. Insgesamt ist fast jede sechste Person in Deutschland von Armut betroffen. Zwar ist Bayern Schlusslicht in der Reihe der Bundesländer – hier ist etwa jede achte Person von Armut betroffen – dennoch gibt es auch hier bedenkliche Entwicklungen.

Berlin/München, 02.06.2026 – Der Paritätische Gesamtverband hat heute unter dem Titel „Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit“ seinen neuen Armutsbericht mit alarmierenden Befunden veröffentlicht: Die soziale Spaltung in Deutschland verschärft sich. 13,3 Millionen Menschen leben in Armut, die Armutsquote steigt auf 16,1 Prozent. Gleichzeitig wächst die Kluft zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen. Während Armut insgesamt zunimmt, verfestigt sie sich besonders bei Älteren, Frauen und Alleinerziehenden. Bayern steht im Verhältnis zu den anderen Bundesländern auf den ersten Blick gut da, verzeichnet aber ebenfalls eine steigende Armutsquote.

In Bayern ist etwa jede achte Person von Armut betroffen, in Sachsen-Anhalt bereits mehr als jede fünfte und in Bremen sogar mehr als jede vierte Person. Besonders alarmierend: Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und der höchsten Armutsquote wächst weiter – von 14,1 Prozentpunkten im Jahr 2024 auf inzwischen 14,9 Prozentpunkte. Armut ist damit auch eine Frage des Wohnortes.

Die Lage in Bayern

Auch im vermeintlich wohlhabenden Bayern breitet sich Armut aus – von 11,8 Prozent (Wert des Armutsberichts 2025) auf 12,6 Prozent. In den Bezirken gestaltet sich die Lage unterschiedlich. Während die Bezirke Niederbayern (12,3 %), Oberbayern (11,8 %) und Schwaben (11,4 %) die Gebiete mit den niedrigsten Armutsquoten in Deutschland sind, verzeichnen die nördlichen Bezirke eine höhere Quote: In der Oberpfalz liegt sie bei 14,6 Prozent, in Mittel- und Oberfranken bei 13,7 Prozent, in Unterfranken bei 13,2 Prozent.

„In vielen Regionen Nordbayerns prägen niedrigere Löhne, der Verlust traditioneller Industriearbeitsplätze, demografischer Wandel und eine unzureichende Infrastruktur die Lebensrealität der Menschen. Die Folge sind erhöhte Armutsrisiken, insbesondere für Alleinerziehende, ältere Menschen und Familien mit geringem Einkommen“, erläutert Theresa Sittl, Bezirksgeschäftsführerin des Paritätischen in Niederbayern/Oberpfalz. „Was wir hier seit vielen Jahren sehen, ist Ausdruck struktureller Benachteiligungen, die politisch endlich ernst genommen werden müssen. Gleichwertige Lebensverhältnisse dürfen kein Verfassungsversprechen auf dem Papier bleiben.“

Armut in Deutschland in Zahlen

Mit einer Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen fast jede fünfte Person ab 65 Jahren betroffen, bei Frauen über 75 Jahren sind es sogar 21,3 Prozent. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent. Die Folgen sind längst im Alltag angekommen: am Küchentisch, beim Einkauf, bei der Frage, ob eine vollwertige Mahlzeit noch bezahlbar ist.

Hinter den steigenden Armutszahlen stehen konkrete Einschränkungen im Alltag: Millionen Menschen können sich unerwartete Ausgaben nicht leisten, sparen beim Heizen oder verzichten auf gesellschaftliche Teilhabe. 4,6 Millionen Menschen leben inzwischen in erheblicher materieller Entbehrung. Die Zahlen zeigen: Die soziale Spaltung verläuft nicht nur beim Einkommen, sondern zunehmend auch bei den realen Lebensbedingungen.

Mit Blick auf aktuell kursierende Vorschläge zum Sozialabbau mahnt Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes: „Nachdem soziale Sicherheit schon über Jahre ausgehöhlt wurde, statt sie zu stärken, drohen jetzt sogar noch weitere Kürzungen: beim Wohngeld, beim Unterhaltsvorschuss, in der Jugendhilfe, in der Eingliederungshilfe, bei Rente und Krankenversicherung. Und wieder trifft es gerade die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind: Alleinerziehende, Alte, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete sowie Kinder und Jugendliche.“

Weiterführende Informationen

Redaktioneller Hinweis: Für regionale Ausspielungen kann das Zitat von Theresa Sittl entsprechend angepasst und der jeweiligen Bezirksgeschäftsführung zugeordnet werden: Oberfranken – Irene von der Weth, Mittelfranken – Johannes Bischof, Unterfranken – Kathrin Speck.

Den vollständigen Armutsbericht des Gesamtverbandes sowie die Kampagnenseite  "Sozialabbau stoppen" finden Sie untenstehend verlinkt.
 

Ansprechpartnerin für die Presse: Gabriele Dorby | 089 30611-245 | presse(at)paritaet-bayern.de

Über den Paritätischen Wohlfahrtsverband in Bayern: Der Paritätische in Bayern ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Dem Landesverband haben sich rund 800 Mitgliedsorganisationen angeschlossen, die in allen Bereichen der Sozialen Arbeit tätig sind. Der Paritätische ist zudem selbst Träger sozialer Einrichtungen. Er ist parteipolitisch unabhängig und an keine Weltanschauung gebunden. 

 

 

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